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Wiener Morgenzeitung · 1922-09-02 · Heft 1290 (2.9.1922) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1290 (2.9.1922)
Date
1922-09-02
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 1L90 . Men, SamStag Wiener MorgenzeiLung. >ganisytiou in den Jahren vor dem Kriege üufzÄbrmgen pslegie, ist dies immerhin ein ganz beträchtliches Anwachsen; im Verhältnis zu dem Wachstum unserer Aufgabe ist dieses - Ercjebn is zweifellos'. noch geri ng. Gründe dafür sind die äußerst schlechten' Verhältnisse der Zeit, in lvelch? die Gründung des Keren Hajessod gefallen ist. Dazu kommt die Depression in der jüdischen Welt in der Zeit zwischen Balfour-Deklaration und Mandat und die Unruhen in Palästina, welche der Propaganda sehr abträglich waren. Schließlich , hat der Keren Hajessod von Anfang an mit dem Problem der Notwendigkeit des Augenblicks zu rechnen gehabt, Äas Urteil mußte anders ausfallen, wenn er als Fonds gegründet worden wäre, der das Geld zunächst für eine gewisse Zeit hätte thesaurieren und mit seiner Organisation und Propaganda ruhig und systematisch hätte Vorgehen können. So aber mußten, bevor er irgendwie sich konsolidieren -konnte, seine Mittel sofort zur D e.cku n g d e § pälä stt nenfifchen Bttd gets herangezogen werden- In Anbetmcht aller dieser' Schwierigkeiten können wir sagen, daß der Keren Hajessod ein Erfolg war und ein noch viel größerer zu werden verspricht. Es ist keine Kleinigkeit, daß honte bereits 150.000 Juden in de r W c l t f ü r d L nKer e n H a j e s s o d b. e i st e u e r n. 150.000 Menschen stellen, wls Repräsentanten von Familien gesehen, eine halbe Million Inder! dar. Nach der psychologischen Seite ist die Beeinflussung durch den Keren' Hajessod noch weit'größer. Im Keren Hajessod ist alles ein« Frage der Quantität. Trotz aller Bemänglungen und aller Kritik glaube ich, sagen zu können, daß das Grundshstem des Keren Hajessod g'sund, zweckmäßig und organisatorisch richtig ist Er ist-allen drei Bedürfnissen Palästinas, von denen Ruppm gesprochen hat, gewachsen. Dabei blieb noch eine Funktion, für die er außerordentliche bahnbrechende Bedeutung hat, unerwähnt. Gewisse Unternehmungen erhalten durch ihn die Möglichkeit, über die ersten Schwrevigikeiien hinwegzukommen. Die Hypothekenbank und das Nutten b e r g - Projekt stich in ihren Anfängen auf diese Weise durch den Keren Hajessod gesövdert worden. Auch für die Folge wäre es gut, daß der Keren Hajessod bei. öffcntlich-wirtschasülchen Unternehmungen sich in Fornr von Darlehen oder Geschäfts auch eilen! beteiligt.,In dem, was /der Keren Hajessod heute tut, ist Belebendes und Anregendes genug. Aber es ist kein richtiges Verhältnis in den Ausgaben hinsichtlich dessen, was man produktiv und was man unproduktiv nennt. Es wäre sicher für die Prcpaganda vorteilhaft, wenn man auf eine neue Kolonie' und dergleichen Hinweisen könnte. Mer, auch hier muß der Keren Hajessod sich den Noklvend'lgkeiten fügen Eine kleine Erhöhung etlva um 200.000 bis 300.000 Pfund würde das ganze Bild seiner Leistungen und auch die Propaganda verändern. Den Keren Hajessod verdoppeln, heißt, seine Existenz für inrmer stabilisieren. Trotz seiner bisher Verhältnismäßig bescheidenen Erfolge ist,dennoch einer cchs ein blfonderer zu verzeichnen:, ex war ursprünglich als ein'rasch .aufzubringender Fonds gedacht. Er hat sich aber rüdesten an' vielen'Orten rm jüdischen Bewußtsein festgesetzt als die moralische Verpssi ch tu n g znr mi hrli chen Beitrag sleistun g für Palästina. Wir müssen jetzt festftelleu, ob der Keren Hajessod weiter aus der Grundlage des Maaffer propagiert werden, oder ob der Maaster als Fchlschlag bezeichnet und ausgegeben ,werden soll. Nach unserer Meinung wird dieses Prinzip in manchen Ländern emgehalten, in manchen