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Wiener Morgenzeitung · 1922-08-27 · Heft 1284 (27.8.1922) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1284 (27.8.1922)
Date
1922-08-27
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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'•nt. r»34 Dien, Sonntag Mlsozialisten versuchte dann eine Gedächtnisfeier zu sprengen, die das bayrische Zentrum für Erzberger abhielt. Auch hier wurde Landespoltzer eingesetzt, die die Menge zerstreute. In den Abendstunden herrschte lebhafte Bewegung in den Straßen. . .. Wie««« Mvrse»rzertU»g. 1922 6fite 5 Tagesbericht Die FSvderrmg des FreNr-errverKehrr. , Ein Leier schreibt uns: AlsBeispielfür das heuchlerische Gejammer über.das mangelnde Rechtsentpfinden in unserem 'Staate, welches von den „Ordnung sparteic-n", immer juhören ist, erlaube ich mir, Ihnen folgendes zur Kenntnis zu bringen: Ich hatte die Absicht, meinen Urlaub in der Wachau zu verbringen und kam abends nach eitler Fußwanderung in Spitz a. d. D. an, mit der Absicht, dort einige Tage zu verweilen. Ich fand nach langem Suchen ein Quartier und benützte den nächsten Tag su einem Spaziergang in der Stadt.. An der Gemeindetafel und. im Fenster des B ü r g e r nt eistera m tes fand ich nun Anschläge, die solch krasse Ungesetzlichkeiten enthalten, daß sie wohl verdienen, öffentlich besprochen zu werden. In einem Anschlag wird auf einen Beschluß des Gemeinderates verwiesen, demtz«solge jüdischer Besuch in Spitz a. d. D. nicht erwünscht ist und daß daher den Vermietern die Pflicht , obliegt, sich vor' Abschluß einer Vermietung diesbezüglich genaueste Gewißheit zu verschaffen, da sie sich sonst g ro ü e Unannehmlichkeiterc Anziehen würden. Der zweite Anschlag (gedruckt) besagt, daß bei mehr als dreitägigem Aufenthalt eine Aufenthaltsbewilligung'erforderlich ist, die nur Ariern erteilt wird, und daß- Personen, denen der Aufenthalt nicht bewilligt wird, den Ort sofort zu ver? lassen haben. Ich .hätte es als geborener und zuständiger Wiener nun wohl darauf ankommen lassen können, ob das Recht des freien Aufenthaltes innerhalb der Grenzen der Republik auch für. mich' als jüdischen Oesterrercher gilt, habe es aber vorgezogen, nur meien Quartiörgebet vor den angedrohten Unannehmlichkeiten zu bewahren, den Ort zu verlassen.' Ich frage nun: Woher nehmen diese Leute die Frechheit, derart gesetzwidrige uird erpresserische Ukase zu erlassen, und^ wo sind die staatlichen Aufsichtsbehörden/ deren Pflicht es -ist, ungesetzliche Erlässe für' unwirksam zu erklären und zu bestrafen. Denn daß die Drohung mit den „Unannehmlichkeiten" für die. Vermieter eine glatte Erpressung ist, steht außer Zweifel. Wozu wir bemerken wollen, daß der Justizminister Oesterreichs der. Dr. W ab er ist. Bsr der Natt»irier»r«K? Knappheit in lebenswichtigen Artikeln. Die Korrespondenz Herzog schreibt: Bei den Wiener Wirtschastsgenossenschasten und Kcufl"uten machte sich in den letzten Tagen der Woche eine äußerst fühlbare Knappheit irr den lebenswühügen Artikeln, insbesondere in Mehl, Zucker. .Kaffee und Fett geltend. Fett war fast überhaupt nicht erhältlich. Urrter diesen Umständen beschäftigte mau sich in maßgebenden Kreiseu bereits mit dem Gedanken, iu: Falle des Anhaltens dieser Knappheit, die zentrale Bewirtschaftung der lebenswichtigen Nahrungsmittel wieder einzufi'chren, da viele Familien in mehreren Würschaftsgenosienschasten ihre Einkäufe besorgen- und so in der Lage sind, die von dm einzelnen Konsumeniengenosseufchaften selbst 'verfügte