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Wiener Morgenzeitung · 1922-08-27 · Heft 1284 (27.8.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1284 (27.8.1922)
Date
1922-08-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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liBzslBniamer&600 Vien: Zum Abholen, in der Expedition, II;,Taborstr.l-3, oder in einerVerschleisstelle ^Trafik) monatl. K 16.000 Mit Postversand für Wien n. Oesterr. monatl. K 16.000 Ts ehe eh o*S 1 owä.k ei: Mon. K20. Ungarn: Mon. K150. Jugoslawien: Mon. Dinar 25. Polen: Mon. Mk. 1400. Deutschland: Mon. Mark 150. Frankreich: Monatlich Frcs. 6 •V Naehzahlunjren bei Preiierhöhungen Vorbehalten Rr. 1284 Wie«, Sasirtag, 27. August 1922 ,m «?> Tflchteho»SiftwBk«l i ftschecti. K1.20 Italien: Monatl. 6. Lira Pu minien: Mon. 49. Lei Schweiz und das okrij'« Ausland monatlich Fre«. 3, Red^tion q. Administratian Wien, II^Taborstrassel— 5 Telephone?44-0*38,43-3-1 r\ ab 6 Uhr abends 16-301, Tel.* Adr.: .Morjenaeitang‘‘ Wien Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.6-3 4. Jahrgang Zn der Klemme. . V’ . —7. W i e n. L7. Av-up. Die Ergebnisse der Kanzlerreise in das Ausland nehmen langsam greisbare Formen an. Sowohl Jta- -lien als auch die kleine Entente erkennen die Notwendig- , keit der sofortigen systematischen Hilfe, lehnen aber eine politische Lösung ab, der im Augenblick zu große Schwierigkeiten im Wege stehen. In welcher Form die Hilfsaktion für Oesterreich erfolgen wird, darüber konnte eine Einigung nicht geschaffen werden. Alle angerusenen Stellen verweisen auf den Völkerbund, dem Herr Ave-- nol, der seinerzeit als Experte des Völkerbundes die österreichischen Eistänzen überprüft hat, einen Bericht, er- /statten wird'. Die kleine Entente hat im Hinblick auf.die unklare Stellung Italiens beschlossen, unter allen Umständen bei der Aufrechterhaltung der Unabhängigkeit Oesterreichs zu,bleiben. Es besteht auch die Bereitwilligkeit zu'finanziellen Opfern, doch scheinen diese Staaten erst npch die Entscheidung Frankreichs abzuwarten, das nunmehr gleichfalls. an der Diskussion teilnimmt. Frankreich hat dem Völkerbund einen Bericht über Oesterreich noch vor dem 1. September abverlangt, legt aber, wie es scheint, das Hauptgewicht auf eine Reform der österreichischen Verivaltnng. Der-Plan der Erri'ch-. tnng einer internationalen Gendarmerie, der von Paris aus lanciert wird, ist für Oesterreich indiskutabel. Die Ruhe ist weder in Wien noch in einer anderen Stadt empfindlich gestört worden und die Machtmittel des Staates haben sich bisher noch immer als wirksam erwiesen. - i Bei den Besprechungen in Verona -hat der italienische Minister des Aeußern in präziser Form den Inhalt der in Belgrad vorgenommenen Demarche wiederholt. Italien bestehe .auf der Peinlichsten Einhaltung alles tun, damit oer Äertr^ auch" .von den. anderen geachtet werde. Diese Äußerung war wohl weniger fiir Herrn Dr. .Seipel,' als vielmehr für /Prag bestimmt, obzwar die Mitteilungen' Über die ^Ansichten der Tschecho-Slowakei bisher-noch in keiner Meise eventuelle Einmarschpläne als.aktuell erscheinen ließen. Der für Oesterreich bestimmte Teil der Erklärungen Schanzers enthält dagegen Angaben,. die von der österreichischen Oeffentlichkeit auf das'genaueste überprüft werden müßten. Nach dem. amtlichen italienischen- Bericht hat der Minister davon