ganz gewiß nicht. Der Maaster ist ein Symbol im Sinne der Selbstbesteuerung des Volkes und so muß er bestehen bleiben und immer tiefer, . ins Bolksbewußtsein cindringen. . : Ist die äußere Konstitution des Keren Hajessod, wie sie von: Kongreß festgelegt wurde, verbesserungsbedürftig? Es wurde ein Verhältnis hergestellt zwischen der Zionistischen Organisation und 'den Beitragsleisteuden des Keven ' Hajessod einerseits und dem Wirtschaftsprogranrnr Palästinas und der Deckung des Palästina-Budgets andererseits: die. VeitragsleisteN'den sollen MichOtder in einem Council delegieren, der eine Hälfte des Direktoriums des Keren Hajessod zu bestellen' hat. Ich' halte die vonr letzten Kongreß gefundene Form der Organisation für eine glückliche, weil sie Lösungen für alle Eventualitäten gestattet. Ob der Weltkongreß ein'berusen wird, ob eine Jewish Agency mit Heranziehung anderer Faktoren konstituiert wird, der Keren Hu'jcssod enthält, immer eine Möglichkeit für die Eingliederung der späteren wirtschaftlichen Tätigkeit der Agency. Die äußere Form ist also als geeignet anzuerkenuen. Es hat sich-bei der Werbetätigkeit des Keren Hajestod erwiesen, daß die Zionisten in einzelnen Ländern nicht aktiv genug waren, so daß, die Entsendung von Delegierten fast immer das einzige Mittel war, um die Kräfte in den betreffendsu Ländern zu wecken oder zu organisieren und daß ein Rückschlag eintrat, wenn die Delegierten das Land verließen. Der Keren Halessvd muß also mit einem.S taüvon Delegierte ix. arbeiten, und zlvar nicht mit geüvöhnlichen, sondern besonders qualifizierten Männern mit gutem Namen. Hier setz, oft die Kritik ein. Man. findet den Agsgabccrat zu groß. Aber eine Vergrößerung des Resultats uu! das Doppelte reduziert die Ausgaben, der Prostortion nach um die Hälfte. Die bisher geübte Kritik ist zumindest verfrüht. Es ist gewiß zu wünschen, daß mit allergrößter Sparsamkeit grwirtschaftet wird. Aber in unsevöm Falle würde allzu große Oekonoinie ein Versiegen der Arbeit bedencen. Auch hier ist also alles auf erhöhte Energie gestellt. Auch in diesem Systern der Institutionen, der Bankkerr, des'Nationalsouds usw. steht der Lberen Hajessod, denke ich, iw 2. September 1922 Sekte 8 KLEIDER ' / KOSTÜME / MÄNTEL \\ ‘ V PELZE KfiRNTNERJTRflSSE 34 (MAYSEDERGASSE2) 1*0 an' seinen! richtigen Platz. Als Fonds, der in sich die Palästina-Tätigkeit konzentriert, ist er sehr geeignet zur Zusainrndnarbcit mit anderen. Fond?. Was die Werbearbeit für die verschiedenen Fonds aülangt, so klappt dabei^nicht alles. Sänrmlungen für den Natwnalfonds und Keren Hajessod kollidieren an Manchen Orten,- wir machen uns manchmal Konkurrenz, und es wird ein System der reibüngslosen Zusammenarbeit zu' finden sein, welches dann das Palästina-Budget, erhMich erhöhen wird. Wenn z. B. Keren Haiestod. Hypothckenlbank, Nationalfonds und I. C. T. zusammenarbeiten, so kann es geschehen, daß der Verkauf von 100.000 Aktien.der Hypothekenbank. Arbeit für Immigranten schasst, die dann den Keren Hajestod von VeitragsleisMnyen entlastet und so fmt. Zum restlosen Gelingen, des Keren Hajestod fehlt nichts als geduldig e, u n e r:n ü d l i ch e A r b e i t, und nichts schadet ihm m-chr, als Ueberhastung und überhastete Kritik, nicht zu reden, von der O h str u k t i o n, welche ihm leider, von mancher Landsmannschaft aus parteitaktischen Gründen gemacht wird. Der Keren Hajessod ist seiner Konstitution nach gesund, seine« wirtschaftlichen Fähigkeiten nach ««Sedingt produktiv. Jeder tue an seinem Platze alles', wqs notwendig ist, um den Keren Hajessod zu stärken, dann bleiben nur Angelegenheiten technischer Natur als Fragen, deren Lösung, keine großen Schwierigkeiten machen wird. So sehr ich selbstverständlich nüchterne, durchgreifende Organisation für die Hauptgrundlage des Keren Hajestod