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Wiener Morgenzeitung · 1922-09-17 · Heft 1295 (17.9.1922) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1295 (17.9.1922)
Date
1922-09-17
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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■~^;i ^;;-Yv:>'r^:^ Ax.' 1395; > Wien, Sonntag ' . Wiener Morgeirze^ung. 17. September 1882 Seite 3 > A«g«r«. Z«laegerszeg ist ei» Paradier a»f Erde«. i So 6ef«uj)tet öo MMÄsche Miwistcr des Innern lFvwr Ralovsky mich seiner Rückkehr von einer 1 Inspektionsreise in das InterMerivngslager von Zala- ■egerföeg. De-r nngavische Minister hat diese Reise erst auf mehrfaches Drängen ausläMscher Bertetungen, welche in!den Besitz snrchtbaver Klageschriften von Internierten geglanzten, unternommen. 3-ach seiner RüMhr eMärte der Mnister, daß es den Internierten sehr gut gehe, die!Koft ig-ui sei, uiüb auch die Uuterkuinstsverlhältnisse allen Anforderungen entsprechen, nur enizelne Gebäude seien reparaturbedürftig. Er habe auch, so -oeit.es nröglich war, die ihm Vorgebvachten Beschwerden angchort und auch die Revision einzelner Fälle angeobdnet. Demgegenüber muß fostgestellt «werden, daß Vre jüdischen Hklfsorganrsatiomn in Nngavrr, tagtäglich mit Bittgesuchen von jüdischen Internierten überschwemmt werden, -daß die Zahl der jüdischen Internierten in unheimlicher Weise zunimmt un!d daß ganz besonders die jüdischen Heimkehrer aus beit russischen Gefangenenlagern;fitrchtbar viel zu leiden haben. Es sind das jene jüdischen Gefangenen, die Jahre hindurch in den verschiedenen russischen Gefangenenlagern große Entbehrungen zu leiden hatten und ohne Kenntnis ¥m inzwischen eiuge- WLenen Zustände in der ungarischen Doinrat, von Sehnsucht nach ihrem Heimatland und ihren Angehörigen getrieben, oft auf gefahrvollsten Uniwsgen oder mit Hilfe' der amerikanisch-jüdischen Gefangenenhilfsakdion nach Ungarn zurnÄgekehrt sind. Anstatt jedoch ihren Familien zurückgegeben zu werden, wurden diese jüdischen Kriegsgefangenen, von denen ein großer Teil verwundet in die Hände der Russen gefallen war, nach einer kurzen sogenamrden RechtferHuugsquarantäne direkt in das Jntevnievuugslager gebracht, wo sie ohne Bekleid u n g und ohne alle, Mittel wicht nur den Schikanen der Lagerwache, deren AufmerksaNikoit sie besonders empfohlen wurden, sondern auch verschlodenen Kran-kheiten cnrsgosetzt sind. Giir besonders bezeichne^rder Fall, der beweist, welcher Kategorie die jüdischen Insassen der Hölle von Zalaogerszeg angchören, ist derjenige der Frau Ernst Gersdorf, ehemaligen Fuchs. Die Kinder dieser jüdischen Frau wenden sich m . einer Zuschrift an das jüdische Blatt „Egvenlpseg" mit her Bitte um Hilfe und Unterstützung. Scharr im vorigen Jahre wurde das Ehepaar Gersdorf nach Z a l a ege r s z eg gebracht, w e i l, der Mann isetne Zuständigkeit nicht Nachweisen konnte. Sechs Monate lang hatten sie schon im Vorjahre die schwersten Leiden im Internierungslager bnrchgemacht. Damals gelang es, sie irgendwie zu befteien. Als Herr Gersdorf sah, daß er in dsnr freien Ungarn seines Lebens nicht sicher, stzi, flüchtete er aus Ungarn und ließ seine Familie zurück. Nun wurde die ohne Ernährer dastehende Frau Ende Mar jb. I. abermals intewiert, unter dem Vouvxmde, daß sie zu ihrem Manne nach der Tschecho- Slowakei gebracht werden soll. Seit Mai macht diese arme Frau die größten Qualen im Internierungslager mit, ihr Körper ist schon gang wund von Entbehrungen und den Mangel an Bekleidung und obgleich ihre sechzehnjährige Tochter diesen