Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1333 (27.10.1922)
- Date
- 1922-10-27
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ffi/1883 Men. Freitag Rundschau. Die Orientkonferenz. Die Einladungen zur Konferenz. Parts, 26. Oktober. (HcwaS.) Die britische und di>e französische Regierung hoben den Wortlaut der Einladungen an di« verschiedenen Staaten zur Teilnahme an der Friedenskonferenz mit der Türkei und an der Meerengen« Konferenz festgesetzt. Italien ist mit dean Vovgorig einverstanden. Die Meisurigen bezüglich der Ueberreichung der Einladungen werden waihrscheinlich heute abgehen. Die Sowjetregierung und die bulgarische Regierung werden eine Einladnng zur Teilnahme an der Meer-engenkonferenz erhalten. Die Vereinigten Staaten werden ersucht tverden. nach Lains-annc einen Bevollmächtigten zu entsenden, der weitergchcnde Vollmachten ha.be als für die Konferenz von San Remo. Man wind die Schtveiz offiziell von dem Wunsche der Alliierten benachrichtigen, die Konferenz in Lausanne a>bzu° halten. Bezüglich der Wahl der französischen Bevollmächtigten wurde noch kein Beschluß gefaßt. Verziehung Amerikas. Parts, 26. Oktober. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Lord C u r z o n hat gestern dom Quai d'Orsay eine neue Note über die Oricmkonswcnz gesandt, in der er vorschlug, daß auch Amerika zur Oricntkonserenz eingoladen werden solle, da die Borciinigten Staaten an der Ansarbeitung des Vertrags von Sevres beteiligt waren. Diepalästinrusischen Araber »nd Kemal Pascha. London, 23. Oktober. (I. C. B.) Der Jerusalemer Korrespondent der „Mo r n i n g Po st" gibt die Namen der Delegierten der arabischen Exekutive in Palästina bekannt, die ans der FriodcuZkonserenz des nahen Ostens die Interessen und Forderungen der palästinensischen Araber vertreten wollen. Die Delegation besteht aus drei muselmanischen und einem christlichen Araber. Vorsitzender ist M u s a K a s i m Pascha, die anderen Delegierten sind: Der Scheich Abdul Kader Mn safer, Amin Efendi Tamimi imb Shibly Djemal. Shibly Dje-mal beabsichtigt, schon sehr bald Palästina zu verlassen, um sich zunächst zu Besprechmrgen mit arabischer! Persönlichkeiten in Aegypten zu bogeben, die sich um das sogenannte Palästina-Komi!« gruppieren. Von lwrt begibt er sich nach Konstant!uopel zu Verhandlungen mit K-smal Pascha und wird dann zur Konferenz reisen. Wie der Korrespondent hmznsügl, fasse« die Araber die Lage so auf, daß der Sevres-V^rtrag mit allen seinen Bestimmungen betreffend das Los der einstigen türkischen Gefoktc nicht mehr gültig sei und daß das neue Abkommen Zwischen den Türken und der. Entente ihnen deshalb die Möglichkeit gibt, mit ihren Forderungen, die sich auf die Deklaration der türkischen N-ativ-nalisten, betreffend das Recht der SÄbstbchim-' muug der ehemals unter türkischer Herrschaft gestandenen avabischen Länder stützt, nochmals hervorzutreten. Die Lkge der ZndeK im Smyrna. Berlin, 2-1 Oktober. (I. C. B.) Auf die telegraphische Anfrage des Berliner Zentralbnreans des vereinigten Komitees für jüdische Auswanderung (Emigrations-Direktorium) iid.r die Lage der jüdischen Bevölkerung in Smyrna langte folgende Auüvor! ein: Die Juden in Smyrna haben nichc so stark gelitten wie die übrige Bevölkerung. Das jüdische Wiener Mornenzettrnm. Ziotisthctie BezlrKaeKtion leopoWstndt Morgen, Samstag den 88. d, M. um Va8 Uhr abends, findet im Saale des Landeskom.lees (H. laboistr, 20aj ' eine Plenarversammlung statt Tagesordnung: 1. Die zionistische Lage und unsere Stellungnahme zum Parteitag; Referent Qcmeinderat ür. Leopold Pl&schkes. 2. Delegiettenwahl zum Parteitag. 