Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1922-10-20 · Heft 1326 (20.10.1922) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1326 (20.10.1922)
Date
1922-10-20
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
83% known words query
IRI
…/2979076-2980129-2980406--12572-2999136
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

M.- Men, FMtzg E Konvetttton-'Ueiet Vorschlag«, wie wir zosischen K re d i L vors ch stsse auslosen, der Oesterretchifch-MMrischen Bank hierfür Schatz scheine M Berfvgung rffeucu uttb die so freihveribcnbeit Vorschüsse ,ut Föntt önwr, Krcdilopeva-tvo-n in VevtvenduW bringen. Zur Durchführung dieser Transaktion spricht die Regierung nun ein" Krediterntächtigung an, die sich aus den Betrag vost 60 Millionen Goldkronen oder 750 Milliarden Papierkronen beläuft. Die Regiedtvng ist sich »dessen bewußt./ daß die fortwährende Jnanspvitchnahnve von Krediten e i n Ende f i u b «tt müsse. Daher arbeitet sie auch ein ,91 e formpro gramm aus, - das die Möglichkeit bieten soll, den 'Staatshaushalt in den nächsten zwei Jahren ins Gleichgewicht zu bringen. Bis zur Durchführung dieses Reformprogramms muß aber die NWeruirg,einen Kredit ansprechen, weil sonst die Staatsyauähaltnüg?bis Ende des Jahres nicht in Ordntmg zu. bringen ist. Mit denr Betrage von 750 Milliarden hasst sie b i s> zu t Durchfuhr int g desReformp ro g ra mms das Auslangen finden zu können." Aus eine Anfrage des A'bg. Bauer bezifferte der Minister die Höhe des nronatlichen Defizits mit 400 Milliarden Krönen.' . Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde über das Mrntclgeseh beraten, wobei die Softaldeinokratelt durch ihr Verlangen einer Generaldebatte schärfere Opposition zeigten. Der Fittanzmimster gab Auskunft über die bekannten BeschulDigMdg gegen den Financier Castiglioni und erTärte: „Der Fall C a st i g l i o n i erliegt gegenwärtig bei d?r Einschätzmrgskmmnissrou, die eine entsprechend e S L em e r v o r s ch r e i b u n g vorgenonrmen hat, wogegen EaMlioni Berufung einlegte.. Das ist ein Recht, das ihnft selbstverständlich zusteht und nicht genonr- .Ulcn werden Mn." . --w-M Drr utnt portugiestsche Gesandte. Der nsuernamlie G e s a n d t e P o r t u g a l S, Doktor Franc iSco M a n u e l Conceiro da Costa, ist ge- ^ftevr beiut Bundesprasidenten Dr. Harnisch erschienen, um ihm sein ÄeglaubigrmgsschvLiben zu überreichen. Jugoslawien. Die Kroatische Frage. - Belgrad, 19: Oktober. (Tschecho-slotvakifches Preß-- kureau.) Da^ Erscheinen des ersten Abgeordneten der kroatischen Bauernpartei rm Parlament wird sowohl im politischen Kreisen als auch in der Presie lebhaft eröttert. Es - Wird darmrf verwiesen^ Laß die rniransigettte Haltung der Ra.drc-Gruppe ihren Höhepunkt bereits überschritten habe und daß sich die kroatische Frage nunmehr ihrer Lösung nähere. Diese Tatsache komme an: besten m dem UmständeZum Ausdruck, daß zwischen den Radikalen und den: Demokraten, die bisher, in ihrer Stellungnahme zur kroatischen Frage vollkonnnen einig waren, Nnstimmt ak eiten.'.eingetreten sind, deren eigentliche'Ursache in der Mei-nungsverschiedenheit über hie dem kroatischen Block gegenüber, ernzunehntende Haltung zu ftlchen sei. Die Radikalen, pflichteten in dieser Hinsicht dem Standpunkt Pa. sie' hei. der aber jede Abweichung von der bisher eingehaltenen Richtung der intteren Politik ablehue. Bon den DernokvaM sind nur die unmittelbaren Parteifreunde Pribicevic'unbedingte Anhänger der bisherigen Koalitionspolitik. Dis übrigen Demokraten unter D a v i d o v i c nehmen eine versöhnliche Haltung gegenüber den ftoudierenden Kroaten ein. Sie vertreten den Standpunkt, daß nunnrehr der Augenblick" zur Aufnahrne direkter B e r Handlungen mit Agram gekommen sei * Polen. nnb MAÄaMa. Warschau, Iß. Oktober. (Tel. d. .