Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1284 (27.8.1922)
- Date
- 1922-08-27
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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eene i Wie», DomMg Wiener Mvrgenzettung. 27. August 1S2S Skr. 12^» /rekge geben. Die Aufhebung der weiteren Retorsionsmatznahmen wird für de« Fall der Zahlung der restlichen Ansglcichsraten in Aussicht gestellt. Gleichzeitig schlagt die französische Regierung vor, in Der-, Handlungen über den Abschluß eines der Reparations-' Immission zu unterbreitenden deutsch-f rgn züsischeu Abkommens Üver dle endWlWge Regeln ng der Aus gl e ich szch hlll nDK % Änzutreten. Die Bereitwilligkeit Wzn ist der früKzöflschen l Botschaft erklärt worden. Eine KolleKLivaKtis« für Oesterreich? Paris, 26. August. (Havas.) Das „Journal des Debüts" beschäftigt sich mit den ErgeLntffm drrtKom ferenz von Verona und erklärt nach einer Besprechung der Haltung Italiens: Sonderaktionen würden Misstrauen herv-rrustns man mutz also eine Kollektivaktion inö Werk setzen. Man mutz auch auf das System kleiner Kredite verzichten. Mir wiinschen, datz der Völkerbund nicht vor MMW. zurückschrecke und volle Handlungsfrechm Mll/iir« die Leitung Oesterreichs in die HanLzu nehmen. Der Völkerbund sollte die SümM^bsMhnen, die ihm unerläßlich scheint, um die gewünschte Operation mit Erfolg durchzustihren. Er MM selbst die Aufteib'ng der betreffenden Beiiröüe unter die einzelnen Länder vornehmen. Wenn gewisse Länder diese Kombination ablehnen sollten, würden sie ihr Spiel allsdecken und man würde sehen, w elch e S di eS tagten find, die in dem Unglück Oesterreichs nur eine Gelegenheit z n I n t r i g e n e r b li ckell würden. IuLeruLtioBKle ^sliret. Paris, 26. August. (Tel. der „Wiener Morgenzeiturig".) Nach dem „Echo de Paris" hat die französische Regierung die Forderung erhoben, das; der Bericht des Völkerbundes Wer die Unterstützungsattion für Oesterreichnoch vor dem 1. September den interessierten Regierungen mitgeteilt werde. Die französische Regierung wünsche lebhaft, daß eine Lösung'vor dem 15. September zustande komme. Sie sei der Ansicht, datz ehe die Fiuanzreform durchgeführt werden könne, eine Verwaitungsraform Platz greifen müsse. Bor allem sollte eine internationale Polizeigewalt eingesetzt werden, um die Ordnung aufrecht zu erhalten, da das BolkSheer feimr Aufgabe nicht gewachsen zu sein scheine. - Milderung der frsnzöfifchen M«ß«ah«te -j Güter Brrltsf -er G^ptz««dNl»ße». " S-n d-G rsl Ailguft. W°lff.)''^E!» Ä«n«r Bericht der ,,Tim<Ä" besagt, soweit map die Lage beürteMuchall^ seien die MrhändlunW jshsischch der deutschen Regierung und den Delegierten der Reparationskommission glatt verlaufen und die Aufrichtigkeit und der gut Wille Deutschlands feien vollkommen ge- Paris, 26. August. (Del. der, ^.Wiener, Morgenzoitung".) In der für Montag anberaumten' Sitzung' der Reparationskomntiffion sollen nach den vorliegenden Meldungen entscheidende Beschlüsse nicht gefaßt, wepden. Die Mitglieder der Repcwalionskommissiou müßteO zunächst p r ä z ife^J n'st r u ktiönewHrer Mgierur^enabtvaHn, d(e Mürn vor Mitte nächster Woche enrkangcn dürften. Da die französische-Regierung vor Ende August zu einem Ergebnis noch der einen'oder der anderen Seite gelangen will, wird voraussichtlich die Moratoriumsfrage bis zumSchlns.se der kommenden Woche entschieden 'werden. : gege» eitre Der Kongreß der Parlamente. -! Wien. 27. Äügull. Die ehrtvurdrge Körperschaft der Interparlamentarischen Union tritt morgen im Wiener ParlümentSgeÜäude zu ihrer ordentlichen Tagung zusammen. Der Zeitpunkt -ihrer BersauÄung scheint dem Prinzip, aus dem sie entstanden -ist, wenig.günstig zu sein. Allerortenregen sich Bestvebrnt-zen, die den Parlamentär is-rnus, die Vertretung ' aller Klaffen eines Staates durch gewählte Personen zum Zweck