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Wiener Morgenzeitung · 1922-09-21 · Heft 1299 (21.9.1922) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1299 (21.9.1922)
Date
1922-09-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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©eite 4 H-err. Hm.hsrliag W0VCUUL» -WUWUWClWAVUNMA^ V ‘-0», 21. September 1922 Nr. 1LSS besteht: AbrüfMug. Wirtschaftskrise u>id Valutafragen. Deshalb sieht er in Uebeiceinstimmmig mit Ceeil das Prstblen: der zwischenstaatlichen Schulden älS ein Ganzes an, d. h. Reparationsschuld und interalliierte Schulden al^ Teile desselben Problems. ' Genf. 20. September. DLan nimmt an/daß De Jouvrnrl leinen Vorschtag^üglich der internationalen Schulden und der RlParatioMchubden nicht ohne Einverständnis 'einer Regierung irr der morgigen Sitzung der Abrüstungslommission imtcrbvciicH werde, und daß er daher die Sicherheit l>aben dürfte, daß r.n französischer Leite eine entsprechende Einladinig an den Völkerbund ergehen werde, sich mit der Reparationsfw.ge als einen Teil der allgemeinen Schulden Zn befassen. Hie Weltkrise. Haag, 20. September. (Wolfs.). Mnistcrpräsident Ve c x c n »i o ul eröffnet« gestern im Namen der Königin die ordentliche Session der. Genevalstaaten. In der von ihn: »erlesenen Thronrede heißt es, die in einen: großen Teile der^Welr bestehende Krise mache sich durch ihre Folgeerscheinungen auch in Holland bemerkbar. Tao Gleichgewicht z'-nischLN Einnahmen und Ausgaben des Staates sei in: Mutterlande wie in den Kolonien gar stört. Eine merklrche Herabsetzung der öffeittlichen Ausgaben auch durch gesetzlrche Maßnahmen sei unvermeidlich. Die sta a t l i ch e n Verrieb c müssen derart vertvaltet werden, daß sie kein Defizit ausweiftn. Eine Regelung des ArbeitSverrrages sowohl in pnvatrechtlichem wie in äfsentlichrechtlichen: Sinne i'.'er. erwogen tverden. Vsr einer neuerlichen Hungersnot tu Rußluud. börnk. 20. Srpiimb'r. (Wolfs.) Das internationale Hiifskomitce für die Hungernden Rußlands ttat gestern zu einer kurzen Tagung ^nsau men und nahm den Bericht Dr. Nansc n s und seiner Mitarbeiter über die Lage m Rußland entgegen. Aus diesem Bericht geht hervor, daß bisher 1,5 Millionen Hungernder gerettet wettreu konnten.. Leider fei die Lage immer noch überaus ernst. Die Ernte werde weniger gut aussallen, als man vor wenigen Monaten hoffen konnte. So fei im Wolgagebiet ein Defizit van einer Million Tonnen zu erwarten. Es müsse daher mit einem Wieder«»-brir ch des Hungers in zwei bis drei Monaten gerechnet werden. Auch in der ITTratii: fei die Sage ui^t; Hunger und Epidemien wüten dort weiter. ' Der Parteitag d<r deutschen Sozialdemokratie AugSbnrg, 19. Septerstber. (Wolfs.) Der sozialdemrckvakische Parteitag hat einen Antrag Lobes auf Einsetzung eines Ausschusses zur N « n g l i e d e r u n g d e S R e i ch e s angenommen. Ein Antrag auf Ausschluß von Mitgliedern, die Kriegerverenren angehören, wurde abg e l e h n t. Ein Antrag des Parteivorsitzenden, der von den Parlamenten der einzelnen Länder sowie von der Reichstagsfvaktion fordert, jedes parlamentarische Mittel zu benutzen, um die Schutzpolizei zu einem verläßlichen Instrument der verfassungsmäßigen republikanischen Regierung zu machen, gelangte zur Annahme. > Anßenministerimn an den Internunzius in. Konstantinopel mit der Weisung weitergeleitet, über diese Angelegenheit von dem Jerusalemer österreichischen Konsul Pizzanvano einen Bericht «bzuverlangen. In den diesbezüglichen Konsularborichten, die äußerst objektiv gehalten sind, werden sämtliche von Deutsch angeführten Tatsachen auf Grund der vom Konsul eingeleiteten