Brief an die Redaktion schrieb und wiederholt bat, dem Leiden ihrer Mutter endlich in irgend einer Form ein EM zu Mchen, rnuß Fvcm Gersdorf ohne jede Schuld in dem Internierungslager von Zalaegerszeg verkommen. Das alles rührt den ungarischen Minister des Innern nicht, denn er erklärte auch nach seiner Rückkehr aus Zalaegevszeg ruhigen Gewissens, das; die Interniermrgsilager aufrecht erhalten bleiben müssen. Cihcvrakteristrsch ist, daß numnchr auch der ehemalige ungarisch« Mßemnmvister Dr. Gratz, der zur Zeit seiner Mimsterschast die barbarischen Znstäüde in Zalaegerszeg deckte, jetzt im „Pester Lloyd" an leitender Stelle schreibt: „Die westliche Mentalität wird sich heute, im zwanzigsten Jahrhundert, gegen eine bloß von den adm'mistvativen Behörden über politisch Andersgesinnteausgesprochene Haft — denn als solche erscheinen die Internierungen — stets auflehnen, und das mit vollem Recht. Das Rußland der Zaren kannte das System der „Verschickungen auf administrativem Wege": es gehörte zu den brutalsten Einrichtungen des großen Reiches unid hatte für die Außenstehenden imurer etwas Unheimliches an sich. Was wir als Internierungen bezeichnen, entspricht ungefähr dem gleichen System — unser Sibirien heißt Zalaegerszeg. Ich glaube nicht, daß die dadurch gegebene kqucnim Möglichkeit der Abwehr gewisser unleugbar vorhandenen Gefahren die Nachteile auswiegt, die aus der AufrechterlMung dieses Systems sich für uys in der europäischen öffentlichen Meinung ergeben." - K«i«e Berföh«»«, »it Le« P»litischen Flüchtlinge«. Budapest, 16. September. (Bericht des U. T.-K.-B.) Abg. D r o z d y bringt unter großer Unruhe den Wiener Bericht eines Abendblattes zur Sprache, wonach mehrere oppositionelle Abgeordnete in Wien mit den dort lebenden Politischen Flüchtlingen über innere und äußere Angel Lgenyeite.n Ungarns Beratungen gepflogen hätten. Insbesondere die Behauptung, der erwähnte Bericht sei vom M i n i st e rP r ä sr d e n te n in sP i ri e r t worden, ruft stürmischen Widerspruch hervor. Redner erklärt, er habe allerdings in Wien in erster Linie mit Baron Hatvany Nobeliabnk |. Manne Wien, VII., Schottenfeldgasse Nr. 24 Telephdh 39-1-08 Luxus- und Stilmöbel aller Art in nur erstklassigen Qualitäten . y. ,, '.- Grosse Auswahl Gebogene Sessel montiert und demontiert ■'W Messestände: Rotunde Nr. 6170 und 6187 (zwischen Süd- und Ostportal ira ersten Ring) :r::: Beratungen gepflogen, da er die Frage der sogenannten Emigranten liquidieren möchte, weil er der Ansicht sei, daß ihre Tätigkeit schädlich und daher einzustellen sei. Die stürmischen Szenen wiederholen sich besonders, als Redner zwischen den jetzigen politischen Flüchtlingen und den einstigen Emigranten Rakovsz.ky und K o s s u t h eine Parallele zieht, wobei der Präsident sowohl dem Redner als auch einzelnen Zwischenrufern eine Rüge erteilt. Abg. Karl Huszar verweist darauf, daß die ungarischen Flüchtlinge in Wien eine Regimeänderung erzielen wollen. Redner sei im Besitze eines Artikels Siegmund Kunfys, worin,es heißt, die Emigranten hätten eine neue Liste derjenigen zusammengestellt, die in Ungarn hingerichtet werden müßten. An der Spitze dieser Liste stehe der Name des Reichsverwesers Horthy. (Stürmischer Lärm im ganzen Hause.) Mit Leuten, die in einem solchen Ton über die ungarische Nation und über das gesetzlich geünihlte Staatsoberhaupt schreiben, gebe es keine Versöhnung. (Stürmischer Beifall rechts und im Zentrum.) Ge«eral Denikin in Ungar«. Budapest, 15. September. (I. C. B.) General Denikin ist hier eingetroffen und