der Kontrolle der Regierungen, als, veraltet hmstellen und nach neuen Formen suchen. Das Work der französischen Revolution, die dem Bürgerstand die politische' Freiheit und Geltung brachte, soll in der Werst fortgesetzt werden, daß der zahlenmäßig ftärffjpt Schichte, der Arbeiterschaft, auch die Macht und die Vestimrnrmg über die Staatsgeschäfte znzufallen hätten, ltaub in der Tat scheint, es, als o-b das Bürgertum selbst zu eirter Äbdikatiön entschloffen ist,- als ob es in sich febbst zerfallen und müde, den I . politischen Willen und damit den Willen zur Macht Metzen.' -möchte. Aber das sind doch nur unrichtige Annahmen, tve- : wigstens soweit unrichtig, als sich die Syntheft zwischen! Bnraertwm und Arbeiterschaft, zwischen dem dritten und j vierten Stand, vorbereitet. Sicherlich ist das Proletariat politisch aktiver und lebensfreudiger, aber die Ziele, die es sich feit der ersten Internationale gesteckt -hat, kann es aus seiner ganzen Kraft und in seiner heutigen Verfassung nicht erreichen. Wo es zur Dlacht gelangt ist, dort hat es versagt. Der Krieg hat Bürger und Arbeiter, so tief getroffen, daß sie ohne Veremgung eine Baute str^r Tendenzen werden muffen, die am Ausgang des 16. JaHchu-nderts niedergeschlagen worden waren. Aber den Gckdmiken der Jnterrvatir'nalität hat die natwnaWfche Kriegsbestie wut für kurze Zeit zurückdrängell rönnen. Sie hat fünf Jahve lang zwischen den BÄkern null die Waffen sprechen lasten. Aber die Geschichte lehrt, düß Entscheidungen der Gewalt keine Damr haben und daß eines TageS die -m den Bölikern schlummernden / geistigen und sittlichen Kräfte sich wieder durchsetzen. Der gordische Knoten ist nur einmal vom Schwert durchschnitten worden und selbst das -ist nicht ganz sicher. Immer wieder. zeigt sich das Gute in den Böllern, die mit einander in Ruhe Verkehren wollen und deren höchste Sehnsucht der Frieden ist. Immer wieder treten die Lehrer des Völkerrechtes auf, hie den Bund der Völker und ihre Zusammenstlffung für die letzten Ziele der.Kultur und Zivilisation kündtzn, die den. Krieg und die Waffen verüoerfen, well sie : nicht eine« höheren gsistigen Kraft entsprechen und in ihrer Folge nur Haß, Seuchen und Hunger schleppen.. Der Staat, in deffen Zentrum morgen-die Vertreter des modernen Parlamentarismus zusammentreten, ist ein trauriges BeisfM für die Wirkung der Gewalt noch sein verzweWtes Riügerr um die Freiheit des Atmens und um Brot will erst jetzt durch Anrufung dex Jnkrnattonalität, der menschlichen Solidarität sich seiner Fesseln entledigen. ,? Männer aller Böller, aller Etzdtelle, aller Sprachen nnigen sich im Zeichen 3>er freien Rede. Ihre Tagesordm\v' ^ilt vornehmlich der Abrüstung und hem Recht fegt Eine ßemcittfAine PkÄitz. Lou d o np- 26. August. Wolfs.) „Daily Chrpniele" meldet, in allen Verantwortlichen Kreisen werde anerkannt, datz rasch eine gemeinsame Aktion znr Wieder Herstellung des Vertrauens unternommen werde» müsst. Die unmittelbare Aufgabe d^r ReparationskömMission sei, der M'mvrrtäten. Beides Probleme, die der Krieg und der ihm folget Frieden leider mit lebendigstem Inhalt erfüllt haben. Der Krieg ist beendigt, aber es gibt noch Hdere, Kanonen und Granaten; es-gibt nationale Minderheiten» die m ihrem Recht auf freie Entsaltlmg ihrer Kultur, ihrer Sprache und Eigenart -betrogen -wurden. Und gibt' insbesondere ein Volk, das Mische, gvgen.das sich mr infamste Haß vrr Ehauvinistey und Hetzer aller Zungen zusaminengaballt hat und das tu Krieg und Frieden, unermeßliche Opfer an Blut und Gut zu bringen verurteilt , ist. . Das jüdische Volk,.ist das. einzig Volk, das den Krieg und die Gewalt Niemals als politisches Mittel gelten, laßt und >das zu keiner Stunde -der ihm von Natur und' Schicksal zugewiestnen Aufgabe untreu geworden ist, stets nur für den Frieden rmd Ne Bersöhnun-g der Völker zu wirken.. Das jüdische Voll tritt jetzt, nach einer Unter-bvechung von fast zweitausend . Jahrey, <4vick«r.