Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1325 (19.10.1922)
- Date
- 1922-10-19
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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yyyy' ryyy ^" '■i^ryi\t <.^7?y,;vr W M' Md Mch Donners^' WkeWU MöLsjiinzxrtung. 19. OkLöver 1925 Gerte S Tschecho - Slowakei. Derilrue slowakischr Minister und die jüdische Volkapolitik. / PrkWmii^ 17. Oktober. (TÄ. d „«r. Morgen-, zeitung'.) . Eine: Vertretung des „BolLsvcrbandes frct Judeit für die.Slowakei" und der „Vere i n i g t s n j.ü.d ischen Parte i Mt" sprach. gestern Heim neuevttünnten Minister für die Sloivakei Dr. Kal-- lay vor, um.ihn mit den Tendenzen der jüdischen Volkspolitik in.der'.Slowakei bekannt zu machen. Der Sprecher der Deputation. Herr Dr. M. Weiner,, wies darauf hin, daß die in den genannten Organisationen zusammengvschloffenen Juden der. Slowakei-G voller Loyalität zum Staate ihre. ,« atio nale Ei g e np o l i t i l betreiben ainb ün Kmnpse der andersnationalen oder Politischen Parteitzn neutral pleiben wollen. Die Partei Müsse eine A e nd e r u n g des Wahlgesetzes fordern, welches die territoriale Schichtung der Juden nicht berücksichtige, so daß die jüdische" Pärfei trotz ihrer großen Stimmenzahl kein einziges Mandqt erlangen konnte. Der Minister gab in seiner Antwort der Gemtgtuung Ausdruck, 'daß das Judentum der Slowakei'zu der e t n z i g möglichen Pol.iti k, der ansnatio naler Grund lage, heimgefunden habe und selbstbewußt 'für seine Rechteeintrete, die ihm nicht geschmälert werdestdiirfen. Bezüglich des Wahlgesetzes sei zugLgchen,'.'daß es gewisse Anoinalien enthalte; gotvisie Aendermcherrsdes' Wahlgesetzes seren sch-vn 'beraten worden und der Minister vfei überzeugt, daß auch den jüdischen Forderrukgen Rechnnng getragen werden wird. Ungarn./ Die Pretzburger Universität gegen die Roheiten -er Erwachende«. Budapest, 18. Oktober. Der Senat der gegenwärtig in Budapest Hre LehEttgkeit ausübenden Preßbnrger UnivevsiMt hat, wir „Az Ujsag" meldet, beschlossen, gegen die ist. per letzten Zeit wieder vorgekormnenen Zwischensällen,.hLi denen jüdische Hörer am Besuch der Vorlchrngereverhindert und tätl-ich.insultiert wurden, energisch'estyuschreiten. Sämtliche Professoren, mit Ausnahme eines einzigen, verlasen zu Beginn der.gestrigen Dorlesuugen einen Beschluß des Nmversitatssenats, wonach-wenn - sich noch: einmal derartige Vorfälle ereignen soMtst deren Urheber, und in erster Linie diejenigen, bre'/schou an den früheren Schlägereien teilgerrmmnejr hMst> von sämtlichen in- und ausländischen Universität« «schlossen würdest. Sollten sich trotzdem die bezHtzn«ten Vorfälle wiederholen, so würde die Universität ärif ein halbes Jahr g e s ch l o s s c n werden. Die Verfslgung der Kommnnisten. Budapest, 13. Oktober. Die Polizei hat vor kurzem in. Budapest stn Msaulrnenhätrge mit der Aufdeckung einer kommstnistischen Orgauifatio» zahlreiche Verhaftungen voxgeyommen. Im weiterer Verlaufe der Untersuchmrg wurde'festgestellt, daß sich diese Organisation auch auf Re. Provinz erstreckte. Die Polizei hat nunmehr auch in Zionistische B®2lrk$saktlon Leopoldstadt Heute Donnerstag den 19. ck. M„ '*/s8 abends, findet im Cafe Fetzer (Praterstrasse'8j eine Statt , 9829 Tartaerirrinrmrt* r. Die Krise in Oesterreich und die luden, l ciyooui UllUliy« 2. Palästina wach der MandatsbestätSgung. Referenten: Oberhaurat fiebert Gtrloker und David Rebemtif Ster na mang er, Zalaszentgrot und. Groß-- Ka nizs ct zwanzig Personen verhaftet, die mit der Budapester kommunistischen Organisation in Verbindung standen. > Polen. Die Srjmwahle« i« Ostgalizien. Lemberg, 