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Wiener Morgenzeitung · 1922-10-11 · Heft 1317 (11.10.1922) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1317 (11.10.1922)
Date
1922-10-11
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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tzorlte 6 Vüicii, Mtltwoct) über bitfcr Fläche in der warmen Westströmnng. Vorhersage: Nachlassen oder Aushöwn der Niederschläge, langsame Abnahme der Bewölkung, kalt, östliche Winde, langsam fortschreitende Besserung. * Warenkrach. Stores -mit Einsätzen und Motiven tt.OV0, 78.000 K.. Dopveldecken, Etamwe «it Einsätzen und Motiven 138.600. 166.000 K., Elainin-Kilnstleroorhünge mit Einsätzen und Motiven '68.000, 108.000 &, Madras-Künstler- Vorhänge dreiteilig, waschecht 168.000, 2-i8.000 JL, Steppdecken dandgmiiht, warm 68.000. 1L8.000 K. und alle einschlägiaen Artikel zu tief reduzierten Preisen im Vorhangspeziatgeschäst Mack & Svnrenfetd, VI., vumpendorferstraße 38. -f * Lederküle» nur erstklassiae Modelle, Ledergürtel. Leder, "tikülr, Lederolumen, .Lederdekchen kaufen Sie am desttn im führenden Modetlhous Mary Glaser. Kauptgeschäst. Wien, IX.. Schuberigafse 16. -s- (Für die enisprechrnd de« § 26 P.-E. mi! 4l-.ezeichnelen Artikel und Notizen übernimmt die Re-aksson iwesch'ieß^ch die preßgesehliche Verantwortung.) Vereine, Dortrage und Versammlungen. Verein „E r e z Israel*, II.. Zirkusgasse 32. Einschreibungen zu den am 16. d. beginnenden Kebräisch» und Englischlrurse täglich ob 8 Uhr abends im Vereinslokale. Ottakringer Volk,beim, XVI.. Koflerpark 7. Beginn folgender Kurse: 77 7 Uhr: Sprech- und Vortragskunst: 7 Uhr: Menschenkenntnis. Bürgerliches. Recht, Formen der Demokratie, Untergang der. Antiken Welt, Musikgeschichte, Colwidolchen, Poetik, Bau der Pflanze, Französiich UI, Philosophische Besprechrmgen, Kunsthistorische Hebungen, Elek» wizität; 8 Uhr: Psychologie. Stephan George, Besprechung musikatischrr Werke, Krankheit,lehre. Organische Chemi. Leopvldstädter Vvlksheim, U.. Zirkusgasse 16. Beginn folgender Kurse: 7 Uhr: Musikgeschichle, Geographie, Bolksseuchen, Englische Handelskorrespondenz, Italienisch I, Tschechisch t, Geometrie, Zeichnen und Malen: 8 Uhr: Menschliche Sprache, Allgemeine Musiklehre. Geologische und geographisch« Beobachtungen. Italienisch II. Tschechisch II. Simmeringer Dolksheim, XI., Sottschlasgasse 21. 7 Uhr: Bürgerkunde, der gesunde und der kranke Mensch. Deutsche Sprachlehre. Schönschreiben. Ausnützung de r Nalurkräfle; ß Uhr: Geschichte des XIX. Lahrhunderls, Allgemeine Lehre oo» Leben, Licht und Wärme. Französisch :. Technisches Museum. Morgen, 7*5 Uhr nach mittags, vierter Vortrag des Lehrkuries im Fejlsaate des Tech' mschen Museums Vorstand Ing. Ernst Stelzer .Technik un bildende Kunst'. Für dir gesamte Lehrerschaft frei zugängig Gäste Willkommen. Urania. Leute. 7,5 Uhr (Großer Saal): Schülervorlrag: Kolumbus. — Wie die Weintrauben wachsen. 5 Uhr (Großer Saal): Beherrscher der Löste. 7,6 Uhr (Kleiner Saal): Direktor Kart Lrebteitner: Deutsche Volkslieder für daheim und die »eile Welt. II. 7,6 Uhr (Kurssaal): Unw.-Prvf Eduard Castle: Die österreichisch: Moderne (1300—1920) ' 26 Ut,r (Klubsaal) : Lermine N e u d e: Die Sonatenform und ihre Bedeutung in den Werken der großen Meister. I. Laydn. ' °3 Uhr (Großer Saal): Nestroy. 7,8 Uhr (Kleiner Saal) - Dr. Franz B r e u n l i ch: Die Ferienheime der Wiener Jugend?,ilsswerkes. 