Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1332 (26.10.1922)
- Date
- 1922-10-26
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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mm s Dttn. Donnerstag Bon der antisemitischen HroriL. Aus der dsutschvölkischen Propaganda. Die letzte Radartversammlung der sich unter einer neuen Firma rälliierenden Hakenkreuzlev jn Brr l Ln»' deren.Provokationen sogar Todesopfer eWdWhqW M der rechtzeitig aufgedeckie Mordsinschlag -Ws WichMuM Wlrth sind deutliche Fingerzeige, datz He WeMiuDir in Deutschland ihre Partie »och'MM7--«lM WWÄr geben. Die reaktionäre Hetze, welche stets der deutschen Republik ebenso wie den Juden an" den Leib will, “ wühlt unterirdisch weiter und an den Blasen, die sich von Zeit zu Zeit über diesem Sumpf bilden, erkennt man, wie tief sich [ent* Gift bereits eingefrefsen hat. Der vWW PMe. enhrehriten wir einige kennzeichnende Blutern Am Parteilokal der Nationalsozialisten in München. war, wie. Mir nach dem Raibeuau-Mord meldeten, ein Plakat angebracht, in dem es hieß: „Reichsminister, leider war er e§, Aktionär von 98 Gesellschaften, Rathenau, nun ist er toj^ WMWdSWDe'' mann leben noch, die Iudenregietung an din Galgen." Der Sozialdemokratische Verein München erstattete wegen dieses Plakates bei. der Staatsanwaltschaft ' Strafanzeige. Jetzt wurde ihm mitgeteilt» daß das Derfahrm eingestellt worden sei. west der Tater nicht er-. mAÄt worden sei. Selbstverständlich fiel eß 'dem Staatsanwalt nicht ein, den Jnbaber des Lokals zur Verantwortung zu ziehen. — JnAhlheck wurde zur Feier des hundertjährigen Bestandes der dortigen Volksschule ein Festzug veranstaltet. AlS hie Gthulkruder mit der Reichsfahne durch den Ort zogen, stürzte, wie der „Vorwärts" berichtet, ein Herr auf sie und schrie: „WaS ihr da habt, ist eine Judenfabne, pfui!", wobei er kräftig >aus- - spie. Als die Polizei nach seiner anfänglichen Weigerung feinen Namen endlich feststellen konnte, erwieS eS sich, daß eS ein Referent im Berliner Reichsausgleichsamt war, welcher der Fahne der Republik, der er dient, solche Achtung erweist, daß er davor nicht zurückschreckt, Schulkinder zu haranguieren. Leider aber find Strömungen am Werke, um auch die heilige Reinheit de» Hakenkreuzes anzulasten. So macht der germanisch-antisemitische a m m e r" seine Getreuen auf die folgende Tatsache aufmerksam: „Die Zigarettenmarke „Commando" ist mit Hakenkreuzen und mit den Farben Schwarz-Weiß-Rot geschmückt. Der Fabrikant, der anscheinend mit dieser Aufmachung völkische Kreise anlocken will, ist Hebräer." I» der Tat» wafaß aus der germanischen Zukunft werden, Wenn sich die tückischen Hebräer auch ihres reinsten „Heilszeichens" bemächtigen wollen? Jn dieser antisemitischen Orgiastik wollen auch gewisse kirchlich-katholische Kreise nicht abseits stehen. So hat vor einiger Zeit der Münchener Erzbischof v. Faulhab er eine festliche Gelegenheit benützt, um eine antisemitische Philippika loszulasien. Daß Wüster des Kardinals hat alsbald Nachahmung gefunden. Urbahrische Bewunderer Ludendorffs haben nämlich vor kurzem das dringende Bedürfnis gefühlt, den 600. Jahrestag der Schlacht von Mühldorf festlich zu begehen, weil nämlich die Erinnerung an die den Oestrrreichern von >den Bayern zugefügte Niederlage angesichts der Verbrüderung der bayrischen mit den österreichischen Reaktionären besonders zeitgemäß ist. Zur Feier lud man Ludendorff und Genossen, und die bayrischen Prinzen und Minister sollte« auch nicht fehlen. So fugte sich die Festrede des Kapuziner- PckterS K a f im irvonAltotting trefflich itz diese« Rahmen, und wie „zeitgemäß" er zu reden wußte, geht ans den folgenden