Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1922-09-15 · Heft 1293 (15.9.1922) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1293 (15.9.1922)
Date
1922-09-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2979076-2980129-2980373--12217-2998738
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Kr. 1*93 .__ Wett, Freitag? »em Kriege oder nach bam Kriege Grttndbesitzer geworden oder konzessionierte Geschäfte betrüben. Diejanigest ausländischen Juden, gegen welche irgendd ein noch sogeringfügiges Gerichtsverfahren schwebt pider jemals in Schlvebe jtan'b, sind, dvingerrd zu inwrmereir. Die Behörden werden vechalten, Aer die Durchführung dieser Maßnahme bis spätestens, 15. Oktober d. I. Bericht an den -Minister des Jynem zu erstatten. Die einzelnen.' Amtsleiter werden in dttn Rundschreiben errnahnt, den Auftrag ohne viel Aufsehen dnrchzusühren, danrit di-e Petwffsnen Lverder im Lande noch.inr Auslände Lärm schlagen können. Wir werden auf diese Angelegenheit noch zurüchkoMnten. i Budapest, 14. September. „Tlz Ujsag" menckdete heute, daß -der Minister des Innern am 31. August eine streng vertrauliche Verordnung erlassen habe,'die die Ausweisung bezw. IntevnseMng ausländischer' Staatsbürger jüdischer Rasse vorsehe. Der Minister des Innern äußerte sich - heute Zeitungsberichterstatiern gegenüber, der Inhalt der VerordtMg fei m dem betreffenden Blatte entstellt weitergegÄben worden. Der Erlaß beziehe sich auf ausländische Stvätsbnvger ohne Rücksicht auf ihre Beschäftgmng, deren Vorweilen im Lande vom- Standpunkte der witschaMchen Lage des Landes umnöglich und schädlich sei. Deaartige Personen iverdenznm Verlassen des Landes aufgesordert worden und nur in begründeten Fällen wevden die Verwaltungsbehörden das- Schutzversahren in Anspruch tuhnren. Freie TZieha«sfuhr aus Urrgar«. ^Die ungarische Regierung hat das im April erlassene Ausfuhrverbot für Schlachtvieh und Schlachtschafe inländischer Provenienz vom Budapester Schlachtviehexportmarkte außer Kraft gesetzt. Demzufolge können das von den für beit inländischen Verkehr nicht abgesperrten Gebieten aufgetriebene gesunde Schlachtvieh, sowie Schlachtschafe inländischer Provenienz vom Budapester Schlachtviehexportmarkte und das Fleisch der auf Per Budapester Schlachtbrücke geschlachteten Rinder und Schafe — die für die Ernährung geeigneten Innereien ausgenommen — von der erwähnten Schlachtbrücke nach Erlag der Ausfuhrgebühr und unter Einhaltung der allgemeinen Vorschriften ob 7. d. bis aus weiteres ohne besondere Ausfuhrbewilligung wieder zur Ausfuhr gebracht werden. _ Pole«. Der Fiauuzplan — OftgaNzie«. Warschau, 14. September. Ministerpräsident Nowak hat irr. einer Preßkonferenz mitgeteilt, daß die Regierung dem Sejm in der nächsten Session den Entwurf einer Autonomie für Ostgalizien vorlegen werde, dessen Inhalt den Ententestaaten bereits notifiziert worden sei. Bezüglich Oberschlesiens habe die Regierung alles vorgekehrt, um die dort bestandene Krise zu üher- Witwtt. """"'**#**'** .' v 15. September 19*8 ' ' ' Seite. 8 ) Wien, VII., Schottenfeldgasse Nr. 24 Tßlephqn 39-1*08 Luxus- und Stilmöbel all<r Art in nur erstklassigen Qualitäten Grosse Auswahl Gebogene Sessel montiert und demontiert Messestände: Rotunde Nr. 6170 und 6187 (zwischen Süd- und Ostportal im ersten Ring) »»»O»»«O»D» «« « D » > V^» »««»«»,, IlMIlii , , , ##•••'• t|lt»afaaa •«••#«*«•«na«lataan**««* winden. Diese sei in erster Linie durch den plötzlichen Sturz der deutschen Mark hervorgerüfen worden, die dort gesetzliches Zahlungsmittel sei. Die Regierung werde sich bemühen, die Mängel in der Approvisionierung