Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1280 (23.8.1922)
- Date
- 1922-08-23
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite f., Alm, Mittwoch Die Audienz beim Präsidenten MasarM. Prag, 22. Slugust. Wie bereits angeki'mdigt, wurden Bundeskanzler Dr. Seipel, Bundesfinanzniinister Scgur> Gesandter Dr. Wildner und der österreichische Gesandte irr/. Prag Dr. Marek gestern mittags in der Pause zwischen den Konferenzen am Vor- und am Nachmittag vom Präsidenten Masarhk empfangen. Die Unterredung, -die einen ganz vertraulichen Charakter hatte, dauerte eine Halde Stunde und fand in sehr herzlichen Formen statt'. Sie erstreckte sich auf die augenblickliche Situation in Oesterreich und auf die allgemeine Lage in Mittel- und Westeuropa. Ein Dementi. * Men, 22. August. Die Meldung eines französischen Blattes, daß Bundeskanzler Dr. Seipel der tschecho-slowakischen Regierung für einen eventuellen Kredit an Oesterreich die Verwaltungskontrolle der österreichischen Eisenbahnen angeboten habe, entspricht/nicht den Tatsachen.- Oesterreich untz jnont, «1. August. Die „Jdea Nazionale" befaß sich mit. der Lage Oesterreichs und.fordert die-Fortsetzung der Politik della Torretas. Eine territoriale Minderung Oesterreichs iväre eine dirkte Bedrohung Italiens. Eine m i l itarifche Intervention von anderer Seite würdö die sofortige Entscheidung Italiens auf demselben Gebiete erfordern. Eine diplomatische italienische Aktion bei den anderen Siegerstaaten und eine finanzielle Mtion Italiens in Wien feien unaufschiebbar. Der „Tentps" meldet aus Rom: Tie politischen Kreise und die - Presse befassen sich lebhaft mit der kritischen Lage Oesterreichs. Es wird anerkannt, daß Italien die am' meisten interessierte Großmacht' bei der Wiederaufrichtimg des unglücklichen Staates sei. Bundeskanzler Dr. Seipel' könne versichert sein, in Rom den herzlichsten. Empfang zu finden. Es stehe auch fest, daß Minister des Aeußern Schanzer das Ansuchen Oesterreichs bei den Alliierten warm unterstützen werde. Oesterreich. Die Wiener Universität. I« der Wiener „Wage" finden wir..die folgenden Bemerkungen Georg K o l I m a n n s, denen wir gern größere Publizität geben. „In wenigen Wochen wird an den österreichischen Universitäten ein neues Semester beginnen; mit all dem über- . kommenen und vermoderten Prrütk der Jahrhunderte wird. , die Inauguration der neuen Magnifizenz — der Dermatologe Riehl tritt ab — stattfinden. Die finanzielle Situation der-Wiener Universität ist gleich der aller anderen österreichischen Hochschulen überaus traurig und mit Beginn des neuen Semesters , werden die deutschbewußten ‘ Machthaber der Wiener Universität neuerlich das von ihnen gehaßte und geschmähte Ausland anschnorren. Aber . es steht gleichzeitig-zu erwarten, daß sich auch' der Nationalrat mit -der Not der Universität beschäftigen wird. Unter . dein Schlagwort: Die österreichische Kultur muß gerettet lverdeni.. wird man der Universität die Gelder bewilligen, die eben der österreichische Nationalrat bewilligen kann, und das ist zum Glück recht wenig. Wir aber müssen uns die Frage Vorlogen: Sind die ’ österreichischen Universitäten tatsächlich Kulturmstitutionen, die ein Recht darauf haben,.vom Staat erhalten zu werden? Nach den heutigen Verhältnissen imd der heutigen Rechtslage muß der Staat sicherlich die Universität erhalten; das eine aber ist ebenso, klar, daß die Hochschulen in ihrer heutigen Gestalt nicht die Hochschulen der Republik , sind; sie find die alten geblieben, die Hochschulen der Monarchie, die Brutstätten der Bureaukratie und Reaktion. Es darf gewiß nicht geleugnet werden,, daß die medizinische Fakultät der Wiener Universität vom Verfall der Wiener Schule noch am wenigsten berührt worden ist. Aber ans allzu festem Grund ist der Ruhm