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Wiener Morgenzeitung · 1922-09-27 · Heft 1304 (27.9.1922) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1304 (27.9.1922)
Date
1922-09-27
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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F5^?-?{'-r-!.J^ rj^r'fV riv'mpy/WPjww^WVTW}' Nr. 1304 Wien, Mittwoch Wiener Morgenzeitung. 27. September 1922 Seite 3 richten zuerkannten Rechte vielfach g erlüg e r sind als die der moslemischen religiösen Gerichte und urgiert Leim High Eommiffioner die'Notwendigkeit, den Juden in dieserH'rn-. sicht die gleiche Behandlung zuM werdeU zu laffen. Bevorstehende Erleichterung der Eirrchandervng nach PalLMna. . Jerusalem, 25. September. (I. E. B.) Wie wir aus verläßlicher Quelle erfahren, werden die wiederholten Interventionen des Waad Leumi bei den Behörden wegen Erleichterung der Einwanderung nach Palästinaa von Erfolg gekrönt fein. Namentlich die setzte Aussprache des Waad Leumi mit dem,High Commissioner selbst und die von ihm Lei dieser Gelegenheit eingenomnrene Stellung zu dieser Frage berechtigt zu der Erwartung besserer Aussichten für die jüdische Einwanderung ins Land. Man glaubt zu wißen, daß mehrere Enrschränknngen demnächst aufgehoben werden soffen. Wahrscheinliche Ernennung eines jüdischen Dizegonverneurs. Jerusalem, 25. September. (I. C. B.) Wie wir erfahren. soll der Polizeidirektor von Nazareth Kliczewski zum Mzogouvernour von Liberias ernannt werden. Die Veröffentlichung des Ernenmmgsdekrets wird in den nächsten Tagen erwartet. Ern neues jüdisches Viertel in Haifa. ■ Jerusalem, 25. September. (I. E. B.) In Haifa tvuvde vor einigen Tagen ein großes Grundstück erworben, wo ein neues jüdisches Stadtviertel errichtet werden fott. Die arabische BvvkottÄewegnng. Jerusalem, 23. September. (I. C. B.) Wie jetzt bekannt wird, hat der arabische Kongreß in Nablus, der in einer feierlichen Resolution den Boykott der jüdischen Waren proklamiert har, den Beginn des Boykotts als nationalen Feiertag erklärt und sofortige Schritte empfohlen, um in allen Städten arabische Konsumgenossenschaften zu gründen und auf diese Weise den jüdischen Handel zu stören. Es sollen schwane Listen derjenigen Personen veröffentlicht werden, die den Boykott durchbrechen. Der Kongreß hat eine Aveigliedrige Abordnung zu Emir Abdallah entsandt, um von chm wegen seiner Haltung in der letzten Zeit Aufilärung zu verlangen. London, 23. September. (I. C. B.) „Manchester Guardian" schreibt' in feiner Hanidelsbeilage, die als das maßgebendste Handelsblatt gilt, folgendes über die arabische BoykottbÄvegung in Palästina: „Die allgemeine Meinung ist. daß diese Boykottberveguttg nicht andauern wird. Tau-, sende Araber sind bei' jüdischen Kolonisten beschäftigt, die Fellachen (die arabischen Kleinbauern) sind gänzlich auf die Mischen Konsumenten angewiesen, die. ihnen Eier,,Milch, Geflügel und Ewmüfe abnehmen. Sollten die Juden auf die Bcykvttparole der Araber mit der Parole „kauft nicht bei den Arabern", antworten, so wäre die Kalamität für die Araber viel größer als für die Juden." Verbot Arabischer Zeitungen. Jerusalem, 21. September. (I. E. B.) Die hiesigen Behörden entzogen, zwei arabischen Blättern, die in Berl.i u erscheinen und unwahre, aufreizende Berichte bringen, dtz- Postdebit für. Palästina. Entsendung eines Speziardelegierten der engsischenRegierunq «ach Palästina Aus London wird dem „Haaretz" berichtet, die englische Regierung habe beschlossen, Colonel Lawrence als Spczialdelegierten nach ^lästma zu entsenden, um die Lage im Lande, unter den durch die, nach Ratifizierung des