Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1327 (21.10.1922)
- Date
- 1922-10-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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"f (taiftlidnnerKilOO V)en: Zuhi Äbholeriinder kLpeditten, H;,Tabdr8tr.l-3, «deVinemerVerschleisstelie Trafik) monatl. K 30X(OÖ MitPostversand für Wien v. Qesterr. monatl;- K 30.000 r»ch ec h ö-S1owak ei: Mion, K 20. Ungarn :Mon. SC 600. Jugoslawien: Mpn. Dinar 30. P o l e n: Non. Vik. 2200. DeütscHlahd: Non. Mark WO. Frankr., Belgien: Monatl. Frcs. 8 JMF* Nacba«hlunyett' *V0 Vl Preiaerbobunj^n vorhebaltep $ r,*'■))> Rr. 1327 Lloyd George. I —y. Wirr, 21. Oktober. Die englische Krise ist eine Krise der ganzen Welt. Die aktive Teilnahme Englands an der Lösung der internationalen Fragen ist für geraume Weile unterbrochen. Die deutschen Reparationen und die zu sorgenvoller Aktualität erwachte Meerengenftage stehen im Vordergrund der Politik und es ist für die Sache des Friedens ein sehr schwerer Schlag, Laß Lloyd George, eine der bedeutendsten Persönlichkeiten unserer Zeit, nicht mehr seine Autorität als unbestrittener Exponent des Volks- Vertrauens einsetzen kann. Sein Sturz durch die unionistische Palastrevolution ist ein Ereignis, dessen Auswirkungen die welchplitische Lage vom Grund "aus zu ändern imstaM wären. Mn Mann von großem Schnitt, eine der Nagenden Persönlichkeiten des an führenden Individualitäten so arm gewordenen Europas tritt vom Schauplatz ab, den er als Redner, als Taktiker, als politischer Denker so lange gebietend beherrscht hat. Seine Karriere zeigt ihn-als'energische und kraftvoll Erscheinung. Als Sohn eines blutarrnen Schullehrers in Manchester geboren, hungert er sich durch alle Stadien der Lehrzeit bis zur -Universität durch, , wird Advokat Und schläft mit 27 Jahren im ersten Wahlgang den langjährigen Vertreter seiner Heimatstadt im. Kampf um den Parlamentssitz. In der "Kammer fesselt er vom ersten Augenblick durch die Entschlossenheit und den Geist seiner Reden gegen die Torys,. tritt als Schatzkauzlerin b;rS> liberale -'Mir^PeMN-A^qttjt^ und lenkt die' Augen 8ch ganM Weltauf seine ' Kanchggne Men pie Lorhs^ denen er^ü^^iWMMMxMWNMWWMey.^ die ^HrMHeW'nM -die -WersverfitPUtAHZtz^erftch'.' sozialen Gesetze/ aWistgt/ Später wrft Zr sich dem allmächtigen Northclisfe entgegen, der vergebens Me Macht und allen Einfluß der „Times" gegen ihn aufbietet, als er den Bürenkrieg verdammt. Krieg nimmt er als Munitionsminisier. und nach. Kltcheners als' Leiter des Kriegsamies im Ministerium Grey Platz und wird nach dessen Rücktritt als Führer, her von ihm geschaffenen Koalition Chef der Regierung. Cr organisiert die englische Wehrmacht, stampft sie förmlich aus dem Boden und rettet Frankreich .vor der Ueberflutung 'durch die deutschen Armeen. Nach dem Sieg und dem Frredensschluß will: er zum: wahren Frieden kommen. Wie Pitt, Gladstone und Disrali steht er im Zentrum des politischen Wirkens -des Imperiums, dessen Sicherheit er, anders wie die französischen Politiker, auf neuer Freundschaft mit den "Kriegsgegnern begründen will. Die Fronde eines Teiles feister Gefolgschaft zwingt ihn zum Rücktritt. Aber er bleibt in der politischen Arena und schmiedet sich eine neue Partei, die er in den Wahlkampf führt. Durch