der medizinischen Fakultät auch nicht gebaut. All die Praktiken, die in den anderen Fakultäten geübt werden, um junge tüchtige Leute, die im Verdacht freier Gesinnung oder gar des Judentums - stehen, von der ordentlichen Professur.auszuschließen, sind, auch an der medizinischen Fakultät im Schwünge-. Wir erinnern an den Fall des berühmten Ohrenspezralisten B ar a n y i, der es in Oesterreich bis zum k. k. Militär-Oberarzt in der Festung Przemvsl, aber nicht zum außerordentlichen Universitätsprofessor bringen konnte. Ordent- . lichrr Universitätsprofessor wurde er'an der Universität, die mindestens so arisch und germanisch ist wie di« Wiener, in Upsala. Professor Baranhi hat noch heute an den Verfolgungen der Wiener Univevsitätsgewaltigen zu leiden. Man mag zur Lehre und Erscheinung des Psychoanalytikers Freud stehen wie man will; das' eine ist Wohl klar, daß seine innere Berechtigung zum ordentlichen Professor mindestens so evident ist wie di« der Herren Riehl; Habrda 'oder Schattenfroh. Diese drei Herren' kennt man in der internationalen WÄt der Wissenschaft überhaupt nicht. Sie sind Größen'der'Wiener Universität. Sie sind ordentliche öffentliche Professoren an der Wiener Universität. Freud gilt m England, Frankreich und Amerika geradezu als Repräsentant österreichischer Wissenschast; seine Schriften sind in alle Sprachen' übersetzt, feine Methodtzn werden an -allem ausländischen Universitäten studiert.' >' _ . i: ' ' , Sjegmü-nd Freud ist- bis heute noch nicht ordentlicher Professor Uk' 2&«bm*' ". WZenetz'WWglit.«zeitttMWr L3. Mgust*Mf m: tcSSoT Die Vesefasirmg PalKstinss. London, 18. August. (Jüd. Preßz'entrale..)-Die. Palästina-Verfassung, die -in der allernächsten. Zeit veröffentlicht werden soll, hat,'wie wir erfahren, einige wichtige A e ii d e r u n g e n erfahren, die auf Grund der Verhandlungen der Zionistischen 'Organisation und der Colonial Office zustande gekommen sind und den Zweck haben, den Zionismus immer klarer mit den politischen'Freiheiten und dem Fortschritt des. Landes zu verbinden. Sie find zahlreich und wie die Zeitschrift ,Dälastine" bemerkt,' soweit sie die Juden betreffen, danach angetan/ deren Stellung' eher. zu. stärken als zu schwächen. Es .wurde ein Paragraph eingeschaltet, der ausdrücklich besagt, daß ' - keine Verordnung - erlassenwerden dürfe, Welch«' mit den Bestimmungen des Mandats nicht in Uebereinstimmnng sei. Diese Bestimmung wird von den Zionisten sehr günstig anfgenömntem In her ursprünglichen Verfassung sollte der'Council aus 25 Mitgliedern bestehen,- davon 10 Beamte, 12 gewählte und.-3 ernannte Mitglieder.'. Die 3 ernannten' Mitglieder Vers ch w-i n d e n nun 'und der Council besteht außer dem Oberkommissär aus 12 gewählten und 10 BeamtenmiWebern. .Der OberkomMissär bestimmt nach 'der neuen Verfassung die Mahlkollepien,' und zlvar so, daß in-dem Council unter-den gewählten Mitgliedern zwei' jüdische und-zwei, christliche Vertreter fein - müssen,- so baß dlll mohammedanis-chen Araber nicht mehr als acht Vertreter haben werden. Dadurch ist auch die Stellung der Juden «demfrüheren Verfassungsentwurf gegenüber wesentlich gebessert. - Weiter wurde ein neuer Paragraph eingeschaltet, wonach / allen Personen in Palästina völligereligiöse -Freiheit und jeher religiösen Gemeinde ' Autonomie in ihren Angelegenheiten gewährt wird.