Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1286 (29.8.1922)
- Date
- 1922-08-29
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Weite 4 Wien, Dienstag' Mette? mev^mtUnm* W. *zsfe artikel XXV: 1-20 über „die Regelung der Inskription für die Universitäten, die Technische Hochschule, die Volkswirtschaftliche Fakultät der Budapester Universität und die Rechtsakademien". Mit Hilfe mannigfacher Rechtfertigungs-- und Disziplinarverfahren säuberte die Gegenrevolution die Aemter von den Juden. Durch das erwähnte Gesetz, will die Regierung es unmöglich machen, daß die I n- Len sich den intellektuellen freien Berufen widmen. Der erste Paragraph des Gesetzes besagt, daß „die Zahl der Hörer, die in den einzelnen Fakultäten und Sektionen ausgenommen werden können, auf Grund des Vorschlages der zuständigen Fatttttät (auf der Technischen Hochschule des Senats) durch den Kultus- und Unterrichtsmünster festgestellt wird". § 3 zufolge muß zum Zwecke der Inskription um eine Erlaubnis angesucht werden. „Die Erlaubnis wird durch eine Vollsitzung der Fakultät gewährt." Bei der Gewährung der Erlaubnis muß außer den Anforderungen der nationalen Treue und der moralifchen Verläßlichkeit einerseits auf die geistigen Fähigkeiten des Aufnahmsbewerbers, andererseits auch darauf Rücksicht genommen werden, daß die Verhältntszahl der zu den auf dem Gebiete deS Landes wohnenden einzelnen Volksraffen und Nationalitäten gehörenden JünglingeunterdenHörernwomöglichdie Verhältniszahl der betreffenden Rasse oder Nationalität erreiche. Obwohl § 58 des Friedensvertrages von Trianon erklärt, daß sämtliche Staatsbürger ohne Unterschied der Rasse, Sprache oder Religion vor dem Gesetz gleich sind und dieselben bürgerlichen und politischen Rechte genießen, ermöglicht das oben erwähnte Gesetz der ungarischen Gegenrevolution, daß über die Aufnahme aus die Universitäten. nach den Gesichtspunkten der Vermögenslage, der Nationalitat und der Religion entschieden werde, ja das Gesetz erteilt den UniversitätSbehöcken direkt die Weisung, bei der Aufnahme auf die Rassen- und Nationalitätsgesichtspunkte Rücksicht zu nehmen. Und wenn wir noch hinzufügen, daß in der Praxis über die Aufnahnve gar nicht der Professorenkörper der Fakultäten, sondern aus Offizieren und Erwachenden Magyaren (ungarischen Fasziften) gebildete Kommissionen entscheiden und daß diese Konn"'"- - -V ' Gesetzes die Juden von der Univrsität ausschließen, so stehen ivir der großen Errungenschaft des ungarischen Parlamentarismus des zwanzigsten Jahrhunderts gegenüber: dem gesetzlich sanktionierten Ä e tto. Die Ko^fereuzeu des Bundeskanzlers. Beim Bundeskanzler erschienen gestern der Gouverneur der Oesterreich-ungarischen Bank Dr. Spitzmüller, ferner auf Einladung des Bundeskanzlers die Mitglieder des Wiener diplomatischen Korps, denen er über die Ergebnisse seiner Auslandsreisen und über die demnächst im Interesse Oesterreichs zu unternehmenden schritte Mitteilung machte. Nachmittags nahm der Ministerrat den Bericht des Bundeskanzlers und des Bundesfinanzministerrums über die von ihnen in Prag, Berlin und Verona geführten Verhandlungen entgegen und legte die außenpolitischen und finanzpolitischen Richtlinien für die demnächst wieder ersetzende Parlamentarische Tätigkeit fest. In dm Abendstunden empfng der Bundeskanzler den Präsidenten^ des Nationalrates Dr. Weiskirchner, den Bundesrat Dr. Drexel und den Zlbgeordneten Miklas sowie in Vertretung