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Wiener Morgenzeitung · 1922-09-21 · Heft 1299 (21.9.1922) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1299 (21.9.1922)
Date
1922-09-21
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Är. 12-A Ären, Donnerstag LNeser. Movseszeitsns. 21. September 1SL2 ©eilt 5 sondern ititt innrere Male tm &mfe des Jahres dort zusammentreteu wird. Tos Fünferkomikec hofft, daß die Antwort der Regierungen auf diese Frage spätestens Montag oder Dien^wst elnaetroffen sein wird, so das; die Krcditaktion dann zun». Abschluß gebracht werden kann. Tschecho - Slowakei. RKckkebr des Ministerpräsidenten Dr. Denesch nach Vrag. Prag, SO. September. (Privat.) Ministerpräsident Dollar B e n c s ch ist ans G e u f hierher zurückgekehrt und wird sich Samstag wiederunr nach Genf zur Erledigung des österreichische!'. Problems zurückbogaben. Die Anwesenheit des Ministerpräsidenten wurde durch einen Ministerrat notwendig, d§r sich mit Rücksicht auf das Defizit per 1200 Millionen' tschechische Kronen mit der Frage der Verringerung dieses Defizits beschäftigen wird. Durch Streichungen in den Budgets der Miltist^ken für nationale Vcrteidigimg, Eisenbahnwesert. soziale Fürsorge und Gesundheit wird das Defizit auf die Hälfte reduziert werden. Ko«»«Eische KrewaLe in Bresibrrr-i. Pretzburg, 20. September. (Tschech. Prcß-Burean.) Dir kommunistischen Unruhen finden heute ihre Fortsetzung. Sie wurden jedoch wiederunr von der Poftzei rgsch untcrdrückt. Nachmittags und abends fanden Beratungen zwischen den Kommunisten statt, wobei cs zwischen den Teilnehmern zu Schlägereierr kam, in deren Verlauf es blutige Köpf' gab. Im Zusammenhang mit den gestrigen Demonstrationen wrrrden 10 Personen vc-haftct, bei denen verschiedene, von den gestrigen Plünderungen herrührendc Gegenstände gefunden wurden. Ungar«. Glückwunschtelegramm der Erwachenden Ungarn an Kemal. Wir haben vor einigen Tagen anläßlich der Aufnahme Ungarns in den Völkerbund darauf hingewiesen, daß in Ungarn der Sieg, der mit den Bolschewiken verbündeten Komäl- Armee besondere Hoffnungen erweckt hat. Diese Hoffnungen auf einen Umsturz der gegenwärtigen Zustände in Mitteleuropa infolge de8 Sieges der Kemalisten kommt selbst in dem sonst ernsten Teile der ungarischen Presse zmn Ausdruck. Während aber diese Matter, so z. B. auch der angesehenste Publizist Ungarns Etlgen Rakoezi in seinem „Budapest! Hirlap", blaß die Frage aufwerfen, ob man sich des türkischen Sieges oder der Aufnahme rn den Völkerbund mehr zu stauen habe, hat der Verband der Erwachenden Ungarn in seiner rücksichtslosen Art der Stimmung der Weißtcrroristen des christlichnationalen Kurses dahin Ausdruck gegeben, daß er an bcn siegreichen Ä« nt ö I ein solennes Glückwunschtelegramm absandte und ihn der Sympathie des nationalen Magyarentutns versicherte. Der schl-ne Aemal wird sich wohl nicht wenig darüber amüsiert hrb^r, 00 er in feinem Einlauf einerseits ' die Begrüßungsdepesche per russischen roten Räteregierung und andererseits die Sympathiekundgebung der weißen Erwachenden Ungarn, die die Niederringung des Bolschewismus in ihrem Programme Hecken, v^vgefunden hat. Zeichnet Österreichische Baulose Jährlich 2 Haupttreffer , von je K 12,000.000 Jedes Los gewinnt Sämtliche Gewinste vollkommen abzugs- und einkommenste{ierfi*ei Kein Legitimationszwang Zeichnungspreis: 9:23 K 1380 für jedes Los Polen. ZieligOwski kandidiert. Warschau, 19. Septemb^. lTel. der „Wr. Morgenzciiung") Di' Bauernparteien im Wilnaer Gebiet kandidieren an erster Stelle ihrer Liste den General Zieltg 0 w s k i, der, wie bekannt, Wilna vom Bolschewikenjoche befreit hat. Der König vo« Rumänien kommt nach Waricha«. War'chau, 19. September. