Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1327 (21.10.1922)
- Date
- 1922-10-21
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Me». Tamsrag «Ke r Wiener Morgenzettnns. 21 Oktober 1-22 -kr. rSK7 , Oesterreich. Die Kredtter«Lchttgu»s ««genommen. Der Nationalrat hat gestern das K r e -11 c r m 5 ch* itigungsgesetz in der geforderten Höhe van 760 Milliarden Kronen glatt erledigt. Die Sitzung brachte eine Ziemlich gereizte Auseinandersetzung Mischen dem Sozialdemokraten Allina und dem Finanzmimster Segur, der sich gegen die Persönlichen Auswüchse in der Kritik feiner Mahnahmen verwahrte. .' ' Am Nachmittag stimmte auch der Bnndesrat der Ermächtigung zu, so daß die Auszahlung der Gehalte an die Staatsangestellten heute wird ungestört erfolgen können. Teilnahme Spaniens an der Kreditgarantie. Madrid, 19. Oktober. (Havas.) Der Kabinettsrat hat ' in ferner gestrigen Sitzung beschlosien, dem Parlament, einen Gesetzentwurf zu unterbreiten, der die Regierung^ ermächtigt, an der Anleiheaktion für den Wiederaufbau Oesterreichs teilzunehmen. Der Wiener' spanische Gesandte hat - gestern' denr Bundeskanzler mitgeterlt, die spanische Regierung *»olle fünf Prozent der Bölkerbundanleihe übermhmen. Renner in Prag. Prag, 20. Oktober. Wie die „Prager Presse" mitterlt, verhandelt Dr. Renner mit den deutschen und den ' tschechischen Sozialdemokraten über das Genfer Protokoll. Dr. Renner wird sich von hier aus nach Berlin begeben. Tschecho - Slowakei. Rückgang des Defizits. Prag, 20. Oktober. Wie „Nawdni Lisch" melden, besagt der Fehlbetrag des tschecho-siowakischen Voranschlages für das nächste Jahr 665 Millionen Kronen gegenüber einer Milliarde im laufenden Voran/ hlag. ANgsru. Wie sie die Welt belügen. . Budapest, 20. Oktober. In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung erklärte Abg. F r i e d r i ch im Rah-, men einer persönlichen Berichtigung, der ungarische Fas-! Fismus habe mit dem italienischen nichts gemein. Er richte. sich -weder gegen die Juden rwch gegen die Sozialisten und' bilde nur eine „Seelengemeinschaft" zum Schutze der christlichnationalen ungarischm Gesellschaft. Ministerpräsident Graf B e thl e n betonte, die Regie-1 tuitg dulde' keim geheimen Organisationen, die politische! ' ZiÄe verfolgen, und keine Vereine, die eine über ihre; Satzungen hinausgohende Tätigkeit entfalten möchten.! Ueber die faszrstische Bewegung habe sich Abg. Friedrich. vor dem Haufe offen geäußert. Der Ministerpräsidentet* klärte schließlich, daß die Regierung auch gegen diese Organisation auf das strengste Vorgehen würde, wenn sie gegen die erwähnten Prinzipien verstoße. Der Minister- Präsident verfolge eine christliche Politik, aber keineswegs-eim antisemitische, er habe nur die Geltendmachung der christtichen W e l t a u f f a s s u n g im Auge. Gegen antisemitische Ausschreitungen und Men die Hetzereien der Presse werde energisch eingeritten werden. Polen. Rsrulowiezüber dieResslerKsnserenz. Warschau, 19. Oktober. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Der Minister des Aeußern Narutowiez gab gestern den Pressevertretern Aufschlüsse über den Standpunkt Polens gegenüber den politischen Ereignissen im nahen Osten und über die Konferenz von Revals Hinsichtlich der ersteren Frage erklärte der Minister,. Polen-sei prinzipiell für die Freiheit der Meerengen erngetreten und sei währen-d des ganzen griechisch-türkischen Konfliktes bestrebt gewesen, die gemäßigte Taktik Frankreichs zu unterstützen. Die freundschaftlichen Beziehungen zu Rumänien und das» gute Verhältnis zu Sowjetrußland haben Polen in der Ueberzeugung bestärkt, daß eine friedliche Regelung des griechischtürkischen Konfliktes möglich sei, was auch durch die jüngsten Geschehnisse bestätigt worden sei. In der Meerengenstage' sei Polen direkt interessiert,, weil die Verträge mit Rumänien Polen den steien Zutritt.zu den. Häfen von Bralla und Galatz sichern. Bezüglich der Revaler Konferenz wieder-« holte per Minister, daß sämtliche Teilnehmer der Meinung ftien, daß keine Initiative, die auf. die Sicherung- und Festigung des Friedens im Osten Europas.