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Wiener Morgenzeitung · 1922-10-04 · Heft 1310 (4.10.1922) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1310 (4.10.1922)
Date
1922-10-04
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Tritt 4 Wie«, MMWoch Me«err Mörserrsemmg. 4. Oktober 1SLS Nr. 1210 Tagesbericht. War-nmg! In letzter Zeit wurden Firmen und Einzelpersonen Unter Vorweisung von Empfehlungsbriefen, welche meine Unterschrift trugen, um Unterstützungen angegangen. In einigen Fällen wurden auch telephonische Anrufe zur Unterstützung des Ansuchens vorgetäuscht. In allen diesen Fällen handelt eS sich um Fälschungen, da Ich grundsätzlich keine EmPfchKmgs-riefe zum Zwecke der Erlangung'von Unterstützungen an irgendwelche Personen gebe. Ich Litte, Pe^onen, die meinen Namen tragende Unterstützungsempfthlungen borweisen, der Polizei zu übergeben und mich hiervon zu verständigen. Oberbaurat Robert Stricker, Präsident der Zionistischen Organisatiön. Zionistisches LandesKomitre für Oesterreich. Das Prügra«m des nächsten Parteitages wurde in folgender Weise festgesetzt: 1. Eröffnung. 8. Wahl des Vorsitzenden, 3. Wahl des Bureaus» 4. Wahl des Permanenzausschusses. S. Referat Über die allgemeine zionistische Lage» 6. Generaldebatte Über den Bericht des Landeskomitees, 7. Lage in Oesterreich. 8. Debatte» 9. Keren Kajestod uud 10. Wahlen. Wiener zloniMsches L»k«lk»«itre. Sn Ausführung der Beschlüsse der letzten Sitzung empfehlen wir den einzelnen Dezirkssektionen und Sonderorganisalionrn in der nächsten Zeit die Einberufung von Mil-liederversumml ungen, in »elchin die aus der Tagesordnung des nächsten Parieitages stehenden Fragen einer Vvrdiskussion unterworfen werden sollen. Referenten wird das Landeskomitee bei vorheriger rechtzeitiger Verständigung beipeÜen. Gleichzritig wird daran erinnert, datz die W a h l e n zum diesjährigen Parteitag in der Zeit zwif ch en 10. und iS. d. stattfinden müssen. Cs wäre empfehlenswert, die Wähierverfammlungen gleich zur Besprechung der oben erwähnten Fragen zu verwenden. Bisher haben Wahlversammlungen angemeldet die zionistische Bezirkssektion IV/V (Deferent Kerr Dr. L ö w e n h e r z) für den 12. d. und die zionistische Ortsgruppe Mödling (Referent Kerr N e b en zohy für den 11. d. Schließlich «ollen die Ortsgruppen und Bezirkssektionen die ihnen übersendeten Fragebogen ausgesüllt raschest zurücksrnden. Eiul»eruf«ng de, dritte« tschechoslowakische« Zio«iste»tages. Das Zionistische Zentralkomitee für die rschecho-slowakische Republik hat den dritten Lschecho-flowakischen Zionistentag für den 1. und 2. November nach Mähr.-Osträn einbenrfen. Reform der jsridischen ELubieU. Auf dem schwarzen Brett der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät der Meiner Universität ist folgende Kundmachung des Dekans vom 20. v. M. zu lesen: „Hierrvcken teile -ich -den Herren Studierenden der Rechts- und Stacrtswifsenschaften in Abschrift einen Erlaß unseres Unterrichts« Ministers vom 21. August d. I. mit, durch den eine äußerst wichtige Reform des Studiendetriebes anyebahnt ist. Von der Uederzougung gÄertet, daß die schrankenlose Lernfreiheit vielfach mißbraucht werde, daß die Vorlesungen und Hebungen an der rechts- und staatAmssenschafilichen Fakultätoft nur dürftig besucht sind, daß cm Stelle der von der dar Universität gebotenen. allmählich We aNfechEüve Mittel