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung" ) Bei Rückkehr des Staatschefs aus Runränien sind hier Informationen eingelangt, daß in der ersten Hälfte des Monates M ä r z König Ferdinand in Warschau seinen Gegenbesuch abstatten wird. Die oftgali-ischen Zionisten und die Seimwahlen. Lemberg, 19. September. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Der Parteitag der zionistischen Organisation für Ostgalizien hat sich in seiner letzten Beratung hauptsächlich mit der Frage der Stellungnahme der' Juden zu den bevorstehenden Sejmwahlen in Ostgalizien beschäftigt. Die diesbezügliche Beschlußfassung wurde vertagt. Rnmünien für ein polnisches Ostgalizien. Marschau, §0. September. (Sef. tzee „Nr. Morgenzeiiung".) Während des Besuches des Staatschefs P ils u d § k i in Rumänien wurde unter den übrigen aktuellen Fragen auch die 0 st g a l i z i s ch e Angelegenheit besprochen, wobei festpeslM wurde, daß die rumänischen Regierungskreise das Territorium Ostgaliziens als unzweifelhaft polnisch anerkennen. Ein sozialistischer Wahldlock. Warschau. 20. September. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Die unabhängigen Sozialisten Polens beabsichtigen, in 1 4 W a h l l r e i s e n ihre Liften ausznsiellen. Bor einigen Tagen wurde ein WahlblochZint der deutschen Sozialdemokratischen Partei in Polen Im' auch mit den unabhängigen Sozialisten Oberschlesiens und den „vereinigten" jüdischen Sozialisten geschlossen. Keine militärische Geheimkorrverttion mit der kleinen Entente. Warschau, 20. September. (Pvln.'Tel.-Ag.) Gegenüber dem von der „Bossischen Zeitung" veröffentlichten Text einer angeblich zwischen Polen und der kleinen Entente abgeschlossenen und auf der Prager Konferenz uuterzeickneten militärisch-politischen Konvention wird offiziell sestgestellt, daß ans der Prager Konferenz zivifchcn Polen ünd der kleinen Entente keinerlei derartige Konvention unterzeichnet worden ist. Litauen. Die bevorstehenden Wahle« «ad die Jude». Kowno, 19. September. (Tel.' der „Wr. Morgenzeitnng".) Die Wahlen zum litauischen Sejm wurden für den 10. n.nd 11. Oktober ausgeschrieben. Der Jüdische Rationalrat hat bereits Maßnahmen getroffen, um die Eintragung sämtlicher ivahlberechtigter Inden in die Wählerlisten sicherzustellen. Innerhalb der jüdischen Parteien haben bereits die Wahlvorbereitungen begonnen. Bisnnn sind sämtliche Versuche ans Schaffung eines geeigneten im bischen Wahlblocks infolge der von den Achduth-Vcrtretern (A g u d a h) und den linken Parteien eingenommenen Haltung gescheitert. Wie hiesige maßgebende jüdische Kreise anncbmeu, dürften die Zionisten ans dein Wählkampf als Sieger hervorgehen. Im allgemeinen rechnet man. auf di. Erlangung von 10 -12 indischen Mandaten. Für jeden Fäll wird mit bent Eintritt sämtlicher jüdischer Kär.d'datcn in die. jüdffche Sejmfraklion unter Führung des?u. rates gerechnet. Rundschau. Die Versuche z»r Regelurig der Kriegsschulden. Genf, 20. September. (Wolfs.) Die vom.französischen Delegierten De Jcnvencl angekündigten Vorschläge zu dem gestrigLn Antrag Lord Robert Eecils über die Re gelung der zwischenstaatlichen Schulden bilden gegenwärtig den Gegenstand der'Bcratungen der alliierten Delegationen^ Ueber den Inhalt erfährt man, daß sie sich in großen Linien mit der Anregung Exils decken Von allein weist Jouveuel aus die Dringlichkeit der Frage hin und ans den enger' Zu sammenhattge der 'wijcl)eu allen Problemen der Gegenwart Ignaz Deutsch. 8» Beitrag zur Geschichte der Aufänge der Treunnuasort^o^oxie iu Wie«. Bon Dr.N.M. Gelber. 