strengen Untersuchung widerlegt. In der Untersuchung wurden vom Konsulat an sänttliche Rabbiner und Gemeiüdevorstehher Fragen gerichtet, ob Doktor Frankl an der Lämel-Schule Reformen religiöser Art, die gegen die jüdische Tradition verstoßen, eintzeführt, und ob «er mit der Schule ein Bethcms mit einem modernen europäischen Gottesdienst vereinigt habe. Sämtliche Befragte antworteten, daß bei der Errichtung dieser/Schute „nicht die mindesten religiösen Reforme:: emgefüihrt und txch die Schulkinder die Gebete nach dem älten Ritus verrichten". Ja, selbst die Vertreter der galizischen Gemeinde, aus deren Kreisen Deutsch seine Berichte schöpfte, wußten gar nichts von einem europäisch-modernen Gottesdienst mitzuteilen. Somit stellte der Konsiliarbericht fest, daß Deutsch' Angaben völlig falsch feien. Deutsch hatte ja auch mit dieser Denkschrift nicht der Wahrheit dienen, sondern ähnlich wie früher Äs Kurator der österreichischen Jllden in Palästina fih Interessen der orthodoxen Juden — trenn auch mit. Zuhilfenahme Lügenhafter Angaben — vertreten wollen. Aus die ihm zur Kennntnis gebrachten Konsularberichte reagierte er — obwohl er seine Denkschrift in-Druckeverbreiten ließ — nach seiner Art überhaupt nicht. Die Ehre eines von ihm unschuldig Angegriffenen kümmerte ihn, wie stets in solchen Fällen, nicht. Aber nicht nur-die offiziellen Konsularberichte, sondern auch ein von sämtlichen Ienrialsmer Rabbinern Unterfertigtes Schreiben on Sr. Frankl"'-) stellte fest, daß die von Deutsch angeführten, Gerüchte, von „Lästerern" misgehe-n und aus Unwahrheiten beruhen. ' Aber auch auf diese Feststellungen hatte, der Kurator so gut n'i-: nicht reagiert. ZUM NEUEN JAHRE Ihren Verwandten, Freunden (Gästen, Kunden^ , < : \vl der \ tko5cb*bascbanal> Nummer unseres Blattes, welche am Samstag de« 23. September erscheint. Sie sparen Geld, Zeit und Mn he! Annahme der Glückwünsche JW* nur bis Margen mittags! 'MG preis kür Uns Cinheltsinserat: Hlr Wien und Deutschöslerreich.K16 000 Pur die Tschecho-Slowakei, . , . , .... fscbcch. K 20 Für Polen.. . . . i . . . . poln. Mk. 1600 Für Jugoslawien . ...... ... . . Dinar 10 Für Holland^.. . . . . . . i . holl. fl. 1 Schweiz und das übrige Ausland.. Pres. 2 Muster: ■ Ignaz Höllenstein Mähr.-Ostrau, Schlossgasse 13 gratuliert allen Verwandten, Oesinnungsgeriossen und Bekannten ziira Neuen Jahre! Lettisch-antisemitische Organisation Riga, 18. September. (Tel. der „Wr. Morge»rzeitung".) Bor einigen Tage:: fand hier die erste Generalversammlung des lettischen nationalen Klubs, dem Vertreter von Iugendvereinen, Soldaten rmd Beamten und Arbeiter angehören. statt. In das Programm wurden die Verteidigung der Eingenart der lettischen nationalen Kultur gegen ihre äußeren und inneren Feinde sowie der Boykott der Juden ausgenommen. Die Brandlrataströphe von Smyrna. Athen, 19. September/ (Tel. der „Wr. Morgenzeitung":) Laut den letzten Nachrichten, die hier «US Svchrna eingelaugt sind, ist bloßdaschriftliche und armenische Viertel vom Brarche heimgesucht ivorden. Das türkische und jüdische Viertel, die rm südöstlichen Stadtteile liegen, haben unter der letzten Brandkatastrophe nicht gelitten. r» So enden sie alle. Wir haben bereits kurz über die Unterschlagungen des anttsemittschen Budapester Börsespekulanten Pal.ffy berichtet. Palffy ist ein Produkt des christlichnationalen Mrtschastskurses, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Juden aus dem wirtschaftlichen Leben Ungarns zu verdrängen und Handel und Gewerbe in gut christliche Hände hinüberzuleiten. Die Pogrome in Orgovany, Keeskemet, Jzsak und anderen Orten wurden'mit dieser