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Wiener Morgenzeitung · 1922-08-27 · Heft 1284 (27.8.1922) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1284 (27.8.1922)
Date
1922-08-27
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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«r 1284 Nie», Se«ntag Wiener MsrgercheitÄwg. 27. August 1-2L 'mit 3 . 6. Arbeiten der: Konferenz von Washington' und'Fortßchüing: des 'Werkes dieser' Konferenz - M'Hinblick auf: den iWiedevaufbän ‘ der Welt.' (Bevichtevstatter ' Herr Theodore Lurton, Mitglied des Repräsentantenhauses (Bevsinigte Staaten). :U6. Emschränkmiiß der Rüstungen. Arboit-en des Bölteräunides'. Berichterstatter Herr Mavi-uS Monte l, Mitglied dev-Kammer der Abgeordneten, Frankreich).' '. 7. Mgsmeine und Migatorstche Wehrpflicht und. Ginfuhvung eines „Zivildienstes" für die MMärdienstvevwoigerer. (Berichterstatter Herr Dr. Munch, chemaltger Minister der Dänmnark).' 8. Parlamentarische Kontrolle der auswärtigen-Politik. (Berichterstatter Herr Dr/ Mataja, ehemaliger Staatssekretär, Präsident der österreichischen Gruppe). , 9..Koloniale Mandate und der Völkerbund. (Berichterstatter Herr Ban. Kol,. ehemaliges MWied, der ersten Kammer der niederländischen Geuerälstaaten). 10. Bericht des -interparlamentarischen Bureaus über die Tätigkeit des Rates seit der 19. Konferenz. 11. Mitteilung der Namen der Vertreter der Gruppen im interparlamentarischen Rate für die Zeit von der 20. dis zur 21. Konferenz. Laut Artikel 12 der Satzungen der Union werden die jwei Vertreter im Rate mindestens einen Monat vor Eröffnung mc Konferenz von ihrer Gruppe ernannt. Diese Ernennungen oerden dem interparlamentarischen Bureau mitgeteilt und mrch dieses der Konferenz übermittelt. 12. Wahl eines Mitgliedes des ausführenden Ausschusses au Stelle des Herrn Schanzer (Italien), avstretendes Mitglied. ■ Laut Artikel 16 der, Satzungen tqr| ein austretendes Mitglied nicht-wieder gewählt werden und muß durch ein Mitglied der anderen Gruppe ettetzt . werden.. Eine Denkschrift gegen Ungarn. Der interparlamentarischen Union-baden die Herren Vttchael Karolyi, Pfarrer Johann Ho ck, Iaszi, Lin- '»er und Szend.e eine Denkschrift überreicht, welche das heut; jn Ungarn herrschende Schandsystem schildert. Es wird insbesondere festgestellt, daß es in Ungarn nur einen scheinbaren Parlamentarismus gibt, in Wirklichkeit herrscht die Militär- Matur schrankenlos. Die Reform der ZvertzNmachsaÄgkde. Das Wiener Landesg>'sey über die Reform der Wertzuwachsabgabe. gegen das b-ll.i..nl'ch die Regierung Einspruch erhoben hat, wird r.'.mmchr, wie wir berichtet haben, in etwas geänderter Fassung der nächsten Sitzung deS Gemeinderates ,als Landtag neuerlich vorgelegt werden. Die umstrittenste Bestimmung über das Eintrittsrecht der Gemeinde wurde nun auf Grund von Verhandlungen mit der Bundesregierung, die in der vorgeschlagenen Form eine Beeinträchtigung, der Publizität des Grundbuches zu erblicken glaubte, dahin formuliert, daß beider dem Emtrittsrecht unterliegenden UeLertragung der Eigentümer verpflichtet wird, die Rangordnung für die Veräußerung seiner Liegenschaft im Grundbuch anmerken zu lassen, Dadurch wird das Eintritts.