Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1335 (29.10.1922)
- Date
- 1922-10-29
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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.V’ 1 J t li V *» wp' .M'tf ff K ' *' ' 7, Äi. 1335 Wien, Sonntag Mene- Mor^enzcrtung. 29. Oktober 1922 Seite 5 T-LtortyrrltL-rlalvr 'Vsrls.K „V,s2as.1«ss.2a.crs" (Erdtraalrt)., ‘^Tien3 J*oliatinesgasse 14 Grosser Konzerthaussaal |||||1||| ^jj|jj J||j lirtrag fiter die Neitwlrtschaf!8ladB der WsiWheltJigMrt Altred Noseä^s Zionismus und Judenheit TLvLsLs tind 9880 X-lÖSXiaZLg' SoeTaen •rachJ.on.eii tan-gL in. allen Buchhajidlungön erhältlich. f TagesberW. Die Erhöhung der Postgebühren. ' Am 1. November d. I. tritt, wie bekannt, die Erhöhung der Postgebühren in Kraft. Zur Vermeidung von Nachzahlungen ist es geboten, die neuen Gebührenvorschriften von dein angegebenen Zeitpunkt an gmcu: zü beachten. Die wichtigsten Aendr-ungen sind folgende: ' ' Tie, Gebühr f ü r e i n e n B r i e f.beträgt: im Ortsverkehr bis 20 Gramm 320 K-, über 20 bis 40 Gramm 400 K., Wer 40 bis 100 Gramm 480 K., iVBcr 100 -bis 250 Gramm 960' K-, über 260 bis -500 Gramm 1920 K., über 500 bis 1000 Gramm 4000 K. und über 1000 bis 2000 Gramm 8000 K.; im Fernverkehr in Oesterreich und nach Deutschland mit Danzig und dem Memelgebiete bis 20 Gramm 400 K., über 20 bis 40 Gramm 4^0 K., über 40 bis 100 Gramm 640 K., üher 100 Gramm gelten U?selben Gebnyrensätze wie bei Briefen über 100 tz'ra'.-n nn ^cisrcrklhr; nnk, Numänien. DschechoMoiv^k?l. Ztali'n und ''ngurn C*;l 20 Ölrarnm 1200 K., für je w:i:.'vr 2.1 Gramm 750 K., nack -denübrchen Ausland (W-olt-- pa'trcre.Ni bis 2L Gr?mar 1 o'dC K... 55t;•* weitere 20 Gramm 760 K. Ferner beträgt die Gebühr >ür P o st k a r t e n in: Verkehr in Oestene'ch nnd Teu'.jü lcmd mit Danzig und dem Memelgeböte'200 Kl, für Drucksachen (flach verpackt) bis 60 Gramm 80 K., über 60 bis 100 Gramm 160 K., iiber 100 bis 250 Gramm 400 K., über 250 bis 600 Gramm 800 K., iiber 600 bis' 1000 Gramm 1200 K. untd über 1000 bis 2000 Gpamn? 2000 K., für sperrig» (Rollen) Dmckfachen die doppelte Gebühr; : für Geschäftspapiere Wie bei Drucksachen, jedoch mindestens 400 K., für Warenproben bis 260 Gramm 400 K, über 350 bis 500 Gramm 800 K. Für Postkarten nach Rumänien, Tfchecho-Slowakei, Italien und Ungarn 720 K., nach dem sonstigen Auslände 900 K., ferner nach dem gesamten Auslande (ausgenommen Deutschland) für'Drucksachen, Geschäftspapiere,. Warenproben für je 60 Gramm 300 K., jedoch bei WarMnnben wenigstens 600 K., bei Geschästspvpieren wenigstens 1500 K. Die Einschreibegebühr beträgt.für Inland und Deutschland (Danzig und Memelgebiet) 640 K., sonst IM K.. Bei ungenügend oder nicht ftevgemachten BriesseWungen wird . da- Doppelte - des fehlenden Betrages; mindestens' aber bei Sendungen aus Oesterreich und Deutschland 320 K., bei sonstigen Sendungen 900 K. eingchoben. Die Wert gebühr beträgt bei Wertbriefen m Oesterreich 400 Ä. für je 240.000 K. bei verschlossenen,^ und 1200 K. für 'je 340.000 K. bei gegengesiegelteü (ofstn) <n:sgegebenen Wertbiesen (solche sind nur zulässig, wenn sie wenigstens 800.000 K. inländische Banknoten enthalten); bei Paketen mit Wertabgabe" in Oesterreich für je 240.000 K. 400 K., die Wertgebühr für ■ Wertbriefe und Postpakete mit Wertangabe beträgt im Anslandsverkehr für je 480.000 K. 800 K., jedoch wenigstens 1600 K. . Die Gewichtsgobühr bei Pakete in: Jnlandsverkehr beträgt bis.l Kilogramm 1600 K., über 1 bis 5 Kilogramm in der ersten Zone 8200 K., in der zweiten Zone 4000 K., in der dviitrn Zone 5200 Ä., in der vierten Zone 6400^K., über >5 ,bis -10 Kilogramm das Doppelte, über 10 Vis 15 Kilogramm das Dreifache, über 15/bis 20 .Kilogramm das Vierfache der Gebühr, für die Pakete über 1 As 5 Kilogramm. Bei Paketen, mit-Wertangabe ist Nutzer der Wertgebhx eine W-- sertignngsMbühr eiMheben. Diese wird/im JylanhsveÄehr erst bei einer . Wertangabe über 320.000 K. ausgerechnet und beträgt bis 4,000.000 K.. 2400 K>, bei Wertangaben Wer 4,000.000 K. . 