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Wiener Morgenzeitung · 1922-10-29 · Heft 1335 (29.10.1922) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1335 (29.10.1922)
Date
1922-10-29
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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>—^ , 7 V‘ *' V"*' " ' €eii« 4 Wen, Sönntag ÄWye'V'. MoMMkWyG 29,, Oktober 1922 Nr. 133h Rundschau. Nie englische PalKstina-Politkr. I DaS „N eue Mauer AVenMat?' reproduziert die söl«. genbe aus London, 97. Oktober, datierte Meldung: Laut „Daily Mail" beabsichtigt Donar Law, Me« fvPotamien u ir d P a l ä st i n a z u raumen. Sr. wird dom konservativen Kabinett Unterstützung seiner Fordmrng verlangen. Die Nachricht stcht inr schroffen Gegensatz zu der von uns gestern veröffentlichten Londoner Nachricht, wonach bei den: Kolonialamt sm Telegraimn des englischen Ober« kommiffärs in Palästina» Sir Herbert Samuel, einge« troffen ist, in welchem der OLerkommiffär anftagt, ob die Einsetzung eines neuen unionfftischen Kabinettsauch eine Aerlderung der englischen Palastma-Politik mit sich bringe. Das Kolomenminfftermm hat die Anfrage Sir "Herbert Samuel sofort beantwortet Und erklärt,, daß. der Regie« runMvechsel keine Aender.ung der Palästina- P o-l i t i k bedeute. Der mue Koloniermvinister Herzog von Levonshire beabsichtige, sich bei der Durchführung der Palästina-Politik von den Prinzipien leiten, zu lasten, die in dev letzten Regierungsettklarung betreffend Palästirm festMetzt sind. Es liegt Nicht der geringste Gründ vor, -die Nachricht der „Daily Mail" mäh ML für annähernd richtig e halten. Für die englisch-c^iatische Politik fft das Palästina- Mandat eines der wichtigsten Element. Eine Räumung dieser Gebiete würde e-rwe grundlegende Aenderung der gesamten Orientpolittk einleiten, deren Basis der Bericht auf die Stellung in Asien wäre. Konter solchen Neuorientierung Mßten gewaltige Aenderungen der politischen Struktur Englands vorangehen, für deren Bevovstichen jede AnMhme fehlt. Helfferich - der Führer des deutsche» Nelke«. Görlitz, 28. Oktober. Heute hat hier der Parteitag der Deutschnatiolett Volk8Partei begonnen. Die Eröffnungsrede hreliALg. H.ergt, der zunächst das Verhalten der Partei Ln der PrLsiventettfvage erörterte -und zum Schluß sagte: MÄ MÄStt-ttNsere Tätigkeit aus dem ReichswHL hinaus ins Ball verlogm. Wir betrachten den Reichstag nicht mehr als unseren politischen KamWatz. Wir wollen dstses Theater der großen politischen Debatten nicht mehr mitmachen. Wen» wir aus Oppeln hören, daß' es Len Katholiken verboten sein soll, deutschnational zu sein, wenn man verlangt, daß wir die monarchistische und die deutschvMische Propganda einstellen, so sagt davmf der Parteitag: Nun erst recht? Neichskagsabgeordnejer Prostffor HStsch sprach über die Grenzmarken im Rahmen dereuwpatschen Politik. Eö sagte n, a.: Unsere Stünmung wnfc historische Erfassung ziehen unS heute zu England hinj das an der Wiedecherstelkr-ng deS europäischen Gleichgewichtes ent-, scheidend interessiert ist. Die Bedeutung des Völkerbundes unterschätzen wir nicht- Mr wir drängen UNS nicht hinein. Der Redner erklärte schließlich, daß Helsf e r ich allmählich-immer mchr zmn Flchrer des deutschen Volkes gewordm sei. Die Anwesenden erhoben sich von den Plätzen uns stimmten lebhaft zm L KLEIDER I KOSTÜME I MÄNTEL PELZE KftRNTNERSTRflSSE 34 (MAYSEDBRQASSE 2) * ISO Ich glaube, cs' würde"sich ziemen, , wenn daß siegreiche Jugoslawien zutrs' die Ha»w darreicheu würde. Wir haben darauf gewartet und