Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1332 (26.10.1922)
- Date
- 1922-10-26
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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V «r. 1332 Men,- Donnerstag kämpft und daß diese Beschuldigungen völlig grundlos sinh. Dagegen sejen die übrigen Punkte, auf die sich die Anklage stützt, in keiner Weise phantastisch-, Die Angeklagten sind -.AnhSn^er.' ' einer nationalen SchEmit hebräischer. - Unterrichtssprache sowie einer national » personalen Autonomie. ' DaS Communiqu« konstatiert, daß, obwohl die BeschuldiAmg sich, auf kein« konkreten Fakten stäken konnte, dennoch die Ankla^ zu Zwangsarbeit in verschiedenem Ausmaße und zwölf unter ihnen sogar zu strenger Isolierung verurteilt worden sind. Der Schwerpunkt de- Prozesses v^n Kiew — erklärt das Communiqu« weiter — liegt nicht im Urteil, sondern im Prozeß selbst. DaS war kein Strafprozeß, sondern ein Akt politischer Rache seitens der Jewftktion, die ihre Machtlosigkeit gegenüber der nationalen Bewegung der jüdischen BolkSmaflen erkannt hat. In Kiew hat man das Ideal der nationalen und sozialen Befreiung des jüdischen Volkes verurteilt. „Unsere ruMche Bruderpartei ist unter den schwersten Bringungen diesem Ideal treu geblieben und wird es auch in Zukunft bleiben. Sie hat nach der Erneuerung des jüdischen Volkslebens, unserer nationalen Kultur und Spv che, nach dem Aufbau einer jüdischen sozialistischen, Zentrums in Palästina, noch der Organisierung unserer Arbeiterpartei für diesen Ausbau gestrebt, sie hat hartnäckig die konstruktive Hilfeleistung für die halbverwüsteten Stadt und Städtchen der Ukraine organisiert, sie hat die jüdische Solbstwehr zum Kamps gegen da- Ban-d'tentum geschaffen, an den Aktionen gegen die Hungerkatastrophe teilgoncmmen. eine Amabl ländlicher und städtischer Arbeitergenossenschaften gebildet usw." Die Organisation Hitachduth wendet sich schließlich an die jüdische öffentliche Meinung und die mchffüdische 'Oeffentlichkeit und protestiert gegen die Verfolgungen her Zein» Zionisten-in Kick»/ . Beka Kvn in drr Schweiz'? .* Bern, 25. Oktober. (Schweizerische Depeschenagentur.) Der gewefenr Präsident der ungarischen Rätediktatur und ungarische Volkskommissar Bela Kun soll sich zurzeit in der Schweiz aushalten, und zwar mit einem falschen Paffe, lautend aus den Namen A l b e r t A d l e r. Sämtliche Polizeistellen der Schweiz sind verständigt worden, Bela Kun anzuhallen und festzunehmen. Die Orienlkonferenz. Partt, 28. Oktober. (Tel. der „Wr. Morgenztg.*) In offiziellm Kreisen wurde gestern erklärt, daß die Orientkonferenz wahrscheinlich sechs Wochen dauern wird. Die französischen Delegierten sind noch nicht ernannt. England wird wahrscheinlich durch Lord Curzon vertreten sein. Kemal verlangt Msflul. London,. 25. Oktober. (Tel. der^ ,,Mr Morgenztg.^) Nach einer Meldung des „Exchange Telegraph" hat die Angora-Regierung eine Erklärung veröffentlicht, worin sie Ansprüche auf Mossul erhebt. Man glaubt, daß die Frage von Mofful mit Rücksicht auf die englischen Oelintereffen große Schwierigkeiten auf der Orieytkonserchrz Hervorrufen werde. Menen Morgenzett«««. Pqs KqbinW Bonar Low. London, 24. Oktober. (Reuter.) DaS -neue Kabinett ist-^ltzeMrMßen/zufanlmöngäfttztr '-■/ Premierminister — Bonar Law.' ' LorV-Präsident des G^heimen RateS und Sicher im Oberhayfe'^-Lord /'.'