^'cht der Gemeinde im vollen Umfang gewahrt, zugleich aber auf die übliche einfache Weise, die unser GrnudbuchSrecht vorsieht, verhütet, ..daß ein nachfolgender Käufer durch die Unkenntnis der.möglichen Änsübmlg des Eiutnttsrechtes zu Schaden komme. Zeichnet J ä h r I i c h 2 Haupttreffer von je > K12,000.000 Jodes Los gewinnt Sämtliche Gewinste vollkommen abzugs- und einkömmeiistetiei*fi*ei Kein Legitimationszwang Zeichnungspreis: S7M K 1380 für jedes Los Die von der Buüdest'egierung gleichfalls bemängelte Besiimmung über die AnskunftsPflicht der Rechtsanwälte und Notare wurde fallen gelassen. Dagegen bleibt die Auskunftspflicht für dir Parteien und die Vermittler aufrecht. Mu hinzugefügt würde eine Bestimmung,, daß ein bei der Veräußerung vorbehälttnes Wiederkaufsrecht im Falle der Ausübung des Eintrittsrechtes der Gemeinde nicht nachteilig sein könnet Ferner wurde im Sinne der allgemeinen Regelung, dieser Gemeinderät gleichfalls m seiner nächsten Sitzung beschließen soll, auch bei der Wertzuwachsabgabals Straft sür dre nicht rechtzeitige Einzahlung an Stelle der Verzugszinsen der 2 5pro.zentige VerzogerungszUschlag gesetzt und die zulästigen Steuerstrafen erhöht. : Die Tir»ler Stadtgemei»de« vor der Zkchlung«einsteLu«g. Innsbruck, 26.. August. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Auf Anregung der Stadtgemeinde Hall fänd z hier eine Besprechung von. G-mmndevertretern der Städte Innsbruck, Kufstein, Kitzbuhel, Rattenberg, Schwaz, Hall,! Hölting, Imst und Laudeck statt.' Die Aussprache ergab die dolle Trostlosigkeit und Unhaltbarkeit der finanziellen Lage, dieser Gemeinwesen. Während ihnen durch das Bündessmanzgesetz wichtige Linnahmsquellen, wie Getränk e ff eu e r, entzogen würden und durch die maßlose Teuerung die Ausgaben,' insbesondere hie Gehälter und Lohne des Personals iutb die Versorgung der Schulen und^ Spitaler mit Brennmaterials unendlich gestiegen 'sind, haben die Urigen Einnahmen' mit dün Anschwellen des Erfordernisses^ nicht annähernd' Schritt gehalten.. , Ins-, i besondere beklagen sich alle Lieft Gemeinwesen .brttG! darüber, daß ihnen die .staatlichen Steuere r t r a g 2anteile stets viel zu spät und unzureichendzukommey und-atz ibneu'vöm Bund euch nicht einmal jene Kredit- Hilfen zuerkannt werden,. auf die sie, ein. gesetzliches „Recht haben. . So sind. Viele "dieser Gemeinden, die unmittelbar vor dem Zusammenbruch stehen, heutf effektive Gläubiger des Bundes. ohne trotz aller Bemühungen zu ihrem Gelbe kommen zu können. Das Land ist angesichts seiner Finanz» läge selbst Vollkommen außerstande, hier helfend einzugr'eifen. Nächsten Dienstag wird eine Abordnung von Beo tretern der; Gemeinden. Hötting' und Schwaz im Finanzministerium in Wien vorsprechm, um eine ausgiebige rasche Hilfeleistung zu betreiben. Erfolgt diese Hilfe «ich! oder nicht, in hinlänglichem Maße, so ist die gleichzeitige Zahlungseinstc!luug aller dieser Gemeinwesen zu erwarten. , Tschecho-Slowakei. Die Llri«e Prag, 26. August. (Tschecho-slowakisches Preß» bureau.) Die Delegation des Königreiches S. H. S. ist zu den Prager Beratungen heute mittags hier eingetroffen. Minister des Aeußern Nineic, der von seinem Sekretär M i l o v a n ö v i c begleitet ist, wurde namens der tschecho-slowakischen Regierung von Minister H a b r m a n begrüßt. ' ,. Prag, 26. August., (Tschecho-slowakisches Preßbmeau.) Die Konferenz der Außenminister der kleinen Entente und Polens, an der Ministerpräsident und Minister des AeußernDr. Penesch, der jugoslawische Minister des Aeußern N i n c i c, der rumänische Mnister des Aeußern Duca und der polnische Gesandte P i l c z als Vertreter des polnischen Außenministers teilnehmen, wird morgen. 