christlichnationalen Parole organisiert. Palffy verstand es nun, diesen Kurs für sich zu fruktifizreren. Aus dem Nichts hat er sich in kurzer Zeit zu einer schwmdelden Höhe in der ungarischen Finanzpresse emporgeschwungen, Hunderte und Tausende kleiner Leute vertrauten ihn: ihr Geld an, seine Zutreiber arbeiteten im ganzen Lande mit dem Programm des judenfeindlichen christlichnationalen Kurses, und insbesonders viele Klienten hatte er in der Umgebung der vor: Pogromen heimgefuchten Gemeinden Orgovany, Jzsek u»w Keeskemet. Er war früher ein kleiner. Beamter der Klafsenlottevie, von wo er etwa vor drei Jahren plötzlich (Fortsetzung,folgt.) Aach Ierusmem, 8, entlassen wurde. Nach der Kommune beschäftigte er sich vor dem Börsengebäude mit dem Umtausch von Postgeldx in Banknoten und verlegte dann den Schauplatz seiner Tätigkett in die M a r k t h a l l e, wo er das Geld der O b stgrauen einwechselte. Ans diese Art kam er zu etwas Vermögen, kaufte einen Kaffeeschank und errichtet« sich dort ein Bankgeschäft. Cr engagierte Offiziere und Staatsbeamte, die den verschiedenen Pogromdetachements angehörten oder zum Kreise der Erwachenden Ungarn zähletn, und ließ durch sie verbreiten, die Palffy-Bank sei die e i nzige wahrhaft christliche Bankfirma, so daß ehrliche Christen ihre Bankgeschäfte nur durch diese Firma abwickeln lassen dürfen. Auf diese Art erhielt Palffy eine große Klientel aus den: Kreise der Anhänger des christlichen .Kurses in Budapest Und in der Provinz. Nicht nur einfache Bauern ließen sich betörenihr Geld Palffy zu Spekulattonszwecken zur Verfügung zu stellen, aüch intelligente Leute zogen ihre M^GeMBAus chLMWWchM; ^>GiM.nzWt«tMHkM^ H' dentMrrdMcheH Christen Palffy namhafte Summen zur ^H^ützuD Metz zu können. Gastze FowMn legten ihr Geld zusammen und ließen es durch Palffy an dev Böitse spielen. Mit der Zeit wurde der Geschäftsverkehr so groß, daß er in Keeskemet eine, große Bankfiliale errichtete. In Orgovany und Keeskemet ' gibt es fast keinen begüterten Bürger oder,Bauern, der nicht sein Geld der gut christlichen' Palffy-Bank änüertvaüt hätte. Selbst die Vermögensverwaltung der Exkönigin Zit a hat Palffy mehrere Millionen, überantivörtet. Alle diese Gelder sind in den Händen Palffys in Nichts zerronnen. En: nicht unansehnlicher Betrag, der aus der oben genannten Pogromgegend in die Palffy-Bank floß, mag von jenen Plünderungen und Raubzügen gegen die dortigen Juden stammen oder von den Erpressungen herrühren, die . an ihnen verübt wurden. So enden-sie alle, die unter dem Schlagworte christliche nationale Wirtschaft gegründeten Verdienstgesellschasten. Eine christliche Genoffensthaft nach der anderen geht infolge von Mißtvirtschaft, Defralldation und Unfähigkeit zugrunde. An dem Tage, an den: der christlichnationale Finanzier Palffy. ein unansehnlicher, an beiden Füßen verkrüppelter Mensch, sich freiwillig bei der Polizei meldete, hat auch eine große VerlagStttlterue'hmuug des christlichnationalen Kurses, der „Taltos-Verlag", seinen Buchhandel schließen müssen. tzelmtra«sparte gallztsch»jü>ischer FlLchtlinqe. > ' Mittwoch nachmittags und abends sind zwei Flüchte lingStransparte mit ungefähr 6oO Personen abgegangen. Die Flüchtlinge kehren in ihre früheren Heimatsorte zurück. Tie mit diesen Transporten abgegangenen Flüchtlinge stammen zumeist ans den Bezirken Kolomea, B.rody, Delatyn, K u t y, T a r n op o l, Z l o c z o w, L cm berg, Sniatyn und P,r z emyslany. Mit diesen Transporten wurden auch urcg^ fahr hundert B u k >' w i n a e r Flüchtlinge in ihre Heimatsorte ist der Bukowina befördert Tie Abfertigung der beiden.Zuge ging in bester Ordnung vor sich. Zum