17. Oktober. (Tel. d. „Wr. Margenzeiiung".) In. den letzten Tagen macht sich bereits sowohl hier als auch in den meisten Provinzstädten ein stetig tvachsendes Interesse für die jüdischen Kandidaturen bemerkbar. In sämtlichen Wahlbezirken tvnvden jüdische . Kreisivahlkomitees gebildet. Im Laufe der nächsten zwei Wochen werden die Kandidaten der Liste des Blocks der Bereinigten jüdischen Parteien (Liste Nr. 17) vor die Wählerschaft treten. Die zionistischen Fraueiwereine haben ein eigenes Komitee organisiert, das unter der Leitung der Frau F e u e rstein sehr rührig arbeitet. Mt größtem Interesse wird dem Wahlkampfe in Lemberg -nigegerigesehen, wo tu letzter Stunde eine Fusion der polnischen Zentrumsgruppe mit beis im ihren Aspirationen aus Mandate un- •befriebigfeu Magistrats Partei stattgefunden hat, welcher Umstand den Rationaldenwkraten viel Sorge zu machen scheint. Ihre Nervosität macht sich insbesondere bei Wahlversammlungen fühlbar, wo mit Stöcken bewaffnete Akademiker (die sogenannte Bojowka) das nationaldenwkratische Pwgramm kstrndgreislich zu propagieren versuchen, was ihnen jedoch von sozialdemokratischer Seite nicht leicht gemacht. wich. Rundschau Ein russisch-persischer Bertrs§. London, 17. Oktober. M.e.■ melden aus Riga den Abschluß eines Vertrages zwischen . Persien und Rußland. Darnach habe sich' Persien für den Fall eines e n glisch. -.russischeu Kriege3'verpflichtet, den russischen Truppen den Durchmarsch durch persisches Gebiet zu einen Angriff aus M es op.o Lauten Zu gestattem Der persische GeneMstabschef chefnide sich gegenwärtig in Moskau, um die technischen Einzelheiten des Vertrages feftzulegen. Die Svwjetrtkrnine fordert von Pole« die Auslieferung einer Pogromiftenbände. .. - -! Moskau, 17. Oktober. (I. E. B.) Die ukrainische Sowjetregürung richtete eine Äwte an dipolnische Reglern uz. in welcher die Auslieserrmg einer Näuberbande gefordert wird, welche im vergangeiren Sommer in Podolien overiert Hot, am 10. September abermals ans Polen eingedrungen und dann wieder nach Polen 'gGüchiet ist. Il> der Note wird unter anderem mitgetellt, daß die Räuber in Vttschowki drei Juden, in Jewtnschkowo eine» Juden ermordet, fermer in:Aiatow 'und Letitschew die j ü d ische v H ä ns er aus g e-p tü.nd e r t haben. Der Führer der Bande ist der Ataman Geltschewskr. Kein NüMritt Krasiins. Berlin, 13. Oktober. (Wolfs.) Die Nachricht von dem Rücktritt Krassins, die von den >,Times" verbreitet worden ist, wird von'amtlicher rrrssischev'Seite demem t i e r t. Sie entbehre jeder Begründung.' Eine rnstische Strafpredigt für die französifche« Komymnisterr. Paris, 18. Oktober. Der ukrainische Volkskommisiär Manuelskij fiihrte in seiner gestern nachmittags ans dem K o.m itiu n i sie n ko n g r eß gehaltenen Rede aus. man solle vorr ihm nicht Liebenswürdicckeiten erlvarten. -Er sei gekommen, um die Wahrheit über die Haltung bei kornnmnisttschen Partei Frankreichs zu -sagem V!an habe in Rußland keine Menschenleben geschont,-wenn cs notwendig schien, und er werde daher nicht aus die Eitelkeit einzelner Personen Rücksicht nehmen. '; Manuelsky griff sodann die Partelleitnng heftig an. da sie noch immer um die 21 Punkte des. Moskauer Programmes feilsche und tatenlos bleibe. Ndcstr müsse" sich der Elemente der Rechten entledigen, die die. Partei lähmen- Die Rede des VolkÄMmissärs machte sichtlich Eindruck. - Die siir gestew anberamnte Sitzung entfiel, um'dem Zentrmn und lier Linken Gelegeuheit zu - geben, sich über die von Moskau geforderte Ausstellnug^ der Einheitsfront zu verständigen. /- JnternaLLonnte ELsenHahn^sAsereNz. Paris, 17. Oktober. (Wolfs.) In Paris hat