in GebvMch gekommen sind, deren Ziel eine bloß . mechanische MvichtUng zu .Prüfungszstvecken ist, hat sich die BündesvöAkvUng durch ein besonderes Gesetz (vom 24. Juli d. I.) die Ermächtigung verschafft, im Belrordnungswege den eingerisienen Mißbräuchen wirksam entgogenKutvoten. Um lurser künftiges Beamtentum und unsere Rechtsanwaltschaft vor schwerer Gefahr zu behüten, soll der Hebel vor allem beim Universitätsstudium augesetzt werden. Hier schon soll der Lerneifer gefördert und das gesunkene Pflichtbewußtsein gchobon werden. Dabei ist unser UMewichtsmpt sichtlich.bemüht, in die hergebrachte Äernfvoihe-it nicht allzu tief einzugvelftn, und erwähnt auch eine ausreichende Frist für dm Uebergang zur neuen Ordnung. Anderseits wäre es sehr unrichtig, au dm vollen Ernste der jetzt Ln die Wege geleiteten Reform §u zweifeln. Zu den bisher vorgeschriebenen OWgattwvlofungen treten nunmehr Mtgate UabnngSkollogim. Und, was «roch echoblicher ist: zur Pficht gemacht -ist nicht bloß die An- und Abmeldung und der fortdauernde Besuch, sowie die tätige und erfolgreiche Teilnahme an den Udbungen. Jeder -UebungÄeiter ist verpflichtet^ den Herren Studisvendm zum Scmesterschlutz ein Zeugnis auszufertigen Über dm fleißigen Besuch und darüber, daß der ZeugniSwerber mitgeavbeitet und in dm Uebunigen feine Kenntnisse gemehrt hat. Unerläßlich ist die Teilnahme an mindestens drei Hebungen, und zwar je einer aus dm Fächern der rechtshistorischeen, der Miziellen und der staatSwissenschaftlichen Gruppe. Die Zulassung zn den drei Staatsprüfungen und ebenso. zu dm drei Rigorosen ist schlechthin abhängig gemacht von der Vorlage eines günstigen Erfolg ausweisenden Zeugnisses -über eine Ueibung in einem Gegenstand der betreffenden Fachgmppe. Weder die Prüsuugspvästdes, noch der Dekan, no chdis Fakultät sind befugt, von der Pflicht der Zengnisvovlage zu entbinden. Auch das UnterrichtSamt hat darauf verzichtet, sich das Recht der Dispensation vorzubchätten. Derirnach -ist der gedachte Zwang ohne jede Ausnahme zu handhaben. Ueber die Emvichdurrg der Uebungen, über die Begrenzung der Tolbnchme-rzcchl, über die Ginfühmng der Listen von .Mittzlkbwm u. a., hat das Professoverckollegium im Oktober d. I. Beschluß zu fassen «md seine Anträge dem UnterrichtSamt vürzulogdn. Das Nähere wird den Hervm Studievendm seinerzeit durch AnMag bekannt gemacht werden." ,B»be«"-Streiche. . Der Kasieneinbrecher als Spielbankunternehmer. In der Nacht zum 31. Mai wurde im Hauptpostamt zu Marienbad ein Kasseneinbruch verübt. Me Täter erbeuteten 368.000 tschechische Kronen. Am 1. Juni um halb 3 Uhr früh wurde in Preßburg beim Eintreffen des Prager Schnellzuges der 36jährige Reisende Viktor Hora, ein Preßburger, angehalten, in besten Besitz eine braunlederne Aktentasche mit 6316 tschechischen Kronen und erstklastige Einbruchs Werkzeuge gefunden wurden. Darunter war auch eine abgebrochene Stahllzange. Man überzeugte sich, daß die Bruchstelle der Zange 'ganz haargenau zu der Spitze paßte, die den Einbrechern, in Marienbad abgebrochen war und auch noch dort gefunden worden war. Dadurch war der Zusammenhang kriminalistisch einwandfrei hergestellt. Horak gebrauchte, allerhand 'Ausreden; die Nachforschungen stellten aber seine Zusammenarbeit mit'einem lange gesuchten, befrucht igten Einbrecher fest, der sich Franz Pichler mnnt, ^taber richtig Ludwig Ladislaus Rys heißt, am 