Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1293 (15.9.1922)
- Date
- 1922-09-15
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Veite'4 Wien, Freitag r~ ' ' ~ ■ ' ’” Pilsudski heute um 11 Uhr nachts nach Bukarest abgcreist. In seiner Begleitung befindet sich Minister des Aeutzern M arutowicz, eine Reihe höherer Beamten, sowie militärischer Würdenträger. Die Warschauer- Presse betont, daß die Reise Pilsudskis von politischer Bedeutung sei und eine Kundgebung für ein polnisch-rumänisches Bündnis darstelle. Di« r»sfisch-Pol»Uche Grenze. Die gemischte polnisch-russische Grenzkommission hat in ihrer Plenarsitzung vom 5. d. ihre Arbeiten beendet und die Fragen der Festsetzung der Grenze zwischen den Sowjetrepubliken Rußland, Weißrußland und der Ukraine einerseits und Polen andererseits von der Dwina bis zum Dnjestr definitiv gelö st. Palästina. Die Mandat»prokla»»tion. Aus ^Jerusalem meidet Reuter vom 11. d. M.: Die Proklamation des britischen Mandats über Palästina ist heute erfolgt. Die nichtifraelitischen Kaufläden unb Werstätten blieben zum Protest geschlossen. Dss Bürgerrecht in Palästina. Jerusalem, 7. September. (I. C. B.) Der High Kommiffioner Sir Herbert Samuel erließ ein Dekret über das Bürgerrecht in Palästina, demzufolge jedem Einwohner Palästinas auf Grund seines Ansuchens innerhalb der nächsten zwei Monate die vollen Bürgerrechte verliehen werden. Dieses Dekret ist von besonderer Bedeutung, indem es die Bürgerschaftssrage der jüdischen Einwanderer regelt und ihnen die Teilnahme an'den bevorstehenden Wahlen in den legislativen Rat ermöglicht. Aerre Wahrung' Als Folge der Bestätigung des Mandates durch den Völkerbund soll nun endlich darangegangeir werden, in Palästina eine neue Währung einzuführen, um es ökonomisch vom englischen Geldmarkt unabhängig zu machen. Mit Rücksicht auf den hohen Kursstand, wie auf die für Palästina viel zu hohe Einheit, hat das ägyptische Pfund sich als Währung in Palästina nicht bewährt. HLfeKhsrrterr. Wie der Zivilsekretär General Deedes erklärte, unternehme die, Regierung jetzt energische Schritte für Einrichtung eines guten Hafens in Jaffa. Sir Herbert Samuel hat bei seinem Aufenthalt in London diesbezügliche Unterhandlungen mit großen Firmen geführt: ein Vertreter einer dieser Fabriken soll demnächst in Jaffa eintreffen, um die nötigen Studien an Ort und Stelle durchznführen. ' ■". . Neue Bahuverüiuduug Zwifche» rrud BaA-ad. . ' Eine neue Bahnverbindung soll zwischen O st jo rdanien (Aman) Und Bagdad hergesteilt werden. Die.vorbereitenden Arbeiten für die' ersten 30 Kilometer wurden bereits in Aman begonnen. Die arahische Broyagarrda. Jerusalem, 2. September. (I. C. B.) Die neugewählte Leitung des arabischen Kongresses verweigerte die „Ach ich Hab' sie ja nur Ans die Schulter geküßt." Es ist also keine fragmentarische Phantasmagorje am Horizont meiner Kindertage — es ist ein wirklich existierendes, noch heute brauchbares Musikntensil — und, was * das merkwürdigste ist. es hat eine ganz großmächtige Handlung rings um sich, ein richtiges Mnsikdrama. Ja, im Vergleich zu dem Stuß, den man heute Operettentexk nennt, ist der „BettelstudeM" ein ganz hcches nmsikdramatffch-es Elaborat, mit historischem Hmtergvnnid sogar, mit einem Polenausstand und nicht ohne 'bert König Stanislaus Lescynski, der genau so wie im Gvn-dely, Pag. 20, „Schattenköni'g" genannt wird. — Und >da gibt es außer der berühmten „Schulter" gleich noch ein paar Aufevstehmigen. „Ich knüpfte manche zarte Bande" — auch dieses Lied, schon ' ganz vergessen, erinnert an früheste