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Wiener Morgenzeitung · 1922-09-22 · Heft 1300 (22.9.1922) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1300 (22.9.1922)
Date
1922-09-22
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr.-1300 Men, Frellag SSIeiter M-rseitzettitns. 23. September 1923 Seue kenS ist.) Obzwar der-„Vorwärts" sich als sozialistische! Zeitung gibt, dient er aber den Interessen des „Gompersis- Hanotau» (Frankreich) befürchtet, daß die Jitterdention des. Völkerbundes in , der Minderheitenfrage . die Autorität der Regierungen zerstören könnte, und wünscht, daß man -infolgedessen mit, äußerster Vorsicht vorgehe und nicht etwä 'eine Arbeit leiste, . die dfe Regierungen in chren Bestreben hindern könnte, sich die, Minderheiten zu qssimilieren. Diese inneren Bestrebungen der Staaten sollte der Völkerbund unterstützen. , Nach der Rede Hanotaux wird ohne Widerspruch eine R e so l u ti on. angenommen, in der das Generalftkreiariat des Völkerbunds beauftragt wird, alle Info r mation e n über etwaige V e r l e tz u n g en der Minderheitsvertrage festzuhälten und dem Rate darüber zu berichten, in welcher Weise die Minderheiten ihre Pflichten, gegenüber ihren Staaten zu erfüllen hätten. Eie Reparatioxifrase vor dem Völkerbund . Genf, 8fl. September. (Korr.-Bur.) Der Resolutionsentwurf über hie Reparationsfrage, den der französische Delegierte b e I o übe n e l morgen im Abrüstungsausschuß einvringen wird, hat folgenden Wortlaut: In Anbetracht her Tatsache, daßdie nvaterielle Abrüstung vorher die moralische 'Abrüstung'erfordert und daß diese, nur in einer Atmosphäreder D i ch e r h e i t und des gegenseitigen B ertrauen s verwirklicht werden kann, stellt die Bölkerbundversarnmlüng fest, daß dieses Vertrauen unmöglich ist, solange di^ Valutakrise, das wirtschaftliche Chaos und die Arbeitslosigkeit, an denen die Mlt leidet, andauern, und daß diese Schäden nur durch die Peenhigung der Unsicherheit geheilt werden können, die üM die Mittel besteht, mit denen die verwüsteten Ebnete wiederhergestellt werden können, sowie der Unsicherheit über die Regelu:rg der interalliierten Schulden^ Sie spricht den Wunsch aus, daß in dom Maße, in dem diese Frage unter alleiniger Mtwirkung tzkv europäischen Nationen geregelt werden können, die Skgnatarregierungen der Verträge und internationalen Abkomnren^ deren Gegenstand diese Fragen sind und in deren Rahmen sie ins Auge gefaßt Werder: müssen, so schnell Wie möglich zu einer gemeinsamen Lösung des Re Parations Problems und des Problems der intera l l i i e r t e n Sch u l d e n gelangen. ■ Sie spricht weiters den Wunsch aus, daß der Völkerbundrat allen Bemühungen, die in diesen: Sinne' von den interessierten Regierungen gemacht werden, ständige Auf- Uterkfamkeit schenkt, wobei vorausgesetzt wird, daß der Rat bei der Losung dieser Probleme nicht nützlich mittvirken . kann,, falls die Negier u.n gen ihn nicht dazu ausfordern. Die deutschen Sozialdemokraten für de« Eintritt Deutschlands in den DSlkevbnnd. Berlin- 21. September. Auf dem sozialdenwkratischen Parteitag in Augsburg erklärte Reichstagspräsident L c e b e, die Sozialde:nokraten könnten in diesen: Augenblick nicht abdanken und die Verantwortung den bürgerlichen Parteien überlassen. Das Reich kam: um die Erfassung der Sachwerte nicht hevümkornmen. Wir werden auf ihr b estehen bcI zur Erfüllmlg dieser Forderung. Im kommenden Winter werden die bürgerlichen Parteien vermutlich froh seU', mit jenen Zugeständnissen davon zu komme::: die sie vor einigen Monaten verweigert haben. Schließlich brachte der Reichstagspräsident einen Antrag ein, worin cs heißt: 3'U° Parteitag richtet an die Reichsregiernng das dringende' Ersuchen, unbeschadet der berechtigten Kritik an der Organisation