„Wr. Morgenzeitnng".) ',Aurjer Porannh" widmet den Verhandlungen von Mudania entert Leitartikel uwd zieht eine Parallele der Eutävicklung der Mssisch-türkischen und der russisch-polnischen Beziehungen. Das Blatt beschließt seine Ausführungen mit folgenden rnteressantert Sätzen: „Der Siamd Europas, so wie er auf der Pariser Konferenz entworfen wurde, erfuhr eine stark?., tiefgehende Erschütterung. Dies hat seine sehr gefährlichen Seiten, du es unter allen den Faktoren, die gegen diesen Stand ankämpftn, Hoffnungen erwecken, kann, dem Beispiel Kemal Paschas nachzukommen. Die Propaganda für die Revision des Friedensvertrages verbreitet ihre Wurzeln tutmet tiefer, sogar in der öffentlichen Meinung der Ententestaaten. Die erste Bresche ist schon geschlagen. Das' Beispiel Griechenlands, welches -darauf vertraute, daß die Eutscheidmrgen der Pariser Konferenz unantastbar sind, und in der Hosftmng lebte, int Kampf mn seine Erhaltung die stärksten Weltmächte hinter sich zu haben und jedenfalls wenig aufs Spiel zu fetzen — ist in hohem Maße lehrreich. Polen war jedoch in Wirklichkeit schon zur Zeit feines Krieges mit Rußland, den es in der gleichen Atmosphäre des Bertw'.wns begann, darüber belehrt, daß man' nur im Augenblick des Erfolges auf den Schutz her Großmächte rechnen könne. Ist man jedoch tu Gefahr,, kann man nur auf sich sMst rechnen. tMieZtttr MovtzeWMuits. s Das UcüdanM-Protokoll ist.eine politische Lektion, gleich groß wie der Rigaer Vertrag. Es beweist' neuerdings, daß jede Nation ihres Schicksals eigener Schmied ist, daß nur höchste Energie und Ailfopferurlg, nur die mächtige organisatorische Tätigkeit, nur der Genius jener, die au der Spitze tum Staat und Avmoe stehen, sich kn härtesten, gegen die Existenz des Staates gerichteten Schicksalsschlägen entgegett-' stellen können." Di« Massenaufmarsch von Sejm- Kaudidaten. Warschau, 18. Oktober. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Aus die von den Parteien eingeveichten Reichslisten, für die 72 Mandate in Aussicht gestellt sind, entfallen, wie bisher zu entnehmen ist, 785 Kandidaten. (Wie groß muß daun die Anzahl der Kandidaten sein, die auf die 372 Sejmmandate reflektieren?) Ein baltischer Handelsvertrag. Warschau, 18. Oktober. (Tel. b. „Wr. Morgenzeitung".) Außemnmister Narntowicz ist vorgestern aus Reval zurückgekehrt. In Zusammenhang damit veröffentlicht die P. A. T. ein Kommunique, in ivelchent sie auführt, daß unter den Außenministern Polens, Finnlands, Estlands und Lettlands in Reval Vollkomntene Einigkeit geherrscht hat, daß die Abschlichnng eines baltischen Handelsvertrages in Aussicht steht und daß die nächste baltische Konferenz in Riga stattfiuden wird. Die verschleppte» Dibliotheke». Warschau, 18. Oktober. (Tel. d. „Wr. Morgenzeiturtg".) Gestern sind nach Warschau die Expertert zurückgekehrt, die die polnische Regierung seinerzeit nach M o.s k a u entsandte, um den Rücktransport der aus Pölert verschleppten histori-. schon Bibliotheken zu betreibest. Es sind dies die Universitätsproftssoren Handelsmann, Turowski und Bernaeki. Die .Herren sind unverrichteter Dinge heimgekehrt, da ihnen die russischen Behörden, entgegen aller Vorheriger Versicherungen, den Eintritt in die verschiedeiten Bibliothekgebäude untersagtem Der Nsmerus cls«s»s m de» Lesrberser; Hschschulen »»fgehoben. Warschau, 18. Oktober. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitnug".) Der Nnterrichtsmrnifter K n m a n i e c k r bat eine Verordnung erlassen, wonach der bis nun an der Lemberger Universität' bestehende „Nmneints clausus" ftir die jüdischen Hochschüler aufgehoben wird. In der Verordmtug wird den Behörden der Universität und Technik verboten, den Nmnerus clausus irgendwie anzuwenden. Zn bemerken ist, daß vor kurzellt, wie beroits gemeldet, m Lsntberg Versamnrlsingen chttjpnaldenwkratischer Hochschüler unter Führung .'des Abg. "G lP mb im s k i skrttgefmiden haben, in denen die Aufnahme der Juden in sehr beschränkter Anzahl verlangt wurde. Die obevlvähnte Verordnung hat u-nterden Mtionaldernokraten Erbitterung hevvorgevuftn. Es besteht bei ihnen die Absicht, PwtestversarnmitlUgen gegen diese Vevordlmug abzuhalten. Rv» vl?t. Lemberg, 18. Oktober. (Tel. d. „Wr. Morgetlzeittmg".) In ndehreren Proviltzstädten hiElterr die Nationaldmokmten Hetzversammlungen gegen die jüdische Bevölkerung ab. So erklärten in Delatyn mehrere Redner, daß „dir Juden n.ach Palästina, woher sie gekomlnerr silld, geben sollen. In Polen kön'lte nnr ein Pole die Regievllng inue halben." Int allgernein-sn bestreben sich die Natiollaldemokratett, ihre Berhetzungspolitik gegen die Judett selbst in den flelujleu Ortschaften zn betreiben, scheuen jedoch nicht, für den Bau ihrer TuMhallen und selbst für WaWvecke bei Juden Geld zu sammeln. In denl Städtchen D e l a t y n zum Beispiel haben sie von der jüdischen Firma 5k lei u, deren Inhaber ungarischer Staatsbürger ist, eine Spende von zlvei Millionen Mark und BalrimateriÄrerl in größeren Mettgen erhalten. Gi» pvlMscher Mvrd, Leuiberg, 19. Oktober. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) „P^eglad Polljedzialio!»y" tueldet: Alt: 13. d. abends wu-rde in der Bahnstation Sapiemuka bei Leinberg, gerade als sich der Zug in Bewegung setzte, Professor T werdoch l i b von drei unbekannten Tätern überfüllen, welche auf ihn drei Revolvevschüsse obgaüetr. Dwerdochlib wurde tödlich getroffen und ist sofr-rt bewllMos zusanlmengestürzt. Der Zug wltrde sofort zum Stehen gebracht u-u-i) Professor Twerdochlib in das Lentoerger Spital gebracht, wo er. int Laufe der Mcht starb. Professor Twerdochlib war Ehef-' rodakteur des ttErarnischen Blattes „Ridnhi Kraj" mod vepräseutierte gegelriibsr Polen die Kourprourißrichtmtg. .Das Blatt ist der Ansicht, das; Professor Twerdochlib ein Opfer der ukrainischen T e r r 0 r i st e it geworden ist, d'e ihn wegen seiner Kontprmnißrlchtung bekäurpften. Die?lttentäicr wurdett bisher noch nicht ausgeforscht. Sa Oktober 1923 Seite t PalSftina Die jüdischen Arbeiter. Jerusalem, 15. Oktober. (Tel. v., „Wr. MorgeNE zeittmg".) Der „Allgemeine ^Zerbanh der jüdischen Arbeiter"' Hot cme Zählung der gesäurten jüdischen' Avbefterschaft rin Lande durchgeführt, ivelche die Zahl von 15,000 ergeben hat, Da gegerrwärtig fäwtlichc Arbeiter beschäfsigt sind und Mangel an Arbeitskräften herrscht, hat der Verlxrud durch' den Jirdlfchett Natimtalrai (llöaad Halettnn) eine Eittgabe an die Regiertrng gerichtet, in Welcher'die Forderung erhoben wird, die baldige Einreise von dreitausend s r i s ch e n A r b e i 13 traf t e tt zu ertnöglichen. Für die hebrSische ÜirwerfitSt. Der Präsident des Waad Lemnr (Jüdischer Naiionälrat), Herr David Nellin, besuchte Paris und London, mn für die in Jerusalem zu errichtende Fakultät für Philosophie und Humanistik Förderer. ztr gÄvirmen. Auf wer,, in Paris unter Borsitz'des Grand' Rabbm von Frankreich, Dr. Lewy, staitgefutwenen Beratung wurde die Gründung eines Kmtlitees zur Förderung dieser Frkultät geschaffen. Das.Koutitee ' hat die B-erpflichtung übernouuneu, für fünf Jahre alljährlich NM Pfund sür diesen Zweck ztr widmen. Zn dieser Sumnw. trägt Baron Cd'mönd de Rothschi ld allein 2000 Pfund'jährlich bei. Der in Paris wohnende Palästinenser M. N ww e n hat dem Waad Lsumi ein Grundstück im Werte von 6000 Pfund aeschettkt, mrs dcm einige'Abteilungen der Adischen Universität errichtet werden sollen, da >der Platz auf dem Scopus-Bergr ksineswegs für alle von der UnÄersität benöttgtrn Banwmke auZreiwt. Nrrndschsu. 