Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1333 (27.10.1922)
- Date
- 1922-10-27
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Wkar 4 ___ytt; mtm___wettet» MvvaemelrttttG l^srt fett März lausenden Jahrein Geltung stehende ^Gesetz über nationale Autonomie für die Minderheiten bei« gelegt ist. In bem Begleitschreiben wird ein Veberblick über die Position der jüdischen Mnderheit im fernen lösten gegeben. Man ersieht daraus, daß sich unter den zwei Millionen Einwohnern der Republik im ganzen lß.000 Juden befinden, die haup'sSch« lich in Städten wohnen. Di« jüdische Abteilung beim Ministerium für nationale Angelegenheiten gibt sich diel mit der Organisation der Gemeinden ab. Eine der Hauptfragen ist die jüdische Schule. Die Unterrichtssprache in den Mischen Schulen ist für die allgemeinen Fächer russisch, für die jüdischen Fächer hebräisch. Der Versuch, einen Schultyp mit einheitlicher hebräischer Unterrichtssprache zu schaffen, scheiterte an dem Mangel geeigneter jüdischer Lehrkräfte. Der Versuch Vr Einberufung einer Konkrrenz aller Mischen Gemeinden in der Republik des fernen Ostens zwecks Schaffung einer zentralen Grinx.adeorgamsation mißlang vorläufig, doch hofft man auf Erfolg nr der Zukunft. Tagesbrricht. Lte Drotpreisrr<>Sk!«ns n«ch «icht ent« DK Verhandlungen unterbrochen. Die Entscheidung vertagt. Gestrrn vormittag? begannen im Ackerbauministerium Sie Verh mdlnngen zwischen den RegierungSvertretern und jenen der Brot-rzeuger, welch« bekanntlich schon für d'e kommende Woche »in» ganz bedeutende Erhöhung des BrotpreiseS verlangen Nach dem ganze» Verlauf der Verhandlungen am Bormittag hatte ei den Anschein, als ob die Vroterzenger den Sieg davAnträgen würden, da sie, in eingehender Weise nach« zuweisen versuchten, daß der stetig steigende Weltmarktpreis für Mehl, der diesmal nicht durch eine Abschwächung der siemden Zahlungsmittel kompensiert wird, eine zehnprozentige Erhöhung des gegenwärtig auf 6860 Kronen steh-nden Preis»- färeinrn normalen Laib Brot notwendig mache. Der RegierungSvertreter erwiderte ihnen, daß eine solche Erhöhung unter keinen Umstände» zugestand?« werden könne, weil der Laib Brot dadurch ans rund 7000 Kronen zu stehen käme, und die zwei kleinen Preissenkungen, die feit Mitte September eintraten und zusammen nur 100 Kronen ausgemacht haben, durch die von den Broterzeugern projektierte Erhöhung weit übertroffen werden. Die Verhandlungen dauerten gestern mit einer kurzen Mittaasunterbrechung bis 9 vhr abends, wo ste unterbrochen und die Entscheidung in der Brotftage vertagt wurde. ES ist also glicht zu befürchten, daß der Vrotprers schon nächste Woche, besonders aber in der verlangten Höhe, abermals erhöht wird. Bezüglich des Deißgebäck« wurde allerdings schon gestern eine-Erhöhung um 80 Kronen für die Semmel und »m 170 Krone« für weiße Wecken zugestanden. War«« die Trlkvha«ab»«nentrn rricht spreche« k»««te«. - Ein nEscher Sadnlngeakü. Die Staairkorre'pondenz meldet: Gegenwärtig linden die Wahlen tür die Derwna'verirelung de'' Leleoravhen- und ftfr* spreä'anaesltlllen ftotf. Bet diesem Anlaß dal sich ein Konflikt zwischen den wablwerbenden Parieren weaen Anbringung von Wahlaufrufen im FernspreHvermlillu-gsami Berggafle ergeben, der zur Foloe dolle, daß durch Delegravhenadsunkten ewe eigenmächtige Abschaltung der Stromquelle dieser Vermil'lunssavkes vvraenommen wurde, wodurch von 13 Uhr <S Minuten dir 13 Adr ein Verkehr von und zu den diesem Beriniltlunasamte enqrschiossenen reilnehmerstellen fo»*t der Ueberland-^ernspre^verkehr tmw5<?U& gemocht wurde. Durch i" i Tirr—< i..i.ron dg» Elvsckrelten der Lkle.