und dem Verfahren des Völkerbundes, in: Interesse der Teilnahme Deutschlands an dem Wirtschafts- und Kulturleben, der Me:rfchheit den Eintritt des Deutschen. Reiches'-:,: den Völkerbund herbeizuführen, sobald sie damit einer der deutschen Wirtschaft und Kultur angemessene Stellung gesichert glaubt. Die Einigung der beiden sozinLdemokratischen Parteien in Dentschland. Augsburg, 21./ September. (Wolft.) In der heutigen Sitzung^ des sozialdemokratischen Parteitages wurde nach einen: Referatson Wels über die Internationale und die Einigung bes Proletariats das Aktionsprogramm der beiden sozialdemokratischen Parteien ohne Aussprache einstiinmig angenommen. Musiolini - Monarchist. Rom, 21. September. Mussolml bezeichnet in einer i\\ Udine gehaltenen Rede die Ncbernahme der Regierung durch di. Faszisten als den wichtigsten Pvogranrmpnnkt der Parten Die republikc-nische Tendenz sei überholt. Mussolmr, bekannte sich als Monarchist, erklärte , jedoch, daß sich die Monarchie nicht gegen den FasziSmus tjchten dürfe. Der neue faszistrfche Syndikalismus wende sich gegen j ede n" Streik und gegen den K l a ff e nk a m p f. MüssöllN.i erklärte schließlich, ohne Fiume und ohne DalnmtMgebe es keine italienische Einheit, und wandte sich gigen/die Vcrzichtpolitik. (Der gewesene radikale Sozialist - und Redakteirr des „Avanti" hat immerhin eine ungewöhnliche Entwicklung durchgemacht!) Tagesbericht. Die jüdische Arbeiterbewegung in Amerika. Ein Vortrag David Pinskis ln Wien. Am 20. d. hielt der, gegenwärtig in Wien weilende jüdische Dichter David Pinski im Lokal der „Scholle" eiüen Vortrag über die jüdische Arbeiterbewegung in Anwrika. Pinsk: führte unter anderem aus: Die Geschichte der Arbeiterbewegung in Amerika, an der'ich persönlich 23 Jahre terlgenomen habe, zähl: zirka 30 Jahre. Die Arbeiterbewegung hat ihre Entstehung und Entwicklung dem großen Immigwntenstrom ans Europa und hauptsächlich den jüdischen Immigranten zu verdanken. Der erste jüdische Immigrantenstrom hat sich unfähig gezeigt, ein wirkliches Proletariat zu schaffen, und hat sowohl den Juden als Amerika wenig Ehre verschafft,, denn das erste Einwandererelement war ganz prinzipienlos n:vd hat, um Geld zu rnachen, zun: Handel in den Dörfern gegriffen, lvas nicht imnrer aus ganz reelle Weise zugegangen ist. Erst der große, jüdische Immigrantenstrom der achtziger Jahre nach den Pogromen in Rußland hat sich teilweise der Arbeit gewidmet. Nachdem die Immigranten in ihrer Heünat keine qualifizierten Arbeiter waren, mußten sie, in Amerika angekommen, zu einer leichten Arbeit greifen, und zwar zur Schneiderei, Kürschnerei und Zigarettenindustrie Auch diese Immigranten hatten keine Absicht gehabt, lange Zeit m Amerika zu verbleiben, sie wollten bloß Dollar sammeln, um dann wieder in ihre Heimat zurückfahren zu können, wo sie mit den: neuerworbenen Gelde ihren. Kleinhandel weiter zu betreiben beabsichtigten. Erst anfangs der neunziger Jahre halben die teilweise pvoletarisierten jüdischen Immigranten eingesehen, daß sie sukzessive der alten Heimat entfremdet werden, und befreundeten'sich mit dem Gedanken, Amerika als ihre neue Heimat zu betrachten. Dieser Umstand wie auch das Eintreffen der. ersten jüdischen Sozialisten und jüdischer Jntellige:^ aus Europa bewog die jüdischen Avbeitermassen, sich aus einer sozialistischen Unterlage zu organisieren. Noch von früher her haben jüdische „Unions" bestanden. welche jedoch auf derselben schlechten Basis wie dir anderen amerikanischen „Unions" anfgebmrt waren, und zwar haben nicht die Arbeiter, sondern bloß die Arbeiterführer vgn' diesen ,.Umons" Nutzen gezogen. Die Arbeiterführer haben nämlich auf verräterische Weise Streiks heraufbeschworen und hernach die Arbeiter hintergangen, wodurch sie ihre Taschen