2. Augnstl *894 zu Wien geboren und der Sohn eines vor Jahren verstorbenen Briefträgers ist. Cr hat unter vollem Namen und als Landesproduktenhändler aus Zwittau im 6. Bezirk, Schönbvunnerstraße 32, bei einenc Friseurmeister gewohnt,' der keine'Ahnung hatte, welch gefähEchen Gast er beherberge. Ex hat sich aber nie ständig in der Wohnung aufgehalten, sondern-ist-nur hie nnd da hingekvmmen. Als die Polizei einschritt, war der Mann schon fort; dafür wurde äber festgestellt, daß oft und M M eleganter junger Mann zu ihm. glommen D. In MM Lichtbild des berüchtigten Kasseneinbrechers Leopold Buben, eines ehemaligen Bankbeamten, wurde der häufige Gast Rys' wiedererkannt. tmoameammmm als der kleine Edgar schon längst gesund war, beichtete dies die Magd ihrem Pfarrer. Kurz darauf läßt die Inquisition durch Gendarmen den kleinen Edgar mit der BegrünÄung, daß er als Getaufter der katholischen Kirche angehöre, ergreifen. (Juni 1858). Me Vorstellungen der Eltern, daß ihnen von einer solchen Taufe nichts bekannt sei, halfen ebenso wenig, wie ihr Flehen und Bitten. Der Knabe wurde sofort nach Rom in ein KlMer gebracht und dort in streng katholischem Sinne erzogen. Meser schmachvolle Raub eines unschuldigen Juderckwaben, der zu dvn unerhörtesten Fallen religiöser Grausamkeit gehörte, entrüstete ganz Europa. Jüdische Notabeln aus Deutschland, Frankreich, England und Sardinien schritten sofort beim Papst Pius dem Neunten ein. Sie ließen auch durch die Gesandten ihrer Staaten in Rom, sowohl beim Papst, als auch bei besten StaMsÄretär Antonelli intervenieren. Selbst Napoleon der Dritte interessierte sich für diesen Fall und ließ durch seine Gesandten beim Papste vorsprechen. Auch Kaiser Franz Josef der Erste schrieb diesbezüglich au den Papst. Me' diese Interventionen halsen jedoch wenig. Pius der Neunte erklärte dies ganz offen den jüdischen Gemeindevorstehern in Rom, als sie diesbezüglich Lei ihm vorspvachen. Bekannt ist seine damalige Aeußerung „ich pfeife aus die ganze 2Mt"/ Edgar Mvrtara verblieb trotz alldem weiter im Kloster, wo er zum Augustinermönch herangebildet wurde; späterhin betätigte er sich als Misiionsrnönch.*) Die, englische, französische und deutsche Judenschaft protestierte in verschiedenen Kundgebungen gegen diese Schmach des Jahrhunderts. In den Westlandern interessierten sich Adolf v. Rothschill) und Moses Montefiote Persönlich für jede Intervention in der Mörtara-Angelegen- *•) Heber Mortava siehe: Bogelstein-Rieaer, Geschichte der in Nom, Band 2, Seite 382. M. Phllivvson: NLu^'tt-e tex Jößttb. 38ft / \ heit. In Oesterreich allein aber, innerhalb dessen damaligen Reichsgrenzen dieser Zwischenfall sich abgespielt hatte, rührte sich die Judenschaft zu keinem wirkungsvolleren Protest. In Galizien wollten zwar einige Städte, wie Brody, Schritte zu einer Aktion einleiten, sie fragten auch diesbezüglich die Lemberger Gemeinde an, diese jedoch leitete alle. Anfragen an die Wiener Judengemeinde, ohne aber von ihr irgendwelche Weisungen zu erhalten. Diese Ruhe schien Deutsch viel zu gefährlich. Er wähnte, es sei die Stille vor einem Sturnr. In geradezu denunziatorischer Weise machte er die Regierung auf..den Umstand aufmerksam, daß „jüdische Neologen gleich den übrigen kirchenfeindlichen Kreisen allerivärts.eiftig bemühet", sind, die. Rabbmer und altglcnrbigen Juden zu einem Protest gegen die Mortara-Angelegenheit