3. Eventualia. Die Z onlstcn de» Dulrkds werden rum pOnktlljphan Erscheinen eingelade» Stadtviertel ist fast unversehrt. Nur diejenigen Juden, die außerhalb des jüdischen Stadtviertels wohnten, haben fast alle ihr Hab und Gut verloren. Aus dem inneren Anatolien weilen gegenwärtig etwa 3000 Flüchtlinge in Smyrna. Der Faszisteirkongretz abgebrochen. Vier Portefeuilles für die Fasziften. Rom, 26. Oktober. (Tel. der „Wr. Movgenzeitmrg".) Auf dem großen Faszistenkongveß in Neapel scheint ein« Wendung eingetreten zu sein. Der Kongreß wurde plötzlich - abgebrochen und sämtliche Führer verckießen in größter Elle die Stadt. Auch die 24.000 bewaffneten Fasziften verlosten gegenwärtig Neapel. Ueber die Gründe des Konferenzabbruches gehen die verschiedensten Gerüchte um. Die nationalistische Presse läßt andeutungsweise durchblicken, daß sehr wahrscheinlich eine Aktion gegen Rom bevorzustshen scheint. Hierfür spricht auch die bevorstehende Eröffnung der .Kammer, die die Fasziften bekanntlich zum Anlaß einer Aktion nehmen wollten. Die Regierung hat umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Der Kriegsminister hat den General de Buono, der den Fasziften angehört, aufgefovdert, von seinem Posten zurüäzutreten. Kleine Zwischenfälle. Neapel, 26. Oktober. Der Faszistenkongreß ist in Ruhe geschlossen worden. Es ereigneten sich kleine Zwischenfälle, wobei das Lokal der hiesigen Vertretung des „Fl Mondo" zerstört wurde. In Tarent besetzten die Faszvsten den der sozialistischen Garibaldi-Genossenschaft ab--. geno-nunenen Dampfer „Mamelt". Annäherung an die Liberalen. Rom, 26. Oktober. Die Blatter kommentieren den vorzeitigen Abbruch de§ Faszistenkougresses in NeapeL „Giornale di Roma" führt die Mckberufüng der Fasziften-. sührer nach ihren eigentlichen Ätzen durch Muss o l uh darauf zurück, daß die Lage in letzter Stunde eine Aen-' derung erfahren habe. „Jl Paese" meldet, daß die Verhandlungen G i o l i t t i s mit den Fasziften auf b°x Grundlage sortgeführt werden, daß den Fasziften v i t r Portefeuilles eingcräumt tverden sollen. Die „Tr'- buna" begrüßt es, daß Mussolini' in seiner Rede endgültig die republikanische Tendenz a-ufg"gcben und dadurch eine Annäherung an die Liberalen vollzogen habe. Das Blatt wünscht jedoch eine Aufklärung darüber, für 27. Oktober 1922 tzreiftH, welchen Zeitpunkt Mussolini fünf Portefeuilles, nämlla» Aeußeres, Krieg, Marine, öffentliche Arbeiten und soziale Fürsorge, gefordert habe. Es hofft, daß di-est Forderung sich aus die Lage in der neuen Kammer und ans die Entscheidung des Volkes selbst bei den Neuwahlen beziehe, . in welchem Falle die Legalität gesichert wäre. Die antijüdischen Ausschreitungen im Preutzem. Berlin. 36. Oktober. (Tel. der „Mr. Morgenzeiiung".) Das preußische Justizministerium hat. cme Verfügung erlassen, die. von den .Gerichten fordert, daß. gegen anti-... semitische A"sschreüuugen mit größtem Nachdruck.eingrjchritteu. werde. ,^3ei - Beleidigungen wird ein öffentlich e.s Interesse cm der Strafverfolgung" so l)eißt es in der Verfügung, „regelmäßig dann anznnehmen sein, tvenu die.Be-., llndigung als Ausoruck allgemeiner antisemitifchcr Gesinnung. begangen wird. Bei Beschimpfungen von Einrichtungen der jüdischen Religionsgesellschaft wird cs sich, empfehlen, wegen Anhörung von Sachverständigen um den Organisat rnen der Mischen Staatsbürger in Verbindung zu .reten." Der ämyytische VerfaftungseutWMs. Kairo, 23. Oktober. Die ükommission, die mit der Aus-» arbeitung eines Versassungsentwurfes beauftragt war, hat ihre Arbeiten beendigt und diesen dem Kabinett unterbreitet. Der Entwurf sieht die Schaffung eines Senates von hundert Mitgliedern, von denen dreißig durch den Staat ernannt wür- den, und einer Repräsentantenkammer von 220 Mitgliedern vor. Der König wäre gleichzeitig König von Aegypten und vom Sudan. Die Minister