Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1321 (15.10.1922)
- Date
- 1922-10-15
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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■' «Vf'i'i'» V!-, "f. f ’l’ ' '» < * 1> S ’ »' '* > "> f «M4 Wie», Sonntag aiüliSiiüii: lk. S«M M»' m'-ifw ■tih. \'i ntamMriifiii Interterritorialer Verlag „Renaissance“ (Erdpracht) f Wiener JZonzerthaws- Gesellschaft Grosser Konzerthaussaal: AuiWhreude» fcift Hosen (Beriln), Uo Gollanln (Berlin), Viktor Heim, Josefa Bursteen, Karl J-afitte, Terapefchor. - Karten an der Konzerthauskasse u. in der Buchhandlung Szelinskt Sonntag den 22, Oktober 1922, 7 Uhf abends tageei« Parteirat zu wählen, der von dem Partei- Vorstand im Bedarfsfall emzuberufen ist und ^die Grundsätze der weiteren Kampsführung festzustellen haben wird. 4. Indem die Sozialdemotyatie auf diese Weise darangeht, den nationalen W i.d e r st a n d gegen die drohenden Gefahren der Fremdherrschaft zu organisieren, ist sie sich dessen bewußt, daß dieser Kampf für das nationale SeÄMstimmungSrecht nur im Rahmen( und nur mit der werktätigen Unterstützung der internationalen Gemeinschaft der Proletarier aller Länder geführt werden kann und darf. Wir setzen unS zur Wahr gegen Ae Fremdherrschaft -er GmentäAmrgsmfi«; wir wissen unS in diesem Kampfe eins mit dem Proletariat der Ententeländer. Der Parteitag beauftragt daher den Parteworstand, sich unverzüglich mit den internationalen Organisationen des Proletariats und mit den -Arbeiterparteien Englands, Frankreichs, Italiens und der Tschecho- Slowakei ins Einvernehmen zu setzen, sie über die der Arbeiterklasse unseres Landes drohenden Gefahren zu unterrichten und ihre Hilfe aufzubieten. Wir sind überzeugt, daß nufere Klassengenossen in den Siegerländern ihren ganzen Eürfluß dafür emfetzen werden, daß Ae Kr ed it'hrl f e an Deuischosterrerch nicht zur Unterwerfung unserer Republik unter die Herrschaft ihrer Bourgeoisien, nicht zur Unterstützurm der konterrevolutionären Gelüste unserer heimischen Bourgeoisie durch die wirtschaftliche Macht ihrer Staaten mißbraucht werde." In der Debatte, die erst zu später Stunde beendet wurde, ergriffen dreißig Redner daS Wort. Oswald Richter, Wien, beantragte einen Zusatz zur Resolution, dahingehend, die Selbsthilfe mit allen Mitteln, selbst den schärfsten, dnrchzusühren, tun du Genfer Konvention durch Mandemng unschädlich z« machen. Ztvei weitere Anträge betreffen e.ne Mafferrpropagarida durch Flugschriften. Alax Adler trat gleichfalls für die Massenagitationein. Der künftige Generalkomimffär müsse wissen, daß, wenn nicht entsprechende parlamentarische Verbesserungen der Konventton durchzusetzen sind, er in ein von Grund aus revolutionäres Land kommet Und. Tcrn Völkerbund müsse die Maske vom G" sichte gerissen werden, denn er wolle nicht die Rettung Oesterreichs, sondern den Imperialismus und die Neaktion. President Seitz fi'chrte aus, daß es nicht seine Frrilltion sei, r.enerlich der Entrüsttmg . nb^.r das Mandat Seipel Ausdruck zu geben und dadurch Oel ins Fmer zu gießen. Die Schaffung der Abhängigkeit Oesterreichs vom internattonalen Kapitalismus mache Seipel keine grauen Haare, wert er hoffe, auch bei der internKontrolle mit drr ksti.inchischen Schlaurperei dilr^zuloo^uen und n -ll ihm und feinen Leuten jedes Gestühl ftir nationale Selbständigkeit fehle. Zu einem Antrag Breischneiders auf Schluß der Debatte bemerkte Dr. FriedrichAdl er: Wir werden in Zukunft vor schwerwiegenden Beschlüssen stehen, und di- Ansicht, was geschehen soll, kann vielfach verschieden sein Der Parteitag gibt uns die Ueöer.Mguug, daß wir m voller Einigkeit unseren Weg gehen können, und in diesem Bewußtsein können wir die Debatte schließen. r