gesprochen, daß Vorschläge über einen wirtschaftlichen Zusammenschluß beider Länder vorliegen und aus ihre Durchführbarkeit untersucht werden sollen. Es ist, bisher nichts darüber bekannt geworden» daß die Regierung einen solchen Plan erwägt und daß sie ihn sogar schon , nach Rom mitgeteilt hat. Falls ein derartiger-Plan besteht, so würde er bedeuten, daß die österreichische Regierung zur Behebung der Not ein sehr gefährliches, Mittel anwenden will. Die verelendete Hilflosigkeit Oesterreichs würde automatisch eine wirtschaftliche Abhängigkeit. — und eine solche muß ja jetzt eintreten — in eine politische verwandeln und den kleinen Staat in die Brandung der großen europäischen Politik treiben. Wenn Oesterreich Anlehnung sucht, so/kann es sie nur dort, finden,- wo von ihm politisch niemals etwas ' gefordert werden kann. Die Tschecho-Slowakei und Jugoslawien müssen im Interesse ihrereigenen, industriellen Entwicklung Oesterreichs Unabhängigkeit nach ' jeder Richtungchin wahren, und sie sind auch durch ihre eigene innerstaatliche Konstruktion davor gewarnt, politische Expansion zu treiben. Sie sind national nicht einheitlich und-müssen alle politischen Kräfte auf ihre , inneren Fragen, verwenden. Italien, das national homogen ist, fühlt sich als Großmacht mit sehr weit-/ reichenden Tendenzen und, ein' Anschluß - Oesterreichs, würde die Einflußsphäre des Adriastaates bis an die ungarische Grenze erweitern, ja durch die Freundschaft mit Ungarn darüber hmansgehen und einen Riegel zwischen Nord-und Südflawen legen. ' Diese Momente mutz. sich der österreichische Nationalral vor Äugen halten» wenn er in der nächsten Woche den Bericht des Kanzlers entgegennimmt. Es ist dem Kanzler gelungen, die österreichische Frage wieder in die europäische Diskussion zu stellen. Oesterreich braucht Geld, 'Und zwar sofort. Aber es braucht nicht allein Geld; seine wirtschaftliche Isolierung muß aufgehoben und dem Staat die freie organische Entwicklung gesichert werden. Es ist' zu begrüßen» daß -auch 'die Nachbarn Oesterreichs heute bereits erkennen» was eine' Katastrophe der Donaurepnblik für sie zu'bedeuten hätte. Aber da Oesterreich auf-Freundschaft mit aller Welt angewiesen ist, darf es sich nicht der Gefahr aussetzen, unterdem Prätext dev wirtschaftlichen Hilfe in ein Netz politischer Intrigen verwickelt zu werden. ♦ Prag - Berli« VrrO«a. Innsbruck, 26. August. Bundeskanzler Dr. Seipel ist heute um 3 Uhr 45 Min. nachmittags auf der Durchreise von Verona nach Wien hier angekommen. Mit ihm fuhren NnanzniististerrSegur und Gesandter Dr. W i l d n e r. Der Bundeskanzler äußerte sich über die eben abgeschlossene Reise zu den führenden Staatsmannerst nach Prag, Berlin und Verona - folgendermaßen: - Die Ausnahme, die M Vertreter Oesterreichs an allen drei Orten gesunhchr habe«/ war eine d u t ch a « s f r e u n bliche. Der. EindMck Mr unverkennbar, daß der Ernst der österreichischeu Ktatze überall vollkommen verstanden wird. v In Prag war der vorherrschende Gedanke, daß die Aktion vor dem Völkerbunde, der schon am 2. September züsammentritt, weit aussichtsreicher sei, als nach aller vorhergegangenen Erfahrungen in Oesterreich glaubhaft erscheint. Die -finanziellen Verhandlungen beschränkte^ sich darauf, die rascheste Durchführung dessen zu sicherstwas Finanzminister Segur bei seinem früheren Aufenthalt in -Prag mit der dortigen Regierung