4000 K- In: Verkehr. mit >dern WÄtpostvereins- 'auÄaud. -beträgt die Abfertigungsgebühr bei Postpaketen mit Wertangabe 'As 4,000.000 A. 4800 K.» über 4,000.000 K. 6000 K.- - . . Die Gebühr für Postanweisungen beträgt -ist Oesterreich bis 40.000 K. 400 K., bis 100.000 K. 80Q K., bis 200.000 K. .1600 K.,' bis 400.000 K. 2400 K-, As 800.000 K., 8200 K., bis 1,200.000 K. 4000 K, .W 1,600.000 K. 4800 K. Nach Deutschland, Saargrbiet, Stadt -Danzig und MeMelgebret — nach anderen Läden: derzeit unzulässig—As 80.000 K. 800 K., bis 160.000 Kl 1600 K./ftr>, weitere 160.000 K. je 800 K. mehr; Höchstbetrag in Oesterreich 1,6M.M K. nach Deutschland 2M0 Mark. Der Roh-r post Zuschlag betragt 800 K. Es kostet daher ei« Rohrpöslhvief in Wien 1120 K nW eine Rohrpostkarte 1000 K. . - . , 1 GoLÄKrone^ 15.050 Pap'tsrkroüett. Die. GeschciftAleitung der OcstarWichisch-untzarischen Bank teilt mit, daß die Goldparität (lünrechmMgsverhältn-is betr-sffgW. die Zollzahlungen in Gold) für die Periode Pom. .30. Oktober .bis v. November 1922 . mit 10.050. Kvo-yen festgesetzt' worden ist? Für die vorangegangene Periode .vom 23. bis 80. Oktober ioar die UmvechmmgLMermit' 14.940 Kronen festgesetzt, wovden. Gegenüber der damaligen. Besierung Von. $0 Papi»erkpvnen ist somit eine B e r s ch l c ch t e rn ng um 110 Papvvrki-smen einget-reten. ..... - __rnmummm T AuSErabungen in BalLstina. Die „Times" vom 27. und 28. September bringen ausführliche Betrachtungen eines. Spezial-Korrespondenten über die Ausgrabungen in Palästina. Seit zivei Jahren hat das Departement of Antiquittes der palästinensischen Regierung, das. auf Sir Herberts Samuels Anregung gegründet wurde, 7223 Mertumsobjekte katalogisiert, von denen der größte Teil im Palästina-Museum in. Jerusalem ausgestellt ist. Nur ein geringer Teil davon darf ausgeführt werden.. Ebenso haben die Inspektoren in der Provinz 1467 historische. Monumente. registriert. Die wichtigsten Stätten werden durch Wächter beschützt, damit nicht Baulustige das Steinmaterial zu ihren Zwecken verwenden. Im Herbst will man an 13 Stellen mit Ausgrabungen beginnen. Die bedeutendsten AusgraAu:gen waren bisher in Askalon (in Südpaläftina zlvischen Jaffa und Gaza), die aus Mangel an Mitteln unterbrochen würden. Dort sind aus hellenistischer Zeit , die Ruinen des Bonleuterion, der Beratungsstelle des Stadtsenates, ausgegraben Vörden. Mit seinen prächtigen Zugangskolommden, seinen Statuen uyd Skulpturen stellt, es das bisher schönste klassische in Palästina bekamtte Bauwerk dar. In tieferen Schichten sind zahlreiche Reste phönizischer Kunst zu finden, die manches neue Licht auf die Zusammenhänge der Kunstentwicklung des Mittelmeer-Gebietes werfen. — Eine Expedition der Universität von Pennsylvania hat am Zusammenlans der Ebene Jesreel mit dem Jordantale (das biblische Betschean an der uralten Handelsstraße von Damaskus nach dem Nildelta) unter Leitung Dr. Fishers verschiedene übereinander, gelegte Schichten bloßgelgt und ist interessanten Einflüssen der ägäischen Kuliurzone auf die Spur gekommen. Auch eine Rvmses dem Zweiten zugeschriebene Monnmentalinschrift ist gefunden worden, die manches neue Licht auf die Zustände in Palästina von damals und die Feldzüge ds kriegerischen Pharao wirst. Die Franziskaner Mönche haben in Kapernaum (am Nordende^ des Tiberiassees). bei ihren Ausgrabungen Ruinen einer sehr schönen Synagoge im klassischen jüdischen Stil