zn veranlassen. Ja, er ging noch weiter. Zur selben Zeit wurde auch in Wien ein zwölfjähriger Knabe wider den Willen seiner Eltern getauft. Nun macht Deutsch aus eigenem Antrieb das Kultusministerium^') darauf aufmerksam, daß die Neologen die Absicht hätten, dies „vor das Forunr der Oeffentlichkeit zu bringen, diese Angelegenheit mit dem Geschehenen in Bologna zu identifizieren und mit zu verwickeln." Deutsch hielt es also im Interesse der . orthodoxen Judenheit für ratsam, die Neologen selbst wegen ihres vermutlichen Protestes gegen die Zwangstaufe eines jüdischen Knaben bei der Regierung anzuzeigen. Aber dies genügte Deutsch bei weitem noch nicht. Er erließ — ähnlich wie im Jahre 1853 in der Frage des Oktoberpatentes — ein Rundschreiben^*) gu mehrere Rabbiner, in dem er Mit Stolz feststellt, daß „sich nicht ein einziger orthodoxer Rabbiner in Europa den jüdischen Ncologen in dieser Frage augeschlossen hat". Er meint, daß „die Yemünftige und. lobenswerte Haltung der. österreichischen Rabbiner, die Kahn I. c., Seite 40' und 47,- £Labn» l Lesti 4L 4L Nun hatte man den Zusammenhang klar gestellt; denn Büben war der ständige Gefährte des angeblichen Pichler bei einer großen Anzahl Kasseneinbrüchen, die im Jahre 1918 in der Dschecho.-Glowakei verübt worden sind. Aus ibr.-r Wohnung in-der SchönbMNnerstvaße waren sie Mitte Inn', also bald nach dem Kassenoinbvuch in Marienbad, mit einem Automobil, in das mehrere neue lederne Koffer verstaut wurde):, weggt fahren. Mitte September fand die Sache eine seltsame Lösung durch ein telegraphisches Ersuchen der Stellera'.nrinistration in Klagenfurt. Diese erbat eine Hausdurchsuchung bei dem 42jährigen Kcmfnrann Josef Weirmger, 6. Bez., Girakdigaste 10 wohnhaft, der der Steuerhinterziehni'.g verdächtig erschien. Die Amtsorgalre fanden dabei Akten, ein Kassebuch und sonstige Belege, die darauf schließen ließen, das; Weivulger mit einer Spielhölle die sich im heurigen Soma.er in Vörtschach etabliert und großes Aevgernis erregt hatte, in Zusammenhang stehe. Außer fünf Michern und drei Mrenmappen faub man einen BertvagSenttmtrs, aus dem hervorgeht, daß ein gewisser „Ludwig Rys" in Pörtschach als Unternehmer des „Pörstchacher Sport- und Geselligkertsklubs" fungierte und der Gemeinde Pörtschach gegenüber für die Dlüd'.>ng des Klubs sich zrc einer einmaligen Pauschalzahlung von fünf Milionen Kronen verpflichtet hat. Unter den Belegen waren auch solche, die Ausgaben des Nys im Betrage von eindreiviertel Millionen bestätigteit. Mehrere Quittungen trugen die Unterschrift des Sekretärs des Klubs „F r a u e n b i c u ft". Nun war die abgerissene Spur gefunden. Ludwig Rys, der Spielbankuntern ehmer, und Ludwig R y s, der K a s se n e i n b r e ch e t vou Marienbad, tvarerr eine und dieselbe Person; aber Rys war zur Zeit der Entdeckuilg schon über alle Berge. ... . .. Die Obsthändlerin als Fra« Direktor. Weiringer wurde emveriwmmen und erkennt in dem ihlu vorgelegtei: Bilde des Kasseneinbrecher „Frairz Pichler" den Direktor des Klubs Ludwig Rys und in dem ihm vorgelegten Bilde des Leopold Buben das des Sekretärs im „Flaueudieust". Das Geudarmerieposteilkommando Pörtschach tvurde um Sicherstellung der der Gemeinde geleisteten Abgabe von 5 Millionen ersucht, da anzunehmeu ist, daß das Geld von. dem Marienbader Kasseueinbruch stammt. Weiters wurde in .Erfahrung gebracht, daß eine