Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1280 (23.8.1922)
- Date
- 1922-08-23
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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1 - .t.rrao «M. MMwoq fBBftntt 23; tUtj)«|l 192t JcueS ^ctnc Entölte bilde, jtt erweitern und der mitteleuropäischen -lernen Entente durch einen.Vertrag, der dem wirklichen Inhalt' ujid den Zielen dieser Politik entMeche» ,A::sdmck zu verleihen. Die Festigkeit dieses.Bündnisses werde in erster Linie dadurch zum Ansdruck kommen, daß statt des bisherigen zweijährigen ein langfristiger zehn- bis fünszehnjähriger Vertrag geschlossen werde. In' [einem Inhalte werde vor' allein das beiderseitige Verhältnis zu .allen gemeinsam gefertigten -Verträgen präzise formuliert'sein, die . die rechtliche Grundlage der Ordnung i n M i t te l >e rr r o p a bilden, und es werden auch die Normen der Zns am me:: arb eit'in politischer Und w'irts ch a f t l i ch c'r H i n s icht festgesetzt.werden. Die Beziehungen der beiden Verbündeten zum dritten Faktor der kleinen Entente, zu Rumänien, dessen Mitarbeit einen gleichen Anteil an den erreichten Ergebnissen habe, werden auch in Hinkunst, natürlich eine bedeutende Ergänzung der gleichen politischen. Konzeption bilden und lvevden. organisch weiter vertieft werden. Unser bisheriger Vertrag mit Rumänien, schreibt das' Blatt, her am 31; April 1921 auf die Dauer von zwei Fahren gegossen wurde, hat natürlich weitere Gültigkeit. Rundschau. Polen. GereiAigNNg per MirwrilLten irr Pole«. Ein Wahlkartell. Warschau, 21. August. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) In letzter Zeit fand eine Konferenz der Vertreter sämtlicher Minoritäten in Polen zwecks Besprechung der durch die Wahlordnung für. den Sejm und Senat erwachsenen Schwierigkeiten für die Minoritäten statt, p wurde die Schaffung eines W ahlülocks für alle naüonülen Minderheiten Polens beschlossen. Der Beschluß lautet: Die nationalen Minoritäten Polens, und zwar die Jude it, Ukraine r, 233 e i ß r u ss e n, Den t s ch e n und M u sf e n, schließen sich, zur Bekämpfung der ihnen durch die Wahlordnung m den Sejm und Senat entstandenen Schwierigkeiten zu einen: gemeinsamen Wahlblock zusammen. Diese Nachricht hat in allen politischen Greifen tiefen Eindruck hervorgernfen. Bei der Konferenz' der Witos- Partei wnrde sogar diese Frage auf die Tagesordnung gestellt. Die polnischen Abgeordneten hatten bisher den Einigungstendenzen dieses Blocks keiner: besonderen @rii)t beigemessen und glauhten bis zürn letzten Augenblick überhaupt nicht an sein Zustandekommen. Allgemein ist nun die Überraschung in' den politischen Kreisen, da unter Zugmndelegung der.letzten Volkszählung in Polen nicht weniger als 80 Mandate im.. Sejm und 25 Vkmdate in beit Senat durch diesen Minoritätsblock für die nationalen Minderheiten gesichert wären, wovon die Juden allein aus zivka 20 Mandate in den Sejm rechnen können. Die Minoritäten sind nicht sehr optinnstisch in bezug auf ein solidarisches Zusammenarbeiten in den verschiedenen Politischen Fmgen, da. die Interessengegensätze sehr stark austreten. Doch mußte der Block als Gegenmittel gegen die Reaktion, die sich die Unterdrückung der Minoritäten zum Ziele gesetzt hat, geschaffen werden. Die Vertreter der jüdischen Minoritäten in diesen: Block sind folgende: & v it n b a u m (Zionisten), P r ilueki (Volkspartei) und Rabhiner Kirsch bann: (Orthodoxen). Die polnische Presse, hauptsächlich die der linken Parteien, ist mit der Gründung dieses Blocks sehr unzufrieden. Charakteristisch ist, daß die Organe der Assmrilanten hervorheben, daß alle Minoritäten das Recht .zum Zusammenschluß hätten, die jüdischen aber nicht. Sie