/; Lord-Gpoßkanzler -7- BiSeopnt Cgv e. SchatzkanzlerStanley Ba l d W i n. - Inneres — Bridge man. v-y’- / anöeleg«nfy2iten — Öotb ^«1: 80 «; Kolonien — Herzog von D e v o n s h i r e. Indien—Viscount Peel. Krieg — LoÄ» D e rb y. Erster Lord der Admiralität — Amery. Handel — Sir Philipp Ll0yd Greame. Gesundheitswesen — Sir Arthur BoSeawen. Landwirtschaft — Sir Robert Sanders. ' Sekretär für Schottland Viscount N 0 d a r. Attorney General Douglas H 0 g g e. . . Mehrere'Portefeuilles sind noch unbesetzt. Die Unterstaats sekretäre werden erst später bestimmt werden. W 0 0 d wurde zum Staatssekretär für Unterricht ernannt. Das Uebergangsministeriüm besteht aus den hervorragendsten Gegnern der Koalition. Trotzdem ist./eine Aenderung des politischen Systems für die nächste Zeit kaum zu erwarten, da die Regierung im Parlament nur eine knappe Mehrheit besitzt. Bon den 707 Mitgliedern des Unterhauses chleiben für die.Regierung nur 323 Konservative. Die 129 Liberalen der Lloyd Georgeschen Richtung, die 33 Asquith-Libevalen und die 76 Anhänger der Labour. Party stehen in einer Minorität von 65 Stimmen, könnten also im gegebenen Fall die Position., der Regierung sehr erschweren. Für die' Zukunft scheiden auch die 92 Iren bis auf 13 Ulster-Deputierte aus, so -daß bei Ven Neuwählen insgesamt 628 Mandate zu besetzen sein werden, um die der Kampf -wischen fünf Parteien — von den Konservativen schwenkt die Ehamherlain-Gnrppe ab — zu führen sein wird. Dor den «Vahle«.; - Santa», 25. Oktober. (Tel? M ,Hr. MyrgeyMs!) Die Wahlbewegung beginnt in Gang, zu kommen. Die/ meisten Minister werden|entf Whlhrnvs ftllnehmey, - Die .Plattform der WMen Dftd.stch bei affen Parteien auf rein jmierpolitische Fmgen beschränke» üyd höchstens, chie O iklM tfMgnoch : eine/Wfle spielen. Die-neue Negierung MO MWeMnfttz zur M d ie E i n b e r u f u n g eine^MchpnfftLndigeMEWö foiwern> die tar Orientkonftrenz vorauSgeheu soll. : .v/f •; Für Vie 665 Sitze der Uimwhauftsirw bereits 1400 Kandidaten angezeigN diese Zahl wird aber noch wahrschtzinlich bedeutend wachsen D.ie Konservativen haben bisher 400 Kandidaten ausgestellt, die KoälitionSlibevalen 200, dir UnabhLngigen Liberalen 800 und die Arbeiterpartei 400. 26. Oktober 19SS Sei(t"§\ Ver Pla« Der jüdische« Kolontsatia^ London, 18. Oktober. (I. C. B.) Im HlnbNäj auf das letzte 6^8»;' : Üe8 Departements .der, mexikanischen Regierung , an daS bereinigte jüdische Emigrations-Direktorium, in welchem daS Bestehen irgend, einer Verpflichtung Mexikos mit Äezugauf die' jüdische Kolonisationitt Abrede gestellt wirh,- hqt der Londoner, „I e w i s h Chronic! e" die ' folgend^ Wlegräphische Anfrage an den.Präsidenten ^)bregow selbst gerichtet: ' ' 'j Im Mai d. I. richtete Ew. Exzellenz einen Brief aw .Herrn Rothenberg in den Vereinigten Staaten und bot ihÄ zu gewiffen Bedingungen Siedlungsland für , jüdische! Kolonisation an. Jetzt wird mitgeteilt, daß in einem Brief deö Untersekretärs im Kolonisations-Depa>rtement deS Landwirtschastsministeriums . dieses Ängebot in Abrede go-j stellt wird. Ich bitte Ew. Exzellenz, mir gefl. Mitteilen zu Woyen, ob Ihr Vorschlag an Rothenberg in Kraft bleibt ydcr zurückgezogen wird."! ' Darauf ist in her Redaktion des ,^Iewish Chromele" dw folgende Antwort eingotrofftn: „Mein Vorschlag an Rothenberg bleibt ln Kraft^ der Üntersekretär wollte nur betonen,, daß eS angebracht, wäre, wenn einige Vertreter nach Mexiko kämen, um die allgemeine Grundlage zu Prüfen, auf welcher die in AnS^'. sicht genommene jüdische Kolonisation beruhen könnta!! Alvado Obregom" ' Dar?r«NzTfische Budget. Paris» 85. Oktober. (Wolfs.) In der gestrigen Nach-^ Mittagssitzung der Kammer sprach Abg. Bokan0wskh als Genevalberichlerflaiter für das allgemeine Budget. Ev führte unter aüdrrem aus, im Jahre 1923 schließe das Budget mit 23 Milliarden ab. Dir