Rationierung der Lebensmittel wellznmachen. Born Keren Hajeffod. Im folgrndcn veröffentlicht bVÄerttt Kaieffod-Kom«iffion die Fortiehunfl der Liste derjenigen, die laut Gutachen der Vertrauenstzommission ihre Pflicht dem Keren Kajessod gegenüber für das Jahr 1921 erfüllt haben. Ing. Fedor Ackermann, Dr. Fritz Antal, Kermonn Brandler. Ing. Luge» Buchbinder. Julie Braunstein, Dr. Kein, rich Kanarek. Dr. Oskar Karbach, Max Markus, Fron- Mahner, Moses Mehler. Benjamin Merfel, Schabst Stofebäum. Dr. Felix Omstein, Dr. Meier Präger, Dr. Dagobert Rybaczerostzy. Dr. Samuel Ruß, Dr. Adolf Tagticht. Kermann Tropp, M. A. Wallach, Berl Waldmann. F. K. Waltuch. Dagobert Wlafchim^ Peifach Wühl, Sstdor Zetnitz,. Mechet Zipper. _ Arzt »ab Schieber. Der Doktor van Lier aus Amsterdam. Im Mittelpunkt einer Hochstaplevgeschichte, die Wien, «Öcr.rin und Amsterdam interessieren wird, stcht wieder ein Holländer, «der hier unter freu UMmigfachsten Titeln ausgetreten ist und in den verschiedensten Kreisen eine Rolle zu spielen versucht lpt, als Arzt, als EdelsteinhätMer, als Bankfarsvur in allergrößtem Stile. Wir erfahren über das Auftreten des angeblichen Dr. van Lier: Seit März d. I. lebte in Wien ein Mtger, elegamrr Aimm, der sich.Dr. E. M. van Lier nannte, im Hotel Astoria mit seiner dovgeAichen Gattin und einem Kttrfre .im zartem Alter auf-vornehmen Fuße. Schon im Mai wurde Die Olobnungsnül in Wien «tne Statistik der W»h»»a,»bediirftigkrit. Nicht nur in d-nr Broitcu Schichten der Bevölkerung, sondern auch in sogenannten Jntelligenzkreisen wird die Bewirtschaftuilg des Wohnungswesens nur als eine Notmaßnahme der städtischen Verwaltung und weniger als ein Zweig der Sozialrerwaltung angesehen, der hierzulande noch sehr wenig gekannt und gepflegt ist. Deshalb ist es von großem Interesse, die statistischen Untersuchungen zu verfolgen, .welche das Wiener Wohnungsamt, wenn auch bisher, leider nur mit bescheidenen Mitteln und im Rahmen der gegenwärtigen Wohnungsfürsorge als Noist a nd s m a ßn a h m e anstelltc. Das Wohuungsamt hctt jetzt die ersten 6000 Wohnbedürstigen, die auf Grund der nerren Qualifikation sm cchüdc nrit mehr als zehn Punkten qualifiziert wurden, nach den Gründen der Qualifikation, also nach,den Ursachen des W'ohnbed.arfes geordne: und überprüf.t Tie tzäuptgruppe dieser Ursache bilden die Fälle des Raummangels: In 2110 Fällen, das sind rund 35 Prozent der untersuchten Gesamtanzcchl, war es Raummangel bei Untermietern und Bettgehern, also in den «pieron und untersten Schichten der Bevölkerung, in 1067 Fällen hondelt es sich um Ueberbelag Lei Hanpt°. Mietern und in 207 Fällen um jene Ehepaare, die wegen Raumm-angels getrennten Haushalt führen müssen. Erst in ziemlichem Abstand folgen als sonstige - Ursachen: Gerichtliche Kündigung in 679 Fällen, Unb e w. o h n b a r k e i t in 573' Fällen,. G e s ü n d H e i t s s ch ä d^ lich keit in 251 Fällen. Erfreulich ist, daß in der'ganzen List; nur 29 Fälle — nicht einmal ein halbes Prozent — Vorkommen, nt denert den amärgsten Betroffenen, den Waggonbewohnern, Wohnungen verschafft werden mußten. In 15 Fällen, das ist ein Bicrtelprozent, war Scheidung die Ursache des WohnbedarseS Tie bisher angeführten Zahlet:. betreffen H a n shalte von Wohnungssuchenden. . Ganz ähnlich gestaltet, sich das Bild bei den E i uzel* Personen, von denen 4o0 Untersuchungen vorliegen. Aus) hierZsicht der Raummangel bei Untermieten: obenan. Ihm' zunächst stehetl 13 g F ä l l e gerichtlicher K ü n d i? gu ng, ein Beweis, daß die Kündigungen