sind bemüht, die Mische Bevölkerung in diesem Sinne zu beeinflussen. Die Ä,«schrei»u«g der Wahle». Warschau, 21. August. (Telegramm «der „Wr. Morgen- Keitzung".) Das letzte erschienene offizielle Gesetzblatt enthält die lendgültige Mitteilung Liber die Wahlen in .den Sejm am 5. November und in den Senat am 12. November. Diese Mitnilirikg.schließt somit alle Gerüchte über Verschiebungen des Wchltermins aus und ist vom Staatschef, Premierminister und der: Minister für Sleußeves und Inneres gezeichnet. Ein Wahlblock der Ze«tr»M»parreie«. Warschau» 21. August. (Telegramm der „Wr. Morgenzeilnng".) Die Führer der ZentrumSparteiien im Sejm beschlossen die' Schaffung eines gemeinsamen Wahlblocks für die nächsten Sejlp- und Senatswahlen. Me mit geteilt wird, steht dieser Block in engem Kontakt mit den NatioMdemokraten und anderen R-echlsparteien. . - - Reue Minister. Warschau, 22/ August. (Wolfs.) Der Staatschef hat die Dekrete »nkerpichtret, womit der Professor an der Fagel- Ionischen Universität Wladislaw Kunaniecki zum Kultusluhrifter und der bisherige Direktor LandwirtschaftsministerimirS Dr. Raczhnski zum Minister für Landwirtschaft und Domänen ernannt werden. . Girre Rote an die Sowjetregiernng. Warschau, 22. August. (Havas.) Polen hat cn: die Sowjetkesiernng eine energische Note gerichtet, worin die Durchführung der verschiederron Bestmunungen des Rigaer BertrageS verlangt wird. / Sm Prozramm dr» SittnlMlntM. Paris, 22. August. Der „Akatin" nreldet aus Veits: Der Bölkerbutchrat wird an: 30. August seine 20. Session eröffnen, die drei bis vier Tage 'dauern soll. Auf der Tages-. ovdrmug stehen: Die heiligen Statten, Verlvaltnng der ehenraligen deutschen Kolonien in Südwestafrika und im Stillen Ozean, Minoritäten in Albanien, Lettland. und Estland, dje' Frage der Grenzen zwischen O e st c rreich, Ingos law i e n und U n gar n; Bericht des Gesundheitsausschusses f Bericht des Komitees für geistige Zusammenarbeit uslv. Die Fagre der Rirstungen wird von der ständiger: begutachtenden Kommission für Militär-, Flottenuud Luftschissahrtssragen und von der gemischten provisorischen. Kommission für die Herabmmderung. der Rüstungen geprüft. werden. Diese beiden Komnrissionen' werden sich auch mit dem Entwurf des Lord Robert Cecils, betreffend einen gegenseitigen Garantievertvag zwischen den Staaten eines und desselben Kontinents, mit den Vorschlägen Lord Es Hers, betreffend die Abrüstung, und mit dem Entwurf'des Admirals Stzagrave, betreffend die Ausdehnung des in Washington genehmigten Grundsahes der Flottenabrüstnng auf jene Mächte, die die Washingtoner Konvention nicht unterzeichnet haben, beschäftigen. ■ Pomearr Wird Ds«r: KRs^r^yrochrn. Paris, 22. August. (Te'l.-Korup.) Die Sessionder Gen-erairüte ist gestern im 35. Departement eröffnet worden. In den Entschließungen der meisten Generalräte wurde der Regierung das Bertvcmen siir ihre äußere Politik ansgedrückt. .. Vir ««gttsche Presse grge» die Drohungen Poi»c«res. London, 22. August. (Tel.-Komp.) In der englischen Presse kommt die Auffassung zum Ausdruck, daß die Drohredc Poincares dam gegenwärtigen Stadium der Reparatiousverhandlungen nicht Rechnung trage. Die Ausführungen des französischen Ministerpräsidenten seren mehr als Einschüchte- -ruttgsversuche zu werten und brauchten nicht für bare Münze genommen werden. Die großen Morgenblätter beurteilen die Lage aus dem Gesichtspunkte ihrer politischen Einstellirrig, die Kritik stuft sich von Mißbilligung b.s-znr scharfen Verurteilung ab. Trotz der Verstimmung ü'er da'. Verhalten Poincares, die das gemeinsame aller Kommentare bildet, hält die öffentliche Meinung an Herr zuversichtlichen Beurteilung der Berliner Verhandlungen fest.