Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1314 (8.10.1922)
- Date
- 1922-10-08
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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«r. 1314 Men, Sonntag -8. Oktober 1§2S Sette* 5 blickt. Jedenfalls. wird diese Erklärung, keinem Kenner der in dev Agrrda vorherrschenden Tendenzen zu überraschen vermögen, v: ' k... ■ URterbrechkng de» Prazrfle» gegen dir Aathenau-Mörder. . - Leipzig, 7. Oktober,' (Deilegvavmr;4p „Wiener Morgen* Ortung".) Die - Eröfftmng der - heutige« VörhaMung verzögert« sich. Man sah tzie;> Verteidiger ocfrig mit einander diskutiere« und im-Saale herrschte nervöse Unruhe. Gegen hailb 10 Uhr erschien der Gerichtsarzt Dr..Schütz, und.man erfuhr die Ursache der Verzögerung der Verhandlung. Dem Angeklagten Günther>war-eine Schachtel Pralines . zugeschickt worden, nach deren Genuß er erkrankte. Ti Hessen,. Warne deck und der..jüngere Tech ow, die mich von 'dem Konfekt gegessen haben, , wurden ebmfalls unwohl. Es soll sich um Sarrotipastillen. handeln, dir Güncher aus Berlin zugeschickt wuvdvrr.. Der Rest ist beschlagnahmt worden und wird untersucht werden. Der Vorsitzende'Dr. Hage« teilte mit, daß der Arzt-Günther und.Wanrecke zur Einvernehmung unfähig erklärt habe, so daß di« Sitzung auf Montag früh v er tagt werden müsse. Soweit fest-gq'tellt >ist,'. olftstam-me-n -die Pralines zwei Pa-, keteu, die im Lauf« dieser Woche' im Nntersuchungsgefängms in Moabit für die Angeklagten Ilsemann.und'Günther abgegeben worden Pud. Die Pakete sind dann durch die Post nach Leipzig befördert worden. Sie enthielte Schokolade. , Wie die „V äffische Zeitung" nreldet, bat sich dos Befinden des Angeklagten. Warn «deck im -Laufe des Tages verschlünmert.^Waruobeck' hat. am Morgen B l u t g e b r o ch «n und leidet jetzt an hohe«:. Fieder. Der jüngere Te chow leidet an Schwindelanfälleu und Herzbdschtverden. Die Angelegenheit ist dem .obersten Staatsanwalt zur weiteren Verfolgung übergsbLN worden. Auffallienderweise-haben die! beiden Pakete mit PralineZ die Kontrollstatiön 'des Gefängnisses, n ich t passiert. ''Parltzmenttkrise-i«. Atalten. Rom, 7. Oktvber. (Tel. der „Wreirer Movgenzeitnng".) Der italienische Ministern t kennte gestern über die durch die Forderungen der F a s z i st e n verursachte Krise uoch zu keinem Beschlüsse gelangen, so daß heilte <btc Beratungen fortgesetzt werden. Das Hauptangerrmevk richtet sich auf die Fragewelche Folgen die sofortige Z us a m ur e n H e r u f u n g der Kammern, die Vornahme der Neuwa h l en und die parlamentarische Krise, für die öffentliche Ordnung haben könnten. / ' Einige Minister machten geltend, daß eure Miursterkri.se das Land in einem Augenblicke vhue Re-gievu^rg laßen würde, in dem eine starke Regiermig n-otzwendig Ware. Ein neues Kabinett aber bvchrchr geraume Zeit, um sich in den inner- und den. außenpolitischen Verhältnissen zu orientieren. Ebenso wurde auch auf die Gefahr einer vorzeitigen Anfkösung der Kämmen hnrgewiesen. Ir;ternatio«a!e Arkeitsko«ferenz Genf, 7. Oktober. (Tel. der „Wiener MorgLnzeitung".) Mittwoch den 18. d. -wird in Genf die dritte internationale Arb e i t sk unseren z eröffnet, zu welcher alle 54 Mitgliedsstaaten ein geladen wurden. Als erster Vni^t steht die Auswander'erfrage Ef >der Tagesordnung/als zweiter die Reform des Verwa>lkMgsrates. Es macht 'sich nämlich' däsi Bedürfnis noch Einer - Dickeren Vertretung