Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1922-11-03 · Heft 1340 (3.11.1922) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1340 (3.11.1922)
Date
1922-11-03
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/2979076-2980129-2980420--12718-2999296
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

-,; t'-.-. ( ■ ■ ■ - Nr.-1340 ' Wwn, ffrchag l^ffc, ^beharren sollte, auf ihre Mandats verzichten. Bisher tvirrden folgende Wahlresttltate bekannt: christ- . liche Demokraten 38, BolkssoziaUsten 20, Soy.aweumkraten 10, I n den 2, Polen' 2, Deutsche V Kommun iftett 3, Kleinbauernpartei 2 Ncandate. Jugoslawien. ßmeSiMrung -er Außenminister». Belgrad, 2. November. (Tschecho-slowakisches Preß- Lureau.) Minister des Aeußern Nincic erklärte Presse- Vertretern gegenüber, die Regierrmgspolitik werde auch weiterhin fr i e d l i e b e n d b l e i b e n, ohne jedwede aggressive Tendenz, einzig von dem Bestreben durchdrungen, auch zur neuen italienischen Regierung normale Beziehungen aufrechtzuerhalten. Der Minister appellierte an die Presse, sich' aller Alarmnachrichten zu enthalten. Re Snentsrme. Belgrad, 2. November. (Tschecho-slowakisches Preßbureaus.') der griechische Minister des Aeußern Poliiis trifft arn i b. rn Belgrad ein, uut mit dem Ministerpräsidenten' Paste. und dem Minister des'Aeußern Nincic über die Oricutkouferenz zu beraten. Das ist, mein einziger Anteil an der Angelegenheit von Mesopotamien und Palästina. Sollten nun die Herren B o n a r Law und Lord C u r z o n beschließen, die Zusagen und Verpflichtungen, die in bezug aus diese Länder gemacht worden sind, zu Hechen, so werden diese Herren ihre eigenen Zusagen und ihre eigenen Verpflichtungen, nicht aber die meinen, brechen. Ich glaube aber nicht, daß sie etwas AehnNches tun werden." WMnlederlagrn der englischen Arbeiterpartei. London, L. November. (Wolfs.) Gestern sanden in ganz England und Wales die G e m e i n d e r a t s w a hl e n statt, deren Ergebnis, wie die Blätter hervorheben, angesichts der unmittelbar bevorstehenden Parlarnents-Neutvahlen von besonderem Interesse ist. Die bisherigen Meldungen lassen eine schwere Niederlage der) Arbeitertmvdidaten und einen Erfolg der Konservativen feststellen. Es wird besondars betont, daß die I ndustriestädte im Norden gegen die Arbeiterkandidaten gestimmt haben. Nach den. „Tiures" haben auf Grund der Meldungen aus der Provinz die Konservativen 101 Sitze gewonnen und 12 verloren, die Liberalen 33 gewonncn und 11 verloren, die Arbeiterpartei 5 Sitze gewonnen und 168 verlorep und die Unabhängigen 37 gewonnen und 19 verlorerl. Rundschau. tzuechU Wer die PalWirm-PoM. Lontzon, 1. November. (I. C. B.) In einem Schreiben au eine liberale Vereinigung in der Provinz äußerte sich Churchill-über die Palästina-Politik Großbritanniens unter anderem wie folgt: „Man behauptet, ich trüge eine persönliche Verantwortung für unsere Untermhmungen in Mesopotamien und Palästina, so daß die Führer der neuen Regierung von dieser Verantwortung frei waren. Eine solche Behauptung ist der Wahrheit diametral entgegengesetzt. Bonar Law und Lord C u r z o« waren beide Mitglieder des Kriegskabmetts zur Zeit, da die Verpflichtungen im Orient übernommen /worden sind. Ich war damals nicht Mitglied des Kriegskabinetts, ich diente unter diesem Kabircett gewissermaßen nur in einer lechinschen Position. Durch eine damals angenommene konstitutionelle neue Bestimmung ist die ganz eVerant Wortung für die Politik allein dem Kriegskabinett auserlegt worden. Erst anfangs 1921 kam ich in Berührung mit den Angelegenheiten des - nahe» Ostens. Zu dieser Zeit betrugen die Gesamtausgaben sür Mesopotamien und Palästina 45 Millionen Pfund jährlich. Lord Cinyon übte damals die allgemeine Kontrolle über alle Angelegenheiten des nahen Ostens, aus. Das Kabinett hat dann diese Verantwortung von ihm auf mich übertragen und in der Zeit der Periode meiner Verwaltung gelang es mir, die Ausgaben von 45 Millionen zunächst ans 30 und dann aus 11 Millionen Pfund Sterling (im lausenden Jahr) einzuschränken. Me meine Abi sichten waren daraus gerichtet, die Ausgaben im kommenden ' Jahre auf. weniger als 6 Millionen Pfund zu bringe«. M WaWsÄereitrmgen sstr da» englische Mterhau«. London. 2. November. (Wolfs.) Nach Blättermeldruigeal sirck bis jcht fast 1400 Kandidaten für die Wahlen ins Unterhaus ausgestellt worden. Obgleich die Konservativen zwei unter Führung von Bvnar Law und Chamberlain stehende Gruppen bilden, bandeln, sic-in Uchereinstnimmng, nur ihrer Partei möglichst di-llr. Sitze zu verschaffen. Es sind nur vereinzelte Fälle von Gegensätzen zu verzeichnen. Dagegerl tritt die Spaltung zwischen den Nationalliberalen und den Unabhängigen Liberalen deutlich zutage. Die beiden-Gruppen bekämpfen sich .in einer Anzahl von Distrikten. Was die Arbeiterpartei betrifft, so ist erwähnenswert, daß sie zahlreiche aus den freien Berufen stammende Kandidaten ansstellt, darunter eine Anzahl Rechtsanwälte und Schriftsteller, unter letzteren den bekannten Romanschriftsteller Wells. «Mulims Politik. Amderung des Wahlgesetzes. Paris, 2. November.' (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Dem „Matin" wird aus Chiasso gemeldet, der italienische Ministerrat habe beschlossen, die Kammer für den» 15. d. einzuberufen. M uff olin t habe bereits einen Gesetzentwurf vorgelegt, um das Wahlgesetz zu andern. Die Neuwahlen sollen im März nächsten Jahres stattfinden und u.ach dem.ftanzö.srschen Wahlgesetz durchgefiihrt werden. " Mussolini erklärte einem Vertreter der „Starnpa" es sei gleichgültig, ob eine Minorität oder eine Mehrheitsregierung herrsche. Die Hauptsache fei, daß er sich aus 300.000 Mann stützen könne, die ihm blindlings erg e d en seien. Wenn die anderen Parteien nicht mitarbeiten wollen, werde er eine rein faszistische Regierung bilden. i ‘ •, »{'; ' ' ' r 7 3. Siovember 1922 Paris, 2. LLövernber. „Chicago Tribüne" meldet auij Rom, der erste Schritt Mussolinis, werde eine Anüahmurji an die Bereinigten Staaten sein, um durch eine enge^ Verbindung die italienischen Finanzen heben. Meudorss mch Kahr. Staatsstrekchagitaiiott in Bayer». Berlin, 2. November. (Tel. der „Wiener Piorgew zeitung.") Wie eine Nachrichienagentnr meldet, sind diß Vorbereitungen zu'einem Rechtsputsch sehr weit ge? diehen. Das Zentrum dieser Bewegung-ist die Villa bei? srühererc bayrischen; Ministerpräsidenten v. Kahr München, der neben General Ludendorff und Ehr^ Hardt an der Spitze der Bewegung steht. Das Reichs wehrkommando München dürfte rttit fliegenden Fahne» bei einem monarchistischen Putsch zu den-Rechtsradikale» übergehen. Man Hai bereits Etappen für den B ormarsch nach Berlin festgelegt. Bekannt sind solche Etappen iv München und Ostpreußen. AMisrifung -er Maater; sch Merchur^ Riga, 3l. Oktober. (Tel. der „Wr. Äiorgenztg.") Jv Petersburg wnrdeir über Berürdmmg dev Behörden sämtliche Burger, die für Polen, Litauen und Eft-; larrd optiert haben, ausgewieseu und haben bis zun» 15. November Rußland zu verlassen^ widrigenfalls sie mit Gewalt abgeschafft lverdeu. Diejenigen, ivcc in Rußland verbleiben wollen, müssen auf ihre Option verzichten und umdie russische Slaatsbmgerschaft an