mit dem Gelde der Arbeitmrternehmer vollstopften. In Amerika kommt es schr oft vor, daß ein Arbeiterführer nach einigen Jahren seiner Tätigkeit entweder selbstein großer Unternehmer wird oder er kaust sich Palais oder Häuser; sürbt er jedoch' als Arbeiterführer, so binterläßt er seiner. Familie ein reiches Erbe. Der Führer dieser „Unions" ist der bekannte Ä o mpers und die Bewegung wird nach ihm benannt. Hauptsächlich stützt sich dieser „Gomperismns" darauf, daß er die „Unrons" in Form von gesonderten Fachorganisationen erhält und daß Shmpathiestreits verhindert werden. Auf solche Weift ist es viel leichter, die Arbeiter zü betören und Stveikbrecher zu gewinnen. finden. Als Erste haben sich von der Umonbewegnng die jüdischen Damenschneider losgelöst, welche die größte Bereinigung auf sozialistischer Grundlage geschaffen haben; die Herrenschneider -dagegen blieben weiter in den früheren Verbänden, weshalb auch alle ihre Streiks scheiterten. Die jüdische Arbeiterbewegung hat vieles dem jüdischen 'Publizisten Josts S ch l o ß b e r g zu danken/ welcher als 13jähriger Knabe nach Amerika kam und sich selbst als Schneider weiterbildete. dtach einer Arbeit von mehreren Jahren finden wir ihn als Redakteur 4'iner sozialistischen Zeitung und ihm ist es gelungen, eine wirkliche jüdische Arbeiterbewegung zu schaffen. Die jüd»sche Arbeiterbewegung hat angefa-ngsn, die jüdischen ArLettermassen zu erziehen und zusammen mit dem jüdischen Mch die anderer Nationalitäten, die den jüdischen Ardcitlrveremen angehörten. Die jüdischen.Arbeitervereine habe« heute nicht nur Schulen, sondern auch Volksunivcrsitäten wo bekannte PWfessoven ihre Vorträge halten. Die jMsche Arbeiterbewegung in Amerika ist die Avantgarde von Amerikas Arbeiterschaft überhaupt, und so ist aüch daZ Verhalten gewisser hoher Regierungskre-ift zu den Jude« veMMich, welche unter den Worten „Jude" und „SoMist" dasselbe verstehen.' Eine der letzten und schönsten Loten der jüdischen Avberterbewchnng ist die Schaffung eims Fonds von einer Million Dollar, welcher Betrag als Stütze für den Wiederaufbau Rußlands durch Anschaffung von Maschinen dienen soll. Die jüdischen Arbeiter ha^: letztens auch eine Bant errichtet. Die erste jüdische Arbeitc^zritung ist in: Jahve 1895 gegründet worden. Neben andnen war hier Pinsk: selbst als Mitarbeiter tätig. Später erst entstand der „Vorwärts", um die nationalen Interessen der jüdischen Arbeiter zu verteidigen. (Charakteristisch ist. daß derselbe „Vorwärts" jetzt der ausgesprochenste §fciu? jedes nationalen Gedannlus". Eine andere sozialistische Zeitung „Die Zeit", die zwanzig Monate existiert hat und nmngels an Gelduütteln^ eingestellt iverden mußte, wurde von Pinsk: redigiert und hatte den Zweck, die schädlichen Wirkungey des vorwärts" zu bekämpfen. Die Ärbeitergewerkschaften in Amerika sind auf emonr solchen Ssistem aufgebaut. Laß jede Politik ausgeschlossen ist. Damit erklärt, sich, das; die Poale Zion keine direkte. Wirkung auf die Gewerkschaft hat. Das hindert jedoch nicht, daß viele Poale Zionisten an der Spitze der Gewerkschaften stehen. Gegenwärtig erscheint in Amerika noch eine Arbeiterzeitung, nämlich die kommunistische „Freiheit", die die Richtung des- „Vorwärts", bekänrpft. Es ftr aber ein großes Unglück für die jüdische Arbeiterbewegung, den Kommunismus in Ainerika zu propagieren, den Amerikawerd; davon nichts-gewinnen, dagegen könne die jüdische Arbeiterbewegung darunter sehr viel leiden. Charaktristisch ist für den typischer: Amerikaner, daß er an Angelegenheiten, die chm persönlich keinen Nutzen bringen, kein Interesse hat. Darum empfiehlt Pinsk: der jMschen Arbeiterschaft in Amerika in ihrem eigenen Interesse und im Interesse der Juden überhaupi, sich von gefährlichen linken Experimenten