des sozialdemokatifchen Verbandes den Präsidenten Sein und dir Abgeordneten Dr. Ad l c t und Dr. Bauer. Die Besprechungen werden in den nächsten Tagen fortgesetzt werden. Trete« -te Ssztaldemokrste« t« &(e Negierung ein? Daß die Regierung und die bürgerlichen Parteien das Koalitionsanerbieten des letzten sozialdemokratischen Dkmifestes nicht so ohne weiteres akzeptieren, hat die Sozialdemokraten verschnupft. Sie lassen nunmehr in der „Arbeiterzeitung" Mitteilen, daß von einem Eintritt der Sozialdemokratm^n die gegenwärtige Regierung nie die Re-de sein könne. Das Blatt begründet diese Stellungnahme wie folgt: „Es kann keine Rede davon sein, daß über die Frage, oh unsere wirtschaftliche und politische Selbständigkeit an Italien verschachert wecken soll-, die paar Herren zu entscheiden haben,, die jetzt zufällig Minister sind. Darüber zu entscheiden ist Sache zunächst des Parlaments und in der Folge, des Volkes selbst. Die sehr gefährliche auswärtige Politik des Herrn Seipel muß sofort unter wirksame Kontrolle gestellt wecken. Dazu ist die sofortige Einberufung des Parlaments notwendig.. Vom Eintritt der Sozialdemokraten in d ie gegen wartige Regierung war nie d ie Rede und kann nie die Rede.sein. Unsere Meinung ist vielmehr, daß diese Regierung, die uns in das schrecklichste wirtschaftliche Elend geführt hat und die jetzt unsere politische Freiheit zu verschachern droht, nur noch eine Aufgabe hat: sofort das Parlament einzuhevufen, damit es sich ^darüber schlüssig wecke, welche andere. Regierung an die Stelle der Bankwitregierung von heute zu setzen ist." Es erübrigen sich daher, alle Verhaut Herrn Seipel Über andere GegenstkiE mit dem Mitteilungen ans dem Publikum. IMHMBiH' ••»** »«I« «»»«■*»*»■• : e %\ \ B e s t e s Bett der Weltl\ \**\\ WWW'. Wien. IMm ng 12 TtilcpbOD 61 207 »!>C in! I « f 5 f *•* :\? O! , cr. | H S - Miss Lapr in Messing*, Stahlrohr- und üinMltsii: BifOndsrs / ", \' tOr Palästina Reisonds! Dar. 1003 gegründete _ TEXTILü. J\K0B SCHAFFE1 befindet giob.1ernt yy. 3-LBatia es*nsiinba fjera<i* .Für reelle Badienunu wird Besorgt! . »»V Mit dieser Erklärung haben sich die Sozialdemokraten wohl freiwillig der Möglichkeit begeben, in die Regierung cinzutreten. Fraglich ist allerdings, ob die Mehcheitsparieien gerade im gegenwärtigen Moment auf die Kooperation der Sozialdemokraten besonderen Wert legen. Schüller in Rom. Rom, 23. August. Die Besprechungen im Schatzamt wurden heute nachmittags eröffnet. Es nehmen daran teil: Schatzminister Paratore, der Generalsekretär der Consnlta Eontarini, Soklionschef Dr. Schüller und der österreichische Gesandte Kwiatlowski. WirtZchaftrvrrhanLlnrrge» i« Prag und Rom. Wie gemeldet wird, begeben sich einige hervorragende Vertreter der österreichischen Bankwelt, Industrie und Kaufmannschaft noch im Laufe des heutigen Tages nach Prag, um mit dortigen wirtschaftlichen Kreisen in Bereitungen über, ein in Aussicht zu nehmendes wirtschaftliches Zusammenarbeiten zwischen Oesterreich und der Tschecho-Slowakei einzutreten. Die Initiative zu diesen Verhandlungen ist von j tschechischer Seite ausgegangen, doch nimmt man an, daß auch i t a l i e n is ch e K?e Vf e in allernächster Zeit! mit,den . österreichischen Interessenten in ähnlicher Weise Fühlung zu nehmen versuchen wecken. Der jugoslawische rksstenminister über Prag, 23. August. Der . jugoslawische Außenminister Nineie empfing heute die Vertreter der tscheche-slowakischen