7,8 Uhr (Kursiaal): Architekt Otto Polak- L e l l« i 0: Spar-Wodnung. Spar-Saus. Spar-Siedlung. II. 7*8 Uhr IKlubsaal): Max M i II e n k 0 v i ch - M 0 r 0 I d : Richard Wagner und die deutsche Dichtung. VI. 778 Uhr (Lehrsaal ll): Da» LandschasisbUb Wien»und seiner weiteren Umgebung. I. Ueber ,Dre dänische Landschaft" hä.i Lolrat Dr. Max Millenkovich-Morold morgen,-7,8 Uhr, im Kleinen Saale der Urania einen Lichlbildervorlra!. Ernährung. Die LebenrmittelmÄrkt, Die Preise unverändert. u::f dem Naschnmrlt wurde wieder viel Gewüft und beviel Kram augeboteu. Gärtnerkraut und Rotkraut wurden etwas teurer, ebenso Kohl. Alle ankeren Gärtner- Waren änderten den Preis nichi. Ansonsten sind viel steirische Aepfel -und Birnen auf allen Märkten und finden ziemlich lebhaften Absatz. Weintrauben, K'astairien, Melonen und Pfirsiche werden wegen der hohen Preise wenig begehrt. Butter wird noch immer in erstaunlichen Mengen angeboten, doch ist der Breis noch nicht wesentlich zurnckgegangeu und beträgt 48.000 bis 56.009 K. pro: 5lilogromrm. Jlnfsallend ist auch das starke 'Angebot au Kondensmilch von 6000. K. pro Dose aufwärts. Gesinge! wird nur wenig gekauft. anhaltend stark dagegen ist der Zulauf bei den Seesischhallen. In der -Großmarkthalle waren gestern wieder gegen 200.00V,,.Kilogramm diverser Flsischsorten angeliefert worden, das größtenteils in der Halle selbst znm Verkauf gelangte. Tie Nachfrage war etwas größer als sonst. Auch -beträchtliche Mengen Würste und Innereien wurden fei-lgehatten. In den Preisen hat sich keine wesentliche Änderung ergeben. Bühne und Kirnst. Der erste Abend der „Wilnaer". Tos mit Spannung erwartete Gastspiel der Wilna-er £ rnpp c hat gestern in der Freien jüdischen Volksbühne (Rolandbichne) >begonnen. Die Künstler -brachten ein in Wien noch unbekanntes tvertvolles Stück „Grüne Felder"' von Pere; Hirschbein zur Ausführung und erzielten einen ganz ungewöhnlichen Erfolg. Das mrsv er kaufte Hans bereitete diesem jüdischen Scham-pieler-Ensemble, das tatsächlich auf der Höhe'-steht, stürmische Ovationen. Wir kommen auf den genußreichen, her zerknickenden Abend morgen naher zurück. . . Das hebräische Theater in PaHisLina. Ter Bestand der hebräischen Bühne in Palästina und die Möglichkeit regelmäßiger Vorstellungen scheint nunmehr nach langen Zeilen der Unsicherheit gewährleistet. Derzeit werden Unterhandlungen mit einem bedeutenden europäischen Regisseur gepflogen. Das hebräische Theater, das vor kurzem eine überaus gelungene Aufführung von Schalom Asch' „Gott der Rache" in der Uebersetzung von Schtscheglow und von Henry Bernsteins „Israel" gab, Plaut für die nächst^ Z.'ü bic. Änfsühruug von „Ter König" von Iirschkechic; und „Tie Geister" Vv, A. Tolstoi- Kliener' Morgenzeitirng. ' Ln8emb!e-0a8t8pie! der Wilnaer Truppe im Rahmen der „Freien jüd. Volksbühne* Heute, Mittwoch den 11. Oktober 1922, V,8 Uhr Grüne Felder Volksstück in 3 Akten von Perei Hirsciibein Aus den Theatern. Im B u r g t h e a t r r gelangt morgen Schillers Tragödie „D i e I u n g i r a n v v n O r l e a n s" zur Aufführung. Gs wirden mit die Damen Franker. Kallma. Landt, Medelsky und Osten, die Kerren Aslan, Baumgartner, Benard, Blum, Danegger. Devrient, E'klih, Kertexick, Kvoling. Müller. Moncza» Mattoni, Emmerich Reimers. Schmidt, Schott, Seydelmann, Siebert. Strahni. Strebinger. Tretzier, Karl Zeska und Philipp Zeska. Anfang 7Uhr. Im Opernthea! er wird morgen «Lohe n- - r i u" geipiell. Im Akademietheater wird morgen das Lustspiel „Q u a I i t y Street" (Im stillen Gäßchen) von S. M. Barne gegeben. Anfang? Uhr. Im R e d o u! e n s