Worten . hervor: „Änd: wie Ludwig bet' Bayer nach der Ampfinger Schlacht den Juden eine eigene Steuer auferlegte für die Hinterbliebenen, so fordern auch wir heute eine I u d e n st e u e r für jene, dir aus unserem rohm Blut und dem Schweiß unserer Arbeit gelbes Sold geschlagen haben und ihre Hände apSgestrockt haben nach dem Vermögen unserer Fürsten" Die man sieht, batte dir Mühldorfer Schlacht auch ihr Gutes. . Ihr Gedenken Mt: den Hetzern willkommene Gelegenheit, ihre unsaubere Wühlarbeit unter dem Beifall der hohen Herren zu tum Gegen die Zionisten inPolerr. Aus L o n d o n wird uns geschrieben: „M o r n i ng Post" bringt in den letzten Tagen Auszüge aus dem demnächst zu erscheinenden Buche deS amerikanischen Jourmalisten Charles Philipps: „DaS Neue Polen". In dem genannten Buche, das in einige» Tage« in London erscheinen soll, schildert Philipps auch den Stand dev jüdischen Sprache in Polen. Seine Ausführungen, die durchwegden Charakter ein« Judenhetze tragen, diene« der „Msxning Post" als Ausgangspunkt zu einer neue» Judenhetze. Unter anderem beschuldigt Philipps die Zionisten als jene, die eine Löstwg der Judtzttfrage kr Polen verhindern. Er stellt fest, daß der größte Teil her polnischen Judenschaft, die 1H Prozent der polnischen Ge» samtbevölkerung ausmacht, dem Einfluß Hs Zionismus unterliegt. Die polnische Judenschaft begnüge sich nicht mit der Gleichberechtigung, sondern fordert auch spezielle PrivÄegirn, die eine Gefahr darstellend Philipps hofft auf eine Erweiterung der jüdischen AsftmilqiionShewegung, doch könne das jüdische Problem «m durch die Verringerung des jüdischen BevölkerungSstanhes gelöst werden, da keine einzige Regierung eine so große, fremde Bevölkerungsanzahl vertragen könnte. Diese, sehr merkwürdigen Anschauuygen eines amerikanischen Journalisten haben bereitm der englische« Presse Widerspruch hervorgerufen. Herr Philipps, der vinyere Zeit als Leiter einer Hilfsaktion i» Ppftr« weWp, fchemt seine Informationen bei den Nationaldemokraten geholt zu haben. Natürlich begrüßt die gesamte nationaldemokratische Presse in Polen mit Freude die Ausführungen Philipps und bringt die Auszüge seines Buche-, die Iudenjrage in Polen heharckLlL. zum, Abdruck. Wiener Movgenzeltnng -- —— Oktober 1BÖ2 Nr. 1888 werte Aeutzek«rsgen int Prager ASgearLnelentzaus. Ministers des Aenßern überein, daß die finanzielle Katastrophe Oesterreichs auch Pr. C z e ch' (deutscher 1 Sdziakdemofrät) hielt gestern im MgechdnetenhaW eig^ Retst-, intzkr er »Nter ^anderem die Bedingungen fjrfiifie1suntÖsterreich Me>gewährt werden soll. Seine Partei wolle bki'-'der//HUfHistu«g' feine Schwierigsten bereiten. Die Kontrolle müsse ioohl hingenommen werden, es bestehe aber die Gefahr, daß bei der Durchführung der Genfer Protokolle die Früchte der M den vesitzenden unh nicht /von'den. Weiter«. Wn.Mracht werden, Aög. K r a marsch spricht namens seiner Partei der Regierung die absotüte LoMität aus und erklärt, es W kein Unglück für die Bevölkerung, dsß Oesterreich nicht mehr etzW». Hk sei nicht nötM hüß Phantasien LbH ein-gemein. fameS Zollgebiet erdacht würden, die nichtanderes als die Errkchtüng 'detz astdn^ Reiches bedeutend würden/ Bezüglich der Verhältnisse in Oesterreich stimmt Rednermst der Ansicht des und auf die slowakischen.Verhältnisse einer^ungünstigen Einfluß äuSüben könnten, und daß di^ N epublik -im e i g e n e n' I n t e r e s s e dafür sorgen müsse, daß diese Katastrophe in Oesterreich b% hindert werde. Wir wollen, erklärt Redner, bereitwillig und loyal Oesterreich helfen, aber wir müssen auch Garantien verlangen, daß"das Geld nicht umsonst hi na usgewo rfen w e rde. Wir Müssen a^r auch Mlf