Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1324 (18.10.1922)
- Date
- 1922-10-18
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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TT" MMN GWMWMrWWMMZMßMMHMMMt'^W^UMWSWW MM «*& 4 Wien, eite* 'WÄijKDeMW' EMover'MSD RmDM«. Die Orientksnserenz. 16. Oktober. (HavaS^) ES scheint, daß die Orientkonfevenz am 6. November ziffmrrmentreten werde. FraMtn Bouillon hat sich beim Mnisterprcrsidenien Poineare für Smyrna als Konferenzprt eingesetzt, doch sollen die Alliierten aus materiellen und moralischen Gründen gegen die Wahl dieser Stadt sein. Da die Angoraregierrwg wieder gegen die Wahl einer schweizerischen Stadt ist, dürste die Konferenz in Frankreich -der in Italien abgehalten werden. E»qland vor NerrWeMen. London, 17. Oktober. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung.") ' .Mhreltd Chamberlain gestern rmchtmttags vüt seinen umonistischen Ministerkollegen darüber beriet, ob die Koalition weiter zu unterstützen sei, und während Lloyd G e o r g e inr Nebensaale eine Reihe von Konferenzen;nit seinen politischen Freunden abhielt, beschlossen die unmonistischen Parlamentsmitglieder, die für den 15. November angesetzte Parteiversammlung schon für den nächsten Donnerstag einzubeMM. Ans dieser BersaM'Mlung wollen sie endgültig bestimmenob Chamberlain noch geeignet ist, nach seinem Bekenntnis zur Koalition und zu Lloyd George -die Politik der Partei weiterhin zu sichren. Die Neuwahlen sollen nunmehr für Milte November angesetzt werden. Auf welcher Grundlage -der Wahlkampf geführt werden wird, ist noch unsicher. Soiveit bis jetzt bekannt, stehen Chamberlain und Birkenhead zu Lloyd George und versuchen, eine AnFahl Liberaler rnrd Konservativer nur sich zu vereinigen, um eine Lloyd George-Partei Zu gründen, der außer den Nationalliberalen noch der linke Flügel der Unioit! i st -c n angehören könnte. Die iümgett nnioniftischen Minister sind daher in größter Ungewißheit darüber, was ihre Parteimitglioder trm werden. Es wird versichert, daß sich Lloyd George bereits den Beistand des Vizekanzlers Chambrrlain, des Lord-Oanglets HWeMead, des Schatzkanzlers Horne, des Kriegsrninisters Evans und Churchills gesichert hat nick daß «v alle Benrübnngen darauf richten wich, sowohl von liberaler als auch von konservativer Seite genügend Unterstützung zu erhalten, um als Führer der neuen Partei ausgestellt zu werden. . SelbstSsVigkeit Jtox«*«» Hi DerhanLlukgen mit de« Vereinigirrr Staate». - Wafilest««. N. Ov»?er. (Wolff.) DK englische Re« giernug hat das besondere Jntereffe. Kanadas an der Aufrechterhaltnng freundschaftlicher Äezichungen zu den Per" einigten Staaten anerkannt und beschlossen, die kanadische Regierung zu direkten Verhandlungen mit dem amerikamschrn Staatsdepartement zu ermächtigen, die zu neuen Verträge» über die Regelung der Flottenstreitkrafte auf den Großen Seen führe» sollen. De«»krate«, Liberale »«Ä Faszisten. Ro«, 17. Oktober. (Del. d. „Wr. DkorgenzeUr.ng".) Nach Informationen der italienischen Presse nähert sich die MßschmjameMchche Ministe?|xh f e; Hmm HW- Purckh. so daß für Mitte der nächsten Woche die Etvtscheid-ung über das Schicksal des Kabinetts F a r t a ettvckrtey ist. Die hinter den Knliffw geMrienBerchandlungen -haben so weit Forffchrftie erzielt, daß sie, Richtlinien M zsittgt haberr, auf derren eine ZrkfarmnenarbeiL der Semokraten, Liberalen urd Faszisten ermöglicht wird. Sowohl Giolit 11 wie Mussolini sind mit einer . ■’■■■■' — ,!» >,» m j ■ m 11 i1.»1—.im der mit der Sünde nie in Berührung gekommen ist. sind als Gleiche zu werten, sind gleich frei von Guttat und SchuLd. Die Tragödie ist nicht Lulus gräßliches Ende, die Tragödie liegt in Lulus Einsayrkeit, in der sie der lustgierige Mann