Einnahmen betrügen im ganzen 19.M!lllaOen, daS Defizit stelle sich also auf 4 Milliarden. Dir öffentliche Schuld Frankreichs hat sich von 32 Milliarden vor ikm Kriege um 131 Milliarden Kriegskosten erhöht, die durch den Versailler Vertrag zu' Lasten Frankreichs verblieben seien, ferner um 90 Milliax-' den an' Vorschüssen an Dw-lschlaNd. Von Liese« 90 Milliarden wöise das Budget 4,5 Milliarden ZinSrück-,! stände auf, Uie sich also auf mehr als das ganze Defizit be-ü lieft», so daß nran sägen könne, wenn man von den Re< Parationen absehe, wäre das - affgemeine französische Bud-, get völlig im Gleichgewicht. Der französische Anteilen de« 132 Millia^en deS Zahlungsplanes betrüge 72 'Milllär- Heu. Deutschland würde alsy.höchstens 72 Milliart^n zah-, len, Währerw Frankreich ftlbst für Reparationen und Pen->. sionen mehr als,80' Milliarden zäUen muffe. Die öffewft Üche.WuM '^-AtzHpe-1923 MOe iü^Ianzen «ine. Eyr höhttÄff umerfahren. Finanzminister de Lastehrie erklärte, Ldß die gesamten Zahlen sta^k übertrieben ftiW Frankreich habe im Jahve 1922 nur 22 MMarLen als Anleihe aufgenomq men und daS gleiche werde im Jahre 1923 der Fall fei«. Der Berichterstatter habe die Rückzahlung an die Bank von- Frankreich und vie auswärtigen Schulden d 0 p p e ti ge za lleberraschend niedrig Z» die Preise ffir ertfklaisiffe englische Stoffe, Regen- 1, Damen- und HemiiwSsche, Bettwäsche, Strick- Wirkwaren etc: im bekannt billigen; Warenhaus Konzerte. Nach der wenig geglückten Aufführung der 8. Mahler- Symphonie unter Oskar Fried war die prächtige Wiedergabe des WerkO durch Bmno W a l t e r um so erfreulicher. Wie ganz anders spielte diesmal das gleiche Orchester, Kangfrisch, teilnahmsvoll uitid exakt, und Walter selbst vereinigte die innere Ergriffenheit des dankbaren Jüngermit der äußeren Ruh« deS abgeklärten Künstlers. Da gab es keine neuen Entdeckungen und Spitzfindigkeiten, man hört« daS Werk eines großen Symphoniker-, der gleich Brahms und Bruckner an der alten Form ftfthält und unbeschadet der poetischen Idee und der rieftnhaften Dimensionen die Klarheit der ThematA und Durchführung niemals auS^ dem Auge verliert, man vernahm wieder einmal d!« Mählerfchen Tempi und die Mahlersche Tönfprache. Gleich den Frauen sind mitunter ftne künstlerischeu Auffasiungen die besten, über die eS gar nichts zn berichten rmd zu deuteln gibt; dies trifft auch auf die Mahler-Mfstlffung Bruno Malters zu: Die Symphonie verlief fo ftlbftberständlich, daß man sie gar nicht anderhören möchte, imd gerade dieverdient m unserer Zeit der mannigfachen Interpretationen besonderes Lob. Doll Inbrunst sang Frau Hevm'me Kittel, die noch der alten Mahner-Garde angehort, das Altsolo, lustig und keck sang der Philharmonisch« Chor, ft wie eS sich der Tondichter ftlbst gewünscht haben mag. Wie wir Walter tmimt wieder als Mahler-Dirigen- -ten rühmen,/so darf Direktor S ch a l k den Ehrentitel eines Bmckner-Kenners firr sich m Anspruch nehmen. In breiter Feierlichkeit erklang, unter seiner Leitung daS Andante der „Romantischen" und man glaubte gern an d'x Frömmigkeit deS ländlichen Tondichter» und an die Hingabe seiner Interpreten. Nach der Symphonie stimmte Richard Mayr in Brahms' „Pier ernsten Gesängen" ein höhe» Lied der SangeSkrtnst an. Die Wort und Ton hier von den letzten Dingen erzählen, so gibt Mayr wit seiner Innigkeit da» Letzte^ tzerM spenden kann: ,Dlembe, Hoffnung, Liebe; aber die Lieh« ist ’ik. -röjesft '; Kapellmeister Bernhard T i t t e t absolviert WiÄer eine Reche von Orchesterkonzerten vor ftinem Vollzähligen StammpMiturü. Ein gewisser urwüchsiger Musikauftch smn ist