die Ersechtung des Mandats für den Ausbau der jüdischen. :Heimat in Palästina ,-vindet er die Dankbarkeit, der. jüdischen Fünfzehmnillionennalion an England, an sich und Lord Balfour. Dieser Markstein auf der Schmerzensstraße des jüdischen.Volkes trägt für ewige Zeiten--Lloyd Georges Namen, der alle Intrigen zerbrochen.hat, Hie, dgs-WeÄ der,Aufrichtung des Volkes der Bibel im Keime stören wollten. Dieses Werk,, für tms sich England verbürgt hat, bleibt bestehen. Für die besiegten Staaten ist Lloyd. Georges Sturz ein schwerer - Schlag/ denn ihre Sache führte .Lloyd George in allen Beratungen seit Versailles, wo er ver- Eoens gegen Elemerweaus Greisenwahnsinn kämpfre. Das. Unglück der Friedensverträge hat er mit pünktlichster Genauigkeit - vorausgesagt und alle Gewandtheit . darangesetzt, den Abstieg Europas ins Chaos auszuhalten. In San Remo, m Cannes, in Genua hat er sich im Namen der nach Frieden, Arbeit und Brot rufenden Welt gegen das.Anheil gewehrt. DieGeradllnigkeit seiner aus einem - selsenfesten Bekenntnis zu--dem Ziel d-.s europäischen.Meichgewichtes. stammenden Mlink kann durch, seinen Rücktritt nicht beeinträchtigt weÄrn. Schon jetzt! ist diegeschlosseneGruppe.der:Uniomsien vom der Spaltung bedroht/ während Lloyd Gegrge, der Bürde der Regierung.'enthoben, mit seiner ganzen Kraft den Kampfiörganistert.,.... Die neste Regierung ist noch nicht .gebildet. Der mit der Mission der . Kgbinettszusammensetzung betraute; Boyar Law, der: durch seinen Brief in der „Times" den ersten Schuß auf LloYd Georgeabseuerte,wird sich erst nach einer, neuerlichen. Versammlung der Unionisten endgültig eiltschcidon. . Für den Fall ber Bejahung will er nur eiu Uebergangsnnnisterinm leiten, daS für die Wahlen Vorsorge zu treffen hätte.-Sollte er ablehnm. daun »vird Kp'ügLord Derby mit der:Ausgabe, be- ^aM^dieur^Rewcnlng zud:lde»u , H. MW. Samstag» 21. Oktober 1922 rscnttcno'SioifrifcY tschoch.K 1.20 Italien: Monatl. 10 Lira Rumänien, Bulgarien: Monatl. 60 Leibezw. Leiwa Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs* 3. f Redaktion u. Administration F Wien, II., Taborstraäse 1—3 [ Telephone: 44-0-38,43r3*19f I ab 6 JÜhr abends 16-301. ^, Tel.* Adr.: »Modenzeitung” Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 4. Jahrgang ♦. Die Aaflösvng der Koalition. London, 20. Oktober.- (Tel. d. „Wr. Mochenzeitung".) Än der gestrigen historische» Sitzung der englische« Parlamentarier nahmen 273 konservative Mitglieder des Ober- «yd Unterhauses und der Regierung teil. Die Sitzung würde durch C h a m H e r l a i n, der sie einberusen hatte, mit einer Rede eröffnet, in der er darauf bmwieS, daß die Aufgabe dir Regierung immer schwieriger geworden se^ da sie in der Angelegenheit der O rre.Ättrile von allen Setten angegriffen wurde. Unter dieser» Umstanden fei es der Regierung nicht mehr möglich, ihre Aufgabe Wetter zu erfüllen, weshalb er und seine Freunde beschlossen hatte«, vor die Partei z« treten. Im Hinblick auf die Rede Henderfons erklärte Chamber l a i«, daß es sich hier nicht nm eine« Konflikt zwischen den Aonfervativen und den Liberalen handle, sondem um die Stellung zur ArbeiterPartei.Eine Koalition könne entweder Ä de» konservativen MaMem gemacht werden, die schon für daS Wohl Englands viel geleistet haben, oder