-raphenvewa'lung if' die'e Orfttnm^* rftriqßeN wieder behoben und. der Belr'eb not) slt^sv ertelflÜndfter Unterbrechung wieder ausgenommen worden. TrhShnnq der Sprechstebühre« »ach Ungarn und Anqosräwieri. Die d> Kon-'po' d»nz Herzog meldet, bleib n l»je Svre^- gebühren m Inland« uk'd mit Deutschland im Monate November unverändert. 9m ^vrechverhe''r mit d'r Tschecho-SlvwaKei werden He Gbühren Wr die -weil- Qrn# (3 n a f m. Pretzbura usm 1 von 1t.2S0 ll auf l?/'00 K.. für d'e dritte Zo e <Prao, Br'irn, Pilsen ulw.> non 19.600 K. auf 19200 A. und lür die v'erie Zon» Reitenberg. E er, Karlsbad. Marienbad Usw.j von?4.b00 K. aut 24.000 K. ür ein Dreimmulenae'präch herab-ejett. 9m Spreckv,r?«e'r m l Polen werden d> Gebü r-m für « n Ge'präch na-b Bietstz. T-ch'n n'w »''n?0.000 ß. aut 1400' K.. nach Krakau von 08000 K. gttt 17.000 K.. ra^ Lemberg und P r z e m y s 1 von 28.00) ä. ans 24 000 st. ermäßigt. Diaeaen werden die Spr-^grdlhren nach Du dop est vom l. November an von 15.0CO K. ou? 2V'00 K. und nach Oed e. «bürg von 11.280 K. auf 18.^00 K. hinauf, g e s e h t 9m Enrechverkebr mit -er Schweiz »lrd die Gediv-r van 50.'00 K. aus 49.680 K. h e r a d a e s e ß t. 9m Derhebr "och T r i e st ' ird d'e Spreck^ebübr von 51 000 fl. oul .5 s"0 K. und nack den übrigen Sialidn-n 81 a 1 i e n s von 45000 K. auf 44.400 K. b e r a b a e s e tz t. 9m S.nr« +• verdekr nack stugoslawi-" Wjfd Grdübr für ew Sespr''ch nach M arbura. Eil i.Pettau ulw vr'n SS.boy K. aui, S7.0 o K. rad Laibach und A a r a m von 30.00Y K. auf 4* 40' K. erhöht. Die Erhöhung der Spr?chg«bü ren nach Unaern und 9ugv'l-'w>en wird d'irill moiiviert. tätz m der Termi"berechnung e^u G fpräch von W i e n b s zur Grenze im intemaiivnalen Verkehr bill'ger zu stehen käme alim i"1ändl'chen Verkehr. Dezßq'tch der Lelegrammgebühren lriit im kommenden Monat keine A e n d < r u n g e'n. * ■ 3nfentr&*tt*s Telephon. Amtl'ch wird milgeiel t: Die llnt«'«nenradme aller 1e!'vho,'il0en 4rnsro"en über beim ^ernvermi't'ungsamre „B* in Wi-n bereits angemeldelen Ueberla"-« eespräch« erfolat vom 1. Nov mber 1922 an Eschttlich nur bei jenen D'enslstellen. die unt^r Vezeichnung »Fernamts- Kontrolle" zu errufen sind. Die Bandrnbrwegung in Ostgalizir«. Lemke?» 85. Okt.ber. (Telegramm der »Wiener Morgen« zeilvng"). 9m Zusommenirang mit den letzten Ereignisien in Vstgallz-.en find der rberste Krm'mandanr der kiaalrpcil'zei Hörsz 0 w r k i und derLbef desSicherheiisdepartemantS ,m Innenministerium Urbanow,ez hier eingetroffen, um mit den Bezirkrkommanranten der Siaatspostzet in Vitgalizien die zu ergreifenden Motznahmen zur Bebäm'fung der, Bandenbewegung zu besprechen. 9« dm letz'en Togen Äurde im Da nopoker. Brzezanyer, Ctan «lauer und S ryjer Bezirk eine Reiße von Ukrainern verhaft«-. Einer der Führer der »kra nischen Arbet S» Partei Dr. E e! ew , e z ist nvk vor seiner Derha'iung au» Lemberg gesirchret. 9n Z l 0 c % 0 » ge'ang er den Al'lttär« behörden. zwei Miialirder ein r Bande, die den Versuch machten, einen Zug autzuhalten, »n ve hattest. Di« Militärbehörden sind nach hier eingeiroffenen Meldungen berei'r auf der Spur der Banden, die in den Wätd'rn von Zaloere Hausen. Eine Abteilung deler Bande ist direits Über den Zbruez --eflüchtet. 