der Arbeiter und der Arbeitgeber fühlbarweshalb der Vorschlag gemacht wurde, dcan Verwaltungsvale ein« größere Ausdehnung zü geben und die Zahl seiner Mitglieder von 24anf 32 zu erhöhen. Bon diesen sollen .16 Vertreter der Regierungen, 8 der Arbeitnehmer und. 8 der Arbeitgeber lein. Dir Konferenz wird sich auch mit dem Stande der Ratifikationen der verschiedenen Konventionen m den einzelnen Ländern, insbesondere jener des AchtstirrÄnmtaHes beschäftigen. - ' Oesterreich. " ie VcrLkKAdlrtnge« de» framösischi ^^r-'chische« Schiedsgerichtsk r, i* ' Witzsr. Oeffentliche Verhandlungen. , // 0.7 Bildung des vom St.' Germarner H '7. .A verirag.'s vorgesehenen französisch-österreichischen gemischten Sä)iedsgerichthoses ist die Wahl zum'Vorsitzenden auf den früheren Präsidenten - der rnexikanischen Republik, Exzelle,rz F. de la Barrä gefallen, der seit Jahren in Paris als Anwalt tätig ist und sich .eines großen Rufes in: internationalen 'Rechtsleben erfreut. Zum ftanzösischen Beisitzer wurde Herr Mmrice G a n d 0 l p h e, Rechtsantvalt, zugeteilt dem Ministerium des Aeußern in Paris, ernannt. Die österreichischen Schiedsrichter sind Herr Direktor Dokior Paul Ham me r sch lag und Herr Hofrat' Professor Dr. Aosef Sch«Y. Präsident de la Bärra - hat ’ seine BestMiS, die Verhandlungen auch außerhalb Paris anzuberaumen, benützt, um die nächste Sitzung ist W i e n tagen .zu, lassen. . Diese ö f f ent l r ch en VerhaMungen, dl« als erste Tagung eines international, gemischten Stziedsgevichtshofcs in Wien das größte Interesse verdienen, werden am 10., 11., 13., 16, und 17. d. im Gebäude der Pelihaus Wien, II., Glockengasse Filiale in den Verkaufahallen am Karlsplatz (Telephonat vl-2--0-8r, ei.S*80~8i) Pelzwarenaltor Art m neiieete Modelle,' In feinster-Auafdhr uns ateta lagernd Werkstätten: Wien,!!., Ruieppgaste 37 Handels- und Gewerbekarmner stattfinden. Ms Staats- Vertreter wird von französischer Seite Herr Pierre Jaud o n, Generalvertreter der französischen Regiemng bei den gemischten Schiedsgerichtshöftn, erscheinen. Die österreichischen Staatsvertreter sind Legationsrat Richard Fürth und dsr Rat der Wiener Promvatur Dr. Rudolf Blühdorn. Berschärste Grenzkontrolle in Tirol. w Innsbruck, 7. Oktober. Die „Jnnsbvncker Nachrichten" veröffentlichen Verfügungen der Tiroler LaMswgievnng Wer' eine verschärfte Grenzkontwlle.^/. Uagtmi. Was uns geniert, wirk konstsziert. . Budapest, 7. Oktober. (N. T.-K.-B:) Der gestrige M ini st e r r a t lbeschäftigte stch auch . mit. Pressefmgen und stillte fest, daß ti w'zelne Blätter verschiedener Parteistellnng, und zwar sowohl linksstehende wie rechtsstehende Blätter, -tatsächlich MitterlurMN veröffentlicht haben, die die nrrs -der Tagesordnung stehenden wirtschaftlichen und, sonstigen Fragen in einem a.u f r e i z e n d e n Ton behandeln, der das Publikum in ständiger Unruhe halt und di« Möglichkeit einer friMichen Entwicklung sowie die aus die Konsolidierung gerichteten Bestrebungen aus denr ganzer: Gebiete des Staatslebens ständig gefährdet. Der Ministerrat hat den Minister des Innern und den Justizminister ermächtigt, in Hinkrmfi solche bermruhigende und grundlose. Nachrichten verbreitenden Presseorganen gegerrüber km Jnteresie der Sichcrmrg der inneren Ordnung dies Staates und des gesellschaftlichen und konsessionll 12n Friedens das strengst« Verfahren einzuleiten. Das ««tiseWittsche „Birradat" — eiagegaege«. Budapest/ 