Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1319 (13.10.1922)
- Date
- 1922-10-13
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2979076-2980129-2980399--12500-2999057- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
* Me«,Freitag irischen Vevvollkounnnung, sorckem auch an unserer Bil-!dung. Ak8 unser Repertoire geirügend reichhaltig war, be-!gannen Wir, in die Provinz städte zu gehen, iv^chcn überall ■mit großem EnHusiasnms ausgenommen und, Wohl aus politischen Motiven, von der Okknpationsmacht außervr'-- deutlich gefördert. Wer daid fühlien wir, daß ttuwt uns eigentlich nuv als eine exotische Spezialität betrachtet. Wir irauten denr reichlichen, allzureichlichen Lobe nicht, wir rvollten unter das jüdische Volk gehen ltnib erfahren, wie die Indcnheit unser Theater aufnmmrt. So kamen wir im dritten Jahre unserer Wirksamkeit nach Warschau, fanden hier zmn ersten Male die beglückende, 'begeisterte Zustinmmng des jüdischen Volkes und feierten Triumphe. Gleichwohl quälte uns innere Nnvuche, die sich just dann einstellte, wenn wir des äußeren Erfolges schon gang sicher lvcrren. Es genügte uns nicht, jüdische Milreisstu'Ü^zu spielen, wir «wollten dein jüdischen Volke in seiner Sprache das Repertoire der großen europäischen Bühnen bringen und begannen tatsächlich, moderne polnische, russische, deutsche, französische Bühnettwerke zu spielen. Ein merkwürdiges Ereignis bezeichnet die nächste Etappe unserer künstlerischen Entwicklung. Unser Freund uiÄ Berater Anski hatte uns sein Stück „Der Drbbuk" tibergeben und wir 'hatten diese mystisch-symbolische Bühnendichtung zu studreÄN 'begonnen. Während des Studiums starb Anski. Ich erinnere mich noch, wie wir die niederschmetternde Nachricht im Zwischenakt anläßlich einer Aufsiihrnng von Srtdevlnanns „Jolhannisseuer" erhielten. Ms ich mit meinem Freunde Kadisohn an der Leiche des toten Dichters staud unid. in sein erstarrtes Antlitz sah, erinnerte ich mich an ein Wort aus feinen:. „Dibbnk": „Warum «hcibt ihr mir di-e Krone vom Haupte genommen?" Warum haben wir sein Stück rächt anfgeWrt, solange er im Leben tvar? Kadisohn und ich schwuren es einander au der Leiche des teuren Dichters zu, den „Dibbnk" noch in ^er Scheloschmi-Zeit (in don 30 Tagen der Trauer) hevcvus- Ulbringen. Wir haben den Schwur gehalten und wir alle werden den Abend der ersten Ausführung nie vergessen. 'Ein größeres Erlebnis können wir nicht mehr 'haben, wie es diese Premiere «lvar. Wir fühlten, daß wir eine neue Richtung gesunden haben, daß es uns gelungen ist, als Darsteller in der Wiedergabe die nchstisch-chasstdische Stimnmrg zu vermitteln, von welcher dieses bedeutsame jüdische Bühnenwerk erfüllt ist. Es ivar auch ein rmgeheurer Erfolg. An die vierhunderttnal -haben wir den „Dibbnk" >or überfüllten Härssevn gespielt. Aber es begann wiederum Unruhe, Unzufriedenheit, Angst vor Einseitigkeit, Sorge um unsere Weiterentwicklung >n uns zu nagen. Wir stellten uns neue Aufgaben. Die günstigen nrateriellen Ergebmsse mssever Wirksamkeit machen es uns unter anderem möglich, Schalom Asch „Slmtton ind Amair", ein Stück, das eine Übemus kostspi«elige Jn- 'zvnieruuz erfordert, zu sttldieren -und, wie wir glauben, würdig wiederzugeben. Ich möchte jetzt einiges über unser künstlerisches Pro- ^mnm: sagen. In bezug auf das jüdische Repertoire müssen wir -natürlich jede Richtung pflegen und insbesondere assen «wir auch die jüngste, expressionistische ostjüdssche Drapmtck nicht -unbevücksichttgt. Wer wir glauben uns auch verpflichtet, wenn