im Transporttvesen Oberschlesiens zu beseitigen. Finanzminister I a st r z e b s k i gab Aufklärungen über seinen F i n a n z P l a n. In erster Reihe müßten alle Steuern erhöht werden. Die Regierung sei . gegen eine Zwangsanleihe. Er beabsichtige, dem Sejm den Entwurf einer ineren Anleihe zu unterbreiten, die durch Gold garantiert werden soll. Die Obligationen Meier Anleihe würden zur Halste aus ^'llnische Mark und zur Hälfte aus polnische Goldmark oder Schweizer Franken lauten. Die Bester der Obligationen. würden also Kursverlusten nicht ausgesetzt sein. Denn, wenn der Kurs der polnischen Mark sinke, erhöhe sich gleichzeitig der Kurs der Goldwährung, auf die die Obligationen lauten. Die Regierung ve' . ' te sich, die Obligationen eventuell in Schweizer Franken zu zahlen. Dir Anleihe werde auf Jahre lauten ünd.mit acht Prozent verzinst sein. Die Ausschreib--- ^-'rde anfangs November erfolgen. Ferner feilte der Minister mit, daß die Regierung .Metallgeld z«. fünf und zu. 20 Mark' auszugeben, beabsichtige. . Jüdische Wahlbeweßuug i« Pole». Aus Warschau wird gemeldet: Die -Wahlbewegung ist bereits in vollem Gange. Sämtliche Parteien haben bereits ihre Wahllisten.ausgestellt. Von beti Negicrnngskommissio« neu wurden schon die Kreiswahlkommissäre bestimmt. Die polnischen Bischöfe erließen einen Ausruf, in dem die polnische Gesellschaft aufgeforderl wirb, an den Wahlen regsten Anteil, zu nehmen und ihre Stnnnten ans keine Gegner der katholischen Kirche abzugeben. Die jüdische Sektion des Arbeitskomi-! tees d es Blocks der nationalen M i nderheit e» gab bereits ihre erste Instruktion heraus, die von Abgeordneten A. Hartglas, Ing. M. Keller (Jüdisches Nationalrat), A^.-K i r f ch b a u m und M. D e u t f ch e r (Schlome Emune) und A. T r u s k e r und B. W i s ch n i tzk y (Zentralverband der Kaufleute) unterzeichnet ist. In dieser Instruktion werden alle jüdischnationalen Institutionen, die im Block vertreten sind, aufgefordert, sofort an die Schaffung v e r e i n i g t e r jüdischer W a h lk o m i t e e s heranzutreten, in welchen alle Vertreter der jüdischen Parteien und Organisationen zusammenjitzen sollen. 'kÄir., c' -_; Hie Auerkeuuuuz der jüdische« Schule« i« Pule«. Warschau, 7. September. (I. C. B.) Der polnische Unterrichtsministcr gibt offiziell bekannt, daß alle jüdischen Schulen und Chedarim, die beim Kreisschulinspektorat registriert sind, von nun ab als o r d e n t l i ch e offen 11! ch c Schul e n anerkannt sind^ Die diese Schulen und Chedarim besuchenden Kinder werden zum Besuch der staatlichen Schulen nicht verhalten werden. In diese Kategorie der staatlich anerkannten jüdischen Schulen fallen die yiddischiftifchen und die modernen hebräischen Tarbuth-Schulen, sowie eine Anzahl von Talmnt-Thoras und Jeschiboth. Nebst den jüdischen Lehrfächern muß der Lehrplan dieser Schulen auch de« Unterricht der polnischen Sprache, Geschichte, Geographie und der anderen übrigen Schulgegenstände umfassen. . . ' ....... Die «atUnftlta Forderunge« der »stgulizische« Jude«. Genf, 8. September. (I. C. B.) Das Kontitee der jüdischen Delegationen überreichte de.m Völkerbund ein M e m o ran d u m über die nationalen Fyrderungen der ostgalizischen Juden. Das Memorandum weist auf das von polnischen Regierung ausgearbeitete Autonomiestat.ut für Ostgalizien hin, in welck)ent bloß nationale Kurien für die Polnische und -ukrainische Bevölkerung vorgesehen werden. Die jühische Bevölkerung Ostgaliziens soll, durch die Nichtzuerkennung einer besonderen jüdischen Kurie, gezwungen werden, in der polnischen oder ukrainischen Kttrie zu