gefunden. Diese Synagoge, die aus dem Regime der christlichen Zeitrechnung stammt, und die durch eines der in Palästina nicht seltenen Erdbeben, auf die auch der Prophet Amos hinwerst, zerstört wurde, soll wieder in ihrer alten Gestalt hergestellt werden. An mehreren anderen -Stellen arbeiten stanzösische, dänische und amerikanische -Aüsgrabungskominisiionen, doch sind die Ausgrabungen noch nicht so weit fortgeschritten, um ein volles Bild der -an den Stellen vermuteten biblischen Stätten' (Schilo, Marescha, Gibaat-Sauls /Äsw.) zu geben. Auch Samaria, Taanach und Megiddo sollen von Amerikanern ausgegraben werden. Aber wie ein besonderer Leitartikel hervorhebt, , den die „Times" eigens den Berichten über die Ausgrabungen widmen, dürfte die iveiteste Kreise am meisten interesiierende Tatsache die der kommender: Bloßlegung der Stqdt Davids sein. „Nicht einmal, die. Stätten Trojas," schreibt der Leitartikler in der: „'Times", „oder die. Mykenes Agamemnons, wo beiderseits historische Rornantik überraschet in Wirklichkeit verwandelt wurde, konnm, was den Reichtum vertranter Assoziationen anbelangt, mit den 10 Joch wetteifern, wo Davids.Stadt sich erhob. Die ganze zivilisierte Wels", fahren die „Times" fort, „wird diesen Ausgrabungen mit Spannung folgen. Die beginnenden Ausgrabungen werden eine Quelle pa- . trwtisHr Befriedigung für die Engländer sein") 'Ein freilich noch größeres Interesse^,an den Ausgc-bungen haben jüdsche Kreise und es wäre zu wünschen, daß bald Ausgrabungen durch jüdische Gelehrte und von Mischen, Altertumsfrennden gefördert vorgenommen werden. Die alte. David-Stadt, die Festtmg Jebrrs, der Palast und das Milo von König David waren ün Südosten außerhalb des heutigen Walls von Jerusalem auf dem Berge Ophel gelegen, zwischen dem Mutigen jüdischen Viertel und hem Kidron-Tale, nördlich von Silo am Teiche. Drei vorherige Ausgrabungen,, vor ällem, die des französischen Archäologen M. Weill in 1913, haben die Lage im allgenromen bestimmte Nun wendet sich die Palästina-Regierung mit einem Llnfmf an alle Nationen, das ganze Gebiet der David-Stadt freizulegen und die ganze ungeheuere Geschicke dieser für die ganze, Menschheit denkwürdige Statte wieder vor den Angen späterer Geschlechter lebendig lverden lassen. Die Aufforderung der Regierung eMärt, „daß ein Werk von solcher Bedeutung auf einer Stätte, deren Erinnemngen vielen Völkern heilig sind, nicht den noch so großen Mitteln oder, den noch so aufopfernd ei: Arbeiter: eiüer einzelnen wissenschaftlichen Institution oder Nation überlasten werden kann". -— Auch im O st j o r d a n l a n d harrt manche lohnende Aufgabe der Hand und, des Spaten' der Forscher. So ist im Dschemsch, dem alten Gerusa,-die Römerstadt mit ihren Tempeln, Theater::, Fomnr und Straße, Monunlentalbauten und Kolonnaden fast intakt erhalten. Der Boden des heUigen Landes wird in den nächsten Jahren, manche reiche Ausbeute liefern. Gefährliche Ausreißer. Die Berliner Polizei hat ihre Sorgen. Man nmß es ihr lasten: Sie. ist erstaunlich gut organisiert und greift mit rücksichtsloser Schärfe in die Netze des internationalen Gaunertums ein. Es ist ihr gerade in letzter Zeit mit großer-Schnelligkeit gelungen, einige hervorragende Exen:- plare Ver Gannergilde. hinter Schloß und Riegel zu bringen. Um so überraschender war es, daß es drei geriebenen Verbrechern innerhalb einer kurzen Zettspanne gelungen ist, sich durch List oder^ durch Bestechung von Polizeibeamten wieder die Freiheit zu verschaffen. So ging vor. kurzem durch die Berliner Preste die aufsehenerregende Nachricht,.