-hinauslaufe, außer acht gelassen werden dürfen. Daher sei einstimmig beschlossen worden, an der von der Sowjetregrerung vor-' geschlagenen Konferenz betreffend die Abrüstung teilzunehmen. Der Termin des Zusammentrittes der Konferenz! hänge von Rußland ab. Skirmrmt — Gesandter in Sonden-. Warschau, 17. Oktober. (Polln. Stimmen.) Der neue . polnische Gesandte in London, Skirmunt, wird nächste Woche seinen Posten beziehen. Rnsstsch-polnifche Abgrenzung. Warschau, 18. Oktober. (Tel. d. „Wr. Morgenzeittmg".) Beim Mshecker- -erGrenzen im. Wchmtt Mieswiee-Minsk Letzte Nachrichten. Die Alldeutschen wollen Mirth ermorden. Aufdeckung eines MordplaneS.! Berlin, 20. 'Oktober. (Del.-Komp^) tlnited «Tele«. graph erfährt über den Mordplan gegen den Reichsknnzler Dr. Wirth, über welchen in der. heutige« Sitzung des Reichstages Mitteilung gemacht wurde, daß der Kanzler in der letzten Zeit unzählige Drohbriefe erhalte» habe, in denen ihm das gleiche Schicksal wie Rathenau angedroht wurde. Die Fülle der Briefe nahm in den letzten Tagen derart zu, daß sich die Kriminalpolizei eingehend mit dem vorliegenden Material beschäftigte. Es wurde festgestellt, daß tatsächlich mit einem Anschlag auf den Kanzler zu rechnen sei. Es wurde deshalb Polizeilicherseits eine strenge Briefkontrolle bei jenen verfügt, bei denen man Verbindungen mit Kreisen vermutete, in denen etwa ein Attentat geplant sein könnte. Dabei wurde ei» Brief eines junge« Burschen namens Schn l z aus Leipzig an einen Bekannten übgefangen, in welchem er diesem mitteilt, daß er Doktor Wirth erschießen werde. Dieser Brief und der Verdacht, daß ein Attentat unmittelbar bevorsteht, führte dazu, daß der Schutz des Kanzlers außerordentlich verstärkt, die Reichstagswache verdoppelt und auch die Kriminalpolizei in der Umgebung eine Erweiterung erfuhr. Die Untersuchung in dieser Angelegenheit wird eifrigst fortgeführt. wurden. Polen die Dörfer S w i r i n o w o und K u c t e c -zugesprochen. Die Bevölkerung dieser Ortschaften hat dem Woiwoden in Nowogrodek anläßlich ihrer Befreiung von Sowjetrußland ein Dankschreiben übermittelt. Palästina. Ei« zweiter Vertreter der paläftinensi. schen Inden im der zionistischen Exekutive. Jerusalem, 17. Oktober. (I. C. B.) Herr Me juch a s. ist zum zweiten Vertreter der palästinensischen, Ju- -denschast in der zionistischen. Exekutive ernannt worden. Mejuhas genießt in jüdischen, insbesondere in den sephardischen Kreisen in Palästina, großes Ansehen. Er ist Vorstandsmitglied des Waad Leurni- (Jüdischer Natwnalrat) und Vorsitzender der Jerusalemer Mischen Gemeinde und des-Waad Hair (Jüdische Munizipalveowältmvg) in Jerusalem. (Wie bekannt, hat her 12. Zionistenkorrgreß den Beschluß gefaßt, daß Vertreter der palästinensischen Judenheit in die zionistische Exekutwe in Palästina ausgenommen werden sollen. Einer dieser Vertreter war bis jetzt Herr Kalvariskh. Herr Mejuhas ist nun -er zweite Vertreter der palästinensischen Jrrdercheit in der Exekutive, in der er die sephardische jüdische Bevölkerung repräsentieren wird.) Abnahme der jüdischen Einwanderung. . Jerusalem, 