3. Deutsch* Konflikt mit L. A. Frankl. Dieser Zwischenfall stel gerade in den Zeitpunkt eines die tzanze jüdische Oeffentlichkeit beschäftigenden Konflikts Deutsch' mit deur Sekretär der Wiener Kultusgemeinde, dem Dichter Dr. L. A- Frankl, in Angelegenheit von Reformen auf dem Gebiete des Schulwesens, die Frankl für die Jerusalemer Judenschaft angeregt hatte und dir mit dem ganzen Fragenkomplex der Geldsammlungen für Palästina im engsten Kontakt standen. Dies alles veranlasse nun den Feldmarschalleutnant von KerNpen alle seine Bedenken gegen Deutsch dein Außenmmsstevfnm bekanntzngoben. Ja, er schonte selbst nicht vor der Frage zurück, ob Deutsch' Bestrobunge.lt bezüglich der Juden in Palästina den Interessen der Regierung entsprächen. IM Jahre 1856 fuhr Ludwig August Frankl nach Palästina, um dort im Austrage der Elise Edlen von Herz zum Andenken an ihren Baker Simon Edlen von Lämcl ln Jerusalem die Lämel-Schule zu begründen. Hier hatte eine kleine Gruppe Volt Aschkenasint gegen den Platt der SchulgründuNg einen Kampf geführt, jedoch ohrte jedwedelt Erfolg?) Diese fast klanglose Opposition nützte nun Ignaz Deutsch als Kurator aus, um auf diesem Felde seinen Kampf gegert die „Aufgeklärten" recht geräuschvoll führe» zu können. Er überreichte im Ministerium des Acußern eine für den österreichischen Konsltl in Jerusalent bestimlnte Denkschrift, in der er Frankls Schulgründung schärfftens bekämpft. In der Denkschrift schildert Deutsch die Umstände, die ihn veranlaßten, gegen Frankls Reformbestrebungen in Jerusalem aufzutveten. Frankl habe ihn vor seiner Reise nach Jerusalent besltcht und ihm nlitgeteilt, daß er im Aufträge der Frau von Herz nach ' Jerusalem gehe, um dort eine Lehr- und Kinderbewahranstalt gründen und iliit dieser Lehratlstalt glich ein Bethaus zu veveinigen, in welchem „die israelitische Jugend dem Gottesdienst täglich beiwohnen möchte." Bei dieser Gelegeulleit ersuchte ihn Frankl um Empfehlungen an die Jerusalemer orthodoxen Inden. Er habe dies jedoch entschieden abgelehnt, mit allent Nachdruck versucht, Frankl von der Errichtungemcs Vetbauses abzubringen unb ihn darauf aufmerksam gemacht, daß seine Versuche unter den streng rechtgläubigen Inden in Palastitta eilte unbeschreibliche Bestürzung Hervorrufen könnten. Er habe Dr. Frankl vorgeschlagen, seine Sache zu unterstützen, wenn „er einen bewährtet!, besonnenen Mann", der ihtn als solcher seit Jahren bekannt sei und wich das Vertrauen der Inden in Palästina besitze, mit sich nehme, um die religiösen Tendenzen und Richtungen, die in der zu begründenden Schule pvrzuherrschcn hätten, zu leiten unb zu überwachen. Frankl wollte auch diesem Plane nicht znstimmen. Daraufhin begab sich Deutsch persönlich zur Frau von Her;, der er.den Rat erteilte, bei der Gründung der Schule die religiösen Anschauungen der Juden in Palästina zu berücksichtigen. Frau voll Her; versprach ihm, diese Angelegenheit mit Dr. Frankl zu beraten. Bor seiner Abreise kam Frankl nochmals ' zu ihm, wollte jedoch die üpit Deutsch gestellten Bedingungen nicht annehnlen. Deutsch ersuchte ihn nur, nichts zu unternehmen, was die jüdische Tradition verletzen könnte. Nun aber erhalte er aus. Palästina übereinstimmende Berichte über die Bestürzung, die Frankls unheilvolle Absichtetl ttnd Refonnbe» strebungen in Jerualem Hervorgernsen haben. Dr. Frankl habe ans alle seine Vorstellungen keine Rücksichten genommen und beabsichtige trotz aller Einsprache der dortigen Rabbiner und Gemeindevertreter der österreichischen Untertanen mit der Schule eilt Bethaus, in bem der moderne europäische