10 .Uhr, vormittags, in der Prager Bur" in den Räumlichkeiten des Ministerpräsidenten Dr. Benesch beginnen. ° Mkgsrrr. - ' Kas Arteil im LA«La«-Vvo.retz. Buimpch, 26 . August- (U. T. K. SB.) Der Buda» pefter Strafgerichtshof verkündete heute mittags das Urteil im L a n d a u - P r o z e ß. Dr. R u z i e s wurde wegen Erpressung zu zweieinhalb Jahren, Bobe wegen Erpressung zu drei Jahren, Dokior Sipos wegen Erpressung und Verletzung der persönlichen Freiheit zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Bäcker erhielt wegen Mißbrauchs -er Amtsgewalt eine dreimonatige, Dr. Toi wegen desselben Deliktes eine zehnmongti.ge Gefängn i s st r a f e, die durch die Untersuchnngshast v e rhützt erscheint. ’ '; r Die Hetze AegM hie MissLMterr. Warschau, 25. August. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Die ganze, polnische Presse versucht gegen den Minoritätenblock zu hetzen und den Weißruffen, Ukrainern. und anderen Nationalitäten weiszumachen, daß sie sich, nunmehr' den: Juden aüsgeliefert: hätten. Sie warnt nachdüncklich vor der jüdischen Gefahr. .' Di@ lotste Hoffnung der Konsumenten ist die, gute« Sie Ihren Bedarf in engl. Stoffen und Wirkwaren, ’ Bettwhscbe ettz 11^ TaborstraBe 41 'si Toleptaen 47-1<7G Kn gros |n «äetvil Reisebriefe Wien—Palästina. Von Wolfgang WeiS1. Por den Toren Erez Israels. Mit einem eigentümlichen Gefühl von Feierlichkeit kmrsche ich dem wohlvertrauten Knarren der eisernen Ketten, die den schweren Anker des „Milano" Hochziehen. Noch ein paiar Minuten wird es dauern — dann wendet sich das schöne Schiff nach Süden — die letzte Etappe meiner langen Fahrt liegt dann hinter mir und vor mir das neue Land, die neue Arbeit, das neue Leben: Palästina. Ich stehe am Heck-des Schiffes: abschiednehmend ümfäst inein Blick die hohen, schneebedeckten Berge des Taurus. Mir ist es, als ob ich bis jetzt noch immer hätte „zurück" können, als ob ich noch von Mersma aus den Weg nach Europa hätte gehen dürfen, während jetzt die Würfel gefallen seien. Zmn erstenmal saßt mich das Gefühl, Emigvant zu sein.' Solange ich drtrch den Orient fuhr, um dort zionistische Arbeit zu organisieren, so lange fühlte ich mich nicht als Auswa'ndever. Jetzt ist meine zionistische „Arbeit zu Ende — jetzt, faßt mich die Ungewißheit: was wird morgenüherniovgett sein? Wie wirst du Erez Israel finden? Wie, wo, toovon du leben?... Ich überzähle meine Narschaft,^ zum so und sovieltenmail. Für fünf, sechs Wochen LtzM . in Erez Israel kann sie ausveichen,, bis dahin muß ich Arhett gefunden habm, sonst heißt es... zurück. Bei dem Gedanken schäme ich mich. „Zurück" — hier vor den Toren Erez Israels kam mir das Denken hgrvn allem schön wie Desertion vor. Später, 48 Stunden später, lernte ich, anders darüber zu denken; milder. '!J; Und heute weiß ich, daß Palästina auch in bezug auf die Rückwandemng von Immigranten sich ganz genauso verhält wie jedes andere Jmmigrationsland. '! Ich habe leider meine Bücher und Notizen über die l’mnach Nordamerika nicht hier; wenn mich aber vfln 100 Einwanderern der Vereinigten Staaten 17' wieder zurück. In Argentinien und Brasilien war der Prozentsatz der Rückwanderer noch ein klein wenig hoher. „ Das heißt: Bon je sechs Ueberseewanderern konnte einer sich „drüben" entweder wirtschafttich nicht durchsetzen oder seelisch nicht eingewöhnen. Wieviel Menschen gingen vor allem in New-Aork zugrunde! Wieviel verfaulten in -den Urwäldern Bvafrliens! — Das „fremde" Land, das FmÄgrptionsland verlangt überall eine viel größere Anstrengung, um vorwärts