9» der Tarnopoler Gebend herr'cht bereits Ruhe. De dort auftretende Bande bat in der Gegend von Wlonowee dm Zbruez üderschrttten und ist «ich Rutz'gnd geflüchtet. Wie die hiesiiye Presie meldet, sind bereits in sämtliche ostgasisischen Bezirke starke Kavallerieabteilungen ab esentei und die dortigen S'cherh>itsdeta4em«nls verstärkt worden, so daß man eine boldtae Kerstetlung der Ordnung erhofft. mmmamaatm» 27. ctmofr r r--". Nr. ISA» * Die Manipulationen der Waschanstalten. Die Polizei hat vor einigen Tagen die Wiener Waschanstalten wegen PveiStreiberei unier scharfer. Kontrolle'gestellt und verschj-eldene unlautere Manöver bei der Preislalkulation anfgedeckt'. Boi dieser nicht mehr ganz ungewöhnlichen Methode, die Konsumenten zu schröpfen, lassen eS aber einz-elne dieser Anstalten nicht bewenden. Biele Leute bezahlen daS teure Geld mc deshalb, weil sie glauben, daß die Wäsche in den Fabviken besser anfgchoben ist als Ms dmn früher üblichen Instanzenweg Waschküche, Boden, Keller nsw. Leider erweist sich däS größer« Vertvmwn in die Ehrlichkeit der Waschanstalten nicht imnrer gerechtfertigt und manche Hansfrmr verinißt bei der Rückliefentng der gesänberten Wäsche manch kostbares Stück. DaS MerkwüMDö i5t aber, daß die betreffeMm Anstalten Neklmnatianen in solchen Fällen gar k e i n c r A n t w 0 r t würdigen. Sie halten offenbar diese „Notnralspeirde" an ihre AnaestellM für ein sellstve^tändlich"8 tapfer, das die Konstmlenten schwei^nd zu traaen ha-ben. Bei der Ilnevsetzlichkeit der gestohlenen Wäsche dürft« so für viele HanShaltun^en gar bald das Versprechen in Erh'ill"tta aebcn» mit dem die Walch^nsta^en Reklame machen und Vnerfabven« anlocken: „K e i n -W a s ch t a g m e h r!" Freilich alanrhlen. * Etv-rant» in RraNlftn. Das brasilianische Parlament h^t bet't'wllen. dem Fsveran'ist-nbund. der mit S^aa^s^-^re^ vom llll. kDk^nber 1921 als Otelellsch^st vnu ösfenllicher R''^9ch?"'^ <»n-rfann^ eine iw<7^l>che S"bvon 1500 MillreiS (18 Millionen Kronen) zu gewähr"«. * R-ne Gebühren fndi" Stellenn-»'mlltluna. Die Wiens? Landesb'h'^de bat den Dienst- und S^eOenvermittlern einen nen-n erh^b'-n Tarif bew'lliat. Demnach 0nd »u entrichten an E'ntchreibaebnhren bei Hans- und Geschaftspersonale vom Swllensnch"nden: Z'n Wi-n 1000 K.. im sonstiaen -T°eltern->ich Loag fftr d"s Ausland SOflO K.: vom Di-enstaeber: kür Wien 10.000 St., für Dellerr^ch 20.000 K.. für das Ausland 30.000 K.; beim Lehr- und Erzieb''n"spersona-l vom Stelleni"chenden: 2000 K.. 8000 nnt> 4M K., vom Dienstgeber: 80.000 St., 80.000 und 50.000 K. * Nin van' Blnllern in Wien. Da« städtische Ge'u"r>''eit''am^ keilt mll: Nach einer dlnaeren blatkernfreien Z»ii ist am 24 d. in Wien wieder ein Fall von echten Blattern beobachtet mm den. E» ba"d-1t sich um -men amerikanis -ben Arv. der zu Ankanq dielen Monats aus Marickan zuaeresit ist und in einer Pension im 1. B"irk ^uten'ha't genommen hatte. Der (Mi-mM« mu d» in das 9nf ksionswital abgegeben und eine arü"dllche Destnfisierunr in den Räumen der Penfio» durch»e''Ührk. Dke mit d«« erkrank»,n Arzt in Berührunq gestanden»n Personen wurden abgesondert und werden ärztlich beobach'ei. Cs sin - somit alle notwendigen Dorsicktsmakre el» aetrofien worden. Wenn da'^er auch nicht der aerinaste Anlak zu irgendwelcher Besorgnis vortieat. Io dielet d«r vorliegende Fall da^d die Gesogindeit. die Oeffenll'chkeit darauf aufmerksam zu machen, daft er für alleunaeimpften Persontn und tiir jene, bei n-el-ven fett der festen -mptung me'ir a's sechs Fahre verstrichen sind, jedenfalls ratlam il!. sich der Schutzimpfung gegen Dlaitern zu unie-ziehen. * «prrrnng »tne» Svkr»l«n-»kheke. Der Magistrat bat der Leikwg de» St. Anna-Kindersptta'es ,m tX. Bezirk