erhielt von der,ungarischen Regierung das Wohnrecht für sich und seine Familie in Ungarn. BorLmifige Schlietzmrg der jüdischen MMelsch«ren. Warschau, 15. September. (I. E. B.) Mit Rücksicht aus die überhandnehmende Teuerung hat der jüdische Lehrerverein erhöhte Gehaltsforderung für das neue Schuljahr gestellt. Die Inhaber der Schulen erklären, die Forderungen der Lehrer nicht erfüllen zu können und be-' fchlosien eine Generalaussperrüng der Lehrer. Der Unterricht in diesen Schulen ist deshalb aus unbestimmte Zeit unterbrochen' worden. Bsbrzyaski kandidiert. Warschau, 16. September. (Tel. der „Wr. Mvrgenzeitung".) Der gewesene galizische Statthalter Dr. B o br z y n s k i, der seit dem Umsturz im Jahre 1918 ein zurückgezogenes Polittsches Dasein führt, toird zunr Listensührer der demokratischen Staatsunion bestimmt. Die jüdische« Orthodoxe« »«d der Block der Minderheiten. Krakau, 16. September. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung'''.) Der hiesige Wojwode Galeekr versuchte, die Führer der Orthodoxie zu veranlassen, aus dem Block der nationalen Minderheiten auszutreten, mit der Begründung, daß es inr Interesse der Orthodoxie liege, für die Regierungsparteien einzutreten. Seine diesbezüglichen Konferenzen mit dem Rabbiner Fränkel verliefen jedoch ergebnislos. PalSstiva. Die feierliche Pro»lemier««g der U Brrfaff««s. Jerusalem, 12. September. (I. C .B.) In Anwesenheit zahlreicher Gäste, unter denen auch Aiarschall Alle nbh und Emir Abdullah bemerkt wurden, fand hier am Montag .die feierliche Pvoklamievung «der palästinensischen Verfassung statt. Die Araber fanden sich nur in sehr geringer Zahl ein, da das Gros der ambischen Bevölkerung dem Aufruf der palästtnensisch-arabischen Exekutive, auch diese Zeremonie zu b o y k o 111 ieren, gefolgt ist. Die meisten ambischen Geschäfte waren zum Zeichen des Protestes geschlossen, ohne daß es jedoch zu irgend welchen Unruhen oder Zwischenfällen gekommen wäre. Die Feierlichi'cttcjt wurden durch eine siebzehnfache Salve emgeleitet/ Worauf die Neuordnung im Lande namenZ des Königs von Großbritannien verkündet-wurde. Der Oberkommissär, Sir. Herbert Sa m u e l, leistete,, die Hand, auf' der' Bibel haltend, als erster Beamter im neuere Staate den E i d auf den . König und aus die Verfassung. Nachher hielt der Oberkommissär eine Ansprache, iu welcher er den Marschall Allenby als den Befreier Palästinas und Emir Abdullah als den Verbündeten Englands begrüßte. Er drückte die Hoffmmg ans, daß nach Verlauf von 25 Jahren, da die englische Mandatarmacht Palästina verlassen werde, sich hier im Lande eine m Wohlstand uxd' Freundschaft lebende Bevölkerung befinden werde, und daß die arabische und jüdische Kultur n e b e n e i nandcr blühen werden. . ' Wie verlautet, wird die Feder, mit der Herbert Samuel seinen Namen unter das Verfassungsdokument setzte, dem jüdischen Nationalmnseum in Jerusalem zum Geschenk genmcht werden.; Vx Die Mische Ve»ei«de»erfafi««g iL P«l8stin«. Jerusalem, 14. September. (I. C. B.) In der endgültigen Erledigung der vom Oberkömmissär bereits genehmigten Konstitution der jüdischen Gemeinden und Waad Leumi in Palästina trat eine Verzögerung dadurch ein, daß das Oberrabbinat im letzten Momente in' einer Eiikgabe an den Oberkömmissär auch die Regellr-ng der Rechte. und Pflichten des Oberrabbimts in dieser Kon stitution verlangt. Der Waad-Lewni steht jedoch ans den Standpunkte,1 daß diese Frage vorerst dev jüdischen De» lcgierttrwersanrmlung zu unterbreiten sei. Strenge Matzvahmerr gege« Lte «rnbischr« BsykEhetzer. Jerusalem, 