heute nachmittags unter dem Vorsitz des MinisreLs für öffentliche Arbeitendie internationale Eisen bahnkonser e n z ihre Arbeiten begonnen. Es handelt sich um die AuZ - sührnng eines Beschlusses der Transportkormnission der Konferenz von Genua, eine intexnationale E.isenbah nunion zu schaffen, die -'nicht nur die europäischen Ei-senbHüenuvifassen'. soll,,' fondexn, zu der auch die chinesischen -und japamschen Eis-Mähnen zugelaffen zu to erden wünschen. / ChnrchtÄ erkrankt. London, 18. Oktober. (Reuter.) Ter' Kolouieuminifter Winston C u x ch ie ll ist an Blinddarmelttz'ündmrg erkrankt. wd 61s SiUisstolt. Qualität u reiolie A.us-wahl in feinsten, engl flohen Sto&en, Regenmänteln, Damenu. Herren- Wäsche, in Strloknnd Wirkwaren im Warenhaus 11., Tafeorstraße 48 Telephon 47-1-79 Bnpros Er detail Operntheater. fStfm ersten Male: „Der Schatzgräber". Oper m Linon Vorspiel, vier-Mfzügen und einem Nachspiel von Franz Schreker,) Es war ernttml eine wunderschöne Königin, die daö herrlichste- Geschmeide besaß. Plötzlich vevschwand der kostbare Schmuck, der ewige Jugend und Schönheit verlieh, und die Rosen verblühten auf ihren Wangen. Der ratlose König befragte den ganzen Hofstaat und schließlich gab ihm sein Narr von einem fahrenden Sänger Kunde, der, im Besitze einer wunderbaren Laute, nur deren Klang' nachzngehen brauche, um die verborgensten Schätze zu haben. Indessen imt Elis, der Sprelmamr, im Dienste einer i höheren Macht durch den nächtlichen Wald, seine Laute wimmert und er findet ein gülden Kettlein mit fünf Smaragden und Kwnlein. Eine Waldschenke winkt, der Sänger tritt ein und eiMckt die schöne Wirtstochter Els,-dje in banger Pein des Kettchens harrt. E§ ist das letzte Stück des königlichen SchnmckeL, den Els aus unstillbarem Schönhettsdrange an sich gebracht hat. Blut klebt daran, drei Freier wußten um des Goldes willen ihr Leben lassen, der Letzte eben jetzt, da die Laute im Walde wehklagte. Elis erzählt sein Abenteuer und schenkt Els das Kettchen,, die. sogleich in Liebe für bc« schönen Spielmann entbrennt. Da kognnt die Kunde von der Ermordung des Junkers und Elis, durch seine Erzählung des Mordes verdächtig,/ wird vom eifersüchtigen Vogt verhaftet. Am frühen Morgen sichren ihn Landskmchte mü> Mönche zum Galgen,^ wo der Henker seiner harrt. Noch einmal, umschlingt ihn Els leidenschafilich und verheißt ‘ ihm Rettung. Da erfsißt ihn Lebensfreude und singend harrt er der ÄnigWen Boten, die chür Befreiung verkünden, tvenn er den- Schüruck zur Stelle schaffe. Els bangt vor ihrer Vergangenheit sind sie läßt;Elis. durch den ihr hündisch ergebenen^^ hfllb -tierischen Mi, der noch stets.ihr. WerkMg war, die.wegtveisende Laute vauben, dann schenkt sie dem Sänger - den Schchuck freiwillig.-naK einer seeligen Liebes- Wtfti hpiMt ihn der Königin und wird am Hofe der höchsten Ehren teilhaftig. Doch in seinem Liebesrausche schmäht er die Königin und Els, deren Vorleben von Albi ans der Folter verraten wurde, soll verbrannt werden. Da begehrt sie der Narr, dem der König ein Weib verheißen, zum Gespiel und führt sie in seim Klause tm Gebirge, wo ihr zarter Leib langsam dahinsiecht. Dort findet sie der Sänger nach Jahresfrist wieder und singt sie mit seinen Märchenliedern m den ewigen Schlaf. Ern artig Märlein fi'rr Erwachsene, von Schreker nntor Weglasiung aller Episoden mit äußerster Kürze und > Prägnanz in tz Bildern für die Bühne gearbeitet; eine überreiche Synrbolik voll, drnckler^ Rätsel, deren Lösiwg dem kindlichen Gefühl leichter wird als dem alternden Verstand: In der großen Erzählung des vierten Aktes schildert der Sänger, der znm Tannhäuser wird, in