- Weitere .Bestimmungen betreffen den Ausbau der Wä h I e rkuri e n, die so' geschaffen werden, daß die Stimmen der Minoritäten nicht verloren gehen. Es soll nach Religionen abgestimmt werden. J ' " VölkerbunS UN- Genf, 19. August. (Jüd. Preßzentrale.) Die ständige Mandatskommission, die seit, dem 1, August in Gens versammelt war; hat ihre Arbeiten abgeschlossen. In,, der letzten Sitzung hat - sie' einen Fragebogen vorbereitet,- der dazu bestimmt ist, der brit'ischen und französischen Regierung die -Vorbereitung , ihrer 'Jahvesberichte über, die Verwaltung der Mandatsgebiete Palästina und Syrien, zu erleichtern. Es wurden noch verschiedene administrative Fragen geregelt und die nächste' Session der Kommission auf den 20. Juli 1923 angesetzt. -Weitaus ärger als an der medizinischen Fakultät'i}t die Wirtschaft der Kamarilla an den' anderen Fakultäten. An der juristischen Fakultät, jener Fakultät, die vor allein durch eine so leuchtende Leuchte 'wie es der'Herr S ch -w i n -d ist, geziert wirb/ sind die Verhältnisse weitaus schlimmer. Zn Beginn des letzten Schuljahres hak dieser Schwind als Dekan versucht, den Zuzug außerordentlicher Hörer einzuschränken, Wem: die Institution der Universität einen Wert für die Volksbildung besitzt, dann lediglich nur -durch die. jedermann gebotene Möglichkeit, als „außerordentlicher Hörer" zu inskribieren. Schwind hat sich-n-ün bemüht, diese Möglichkeit einzuschränken. In einem Falt ist es gelungen, den seinen Gelehrten zur Rücknahme seiner Maßnahmen zu bewegen. Wie viele Fälle aber sind gar ' nicht-bekannt geworden. - Es'seien daher bereits heute alle jene Menschen, die sich selbst bilden wollen; auch dann, -wenn -sie' Nicht -durch «in sogenanntes „Reise"-Zeugnis das -Privilegium' des Studiums -besitzen/ äufgefordert, als. außerordentliche Hörer zuinskribieren. Eö gilt, ' - den MachtdNkel - der ttmvirösi'lätsherrscher zu brechen. Ferner sei darauf hMewiesen, daß - an der juristischen FsknMt das^groß«, -gerade heutebesonders wichtige Gebiet.- des Arbeitsrechtesscheinbar Absichtlich vernachlässigt wird., Der ehemalige Sektlonschef des Mmifteriums-fürsoziale Verwaltung Karl -P.ribram, . .gewiß kein. Sozialist, -wohl, aber ein Gelehrter und-Fachmann von Weltruf,, bemühte sich vergeblich um eine ordentliche Professur an der Wiener Universität. Es setzte gegen ihn eine derartige Hetze ein,.-daß„ein Vortrag, den er in Graz hielt,.gewaltsam ge-' / sprengt und er selbst tätlich bedroht wurde. Pribram hat es daher ' selbstverständlich dorgezogen, in das Ausländ' zu gehen und ist heute leitender Beamter des internationalen Arbeitsamtes m Gens. Der begabteste Schüler Professor Kelsen s, Dozent Sanders, konnte ebenfalls keine Professur in Wien erlangen und. ging. ins. Auslands ein so MchtigerMnner des römrsch'en Rechts wie Pineles ist zeitlebens nicht ordentlicher Professor geworden. Der-Verfasser des „Wahren Staates", eines hümoristischen sozialwissenschaftlichen Buches, dem viele Menschen Stunden ungetrübter Heiterkeit verdanken, der aus Brünn' gekommene -ordentliche öffentliche Professor Otmar. Spann liest in den größten Hörsälen, sogar im kleinen Festsaal, während Gelehrte wie Professor G r ü nberg oder Professor Max Adler mit kleinen Hörsäten vorlich nehmen-müssen. Än der philosophischen Fakultät geht es nicht Weniger bunt zu. Ter alte R eg lern ngsrat. I e r u s a l e nr kann ebensoweng „ordentlich" werden wie Professor Emil.Reich. Man mag zu den -beiden stehen wie man. will; unter den gegenwärtigen ordentlichen Professoren -werden sie sehr Wohl ihren Mann stellen. Professor L-ndo Moritz H ar tmann ist noch immer nicht ordentlicher Professor. Den Aegyptologen Nathaniel.Rei-ch, .einen weltberühmten Fachmann, hat man von hier, ohne dem geringsten Versuch, ihn sestzuhalten,. weggelassen. Er -ist ins Ausland, gegangen.. . Die verwaisten Lehrstühlezu besetzen, wendet die Universität nicht die geringste. Mühe aus. Wenn, sie es aber eimnal, tut, dann, wipd dieÄhnenr-eihe. .des Äan-dvdajen durchschnüffelt, ob ja nichte.in. T'ro pfen j.