14. September. (I. C. B.) Die palästinensische Regierung ergriff strenge Maßnahmen gegen die Propaganda der km arabischen Kongreß anhäglichen nnli tanten arabischen Kreise, die den Boykott der Wahlen zur gesetzgebenden Versammlung propagieren. Gleich nach der offiziellen Verkündung der palästinensischen Verfassung erließ der Oberkoruimssär ein Dekret, wonach jedermann . der sich einer solchen Propaganda schuldig macht, km - Geri'chte zur Abstrafung einzuliefern ist. Die Strafe' lautet auf Geld und bei schweren Vergehen aus Gefängnis. Die Regierung erklärt,'sie sei entschlossen, jeder Tätigkeit dieser Art unter allen Umständen ein Ende zu machen, sie werde von allen ihr zur Verfügung stehendere Machinritteln Gebrmrch machen, um diese Bohkottbewegrrng jju unterdrücken. Der Gouverneur von Jerusa lem drohte den Arabern für den Fall der Geschäftssperrr qm Tage der Versassungsverkündung mit dem Entzüge der Lizenzen. Tie Araber nehmen es dem Emir Abdallah,sehr, übel, daß er km Zeremoniell der Verfassurrgsverlündnno beigewohnt har. 1 Rundschmt Die Bedi«gUKge« der KeMKlifteK Angora, 16. Septenrber. (Wolfs.) Wie von zuständige^ f Seite nritgeteilt wird, ist das türkische Nationalkomitee be- .reit, unter folgenden Bedingungen einen Waffenstillstand' mit den Griechen äbznschließen: 1. Räpmüng des garrzen vom Feinde besetzten Gebietes und bedingungslose u slieferrrng des g e s a m t e u K r i e g s m a t c r i a l s und der Nahrlingsmittel. 2. Anerkennung der uneingeschränkten Souveränität der Türkei über K l e i n a s. i e n rr n d Thrazien und Verzichtleistrrng ans alle Ansprriche auf diese Gebiete. 3. Wie d e r g n b m a ch u n g aller Schäden und Ersatz der Verllrste, die der türkischen Natiorr durch den Feind zugesügt wurden. 4. Auslieferung aller Personen, die während der Invasion Grausamkeiten begangen haben. Das ze^stsrte Smyr««. Paris, 16. September. (Wolff.) Nach einer Meldung der „Chicago Tribüne" aus Smyrna sollen drei Viertel der Stadt in Asche liegen und mehr als 300.000 Per-- sonen obdachlos sein. Der Brand erlösche allmählich? Das amerikanische, griechische und die übrigen europäischen Viertel seien vollständig z e r st ö r t. Der Schak be traae annähernd 200 Mllionen Dollar, von denen unge-> fälm6 Prozent amerikanisches Eigentum darstellen. Die Verluste a n M e n s ch e n l e b e n a b z u s ch ä tz e n sei unmöglich. Von den Flüchtlingen seien zahlreich'! schwer verwundet. London, 16. September. Der Berichterstatter k? Reuterschen Bureaus in Smyrna meldet aus Nt a 11 v vom 15; d.: Ich mußte Smyrna an Bord eines britischen Hospitalschrffes verlassen. Bei der Abfahrt setzten die Türken die Plünderungen und Mordtaten fort. Eine Unmasse Leichen liegt in den Straßen von Smyrna. Zwer^ große Dörfer bei Smyrna stehen in Flammen. Die Eng-j länder haben allen Patrouillen und Posten ans der Stadt! zurückgezogen. Mehrere englische Häuser wurden von de^ türkischen Offizieren mit Beschlag belegt/Bei meiner Ab^ fahrt befanden sich auf dem Hafenkai und den Molen Tausende griechischer Flüchtlinge ohnö> Lebensmittel und Wasser. Das englische Prestige ist sehr' gesunken. der Teuerung drängt Sie rur tmwzuglichc» Deckung Ihres Bedarfes an Stoffen, Wasche, Leinen, Strickwaren, Wirkwaren etc. Kaufen Sie nur in dem als reell u. konkurrenzlos billig bekannten Warenhaus Schiffmann II.,Taborstraße Telephon 47-1-79 En aros En dätai. <sitaL+i*z<Kr?’ ■ ■ «i in«!««: ,..' ^nSHHBBHattssaswäeaui: .... .- isaaaaaiatiff'irehPMaiMiitsw^j

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