wären vor dern Parlament verantwortlich. Der Unterricht soll obligatorisch nn> kostenlos sein.' Sechs jüdifche Deputierte im LsLLMudischere Seim. . . Riga, 23. Oktober. (I. E. B.) Nach. den letzten Nachrichten sind.in den neuen lettländischen Sejm sechs Deputierte gewählt worden. Zwei von ihnen (Dubin und Wittenberg) gehören der Agudas Jisroel an, einer (Herr Nurok) der Misrachi-Organisation, einer (Herr Fischmann) der naiionaldemokratischcn Gruppe, einer dem Z e i r e Zion und einer dem B n n d,. . Ei« rusftsch-iLaTieRischer 'Berträg?' Wie die in Berlin erscheinende russische Tageszeitung - „R u l" meldet, ist ein Vertrag zwischen der itcrlieni- scheu und der Sowjetregierung unterzeichnet.worden, wonach die Sowjetrcgrerung Italien, im Kaukasus, beziehungs- . Werse in Südrußland Konzessionen von weikdstgehendem Umfang einräumt. Die. Sowjetregierungstellt Italien etwa 100.000 Deßjatmcn. Land. im.. .Kubaugebiet, ..im. nördlichen Kaukasus und in den Niederungen der Flüsse Don und Dnjepr zur Verfügung. Die Konzession läuft ans die Dauer von . 25 Jahren. Erfolgt nach dieser Fristt keine Kündigung, so läuft der Vertrag automatisch, ans weitere 25.Jahre. Die jüdische SelbstVerwAltUrrg irr der Republik des serneu Ostens. Das Ministerium für jüdische Angelegenheiten in, Litauen erhielt von der jüdischen Sektion des.Ministeriums , für nationale Angelegenheiten in der 'Republik des; fernen OftcuS ein ausführliches Schreiben, welchem das WMWi Unerreicht ist die Billigkeit, Qual't*it n reiche Auswahl in feinsten engl vollen Stollen, Regenmänteln, Damen* u. H rrenwäsohe, in Striok- und Wirkwaren im Warenhaus [ Schiffmann Taborstrafie 48 TeSephon 47-1-79 Ln gros En detail ^•yictCTLrunwrnK Wdischs Arrhitefttrrr. Von Richard Kaufmann. Für den modernen Reisenden firhri der Weg nach Pa» /iistina in der Regel über Aegypten. Selbst der Zionist, desstrr Gedanken sich Ntehr in der Gegenwart bewegen und mehr der Zukunft nachhängen als der ^Zergangenheit, unterüricht seine Fahrt, mn in Alexandrien, Port Said und Kairo den alten Doickwüchigkeiten Aegyptens Mchzugehen. Und ist er, wie Schreiiber dieser Zeilen, Architekt, dann fühlt er sich nicht allein durch die traumhafte Romantik des Landes angezogen. Er weiß, daß ihm die Werke, der vergessenen Meister des Phavaonenlandes eine Fülle von Iuspirationen geben werden. Aegypten belehrt den Architekten darüber, was befolgt werden soll, aber ebenso, was vermieden werden muß. Es bietet Beispiel und Warnung zugleich. Der Reisende findet m Aegypten keine reine, unverdevbte, orientalische Kultur vor. Inmitten alter authentischer Urschöpfungen stoß! man auf kraß abstechende, europäische Siedlungen. Der Kontrast zwischen den beiden Zivilisationen, der lebenden und der toten, macht sich zuungunsten t^r europäischen Zivilisation fühlbar, deren Rohheit und Geschmacklosigkeit nirgends so sichtbar wird wie hier. Es unterblieb hier zum Glück die Niederlegung der arten Gebäude. In dieser Beziehung erging es Aegypten Lüster als den meisten modernen Städten, wo alte Gebäude sich Haupts'chllch im Zentrum fortschreitender Städte, das heißt in der geraden Linie der Ausbreitung des Handels und Jndu'strielebens befinden und deshalb den Platz für Fxr'brrken, Marenhäuser und Bureaus freigebeit mußten. Das alte Kairo ist besser gefahren und ist heute noch gut erhalten. Dieser alte Teil Kairos gewährt dem Reisenden einige Stunden glückseligen Genusses, der jedoch zu rasch teSK&iÜiLMrfr durch die Scüöpiunaen des modernen Kairo mit allen fernen Geschmacklosigkeiten, feistem Mangel an Kultur und wahrer Feinheit. . Ein Vandalismus dieser Art darf in Palästina niemals zugegeben werden. Die Architektur kommt in Palästina zu neuem Gestalten und diese Wiedergeburt