solcher Untermieter verhälln'sinäßlg weit häufiger sind als dir von Hauptmietern.' Im . ganzen und großen entrollen diese statistischen Zahlen einhclrübendes Bild unserer un-geheureu Not, aber zugleich ein Bllo des eifrigen Bemühens der Gemeinde, dieser Not. durch möglichste Genauigkeit und Gerechtigkeit in der Verteilung des vorhandenen. Wohnraumes beizukommeu. Sperrung des Sanatoriums Baumgartnerhöhe. ,Dös Sanatorium Baumgartnerhöhe für- Nerveni Geisteskranke, das die Gemeinde Wien in der Nähe des Stein- Hofes für Privatkranke betrieben hat, muß mit Ende September gesperrt werden. Dieser. Entschluß wurde der Gemeinde durch eine Reihe von Umständen aufgezwungen. Vor allein erfordert die räumlich außerordentlich ausgedehnte Anlage des SanÄoriu-ms, Welche aus nicht weniger als elf Gebündelt besteht, eine rnwerhältnismäßig große Zahl von Angestellten. Fertur leidet das Sanatorium darunter, daß es als eine Anstalt der Gemeinde nicht mit denselben Mitteln der Reklame,- der Pätienteitwerhuüg und der Kostenberechnung arbeiten fttnü, wie sie unter "den gegenwärtigen Verhältnissen inbeit Privatsanatorien üblich sind. Auch die räumliche Nähe, des Sanat orirnns zur I r r e n a n st a l t Steinhof lvcn: dem Betriebe einigermaßen nachteilig. Die Anstalt wies daher. in' den letzten Monaten einen ständig steigenden Gebarrrngsab g an g auf, der sich bei werterer Ausvechierhattung unterden gegenwärtigen Geldverhältmsser'. ins Ungem-esienr steigern müßte. Da ein öffentliches Jnieresse.au der. Ausrechterhaltung einer Geineindeanstalt für Pvidaikva-nke nicht besteht, glaubte die Gemeinde ein weiteres Defizit des Betriebes nicht verantworten zu können, weshalb sie sich zur Auslassung der Anstalt entschloß. , . Pelzhaus Gebr.Brainin Wien, II., Glockengaase 8 Filiale in den Verkaufshallen am Karlsplatz (Telephone: 8I-2-EO-82, BI-3»80—81) Pelzwaren aller Äpt 6,7 eteueete Modelte, in, feinster AusfQhrung «tete lagernd Werkstätten: Wien, II., Rueppgaese 37 Konfektionäre, die Reallöhne mm Juli 1922 um dreiunddreißigundemhalb Prozent zu erhöhen und zu diesen erhöhten Lohnen den Index dan 124 Prozent für alle Arbeiten ab 1. d..zu lwzahlsn, einstimmig ab und beschloß, den Streik solaitge unter verschärfter Kontrolle fortzuseyen, bus die Konsckttonärc die Forderungen restlos bewilligt haben. die "PoWibchörde auf ihtt anKrerDsmil, >da^ chr vertrauilich ' initgeteilt wurde, daß der „Dr. van Lier" behauchte, ' Arzt der holländischen Regiemng und noch Wien entsendet - «worden zn sein, um Kinder/ die zur Erhöhung nach Holland geschickt toerdoir sollten, zu nutersuchvn. Mit großer Geschicklichkürt verstand er es, -den Nachsorschnngerc über die Wahrheit seiner Behauchtamgen ans dem Wege zil gehen. Als die Polizei daran ging, sich mit ihm näher zu befassen, lvar er mit Weib und Kind aus dem Hotel verschwunden. Bon der Ainstevd«'mer Polizeibehörde erfuhr die hiesige Srcherheitsbchövde, daß Lier ein Hochstachler, gar nicht verheiratet sei und steckbriestich verfolgt werde. Durch eine E 17. d. erfolgte Anzeige des Rechtsanwalts Dr. Bruno Schön seid .und des Äkretärs des Mtbs der Edelstein- Händler wurde bekannt, daß Lier als Teilhaber der holländischen Gdelsteinftrnra Fett hier-auftvttt und Schwindeleien in.größtem Stile cmsfühvte, indem er vertrauensseligen Leuten riesige Snnunen herauslockte. Die herausgelockten Srnnmen betragen Hunderte von Mlltonen. Seine Tätigkeit erstreckte sich nicht nur auf Wien, sondern auch aus Berlin und Amsterdam. Seine Wohnung hatte er im Hotel Continental, 4vo er