Eindrücke, an einen Onkel, der jetzt grau und nicht mehr besonders rüstig ist, damals aber in einer Gestalt, die ich nur aus tom alten Album von Familienphotographien kenne, mich, den kleinen Buben, auf den Arm hob und mit feinem großen braunen, eingeregneten Vollbart erschreckte. Und recht unmotiviert, wie mir scheint, .sang er das Lied von den „zarten' Banden" dazu — damals aber tönte es mir fromm sind sogar vom Erhaben-Schauerlichen' und Einzig-Richtigen durchdrungen, das aus der Welt der. Evivachsenen hrvvor auf hilflose Kinder einstürmt. Und es war doch nur ein Lied ohne besonders sittliche Grundsätze. Dainals aber glaubte ich, ohne ihn zu verstehen, den Dekalog zu Verne hüten. Es ist zu spät — dennoch will ich von heute an und für de:: Rest meines Lebens diese Sammlung von Eouplet- Jahrgärigen ankegen. Wenn es nur einer alten .Operette bedarf, um die verlorene Stimmung des Kindes von innen heraus neu zu verstehen: vielleicht werden mir die Gassenhauer vorr 1922, wenn ich sie nach Jahren wieder einmal dürchspiele, manches Ocheimnks deuten, manche niederdrückende Unruhe, die Heute (ohne Grund, wie eS scheint) an meiner Seele zehrt. " . : WwL ' Max Brod. mRHct »UvrgerdKe umcg« > C.BOJKO KLEIDER 1 KOSTÜME / MÄNTEL PELZE 1, Kf\RNTNER5TRflS5E 34 (MAYSEDERGASSE 2) w PeSzhaus Gebr.Brainin Wien,!!., Glockengasse 3 Filiale in den Verkaufshallen am Karlsplatr (Telephone: 61-2-S0-B2, 61-3.80-81) Pelzwaren alUp Art 617 neueste Modelle, in feinster Ausführung stets lagernd Werkstätten: Wien, II,, Rueppgasse 37 Uebermittlnng der Kongreßbeschlüsse an den Gouverneur von Jaffa. Sie erklärte, die palästinensischen Araber anerkennen nicht die britische Verwaltung in Palästina, sie betrachten sie ausschließlich als eine, f r.e m d e M a ch t, die das Land mit Gewalt okkupierte. Die Araber l e h n e n e s d a h e r a b, den Vorstehern dieser Regierung irgendwelche A u s k ü n ft-e zu erteilen. Jerusalem, 2. September. (I. C. B.) Ta die arabische Delegation ihre Anwesenheit in Mccea noch immer, trotz der wiederholten Dementis von jüdischer Und zionistischer Seite, dazu benützt, um die sinnlosesten Verleumdungen gegen die Juden Palästinas auszustreuen, hat sich der Waad Leumi veranlaßt gesehen, diesen Verleumdungen auf. dem Wege eines ordentlichen Gerichtsverfahrens entgegenzutreten. Gegen die in Mecca weilende arabische Delegation ans Palästina wurde bei den palästinensischen Gerichten die Klage wegen Verleumdung eingebracht. * Girre arabische Dlregstis» beiM Völkerbund Prinz Lotsalla kff der letztes Jahr dem shrischpalästineusisäzen Kongreß in Genf präsidierlc, ist an der Spitze..einersyrischer; Delegation in Genf eingetroffen-, um beim■' Hokkcrbuich "für die Hoheitsrechtc Syriens tmd Palästinas zu plaidieren. Obwohl die Mandate über Syrien und Palästina vom Bölkerbundrat aus seiner Sitzuug.ün-.Landoil: berelts^rratifiziertworden sind, will ..sich M Delegation doch noch in einen'. Bericht an. den Bölkerburtd wenden, da jk von dem Vvlkerbundrat in Lvndon nicht angehört worden sei. Brief ans Lemberg. Tie Lejmwahlen und die osigälizischen Juden. Die aniisemitische Hetze in den Badeorten. — Hebräische Kurse. (Von i:nf-cvc-Ju Lcn'.dcrger Korrespondenten.) Die vor einigen Tagen erfolgte Ausschreibung der Wahlen für den polnischen Sejm hat ihre Wirkung ans die Oeffentlichkeit Ostgaliziens nicht verfehlt. Man verspürt bereits etwas wie toon beginnendem Hochdruck der politischen Atmosphäre, der sich allmählich allen Parteien und beruflichen Gruppierungen, die der Tagespolitik Jnteresst entgegenbringen, mitteilt. Es ist selbstverständlich, das; auch die jüdische Gasse, deren Wohl und Wehe in diesem Falle auf dem Spiel steht, zu den so nahe bevorstehenden Ereignissen Stellung zu nehmen beginnt.