bedauern, daß es nicht geschehen ist. Wir streben .auch M Freundschaft der übrigen Nachbar» sot(''lü der übrigen Mächte an und ebenso eine Annöhcrüng an Rußland. Die Beziehungen Bulgariens zu den Alliierten sind ausgezeichnet: Unsere .Haltung ihnen gegenüber war immer loyal, wir haben unsere Verpflichtungen immer erfüllt und wir hofft»,, baß auch sie eherrso Vorgehen. .Am Schluffe "ferner Rebe wies StambulüM darauf hin, daß man, Lhraziennrit dem Ziele, pon Bulgarien wcggenonnnett höbe, eS zu intevnatioimlisicren. Er sprach die Hoffnung aus, daß die Großmächte ihr Bersprecherr ein« halten werden. Hüraus vctlcrte das Sobmnje der Regierung mit großer Mehrbtit das Vertrauen. Die istternatto«ale WSHrmrgsksnfertz«z. Berlin, 28. Oktober. ÄaS „Berliner Tageblatt" mel« Lei, daß die Sitzung der internationalen WährungSsachvet- WMgenkonferen-Donnerstag unter dem Vorsitze des' Reichsvankpräsidenten Havenstet n Mttfindeu we rdv. Es verlautet, daß einige der Sachverständigen bereits fest-,' nmrtstKre Pläm aüLgearbeitet haben, die sie der suW ferenz vorzulegm gedenken. Als Ergebnis dxr Bewtilugcn erwartet man die Formulierung eines ausführlichen Äit-' achtens. Seitens der deutschen Regierung ' wolle -man ketneM Einfluß auf Re BerhaMungen ausübeu, damit ein-gänzlich undcLinflußteS Gutachten zustande komme NsquiLtz gtgen den NersaiLer Vektrag. London, 28. Oktober. (Wolff.) Äsqnith eröffuete' gestern die Wahlkampagnemit einer Rede, worin er erkläre, die englische Politik sei nur in den Händen aufrichtiger Liberaler sichet. Daß. Wort „Zusammenwirken" sei nur. erfunden, um an Stelle des altmodischen Wortes- /Koalition" zu treten. Letzten Endes werde es auf dasselbe hinauslausen. Die ganze Welt sei der Ansicht, daß der FriedenSvertrag von.Versailles, Lloyd- Georges FreihettSurkunde, avgeändelt werdenk Müs s e. Der Vertrag von G e v r e s sei bereits t o t. Die Politik der liberalen Partei sei eine Pölitkk de- Friedens und der Sparsamkeit. Die Li-. Leralen Hätten seit dem MfftnsMstanh darauf bestanden, baß dem BüllerkuM Me wirkliche, und beherrschende - Autorität gewährt werde. Die Frage der Reparationen und her Interalliierten Schulden-sei die Wurzel alter Wirtschaft- SWew kann w-d°- von ien Bulgaim «och vm M.OD S*cm(cn «Hen «t i4rden Türken, und den Jugaslaweu^mtLehrt werden. DaS. -- Bulgariens auswärtige Politik. Ein Expose des bulgarischen Ministerpräsidenten. Sofia, 28. Oktober. (Bulgarische Telegräphen-Agentur.) Ministerpräsident StackbülinSki hielt vor dem Sobranje ein Expose, worin er aussührte, Bulgarien habe besser als Deutschland, und Oesterreich den Wert seines Geldes zu bewahren vermocht. Immerhin sei es aber außerstande, die ihm auferlegte Rirparat i o n s s u m m e z n U z a h l e n.' Aus jedem Fallmüßte ein Moratorium bis zttNi Jckhre 1926 gewährt werden. Er betonte weiters die NotwendigkLit, die Politfk' der verschiedenen Mächte mit dem Völkerbund in Einklang zu bringen und den Völkerbund immer weiter auszugestatten. ■-■■■■> Die Regierung beabsichtige, mit allen Machbarn in bester Freundschaft zu leben. Ihr Streben gehe dahin, die gegen Bulgarien gerichteten Angriffe zu zerstreuen. Unter anderem sei auch die' Behauptung unwahr, alsplb Lle vulgarische Regierung mit Mustafa Kemal Pascha oder Mit der russischen S o w j e t r eg te v u « g ' in Verbindung wäre. Der Ministerpräsident wies sodann darauf hin, daß KemK Pascha die Reviston des Vertrags von .Sevres durchgesetzt habe, und erklärte, daß dieS notweMgerweise /auch die Revision der übrigen Verträge nach sich ziehen