In seinem Schlußwort betonte Dr. Otto Bauer, daß die Frage einer Koalitionsregierung heute durchaus inaktuell sei, denn eine solche Regierung hätte nur dann' einen Sinn, wenn außer der Sozialdemokratie eine Partei bestehen würde, die gerneinsam mit ihr durch die Selbst- Quant mn jede andere Nasse sprengen wiirde, aber letzten Endes entscheid^ der aus ihnen, lastende „Geschichtsdruck". ihrer Rasse. So ist aus einem Borsuch, eiiM leidenschastAlostn Anti- , srmitismns und die Notwendigkeit der absoluten. Hcheidnng zwischen Deutschtum und Judentum zu begründen, das abstoßende Zerrbild einer „Philosophie" geworden, die dem "vor-, handenm Instinkten Argumente liefert, statt sie zu dnrchleuchr-en und zu reinigen. „Die Weisen von Zion" vermißt man in dieser Schrift, aber die Nathenan-Mörder könnten sich immerhin auf sie berufen. Blüher erkennt im Zionismus, der „von jüdischem Ade!" ftamme, eine Rückedeckung für das bedrohte Judentum, die jedoch .durch das Zurückflnten der jüdischen Tschanidalmnassen gefährdet sei; der Zionismus lehnt wlche Anerkennung sehr energisch ab. * Diesen ftchsundsechzig Seiten ist hier ein ausführlicher Raum gewidmet worden. Picht allein, um den Nachweis zu . sichren, daß Blüher nunmehr erledigt ist, sondern weil in der Anlage foiefer Schrift und ihrem Gedankengehalt ein gewisses Deutschtum seinen geradezu klassischen Ausdruck gefunden hat. Jenes» welches meint, an seinem Wesen die Welt genesen zu machur und in Wirklichkeit schrrld daran trägt, daß sich ein tiefer Wall von Mißtrauen, noch immer, um deutsches Wesen zieht. Der amerikanische Friedensfreund, Professor Herrons, hat in einer jüngst in deutscher Ueberjetzung erschienenen Schrift, m. welcher die FriedenSverträge einer vernichtenden Kritik unterzogen werden, eine Analyse des Deutschtums geboten. Cr spricht darin von. der »geschichtlichen Abnormität der deutschen Rosst". . der. nMe Gewalt das höchste Gut sei, und reren Hirn in nationalen und politischen Dingen nie moralisch slnrkttonierr habe. Es kann kein Zweifel sein, daß Schriften, wie die MöhrrS, derarttgen Berallgemeinevungen den Boden bereiten und es kann keine Rettung für-Deutschland geben, solMge dieser Ungeist seine zersetzende Tätigkeit entfaltet.; ■ ■ Prof. Artur Freud.' Hilfe gegen das System der Verknechtung Stellung nehmen würde. Bei der um halb 9 Uhr vorgenommenen Abstimmung wurde unter stürmischer Kundgebung die Resolution .des Dr. Otto Bauer mit dem von ihm empfohlenen Zusatz Richter einstimmig angenommen. Die Verhandlungen werden morgen fortgesetzt. Iuim-Tttttzei. Einer unserer Redakteure hatte Geleaeicheit, mit stimm hervorragenden türkischen Gelehrten, dem Universimtsprofessor A. L., über die kulturelle Renaissanee der Türkei zu'sprechen. Professor A. L. sagte: Die politische Atfferstchuug der Türkei, wie sie durch den Siegeszug Kemal Paschas zur Wahrheit gewogen ist, ist eine geschichtliche Tatsache, die die öffentliche Meinung der ganzen Welt beschäftigt. Die kulturelle . und wirtschaftichr Renaissance des krawken Mannes int Osten, die der politischen Auferstehung Vovgsavbevtet hat, ist im Westen viel weniger bekannt. Sie hat sich freilich stiller vollzogen als Kemals Lanidnahme, sie bleibt Äber für die osmanische Zulun st nicht weniger entscheidend als die Politische Gesundung des türkischen Reiches. Der Politische und militärische Kamps gegen den Friedensvertrag von Sovres . hat keineswegs die nattmialen Kräfte des türkischen Volles zur Gänze m Anspruch genommen. Seit dom großen Zusammenbruch wurde in der Türkei mit eisernem Fleiß am Ausbau oll dessen gearbeitet, was der Weltkrieg und. die ihm folgende Niederlage an geistigen und wirtschaftlichen Werten vernichtet hatten. Der Ausbau des