dis Befugnis mm Belrieb der bisher dort bestehende^ Ansialtsopoth'ke entzogen und die Apotheke gesverr! Diese Maßnahme «utztr auf Grund eine» Gutachtens der Kommission erfolgen, die d'i ivrer am 12. d. vvrgenommmen Rev lion d»e Apoihrke des Et. Anna-Kwderlvilals in so s n n 1 t S t» w i d r t g e m Zultand vorgefunden hat. -atz ihre Sperrung sich als notwendig erw'e«. * Juwelier Vetter enthaftet. In der aufseibenerregenden Milliardendiebstab'8affare der Hansgebilfm Marre M i t r i naer und ihres Komplicen DilmoS Weinstein wurde bekanntlich auch der Juwelier Jakob Vetter vechastet» weil er! durch me Aussagen Weinsteins belastet wurde. Weinstein behauptete nämlrch nach zehniätzigem Schweigen aus die Frage, wo die fehlenden Brillanten rm Werte von fast eilte? halben Milliarde hmgekommen seien, daß er sie de-m Juwelier Vetter verkauft habe. Mar hatte bei der Hausdurchsuchung kn IuwelierLadon Vetters aber nichts Verdächtiges als einen goldenen Knopfverschluß finden können, den der Bestohlene Direktor Lippmann ÄS sein Eigentum agnoszievt>e, was sich aber später als Irrtum hevausstellte. Better, der eilten Brillantenkauf von Weinstein bestritten hatte, ist gestern vorn Landesgericht nach lltägiger Haft gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt wovden. Die Untersuchung wird fortgeiführt. CTPWBBMIPWE'MnmWWWBttMKIlW.l.WUMWHlWH« Fall ist. Der eingeborene Architekt wird sowohl für pro?« -tische als für künstlerische Zwecke nur solches Material benutzen und solche Formen anwenden, entjpsrechend dem lokalen Bedarfe irnd Geschmack entstanden und -rprobt wurden. Wir werden dah^r am besten handeln, wenn wir vorläufig unsere Ambition, in aller Elle einen eigenen Stil zur Entwicklung zu bringen, zurückstellen und anstatt dessen 'den Kurs des arabischen Stils einschlagen. D'.-'. Entwicklung wird sich dann von selbst einstellen. Die heimische Baukunst in Palästina benützt als Material Kalk und Sandstein. Auch künstl'cher Sandstein und Zement können ver.oendet werden. Holz, dessen Einfuhr kostspielig ist, wird von den heimischen Baumeistern wenig benützt. Die Zimmerdecken im Innern werden bogenförmig ausgeführt. Diese Wölbungen müssen mit Rücksicht auf ihren Umfang auf schweren Mauern ruhen. Eine weitere Folge dieser Bauart ist die Stattlichkert der Zimmer, während die Fenster m den dicken Mauern nur klein gehalten werden. Solche Bauart ergibt sich aus dem Gebrauch des heimischen Materials und entspricht den klimatischen Verhältnissen. Die kleinen Fenster versehen die Räume reichlich mit Licht, wahrend bei der unglaublichen Breite deS palästinensischen Himmels außerhalb de» Han« seZ eine größere Fensteröffnung auf das Auge schmerzlich wirken müßt«. Die dicken Mauern und die hohen Wölbungen sind ein ausgezeichneter Schutz geaen die Hitze. Alte Kolonisten, die einen Teil der arabischen Häuser in europäischem Stil umgebaut haben, benützen den derbliebenen arabischen Teil zum Sommevausinthalt. DaS flache Dach über der inneren Bogentvölbung bietet willkommene Zuglust in den heißen Sommernächten. Im übrigen halt diese gewölbte Form mit dem flachen Doch? auch den Dunst fern«, wenngleich dieser Umstand mit Rücksicht auf die lange trockene Priode nicht Von Wichtigkeit ist. Was die Interieurs betrifft, dürfen wir nicht au.ßer acht lolum. 