der anderen Seite verlangen, daß in Wien-mit de» tschechö-flowakischen Minderheiten so umgegängen werde/ wie eS im.Friedensvertrag. festgesetzt ist. Falls die internationale» Garantien nicht hinreichend sein würden, wäre eS nur recht und billig, wenn wir, falls,sich m Oesterreich die wirtschaftlichen. Verhältnisse nicht bessern, uns den Regreß für unsere Reparationszahlungen Vorbehalten. Oesterreich. »ie Srohdeutschrn und das S«nierongsprogramm ' Parteiamtlich 'wird verlaukharft Der Drrvand der Abgeordneten der GroMütschrn DolkSPartei hielt gestern eine mshrstündtze Sitzung ab, m der das Sanierungs- Programm einer eingehenden Beratung unterzogen wurde. Beratungen stich noch, nicht abgefchlosien, Der Drr- Dik baßd sprach sich ßn der Wichmtesten WHe für eine 5t e-; Vision des NotenhankstPtuts aus, da die früheren GmMaaen infolge des SankrungspragrammS wkgWllen sind. J»dr»kprrr« an der Le»de«rr h»chfch«>e. In der gestrtzon SitzMg deS NakwflÄvatrS interpellierten dir steirischen ÄsiakdemokpcUe» den Han-delSmWfter wegen der Mißstände an her Montantstifchen Hochfchule in Leoben. Die an dieser Hochschule -wi-vkenden Lchchrästr legen, wie bi» Anfrage auSfichrt, eine Anffasstms vo» chrer StÜlung wch^^ihvm Amtspflichten an den Dag» «iS der hervsrgcht, daß sie sich überhaupt nicht bewußtfind, Bundeslehr« zu fern. Statt gewinnt dm Wrdyuck, daß mit der Leitung dieser Hochschvle nicht Lehrer der Mssenschast, smwern Bediente de»tschnätionaler Vereine betvaut find. An dieser Anstalt rntschMet ei-r« Arckrmiffion Über die Aufwahn« von Hörem. AnftvahMSwerber, deren Person mts sogenannten «i« chgmdeinem Grunde nnangmchm ist, wich die Inskription .verweigert. Einem Studente« jüdischer Konfession — seine FA««ie wchnt feit MS i« Leoben —, der ftit ftühvs:n Jugend in Leoben wchnt, deutsche Eichung genossen und deutsche UMerrichtSanstalten 'besucht hat, wird seit drei Jahren die Inskription verweigert, angeblich, we» er Ausländer P. W MEichkoit weil er Jude ist und weS eS chnigm dmstchnatiovolen Dmfchen der Leobner Hochschule geRllt, ed»nal einem Juden das Studium unmöglich ß« mache«, drsien MttÄ nicht avSreichen, die eantMMt an eener P0<mchuw fW« von oom rvomn-ee Eltern onfzunchmen. SS heißt dam Vpfevsin» der BevSÄsnrns DenchchSsierveichS für de« kostfpieligm Apparat ein« fslbstandigen Hochschule in Leoben ei« schweM Bcklästung zu-umuten, wen« man erfährt, daß der Lehrkörper dieser sogenannten HochMcke form Funktion darin erttickt, daS BollzugSorgan von Tifchgef elf schäften deutschnationaler Stüde n t e n zu sein. Der HandÄSminffwr wird gefragt, ob es ihm bekam fei, daß einem Äudierenden. der i« Leobe« ausgewachsen ist «mtz die dortige Mttelschuse besucht hat, gum dvitton Malp die Inskription M der Montanistischen Hochschule »«weigevt wirst. MaS gedenkt der Minister gegenüber Vieser niedrigen Dersvlguntzssncht deutschnattonaler Studenten vorzukehren? Gildenkt der Minister, den Lchrkörper zu belehren, daß er ein Orsta« das Bundes und nicht einErekutivorga« eiiner politischen Gruppe mW daher M Beachtung dw Gesetze Ar «epwM vechflichtetz ist. rschecho «SloWnbei. Die I««»ri«e. M. OkwHer. Wach ein« Meldung der ^Lrscms Warschau veröffentlichen di« dortigen Blätter ri«e EEärnny, daß die strsitöge Frage des Jawovmq-PebwteS in Paris zugunsten PÄenS entschieden worden sei. Das Tschecho-flowakische Preßburcau ist offiziell ev» «Schtlgt. feDWien, Wh in der Jatyornta-Angelegen- »»>' i: t """ Mtzarn. sttM magy»r!sche rirchtsk»«ö»ie. Pchgpey. M. tzktMe./. Wie die Blätter mewett. soll die Polen. Die Kosten der Besetzung Oderichlestens. Paris, 25.. Oktober. (Tel. der „Wr, Morgenztg.'") Nach langwierigen Beratungen hat die zur Feststellung interalliierte Kommission beschlossen,, die Besatzungs^ kosten auf 10 Millionen Franken festzusetzen. Die einst Hälfte dieser Summe wird Deutschland, die andere Polen tragen. , Die erste jüdische WShltrversa»Mlv«g i« Lemberg. Lemberg, 22. Oktober. (Tel. der „Wr. Morgenzig.