^daß ein gefährlicher Hochstapler durch Bestechung mehrerer Wächter und sogar eines höheren Kriminalbeamten die Freiheit erlangte und bisher nicht wieder ergriffen werden konnte. Ein anderer Fall, in dem ein Gesmigener durch eine geschickt mszenierte Köpenikiade entfliehen konnte, hat sich vor wenigen Tagen ereignet. Ein Hochstapler namens . Berns tat, der in der Rolle eines „Generaldirektors" in Berlin große Schwindeleien verübte, sich sogar einen großen Rennstall zulegte und in den besten Kreisen verkehrte, konnte von der Polizei endlich dingfest gemacht werden. Wenige Tage vor der Gerichtsverhandlung, erschien iin Untersuchungsgefängnis ein elegant gekleideter 'Her^dep sich als Rechtsanwalt answies und Zutritt zu Bernotat verlangte. Nach kurzer Zeit kam der Rechtsanwalt mit seinem Klienten zurück und erklärte der Kontrolle, daß er. den Gefangenen dem Untersuchungsrichter zu einer wichttgen Aussage sofort vorsühren wolle. Leichtsinnigerweise wurde dem sehr selbstsicher aufttetenden Herrn dieses Verlangen nicht abgeschlagen und man unterließ es auch, den beiden einen Begleiter mitzugeben. Als der Rechtsanwalt mit seinem Schützling nicht zmückkehrte, schöpfte man Verdacht und forschte nach. Beide .waren spurlos v e rs ch w ün d e n! Der angebliche Rechtsanwalt lvar ein Komplice des Bernotat, und zwar, wie sich später herausstellte, ein schon lange gesuchter Einbrecher namens Kaminski, .der ebenfalls aus dem Gefängnis entflohen war. Man suchte in Berlin in allen Schlupfwinkeln, nach dem. sauberen Paar; leider Vergeblich. Pur durch einen Zufall konnte man sie am vergangenen Montag in Wiesbaden wieder ergreifen. In einem der ersten Hotels stiegen nämlich zwei gutgekleidete Fremde ab, die sich als Käufleute eintrügen.'Sie machten große Zechen und schienen sich sehr 'Wohl zu fühlen. Die beiden Fremden knüpften, sogleich Unterhandlungen mit einigen ftanzösischen Herren vom sogenannten Aufllärungsdienst an und erregten deshalb die Aufmerksamkeit der deutschen politischen Pol:- l c t, die hinter den beiden offenbar deutsche .Agenten i n: französischen Geheimdienst vermutete. Man beschäftigte sich mit ihnen emgehender und ' bemerkte schließlich zur großen Ueberraschung, daß die' beiden mit den entsprungenen Sträflingen identisch waren. Darauf schritt man zur Verhaftung und konnte trotz allen Leugnens und' Drohungen der ° beiden ak Hand einwandfreier Photographien und Fingerabdrücke feststellen, daß es die Gesuchtenwaren. Die gefährlichen Ausreißer sind jetzt unter schärffter Bewachung auf dem Wege nach Berlin. ... Einen weiteren interessanten Beitrag zü dem. Kapitel, tok Gefangene aus dem Gefängnis entweichen können» lieferte am letzten Mittwoch ett:e Gerichtsverhandlung in Berlin. Wegen Gefangenenbefreiung und versuchter Bearntenbestechung war die Pensionsinhaberin Frau Scharrer angeklägt. Mit ihr hatten auf der Anklagebank zwei Beamte des Untevsuchungsgcfängnistes Platz genommen. Sir waren'beschuldigt, bei der Flucht des rnt-rnationalen Hochstaplers und Mädchenhändlers Martin G o l d s ch m i d t mitgewirkt zu haben. Goldschmidt, ehemals Krieg skommissär der n n g a ris ch e NvR äter e pu blik,'war das Haupt einer vielköpfigen ungarischen Bandes deren Mitglieder zum größten Teil aus den besten ungarischen Familien stammten und die' ganz Europa unsicher gemacht hat. Der größte Teil der Bande ist inzwischen,, da sie von anderen ausländischen Behörden-gesucht wird, nach der Schweiz, Oesterreich, Ungarn und anderen Ländern a'bgeschobeu worden. Ein Atitglied dieser Bande hat übrigens auch mit rem oben erwähnten Hochstapler B e r n o t ä t zusamwen „gearbeitet. -Göldschmidt selbst stt einer der geriebensten und intelligentesten Bankbetrüger und Hochst a p 1 e r. Seine Auslieferung wird von der Schweiz, von Frankreich, Svamen, Oesterreich und Ungarn . betrieben. Goldschn'idt und seine Genossen -stellten serien-