dürch eine Bereinig ««g der Arbeiterpartei «n d den Anh8«gern Äsqui 1 hs. Werde das 'ü> rücksichligt,so gebees nm eine Möglichkeit: Die AnftechterhaltungderKoalitiolt. r Bonar L a w betonte,daß seiner Ansicht nach die Köalitionni chtm e h rw e i ter bestehen bleiben könne, woran -tWOW/ die.'Persönlichkeit L'l-o.y.d-G^^r-- M-K^WßiMe -vedentey-' wOtzalb man stch .Wr^W Anflösnng der Koalitiom^entscheiden müsse. ES würds eine Gltschttchyng angenommen, in welcher die Bersammlung ihrer Meinung Ausdruck gibt, daß' die KonseMtive Partei Wohl geueigt sei, mit den Liberalen weiterhin zusammen zu arbeite«, sich jedoch gezwungen sehe, bei. den Nenwahlen als eigene Partei mit eigenen Kandidaten austutreten. Diese Resolution wurde mit dem bekannten Stimmenverhältnis angenommen. Chamberlai«, Balsour, Birkenhead und einige andere Koalitionisten haben an die Presse ein Schreiben gerichtet, worin sie ihre Grunde entwickeln, warum sie die auf der Konferenz gefaßte Entschließung n i ch t a n g enommen haben. In dem Schreiben wird Lloyd George Anerkennung gezollt und erklärt, es hatten kek- «erlei Meinnngsverschiedetchetten zwischen Lloyd George und de» Unterzeichneten Miuistern bestanden. Jetzt verlange man von ihnen, sie solle« . Llyod George fallen lassen. Dies würden sie jedoch nicht tun. Die Unterzeichner blieben stets, was sie gewesen feie», Konservative und Unwnisten, nud keine konservattve Regierung brauche e i n e p a r t e im 8ßig e O p p o s i t i o n Von dieser Seite zu befürchten. Sie könnten jedoch nicht glauben, daß die Grundsätze, die sie mit der Mehrheit der in der gestrigen Bersammlung der Konservativen Anwesenden ie'lten, auf dem Wege, den die anderen entschlossen seien, zu verfolgen, gefördert werden könnten. - Die Kabinettsbildung. Bonar Law hat die Kabinettsbildung nur unter der Bedingung übernommen, daß sein Uebergangsmiuisterium nnr von ganz kurzer Dauer sein dürfe, da er Mit Rücksicht auf seinen geschwächten GesundheitszustMd die Amtsgeschaste lange Zeit »richt. führen könne. Es wird daher.M^WHlterWu doch s ü r d e n 18. N o v e m b e r festgesetzt werden, obgleich es sehr schwierig ist, innerhalb dieser Zeit die Wahllisten aufzustellen, «nd die nötigen Borkehrnngen zu treffen. Bo» den konservattve« Ministern, die dem bisherigen Kabinett angehörten, werden C H a m b e r l a i n «nd B i rkenhead bestimmt auSscheiden, während die Frage, ob C h n r chill Kolonialminister bleiben soll, noch nicht geklärt. 'W Der bisherige HandelSminister Bald Wien wird esttsprcchend der Rolle, die er. vor und wahrend der Krise eingenommen hat, von Donar Law gebeten werden, eines der Sichtigsten RessottS im neuen Kabinett zu übernehmen Auch C u r z o n wird von Bonar Law aufgeforßek weichen, in seinem Kabinett mUzuarbetten. Ebenso sollen M konservativen Unterstaatssekretäre auf ihreu Posten verbkeihen» / ' Lloyb Georges Plärre. Reden hatten, um die Politik feines Kabinetts zu per» teidige». C h a m b e r l a i n, B a l f o u r, B i r k e n h e ad und H o r n e ließen g e st e r n a b e n d s schon Lloyd George mittetlen, daß sie sein er P o l i tik treuzn b l e i l e n beabsichtigen, so daß nach Durchführung der Wahle» eine S p a l t« n g i n n e r h a l b d e r K o n s e rr v a t 1 v e n P a r 1 e i zu erwarten ist. Die