^ Gestern fand hier im Saale des „Ja^Chamrim" eine vom Block der jüdischnationalen Parteien einberufene Wählerversammlung statt, die einen imposanten Verlauf nahm. Tausende Männer und Frauen aus allen Schichten der jüdischen Bevölkerung füllten den Saal und das Stiegenhcmr. In- Präsidium wurden die Herren Dr. Wurzel, Bilbel, Großkopf, Pillitzer und Sonnenschein gewählt. MS erster Referent sprach Redakteur Frostig, der zunächst auf die Leitmottve verwies, welche die zionistische und die mit ihr alliierten Organisationen zur Beteiligung an diesen Wahlen vemnlaßte. ES würde« dadurch hie Richtlinien der bisherigen Politik keineswegs geändert. Eine intensive Beteiligung' an der Wahl sei im Hinblick auf die politische und ökonomische Lage der Mischen Bevölkerung dringend erwünscht und jede Zersplitterung der Stimmen als Verbrechen an der Gesamtheit zu betrachten. Di« Rede wurde ebenso wie die nachfolgenden Ansprachen der Herren De. Schmorak, Weiß, (Orthodoxie), Pillitzer und Dr. Leser mit großem Beifall ausgenommen. Die Versammlmtg nahm auch eine Resolution an, welche die Kandidattnen der Lifte Nr. 17 mit Befriedigung zur Kenntnis nimmt und es als Pflicht aller Anwesenden hinstellt, mit aller Energie für die Liste einzuweten. Rundschau. m Abolition des gegen den Grafen Julius Ändvassy nnh andere ^hgeyxtMte sowie. gege« mchrere Offizier« , im ZujünimenhWg mst WrMüWsw König ^rlS^.W Oktohtr vorige« Jahres eingeleitet-.n Prozesses bevorstehcn. Der Kampf gege» de» ZioniamW Sswietrutziand. Die Spionage der jüdischen Kommunisten. Wie gemeldet wurde, hat ein Revolutionstviibunal in Kiew 37 Mitglieder der zionistischen sozialistischen Partei Z e i % e Z i o n , zu Zwangsarbeit verurteilt. Nunmehr veröffentlicht das Hauptbureau der Hitachduth, welcher die Heire Zion mit angehört, die folgende Mitteilung: „Anfangs Mai tagte in Kiew die ordentliche IahveSkonferenz d>er Zerre Zion-Partei deS rusiiifchen Landesverbandes der Hitachduth-Orgamsationen, die hie zionistischen Arbeiterparteien Europas, Amerikas Md-Palästinas in sich vereinigt. Bekanntlich ist die zionistische Bewegung in Gowjetmßland nicht legalisiert, so daß öle Konferenz' illegal zusammentreten mußte. Infolge der Spionage der Jcwsektion (Jüdische Sektion der Kommunistischen Partei) ist die Konferenz kurz vor dem Schlüsse ihrer Tagesordnung van den Beamten der G. P. ü, (Außerordentliche Kommission) verhaftet worden, so daß die Teilnehmer gezwungen waren, ihre Arbeit im Gefängnis zu Ende zu führen. , Das Untersnchungsverfahren hat so geringes Belastungsmaterial zutage gefördert, daß die Verhafteten nach einem Monat entlasten wurden, und es war sogar Grund vorhanden, a'nzunchmen, daß das Verfahren . eingestellt werden müsse. Aber die Jewscktion, die an der Inszenierung «mer großen politischen Prozesies gegen die „jüdische Konterrevolution" sehr interessiert war, hat durch Truck auf die Kreis« der Sowjetvegierung die Durchfühmng deS Verfahrens durchgesetzt. Ferner wird in dem Commünkque erklärt, daß bte Anklage mit kmi Argument zu arbeiten versucht, daß eine wie auch Mmer geartete Verriivdung zwischen den Angeklagten und den „militärischen Bestrebungen Jabpti wSkys" und seinen Abumchungm mit der Pe.tljura, AegieruM ^standen hat. -Da- Fommunique eMärt demgegenüber, daß gerade die Zeire Zion-Parjei die in dev Anklage erwähnten Bestrebungen auf das Schärfste be-