halte, ebenso tief bin ich überzeugt davon, daß es noch nie so notwendig war, wie jetzt, unseren moralischen Ruf mit elementarer Km ft hinausgehen zu lassen, den Ruf, welcher Maasser heißt. Zlatopolsky: Der Keren, Hajessod bedeutet - nicht spenden, sondern eine.Steuer. Zweifellos smd.die Abgaben der Juden für' Palästina großer als früher. Aber ans dom Wege bloßer Spenden hätten wir die erreichten- Beträge nicht zustande gebracht. Doch ist das Maassevprinzrp immer Ansicht'nach von den Zionisten selbst nicht ausreichend eingehalten worden, mit Ausnahme einiger Länder. Maaster ist eine große -Parole gewesen, kein bloßer Statutenpamgvayh, und so zeugt sein noch ungenügender Erfolg , unter dm Zionisten vpn mangelnder Part erd iF z i p l i n. Und nicht nur in bezug auf den Maaster. euch auf die evwartete Mobilisierung der Menschen haben wir Zionisten nicht ausreichend unsere Pflicht getan. Redner besprichtdie Frage der Sammlung und Verwendung der verschiedenen Fonds und geht auf die Methoden des einheitlichen Fonds ein. Konkurrenz und vervielfachte Spesen -würden bä§ Resultat zahlreicher Sonderfonds sehr, boe-inträchtvgen. Zentvalisiermvg der Ausgaben in einen: -Fonds würde düs Budget' vereinheitlichen und leichter regnlinbar machen. Mau mache einen scharfen Unterschied Zwischen rentablen und unrentablen Ausgaben. Trotzdem hat der Keren Hajestod die Gründung der Hypothekenbank erlcichtcrt und die Vorbeveitungsarbeiten des Ruttenberg-Prc>)etts finanziert. Die Praxis führt dazu ohne Erschütterungen der Grundlagen. Es ist daher nicht notwendig, prinzipielle Aerchevmlgen des Keven Hajestod vorzunehmen. N u p p: n schlägt einen Koloirisa- . tionssonds innerhalb des Keren Hajessod vor, der aber nicht auf chesonderen Sammlungen beruht, , dem Maaster aber absolut zustimmt. Ein Recht aus Dividenden besteht nicht. Der Charakter der Steuer schließt aus, daß die Beitragenden Anspruch auf Dividenden haben, wenn auch die Möglichkeit von solchen nicht ausm schließen ist. Die Schaffung der.„ von Ruppin geforderten E nr i s fi o n s si e l l e bei der Kolonialbank ist äußerst wichtig. Sie wird alle Wertpapiere auf geschäftlichem Wege placieren. Wenn wir unser Ziel erreichen wollen, dar? nicht ständig redigiert und . räsonuiert. werden, sondern umu rnuß zur praktischen Arbeit übergehen. . Schluß der Sitzrurg 7 Uhr aberchs. Tschitscherin wjT nach ÄmerikK. . Berlin, 3o. August. <Tjvl. >der „Wr. Morgenzeitung".) Der in 'Berlin Iveilenide T s ch i t s ch e r i n hot' der Berlimr amerikanischen Vertretung das Ansuchen, um Msstellung eines. Passes nach Amerika unterbreitet.'Tschitschedin will sich nach Amerika begeben, um dort mit den' finanziellen Kreisen Verhandlungen zur Erlangung einer Au leih e für Rußland einzu-- leiten.' ' w ' Lie rur uuveriüxlleüvn Oeelruax Ihreo Bedarfes Oesterreich. Die Kvilfereuzen des B«»deska«zler» . . Wien. 1. September. Gesteru erschienen beim Bundes lanzler der-finnländische Gesandte Holma, der schivedii schs. Gesandte -Ewe-rlöff,und der italienische Gefandti O r s i n i B a r o u i, heute der japanische Geschäftsträger - Morilazn Iba der französische Gesandte Lese,vre P o n ta l i s.und der schweizerische Geschäftsträger d. I e n n e r. Fernevfanide!: vormittags Besprechungen dc; * Bundeskanzlers mit den Vertretern sämtlicher Karninerr für Handel, Gewerbe und Industrie, uachnrittags im Bev sein des Bundeöministers für Handel-K ras t mit den Dv legierten des Hauvtverbandes der Industrie und seine: Zweigverbände sowie der Alpilien Montan-Gesellschaft statt Die Beratungen mit den Kammern ertreteru loerden nwv gen fortgesetzt. Für Tiensbag 'sind die Vertreter der A v b c i t e r k a m m e r n eingeladen.. Die IndnstrLeLen gegen dsn FiNKnz^ minister Segnr. Die ParlamentskorresPondenz meldet: Die Wortführer der Provinzinduftriellssn