Mandats und Proklamierung der Verfassung, nmgeschaffcneu Bedingungen zu studieren und auch das Verhältnis zwischen Juden und Arabern genau zu untersuchen. Colonel Lawrence, der als Fachmann in Fragen des Nahen Ostens und in der Araberfrage gilt, stand während des Krieges den jetzigen Königen Hussein und Fehsul nahe und war diesen bei der Leitung der arabischen Politik und bei den Unterhandlungen mit den Alliierten behilflich. Nach Friedensschluß wurde er znm ersten Rat des, Colonial Office für arabische Fragen ernannt, welches Amt er vor einigen Wochen mit der Begründung wedevlegte, die Lage in Mesopotamien und in den übrigen arabischen Ländern sei eine solche, daß das Ministerium bezüglich derselben keinen besonderen Rat 'knotige. Run-schau. P> äsidekt Hardiugs Ne«jahr»grrrtz a« dir Audr«. New-Aork, 23. September. (I. C. B.) Aus Anlaß oou Nosch Haschanah ricktcle der Präsident der Bereinigten Siaa'eu A. Ha rd i n g folgende Botschaft an die jüdische Bevölkerung: Dir Gedächtnisfeier dieses Rasch Haschaucch, des NeniahrStages des Ziidifchen Volkes, wird daS Ende.eines in den Annalen des Judentums besonders denkwürdi,gen Jahres bezeichnen. ES scheiy.^l daß; bte; endgültige ZnstHevyn« an das jüdische Volk, das; seine langjährigen Hofflckngen auf die Wieder- Genf, 25. Sdptember. (Havas.) DaS Fünferkomitee hat von Regierungszustimmungen betreffend die zur finanziellen Wicderaufrichlvng Oesterreichs verlangten Garantien Kenntnis acnemmen. Die erste derartige.Antwort lief von Frankreiein, die zweite vor: der Lschecho-Slowakei. Die englische Antwort ist bischer noch n i ch 1 e i n g e t r o f f e n. Genf, 26. September. (Tel.-Komp.) Der Sonderberichterstatter der Telegraphen-Kompagnic berichtet aus Genf: Wie in gut'nform'arten Konferenzkreisen verlautet, werden die letzten, 20 Prozent der Garantiequoten für den an Oesterreich zu gewährenden'520 Milliouen-Kredit von Spanien Holland und Norwegen übernommen, werden, welchen Staaten, wie man hofft, auch die beiden anderen skandinavischen Staaten sowie die Schwe i z mit der Uebernahme einer Teilgärantie sich anschließen dürsten. Ferner verbautet, d.rß die Kreditgewährung an die Bedingung geknüpft werden soll, daß das österreichische Parlament ein Rahmengesetz schaffen wird, welches der Regierung für alle rnr-eren Reformmaßnahmen volle Handlungsfreiheit getvährt. »er Bundeskanzler wird dem Parlament »ertchte«. Genf, 26. September. Das österreichische Komitee wird seine Arbeiten knapp vor der letzten Sitzung der Völkerbundversammlung,' die für Ende dieser Woche in Aussicht genommen ist, beenden. Derzeit wird intensiv an der Formulierung der bereits vorbereiteten Entwürfe jener Vereinbarungengearbeitet, die in ihrer Gesamtheit den Plan für die finanzielle Wiederaüfrichtung Oesterreichs darstellen. Dieser Formulierung kommt natürlich infolge des Zusammenhanges /zwischen ' den wirtschaftlichen undp«vlitischen Fragen eine so große Tragweite zu, daß erst, wenn sie gefunden ist, das letzte Urteil über den Erfolg der Verhanldungen, die durch sie abgeschloffen werden sollen, gefällt Weiten kann. Gleichzeitig wird das einheitliche Schlußprotokoll, das diesen Vereinbarungen als Rahmen dienen soll, vorbereitet. Dadurch ist Vorsorge getroffen, daß, wenn die notwendigen Erklärungen der im österreichischen Komitee vertretenen Staaten vollzählig vorliegen wevden, nicht etwa aus technischen Gründen eine neuerliche Verzögerung eintvete. Demnach ist zu erwarten, daß der B u n d e s k a n z l e r und der Minister des, Aeußern schon in der nächsten Woche dem Parlament überden ganzen Komplex der Fragen berichten können, die mit