17. Oktober. (J. C. B.) Offiziell wird hier bekannt gegeben, daß im Lause des Monats September 691 jüdische Immigranten in Palästina Äng«- troffen sind. In diese Zahl sind die 130 W a r s e n, die aus der'Ukraine nach'Palästina in Bogleitung von Herrn - Belkind eingetroffen sind, inbegriffen. ' ' Änswandernng ans Argentinien nnch Palästina. - Das offizielle Organ der zionistffchen Organisation Argentiniens stellt fest, daß sich in den letzten Jahren in Argentinien ein starker Drang zur Emigration nach Palä- ' stina bemerkbar macht. Eine Anzahl argentinischer Juden ist bereits ftüher nach 'Palästina' abgewandert, aber erst jetzt nimmt die Bewegung breitere Formen an. Die zionistische Zeitung regt die Bildung von Emigratisnsssrupp en an. BerstümMelmrg eines Juden durch Araber. Jerusalem, 17. Oktober. (I. C. B.) In der Nahe von P e t a ch Tikwah wurde ein Jude inschwer verletztem Zustande aufgefünden. Es stellte sich'heraus, daß er von .Arabern überfallen und verstümmelt Wochen war. Rrmdscharl Die englische Lad»»r«P»rtei «nd der Zionismus. ... DaS Organ der englischen Arbeiterpartei „Daily H e r a l d" veröffentlicht eine Zuschrift, - in welcher auf die Ausführungen Wedgwoods aus dem.ihm vom Keren -Hajessod vor seiner Abreise nach Amerika gegebenen Bankett Bezug getrommen, wird. Wedgwood habe erklärt, die Lahour^startei stehe hinter, der zionistischem Bewegung. . Wenn dies die. offizielle Haltung der Partei sei, ffo verletze . sie' die Grundsätze -der Avbeiterpolitrk, da die Politik des Palästina-Mandatsdarauf hinausgche, Palästina im Jntereffe einer privilegierten Minorität zuverwalten. - ,. Darauf veröffentlichte Ceeil L'Estrange Mal o n e, das bekannte sozialistische Mitglied des englischen Parla- ' meutS, im „Da i l y H e r a l d" vom 51 ÄtMr emdn Briest in dem es heißt: „Die Gmgivätiön''der '^rden «aD Palästina bedeutet eine Hebung des Lebensstandards der arabischen Arbeiter-und eine Steigerung der Märkte für die arabischen Bauern. Sie bedeutet anst' "' Ehrung von AMtergilden. GewMchasten und der kooperativen Idee, die die Araber schon jetzt gierig nachahmen, wie man bei einem Besuch -Palästinas .feststellen kann. Die jüdischen - Arbeitergilden haben bis jetzt übe« 400.000 Pfund iy KontvaktSn und Bauavbeiien Mpgesetzt. In diese Sunnne ist die Arbeit der landwirtschaftlichen genossenschaftlichen Kolonien nicht eingeschlossen. Millionen von Juden streben nach einer wahren materiellen und geistizek Heimat. Nur ein Bruchteil kann unmittelbar eine Heinchättin Palästina finden, aber in den dreißig Jahren vor dem Kriege sind ungefähr 100.000 Juden dort eingewandert. Die BestlMnrungen des Mandats sorgen für eine Einwanderung in einer Art vor, die so völlig unparteiisch ist, daß nicht ein Schatten eimr Möglichkeit' einer Vertreibung oder einer anderen für die Araber schädlichen Handlung bestcht. Ich bin sicher, daß die Arbeiterpartei mit ihrer Unterstützung der Idee einer Mischen Siedlung in Palästina im Recht ist. Die LandLagswshLen Ln Lettland. Das Deuffche Auslandsvustitut (Stuttgart) u:eldet? Die Landtagswahlen in L e t t l a n b sind ohne besondere Vorfälle glatt verlausen und 'haben den Minoritäten beachtenswerte Erfolge gebwcht. In R i g a erhielten die Deutsch-Balten von insgesamt 146.391 gültigen Stinrmen 26.956 und damit voraussichtlich drei Mandatvon insgesamt 15. Der jüdisch-natronat'e Block brachte es ans 6782 Stimmen und ein Nkandgt. die jüdisch: Partei AgudaS Israel erhielt mit 4725, Stimmen gleichfalls ein Mandat, die vuffische Partei, 'die Esten, Litauer und Polen sind mit ihren Stimmen nicht so