sprachen heute, veranlaßt von deü Wiener^ Industriellen, benn Bundeskanzler- Dr. SeiPeK vor, um mit ih»l über die wirtschaftliche Lage und ins-be* sondere über die fitt dje Industrie aus der bisherige« Finanz Politik erwachsenen Gefahren und entstandenen Kl^> , sen zu sprechen. In den Kreisen,der Provinzindustr-iellek, herrscht tiefe'Verstimmung über die vom jetzigen Finanz minister .ein-gerwmmeue- Haltung und über die — wie, M sagen — Mißerfolge seiner Finanzpolitik, weshalb in dieses' Kreisen auch der allgorneine Wunsch 'nach dem RücktriK, des Fiuanzminifters Segur besteht: In den Kreisen dies-ss Industriellen würde man den, jetzigen Ersparungskonp mistär H o r n i k sehr gerne ats Finauzminister sehen. Finanz- und BudgeLsnsschUß. Der Finanznn) Budgetausschust hält Dienstag w'M 5. d. um halb 4 Uhr eine Sitzung ab. Auf der TageK» o r d n u n g bcsmdeu sich die Berichte über dürchgeftihr-g Kreditvpcrationen und n b e r n c m n: e n e G an a n t i e An Zwölfter SLnnd2. Paris, 1. September. „Cablogramme" veröffentlicht ew Interview mit dem Bundesmmister für Aeußeves Dr. Gr ün-," lberg<r, -der,u. a. erklärte, der Apell Oesterreichs an den Böl» kerbund fei die letzte und'höchste Instanz, die Oesterreich geblieben sei. Wenn die, österreichischen Delegi-erten von Gerts mit leeren Händen znrückkämen, wüvde sich keine Regierung mehr finden, die in Wien die V e r a n t w o r t u n g für die Regierungsgewalt übernchmen könnte, und cs waren die schwersten Komplikationen nicht nur in Oester reich, sondern in ganz Donau-Europa zu befürchten. Tschecho - Slowakei. Die RekonstrnkLLsn des KabineLts. Prag, i. September. Wie die- Brünn-er „Lidove No» viny" melden, fanden sich gestern m Anweseicheit des Präsidenten M a s a x. y t die Mitglieder des ExMltivansschusscs der KoalitionSParteien beim Ministerpräsideüten ein. Die Erörterung betraf hauptsächlich die Frage des Vorganges bei der Bildung der neuen Regierung, au deren Spitze Wgeordneter S v e h l a stehen soll. Es loird angenommen, daß Abgeordneter Svehla seine Vorarbeiten in diesen! Sinne beschl-eunigen wird, daß aber trotzdem bei der bvorfteh enden Tagung der Nationalversannnlnug die gegenwärtige Regierung noch unverändert aus der Nii-mstet-bank erscheinen wird. Es ist auch, nicht ausgeschlossen, daß das Parlament mit Rücksicht auf das Drängen der sozialistischen Parteien, hie aus die industrielle uüd-wirtschaftliche. Krise Hinweisen, früher als beabsichtigt war, Zusammentveteu wird. EiM Entscheidung hierüber ist aber noch nicht gefällt. ' , Die AndnftriekrisL. Prag, 1. Septornber. 'Nach dem „Ceska Sl-ovo" hat si.H die Krise rn dsr Flachsindustrie verschärft. Drei große Bd! triebe mit rund 1300 Arbeiter:: würden de-nmächst die triebe cinstellen. Falls das Steigen der Krone a-ndau-ev^ werde es mrch zur Schließung Übrigen 15 Fabriken lonn nren. wodurch 5000 Arbeiter beschäftigungslos -würden. AuH die Wäschesabriken schrä-Mn ihre Produktion aus drei big vier Tage in der Woche em. Polen. Verschiedusg der SejMwahlen. Warschau, 3i. August. (Polnische Stimmen.) Einem Pressevertreter gegenüber erklärte der Muisterp'räsidrnt, e< werde nicht möglich sein, den Ausschrcibmigstermin' stir ° dir Wahlen in den Sejm emzuhalten. Die Regierung werde sich daher veranlaßt sehen, den: Landtag eine V er tag u u g des Termines um einige-Wochen vorznschlagen. Aus eine Anfrage des PresievertreLers erklärte der Premier über die ostgalizische Frage: Wir wollen Lien Ruthenen eine so weitreichende Autonomie gewähren als es die Interessen des Staates gestatten. Diese Frage soll im vollen Einvernehmen mit unseren Mnerten, insbsonderir mit Frankreich, der Teii.eriinsfd: an Stoffen, wasche, Leinen, Strickwaren, Wirkwareii etc. Kaufen!!., TsbarstraE« 4!’.

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