-Während-es sich bei den polnischen Parteien — die Ukrainer scheinen vorläufig, auf den Standpunkt des politischen Desinteressements zu verharren — schon in diesem Stadium vorwiegend um ■ Fragen der Wahltaktik und Wahltechnik handelt, tritt bei den ostgalizischen Juden zunächst ein ganzer Komplexprinzipieller Fragen in den Vordergrund der Erörterung,, die zum großen Teil mit dem von der polnischen Regierung ziemlich/diskret vorbereiteten Antonomieprojekt in Zusammenhang stehen. Die'Lösung dieser Fragen stellt die in Betracht kommenden jüdischen Faktoren vor eine ebenso schwere als verantwortungsvolle Ausgabe. Insofern die Stellungnahme der Juden in bezug. auf die Wahlen beurteilt werden soll, kommt unter den heutigen Verhältnissen au erster Stelle die einzige jüdische Organisation in Betracht, die über einen ziemlich strammen Apparat im ganzen Lande verfugt. Es ist die zionistische'Partei, deren Einflußsphäre jedoch, wie es -die Resultate der letzten Volkszählung bewiesen 'haben, weit über die Zahl ihrer als Schekelzahler organisierten Mitglieder. zü. reichen scheint. Ihr dürfte außer der gesamten, bewußt Mjsch orientierten Jugend und eines großen Teiles der Intelligenz auch ein sehr nahmhafter Prozentsatz - des jüdischen Mittelstandes einschließlich der nicht nn Schlepptau der Agudah befindlichen Orthodoxke Gefolgschaft leisten.. ' Ob die um die Agudah lttib bie W'underraLb is, besonders jenen von Belz, gruppierten' Kreise', die zu österreichischen Zeiten auf den Wink dös 15, September 1-82; Rr. 1293'. Bezirkshauptmannes jeden Andersgläubigen gegenüber besten jüdischeii Kandidaten unterstützt haben, auchdies»! mal unbeschadet dessen, daß die polnischen Parteien.- alle,! Voraussetzung nach nnter der Parole der antisemiti«j schen Rozwojorganisation in den Wahlkamps treten dürften, bloß aus Feindschaft gegen die Zionisten ihre eigenen verhängnisvollen Wege gehen werden, bleibt' abzutvarten. Vielleicht wird sie die Tatsache der in Warschau? im Rahmen deS Minoritätenblockes erfolgten Konsolidierung d e r j ü d i s ch e n Parteien in letzter Stunde eines Besseren belehren. Die Stimmen der ziffermäßig ganz geringfügigen Reste der ehemaligen polnischen Demokraten aus der Schule Rutorskis wie auch der in Ostgalizien nur in einzelnen, größeren Städten in Betracht kommenden polnischen Sozialdemokraten dürste das Verhalten der polnischen Oeffentlichkeit in puncto Judenftagc kaum beeinflussen. Und was die Epigonen der einmal in der „E z y t e lnia Goldman na" und ihren nicht mehr bestehenden Provinzsilialen organisierten Assimilation betrifft, so dürften sich diese Herren vielleicht doch endlich über ihren Einfluß in der jüdischen Gasse klar geworden sein. Ihre politischen Horizonte decken, sich mit der Ambition, ein Mandat zu ergattern, wobei, wie es die letzten Vorkommnisse innerhalb des jüdischen Bürgerklubs in Lemberg so überzeugend dargetan haben, jeder von ihnen sich der nächste ist. — Sollten sie auch diesmal darauf ausgehen, ihr politisches Sündenregister weiterhin zu belasten und durch eine Sonderaktion das eine oder das anders jüdische Mandat zu gefährden? Der gesunde Selbsterhaltungstrieb der jüdischen Oeffentlichkeit wird stark genug sein, um ähnliche, von irgend einer Seite zu gewärtigende Extravaganzen zu verhindern oder aussichtslos zu machen. * In einer im Hinblick aus die aktuellen Ereignisse bedeutungsvollen