7. Oktober. (Tel-egranun der „Wiener. Morgenzeitnng".) Gestern ist das 'berüchtigteste Blatt Budapests „Bir- (Morgendämmerung) unselig im Herrn entschlafen. Als «s zum ersten Mal« erschien, - hatte es - den heftigsten Kampf gegen bi« Reaktion und für di« bedingungslose -Dsmokratie angeküMgt^ Es war so radikal >n: seinen Anschammgen, -daß es zur Zeit der Revolutionen täglich die Forderung stellte, daß der neu- LvwüchtM Fvvche-it - zchutchrfend -^-veÄ^onäre' K8pfe geopfert - werden müssen. Ms dann-di« Revölutione>: niedergerungen wurden und der christlichnation'ale Kurs die Macht an sich riß,- 'da war es wieder „Birradat", das;eden Tag um die Mittagsstundeder Z«it seines Erscheinens, in Judenblut förmlich schwelgte und zummdesti zehntansend 'Judenkspfe ün Staube rollen schei: wollte. Nun liegt ^irvädat" im. Staube und wird nicht einmal mehr in der Lage sein, den Ausgang des schmutzigen Prozeff-es zu berichten, in den dieses Schundblatt verwickelt war. „Birradat" war Dbst dom christlichnationatzsn Kurs, in dessen - Lager - dys Matt zwischen Legitimisten -und- Horchy' hin und hertaunrelte, zu mindevwvrtiig. - . 7 - ' ' Verurteilang ,weier „Az Est-- Äedakteure. Budapest, 7. Oktober. Der Strafgerichtshof verhandelte heute über die Klage, hie der^'Verein der Erwachenden Ungarn gegen das Vlajt „Az Est" emgchvacht hatte, well dieses Blatt in einem Artikel behauptet -hatte, die -Mrtglie- .der hätten. den Verein zur Erreichung egoistischer Zwecke benützt und seien an verschiedenen Ätrozitäten, namentlich an den: Bombenattentat im Elisabethstädter Kasino, schuld- Ivagend., Das. Gericht verurtellie .ztvei Redakteure, die-die Verantwortung tibernörmnen hatten, zu 14 Tagen Ge-, sängnis.und 10.000 K. Geldstrafe. heziehn>ngsweise'8 Tagen Gefängnis und 8000 K. Geldstrafe. > ' Stimtes u«d die Maschinenfabrik . Stiptak. ' ' , Budapch, 7 .Oktober. (U. T.-K.-B.) Die in Berlin -wischen Hugo Stinnes und Srmon' -wegen Beteiligünig dwff ''.ittt-es-Gvlchpe an der Ungarischen Eisen- und Ma- -sch' ' ufabrik Liptak gfnhrten Verhandlungen, sind nun- -mchr'-abgeschlossen. Das Aktienkapital der „Liptak" wird-in einer demnächst stattfindenden Generalversammlungvon 100 Millionen ans 180 Arillionen Kronen erhöht, mä vier Fünftel der -neuen Aktien Mangen in den Besitz der Strnnes-Gvnppe. Die leitenden- Direktoren - der - Gelsenkirchener, Bochumer - und Deutsch-Luxemburger- Werke sowie der Direktor - der- Wiener -Stinnes-Gesellschaft, Johann ' Busch, treten in die, Direktion ein.. Zum Präsidenten der Äsellschaft dürfte Snnon 'Krauß, zmn'Mrtpräsidenttzn.Hugo Stinnes -gewählt werden.. ' Tscheche - Slowakei. ZusaMmenk««st Beuesch-Schanzer. Prag, 7. Oktober. ^Lschecho-slowakisches Preß'burean.) Minister des Aeußörn Dr. B e nes ch wird heute abends nach Venedig abreisen, wo er die bereits «ms Genf angekündigte Zusanrmdnkuuft M S chanz er habei: wird. Streik i» ken Ostrnner KohlenZLuhett. Mährisch-Lsttou, 7. Oktober. .' (Tschecho-slowakisches Preßbureau.) Die Djrkkwrenkonfsrenz des Ostraü-Karwiner^ HevierS'hat dem Bergarbeiterverband mitgeteilt, sie müsse wegen der gegenwärtigen mchlichw Lege ans ihren bereits bskänntgegebenen Arbs'söcdmgungen bestchcn. Der Revierausschuß der Bergarbeiter erklärt, da di> Mr-rtyvenkynferenz nicht die geringsten Zugeständnisse mach?» wolle, sei er gezwungen, bei der morgigen Red'crkonferenz den sofortigen Beglnu des Streiks zu bcentvagen. Pa