müsse. t Die Türkei werde nunmehr ein Nachbar Bulgariens sein und das gegenseitige Verhältnis Werde von dem Der- , halten der Türken abhängen. Wir erklärm den Türken, sägte der Ministerpräsident, daß derjenige, der sich unserem Streben nach dem freien Meere Widers etzt, ein Feind Bulgariens ist. Ich glaube, daß die Wünsche der Türken nicht über die Autonomie Thraziens - hinaüSgehen. Die These, daß der Machthaber von Konstantinopel gleichzeitig der Herr des Aegaischen; Meeres sein ‘off,, .kann nicht weiter auftechterhalten werden. DäS neue Griechenland muß stch ' hinter die Grenzen Westthrazrens zurückziehen und Bulgarien muh. ein Stück deS Ufers deS Aegäischen Meeres erhalten. Auch für Jugoslawien würde es eine Einschnürung bedeuten, wenn eS vom Meere ferngehalten werden würde. ' . . . Der Mmisterpraifideui sprach sodann über daS Ver< hältnis zu den . unmittelbaren Nachbarn und führte auS: cimä. , Dte vkientkonferenz . London, 9S. Oktober. Wie das Reatevsche Bittca«' aus Ronsttintknopel meldet, wich JSmet Pasch<i «u bin Spitze der kemälistWn Delegation zur Konftrenz nach , Hausanm avreistn. - orix. evxlvon K 475,000 aufwärts, feine Herrengarderobftfi modernste u. gediegenste Ittäteii ffl reJeWstef Auewahl enorm billig. Snes Atelier für keine Masibesietiimgeii« nngserieiehterüflgefi werdewohtieprelt* autMikg GbGMd aamstäg geschlossen. iyiijfiiimm r '|- Tiniitr die ernste Etliche Stimmung auf tfen Schiffen und drüben die Ankunst, der feierliche Empfang einsiel, hübe ich oft geweint Über das UttgMck meines Volkes. Äöer wenn ich das Volk führen werde, darf ich keine Tränen zeigen. Der Führer-muß einen harten Blick haben." Der zweite Schritt zu den Juden ist tzerzls Brief an den Wiener OberwMner Güdemmni (dem ein solcher an Salo Lohn vownSgegangen war). Gr will von zwei wohlbewanderten Männern — einem Ruibbimr und eitlem Flnanziev — einen richtigen Ueberblick Über die SituaÜon der JudeNschast, einerseits in geistiger Md potmschev, andrerseits in wivtschastlicher Beziehung, erhalten. / So ladet er die beiden Männer zu eilM' ZusLMmenKmft nach Eaux am Genfer See,- wo sie im AMick dev neuen Gteischevbahn aus ihrem gewöhnlichen seelischen Mlieu herausgerissen wären, in die hohe Bergfvecheitwo dar alltägliche Leben „berfircft". Nach langem Hin und Her <—■ Herzl verbirgt in seinen Briese« den Inhalt seiner Losung der Judensrage siiÄöt schließlich in München in Gegeuwart eines recht wenig ittwresiierten Dritten -- ein« Begegnung mit dem Obeveabbiner statt, der sich fasziniert zeigt. „Wenn Sie recht haben, bricht meine ganze bisherige Anschauung -ursammen. Ader dennoch wrüffche ich, daß Sie recht hätten". Und vergleicht Herzl ühertreibend Mtt Moses. Köstlich ist Herzls Schilderung des Rendezvous im Terupel. GüttemanN zeigte mir das Innere des schönen Tempels. „Der Schames oder SchabbSgot, ein alter Mensch im blauen Unisormrock, groß und von schwindender Korpulenz, sah Bismarck Dhv ähnlich. Cs war eine kuriose OtÄmnung ttwin, daß eine Msmarck-Figür mit den . Schlüsseln hinter uns herging, während mir der Mbbrner' den Tempel zeigte. Der Goi wußte nicht, daß er Bismarck ähnlich sieht; d'cr Rabbiner wußte nicht, daß er.etwas Symbolisches tat, als er mir die Schönheit eines Tempels wies. Nur ich wußte dies und anderes." Später war allerdings <Mu-^ann, d^er seinen EntMüMuS ümner wehr den „Judenstoo^^ vom mit verborgener Tücke zürückzoa, der erste, der gegen «abblmschott Standpunkte auS polchnffierte. ' . ' Nebenbei zeigt sich in dieser Anknüpfung Herzlfein eigentLmücheS Verhältnis