Tagespresse, denen er, wie die „Prager Presse" berichtet, folgende Erklärung über die österreichische Frage gab. Eine Frage, die in Genf besonders berücksichtigt wecken muß, ist jedenfalls die österreichische, die durch die. heute nicht länger zu übersehenden Umstände dringend einer Lösung bedarf. Mir haben die österreichische Frage überaus eingehend besprochen. Diese Frage interessiert naturgemäß alle mitteleuropäisch Staaten ganz besonders, aber auch ganz Europa. Ein -and wie Oesterriich steht wirtschaftlich und finanziell mit den Nachbarn im engsten Zusammenhang. Da die Entscheidung von den Großmächten dem, Völkerbunde übertragen wurde, sind wir entschlossen, alle in Genf für eine praktische Lösung ein zu treten, für eine solche Lösung, die die wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten in Oesterreich w i r k s a m b e h e b e n w ü r d e. Unser Land ist bereit, nach Maßgabe seiner Kräfte in dieser Lösung mitzuwitken. Tschecho.-Slowakei. Die Prager Kouferenzr« der klci«r» EnLeUtc. Das SsterxejchWe Problem. Prag, 28. August. Das tschecho-slowakische Preßbureau meldet: Die Konferenz der. Äthatert btti Keinen Entente und Polens, an der Momdilö. Nineie, Minister des AeusMn des Königreiches S. H. S., I, G. D u c a, Minister des Aeußern, des Königreiches Rumänien, Cstazim Pilcz, bevollmächtigter Minister Polens als Vertreter des Ministers des Aeußern, und Dr. E. Benesch, Ministerpräsident und. Minister, des Aeußern der tschecho-siowakischen Republik teilnähmen, wurde Sonntag den 27. August um 10 Uhr vormittags begonnen. . Die Beratungen wurden Sonntag nachmittags Und Montag den 28, d. fortgesetzt. Es wucken alle politischen Fragen, die auf dem Programm der kommenden Session des Völkevbnndes stehen und. die die an der Konferenz beteiligten Staaten inlerelliereNf durchberaten. Ls wucke eine vollkommene Uebier- MplmWng der Wchten erziest und sowohl bezüglich her WWch der Lösüüg VSr einzelnen WÄkM' l.liösrslraBe 17U n«' Enscheidungen getroffen. Es wurde beschlossen, -daß bei der Session des Völkerbundes die Delegierten dieser vier Staa« ten den engsten Kontakt wahren wecken. Eine Reihe von Fragen wird für Genf Vorbehalten, um dort, wie es die Verhältnisse erfordern tverden, gelöst zu werden. Die Lage Oesterreichs und Mitteleuropas sowie die allgemeine internationale Situation waren Gegenstand eingehender Diskussion. Infolge der durch die letzten europäischen Ereignisse entstandenen politischen und ökonomischen Situation wurde neuerlich die Notwendigkeit eines einheitlichen Borgehens der auf der Konferenz vertretenen Staaten in allen Fällen konstatiert, wo ihre gemeinsamen Interessen bedroht wärm. Die Verhandlungen waren vom Geiste absoluter Solidarität und Freundschaft getragen und es wurde ein vollkommenes Einvernehmen erzielt, das durch die Versicherung ausgedrückt ist, daß alle vier Staaten weiterhin m derselben Richtung und in enger Verbindung im Interesse des Friedens in Mitteleuropa und in Europa überhaupt Vorgehen werden. Die Beratungen wucken am 28. d. geschlossen.