zu. kommen, als sie in der Heimat nötig wäre, die Lebensbedingungen sind intmer und überall schwerer — nur eines bietet die Fremde: Vorurteilslosigkeit. Man kennt den Immigranten nicht, kümmert sich nicht um. ihn und hemmt ihn daher auch nicht. Wie überall, so ist es auch in Palästina.. Wer.tüchtig ist, Zähne und Ellbogen hat, kmnmt vorwärts; wer "UNtüchtvg oder energielos ist — geht zugrunde. Genau so wie er in Amerika oder Südafrika zugmudegegangen wäre. Aus den Reihen dieser Menschen rekmtiert sich der Haup'tteil der Rückwanderer. ' Der .Hanptteil, nicht alle. Andere gibt es, die kommen mit. guten und grüMichen Kenntnssen mch Palästina — so sagen sie wenigstens — und finden in ihrem Beruf keine Beschäftigung. Da l-anfen sie zu den zionistischen Behörden und verlangen ‘ Üstterstütznng. „Gu^, sagt Man Hnen, „Sie wollen ' Arbeit? Bitte, man braucht einen Kellner, einen Aufseher, eWn KÜtscher v Die Leute; sind empört. „Wir sstlid Schlöffet, MchWkv, Lehrer. .. uns mütet man 'zu, Mlner zu wechüfts" Utzd^ sie verlassen entrüstet das Land, erzählen überall, dÄß Pialästma nichts tauge und daß die zionisttsche Behörde unfähig sei. „Uns mutete man zu . . . " - Was glauben Sie, meine Herrschaften, wäre mst -ihnen geschehen, wenn Sie nicht nach Palästinasondern Mch England oder Amerika gefahren wären? Dort haste Sie keü» -äouiftMes Autt eurvwnLeu» dort Latten Sie aLerdeomra reckt» wahrscheinlich auch gar nichts dabei gefunden, irgend eine Arbeit zu verrichten, wo Sie ihr Brot verdient Mitten. Ausgerechnet in Palästina wollen Sie sich spezialisieren"? * Es ist ein großer Schaden für unsere Acheit in Pa» lästina, daß so viele der Einwanderer glauben, durch, ihre Ueb.ersiedlung nach Palästina hätten sie sich ein großes Verdienst um den Zionisnuis erworben und die zionistische Exekutive müsse ihnen dafür dankbar sein und ihre Dankbarkeit - auch durch Taten beweisen. Diese Menschen sehen gewisiermaßen sich auf; dem einen Ufer des Flußes, die: zionistische Organisation auf dem jenseitigen Ufer und vergessen, daß. die „Exekutive" ihre eigene Exekuttve ist, die von ihnen beauftragt handelt. Dazu kontmt noch etwas anderes, ein psychologisches Moment, das viel, zur Verbitterung mancher Ankömmlinge heiträgt, so komisch auch diese Behauptung erscheimn mag: In der Galuth hält sich jeder „Oleh", jeder Palästina- Emigrant, für etwas Äuserwähltes, für ein besonderes, edles Wesen, beinahe-für^einen Helden. : An der großen Maste der trägen, indifferenten Spießbürger gemessen, deren Zimrismus sich im Stmrmzettelabgeben auslsbt, ist er es vielleicht sogar. , . . Während der Ueberftchrt ist der Emigrant noch immer Eftgeystand eines.besonderen Interesses.. Die Nichtjuden befragen ihn über seine Erwartirngen, zeigen eisvige Teilnahme-für seine Bestrebungen — schen in ihm den rätselhaften Vertreter einer rätselhaften, romantischen Idee, an dermr Existenz sie vielleicht vor ein paar «Tagen noch nicht recht, gegaubt hatten- Die Juden bewundern oder bemitleiden chn. Der Emigrant kommt sich also , interessant vo-" ^M/zur Ankunft in Palästina.- Herzl - schildert in. „Ältu eula nd", - wie. er fick die Landung der Einwanderer.denkt: der Magistrat dei Stadt müsse sie mit Fahnen- und,.Musm an der LandungK brücke-erwarten, Blumen, neue Kleider. Die Jmmigmnter sollten einen schönen, feierlichen Eindruck vom Lande,gc Winnen. Der amb« Psvckologe Herzl hatte mit dieser F-.r m,!..<■»«»»»,»-. JmemwUMmmni

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