ttivkischen BanAvefens z. B., das der Airsbruch de§ Krieges lahmgelegt hatte, - wurde gleich nach dem Waffenstillstand mit größter Energie wieder auifgononvmen, zur Unterstützung des Vernachlässigten Ackerbanwesens Würde eine großzügige landwirtschaftlich e Bank gegründ.tt, die in zahlreichen Provinzstädten der Türkei ihre eigenen Filmten besitzt. Noch Wort bÄtze-utendere Fortschritte sind aber.auf kulturellem .Gebiete,'|u veWchueg. Es ist ejne große m-- . viellslcht die größte 7- .MMsSkM Ervüngerischtzst der.Verflosirnen Jahre,, daß das IushrzuW llnwrMitsw^enstmf ganz moderne Grundlagen gestellt, wurden. Das europäische Problem der Trennung von Staat und Kirche wurde zugunsten der fortschrettenden AuMmmg gelöst und der Machtbereich des Scheik-ül-Jslamats streng aus das religiöse Gebiet eingeschränkt. Seit mehr als drei Jahren sind unsere Schulen — auch dw Nniversttät — der weMchen Jugend zugänglich. Dieser Ilmstand wird Wohl manche Westeuropäer -überraschen, die sich die türkische Frau nur als eine verschleierte, hinter dem Gitter, des Havoms von Gnnnchen bewachte Sklavin des gestrengen Paschaä vörstclleu können. Indessen gehören Harem >mtd Eunuch schon langst m den - Er.m«ewngey eines. entschwundenen, Zeitalters. Die Polygamie ist zwar gesetzlich noch, nicht aufgehobentvird aber nur im den feltensteu Fällen — und dürs auch ' nur in den Großstädten — ausge-ülbt. Mch' der^ Schleies den viele Frauen, den religiösen Borschvif^n gemäß, tragen, wird immer dünner. Die Frauestemanz i p a t i'o v. greift immer mehr imt sich; die Frauen wendest: sich — dem westeuropäischen Beispiel folgert — allmählich - den Evwerbsbevufen zu. Die Meistest Angestellten der Postustd Telcphonämter m der türkischest Hauptstadt sind ttirki-' sche Mädchen. Auch Literat ur u nd Ku nst gehen neue, moderne Wege. Der Schriftsteller und' Jouirnalist Sch i n a s s i! war der erste, der mit der B-egevstevung eines /wahren Apostels in der beltetristtschen Literatur für die westlichen — 'lstmptsächlich srmczösische — GeisWström ungen ettrtrat. Zn seiner Schule gehörieu Abdrclhatt Hamid Bei, der- Schöpfer des uwdernen türkischeu DmncaS, und M e h m e d E mi n, 'der begabteste Erzähler de? neuen türkischen Schrifttums. , " : . 'Di^ Malerei ist das jüngste Neuland, - das ftir die Türkei erst vor kurzem erschlossen wurde. Die mohanrmedamische' Religion * * verbietet die Darstellung menschlicher FiMren; eS ^bedurfte des siegveichen Durchbruches der neuen europäischen Ideen, um ein Gedeihen der bildenden .Kütche herbeizuWreu. Die Türkei, besitzt hsu^e Maler vom Range emes RäMstk Ismail mch Tschäli- Ibrahim, deren talentvolle Werke — namentlich ihre Kvisgsgemälde — auch int Westen, in Men und Berlin, ein« begeisterte Anfnahine gefunden haben. . MardochmS. Zionlstlsoho BezIrkoeKtlon Leopoldgladt l)o»nerkt»g cien 1,9, ö. öi., kchencks, .tincket im L»lL fetter (praterslmsse 6) eine Raferenteo: ObwbaHrat Rolwt Qtrlekor und Oavld Mebamhl Oesterreich. Beamtenabba«. Me wk erfahren, werden 2VVV Beamte im Gebiete der nuderösterreichifchen PoMrektion mit dem 1. Dezember ab ge ba ut werden. ES soll sich durchwegs um bereits pensionsreife AngeftMe handeln, Eastigttonis SteuerrLekstSude. Bekanntlich haben die Sozialdeuullraten im National« rat an den Fmanzmimster eine Anfmge gerichtet, was die Finänzverwaltung zu tun gedenke, um die von dersi bekannten Nachkriegs-Milliavdär Castiglioni nicht bezahlten Steuern einzubriugen. Eine eigene Komüriffion des Finanzministerimns, die sich mit den Sieuethmterziehungen der verschiedenen Milliardäre befaßt, hat nun ausgerechnet, daß Castiglioni drei Milliarden Kronen. an Stmern mchzuzahlen hat. Castiglioni wurde ausge- . fordert, diesen Betrag zu zahlen. Wie