- den Rebellen gesäubert, worden. Die Operationen südlich von Dublin sind nun sozusagen beendigt. Der Verkehr zwischen den verschiedenen Madien wird wahrscheinlich in kurzer Zeit wieder ausgenommen werden können. Die irische Regierung besitzt nun wieder bi; Oberhand in 20 Grafschaften. Der frühere Führer der Sinnfeiner Artur O'Brieu ist gestern nachmittags aus dem Gefängnis von. Mw borough entlassen worden. O'Brien war bei den letzten A ständen von der Regierung verhaftet worden. Manöver -er Sv«jetflotLe. Berlin, 22. August. (Tel.-Komp.) . „United Telegraph" -meldr-t aus Kopenhagen: Nach.Meldungen der.Blätter a-us Helsingfors beweisen die gegenwärtig in der Finnisch.'» Buch: stattfindenden Mcmöver der russischen Flotte, daß es den Bolschewiken gelultgen ist, einen Teil der Kriegsschifje wieder in Stand zusetzen. Die Sowjetregierung verfiigt nicht nur über Torpedojäger und U-Boote, , sonder:: auch über große Kriegsschiffe, die zurzeit im östlichen Teil der Finnischen Bucht manövrieren. Wenn die Bolschewiken die Reorganisation, fortsetzen, wird die russische Flotte berri's ün nächsten Jahr einen Faktor bilden, mit dem gerechnet werden muß. Fasziste«t»m«!te in Boze«. Innsbruck, 2Z. August. Die „Innsbrucker Nach« richten" melden aus Bozen: Gestern kam es hier zu FaSzisten-' krawallen, deren Anlaß 'die Entwendung einer Trikolore ans dem GebäLrde der Kunstausstellung durch bisher rnröekannte Täber war. Obwohl die Fahne an: nächsten Tage zurückgegebeu wurde, forderte:: die Faszisteu.die Bevölkerung durch Plakare zu einer Sühnekundgebung vor den: Mbäu-de der Kunstausstellung auf.- Auch das Zivilkommisiariat schloß sich der Forderung der Faszisteu an ur:d ordilete die Kundgebung an, zu der jedoch nur eine große Menge von Fazissten, aber keine Bozener, erschienen. Die Faszisten zogen hieraus durch die Stadt und b e mol i e rt e n mehrere deutsche G c s ch ä f t e. Insgesamt dürste sich der Schaden auf einige Millionen Lire belaufen. Die Demonstrationen, bei denen sich die de tusche Bürgerfchas: vollkommen passiv verbiet^ san den erst abends ihr Ende. TageshLrichL. V- WiQ lange noch ' Die Berliner Berlin, 22. August. Im R'ichsfinanznünisterium haben gestern nn: die Mittagsstunde nach der „Bossifchcn Zeitung" die Eigentlichen > sachlichen Verhandlungen -über die Bedingungen siir die Äimahme des deutschen Moratoriumsgesuches zwischen s>it Delegierter: der Reparationskommission Bradburh und Mauclere einerseits und ReichssiNanzminister Dr. Hermes sowie Staatssekretär Bergmanr: andererseits begortiten. C'l«igMS zwischen Bayerrr Airs Berlin. München, 22. August. (Wolfs.) Der Ministerrat und die F-ülwer der Koalitionsparteicr: haben sich hent-e nachmittags dahin geeinigt, daß die Ergebnisse der letzten Berliner BerhaMnngen betreffend das Gesetz, znm Schutze der Republik anznnehmen seien. Sachsen sperrt den kleinen Grcnz- . verkehr. Dresden, 22. August. (Wolfs.) Die in letzter Zeit von Lschecho-slowakischen Staatsangehörigen in den sächsischen Grenzbezirken vorgen onmmden Massenankäuse von Gegenstmcken des täglichen Bedarfes ünd die dadurch heworgermsene ErreWNg der einheimischen Bevölkerung haben die sächsische Regierung veranlaßt, die zugunsten des sogenannten kleinen Grenzverkehrs zugelasfenen Ausnahmen Pom allgemeinen Paßzwang vorübergehend außer Kraft zt: setzen. Der GreuMertritt bleibt nur Personen gestattet, die in sächsischen Gretlzortcn m einem Lohn- oder Arbeits- Verhältnis stehen oder sortst eine Tätigkeit ansüben, die sie zur. Grer^Überschreitung nötigen. Die Orientfrage. Paris, 22. Augrtft. (Tel.