gelassen hat: „Wenn ich mir mem Haar parfümiere und ein dmcketseidenes Plissetzhemd überwerft mit handbreiten Dpchen, und mir Spängen mn dis Knie leg» und nichts mehr frei habe als «reim -beiden Arrne, dann reißt er wie ein Zulu ritsch-vatsch alles durch, mch ich habe nichts als sein Grunzen." Wedekind versuchte, Lnkn in vollendeter Schönheit zu gestalten. Er sagte darüber in einem Vorwort: ,Hei der Schilderung der Lnlu kam es mir daraus an, den Körper eines Weibes durch hie Worte, die es spricht, zu zeichnem Bei jedem ihrer Aussprüche fragte ich mich, ob er jung und hübsch mache." Aher waS ist ans Lnlu geworden! Lnlu ist die entfesselte ElenventarMwalt, die zerstören muß, tveil die Weltgesetze in, nmgökchrter Richtung sich mrswirken und sy tagtäglich aus dem Acht das Dunkel, aus dem Guten das Bose, aus dom Ja das Nein -wird. Lnlu ist das Weib, das j^>e,m Manne, der sich auch nur ein Endchen Reinheit aus -dem irdischen Tvi-chleben gerettet hat, ein Grenel ist. Sie. ist es, die lähmt, die allem Gottzugewan-dten feindlich ist und nicht ruht, bis sie das Kindsein a-nch . a»ls den. verstecktesten MMl» der ManneLseele ausgegmhen hat? Wer — werm auch rmrftr wenigen kostbaren Minuten des Dasechs 7*. Berührung mit Gott und seinen Mitstreitern gegen den anderen Teil der Welt erlebt hat, der fühlt, der weiß, wenBnlu rspräsew tiert. Die .Gestalt Lubns wächst in den Kysmys hmauS. Sie ist die von Gott geschiedene Fm», Lnlu war einmal mit GM vermählt. Im Anfang, Var der. Schöpfung, da gab es weder Tag noch Nacht. DerGeist Gottes epMte den noch nngeschiedenm. einigen Weltraum. Mich ruhtet noch gchorsam. rrnd kindlich im Bvauhhett des 'Hertrx. . Die Charakteristik, die Kutscher -der Gestalt Lulus gibt, rM..W itexmi uüyfoi Mt Mt M Mib, toxtem J Der 3oo lache Ein Antrag der Regierungsparteien. 4 Sitzung des Nationalrates wird um drei Ahr nachmittags zusammentreten. Auf der Tagesordnung steht ein Bericht des Finanz- und Budgetausschusses über die Vorlage der Bundesregierung, betreffend ein Bmrdesgesetz über den weiteren Bestand der durch, das Abbaugesetz eingesetzten paritätischen Kommission. Diese Kommission beschließt bekanntlich allmonatlich die Indexziffer. Die Sozialdemokraten haben die Absicht, konkrete Anträge über die Höhe jener Beträge zu stellen, die die Industrie nunmehr nach Einstellung des Brotznschusses erspart. Bon sozialdemokratischer Seite wird die Höhe, dieses Betrages mit fünf Aiilliarden beziffert. 'Die Christlichsozialen, Großdtzutschen und Bauern Men vereinbart, heute einen Antrag einzuhrinMn, wodurch die Mietzinssteigerung bis auf 150 Prozent des Julizinsts vom-Jahre 1914' und eine weitere Steigerung von 160 Prozent des Julizinses vom Jahre 1914 für Neben- :mi> Jnstarchhaltungsgebiihren, also insgesamt ' . das 300 fache des JulizinseS von 1914 zulässig erscheint. Dieser Antrag wird selbstverständlich die ohnehin stark gespamüe Situation im Parlament »och weiter verschärfen. Die S 0 z i a l d e m 0 k r a i c n kündigen bereits den vehementesten Kampf an. Der Hauptausschnß des Nationalrates hat gestern die Verordnung, betreffend-die Weiterzahlung der Kinderzuschüsse nach item Gesetz über den Abbau der Lebensmittelzuschüsse genehmigt; während der Brotzuschuß eingestellt wird, bleiben die sogenannten Kinderzuschüsie aufrecht. Aus parlamentarischen Kreisen ist gestern die Anregnng gekynmren, die vom Völkerbund geforderte' zweijährige Vollnmcht für die Regierung dadurch zu mildem, daß der Regierung ein Beirat zur Seite gestellt wird, der bei allen das Budget fcetteffettbeu Maßnahmen, herangezogen werden soll. Zirr Bildung dieses Bestes sollen alle Parteien in gleicher Weise beitragen. Es soll aus jeder Partei ein politischer und ein wirtschaftlicher Vertrauensmann