stark geworden^ daß sie es zu einem Mandat gebracht hätten, obgleich die Ruffen 4729 Stimmen bekamen. . In Mitcm haben die Deuffch-Balten 2099 Stimmen, - m Bauske 217, in Doblen 74, in Wolmar 116, in Windau 920, m Amboten 278 Stimmen erhalten, in L r bau haben die Deutsch-Balten 4281 Stimmen erhalten (915 Stimmen! nchr als bei den Kommunalwahlen im vorigen Jahre), aber nur 13,7 ProzeM aller abgegebenen. Stimmen gegen 15,4 Prozent rm Vorjahre. Die Juden hatten dort drü Listen ausgestellt, allem eine von ihnen hat von den 4025 jüdffchen Stimnren 3925 ans sich vereinigt, und zwar d i e des jüdischen Blocks. Entscheidend für die Mandatszuteilung wird der Wahkkoeffizient sein und der ist durch die überraschend starke Wahlbeteiligung sehr in die Hohe geschnellt. Man hatte mit einem Koeffizienten von 7000 bis 8000 gerechnet, er ist aber fast 10.000 hoch geworden. Haben doch in Riga fast 94 Pvozertt aller Wähler abgestimntt. In den Städten hat die Sozialdemokratie nicht ünlwesentlich zugelwnrmen, sie wird die stärkste Parier bleiben. Auch das d.e mo kra t is ch e Ze n trum, arr dessen Spitze dev Lffte!der Landtagspräsidsnt Ts ch äk s te stand, hat in den Städten einen großen Sieg erfochten. Das Gesäurt-- vesultat wird erst zu übeMicken sein, wenn die Meldungen aus dem Land: und namentlich aus Lettgyllen vollständig vorliegen. (Wüc haben gestern berichtet, daß im ganzen vier jüdische Abgeordnete, und zwar zwei Mitglieder des Blocks und zwei Angchörige der Agudah gewählt wurden.) , ' ' Pogrompanik in der Republik des Fernen Ostens. Wladiwostok, 18. Oktober. (I. C. B.) Angesichts -der bevorstehenden Zurückziehung der japanischen M ilitärkräfte aus Wladiwostok und des vorgekommenen Regierungswechsels herrscht in der Stadt eine nervöse Stimmung, indem der Ausbrrrch von Unruhen befürchtet wird. Die jüdische Bevölkerung befürchtet besonders den Ausbruch von Pogromen. Die führenden Persönlichkeiten der jüdischw Gemeinde halten permanente Beratungen ab. Es wurden dringende Appelle an alle in Betracht kommenden Stellen gesandt, damit das Unglück noch rechtzeitig vermieden werden kann. Die-jüdische Bevölkerung lebt in einem Zustand der Panik. Krsfiin ~ beurlaubt. Moskau, 20. Oktober. (Wolff.) Krassi« hat einen drellnonatigen Urlaub «halten und eine Auslandsreise angetreten. Die Orirntkonferenz. Pari», 20. Oktober, (tzatxck.) Fn seiner Erwiderung «ns die Note Curzons ^betreffend die Ovganisiemng der Friedenskoirferenz mit der Türkei betont Ministerpräsident Poincare die Dringlichkeit des Zusammentritts der Konferenz, stimmt aber mit Rücksicht aus die englische Krise dem Datum vom 18. November sowie der Wahl Lausannes als Konserenzort zu. Die französische« Kommnniste«. Paris, 20. Oktober. Der kornmunfftffche Kckchreß endete in vollständiger Verwirrung. Die Linke, vom Zentnrm besiegt, beabsichtigt, an die Moskauer Exekutive zu appellieren, die auch über die Frage der Ausschließung das letzte Wort sprechen soll. Vorläufig behalt nach dem Vorschläge Cachins und trotz der -in letzter Stunde von V a i 'l l a n t - C o u t u r i e r . mitgeteilten Aufträge der Moskauer Exekutive an die Linke, in die Parleitung emzutrcten, das Zentrum alle Stellen in der Leitung. Die Verhandlung erschöpfte sich in diesen Kämpfen um die Leitung. Ändere Fragen kamen nicht mehr'zur Behandlung. Beschlosien wurde die Einstellung des Blattes „Internationale" mit Ende Oktober. Die Ausschließungen erfolgten vor halb leerem Saale; so wurde Frau Mah o üx nur mit elf SÜmnien ausgeschlossen. Ein Zwischenfall ergalb sich, als bei der Äusschlie- A i l l i - r K MM Ä fS kM fii