der bis dahin hoffentlich endgültig mit dem Völkerbund und den Mächten vereinbarten Sanierungsaktion in Zusammenhang stehen. Genf, 26. September., Ministerialrat Dr. B r a u n e i s setzte heute seine Besprechungen mit den Mitgliedern des Finanzkomitees fort. Außerdem konferierte er heute mit. dem von Wien nach Genf zurückgekehrten früheren, russisches Finanzminister B a r k, der bekanntlich eine führende Stellung in der Verwaltung der Anglobank innehat. Bundesminister Dr. Grünberger und Sektionschef Dr Schüller haben an den Sitzungen des juristischem Sub< komitees teilgenommen. Der englische SLtmdPrmtzt. Prag, 26. September. (Privat.) Der bekannte ftaN« zösische Journalist Philipp Millet meldet aus G e n f' der „Prager Presse", daß das österreichische Sanierungs- Programm bereits fertiggestellt ist, daß aber noch die Zustimmung Englands aussteht. Obzwar in dieser Hinsicht in Genf ein großer Optimismus herrscht, meint Millet, daß es notwendig wäre, sich nicht früher zu freuen, bevor England seine Zustimmung zu dem Sanierungsprogramm wirklich erteilt hat. Lord Balfour habe aus der österreichischen Frage eine Frage seines persönlichen Prestiges gemacht und Lloyd George ersucht, daß England den Garantieanteil für den Kredit übernehme. Bis zum letzten Augenblick war der englische Standpunkt in allen konkreten Fragen ein unfreundlicher, dir Lloyd George durch seine Erfahrungen im Hactg entmutigt war. Bei Beginn der Völkerbundtagung haben die Vertreter Englands kein Geheimnis daraus gemacht, daß ihre Haltung eine positive Hilfe für Oesterreich nicht erwarten lasse. Es sei Gefahr vorhanden, daß England Amerika im Desinteressement folgen werde unddvß alle Bestrebungen zur Rettung Oesterreichs erfolglos bleiben. Wenn England wirklich fernen Gavantieanteil nicht übernehmen füllte, so wären die Folgen aus der Zertrümmerung des Sanierungsprogramms und die Komplikationen, die sich daraus ergeben würden, viel: ärgere, als die man in Thrazien befürchtete.. Cs steht daher zu erwarten, daß die Bestrebungen, Oesterreich zu helfen, j einen positiven Erfolg aüfweisen werden. Die Tschecho- I Slowakei nimmt hieran in hervorragendem Matze teil. ervichtung der jüdischen Nationalität im .Hoimland dieses großen Volkes nunmehr, endgültig, verwirklicht werden sollen. Dies ist ein Ereignis von merklicher Bedeutung nicht allein für 'MischetBolK'sondern.-auch'für dessen Freunde und Gönner allüberall; die amerikanische Nation ist imm-er darauf stolz, zu diesen gezählt zu werden. Präsident Hardisg ratifiziert die zionistische Resolution. Washington, 21. September. (I. C. B.) Der Präsident kr Bereinigten Staaten unterzeichnet di« Resolution, die vor kurzem durch Senator Lodge im Senat und durch Congreß« man Fish im Repräsentantenhaus eingebracht wurde und die, die Unterstützung der zionistischen Bestrebungen durch Amerika verspricht. Deutschland und der Völkerbund. Genf, 26. September. (Tel.-Komp.) Der Sonderberichterstatter der Telegraphen-Compagnie meldet, daß die Bemühungen, Deutschland zum Eintritt in den Völkerbund zu bewegen, in aller Stille eifrig fortgesetzt tverden. Besondere BÄeutung wird in dieser Hinsicht der gestern abends plötzlich erfolgten Abreise des Berliner tschechischen Gestmdten T u sa r beigemessen, der hier allgemein als der Mittelsmann zwischen der deutschen Regierung und dem Völkerbund gilt. Mit allem Vorbehalt sei das Gerücht sviedergegeben, daß Deutschland n och vor d e m 1. O k t o b e r sein Aufnahmsgesuch bei dem Generalsekretär der Liga emveichen wird. Die Exkaisers« will «ach Ungar». Madrid, 26. September. (Havas.) Es sollen . Schritte unternommen