Gottesdienst eittgesührt werdeit solle, zu vereirtigen. Die Aufregung und Berzlveiflung tntter den österreichischen Judert sei geradezu unbeschreiblich. Ja, es wurden selbst fromme, glmtb'tge Juden verhaftet, weil sie gegen die Verletzung ihrer alten religiösen Einrichtungen ausgetreten sind. Frankl, der eilte ganz andere veligiöse Ueberzettgung als die Inden in Palästina habe, scheute nicht davor zurück, die Schule in antffüdischem Geiste ein;«- richten. Deutsch sehe sich veranlaßt, den österreichischclt Konsul davanf aufnterkfaut zu machen, daß er einen Fehler begangen habe, in amtlichen Zuschriften den Jevu-salenter Oberrabbiner Bordaki auszuforÄern, „seine Gemeindotnitglieder zu Le° ftimlnen, sich den Wünschen und Msichtett des Dr. Frankl in allem ztt fügen und streng darüber zu wachen, daß sich nientand gegen die Gründung dieser S'.istltng und gegen die Person des Dr. Frankl Demonstrationen crtoulvit utöchte" Allerdings habe sich der Konsul darauf berufen, das; die Herz-Stiftung unler den Schutz des österreicküscheu Kaisers gestellt wurde, und die Aitsführung von der Regierung gewünscht 'werde. In seiner Denkschrift bekämpft Deutsch diesen Standpnll-kt, da eine Jnstii-mion, die von Hans aus gegen die gesetzlich bestehende Religion und die Geuneindevertreter auftrete, früher oder später zugrunde gehen müsse. In Palästina, wohin nur solche Juden gehen, die einen unverbrüchlich fromme!' Lebenswandel hinter sich haben, die bereits ans „alle zeitigen L-obensgüter" verzichten und keinen anderen Wtnffch liegen, als ihre Glaubensartikel nach ihrer religiösen Ueberzengung in der heiligen Stadt üben, ihre Angehörigen in dieser Weise zu leiten mrd dorr ihr Lebeu zn beichließen, kann kein Platz für Institlnionett sein, die den Grundsätzen der Religion Hohn sprechen. Es mögen daher alle gewaltsamen Eingriffe, die die palästinensische Jilderrheit evdrtlden müssen, für iimner zu Ende sein. Der Konsul solle daher die religiösen Gefühle berücksichtigen und den Grundsatz vertreten, „daß alle Stiftltngen -ud Jnstituttvncu, dir irgend jemand für israclitffche österreichische Ilntertanen zn grültden beabsichtige, nur mit der vollkonnnrn freien Einwilligung der gesetzlich bestehenden Religionsuud Gemeittdevot - sicher derselben ins Leben treten können". Ec habe nichts gegen die Gründultg der Fränkischen Attstalt, aber daS Beihaus uut> der Gottesdienst, wie auch der Ilnterricht der Jugend ntüve unbedingt von den Religion?- und Gemeindevertreiern übertvacht wetzden. Diese Denkschrift,*) die eine ganze Reihe von untvahren Tatsachen urrd eine ditrchwegs delatorische Grundlage besitzt, wurde nun dank Deutsch' Be-ziehnnaen durch das Wiener Wiener Staatsarchiv: Weisungen nach Konstantiuepel c. a. 1856. Die Denkschrift erschien auch int Druck mu-.i :v::t Titel „Denkschrift über die beabsichtigte Einführung europäisch moderner Institutionen und Resorinen unter den Ineu-u >u Palästina. Gerichtet von de-nt k. k. Hoftoechfler Ignaz D.' sd, an den k. k. österreichischen Konsul in Jerusalem, Wien, und ist heute eine bibliographische Seltenheit. In Wien besitzt ein Exemplar dieser Denkschrift der bekannte eifrige Sannuler Dr. Paul Diamant. — Ein Teil dieser Denkschrift ist auch auszugsweise in Frankls: Nach Jerusalem, Bd. 2, S. 60-1 bis 507, abgedruckt. *•) Näheres darüber in seiner Reiseschilderung nach Jerusalem, Ba,td2 (Palästina).__ Regenmäntel infolge vorgeschrittener Saison in grosser Auswahl zu WM"tief reduzierten Preisen "Ws im Warenhaus [ Schiff mann II., Taborstraße 48 TelenSton 47-1 *' En gros Ln . r* 5 ä

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