bereits abgemacht Hat. Wirtschaftliche Verhandlungen, die Oesterreich aus der Absperrung, unter der es seit dem Kriege noch immer leidet, herausführen sollen- 'wurden in Aussicht genommen, ^ie. könnten ans weiteSicht zueiner engeren wirtschaftlichen Annäherung der beiden Staaten, bi^hrer ÄerganMheit und ihrer " •? Diit BesPreWnßen in /-ÜB*hatten besondere BedeÜttmg dadurch, daß geradeWP^vle Berhändlungen zwischen Reichsregierung und den itt Berlin erschienenen Mitgliedern der ReParationskomMission statLsande». Die Lage sowohl des Deutsche« Reiches als auch Oesterreichs ist ernst, die Nachwirkungen der Gewstltfriedensverträge machen sich fühlbarer als je Md es erscheint höchste Zeit, daß EnWDüst^MtstMe/'rwS 'Volkaus der würgenden Ungewißheit des Augenblicks herausführen. Den Friedensverträgen gegenüber stehen, unter dem Zwänge der Tatsachen, beide-HWerustgey ’ «ach wie vor auf dem Standpunkt ei « er ErfÄ l l u n g s P olit i k, hie freilich Nur --burchsWWk.W,! wen« von der Gegenseite die Möglichkeit, sich einzuhialten, geboten wird. . Die Zusammenkunft zwischch dein Bundeskanzler, dem Wayzminister. und dem italienischen Minister des Aeußern Schanzer fand, wie bereits bekannt, in V e r on a statt. Mit RWiht-aH'-W. sje'Wer -geführten Verhandlyngen M'/der^-iialichüschey.HWrwg>hat'. der Bundeskanzler /den Sektionschef - Dr. S ch ü l l e r und den Gesandten beim Quirinal K»w t atko w s k i zu den Verhandlungen.nach^Berosta^^Wu^.'In Begleitung dqs italienischen Ministers des HuWn waren die leitenden Beamten der ConsustaMngtor Contarini und Eomrnandatore Bl a'wch,er^,.h:Hren.e«. Auch^ in Verona wurdeein ganzer,Tstg^ey Besprechungen gewidmet. Da Hinsster Schanzer an 'Mi." Ho n d o n e r, K o u f e r e n z der. .MemievmrMD;'^Hezchprragende«. Anteil genommen hatte, HnüpSst/,->-.rstaj-,Äespr^nn-est.^ naturgemäß amHiese"Äostsere«z<kan^.^ Der italienisches Minister des Aeützexn erklärte sich dnrch die Verweisung der österreichischen H^^M--Hey^Wprbqstd ebenso wie die 'anderen Negierstngest ge bn Er ist her Heber einer.Anregung-zu einer besoudepen politischen Garantie . für den Bestand eineZi lebensfähigen Destetreich, die durch die Mächte geleistet^^ werdeN soll. Der öMreichische - Finastzmimster betrieb die Flüsiigmachunft des vom italienifchen Parlament schon ton/^ ^v '/1'^0 ÄrillioNen-KxLvith. ■ Zur WieberaufHahme der PexhqMnngen. über einen/ Hand e l/s i» e r t rag z w i s ch e n . O e st e r, r e i ch. ü n d 11 a l i e n, die nur durch die italienische Regie-/ rungskrise und die sich zeitlich daran schließende Londoner Konferenz unterbrochen chordcn waren,, wurde Sektionschef S ch ü l.l e r neuerdinD nach RoM entsendet. ■ ' ■ 'r;r*•'^ . Der Bundeskanzler äußerte die Üeberzcngnng, daß ihn die Besprechungen, die er eben absolviert hat, vollständig instand setzen, dem Ausschuß für Aenßeres. des österrcichischen Parlaments ehestens konkrete Vor» s ch l ä g e zu machen, die,den von vielen angesichts der noch; ichmer steigenden Teuerungswellen befürchteten wirtschaftlichen Zusammenbruch ans alle Fälle verhindern und dem österreichischen Volle endlich der sein ganzes Wirtschaftsleben lähmenden Zwangslage hrranshelfen können. Die Ergebnisse der Beranrser Begesnnng. Rom, 26. August. ,,Messaggero" begrüßt den Erfolg der Konferenz in Verona und kündigt an, daß Seküonschef Schüller hentr nachmittags in Rom mit Schatzminister