entsendet werden, an deren Votum die Regierung gebuMn wäre. derartigen Kvnrbination durchaus einverstü'nden. Neben Giolttti würden auch Orlando und Bonomi in das Kabinett eintreten. Giolitti wird heute in Rom erwartet und vom König in Audienz empfangen, nachdem de Facta dem König Vortrag erstattet haben wird. Falls ein neues Mmisterimn unter Beteiligung der Faszisten zustande kommt, sollen die Neuwahlen bis zum Frühjahr des nächsten Jahres verschöben werden. Ein Komitee für „zionistische Reorganisation". Me aus Berlin genwldet wird, fanden dort zwischen deutschen, russischen und sonstigen ostüdischen Gruppen der ziomstischen Opposition Emigungsverhandlungeu statt. Die Ausitellung eines endgültigen Progvmmns soll auf einer Konferenz-erfolgen. Dieses soll siche ln der folgenden Richtung bewegen: „Die politische Sicherung des Palästlna-Aufbanes auf der Grundlage des englischen Mandats, vor allem durch direkte Verhandhmgen mit den Arabern; die wirtschaftliche Sicherrung des Paläftina-Anfbaules totidj die Aufbringung von Fonds nach kommerzielle» Gvurvdsätzen, Anregung der Privatinitiative und. Reform der zionistischen Verwaltung; die Gewinnung der Gesamtsitden-- hest für das Palästina-Werß und „die Santevuieg der-bureMkrastschen zionistischen Bewegung durch eine Regen-eriexrurg ihres Geistes" m Änne der alMdischen Anschmnmgen." Der Exekutive des Berliner Komitees gchoven an: Wladimir T e m k i n, erster Vorsitzender; Dr. Alfred N 0 s s 4 g, Stellvertreter; Dr. A. Klee, Reichstagsabgeordneter De, Max Kollenscher, Professor K uli s cher, Profeffor Dr. Karl L ew in, Beisitzer. Ei» jüdischer Minister dei Lndendorff? Mehrere Blätter verbwiten dis Nachvicht der Telegrstphett-KompaPnie, daß der englische Minister für Bolkswohlfachrt Sh: Alfvöd Mond dem GerrevÄ Ludendorff in seiner Wohnung in München einen langen Besuch abgestattet hat. Sir Mond ist Nationaljude und begeisterter Zionist, Ludendorff heut!e Bannerträger der perfidesten antisemtz-ischen Pogromhetze. .Was kann da dm Gegenstand der da3 zerstörende Prinzip im Weibe, eben ihre Sexualität an sich — zweifellos ein wesentlicher Teil, ein Grundtrieb, aber doch nur ein Stück vom Weibe. Luln will das sein, und nur,, wenn sie ettvas anderes hätte bedeuten sollen, konnte man tadeln, daß andere Züge fehlen, ellva mädchenhafte oder mütterliche, auch Goethes Begriff der Weiblichkeit, Doch das ist von außen hereinkritisiert. Der Dichter schufst seine Lnlu und gibt ihr seine Anschauung vmr Sexualität, Der Egoismus, der schon kn Wedekinds. Primancrphllofophle eine etrtscheidende Rolle spielt, ist Fundament. Ljehe hat mit.Altrulsums nichts zu tun, sie ist Selbstzweck. An eine andere Ließe glaubt er nicht." Wedekind ist da ganz Kind seiner^gottlob m diesen Tagen absterbenden Zeit geblieben. Kutscher benrerkt noch: „Die andere Hälfte von Weib und West ist ja doch vorhanden, sie Witt gerade dadurch in mahnende Erscheinung, daß sie hier verlertguet wird." Nicht anschliehen kann ich mich der darauffolgende Wertung: „Zeichen des Genies.ist der umfassende BW "die Wahrheit. Daß diese letztlich' fehlt, beeinträchtigt die Dichtung in ihrer Größe, nimmt ihr freu Ewigkeitswert." Das ist allzu sehr UterMMtisch und nicht PWosophrsch gesehen. Dem Wedekind, -der sich' der Duylstät alles Seins sehr gut bewußt war, wollte niemals den Kcmrpf der beiden Weltprinzipien in ein Schaubild hineinzwängen, sondern er erfand sich lediglich JllustvationM der freien Machtentfaltnng des „bösen" Welt-Teils, repräsentiert^ durch ein Weib. Lilith ist in feinen Weickerr Nmmtschränkte Alleinherrscherrn. Da hat da8 Gute keimn LebenSwum, . j Der erste Band der Wedekind-Bioigmphie Artur Kutsch ers endet, bei der Paris-LöndEr Zeit,'beziehuüssweise bei der Bühnengeschichck dör