a a I der Kosburg gelangt morgen Goethes Schau'M „Stella" zur Wiederholung. Anfang7Uhr. In der M i t t e l ft a n d s v p e r ist heule „F i b e l i o" (Gruppe F). Begin n 7,8 1l h r. Im Deutschen Dolkstheater find Wiederholungen von Baatilles Schauspiel „Zärtlichkeit" (Tondresse) sür heute, ferner Freitag und Samstag angeseht. Morgen gelangt Karlweir' Komödie »O n k e l Toni" in folgender Besetzung der Kaupirollen ^uc Aussührung: Graf Waldhof — Kcrr Th'atler. Komtesse Mizst — Frl. Geßncr. Baron Bieüeck — Kerr Wengraf, Arnheim — Herr Kutschrra, Aiananne — Frl. Schweighofer, Richard — Kerr Wamek, Zablnsky — Lerr Komma, Dr. Mayer — Kerr Gibtssr, Dr. Miller — Kerr Patrr, Psturlderer — Kerr Kirfchuer,' Breifchneider — Kerr Krones. Stumpfl — Kerr Burian, Amvogel Kerr Wolf, Kellner — Kerr Danegger, Kandl — Kerr Leicht. Im Johann Strauß-Theater wird am Sonntag als crge Nachmitrogsvorstellung ,D t e F ö r st e rch ri st l" gegeben. In der A e n a i s s a n c e - B ü h n e beginni die heutige Aufführung von Gerdart Kauplmannr Tragikomödie „Die Ratten" mit Kansi Niese und Ferdinand Bonn als Gästen präzhe 7 Ahr. Die Inszenierung teiiet-Kart.Forest. Bühnenemwürfe: P. Friedmonn. Das Stück d'.eibt die folgenden Tage auf dem Spielplnn. __ Voltaire und Friedrich der Große über Shakespeare. Es dürste gegenwärtig in der Zeit der Theaterblüte Shakespeares intercssicrell, wie Voltaire und Friedrich der Große über den größten Dramatiker urteilten. In einem Aufsatz der Deutschen Rundschau" erinnert Gust. Berthold Volz an die Aeutzervngen dieser zwei großen Männer über Shakespeare. Voltaire sagt über „Hamlet": ... Es ist ein rohes, barbarisches Stück, das -in Frankreich und Italien nicht von dem niedrigsten Pöbel ruhig hillgenommen werden würde. Hamlet, wird im zweiten Akt verrückt, und seine Geliebte im dritten. Ter Prinz ersticht ihren Vater unter dem Vorwand, eine Ratte ulnznoriugon, und die Heldin geht ins Wasser. Man bereitet ihr Grab aus offener Szene; die Totengräber machen mit Totcnschädeln in der Hand Spässe, die ihrer würdig sind; der. Prinz .antwortet auf ihre abscheulichen Roheiten mit nicht minder ekelhaften Possen. Unterdessen vollbringt eine der handelnden Personen die Eroberung Polens. Hamlet, seine Mutter und sein Stiefvater iriuken zusammen aus der Bühne; mau singt bei der Tafel, Man zankt sich, duelliert sich nnnd bringt sich un;. Nach alledem nwchte man glguben, dieses Werk sei die Frucht der.Einbildung eines betrunkenen Wilden. Aber unter diesen groben Verstößen, die das englische Theater noch heute so abgeschmackt und barbarisch rnachen, finden sich tat „Hamlet" 3’.i unserer doppelten Ueberraschung erhabene, . des größten Genies würdige Züge. Es ist, ^-ls hätte sich die Natur darin gefallen, in dem Kopfe Shakespeares das - Stärkste und Größte mit dem Niedrigsten und AbscheMchsten zu veroiuigen." Friedrich der Große schreibt: . „Um sich von dem, Mangel an Geschmack zu überzeugen, der bis auf diesen Tag iu Deutschland herrscht, brauchen Sie nur ins Schauspiel zu gehen. Da sehen Sie die abscheulichen Stücke von Shakespeare in deutscher Sprache aufführen, sehen alle Zuhörer vor Wonne hinschmelzen beim Auhören dieser lächerlichen Fareen, die eines kanadischen Wilden würdig sind. Ich nenne sie so, weil sie gegen alle Regeln des Theaters verstoßen. Diese Regeln sind nicht willkürlich. Sie finden sich in der Poetik des Aristoteles. Dort sind Einheit der Zeit, des Ortes und der HaMung als die einzigen Mittel vorgeschrieben, ein Trairerspiel