wir unseren Zweck erfüllen wollen, dem fftjüdrfchen Volke ein gutes Theater zu gelben, allmählich >as klassische europä'sche Bühnenvepertoive zu bewältigen, allerdings nicht in unküustlerrscher Nachahmung fremder Inszenierungen und Auffassungen diese Bühnenwerke zu spielen, sondern ihnen den Stempel unserer Eigenart aufzudrücken. Was das jüdische Repertoire anbelaugt, glaube:: wir, «dem großen Jehuda Leib Perez sehr viel schuldig zu fein. Wir studieren jetzt „Die Nacht auf dem alten Markt", arrßerdenr bereiten wir — und nun: mag ermessen, mit welcher Hingabe :md mit welchem Verantwortungsgefühl — eine Aufführung von Shakespeares „Kaufmann von Venedig" vor. Wir sind jetzt schon längere (jeir urttertvogs, wir wissen: Beim Herumreisen arbeiten wir nicht an uns. Wir halben aber große materielle Erfolge gehabt und wollen mit dorn, «was wir erübrigen, einen ansehnlichen Beitrag für die Errichtung «nes jüdischen Theaters in Polen bereitstellen. Wir sind nämlich -vn Warschau noch immer oboachws. Drichm zurückzukehren ist natürlich unser aller Wurrsch -und Streben. Wir müssen zur Quelle zurück, nur müssen im Volke wirken. Wahrhaft erhebend ivar es, als wir im Marz d. I. in der Geburtsstätte unserer Thcatergemeinschast, in Wilna, wieder spielten. Wilna -hat -uns empfangen wie die Mutter das Kind. Wir sind mdj Wien gekmumen, unt ein kurzes Gastspiel zu asolviereir. In dieser altberühmten Kultur- und Theaterstadt wirken zu «dürfen, erfüllt uns mit Genugtuung. Es «wird ein Prüfsteil: für unseren künstlerischen Wert sein, oü wir auch hier in Ehren «bestehen." Deutsches BoLkstheater. „Z ä r 1 l i ch k eit" von Henry B a t a -i I l e. — Erstes Aufrrcisn der Operetten-Diva Mffzi Günther im Deutschen Vottstheater. Zwei große, vom Standpunkt -des Schauspielers vielleichtsogar interessante Rollen, um die ein Stück gewickelt ist. Die guten Leute auf der Bühr'.L tim voll allem, was sie tun köm:- ieu, immer das Verschrobenste und Zweckwidrigste/ergehen sich brav und eifrig in klangvollen Reflexionen, es wird sehr viel Rührung torssmnierr, man erstickt in Cdelinut, in: zweiten Akt gibt es die bewußte „große Szene" und die Handlung ist dünn wie der zweite Aufguß cnus Kriegstees. Kurz, gute, alte französische Schanfpiellravium'.. Da wir nun einmal jibereingekommen sind, diese Ste!zenm.:.i urer als ganz natüxt-iche Fußgeher anzllerkennen, ist dieses neue Pariser Schauspiel natürlich ge- 13.: Ofo>6etlM2 Jh.lJl# »»»»,»»»>,,» Ensemble-Gastspiel der Wilnaer Truppe Heute Freitag den 13. Oktober 1922, 7 Uhr abends zwei (DER DVBÜK} Dramatische Legende in 3 Akten von Sch. An—skl trau so gut wie alle anderen. Es entbehrt sogar nicht der Eigenart, «denn es ist jedenfalls ein origineller Gedanke, Zärtlichkeitsbetrug zu verherrlichen. Die.schöne' Schauspielerin «betrügt ihren alternden Geliebten gewissermaßen aus Schonung. Sie will -ihm die körperlichen mtft> seelischen Strapazen ersparen, seine Nerven, seine Arbeitskraft schonen und dabei , «noch auf ihre Rechnung kommen.. Also hält sie ihre Liebe'zu dem gwßen Dichter heilig, und setzt.ihm aus den reinsten, lautersten Motiven den Kopfschmuck auf. Anfangs zeigt der Meister sich dieser Seelengröße nicht ganz gewachsen, läßt' die Geliebte sogar — wie originell! — von seiner hinter einem Vorhang verborgenen Stenographin belauschen und legt der Ungetreuen -das sauber mit Schreibmaschine übertragene stenographische Protokoll vor, was eben zu. jener großen Szene'fiihrt/und mit Trennung endet. Da aber.auch ein «dritter Akt sein