suchen, M rsMcher GroWch al» PWWRMek. Pogronristen-Proklamatrouen in Paris. Atls P a r i s. wird uns geschrieben-. . Die.Tätigkeit der russischen und ukrainischen Pogromisten scheint seit einiger Zeit zum Stillstand gelommeu zu sein. Daß'aber die Pogromgefahr noch nicht vorüber ist und die russischen reaktionärer: Kreise in der Auspeitschung der uieimgtteu Leidenschaften und irr der Ab-- lenkung des Hasses, gegen das bolschewikische Regime.auf die Juden noch imnrer ein Mittel sehen, ruu die verhaßte Qrduuntf inr Osten zu uirterwühlcn und ihre Rcftaurations-; Pläne zu fördern, geht ans der Tatsache lrervor, daß diese Kreise Progrom-Äusrufe unter den. rrrssischen Eringrantert verbreiten. So werden derartige Aufrufe unter die Be-, sucher -er russischen Kirchen von. Paris und London verteilt. Das neueste Werk dieser Richtung ist ein Schristchen unter denr Titel „Gegen.Anjichristen, Bolschewiken und judaisierende Richen", welches bezeichnenderweise die Unterschrift des russischen G r o ß s ü r st en Alexander M i ch a i l o tu i t s ch trägt. Diese Proklaq mation ist vom September 1922 datiert und Mangt, wie die in Paris erscheineitde Itub den Interessen d.er russischen Juden gelvidlnete Zeitschrift „La Tribüne Jnive" mit-^, teilt, in der russisch-orthodoxen Kirche vpn Parks zur Berdreitung. Diese MUeste Pogrom -Lit'eravu','ili tnelcher der russische Großfürst die raffinierteste. Hetze'betreibt, ivelche wohl nicht auf die gläubigen russischen Enngramen beschränkt bleiben, sondern auch ihren Weg in das Innere von Sowjeirußland suchen wird — wofür schon die Form «I lat die Billigkeit, Qualit&t u. reiolie A.ÜSW&M in feinsten engüschen Stofton, KegenmKnteln, Damenn. Herrenwäsobe, in Strick- und Wirkwaren im Warenhaus 0 Ümr durch P,Uftim. Auf d«u Ländern des Jüdische« Nationalfonds. Bon Dr. Wolsgang Wrisl (Jevt-falem). .Z - - v. Währendie Gedanken und Plane der Führer die Zu» knnft baüen, schaffen die Mischen Arbeiter für die Stunde, für den Tag. Z Täglich kommen Fronde, ihre Arbeit zu sehen, Mt scheu, ob es vorwärts geht. Manchmal aber auch mit der Hoffnung, zu sehen, daß die Arbeit scheitert öder, ' was vielleicht, noch schlimmer ist, zu sehen, ob die Arbeiter dort, die unter den größten Entbehrungen leben, monatelang kein Fleisch aus den Tisch bekommen, monatlich nur 50 Piaster Bargeld als Lohn erhalten — ob diese Arbeiter nicht doch vielleicht etwas tun, tvas man ihnen übel ansleg^it könnte. So kam einmal ein Arnarikaner im AutomMl ange- ^rhren und verlangte, imr die Wohnstätten der Arbeiter zu sehen. Manzeigte sie ihm — vier Baracken mit je zehn .Zimmern, davon immer eines für Gäste — und er rief entsetzt aus: -,Ja, um Gotteswillen, in Jerusalem erzählte man mir, baß hier Burschen rwd Mädchen zusammen schlafen, und jetzt sche ich, daß es gar nicht wahr ist? „O ja,"/ antwortete man ihm, „alle unsere Ehepaare schlafen' zusaimnen rmd fast alle unsere Mädchen sind verheiratet." '; * ■ Etwas anderes erlebte ich selbst, als ich dort arbeitete. Da kam einmal ein Bürschchen aus Jerusalenr mit weißen Hosen, Weißen Schuhen, dümlein Spazierstock, Panamahut und strolchte.in: der Farm henun. Ms er mich sah, kam er aus mich, zu: „Bitte, tvo ist hier der Kuhstall?" Ich zeigte ihm ihn.' „Und bitte, wo sind die Predoth?" (Mauliievt). Ich zeitzte sie. „Und bitte, wo ist der Hühnerstall?" Da und '^r...Atzd jetzt quetschte der Jüngling schüchtern l>waus: 7,MvaLasha so hachrziriin?" Und setzte der Sicherheit halber jüdisch hinzu: „Ihr wißt doch, Ehazirim, Schweinlach.7 .,Hier gibt es keine Schlveinlach." „Aber m .JcrusickHu sggte, man mir doch, daß die Chaluznn hier. gel davon. Die Dhaluzim, denen ich davon erzählte, be-, dauerten es sehr... .