Abschied der Flüchtlinge waren auch Vertreter verschiedener jüdischer Körperschaften erschienen. In den nächsten Wochen werden bereits die letzten Flüchtlingstransporte abgehen. Junge Selbsterhalter. Die überhastete, krampfhafte Amerikamsienlng unserer Berhälttnffe hat es Mit sich gebracht, daß nicht nur das Familienleben im allgemeinen, sondern namentlich die Stellung der hevanwachsenden Generation jn der Familie eine gründliche Aenderrtng erfahren hat. Was.früher nur in den Kreisen der Handarbeiterschaft galt, der . Zwang, die kaum der Schule Entwachsenen schm: zun: Broterwerb heranzuziehen, ist jetzt auch dein: geistigen Arbeiter, böin: Beamten, Arzt, Lehrer, ja auch beim. Klernkauftnann ein hartes Muß geworden, dessen Nebenwirkungen wir.täglich beobachten können. Das junge Mädchen, das.früher nur „auf alle Fälle" ein Bevufsstudium durchführte uiw den: immer und immer wieder eingeschärft wurde, daß es u: seinem Berufsleben nur eine Episode zu erblicken habe und daß es nur „zum Vergnügen" arbeite, es aber beileibe „nicht nötig habe",, zu verdienenist jetzt ein Arbeiter, geworden, mtt dessen Kraft^^ ymu in der Familie rechnet. Von der Schulbank weg werden die jungen Menschen allfgenornme». Seufzend fügt sich die Mutter in die hartem Notwendig? keit der Zeit, zähneknirschend läßt der Vater den Sohn ungerüstet ausziehen zum Lebenskampf. Es ist auch früher einmal ähnlich gewesen. I» den Familien wird manche Geschichte aus alten Zeiten erzählt, von den Bierzehnjahrrgen, die Familienversorger waren, von den blutjungen Burschen, halben Kindern, die das Brot der Fremde essen mußten. Aber wenn sich das Schicksal von Großvater und Enkel in diesem Punkte deckt, so inuß doch in Betracht,gezogen werden, daß in jenen fernen Zeiten die gründliche Berufsausbildung überhaupt nicht Mich wär und daß das ganze gesellschaftliche Leben auf anderen Grundlagen ruhte. Selbswerständlich wirkt die jähe Verschiebung der imtürlichen und durch den Brauch von Generationen festgelegten Altersgrenzen auch aufs stärkste auf dir Wesensart moderner Jugend und ihre Stellung ist der Familie. Zählt man die Umstände ans, die den Niedergang des Familienlebens bewirken, so müßte man diese frühe wirtschaftliche Selbständigkeit der .Halbwüchsigen an erster Stelle nennen. Am dmtlichsten ist das bei den Mädchen zu erkennen. Diese jungen Damen führen ein wahres „Junggesellenleben", und die Kluft zwischen Mutter und Tochter vergrößert sich mit jedem Tag. Denn die junge Berufstätige betrachtet den .Haushalt, der zu keinem GeldverdienenMhrt, immer mehr als untergeordmtes Tätigkeitsfeld, und weit entfernt davon, in der geduldigen Arbeit der Mutter die Selbstaufopferung zu erkennen, macht sie sie ttmner mehr zur Hausfklavin, die zu den Höhen der Menschheit, auf denen man Briefe „typt" oder Ziffernreihen addiert, keinen Zutritt hat. Von einer Einflußnahme der Eltern auf Tun und Treiben der Kinder kann selbstverständlich keine Rede sein. Da der Sechzehnjährige seinen Lebensunterhalt selbst verdient imb. gelegentlich den Eltern noch ein we::ig nachhilft, wäre es lächerlich, ihn: Vorhalte machen zu wollen, wie er sein Geld verwenden soll, welche Vergnügungen er sich „leisten" kann. Daß es sich hier um eine Kriegsfolge handelt, kam: gar nicht bezweifelt werden. Die Not hat de» Familienvater der Kopf- und Händastbeiterschaft langsam gezwungen, die ^Wirtschaftliche Obechohett in feinen: Hause aufzugeben. Die AuslandSaktiomn, die Kindewusspeis»:ngen auf fremde Möstey, W - waren mur JAXMHLF. BR8SHKI M, LmimckklSMA i »m» ■■■«■—aMg.,,—iiwwi imii (atflcalibät duKtraQ

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