französische Preße. - > Paris, 20. Oktolber. (Havas.) In Besprechung dek englischen Krise erinnern die Blatter an -Uhervorragenden Verdienste Lloyd Georges währ e n - d os Krieges, stellen aber mtt Bedauern fest, daß er feit^dem Friedensschlntz scheinbar die Notwendigkeit eines gute» Einvemchnrens mit Frankreich vergessen habe, von dem er unablaW bedeutende Opfer, namentlich in der Reparattonssrage, verlangt habe. Alle Blatter sprechen die Hyssnung mts, daß das zukünftige Kabinett von der Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit zwischen Frankr c i ck und Großbritannien überzeugt sein ^erd^ die, wie sie erklären, unerläßlicher sei als je. „Pettt Parisien" sag/, es sei überraschend, festznstellen, daß der Premierminister, der die Notwendigkeit eines . französisch-englischen Zusammenarbeiteus veruachWssigt habe, qeradc der Mann gewesen sei, der während des Mie^ schlossener GkfiiWe Frantzüch snr England fett : 6 i „Journal" gibt dem Wunsche Ausdruck, daß die neue» Männer sich bemühen mögen, die Probleme in v e r s ö h «- lichem Geiste zu lösen, statt ununterbrochen Trennungselemente zu suchen. „Oeuvre" erklärt, Poineare werde das Möglichste tun, nm eine W i e d e r v e r f ö h n nng z w i f ch e « F r a n k-- reich und England zu erleichtern, die die beste Gewähr gegen die Gefahren eints Krieges sei. Die französische u a t i o n a l ist i sch e P r esse . grüßt die Demission Lloyd Georges m i t l a u t e m! J ubel. Allerdings wird dieser gedampft durch die Erwägung, daß ja schließlich Lloyd George stets nnr eine Sorge hatte: Den brttischen Interessen zu dienen, so daß eine Aendernng der enzlischen Außenpolitik nicht eintreten werde. Dazu kommt die Befürchtung, daß. durch die englische Ministerkrise sowohl die Losung des.Orieniprovlems, wie der Reparationsfrage eine Verzögerung erfahre» werde. „Echo de Paris" sagt, Lloyd George habe so lange jongliert. b»s .er sich die Glieder verrenken mußtet Seit 1919 haben alle französischen Staatsmänner dersncht, die Macht seines bösen Einflusses zu brechen, endlich s e i e s gelungen. Frankreich wünscht, Lloyd George nicht mehr wiederzuiehen. Der „Temps" stellt fest, daß k e i n i n t e r n a t i on a l e s E r e i g n i s sich mit dem Znsammeubrnch - der Pclttik Lloyd Georges vergleichen lasse. Nu« endlich werde es möglich sein, die Entente cordiale wieder herzustellen und' ernsiUch an den Wiederaufban Europas zu schreiten. Die KMerikanische BVLfchasLerkVNfe-r re«z irr Berlin. B-rr'mrg der mittel- und osteuropäischen Fragen. Berlin, 20. Oktober. (WolM Wie die „B. Z. anr Mittag" meldet, begann heute vormittags die vom amerikanische» Botschafter Houghton einberufene amerikanijche Diplomatenkonserenz, der auch der Chef des Staatsdepartements für westeuropäische Angele- , genhelten in Washington, E a st l o e, beiwohnte. Auf dieser Konferenz werden die amerikanischen Diplomaten M i t t e l- und Osteuropas die schwebende« mittel- und osteuropäischen Fragen beraten, um gemeinsamen das amerikanische Staatsdepartement zu berichten. Einlige amerikanische Gesandte werden bereits heute abends wieder Berlin i verlassen, während Castloe noch einige Tage hier bleibe« wird. .Lloyd George hat sei« Programm für die nächsten l nickt-bgenndert »nh wird die angetündiate» i «