muß, kon:mt der Dichter zur Erkenntnis, daß es neben der heißen „Amour" auch noch die warme ,Zendresse" gibt und so schließt das Schauspiel in sehr viel Tränenseligkeit mit der Apotheose des Dreiecks. Auch die butterweiche Kmderszene, ohne die es jetzt in Wien gar nicht mehr geht, fehlt Nicht. Sie ist genau so unwahr und kitschig wie alle anderen ihresgleichen aus jüngster Zeit, und der Kinderfreund muß schnlichst wünschen, «daß mit den: Verbot des Kinderauftretens im Interesse der Kinder und «der Erwachsenen einmal Ernst gemacht wird. -- Der Ausdruck „tragende Rolle" trifft selten so gut zu wie in diesem Fall. Oskar Beregi hielt das ganze Stück mit überlegener Kraft aufrecht und es gelang seiner Kunst sogar, den Eindruck zu erwecken, daß es sich «um einen wirklichen Menschen handelt, der einen wirklichen Seelenkampf äuskämpst. Er fand in Frau Günther eine vortreffliche Partnerin, die allerdings die tragischen Effekte weit besser zur Geltung brachte, als die graziöse Heiterkeit des ersten Aktes. In einer kleinen Episodeuroue zeigte Herr Dum o nt Eigenart und Gestaltungsgabe. Das Publikum jubelte Oskar Beregi und Mizzi Günther immer wieder hervor. K. M. Aenaissanee-BShne. Eine solche Aufführung, wie diese von Hauptn: anns Tragikomödie „Die Raiten" würde großes Aussehen machen und Bewunderung Hervorrufen, wenn sie etwa von einem Berliner Gastspielletter studiert und' von einem Berliner Ensemble bestritten würde. So aber muß man erst das Wiener Publikum nachdrücklichft darauf aufmerksam machen, daß hier eine außerordentliche Vorstellung zu sehen ist; dlä-det'RenÄsfance--Bühne Ehre.macht und den Schauspielern, die -sich trotzder widrigen Gegenwart zu ernstem, hnHebendem Kunstwirken einigten. Hans: Niese erschütternd, Ferdinand Bonn prachtvoll frisch, Maria E i s wunderbar echß Rudolf T e u b l e r überzeugend in seiner schlichten Art, den John zu spielen, und Jens F r i e d r i-ch, Else Schilling, vor allem aber Trude W i lmer in drei Episodenfiguren von einer Kraft der Gestaltung, die wirklich überraschend ist. Nicht so glücklich der begcckte Rudolf Archer, den wir als' «denkenden, verantwortungsvollen Künstler von der Neuen Wiener Bühne her schätzen; aber auch sein Kandidat Spitta hatte Physiognomie. Nicht zu vergessen Charlotte Fraedri ch, Franz K a m m a u f und Karl Forest, der Spielleiter. Es war eine würdige Hauptmann- Feier (bis auf die Lichtreklame im Zwischenakt), O. A, « « mR ® <* t m ttnö - Th.e.a r..beginnt. hie heutig, ErstauffÜhrnngvon Strindberas.;Traulnspiel". inszeniert von Karlheinz Martin.'pünktlich um 7 Uhr. Alr Indras Tochter triit Roma Bahn vom Deutschen Theater in Berlin ^.auß als Zksizler beginnt Äerr Günther. Kadank v,m Staatrtheater in Berlin sein Engagement an den Bereinigten. EchaüspieihSülern. — Sonntag den 15. d.» V«lS HHr vormittags findet die ein* «alige Aufführung des Schauspieles „Da termo r^ von «rnvld Bronnen, .dargefiellt von einem Ensemble des Prager Deutschen Landesiheaters. statt. Stephan Großmcmn, der auch die Fnszmierung besorgt, spricht einleitende Wortes Wie schon mltgeteilt, haben jugendliche über Anordnung der Zensurbehörde zu. der Vorstellung keinen Zuiriit. — Sonntag» 3 Uhr nachmittags, gelangt im Nahmen der Wiener Kammeroper Verdis „D e r T r o u b a d o u r".zur Aufführung. . Sn den K a m m erfpi e l e n gelangt Sonntag den 14. d. als nächste Premiere im. Nahmen der N a ch t v o rstellungen ein Einakterabend aus de« Programm des Pariser Grand Guignol-Theatars zur ersten Ausführung. Den Anfang macht