Luttr-Tragödie. Er ist eme sehr schlichte, unambitiöse Würdigtvng von -Webekru^s -LMn und Werken, die fleißige Vorarbeiten verrät. Robert Weiß, Unterhaltung gebildet haben? Beide Teile dürften sich bald gegen die ihnen von der Telegraphen-Kompagnie z»gedachte Aussprache vertvchrm. Krastins Bemisjiorr. Loudox, 17. Oktober. (Tel. d. „Wr. Morge»ze!t>ti>gE^ „Westminster Gazette" drückt die Hoffnung aus, daß das Auswärtige Amt die Bedeutung der Mission Herriots nack. Rußland nicht unterschätzen werde und bemerkt, daß es außerordentlich schwer sei, die Miffion deS französischen Politikers mit dern Mißtrauen des offiziellen Fmnkrerch gegenüber Sowjetrußland in Einllang zu. bringen. Der N ü ck t r i t t K r a s s i n s sei ein bedeutrtngsvollss Ereignis, das auf die Ablehnung des Urquart-Wkommens durch die Sowjetrcgiernng zurückzuführen sei. Ueber die Haltung Rußlands in der Meevengenfpage schreibt das Blatt, es sei bezeichnend, daß Rußland nicht begreife, was Lloyd George unter der Freiheit der Meerengen verstehe und daß die Sowjewegiernng heu englischen Absichten an den Dardanellen urehr zu ' iMiißwanen scheine als den franzr fischen, . / SU« R«»a«»witsch «esttzrR?. Berlsu» 17. Oktober. Nach, einer MltWnng ke--„Bow wärts" ist gesterrr enper der leitenden und bekanntesten Führer der sozialrevolution'ären Partei Rußlands Jljg R u b a n 0 w i t s ch in Berlin plötzlich g e st 0 r b e u. Ex war autz Paris Mr Mnahnw <m einer Kchfferenz der. Auslandsdelegation seiner Partei-nach Berlin gereist und wurde tu der Sitzung, -nachdem er eine Rede gehalten, plötzlich vom Herzschlag getroffen. Harde«» „8«k»«st" eiNgegamge«. Berlin, 17. Oktober. Maximilian Havdens Wochenschrift „Die Zukunft", deren Erscheinen. Ws wjxtschaftlichen Grinwenmehrfach in Frage gestellt >war, ist'nunmehr endgültig eingegangen. Wie die MoMche Zeitung" hört, b eabsichtige Harden, in der Schiveiz ans dem Landsitz ftines Bruders Richach Mitting, des früheren-Direktors der Nationalbank, zu leben. Die blutigen Tumulte inBerLin. B v r l i n, 17. Oktober. Heute vormittags wurde bei dem preußischen Minister des Innern Geber ing, der erst heute früh vom Urlaub zurückgekehrt ist, eine Beratung abgehalten, in der die Vorgänge am Sonntag erörtert wurden. Dabei kam der Minister zur Ueherzengung, daß tatsächlich e i n V e r s a g e n Polizei l i ch e r Stellen vorttege. Es wurden Maßregeln gegen die schuldigen Polizeibeamten ergriffen. Auf Grund der Berichte über die Versammlung wird wr Ministerium auch die Frage eines eventuellen Vorgehens gegen heu Bund für Freiheit und Ordnung, der die Versmnmlnng veranstaltet hatte, geprüft werden. Ttnrm rm praußlschen Lelndtag. Berlin, 17. Oktober. (Wolfs.) Die hentige Gitzuug des Preußischen Landtages nahm einen stürmischen Verlauf. Bor Eingang in die Tagesordnnrrg beantragte Abg. Katz (Kommunist), als ersten Punkt die Vorgänge vor dem Zirkus Busch am vergangenen Sonntag auf die Tagesordnung zu setzen. Die Schärfe seiner Ausdrücke und die Bezeichnung HindenbttrgS als Massenschlächter brachten ihm einen Ordnungsruf ein. Dem Redner wurde schließlich, da seine Red^eit abgelaufen war, unter lärmenden Zwischenrufen der äußersten Anken das W o r t e n tzogen. Als Abg. Heil mann (Sozialdemokrat) den Wunsch aller Parteien, zum Ausdruck brachte, festzustellen, wer bei diesen Vorgängen vor dem ZirW Pusch eine verächtlichere Rolle gespielt habe, erhoben die Kommnnisten einen toseOen LäM, der längere Zeit anhielt. Nur mit Mühe gelang es dem Präsidenten, sich verständlich z» machen und einen Antrag ans Schluß der Geschästsordnungsdebatte zm Abstimmung zu jringem Die Debatte wurde gegen die Stimmen der Kommunisten geschlossen und der Antrag Katz ebenfalls gegen dir Stimmen tat Äutraafteller abaelebuL.