zurückzuhalten. Der Dichter erntete für seinen instruktiven Vortrag lauten Beifall. __ ZrsnMsches Landeskomitee jiit Oesterreich. Sämtliche Bezirkssektionen, Sondervexbände, Orts gruppen wollen u m gehen d Ort und Termin ihrer Wahlversammlung für den Parteitag dem Landeskomitee zwecks ^Aufstellung eines Wahlkalendariums und Entsendung Wahlkommissäve bekanntgeben. FürsorgefünKs für Paläftina- Emigranten. Wir bitten alle Gesinnungsgenossen und alle Juden die den Ausbau des jüdischen Paläsüna mit warmer Anteilnahme verfolgen, während der bevorstehenden Feiertage des Fürsorgefonds fi':r unsere Palästina-Emigranten eingedenk zu sein und ihm namhafte Spenden zugunsten unserer Chaluzrm zuzusühren, die' fern von ihren Angehörigen, auf der Reise nach Erez Israel die Feiertage in Wien verleben. Die Aufrechterhaltung unserer drei Heime in Wiew¬ und Klosterneuburg erfordert bedeutende Geldmittel, und ' es ist eine Ehrenpflicht der Judeüheit Wiens; daß sie opferwillig sich in großzügiger Weise an diesem Hilfswerk beteiligt. (Spenden sind direkt an das Palästina-Amt, Wien, 1. Bez., Bauernmarkt 24, -Mr. auf das Konto des „Füv sorgefonds für Palästina-Emigranten" bei der-Allgemeine Depositenbank, Filiale Taborstraße 7; zu überweisen.) Palästina-Amt Wien, 1. Bez., Bauermnarkt 24. Bonr Keren HsjessvÄ. Auf rnehrfache Anftagen teilen wir mit, daß ent- 1 sprechend den: für Oesterreich geltenden Maasserregnlattv^ das Maasserfreie Einkommen für die einzelnen Monate bei Der Streik der KnffeehnüsgehiLfe«. In: Laufe des gestrigen Tages hat die Situation feint' Veränderung erfahren. Die Genosseuschaftsvorstehrmg hat für eine rv-eiwerzweigte Organisation derart vorgesorgt, daß in jeder:: einzelnen Bezirke Komitees eingesetzt wurden, welche Permanenzdielvst halben. Nach der: Bericht«: aus den Bezirken läßt die Solidarität der Besitzer nichts M wünschen übrig. Vereinzelte Betriebs, die auf Grund falscher Jnsovmationen offen blieben, haben nach den ihnen zrvt-eil geworidenen-Aüsk-lärungen sich bereit erklärt, zu schließen. Nach Ansicht des Streikkomitees der Angestellten, ist eine rasche Beilegung des Streiks nicht zu/ erwarten. Kündigung der Musiker in den Konzertlokalen. Die Leitung des Konzertlokal-verbandes hat beschlosseni an die Mitglieder die Weisung ergehen zu lassen, die Musiker Freitag den 22. d. zu kündigen. - Eine für diesen Tag mn halb 3 Uhr nachmittags einbemftne- Versammlung im . Saale der Gasttvirteigenossenschaft wird zur Schließung der Kaffeehäuser Stellung nehmen. . Ablehnung der Gehilfenfordernngen durch die Kaffeeschänker. Die Delegiertenversamrnlung der Kaffeeschänker, die vollzählig besucht war,'hat den einstimmigen Beschluß-gefaßt, die . Fovderiurg-en der Gehilfenschaft, die - sich mit denender Ange-- stellten -der Käffecsieder in der dritten und vierten-Kategorie decken, abMlchnen. Auch bei den Kasfteschänkern - wird eine zirka - 20- bis 29prozentige- Erhöhung der Löhne und-die.volle Auswirkung des. Indexes verlangt, so daß der Wochen'bez-ug eines unverpflegten Zählkellners 19t).000 K. betragen würde. Die. Versammlung eMarte diese Forderungen'mit Rücksicht'auf die' -bedrängte Lage der Kaffeeschänker siir nnännehmlbar. Die Ge- Als Erster hat den Kanfts gegen die Gompers-Bewegung der spanische Professor Daniel de Lion aufgenon:men und es ist charakteristisch, daß in den von ihn: geschaffenen Vereinen sich ausschließlich jüdische Arbeiter beden zionistischen Sektionen und der K. H.-Kommissio:: zu erfragen ist. durch Einkauf von englischen Stoffen, prima Regenmänteln, Damen- und Herrenwäsche, Strick- und Wirkwaren, Bettwäsche etc. im als konkurrenzlos billig bekannten Warenhaus H., TaborstraRe 48 Telephon 4 7-« *79 ' En gros En detail

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