chin eigen und es Mingt ^, chm der grop Wurf, ohne daß er sich auf Kleinarbeit einzustellen bwucht. So ist er. d^ richt^ Dirigent für den vmstkbedürftigen^ Miüeft stand, dem! bfe Meisterwerke der Mnsiklitevatur hier in billigen,^ chrrikDKvoffeN '.MMchnE/. -ÄoM. toerden. In TschaiköwSkyS^ ^Fünfftr" khang!es M Kosakenritt übet drr ruffische Steppe und voll. Temperament ging es vorwärts Wer SM und Stem. Im gleichen Konzert fpielw Frau Germaine S ch « r tz e r mit klingendem AnMM und virtuoser!Techni1 ^''MNtnftr^twds.,H»A^s^lechE — LisztS ESäDur-Konzert. Erwähnen^ Wir gftich aus der, Reche der Pianisten Herrn Telemaq« Lambrinö, den erftchrenen Beethöven-Spieler. Diesmal spielte er Beethovens drei letzte Sonaten, flüchtiger als föhft. &c Op 111-Sonato sichtlich ermattet, mit verwischter Technik und ohne jede Größe. ' \:,;7 ’ / . Vom R ö s e - Q ü a r t e t t, das zu de" stöljDen Wiener KünstgütevN zahlt, hörftn wir im Festsaal der Hofburg BeechövenS ES-D>ur-Quariett, Op^ 127. dhrHft moM'menwr erklang bäs Maestoso, dieses ^Emgängttör zu der gangen GchaffenSwelt des alternden Beechotan", chir PaA BtM Viesen Satz nennt/ Mt der 'letzten'Beet-' h^n-Periota^^ fft der Ruhm Ves'Röse-Qüartetts enge Muhe Verknüpft,/ an ihr taMchie /sich- M a i r « ck e r - B Ü x b a ü m - QuMW, inhWi es / mit lbdusizierfreud'gkeit und feinem KunscherständniS daS CiS- Moll-Quartett, Op. 131. vortmg. Gleichsam über Nacht ist Vieft junge gewochen?sir kam; v»Me Whörtuüd^sftgft MW eWr Wisse»- LeichffebWit und WftMffchdv /^KbMftKpVe^die^W' mildem dich EiS-Äröll-Qüartetis wM''tartWch. -Ist Ä doch ^iNe einzige, NtächtM Steigerung üMttotz MMMU LiS-MÜ-Tonart vöu, M *»0^ II., TaborstraSe 48 Telephon 47-t>79 ünspm; Bn tietall . ), deren Wiedergabe dem MaireckeEüxbaum^Quartetk leichter wird als die mmutröft ExakLheit des späten Boet« hoven-StllS. . AüS einer via( ndifcheven.Welt kommt.hie Kunst des Kammersängers Michael BoHnen. Er braucht elemewr tare Thoaterausbrüche und die große. Geste des KmoS, Bühnsnschminke und Rampenlicht, darum niuß' er 'm Konzertsaail immer enttäuschen. Seme Stimme ist numgrlhäft^gebiKet.4eüd',swchrS Gefühl ist feine Sache nicht. I« GeftM. von Opernavien Prunkt er noch mit Resten vo» VM«rHarHichM-'M.ta..BqVaden.weiß er'mitunter durch ftrn Temperament mi^iveißen, in Brahnts-Liedern jedoch^ in tanen ftiNe Stimme im Pianovortpag.' fast rmhörbar wurde, - evlehte er ein trauriges Fiasko. —* Bon ÄlfvH P.ie.evd^ Leiy. unvergleichlichen Tenor unseres Opernbaufts, verlangt man keinen Liehembend, aber fein Bor» rrag itqlMffc^ Ärftn chirkt wie ein/FreMnbecher, de» man zUrKeM.keMtarj.Mir.wiffw.Mm^inen.zwrite» Shvser,.:tar'eyt^so pvachivoffeS Tenormaterial mit so viel Äkschmack nmster^ dep lediglich durch die Macht des ' sinn.« zu.Mveifen vermag^ Um einige C.r>che kühler geräl.. der Gesangsvorträg des Opernsängers Ä''red.I e r g e r; klug und berechnend spart er mit feinrv?iiPM und se>W Zuhörerschaftin der die 'Damenwelt überwiegh iststets/zu Kvatronen bereits mag auch der gewandte Sänger mitunter zuwen^ ausich heraustreten. -- Ein,«E,rH.mor für^ Wien ist Josef R i \ a tn t von oer M:MHrMer.-Hp tat"Göld. ln der Krhle, dös noch - der ist mangelhaft, der rp nflsgl Hförbt,' die Eintönigkeit b:8, Vortrages, Mehr Routine. als Seele verrät, ist nicht nach unserem Ge» ..sWervacht feiner Jttgend unk. seines schone» WWW PM'mt. er Aufmunterulng. In seinem Kon* W Wtete.Hichgch & c. u>$ e r daS OrDffer. ^o hat denn d^^MHeisiK.^M^glerens --/«nter//tan^OpeinfLngeigtz ergriffen! Er weiß dn OtchefW / »ngefahr vd lchc-id .wie jeder Opernsänger,"der mit dem OrchesM H to