das zweiaktige Lustspiel „D i e t u g e n d h a fte K e r m.a n e e" („Hermance a de la vertu“) von Andrd de Lorde, hierauf folgt di« einaktige Burleske „G u st a v e, e s blitzt" von Monezy-Eo«. Für die Hauptrollen wurden Kiide Wagener vom Berliner Leisingtheater, die bei dieser Gelegenheit in Wien debütiert, ferner Karii Nagelmüller verpflichtet. Die männlichen Kauptrollen spielen Sans Läckner und Nikolaus Looric. Regie: Karl Farkas. Beginn 10 Ahr. Sm So.hann Etrautz-Theater beginnt die heute siattfindende Erstauffithrung der Operette „D e r D e t t e r aus Dingsda" um 7 Ahr. Zuspätkommende können «rft nach de« ersten Akt zu ihren Plätzen gelangen. Zn der S ü d t s ch e n 2 Ü h n e. II., Taborstraße 13, Kolel Stephanie, gelangt heule die Operette „Sankale", mir Frau Kupserberg in der Äaupirolle, zur Ausführung. Aus den Theatern. Im B u r g t h e a t e r gelangt morgen bei aufgehpbepem Jahresabonnement zu erhöhten Preisen zum ersten Male das Trauerspiel „Der Grafvon Charolais" von Richard Beer-Äoffmonn zur Aufführung. Die Besetzung der Rollen ist folgende: Graf v. Cbarolais-Aslan, Kauptmann Romont— Köbling. Rochfort, Präsident—Devrient, Desiree-Wohlgemut. Barbara—Devrient-Reinhöld, Philipp—Schott, Sekreiär-Philipp Zesha, Gerichtsrat—Kramer, Wirt—Wirt^ Wir«in-Litllh, Vater des Wirts—Arndt, Magd—Glc«ssy, Paramentenmacher— Blum, ein Müller—Straßni. der rote Ihig-Siedert. Regie führt Kerr Romberg. 'Bühnenbilder von Alfred Roller. Diese Vorstellung beginnt um sechs Uhr. Es wird ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß bei Beginn der Vorstellung die Saaliüren geschlossen werden und daß Zuspätkommende erst nach dem ersten Akt Einlaß finden können. Die Wiederholungen der Neuheit „D e r G r a f v o n C h a r o 1 a i s" am Sonntag den 15. und Dienslag den 17. K beginnen um sieben Uhr. Als Vorstellung, des Burglheaters im Akademie-!heater wird morgen das Lustspiel „Das Glas Wasser" von Eugen Scribe oegeben mit den Damen Landl, Osten und Witt, den Kerren Müller, Rub. Schmidt, Seydelmann, Trcßler und Wiesner. Anfang sieben Ahr. Im Redoutenfaal der Kotburg gelangt morgen Goethes Schauspiel „S teil a" zur Wiederholung. Es wirken mit die Damen Lossen, Rambausek. Reuffmih. Servaes, Thimig; die Keiren Dister, Ivo, Kronert, Rainer. Echneiderhan. Regie: Max Reinhmdt. Beginn 7 Uhr. — Die nächste Premiere findet Montag, den 16. d. statt. Es gelangt das Lustspiel in drei Akten „Schöne Frauen" von Eiienne Rey. deutsch von Otto Eilenschih zur Aufführung. Die Besetzung ist folgende: Francois V'üiers—Herrn. Thinttg, Germaine—Christians. Jacques Prevvst-Rainer, Marihe—Gregor, Lucienne-Servaes. Frau Duroy-Kagenbruch,^ Lucien--Äur!h, Marc—Ivo, Julielle—Reussurlh, Joseph-Schnewerhan. - Die Regie führt Max Reinhardt. Im Deutschen Volk s t h e a l e r wird über Ein'odung der Direktion dessen Ehrenmitglied Dr. Rudolf Tyrolt Montag den 16. d. als alter Schalanler in Anzengrubers „D a s vierte Gebot" ein ewmaliges Gastspiel absolvieren. Kans Komma hat für düse Vorstellung den Slolzenthaler, Kans Lackner den Martin und Wilhelm Klitsch den Frey übernommen. Neu sind Oskar Sima als Geielle Johann und Alfred Neugcbauer als Eduard Schön. Die übrigen Käupirolleu find mit den Damen Schweighofer, Markus.