Dame, die Rys in Pörtschach als seine Frau ausgegebcu hat, die 31jährige Obsthäudlerm Hermiue Hammer, zu Neustift in: Burgenlaude geboren, ist. Sie lebte von ihrem Gatten geschieden in der Rauchgasse 7 a. Mitte August waren Rys, seine angebliche Frau und der „Sekretär Buben-Frauendienst" au8 Pörtschach goflehen; denn sie hatten das unangenehme Gefühl, daß die Polizei hinter ihnen her sei. - , Die Aerhafttlng auf dem Fußballplatz. Rach allen drei Personen wurde nun gesucht, und vor einigen Tagen konnten Kriminalbeamte den B u b e n tatsächlich bei vinem der großen Fnßballmatchs auf der Hohen Warte festnehmen, wo er, elegani gekleidet, dem Spiele bovvohnte. Er wurde einverronnuen und gab an, das; er wohl mit Rys im Jahre 1918 in Prag einen Kasseueinbmch verübt, ihn dann wieder erst im Februar l. I. in Wien durch Zufall getroffen hat. Damals erst soll ihm der Mann, der ihn als Jdentitätszeugen bei Ausstellung eines Paffes brauchte, erklärt haben, er heiße richtig Rhs. Im April -habe ihm Rys schon von der Aussicht der Gründung^ -der Spielbank in Pörtschach gesprochen und ihm schon damals den Sckretärposten in Aussicht gestellt. Ausnugs Juli iwill Buben anden Wörthersee gefahren sein, wo er den Rys schon, als „Direktor" der Spielbank antraf. Er wurde Sekretär und hatte tägliche Einnahmen von 15.000 bis 30.00. Kronen, je nachdem die Geschäfte gingen. Er im als die frömmsten und hervorragendsten Schriftsteller bekannt sind und' die itt dieser Sache nicht das geringste veranlaßt haben, was der kaiserlichen Regierung nüßfallen könnte", auch die übrigen Rabbiner Europas hievon a'bgehalten habe. Seiner Ansicht nach wollten die Neologeu durch die Proteste nur öffentlichen Skandal und Aussehen erregen und „sonrit alle revolutionären Elenleutc zu ihrer Unterstützung bereit uiachen". Nicht die religiösen Grundsätze allein, sind es, die die Orthodoxen vor: einen: gemeinsamen Vorgehen mit den Reformern ab'halten, sondern viel mehr ihre betvährten regierungstreuen Gesinn:u:gen, die aus diese Weise „die gute Meinung der europäischen Regierungen über die politischen Gesinnungen ihrer israelitischen Staatsangehörigen" nicht schädigen können. .Da da mals ri\V London unter Monl'efiores Borsitz ein Meeting den Beschluß faßte, sämtliche Juden in.Europa auf;»- fordern, bei ihren Regierungen zugunsten der Mortara- Angelegenheit einzntreteN, wobei insbesonders auf die Vtitwirkung der österreichischen Rabbiner und Juden ein starkes Gewicht gelegt würde, sah sich Deutsch bemüssigt, in seinem Rundschreiben hierauf aufmerksam zu inachen und zu erklären, daß Montefiore nur unter den: Drucke der Presse den. Vorsitz geführt habe und sicherlich zufrieden wäre, wenn die Aufforderung dieses Meetings erfolglos bliebe. Aus diesen: Grunde wären die schriftlichen Aufforderungen über die Mortara-Angelegenheit nicht zn beachten und diesbezüglich gm keine Schritte zu unternehmen. So hätte also Deutsch in dieser Angelegenheit das Interesse der katholischen Kirche den: der Juden vorangestcttt Und die Rabbiner von Protesten, abgehalten, um, welche Ironie als vermeintlicher Führer der orthodoxen Iudetcheit —, der damals an: StaatsrMr befindlichen klerikalen und streng . katholischen Parte: einen Gefallen, wenn auch mit Hintanhaltung der jüdischen Interessen zu »rwelleir. * " vr*. fy7.Trxx±Ltr-*ML*: l

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