'tai nickt alle Raums mit Keizurlasmöglichkeiten versehen sein müsien wie in den nördlichen Ländern. ES genügt für die kalte Periode, wenn zwei aneinander schließende Räume gut verschlossen und geheizt werden können. Die übrigen Räume brauchen nicht durch dicke Wände und hermetisch schließbare Türen voneinander geschieden zu sein. Infolgedesien können hier schöne, innere Perspekttven geboten werden, die sich durch auf Säulen ruhende Bögen ergeben. Ebensowig muß jeder Raum in einen inneren Borraum münden, wie in jenen Ländern, wo man sich darin vor Erkältung schützen will. Da» Klima ist hier so, daß es in ganz natürlicher Weise zur Schaffung jener schönen inneren Höft führt, die das charalteristische Merkmal des arabischen Stils gewovden sind. Tatsache ist allerdings, daß beim Enttvurf europäischer und anttrikai inscher Sommerhäuser, soweit das Fehlen der bloß für einen strengen Winter geeigneten inneren Konstruktion in Betracht kommt, mehr Intelligenz angewendet wird als beim Bau von Häusern im jüdischen Palästina. M dies muß sowohl der Architekt als auch der Laie wissen, denn auch der Laie sieht sich diesem Problem als Hausherr oder Mieter gegenübergestellt und auch er mutz in der Laae sein, Wünsche zu äußern und den Stil in entsprechender Weift zu beeinflussen. So werden wir ermitteln, welche Art von Häuftrn der Arbeiter, der wohlhabende Neuankömmling braucht, und welche Bauten sich für öffentliche Zwecke eignen.' Unsere Beziehung zum Lande muß in diesen Bauten zum ÄuSdruck kommen. Mer ne^en Material und Klima müsien noch andere Faktoren berücksichtigt werden: Die Sitten und dis Lebenshaltung des Hausbesitzers. In dieser Beziehung besteht -wischen uns und den Arabern lwir sprechen hi'r von dem Avai pr in sozialer Stellung) ein wesentlicher Unterschied. Manch« Abweichuna kann durch die religiöse Tra-; bitton erklärt werden. Andererseits bringen wir nmnche j europäische E^wohnbeiteu mit, die iu Balättiua nicht *>n& am Platze sind. Diese Gewohnheiten werden wir hoffentlich allmählich ablegen, ebenso wie der hochzivil.stertr Jude eS wird aufgeben müsien, in den Straßen Jerusalems mit dem hohen steifen Kragen und dem dunklen F''zhut zu erscheinen., ohne von seiner sozialen Wertttng etivas einzubüßen. Die schönste Form für die Fasiade wird stets die breite, ruhig hinstrebende flache, in -schönem Stein grbaute Mauer bleiben. Für ornamentale Zwecke stehen uns die Darationen in der Gruppierung der Fenster, die buchtförmigen Balkons und vor allem die Tevasien auf den Dächern zur Verfügung. Für solche Effekte gibt es authentische einheimische Stile in schöner Ausführung, denen wir sehr gut folgen können. In Befolgung dieser Stile müsien wir jedoch logisch Vorgehen und ganz genau daS Material verwenden, welches von arabischen Baumeistern gebvaucht wird. Nur dann erzielen wir die ursprünglichen Ornamentaleffekte im Gegensatz zu den fragwürdigen Effekten der mechanischen Zementornamente. Die schwierigste Ausgabe wird sich hinsichtlich der öffentlichen und Monumentalgebäude ergeben, denn für diese Art von Bauwerken scheint in Palästina noch wenig Vovaearbeitet zu sein. Auch hier werden wir darauf schauen müsien, daß die individuellen Phantasien des Architekten nicht gegen die früher behandelten Rücksichten verstoßen. Wohin eS führt, wenn wir dies« Rücksichten vernachlässigen und unS dem Genius (!) des Architekten überlasien, zeigt die Turmverzierung der Mauern des Technikums in Haifa und der Hochschule in Jaffa. Hoffen wir wenigstem daß diese Türmen nicht kriegerischen Zwecken, sei es ttt unseren eigenen kleinen Streitigkeiten mit unseren Landsleuten, den Arabern, oder bei der Auseinandersetzung unter uns über den Gebrauch der hebräischen Sprache, diene» werden' („New Palestirte.")