-Föry»' Keller, Thaller. den Kerren Ran^nhoser und Amon besetzt. Aufführung der Dhbuk. Heute abends findet die Erstaufführung von Sch. An skt's drrmatifcher Legende „Z w ischen zwe: Welten" tDer Dybuk) im Rahmen des Ensemlblegaftspieles der Wilnaer Truppe in.der Rolandbühne statt. Dieses Werk, das den Weltruf der Wilnaer begründete, ist eines der gewaltigsten Stücke der Mischen Literatur. Beginn Präzise 7 Uhr. Nachher findet vor Beendigung des ersten Aktes kein Einlaß statt. Glückwunsch der Regierung an die Philharmonilu. Der Bundesminister für Inneres und Unterricht hat an die P h i lharmoniker folgendes Auertenrmngsschreiben gerichtet: An den Verein Wiener Philharmoniker! Aus einem Bericht des österreichischen Generalkonsnlcrts in Rio de Janeiro hat das Bundesministerium von den großen Erfolgen, die die Wiener Philharmoniker anläßlich ihrer Konzertreise nach Südamerika in Rio de Janeiro erzielten, nähere Kenntnis erhalten. Inden: ich die Wiener Philharmoniker zu diesem erfreulichen Erfolge herzlichst beglückwünsche, spreche ich dem geehrten Verein meinen wärmsten Dank dafür aus, /daß er «es unter schwierigen VevhAtnissen unternommen hat, die Kunst seiner Hennat im Auslande zu verbreiten." Schneider m. p. Gerichtssaal. Die Woh«ungsa»forder»«ge» vor VeM Vrrfassungsgerichtshof. Die vorläufige Entscheidung des Verfassungsgerichts> Hofes Mer «die Heiden Fälle, in denen er von'Wiener Gerichten zur Prüfung >der Gesetzmäßigkeit der Anfovderungsverordnulig angerissen wurde, ist gestern verlautbart worden. Der Bersasiungsgerichtshof hat beschlossen, in die Prüfung der Gesebmäßigkeit der Vollzrtgsanweisiing des Staatsanttes für soziale Verwaltung vom 9.- Apvil 1919, Sr.-G.-Bl. Nr. 223, einzntreten, welche die Grundlage s a m t l i ch e i Anforderung^ verovdnungen «der einzelnen Länder, darunter auch der des Bürgermeisters als Landeshauptmann vun Wien von« 31. März 1921 bildet. Hierüber wurde das gesetzliche Berfahven ein geleitet. Dieser Beschluß kommt praktisch einer Vertagung der Entscheidung gleich, da die endgüt ge Erleo'gung in einer neuerlich erfolgten Verhandlung jedenfalls erst in der nächsten Zession erfolgen wird. Die „ällergnSVigst" bewilligte« Pensionen des Kaisers Franz Josef. Dem Regimentsarzt Dr. Theodor Weiner war in: Jahre 1909 vom Kaiser Franz Josef eine Pension hon jährlich 8 0 0 K. „allergnädigst" bewilligt worden. Erst im Jahre 1920 würbe diese Pension auf 1608 K. und im Jahre 1921 auf 3204 K., mit einer Teuerungszulage von 2004 K., erhöht. Da diese Iahrespensiou nicht einmal für einen Tag ausreicht, begehrte Dr. Weiner die Neubemessung seiner Pension nach den Beftmuiumgert des Pensionsgesetzes vom 17. Dezember 1921. Dies wurde jedoch vom Bundesministerium für Heerwesen abgelehnt, weil die ihm vom Kaiser verliehene Pensior: nur eine G n a d e n p e n s r o n sei, weshalb die für Norn:alpcusionisten erlassenen Vorschriften aus ihn keine Anwendung finden, denn lvas als Gnade gewährt wurde, könne nicht als Erfiillung eines gesetzlichen Anspmches angesehen werden. Dr. Weiner brachte nun gegen die Republik Oesterreich eine Klage auf Neubemessung seiner Pensiot: mich den Bestimmungen des Pensionsgesetzes, vom 17. Dezentber 1921 ein und machte in der Klage geltend, das Wort „allergnädigst" sei nach der damalige:: Diktion bei jeder Verfügung der Majestät gebraucht worden. Es könne nicht bestritten werden,'daß solche verfassungsmäßige Verfilgungen des /Kaisers als obersten Kriegsherren als Rechtsquellen Mselhe Bodentung und Wirkung; hatten, wie eine vom Miuisterümp dekretierte Pcnsionszuerkennung, Mit dem heute publizierten Erkenntnisse > schloß sich jedoch der Verfassungsgerichtshof (Vorsitzender Präsident Dr. Vittorblli) der Anschauung des Bundesnünisteriuttls für .Heereswesen au und wies die . Klage ab. /