Paratore eine Unterredung haben werde zum Zwecke einer Vorprüfung der vom Bundeskanzler Dr. Se i p e l in Verona vorgeschlagenen Zollunion zwischen Oesterreich und Italien. Das Blatt würdigt die Bedeutung dieses Planes, indem es darauf verweist, daß die italienische Industrie eine Konkurrenz, der österreichischen Industrie nicht zu fürchten brauche, wogegen Oesterreich Rohstoffe, wir Erze, Holz und Z e l l u lose, besitze, die Italien mangeln. Allerdings besitze die. Frage eine internatioNale Seite. Das Blatt gibt , schließlich der Ueberzengung Ausdruckdaß eine internationale Hilfe für Oesterreich g e s i ch c r t sei. Nach dem „M es sag ger o" legte Bundeskanzler Dr. Seipel nach Beendigung der^Konferenz in Verona den VertreteLn der Presse Hie Lage Oesterreichs nach .dtzüWhhöW>'Köasere^-dae und gab der Gewißheit MMM bast/serne^^HLMNHWkesfrndeü Regierungen dahMWHWugt. habe^Hütz Oesterreich e i st e r E t w e i- 1'H'r-nWg d e r w irisch llstlr ch e n G r.e n; e n bedürfe, da sonst die sechs Mitlionen Menschen nicht leben können. Wie „G i o t n a l e d i Rom a" meldet, trat Minister des Aentzern Schanzer in seiner den Pressevertretern in Verona gemachten Mitteilung der Behänptung'entgegen, daß Italien eine Einmischung in die i nnere Politik Oesterreichs beabsichtige. Bundeskanzler Dr. Seipel sMderle die Erregung des österreichischen Volkes über die Behandlung der österreichischen Frage aus der Londoner Konferenz und erklärte, daß seine Reise den Zweck verfolgte, Europa zu informieren und zu prüfen, ob außer finanziellen Mitteln nicht auch politische Mittel für die Rettung Oesterreichs vorhanden seien. Der Bundeskanzler gab seiner Besriedrgüstg über das, Ergebnis seiner Reise Aststzruck.• / v; Imperrali hei GchLRzer. Mailand, 26. August. (Tel. der „Wiener Morgen» zeitung".) Minister Schanzer ist nach Beendigung der Zusammenkunft mit dem österreichischen Bundeskanzler in Verona nach Bozen in die Ferien zn*' rnckgekehrt, wo er heute Samstag nachmittags mit Marchese I m p e r i a l i, dem italienischen Delegierten / beim- Äölkerbundrat, eine längere Besprechung iiber die r öftehrrichische'Ktzise haben wird. .; ' Kredit- M- IMAKLoR. Rom, W. August. In einem „Vorbehalte Schanzers' gegenüber dem Vorschläge einer italienisch-österreichischen Union" betitelten Artikel schreibt' die „Trii bntta": „Die Konserenz von Verona hat trotz ihrer Kürze die größte Bedenürng infolge der politischen und moralischen Tatsache, daß Oesterreich Italien angernsen h'q^. Die Auszahlnng des'70 Millionen-; KrHdi t s wird zweifellos m ö g l i ch st b a l d erfolgen, i Die. Frage ber.-Io l l n n i o n ist kompliziert und von weittragender Bedeutung - und ihre Entscheidung erfordetk«istv soMße'Beranlwortnn^ daß ein genaues StndiuA und Berhaüdlnnfen mit den anderen Mächten'erfoxderUch stnd^^ /* ' Berlin, Z6. Än^üst.. (Wölfs.) Die Zeiiungsmelpunsten über die teilweise Anshebung der französt-; sichen Retorsionsmaßnahmen werden durch eine der d'entschen Regierung zügegangene amtliche Mtteilung der. hiesigen französischen Botschaft nunmehr b ei stsitigt. Darnach werden einstweilen neu e! MstDen üns weisn n.g e n von deutschen Einwoh- NMN Elsaß-Lothringens nichtmehr erfolgen. Die Sequestration der Güter der Vertriebenen ist aufgehoben. Auch die d c u t s ch e y G u t h a b e n sind.

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