packend zu machen. In kn englischen Stücken dagegen umspannt die Handlung den Zertranrn von Jahren. Wo bleibt da die Wahrscheinlichkeit'? Der treten Lastträger nnd Totengräber aus undhalten Reden, die ihrer würdig sind; dann kommen Fürsten und Köuignmen. Wie kann dies wunderliche Gemisch von Hohem und Niedrigem, von Hanswurstereien und Tragik - gefallen und rühren? Man mag Shakespeare solche wunderliche Verrrr/mgen verzeihen; de>cn die Geburt der Künste ist niemals die Zeit ihrer Reift." : Die Rheinische Llteratmwoche, die in Köln abgehatten wurde und alljährlich wiederholt tverden soll, war sehr reichhaltig. Großen Erfolg hatte das Mirakö.ispiel „Reichmotis" des jung verstorbenen Kölners Emil -K a i s e r. Das Brühl e r S ch l ü ß q u a r t e t 1. spielte Tondicht^ullen rhein-ischer - Kmnpönisten und sehr eindrucksvoll waren die Vorlesungen rheinischer Dichter aus der jüngsten Generation. Mit dieser Literaturwoche war eine bemerkenswerte Buchau s st e l l n n g verbunden. Pas meistgespielte Shakespeare-Werk. Das deninächst erscheiliende Jahrbuch der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft wird eine ULlbersicht über die Zahl der deutschen Shakespeare-Anfführungeil im Jahre 10^1 enthalten. Die höchste Zahl weist : „S omuiernacht 8 t r a u in" mit 318 Aufführungen 1 aus; dann folgen „Kaufmann von Venedig'- init 259, „Hamlet" 11. Oktober 1932 vfr. 1317 mtt M, „Othello" mit 231 und „Der Widerspenstigen Zähmung" mit 146 Aufführungen. Unter den Städten, in deren Theater Shakespeare am Spielplan lvar, steht Wien mit 82 Abenden an dritter Stelle. Der Löwenanteil mit 301 Auffühnmgen Mt Berlin zu. In der Jüdischen Bühn« (H., Tadvrstratze U, Sokel Stefanie) wird heute .S U l a » t k h" aufgeführt. 4- Gerichtssaal. nFritzl" der Hase. — „Der Hahn tp an alle« schald!" Vor dem Landesgerichtsrcrt Dr. Weinlich (Bezirksgericht Fünfhaus) fanden kürzlich zwei Strafverhandlun-gen statt, in -deren Mittelpunkt in einem Falle ein Kaninchen namens Fritzl stand, der Held des zweiten Stvaffalles warein Hahn. Was den Fall Fritzl anbelangt, so lag ihm folgender Tatbestand zugrunde: Fritzl ist ein älteres Kamnchen, das, wie sein Eigentümer, der Tischlermeister Johann Brenner, dem Richter anvertraute, „jedes Kiud in der gangen Gegend kennt". Fritzl hatte sich verlcmftn. -Die Büglerin Aiwa Mi ch a l ek sah das Tier auf der Straße und es tat ihr leid, ^enn 'die Jungen jagten es und liefen hinter ihm her. Das geängstigte Tier lief in die Werkstätte seines „Herrn" und brachte sich hinter der Hobelbank in Sicherheit. Frau Michalek ging aber auch in di« Werkstätte dem Tier nach. Als das Tier die Werkstätte betrat, rief der Sohn >des Brenner voller Freude: „Da ist-ja unser Fritzevl". Frau Michalek ließ sich trotz dieses Ausmfes nicht abhalten, das Tier zu fangen; sie bückte sich, packte Fritzl ^bei den Ohren und wollte sich mit ihnr entfernen, um ihn, wie sie behauptet, bei der Polizsi zu deponieren. Herr Brenner faßte, die . Sache jedoch anders auf. Cr glaubte eine Diebin vor sich zu haben, 'die ihm Fritzevl nehmen wollte. Er versetzte ihr mehrere Ohrfeigen, warf sie aus der Wevkstätte und schlug sie auf der Straße blutig. Wache mußte einschreiten. Herrn Brenner kostete die Sache 50.000'$. Geldstrafe, Frau Michalek, die wegen Dichltahlsversuches gleichfalls unter Anklage stand, wurde fteigesprochen. Im zweiten Falle hatte sich folgendes bogebcn: Frau Anna Tucek, Dpenglermvistersgattin, hat mehrere Hennen. Zu Brutzwecken leiht sie sich einen Hahn von einer