dieser Vorschlag zweifellos angenommen w'rd, wird Montag m allen größeren Gruben und Kokereien des Reviers der Streik «cklärt werdm. . . Pole«. St«ssifch-po1«ische Anrtäherung. Warschau, 7. Oktober. (Tfchecho-slowa'tisches Hpeßbureau.) „Äurjer Polski" befaßt sich im hesttigen Leit-, arKel mit der gegenwärtigen Orientierung der Spwjetregierung und behauptet, daß der letzte -Aufenthalt T j ch x t scher i n s, in Warschaun auf eine gewisse Aendernng der Außenpolitik von Sowjetrußland hindente. Diese Avnderung gehe dahin, daß SowjetruMich, das vor kurzem' .noch nur ans ein« Vertiefung seiner Beziehungen zu England, Deutschkand und Italüm . Dnurbeitete, unnmehr bereit sei, auch-'mit 'Frarckreich''-urD'.Holen Politische i:nd wirtschaftliche Beziehungen a1lzuknnW> - Das tschecho»slowakische Kriegskrenz, . kur Pilsu^stzi. Warschau. 7. Oktober. (P. T.-A-.) 'Dep Gesandt« .de" tschecho-'slowakischen Republik. Mxa,.Äberreichte .heute'-dem Staatschef Pil-snds ki das -tHechp-slowakische, kreuz. ' , ■... .. 'ii-; Die GeYÄYelen^; Warschau, V. Oktober. (Tel. p-^Wr^Morgenzcirung".) Die AssmrilanUu, öle eine selüstLndige Liste zu den jetzigen Sejmwahlen' nicht eingereicht haben, schlossen sich penr^ polnischen „nationalen Regierungszentrum" (Liste Nr. 10)'an.! Auf dieser Aste,figuriert eine -größere Anzahlausge-- fprochener Antisemiten^ Vpn den Asfnnilanten kandidieren auf dieser Lifte: Dr.- Ignaz L am d a w ans Krakau, Abg. Dr. Henryk K 0 l i s ch e r, Dr. Philipp S ch l e i ch e r. Prof. Samu-t. Dickstern,.Abg. Dr. Nathan Löweustein und Abg. Dr. Ignaz St ein ha u s. - , Die Ka«-ftaaLenkonsereikz. Warschau, 6. Oktober. (Tel. d.' „Wr. Morgen^eitung".) Blätiermeldungen zufolge reist Außenminister Narnf0wie nach Reval, um am 8. d. an den Beratungen der M rn ist er d e rvi e r b a I t i s He n S t aal e « teilzunehmen. Bei dresen soll - über deren - gemeinsames Vorgehen' mit Polen auf der A b r ü st>u N g S k 0 n f e r «st 3,: dievon der Sowjetregierung einberüfen ist, verhandelt werden. -Auch die von Fmilland uNterlasiene- Ratiftzic-' rung des Vertrages mit Pole« Wird zur Erörterung/ gelangen. Lettland wird durch den Minister M a j e r 0 wie und EftIand durch Minister Mip vertreten sein. Direkte Berdi«ku»g «it der Sowjet« Ukraine.'' Warschau, b. Oktober. (Tel d. ,,Wr. Morgenzeitung"P „GazeNa Poranna" meldet, daß mit . der, Einführung einer direkten Eisenbahnverbindung zwischen Polen und Sowjct- Ukrain«-über Po.bwvlcczyskä auch eme direkte telegraphische Verbindung zwischen beiden Ländern hergesMt wird. Des? gleichen denkt nran auch daran, eine telephonische Verbindung rinzurichten. Palästina. fit Die ( . rvung her peilaftinMs' Ätaatsbürgerschafr. Jerusalnn, S.' Oktober. (I. C. B.) Bis zum 1. Oktobei haben 2000 Juden tu Palästina sich um die palästinensische Staatsbürgerschaft beworben. In diese Ziffer sinö jeite: Juden - nicht eingeschlossen, die als. ehemals otwmani- .sche Staatsbürger im Sinne des Friedensvertrages unk Vex neuen Vcrfassuirg automatisch, ohne sich, erst darum bewerben zu müssen, palästinensische Staatsbürger geworden sind. Das anfangs Sepreurber erschienene Regierungsdekret betreffend - die Erwerbung . der Stqgtsbürgerschast in PaLäftina setzt eine- Frist von ztvei Monaten für hie Erwerbung der Stawtsbürgerschast durck freiwillige Ansuchen ftst. Es können also noch währetck des . ganzen .Monates- Oktober -derartige . Gesuche überreicht wevdM.'