wählen. . , Pilsudski tu Bukarest. > Warschau, -12. September. (Tschecho-slow. Preß^ bureau:) Nach einer osssziellen Mitteilung ist Staatsches lat 4i« Billigkeit, Qualität nad reioke Auswahl ln feinsten fivnilft engltsohea Stoffen, Regenmänteln, Barnen- und Harrenninnp wäsohe, in Strick- und Wirkwaren im Warenhaus UlllUvj I!., Taborstraße 48 Telephon 47-1-70 En gros En datail Alte Operette. In einer Sommerwohnung — oder vielmehr in einem noch kleineren Ausflugsort, den man vom kleinen Sommer-Wohnungsort aus aufsucht, so etlva in einer Baude des Riesengebirges, findet man vielleicht auf einem halbzerbrocheneu, unsauberen, scheppernden Pianino Vevgilbte Notenhefte liegen. Musikstücke, die gar nicht zusammengchören, sind in gemeinsamen schwarzen Pappendeckel eingebunden. Ein Lied von Schubert, eine alte Mazurka „La Czarina" von Ganne, es kann auch die „Marche lorraine" von ebendemselben Ganue sein, dann ein Walzer von Johattn Strauß Vater, etwa „Nordfeebilder" mit einem in Stahl gestochenen Matrosentanz auf dem Titelblatt. Aus diesem Ätotenbuch hat die jetzt bejahrte Wirtin-Großmutter dereinst, als sie noch das schöne Wirtstöchterlein lvar, Klpvier spielen gelerüt. In Ermangelung anderer Musikalien liegt nun dieses Zeugnis eines längst aufgegebenen Studiums auf dem Klavier, zur Unterhaltung für etwaige Kurgäste und Ausflügler, Nun, diese aber, halben wenig Sinn für so alte Lustbarkeit, sie spielen lieber auswendig Erimtemngen an den letzten Abend im Srktpavillou, den „Batavia-Foxtrott" oder „Die Peruanerin". Unsere musikalische Phantasie 'begnügt sich längst'nicht mehr mit . der Rördseeküste, sie ist auf Uebevsee-Dampfevfahrten eingerichnt. Doch möglichevweife regnet es. Man wird in der Baude festguhalten und man kann nichts -mehr auswendig. Dann kommt das alte Hyft desnvcllten Wirtstöchterleins zu Ehren. Man sindet eine Potpourri aus einer Rossini- Oper, die längst nicht mehr aUfgeführt wivd und deren Titel nicht, zu kennen man heute ohne BeschÄnung gestern darf. Und doch war diese Oper einst bei ihrem Neuerscheinen eine köstliche Sensation wie heute das letzte Werk voll Richard Strauß. Regengüsse eines halben Jahrhunderts haben die ehemalige große Mode blaßgespült, doch nicht ganz um ihve Festlichkeit und ihren imponierenden Glanz bringen koimen. Man sieht den Noten, die besonders schön gedruckt sind, noch heute in all ihrer Vevgesienheit und schäbigen Alterschwäche cm, daß eiG die schönsten Hände des zivilisierten Eüropa nach ihnen tzegriffen, die kokettesten Augen sie gelesen haben.' — Sehe melancholische gelbe - - ''■ ’ ’ - - das Mprer. DK faste Rand, der reine Stich, — das alles wirkt ein lvenig lächerlich hei einer so gänzlich untergegangenen Komposition. Es ist jene Lächerlichkeit,'die auch alte Modebllder haben, die Ballonärmel, die man auf Illustrationen in sehr vergangenen Jahrgängen der „Gartenlaube" sieht, der cul de Paris, den einst niemand belächeln durfte, — „Honzik" hieß er hier zu Lande. O, ihr stolzen Schönen verflossener Dezennien, ihr würdet es euch sehr verbeten haben, -wenn man euch so befremdet mitleidig angLschaut hätte, wie mau heute eure Bilder betvachbet. Und weil man durch das Mitleid hindurch, das man alten Müden entgegenbringt, bodj auch den Stolz der darnaligen Gegenwart fühlt, die Lebenspracht verrauschber Bälle und Kavalkaden — und etwas auch von dem sturillen Stoßseufzer jenes greisen Lebemannes: „Ja, geliebt -hat man in -den achtziger Jahren," — lvsil all dies Vergängliche und in aller Torheit süß Allgegenwärtige sich mischt: deshalb ist es ein so wehnmtiger Spaß, den Luxus und den Leichtsinn von Epochen, die