auch von der Polizei verhaftet wurde. Gr wurde Festem, Mchdem die Erhebungen abgeschlossen waren, dom Lanidesgericht eingeliesert. Der Streik i» ver Korrfedtious- ' t«V«strie. Die Zugeständnisse der Konfektionäre abgelehnt. Gestern nachmittags fanden im Bundesministerium für soziale Berwaltimg neuerliche Ausgleichsverhandlungen in Angelegenheit des Stütlmeisierstreiks in der.Konfektionsindustrie unter der Leitung des Sektionsrates Dr. Wlczek statt, über deren Ergebnis Handelskanmlerrat Ste'mfchauer und Obmannstellvertreter Kalina von der tschecho-flowakischen Bereinigung in einer abends im Hernalser Brauhaus stattgefundenen Mafsenverscmnn- > lung der Stt'lckmeister berichteten. In der Versammlung herrschte schon von Anbeginneine sehr e r r eg t e Stimmung, die sich im weiteren Verlauf zu tumultarischen Szenen steigert^ .yls einzelne radikale Redner? auf das unzureichende Maß der Zugeständnisie hmwiefem Die Versammlung lehnte.das Zugeständnis-der Kertaftrophe eirrsO PsrszekschisteÄ.. Brest, 26. August. (Havas.) Das Panzerschisf. „France", das auf Her Rückkehr von einer nächtlichen Schießübung nach feinem Ankerplatz in Qmberon durch den Kanal Lategnöuse fuhr, stieß uni 1 Uhr nachts ans ein Wrack oder einen-.nnbekanntcu Felsen. Das Schiff er- > litt einen großen Riß, Das embi mßi nöc Wasser verlöschte die Feuerimg. so daß das Pumpwerk nicht in Tätigkeit gesetzt werden konnte. Da das Schiss nicht mehr manövrierfähig war, wurde es von der sehr heftigen Strömung fortgerisseu. Um 4. Uhr morg<ns, vom Wasser überslutet, legte sich das Schiss auf die Seite und sank ungefähr 20 Meter tief. Au Btzrd des Schiffes befanden sich 900 Mann, die alle bis cmf drei gerettet werden konntet!. , . Ehirvrgie 1« Aegypten. Zn der „F. Z." berichtet S p i e g e l b e r g über cineN fttteresfanten ägyptischen PaPhrus ans dem 17. Jahrhtncidert vor Christo, den der mnerikanische Aegyptologe Breasted in der Zeitschoist der New-?)orker „Historical Society" veröffentlicht und der an Bedeutung alle -bisher bekannt gelvoridenen altägyptischen Urktmden weit übertreten soll. 1 Der neue Papyrus gehört derselben Zeit an wie der Paphrrrs Ebers, das tmrsangreichste und bisher wichtigste - der erhaltenenaltägyptischen Werke, etwa den: 17. vorchristlichen Jahrhundert. Aber er ist nicht -wie dieser eine wahllose ZusanrmenstoPPekmg von Rezepten aller Art, -sondern eine systematische Insammenstellung von Fällen der chirurgischen Praxis. 48 solcher Fälle sind in den: nicht vollständig erhaltenen 4-,5 Meter laugen Papyrus besprochen um-d geordnet; voir dem Schädel über Mse, Kinnbacken, Ohr, Lippen, Kehle, Nacken, Schultern zum Thorar und Rückgrat vorschreirend und vernmtlich «bei den Füßen eMgend. Leider hat Är' Schreiber ans irgend einem Gnm-de -bei dem Rückgrat plötzlich bns Schreibrohr ans der .Hattid gelegt und so mvc einen Torso hinteÄassen. .Die einzelnen Fälle weisen stet? folgendes Schema mif: 1. Titel, stets -begnnrend: .„Antveisungetr für,die und die Krancheit"; ' 2. Untersuchung, stets beginneud: „Wenn du einen. Mann MtersuW," folgen die KrauLheitssymPtynte; Ztz 3. D iatggr o s e> stets beginnend: „Daun sollst du von chm sagen: Er leidet an..." folgt der Name der Krankheit; ÜtJ DD Verlanget in allem Buchhmidlv/ngm; pnf.Miljifyw: GesdOcbt« 1er 2.rn:$.. £in Buch ä«r )Q(tiscb«n'V«rIteissnBg ' gg I! Zimllml» kMIIMM I»« l« S>ki»««tdlHä d«5 östeaj -*oo «h.rnss. Wtntslep des Äcussrn Int.Verlaa Menai$sance\WiemX»<Tohannesgasse l^Televhon 288 " -i

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