<$3 geschloffener nationaler Organis-mns in die -Weltgeschtchw'e>m^. dank der:-Ä- ,terMio-«Äeu- OewchtigkK'' öie ihm sie Tore der Heimat auffchtteßt und ihm die Bestimmung feines. Geschickes zurückgi-bt. Es hofft und wünscht, daß JnterPvÄamentarische Amon die Wetzö finden, wird, auch die anderen Völker zur inneren Freiheit u-nd Kur Solidatzität zu sichren. Panft Einhalt zu tnn, llnl der Bedingungen, unter w> gewährt werden könnik, zwischen den AMierten H daS bedeute die Festsehung chm ein Moratoriüm d setze ein vebcreinkommtzn aus. Oesterreich. B«k Bekanntlich war 'die Einberufung des Hauptausschilffes und des AüSschuffeS für Aeußeres schon für die ersten Tage dieser Woche in Aussicht genommen und sie.soll numnch^ Mit Rücksicht auf -die RWehr des Bundeskanzlers in der zweiten Hälfte der Woche erfolgen. Drost Absicht der Regiemng deckt sich also mit dem Verlangen der S ü z i a l d e m o k r a t e n nach Einberufung der genannten Ausschüsse, und es dürften somit die beiden parlamentarischen Körperschaften sowie der Ausschuß für soziale Verwaltung von Mittwoch bis Freitag Sitzung halten. Die Einberufung des Nationalrates wird, wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, sodann für die folgende Woche Möglich sein, also für die' Zeit vom 5. bis 7. September. Genauere Dispositionen können erst nach'der Rückkehr des Buckdeskanzlers Dr. Seipel int Einvernehmen rillt dem Präsidenten btß Nationalrates Dr. Weiskirchner ge'troW werden. Wie VeS weiteren verlautet, dürfte zunächst nur diese eine Sitzung abgehallen werden, tun den .Nationlarat in die Lage zu Versetzen. zür wirtsch Etlichen, finanzieüen und politischen Lage der RepMlk Entsprechende Stellung zü nehmen. Me ordentliche Tagung k§ NäÜonalrates dürfe, wie e§ heißt, erst Vierzehn Tcig? oder drei Wochen später beginnen. Es würde' sockit' nach dieser einen aüßerürdentlichen Sitzung des Mtionalrates wieder etne^ Unterbrechung der Beratungen eintrelen. Die Gerüchte über die Bildung einer Koalitionsreglerung, die seit gestern im Umlauf Md, eilen den Tatsachen noch Voralls. Ein; Ueberölick über Pie parlamentavisch-politische Lage wrvd erst nach dem Bericht Doktor Sei pels an den Hauptausschuß möglich sein, und erst dann tverden die Arbeuen zur Umbildung des Kabinetts einsttzen können. In den polstff.hk.n Kreisen hält man den Eintritt der Sozialdemokraten w das Kabinett für sicher und nennt Dr. Otto Bauer al? *ett zukütlftigett Minister M Afußern und den iitvcf^r.*:ntert der Stadt Wien Dt Preilner alsFittottzmivtsier. I«terparla«entarische U»iM. Die zwanzigste Tegnag der Jnterparlamentüvischen Union M für bie dert vom 26. bis 80. d. angesetzt. Die vor- Wie Mä«MsPeku!sti0ll. < ' London, 26. Apgust. (Tel. der „Wr. Morgen» zeitllng".) Zfn amtlichen eingeweihten Kreisen legt man sich große Zurückhaltung auf. DaS Kabinett wird sich mit der Lage nicht beschäftigen, bevor nicht die Reparationskommission ihre Entscheidung gefällt hat. Die d e u t s ch e M a r k ist an der Londoner Börse Gegenstand einer wilden Spekulation, an der sich nicht nur die Berufsspekulanten, sondern auch der kleinere M i t.t e lft a n d beteiligt. Die Banken erklären, datz dir Dispositionen an einem Tage oft und dreimal nmgeworfen werden. Ztalie« gegen FrttRkreich. Nom, 26. August. (Tel. d. „Nr. MorgenzeitlUlg".) Die maßgebenden italienischen Kreise nehmen gegen die sranzösische Politik Stellung und erklären, datz die Interessen Italiens mit denen Frankreichs in der Reparationk'frage durchaus nicht identisch feien. Italien könne 'sich unter keinen Umständen einer Politik anschlletzen, die den Bankrott oder die Knechtung Deutschlands bezweckt, um Frankreich eine wirtschästliche und politische Vormachtstell«ng auf dem Kontinent zu