1 Abonnenten für l die „Wiener s Morgenzeitnng" ♦ bevor 8w «nsere konkukrvprlos btlllgen Preise för Reßempäute!, «ngl.Siotfe, Damenu. Herren wSsobe «Wirkwaren etft ehBrt haben. Bier Mische Abgeordnete in LettlnnD gewShlt. Riga, 17. Oktober. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Bei den letzten Parlamentswahlen sind vier jüdische Abgeordnete gewählt worden. (Zwei vom vereinigten jüdischen Block, dem die Zionisten und die jüdischen Demokraten angchörten, zwei von der Agudah.) Die leitländische Judenschast, der ihrer Bevölterungsstärte zufolge mindestens neun Mandate zukommen, hat diese Niederlage infolge der Zersplitterung der jüdischen Parteien. bei den Wahlen erMett. Trotz der Bemühungen des jüdischen Wahlblocks, auch die „Agudah" für einen Eintritt in denselben zu gewinnen, habe» die Agudahfithrer das Zusammengehen mit dem Mhlblock abgelehnt/ Der B»«d für ^resheit uttd/OrduLLKg. Der Wiener deutsche Gesandte im Vorstand. ' Berlin, 19. Oktober. ' (Tel. der „Wr. Morgenztg,"> Die „Berliner Völks-Zeitttng" veröffentlicht einen Bericht über den Verlauf dev voiu Bttnd ftir Freiheit und Ordnung im' Zirkus''Btisch veranstalteten Pe'ilanurrtuttg,' der ihr von einem Mitarbeiter zngegaugen ist und von den Darstellungen der Polizei und der rechisste'hendvn Berichterstatter sehr wesentlich abweicht. Der Bericht besagt: „Das Zirkttsgebäude ivar. von einem fogenanittetr Saalschutz besetzt, der aus mehreren hundert jungen Burschen vesiaud, die nirt Hak e 7t l r e u z e ti uttb ätütlichetr Abzeichert versehen waren imd zum großen Teil Knüppel 7ttld Stöcke bei sich trugett. Atlßerdent wurde beobachtet,!ms; tlwhrere dieser Personen auch S ch ü s s e abfeiterten. Gegen. 10 Nhr erfolgten die ersten Ztrsamtnettstöße, wobei die Hakenkr enzler sich ztttneist als die SchlagkräftigerLn erwiesen. Dtnattfhin tvandten sich die Konummisten den einzeln einivefftnden Versavunlungöbefttchern zu und verprügelten sie sowie die weuigeri. Pöli-isteu, t?ie sich vergeblich bemühten, die Orötnulg aufrecht str erholten. Eine Aufteizung durch „russische" Hetzer, von bettelt hetrüge Morgenblätter viel zu berichten wissen, habe ich nirgends beobachten können. Auf einige Mnutcn gelang' es um, Zutritt in das BersanmtlttngsgMttdc. zu. erhalten. Unurtter- 'brochen durchschwirrten Rufe die Luft: „Schlagt die Juden tot!", „Nieder mit Ne r R epttbl ik „Hoch Techow!" Man kam: angesichts des ganzen Milieus wohl das Gerücht bestätigt finden,..daß dieser^uertgegründete Bund mit dem schönen Namen nichts anderes sein soll als ein Smurnelbecken fttr die aufgelösten reaktionären Organisationett." - Der Geschäftsführer des Bmvdes .fisr Freiheit und Ordnung würde gestern im Polizeipräsidium über die Ziele der Orgauisanon eingehend gehört.Er wurde besonders darüber boftagt, ob Gesandter Dr.. P je i ff er und Abgeordneter Kop'sch noch Borsta-ndsäutter in. denr Bund bekleiden. Er bejahte diese au ihn gerichtete Frage. Die Nachricht,' daß im Ministeriutn des Innern die.A.n f - l ö s n n g der geuastnteü Bereinigrtng ins Äuge gefaßr sei. wird von unterrichteter Seite als. ntiydesieus .verfrüht bezeichnet. Eine Mrmische Sitzung des preußischen Landtages. Die Debatte über die anüsemittschen Krawalle. Berlin, 19^ Oktober. (Wolfs.) Unter leblpfteL Erregung im stärk besetzten Saale, und auf den dicht geMten Tribünen begann hettte im Preußischen Landtag die'Besprechung der Ifc TälioretraBe 4S Tefophon 47-1?7ß Ki» «toi ln itetall

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.