stößt auf ztveieÄei Kategorien. Die erste bildet der fanatische Praktiker, dem nichts wertvoll erscheint, als was praktisch ist oder Zumindest zu stin scheint. Diese Architekten lassen sich von l^nen Gebäudethpen leiten, die in ihren europäischen oder amerikanischen Ländern in der Tat überpraktisch sind. Sie betrachten die Welt nur durch europälsch-ameriranische Brillen, und werden rtuu, wenn ihnen nicht Einhalt gebeten wird, die Segnungen des Praktischen in ihrem Sinne auch auf Palästina übertragen. Der Neuankömmling in Palästina glaubt sich, wenn er sich einer der von diesen Architekten erbauten jüdischen Arbeitersiedlungen (und d>e meisten sind so gebaut worden) nähert, in irgend ein Industrieviertel Europas versetzt. Häßliche Häuser aus Sandstein mit grellroten Dächern, dünnen Mauern, große:: Fenstern und niederen Zimmern. Das Gebäude in seiner Gänze wurde in Ländern erfturdsn, wo der Naturstein unerschwinglich teuer ist, wo es viel Regen gibt, die Sonne rna selten viel Wärme liefert, wo vom bewölkten Himmel Lwgltchst viel Licht in das Haus geleitet werden" muß, und wo nahezu während der Hälfte des Jahres der Ofen die Stube wärmt— und das >ga:^e wurde gedankenlos nach Palästina verpflanzt. Kommt' min einer, den: die Geldfrage von untergeordneter Bedeuftmg ist und der etwas mehr für ein Gebäude ausgeben will, dann stellt sich ihm der zweite» viel gefährlichere Teil entgegen: der ambitiöse, ungeduldige Künstler", der eifrig daran ist. den „jüdischen Stil" zu ktfinden. oder zumindest bei seiner Geburt gegenwärtig zu sein. Wäre er ethxi§ bescheidener, würde er sich an sein Lchrbuch über hie verschiedenen Stile halten und in der Laae leim in wenigen Stunden einige herrliche Pläne für Entrees, Balkons und andere Teile mit dekorativen Möglichkeiten zu liefern oder er wird sich schon glücklich fühlen, ein komplettes „repräsentatives" Gebäude hevausZusischen. und.'damit zur Hebung des lokalen Effekts beiz:: tragen. Welch r Besucher Jerusalems mit einigem Geschmack kann, ohne zu erschauern, cu:f den Turm des Jaffa-Tores blicken, der neben der Zitadelle im »Mermodernsten arabischen Stil" erbaut ist? Aber noch peinlicher ist der Eindruck, wenn dieser moderne arabische Stil mit einigen jüdischen Symbolen (David-Schild, Chanukah-Menorah, den charakteristischen'KohaniiLN-Händen — es gibt in der Tat sehr rvenige spezifisch jüdische Embleme) bereichert tourde, wohl in der Hoffnung, daß durch eine solche Verbindung eine „jüdische Kunst" geschaffen würde. Wird diese Vielgestaltigkeit der Kunst auf 'Postkarten, Festprogvammen usw. verwendet. so läßt sich's mit Rücksicht auf die Vergänglich keit dieser Objekte noch ertragen. Werden aber diese Ausschreitungen in Stein oder,, wie es üblicher.ist, in Zeruent vcrcwict, so ist cs einfach zum Verzweifeln.. Schreiber dieses Artikels, der selbst eine ganze Anzahl zionistischer Postkarten und Festprogramme.'auf dem Gewissen hat, versuchte vor ettva zehn Jahren, in einem Aussatz der „Welt" die Grrrndsätze für den Wiederaufbau von Palästina vom architektonischen Gesichtspunkte zu sormulieren: Sorgfältigkeit und Vorsicht in der Benützung vorhandener Formen und Widerstandskraft gegen die Versuchung einer Ueberorientalisierung jener europäischen Formen, die eingeführt werden sollen. Das war alles, was zu jemr Zeit sestgehalten werden konnte. , . Seit dein Erscheinen.jenes Artikels hat der Autor Palästina besucht und glaubt nun, daß das P-oblem gar nicht so schtver sei. In gewisser Beziehung, ist es sogar einfacher als in Europa, de::u. in Palästina. ist die Pauftmsi — soweit die Baubewegung der. Eingeborenen in Dtracht kommt — mit sehr wenigen Ailsuahmen aus Lrad:tun<llrr Entwicklmm ausaebaut. was in Europa lange nicht der