*• . -i- Man spricht in der letzten .Zeit viel von Arbetts-' ietümg.' - Die einen arbeiten und die anderen geben kein Geld. Die Zeinen bauen am neuen Judenland und die anderen^ verleumden sie. ch Arbeitsteilmlg . . . Bon Kiriath-Anawim dis Ludd sind etwa 40 Kilo- Mter. . ' Eine lvunderbare Gebirgsstraße. Das Autonwbrl jagt bähin, jetzt hoch am Kamm. Täler, tief eingeschnitten in weichem Kalk, 200 Meter unter mt§. Jetzt wir selbst im Tal, hohe Berge schließen rms ein. Alle Berge wüst. Baumlos, wasserlos. Mit Steinen., übersäi. Wie Kiriath- Anawim — ehe es dvr Mische Nationalfonds erwarb.. Und alle mit Terrassen bedeckt, die unsere Urahnen bauten. Verfallene Zisternen, verfallene Häuser, vereinzelte OelbäMne — sie künden von einer Zeit, die war. „Untt warllm kauft rnan nicht auch diese Länder? Warum. Ntachr man nicht auch.diese Berge ftuchtbar? Was in Krriath-Anawim gelingt, muß doch im ganzen Gebirge Mötzlich sein . . Saturn man nicht kauft Weil ->in Geld da ist, wer', .der Jüdische Nationalfonds sein ganzes Vermögen für Bodenkaufe investiert hat, weil das Mische Volk kein Geld für neue..Muse gibt. Arbeitsteilung: die eiücu arbeiten, die anderen gelret: EM Gelb. ■ ' * - Von Ludd sichln wir auf der neuen Eisenbahnstrccke, die Jaffa und Jerusalem einerseits mit Haifa und Dantaskus andererseits verbindet, nach H e d e r a. Drei, vier Haltestellen, und dann durchschneidm di: Eisenbahnschienen voin Krokodilfluß an bis weit hinauf nach Norden, 'bis Zichron-Ja'cob,- nur Mischen B'odew Durch-große- BodenkÜuft der letzte« Monate würden, die Kolonien Ledkra Md LttüwMLacoL „MriM. Die Stadt ai, 7Ät«Ässks M ToSeption 47.J.79 En tgros Ln detail' Caesarea, in der bis jetzt einige hundert Familien poÄ-j nischer Mohanrmeda-ner lebten, ging in jüdische.H'iuSLi Mer. und ein Bodeükomplex von mM '120 Quadrailllo-.; Metern, also ettva so groß wie das Fürstentum Lichten-! stein, auf halbem Weg zwischen Jaffa'und Haifa, wurdet /Ern großer Teil des Landstriches ist Dün'rrrlaud. Biele Sümpfe gibt es hier, daher auch viel Malaria. Die! Kolonisten, die zuerst hier siedelt, gingen zugvundr. Dann begann man Bäumezu Pflanzen. Eukalyptuswäldrr entstanden, die die Sanddünen festhalten und Pie Sumpfböden trocken legm sollten. heute, da die Bäirme schon zch» und funfes-pt Jahre all. zchu und fünfzehn M->ter hoch sind, heute ähnelt die GegeM den Waldgegenoen D.ühyniens.- So weit das Auge reicht, schneidelH. hohe, mangrüne Wälder den Horizont ab. Zwischen ihnm sind übevall freie, noch wüste Boderfftriche. mit Knieholz bestandm, oder leere ScmdhüiZe'l, in denen per Fuß versinkt. j Und über dieser Heidelaudschast der Himmel des! Südens. /. - \ Ern Paar hundert Meter' Wetter. Dann verschwindet das Bild und ein anderes, ein ganz anderes taucht auf, Bo» übermannshphrn Akazienhecken umzäunt, grüne« Wunderbar lacheyde Orangengärten.. Neben ihnen, durch himmelhohe Zypreffemeihen getrennt — Oelgärten, Ba^ nqnen, Mcvndelbästme... D« bist cmf düm Boden des Mischen Natianalsond^ Ke Gan-Schmnel. Ein Reisesichrer würde über Gan-Schmuel folgendes berichten: ' \ ' Gan-Schmml ist 445 3)«m groß, wird von einer! Arbeitergrwppe von 30 Ddann bawrptschasket, davon ettva ein Drittel-Mädchen. Den' größten Teih des TerrainSj nirmnt ein Pavdeß tzÖvcvngeugarten) und ein Olivengarte» ein, der von der Eisenbahn LiM-Hrffa' durchschnitten . Wird. Etwa 40 Diumm werden irr fetzter Zeit mit Euka« lhptusbännten bepfloi^t.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.