werden, um der Exkönigin Zita den Aufenthalt in Ungarn zu gestatten. Im Falle des wahrscheinlichen Scheiterns dieses Ansuchens würde die Exkönigin in Xexes öder Algesiras Aufenthalt nehmen. Italien und Palästina. Aus T r i e st berichtet man uns: In den verflossenen Tagen fand hier cm i t a l i e n i s ch - o r r e n t a l r s ch e r Kongreß statt, an welchem ein Minister als Vertreter der Regierung sowie verschiedene Senatoren und Abgeordnete teilnahmen. Unter anderem wurde die Frage der Beziehungen zwischen Italien und dem jüdischen Palästtna ausführlich erörtert. Zu diesem Thema berichteten Dr. Dante Lattes fiir die italienisch-zionistische Organisation und Dr. Sullam für das jüdisch-italienische Emigrantenhilfskomitee. Es wurde eine Resolution angenommen, Ivelche auf die Notwendigkeit hinweist, der jüdischen Emigration näH Palästina die größtmöglichen Vorteile auf sanitärem; Gebiet sowie bei den Personen- und Frachtpreisen auge> dcihen zu lassen., ^^_ TageHhericht. Die zerbrochene Fensterscheibe. < (Eine jämmerliche. Tragödie von 1922.) Als der alte Buchhalter mittags die Türe seiner Wohnung aufsperrte, da klang ihm nicht wie sonst ein steundliches „Grüß dich Gott!" entgegen, sondern es herrschte tiefe Stille, die. plötzlich von einem rauhen Aufschluchzen unterbrochen wurde. Mt drei Schritten war der Alte in der Küche. Da saß im dunkelsten Winkel seine Frau zusammengekauert als friere sie und weinte vor sich hin^ „Was hast du? Was ist gefchchen?" fragte der Aiann hastig. Und als sie nicht antwortete: Bernhard!" Bernhard war der jüngste Bnrder von Frau Regme, der letzte Verwandte der beiden Alten, von dem jüngst die Nachricht eingetroffeu, daß er an einer Lungenen^ündnng erkrankt sei. Die Frau schüttelte den Kopf. Nein, vom Bruder hatte sie nichts gehört. Das war es nicht. „Gott fei dank," sagte sie nach alter frommer Sitte, aber der Dank klang durchaus nicht freudig. Auf eine neuerliche dringende Frage kam es zögernd: „Mir ist hente eine Fensterscheibe zerbrochen." Fast ging es wie eine Erleichterung über das angstvolle Gesicht des alten Mannes. Eine Fensterscheibe, bah, wenn's sonst nichts ist — das war schon oft genug pafficrt in seinem Hause. Aber dann erfaßte ihn das Grauen der Wirklichkeit. Eine Fensterscheibe! Was mochte das wieder kosten? Und er wußte ja ohnehin schon nicht, wie er das Notwendigste beschaffen , sollte. Die Jungen,' die dürffen -Forderungen stellen, ein alter Buchhalter, denn man „um Gotteswillen" Arbeit gibt, der muß sich bescheiden, der muß sich so still als möglich halten. Denn eines Siebzigers Arbeitskraft, die muß billig sein, sehr billig, sonst... Dem Alten bricht der kalte Schweiß aus, wenn er daran denkt, daß er Vorschuß verlangen muß, eine Aufbefferung... „Wie ist dir das nur geschehen. Kannst du nicht achtgeben!" schreit er, außer sich vor Zorn und Verzweiflung. ' . Die Frau schrickt zusarnnnn. In ihrer bald vierzigjährigen Ehe hat sie noch kaum ein hartes Wort' gehött. Als der Alte den Ausdruck irrer Angst in ihren Augen sieht, kommt ihm die Reue. Müde streicht er ihr übers Haar. Scham und Bitterkeit schüttelt'ihn. Scham, daß er so weit gekommen, sein Weib um einer dummen, lächerlichen Fensterscheibe angeherrscht, Bitterkeit, daß er ihr nach all der Arbeit, Last und Plage in ihren alten Tagen auch diesen letzten herben Tropfen des Lebens einer Ofen Sie nicht bevor Sie unsere Konkurrenzlos billigen Preise fiir Regenmäntel, engl.Stoff«, Damen* u. Herren- Wäsche, Stricka Wirkwaren eto gehört haben. S II., TaborstraSe 48 Telephon 47-1 *79 En giros En detail <

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