fitnbfjaftcr Deutlichkeit die Reize von Frau BenuZ-Els, ihre samtenen Glieder und schneeigen Anne, ihrer Brüste sanft holde Wellen. Da singt er auch von „triebhaften Mächten", die am < Werke waren; wir erfahren, daß der Schmuck, das Sinnbild von Jugend und Schönheit — wie Freias Achsel im „Rlmngold"'—, ernst der sagenhaften Fmu Ilse gehörte und ihr. aus Rache von einem bösen Zwerg, den sie verschmähte, gemuht wurde. Dir guten und bösen Mächte toitften wie seelenwanderisch in den Menschen fort und so kam der Schmuck von der Königin durch den Unhold Alba schließlich zu Els, der Schönheit Symbol. Männermordend und voll Ekel' vor der tterifchen Gier der Junker, Vögte, und Un-. holde, ist Els andererseits selbstlos imb opfermuüg vor dvm einzig geliebten Sänger, dem sie sich selbst und den Schnurck, Jungfräulichkeit Md Schönheit, hingibt. In diesem Lrehestv-esen/ das schon als Kind kmnk Und liebesbedürftig lvar, kämpft ' die Verehrung ihres ihr heiligen unberührten Körpers mit dem Gebot ihrer wachen Sinne, sie vereinigt die Brutalität Lulus mit der Poesie der tanzenden Pipa, sie ist Urteufelin und dieriende Magd zugleich, im Grunde das ewig Weibliche im Spiegel unserer Zeit. Als Tochter eines kttpplerischen Wirtes aus dem Geschlechte der „Dalands" versteht sie sich bester auf Wedekind^ und Weminger, auf die sextwlle Not der Schrekerschen Frauen- Leswilten als - auf Sentas Erlösungswahn, als Märchenprinzesim mit überhitzter Phantasie stirbt, sie unter Elis' bunten Geschichten den Liebestod und findet damit heirn ins Märchenland wie Mutter Ilase unter Peer Gynths^ Phantastereien. — Elis der Sänger ist ein reiner Tor gleich dem „Bursch" im ,;Spieltverk"; Erlöser zugleich, der an Els sündigt und nach Jahresfrist wiederkehrt, um zu sühnen, ein Parzifäl, der fein« Laute trägt wie einen wrrndertättgen Spoer. .Gleich dem Künstler Fritz im „Fernen Klang", der rnn seines Künstlertmums willen an Grete sündigt, muß er schaffen und streben, kann ihnr die Liebe nicht alles sein. Anders der llkarr, dies« rührende, lebendigste Geswlt, äußerlich zynisch, innerlich keusch, kein Tor, sondern ein Wissender. Seüw Narrenrolle erhält ihn jung, erst sein Eigenleiben nmcht ihn znm Gteise. Gleich Schönherrs ^darren sehnt er sich Nach einem „Königreich" daheim und opfert sein Amt der Liebe. Da diese ihnr nicht wird, pflegt er die Geliebte mit der Güte Markes, nnt der Sorgsalt Kurvenals,' ein Narr im Leben, im Lieben ein Held. Wieder ganz anders Mi, dieses, lichtlose Geschöpf ans Alberichs Tiefen; auf ihm ruht der Fluch der Giet, ob er sich nun Els' Lichtgestalt in tierischer Gier nachwälzt oder, im Besitze der Laute,, in schwarzer Erde ' nach Schätzen -gräbt.'' Jlnmer roiedcr Wagner-Ennneruugcn und doch eü.. ganz andere Geftchlswelt, die sich bei Schreker eröffnet. Während Wagners Werke fast einheitlich auf den Mythus znrückgehen, nach mnever Deuttmg 'auf das Liebesverhällnis der Sonn« zum Atond in seinen verschiedenen Gestalten, steht bei Schreker M Brermptmktein magisches Touphäna-- m«n gleich Orpheus' und Amphions Leier oder Oberons Horn. Es ist ettva ein ferner Klang oder ein Spielwerk, eine wunderbare Lante oder gor der singende-Memnon, lauter Symbole, aus denen di« Schönheit, die. JWnd, die Reinheit, die Liehe, aber auch als femdliche -Mächte, ihr..Gegenspiel Laster, Häßlichkeit und Entartung -heroüswachsen. So Mchen licht« Helden, aber auch Narren^ nild Mißgestalten, aus Schrekers nmsikdrämalischer Idee/geboren, Unschuld «Nd Dirnentum werden eins in dyn FMiengestalten der- Prmzesiin, Gretes, Carlottas und - Els'. Und am Anfang Ms Werkes stutzt die sexuelle Rot. . sb im die wollAtiae