sichern. bereitende Arbeit in den Ausschüssen'hat bereits begonnen. Heute um halb 9 Uhr cib-'nds findet in Schönbrunn ein von der Jnterparlaineiüorrschen llnion veranstalteter Empfang für geladene Gäste statt, zu dem auch der Bnn-despräsident Doktor' M. H a i n i s ch erscheinen wird. Die feierliche Eröffnungssitzung ist für Montagum 12 Uhr vormittags in Aussicht genommen. Dienstag lt-nt 12 Uhr wird der Bundespräsident die Mitglieder der Tagung in den Räumen dxs Bundesnnnisterinmsfür Aonßcres begrüßeit. Mittwoch um 3 Uhr fiMt die Schlußsitzung statte Freitag den 1. September verlassen die Konferenzteilnehmer Wien, mn sich über- Einladung dd. ungarischen Gruppe nach Budapest zu begeben. Im Laufe des gestrigen TageS fanden enllertende Berat.lurgen der Wirtfchafts- und Fincinzkommissron und der Vertreter per verschiedenen Msschüff-e dev JnterparlMr-entarischen Union statt. Das 8!estrat erstattete der' Delegierte des inteo nationcrley ArheitsLurea.us SaunderS (England). ' Gestern traten.der Bollzugsausschatß und der Ra\ der Interparlamentarischen Union zu einer ersten Besprechung zusammen; den Gegenstand der Beratung bildeten Ovganisationsfragen und die Feststellung der Tagesordnung. Die Vorbereitungen für die Interparlamentarische Union, die im Parlamentsg.e'bWde stattsindet, wurden in umsichtiger Weise von dem Vorsitzenden der österreichischen Gruppe Abgeordneten Dr. M a t a j a und von dessen Sekretär Bnndesrat Dr. Kienböck getroffen. Die Meldungen ausländischer Nachrichtenstellen Mer Absagen von Delegierten erweisen sich, von einer einzigen Ausnahme abgesehen, als nich^t richtig.^ An der Tagung nehmen Parlamentsmitglieder auS^Oesterreich/ Deutschland und der Schweiz, au8 England, Frankreich, Belgien, Italien und Spanien, aus Dänemark, Nor-wegen, Schweden, Finnland und Estland, aus HollaM, aus Ungar«, Polen, Rumänien, Bulgarien, Grlechenlmw und der Türkei, cmS Nordamerika, Kanada und Chile und schließlichaus Japan irnd Hottändffch-Indien teil. Besonders groß ist die Beteiligung aus Italien und Ungarn. AuS Ungarn nahmen unter anderorr Graf Julius Andrassy, Gras Albert Apponyi und Wert v. Bevseviczy toll. Die ungarischen Sozialdemokraten waren angemeldet, haben aber wieder abgesagt. AuS der Dschecho- Slowakei und aus. Jugoslawien liegen bisher noch keine Meldnivgen vor, doch ist «s nicht, ausgeschlossen, daß noch tschechoslowakische und jugoslawische Mtglieder der Jnterpavlarneütavichen Union zu dev Tagung erscheinen. Der wichtigste Punkt der Tagesordnung ist wchl das Referat des-schwedischen Vertreters Baron Adelsward über das Thema: „Rechte der nationalen Minderheiten". Da aus diesem Gebiete große DisferenM in den Meinungen bestehen sollen, dürfte sich die Stellungnahme der KonfevenzteilMhuler sehr interessant gestalten. Zu dem Referat des Schweden Adelsward, das Montag den 23. d., vormittags, im SitzungssM deS Nationalrates erstattet wird, liegt folgender Beschlußantrag vor: ,^Dre 20. interparl-ainentarische Konftrenz beschließt, dar weitere Studium der Frage einem stä-ndigen Ausschuß für Natwnalitäts- und. .Kolonialfragen zu überweisen. Der Ausschuß soll damit beauftragt werdet:, der nächsten Konferenz einen Entwurf eines intmtalionalen Reglements, das die Rechte der nationalen rmd veligiösen Minder-, heilen in allen Staaten sichert, vorzulegen". Die Tagesordmrng der Sitzungen lmrten: 1. Wahl des Präsidenten und des BureauS der Kottfereuz. 2. Abänderung SatzMgen. (Berichterstatter Herr La Fontaine, belgischer Senator im Nanren der Organisation des Ausschusses). > 6. Wirtschaftliche nM finanzielle Fragen. (Bericht des cherrn Dr. T r eü V (Niederland), chemaliger Finaüzminkstcr, im Namen der wirtschaftlichen und finanziellen Kommissimt). i. Recht« der nationalen lNinderheiten. (Berichterstatter Herr Baron Adelsward (Schweden), ehemaliger Finanzn'inister>.