gewissen Frau Leob aus. Der Hahn bleibt dann jeweils einige Tage, und Nächte bei den Hennen der Frml Tucek. Als Frau Leeb das letzte Mal - ^es war am 3. Juli) den Hahn qbholt«, rief ihr die ün Hause wohnende Johanna Lamprechtän höchst erregtem Tone vom Fenster zu: „Bringen Sie den Hahn nicht mchr, sonst erschlag ich ihn". Frau Ducek hie-mr^f: „DaS geht Sie gar nichts an, was ich mit meinen Hühnern mache!" Frau Lamprecht: „Sie mopsertes Luder, lassen Sie sich erst Ihre Zähne richten, ehe Sw nur reden." Daibei schlmd^t? sie von der Hohe dröi Gartentöpfe in den Hof. Die Frauen mußten zur Seite, springen, sonst wären sie getroffen worden. Frau Lamprecht stand unter der Anklage der Gefährdung der körperlichen Sicherheit und hatte sich auch gleichzeitig wegen Chrenbeleidigung zu verantworten. Die Lamprecht verantwortete sich mit großer Aufregung: ,Herr Richter, an allem ist der Hahn schuld. Tag und Nacht haben wir käme Ruhe, der Hahn schreit, lär-mt und kräht ununterbrochen, es ist zum Wahnsinnigwerden; in den heißesten Tagen und Nächten nlußten wir die Fenftier geschlossen hccktep. Ich habe auch die Frau Tnvek nicht beleidigt, ich habe nicht „mopsertes Luder", sondern „kropfetes Luder" gesagt, und Mit dem „k-ropseten Luder" habe ich den Hahn gemeint." Der Mchter fragte die Angeklagte, seit wann Sie denn mit einenr- Hahn Per „Sie" rede und verurteilte sie zu 30.000 K. Geldstrafe, Eine Gesellschaft von Scheckfälscher». Drei Kcmfleute, Geza Weiß, Georg Spitz und Paul D e n e s haben sich in einer <mf zwei Tage anbckamnteit Verhandlung wegen Betruges durch umftmgrerche Scheckfälschungen vor dem Schöffengericht zu vevckntworten. Die Anklage zersäW in drei Gnchpen. Zuächst werden die Strafdaten des Geza Weiß behandelt. Anfang Juni 1921 hat der Sauerkrauthändler Benö Böhm auf Ersuchen des Geza Weiß beim Prokuristen Siegfried L a mb er ger der Frrma Co-mpas Allgemeine Garantiebank, wo Böhm als vertrauenswürdig bekannt war,. «inen aus 10.000 Franken lautenden Scheck um 490.616 K. verkauft, gleich darauf Weiß selbst demselben Bankhaus einen gleichartigen Scheck um 501:871. Beide Schecks erwiesen sich später als Fälschungen. Ueber Georg Spitz sagt die Anklageschrift, daß er mit den internationalen Scheckfälscher» -Martin Goldschmidt, Ladislaus Harmath und Andor Figlar regen Verkehr unterhielt. Mhrend einer mehrjährigen BW kamitschast mit einer Kaufmannsgattin hatte Spitz verstanden, ausgiebigen Vorteil für eine Person zn ziehen. Sie half ihm wrÄ) erhalt aus der Geldverlegenheit, indem sie ihnr Schmuck zur Verpfändung übergab, unter anderem eine goldene Handtasche im Gewichte von fast einem halbeit Kilogramnr. Sie erhielt die Pretiosen nicht mehr zurück. Im Oktober 1921 hat Spitz dem Direktor der Continental-Bank Leo Kornblüh ein Pvämrengeschäst über 10.000 Dollar vorgsschlagen und ihm nach längeren BerhMMngen mit einem falschen Scheck 700.000 K. hevausgeschwindelt. Zwei gleichartige Falsifikate wurden von Melchior Horvath bei der Jnternativ-nalen Export- Und Jmportgesellschaft ‘ belehnt. Georg Spitz steht bei der Polizei auch als Hasardfpieler in Evidenz. Er hat unter anderem in dem Spielsalon der Ruttersheim verkehrt und Spielschulden unbeglichen gelassen. / . Paul D e n es war eine zeitlang Privatsekretär des berüchtigten Scheckfälschers Martin Goldschmidt. Im Jänner 1921 ließ er in Berlin 150. ScheckformülarL der The National Trade^ank of Chie^ck anfertigen nnd verübte damit in Wien -Betrügereien-

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