- Polen. Aenderrrnge« im Kabinett Rav ab. Warschau, 27. August. (Tel. d. „Wr. MorgenzeitiuH".) Zn hiesigen Reqierungskreifen verlautet, daß der Leiter des Handels- und Finanzministeriums Straßburger zum Vizeminrster für Acnßeres ernannt wecken soll. O s s o w s k i soll wieder an die Spitze des Handels« ressorts treten. Tagesbericht. Der Index «nd dis Preisstetgernnge«. ' Die in der letzten Z-cat auf fast allen Gebieten vorgenommenen, geradezu unerhörten Steigerungen der Verkaufspreise haben'zum großen Teil darin ihre Ursache, daß viele Geschäftsleute sich fiir berechtigt hallen, auf den Käufer die vollen WiederanschaffunObedingungen zu überwälzen oder die Preise, ohne sich in weitere Kalkulationen einzulassen, um den Betrag des Jn'dex, der zum Schlüsse 121 Prozent betrug, zu erhöhen. Das Preistreibereigesetz gestattet, zwar, auf eine Aenderung in den Herstellungs¬ oder Auschaffungsbedingungen billige Rücksicht zu nehmen. damit ist aber absolut nicht gefagt, daß die vollen Wiederanschaffungskosten bei der Erstellung des Verkaufspreises bevechnet wecken dürftn; es wucke vielmehr gerade bei den seinerzeitigen Verhandlungen zwifchen Behörden, Kanfteuten und Veckrauchern das Maß der billigen Nücksichtnahme in der Weise festgesetzt, daß. e.iN.Mitte lprels zwischen dem' letzten Eiukaufspreis und dem W i e d e ra n s cha s su n g s p r e i s zu, erstellen ist. Noch unbegründeter ist die Preiserhöhung um die volle Indexziffer, da der Index ja nur den Zweck hat, einer. Ausgleich zwischen den erhöhten Koften für die wichtigsten Lebensmittel und den Lohn- und Dienstbezügen herznjtkllen. Die Gestehungskosten der Waren setzen sich aber außer aus den Löhne::, die häufig nur einen Keinen Prozentsatz der gesamten Koften ausmachen, aus zahlreichen anderen Posten zusammen, die nicht in dem gleichen Maße gestiegc:: si:ck, wie der Index. Die wirtschastspolizoiliche Abteilung der Polizeidirektion macht' ausdrücklichst darauf aufmerksan:, daß die vorstehend geschilderte Art, die Preise zu erstellen, geeignet ist, die Geschäftsleute in Widerspruch mit dem Preistreibereigesetz zu bringen und unter Umständen straffällig zu machen. Sie wird daher die Kalkulationen und Preiserstellungen eiudringlichst überprüfen und Znuiderhandlungen rücksichtslos den Gerichten au, zeigen. Erster SLudenientag der zisnrstiicherr Akademiker in der Tschecho-BLowakei' Zn den Tagen vom 13. bis 15. d. wurde in Lundenburg der c:ste Studententag der zionistischen Akademiker der tschecho-slowakischeü Republik, abgeha-lten, zu dem nahezu alle Kyrpowtiouen der Republik ihre Vertreter entsendet hatten. Es wucken folgende Referate erstattet: .Arbeitsmethoden in den zionistischen Korporattonen, gehalten von M. U. C. Loff (Ossid, Kremsier), Organisation der Slowakei, gehalten von Ein. Fischer (Hatechijah, Bratis-? lava), Akademiker-Palästina-Fonds, gehalten von cand. ing. Frischer (Brünn), OrganisativuLreferat, gehalten von cand. ing., E. E l b e r t (Halle, Brünn), Mittelschülerarbeit, gehalten von Z. U. C. F. Braun (Veritas, Brünn) und Nation und Bekenntnis, gehalten von I. U. Ci F. A dler (Hetilwah, Luudenbürg). Bon den Beschlüssen de§ Sindententages heben wir als wichtigste hervor die Gründung des tschecho-stowafischen Landesverbandes ün Weltverhande zionistischer Akademiker, der alle Korporationen der tschecho-slowakischen Republik umfaßt, dessen Exekutive ihren Sitz in Brünn hat und zu dessen Vorsitzenden Herr Z. U. C. Fritz B r a u n (Beritas, Brünn) gewählt wurde; ferner die Gründung des Akademiker-Palästina-Fonds, der es sich zur Ausgabe macht, mittellosen Akademikern die Auswande^ng rach Palästina zu ermöglichen sowie eine Fachzeitschrift berauSzugeben. Bezüglich der letztgenannten Vuilkte wick sich die Exekutive mit den Landesverbänden der Nachbachaat^n ins Einvernehmen setzen. 1485 6972 D/338A 240061