pon HreizndHkeit üich Achtung gegenüber!mn ReliMen, da§ ihn: nur in den tradltwnellen Formen des RaMnerS oder W arwerM W antzMnffchsn PcfftorS ,^echker^., ',g^yMMqch/ dessen wunderliche- Prophezeiungen einen gewissen mesiian schen Hintergrund Mdeten zu den sehr pMtischen pol schen Hilfen, die er ihm leistete. . - Twrch Hechlers Vermittlung konnte Herzl .feine» Plan in zweietnhaMündiger Audienz dem Großherzog von. Baden entwickeln. Gs war zugleich die erste politische Persijnlichksit, die Herzl mit vollem sympachtschem VerständnsS entgegenkam, nachdem M persönlich«« Brief an VMM, mit dem Herzl seine potÄschen Versuche begann, , MbrmtwsrtÄ! geblieben war. Ein - persönlich charrckjertsttscheS Zeichen , m , mnd ftitM.Lsbensiwnie zugleich, daß sich HerK von Begegmw MN. mit hochstehenden. Persönlichkeiten, deren menschüche Schwachheitm ins Gedächtnis ritft, uin nicht befangen, zu werden, und zugleich sich! Mst vor dem Auflommen innerlicher EitÄeitsgefÜhle M Wtzen fuchtt , ■?, : Von Lesoudevsr WichttMtt sind? endlich- Herzks BN« knüpfuMn in Aonstcvntinopel, 'welche durch Rewlinski vermittelt -werden, .-ei»D- Potsn MelhafM, - et^ melancholisch-zynischem Charakter, de« barm Sultan Mst auS- und Mgeht, mit den höchst gestellten Personen^ tm türkischen Hof auf Du.und. Du>st,cht, urw.trotz M-erlei Mmr MßMWite« M Mckzüge,' HW' doch W h'ültdWr Trem zur Seite steht. An Hetzls Aufzeich-rmuM . cmS KorMuLiuopel entrollt sich,'in spannenderbettiahL WütastAchsr;,Mise<Än .Stück patriarchalischen -OrtM-^ ,jsm - schwer zitHangliche West der Paschas und^Wesiere, M, von euE absMtvn UuieümffswiLSüeW wchexMy demwA LölspLoü Ur. 66-1-66 ven größten MWß Mn öttf die allein gültigen Entscheidungen des Kalifen. Backschisch und Geschenke — Herzl Muß zum Beispiel von Wien eine Kollektion edler Obstünd GemüsesoM MtzbrittM. --, ebttöN Manche Wege, in politischer Beziehung übernimmt Herzl vermittelnde Verhandlungen.mit den Armeniern, welche jedoch zu nichts führen, am ontscheidmOstm sind aber doch die eigenen per- * sötilichen Besuchs und die Wege des treuen VermtttleK.. Der Sultan Mst. zeigt sich zunächst in ritterlicher Weise - errtrüM über die Zumutung, Land, durch Volker Blut errungen, wegzuhandeln. Seim von Newltnski überbrachte Amherung schließt mit dev —namentlich angesichts der dmmliM Situatton twr Türkei. bszsichlwuden tragischen Geste: „DaS Türkische Reich gehört nicht mn*, sondern bem Mvkischen Volke. Ich kann davon nichts hergebe». Dte Juden Men sich Hre MMiardsn auffparsn. Wenn mein Reich zerteilt wird, bekommM sie vielleicht PMstkua umsMst. Aber Men wird man erst unseren KMvsr. Eine Bivisestion gebe ich nicht zU/^ Indessen bmchtrn die sympüchischen Andrücke, welche er indirekt von Herzl enipfing.— den er auch bei de« Feier des SvlamM aus' der Ferne scharf beobachtete den Snltaic so wett, zu erklären: „Die Juben sind inM-igM; sie werdenschon Sine FvM findm, Vre akzeptabel ist." Ettde solche lag nach dem Vorschlag' Met Midarin, haß ein anderes Land erworben ü-nd der Türkei zmu Tausche angebsten wurde, Trotz. ununterbrochener Fühlungnahrne mw invirekter BerhaMungen kam Herzl während seines zweiwöchiM Aufenthaltes angeblich, weil die Angele«- getthett schon zu pMik ist keine Audienz erlairgen, und er Mngt alS einziges positives Resultat hett - Medschtdije- Orden mit, hen er braucht, um in London irMnd eineü Beweis Mstigen MtgegetckommenS mszetgen zukönnen. ' ' ErnstMülLer.' ' (M WM Wv ' i 53534823530100012323530053534801235323232323

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