erwartet, weigert er sich mit Hinweis auf feine italienische Staatsbürgerschaft, diese Summe zu bezahlen und , was allgemein auffällt und kMsiert wird, die italienische Regierung schützt ihn und hat sogar bei der österreichischen Regierung, zu ferne» Gunsten intervenieren lassen. Wenn dieselbe Takttk auch von dm: anderen Nachbarregiernngen bsi allen Steuervertveigemngen angewandt wird, ist es schwer zu hoffen, daß auch die Genfer Kouventton Oesterreich die notwendigf Gesundung bringen wird. Verbot der t;chechische«Manifrstatto»s« Versammlung. Die Partei der tschecho-ftowakischen Sozialisten beabsichtigte, am..Montag den 16. d. um halb 7 Uhr abends - in der Volkshalle des Neuen Treuer Rathauses «ne - Manifestattonsversautmlung der österreichischen Slawen abzuhalten. Die Hakenkreuzler-Pavtei ' des Pogromisten Richl hat gegen diese Veranstaltung ein Kesseltreiben erössnet und ihre Anhänger aufgefordert, sich 4m Montag um halb 7 Uhr abends zahlreich Leim Rathaus einzusinden. Da dringende G e f a h r besteht, daß es zu Ruhestömugm.und zu Zusammenstößen kommen könnte, sah sich die - Pelizeidirektion veranlaßt, die Abhaltung der tschechischen^' Mallifestationsversammlung aus Gründen der Auftechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Ruhe zu mttcty sagcn.. __. Tschecho - Slowakei. Der Streik der Ostraue^Bergsrkeitrr beigelegt. Prag, 14. Oktober. Tschecho-flow. Preßjbureml.) HAft abends werrlden im Ministeriuru für öffenMche Arbeiteu die ' Beratungen über die Beilegung deS AnSstastdeS dev Bergarbeiter im Mähvtsch-Oftvaner Revier durch ein U e b e reinkomme n abgoschloffen. Die AvbM wird am Mon-. ta g den 16. d. wisder au f g en 0 m men wotdm. Das Uebevsinikommeu bemht idarakdf, daß die Arbeiter-. schaft Ww Teil aeff die Forderungen der Gewerbe eingegangen ist, und zwar hinsichtlich der Einst'chM>ng der achtst ü n d i g e n Arbeitszeit am Samstag an Stelle der bisherigen sechsstündigen Arbeitszeit für die Oibertags-, avbeiter, weiters hinsichtlich der Heradfetzning der.biAheMen Löhne um Lö'Proze nt. die Regelung W zum 19. No- ' venEer d. I. gilt. Bon diesem Tage au bis zum Schluffe des Jahres erfolgt eine inertere Herabsetzung der Löhne mn fünf Prozent. Es ist wahrscheinlich, daß dieses Uchevem-. koinnren die Grundlage für die Negelung der Atzboits- und Lohnbcdwguugen in den übrigen Revieren bilden wird. Me SpisaageaffLre RDnakowskrz. Prag, 14. Oktober. (Tschecho-siÄv. Pveßbnreau.) Das In-fürutationsbureäu des Min-isternmis für nationale Verteidigung stellt gegenüber den Meldungen der Tagespresse fest, daß unter dein Verdachte des Verbrechens der Spionage zugunstelr einer fremden Macht nur drei Offiziere verlmftei worden sind, und zwar der Ovdonauzoffizier des Militärkommandos in Brünn 5)eorg Novakowsky, box L'lapitän Gustav Wolf vonl BöMsergällWl-stskommaudo Tvenczin und per dsnc Minlsterium für nationale^Verieidigung zugeteilte Stabskapitän Johann Wurm. Ter in Präventivhast <jeiu>iitnteue Oberleutnant Johann Novakowsky m Neutra, ein Bmder des Leutnamts Gwch No-" vakowskys, ist ivicher f r e i g e l a s s e n worden. Höhere Offiziere sind in die Angelegenheit nicht verwickelt.' Ebenso sind alle Meldmrgen 'Äer die Vevhafwug anderer Mlitärpersonen unwahr. VoN Zivilpersonen sind der Schüler der Brünuer Handelsakademie ViAor Schwabe rrnd sein Bruder, der Jurist . Karl Schwabe in Prag, m Untersuchungshaft genonunen worden. Wegen^ Verdachtes der ' Teilnahme an Spionage wurden i'vber. die M n t t e r der!beiden^Schwabe und den Sohr: des MgevÄttetenBaerau die Untersuchungshaft verhängt. Die im Zuge der Affäre j vevhqftete Paula K w a s s a h ist. nach dem Verhör wieder freigelasstn worden. Weitere BerhastWgen voic Zivilpersonen sind nichte-rsolgt, /