Stunde hat die Exekutive der zionistisch e n O r g a n i sa-t i o n O stg a l 13 ii n § den Parteirat für den 17. September nach Lemberg einberufen. Wenn auch dem Berichte des Präsidenten Dr. Reich und der übrigen Teilnehmer an der zionistischen Jahreskonferenz Nlit Rücksicht auf die tvichtigen'Vorkommnisse in der Gesamtbewcgung mit Spannung entgegengesehen wird, so dürste diesnral doch die i n il e r p 0 l i t i f ch e, durch die Ausschreibung der Sejmwahlm geschaffene Lage, im Vordergründe der Beratungen stehen, da sie gerade die zionistische Parieileitung vor schwerivlegende Entschlüsse stellt und. die Exekutive eine gerlaue Direktive, der obersten Partciinstanz einholen will.- -/ . * Die galizischeu Badeorte und 'S0mmet* frischen waren schon vor dem Kriege kein Dorado für die südischerr Besucher. — Seither haben sich die Verhältnisse bedeiltend verschlimmert. Von allen Seiten komnren täglich Berichte über die mehr oder weniger brutalen Anrempelungen, denen jüdische Kurgäste, die nebenbei bemerkt^ das meiste zur Erhaltung der Kurorte beitragerr, ausgesetzt sind. In Z a k 0 p a n e tragen die meisten Pillen die Aufschrift: „Jrwen wird nicht vermietet", m den JMädern Iw 0 niez und R y m a n 0 w zeigen sich ähmiche?Er-' fcheinun'gen.- Da küüdigte letzthin der ^rüchtigte Hetzapostel der „Rozwoj" Iaxa-Ehamiec) auf dessen Brandreden die letzten Exzesse in Wilna znrückzusühren sind, Borträge über die Judenfrage in Polen an, wobei die Ankündigungen judenfeindliche. Abbildungen enthielten. Die mciftcii Knrdirektorcn bewilligten zu diesem Zwecke unbeschadet des lebhaften Protestes der i.wischen Kurgäste NällNllichkeiten im Bereiche der Kuranstalten und forderten das edle Unternehmen auf jede Weise. Als die Behörde die Abhaltung eines öffentlichen Borrrages in einer der Ortschaften untersagte, stellte die 5'.nrdirektion dem Komitee eine Liste der Kurgäste zur Verfügung, danrit der Vortrag auf Grund des § 2 des Bcrsammlungsgesetzes stattfinden könne. Der Vortragende schilderte die Verjudnng ' des polnischen Staates in den grellsten Farben, verwies darauf, daß man den Juden auch durch Pogrome nicht beikommen könne, und goß Pech und Schwefel über den Protektor der anonymen Macht § l 0 Y d G e o'r g e wie auch über den Förderer der jüdischen Interessen in Polen, den „Inda Makkabi" im Warschauer Belvedere, gemeint ist -er Staatschef P i l su d s k i. Es fragt sich angesichts dieser Verhältnisse, lrörüber man mehr staunen soll, ob über die Kurzsichtigkeit der polnischen Kurvorstehiingen, die alles daran setzen, um dem Rest ihrer Gaste den Aufenthalt in den inländischeir Badeorter: zü verleiden, oder vielmehr über die Gemütlichkeit, nnt der manche jüdische Kurgäste diese und ährüirhe Schikanen auch dort hinnehmen, wo sie die erdrückende Mehrheit bilden und durch ein geschlossenes Auftreten so ruanchen Uebergriff abzustellen vermöchten. . * Der jüdische Schulderem in Lenrberg . hat in verschiedenen Ortschaften Ostgali-iens hebräische Kurse als Basis eines zukünftigen hebräifchenE Schul- >v e s e n s ins Leben gerufen, wobei alles Nötige borge, sehen wrrrdc, damit der hebräische Unterricht in keiner Weift den obligatorischen Schulunterricht behindere und in eiM; dem Auffassungsvermögen der betreffenden Altersklasse enö sprechenden Weise erteilt werde. Da jedoch mehrere Bezirks schulräte in mißverständlicher Allsfassnng einer voyt Schul küratorium in -Lemberg veröffentlichten,. diese Grundsatz' einschärfenden Zirkularverovdnungan dir Schli e ß u :: hebräischer U n t e p r i cht s k n r j e Kitten, / :>