-Komp.) Der „Petit Parisien" schreibtaus den Antworten der jMenffchen utch der eng- WM Regiemng Mv .dre OchnWage gehehervor^ daß^ Fvankpeich,. England und Italien darin einig seien, eiste neue Orientkonftvenz in Venedig oder einer anderen italienischen Stadt einzuberilfeu. Es sei aber gleichwohl nicht möglich, sich großem Optimismus hitchchtlich des Ergebnisses hmzugeben, da England auf den Borschlägett der Pariser Konferenz vom 26. März d. I. bestehe, worauf die Regierung von Athen nicht geantwortet habe und die von der Regierung vmr Angora abgelehnt worden seien. Wie SÜirre« in Irla«d. LondW 22. August. (Tel.-Komp.) Nach enwm Telegramm au! Dublin ist durch dm Fall von Bandon und Denmanwcch das Gebiet zwischen'Cork und Donoghal von vartea Lngllseke LtoKe, 1.eidu»ü ÜettiwSgche, KeeenmLntel, Ia Stückwaren etc. etc. kaufen Sie nirgends so gut und billig wie bei in Kajtowitz. Ka'lvwitz, 22. August. (Wolfs.) Gestern kam es hier d:r zunehmenden Teuerung in den späte:: Abendstundeu zu Ruhestörungen. Eine Anzahl Laden wurde o.chlüuLcrt, die Waren auf die Straße geworfen und fortgeführt. I udc n wurden von der Menge . verfolgt und verprügelt. E'.u starkes Polizeiaufgebot stellte schließlich die Ruhe wieder her. Der geschArrpste Tsd. Tie Kokamseuche, die als ein Laster der Ilachkriegs* zeit trotz der behördlichen Maßnahmen immer inehr nn: sich greift, ist eine Erscheinnng, die noch gefährlicher ist, als der Genuß der anderen bisher, benützten Reizmittel, und ein frauMscher Arzt bezeichnet daher die Folgen dieses weißen Pulvers, das man. durch die Nase einzieht, anschaulich als de:: „geschnupften Tod". Das Kokain ist ja nur eins, wenn auch augenblicklich das gefährlichste, von den Narkotiken, unt denen rnan die ermüdeten Nerven aufztlpeitschen sucht. Solche Anregungsmittel, wie der Mo-' hol, das Kola, Tee, Kaffee, Nikotin, sind ja seit langem in: Gebrauch, und die.neueren Mittel, wie das Morphin::: und das Kokain, leisten in der Medizin segensreiche DiMvste. Es ist nur der iibermahige Gebrauch ohne schwerwiegende Gründe, der so furchtbare Folgen hat. Der französische Arzt Paul'Farez, der dieser: Erscheinungen eine ausst"chrlick)e A'bhaMung widmet,^ unterscheidet die Ge-- legenheitsurorphimsten und 'Kokainisten von den Gewohnheitsanhängeri: dieses Lasters und niuk-mt au, das; die letzteren immer eine Disposition dafür besitzen. Es sind eutweder schüoer Nepoöse oder Learte, die unter einer geistigen Depression leiden, die sich den: Morphium und Kokain verschreiben. Zunächst rnacht sich nach dem Genusi. eine „En- ' phorie" geltend, ein wahres „Pavadiesgeftihl". Die Geistes- . kräste scheinen vervielfacht, man ist glücklich, geistvoll, energisch, alles scheint zu glücken. Aber lvenn die Wirütng aufhärt, welch Gegensatz! Man fühlt sich-niedergeschlagen, traurig, unfähig x: denken und einen Entschluß zu fassen. Man greift zu einer ueareu Dosis, um sich wieder in Gang zu bringen, und so verschreibt man sich mehr und mehr dem „geschnupften Tod". Je häufiger man diese Drogen zu sich Nimmt, je größere Dosen n:an braucht, desto fliichtiger wird die Wirckungz sie verschwindet.bereits, bevor das Gift Noch völlig ausgeschieden ist. Man greift, dazu nicht mehr alle Tage, nicht nur emnml am Tage, sondern 8, 12, 20 Mal. Man begnügt sich nicht mit einigen Zentigramn:, sondern brmtcht als „tägliche Ration" 2, 3, 4 Granun Mo^chrum. Werft die Morphiumspritze beinitzt, hat schon Nach dem Stich ein so nwbezahtnbares Verlangen, das; er überall zu diesem Tröster greift, während der Mahlzeit, im Th^tter. Das Laster mackst ans dem ihm Verfallenen ein Mövenbintdel, das.willenlos alle:: Einflüssen ausgeliesert M'-Wiir'auch'M "jedenr Verbrechen 'bereit-ist. Man darf Mestschen nicht als^ Genußsüchtige betrachte::, sondern II., Taborsirale 4S TplniabMi 47-1-79 Kn |res ft« «lataii