heute längst Skelett geworden sind, die Reliquien ihrer Geselligkeit zu beobachten. Ich habe einmal den Plan gehrbt, die Gasienhauer. der Saisonen zu sammeln — für jedes Jahr einen oder zwei Hauptschlager. Derttlicher als alles andere würde einem «ine solche Sammlung dm ganz bestimmten Dust einer Zeitspanne, die Atmosphäre emes bestimmten Somnrers wiedergeben. ,>Hallo, du süße Klingelsee" und „Salome" (ich meine den Foxtrott) — das war 1920. — 1921 stand ich Zeichen des Liedes „Wer wird denn weinen, wenn man auseinandergeh^. In Deutschland hörte man damals schon den „Bnmmelpetnts", der letzt eben in Prag populär wird. — Höre ich nach Jahren eine dieser Melodien, so wird mir das Jahr 1920 und 1^21 klarer vor die Seele treten als etwa durch die Ermnenmg „Griechisch-türkischer Kxieg" Wie viele griechisch-türkische Kriege hat es schon, gegeben, rrieinand weiß, wann sie anfangen, wann sie aufhören. Einer von diesen Kriegen dauert, wie es hsißt/auch heute :wch an, obwohl chn die Zeitungen zü ignorieren scheinen. Immer gibt es gttechisch-türkiische Kriege. Aber die Zeit, in lvelcher der „Bummelpetvus" herrschte, ist genau umschrieben. Und ich beWe. weiter zurück. Ditz pjtzestW dex m. die ich WW MMM kann, siltd etwa: -,FunicM" „Fischerin, dtt kleine" — „O Schaffner, lieber Schaffner, ivas haben Sie getan". Fallen nur diese, Lieder ein, so sehe ich rrtich als Knaben m Matrosetlbllts«, dessen höchste Sehnsucht: eine „rote Honduras" ode): eine „Australien mit dem schtvarzen Schwan" ist. Dann folgen einige andere Jahrgänge: „Weißt du, Muatterl, was ich träumt Hab'" — „Ich bin eine Witwe, eine , kleine Witwe" — „Daish" —- „Ich hätt* geküßt di-e Spur von ihrem Schritt" (Verlorenes Glück) — „Sei nicht bös, es kann ja nicht sein" — „Mit ntemet Mandoline" — „Na Mariance" — „Am Wasser, am Wasser bin i z'Haus". Das Kalendarium ist in Unordnung, ich kann -die Arteiennität dieser Lieder nicht mehr genau feststellen. Weiß nur, daß ich sie gesungen habe, ohne vou ihrem Inhalt das Mitcheste zn verstehen. Die drohende Frivolität utrd Begievde so mutender Reifejahre zeigte damals noch ein ganz unschuldiges Kittdergosicht. Was kümmerte es mich, daß diese Lieder von sehr feschen Soubretten gesungeu wui^n, manchmal sogar in Hosenrollen, für die man damals den hetrte gleichfalls verklungenen Namen „De-bardsur" ,hate. Ach, os lvaren Kinderlieder für auch, sie standen auf eimr Stufe mit Johannisbrot, Schokoladetrbonbons. und meiner herrlichen Sammlung von gebrauchten Tramwahbilletts. Attd demtoch ein geheimnisvoller Ton in ihnen. „Ja, Madame Angvt war ihre Atnme" oder -schon der Tit.'.l / „Die Glocken von Ecrneville" —. über diesen Frügmenien.alter Operetten liegt der unbestimmte Duft vou ctwas Süßeur, Unerlaubten, dessen bloßes Borhandetrsei-n damals ein Rätsel wqr. „Ach ich haß' sie ja trirr — auf die Schulter geküßt." — Auch diese langsam schmachtende Walzermelodie gehört zu. den Erinnerungen der ersten Kittdheit. In meinenr weltlichen Reliqniarmnr von Saifonschlagern würde sie wahrscheinlich die früheste Datierung bekommen. Daß diese Melodie je einmal neu, modern war, taucht nur noch eben aü§. dem llnlrrbewußtsein hervor. Als Zitat hat man sir ja seither hie uyd da. gehört. — aber das ist nicht, dasselbe, das bedeutet nicht urimiftelbare Saisonherrschast. Und nun — ganz mlevwartet — em^bein^he gespenstisches Evlebnisl Millöckers. „BytteLstudent^ -wind treu aufgeführt und ba tzrÄingt von der Mhne hevcvb, ganz lebendig, als sei es kerne ReKquie lWgst ÄgeptzKÄi^x MMst. jeM.Ulfar- MWt sWiKtzr^'l - -

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.