üdischen Blut.es in seinen Äd.etn rollt; in zweiter Linie steht erst die.wissenschaftliche. Leistung und Eignung, 's 'Diese vielen Tatsachen — von den politischen Ansichten und Taten der Universiiah-von der Tatsache, -daß die gewaltigen Rektoren jede-nichtchauvmiftlsche.Meinung unterdrücken — diese Taffachen Zeigen, deutlich, daß die Un.iberMt eine Jnstitutiott E die nichts mit Äü'ltu'r zu.schasfen hat.. ,s a , ... .!. , ,, . Wivd es nun der Naiionalrä't der Republik Offterveich' üoch länger zulassendaß die Verfassung der- Universität, die alll-diese Dinge ermöglicht, in Kraft.bleibt?;' •* . .Es ist die Wichs des veMblikanffchen' Maffoilal^Ws/ .endlich das' Umversitatsgesetz zu ändern. D ie Äutvno-' an t & L « x Uit iv er-i tlal rnü ß fall Lau. 'die Mipet- - sität muß — auch wenn es dem Kanzleidirektor Herrn Rer . gierungsrat B-l'umäüer nicht beliebt nach demokratischen Grundsätzen verwaltet und geleitet werden. Nicht einen Heller für die gegenwäriige, alles' für Pie , demokratische freie Universität Wien." ' ." Die Antwort a« die ArbeiLslofen. Amtlich vürd mitgeteilt: Gestern abends .erschien djk Deputation, die von der. / vorgestrigen Demonstratimts-; ' Versammlung gewählt. worden war, wie angekündigt, beinr. Bundesm'inister für soziale Verwaltung Schmitz, um die , Antwort der Regierung'aus die gestrigen Forderungen, zu , hören. Bundesminister Schmitz verwies auf die von der. Regierung selbst schon vorher geplante Maßnahme....der Erhöhung der Arbeitslosenunterstützung, für die die. .Re-.... grerung die Indemnität des Nationalrates ansprechen, wird. Diese Erhohitng ist bereits verfügt und' wird ab , nächster Woche zur Auszahlung gelangen. Die Arbeitslosenunterstützung während der ganzen Dauer der Arbeitslosigkeit auszubezahlen, widerspreche dem Gesetz und" dem Mesen der Versicherung und müsse daher abgelehntwerden. Die Anwendung, eines.. I n d e x' , aufdie ArbKkslöfchlüUerstützüngsei-.-ätts^ faM'chen^soH'e " staatsfi'nanziellen Gründen nicht möglich:''Der '-Fov-- derung nach Schäffüng einer Notstandsaushilse seibereits' ' durch den bekannten Nationälratsbeschluß entsprochen, ihre Durchführung von der Regierung so weit gefördert, daß die Auszahlung dieser Unterstützung in dev allernächsten ' Zeit erfolgen kann. Die von der Deputation 'geforderte Abgabe von verbilligten Lebensmitteln an Arbeitslose sei schließlich nicht möglich, weil einerseits. die Regierung über keine Lebensmittelböstände verfuge, -andererseits schon die Lage - der Staatssinanzen die - Erfüllung dieser ' Forderung unmöglich mache. Ter Minffter verwies' -neuerlich auf die Tatsache, - daß die Regierung alles tue, was einerseits die geltenden! Gesetze, andererseits die leider so ungünstige finanzielle Lage des Staate.s'>gestatten, um jenen-Arbeitslosen,- .die ohne chr Verschulden dieses bittere Schicksal extragen müssen, Hilfe zu leisten. Die Regierung bemühe sich, die int. Staate vorhandenen Arbeitsmöglichkeiten schärfer zu erfassen, indem sie die. Gemeindeverwaltungen zur Mitwirkung heranziehe und indem der Weg der produktiven Erwerbslosenfürsorge 'eröffnet werde. Rücktritt dr» bulgarischr« Grnrrai» kousulr Litschrff. . Der bulgarische Generalkonsul Georg . Liffcheffhat seine Demission dem.^ bulgarischen Ministerpräsidellten Stambolijski angeboten und erhalten.-Herr Liffcheff hat das bulgarische- Generalkonsulat ein Jahr lang verwaltet und mehrere Monate Ivaren ihm auchdie politischen Agenden der Gesaivdffchaft anvertraut. ... Tschecho - Slowakei. Paste i« MarieÄbad. Marienbad, 22. August. (Tschecho-slowakrsches Pröch bureau.) Heute Mittags ist der jugoslawische Ministerpräsident Paste in Begleitung seiner Gemahlin und seiner Tochter sowie des Gesandten Vösnjak hier emgetroffen. SOlit ihm ist ein Beamtenstab von ungefähr 20 Personen angekommen'. Unmittelbar' stäch seiner Ankunft begab'sich Pasic zu den: jngoslawiWn Äönigspaar ins Hotel Weimar, wo er kurze Zeit verweilte. . Da» Bündnis mit Jugsslawien. : . Prag, 22.-^Augllst. '-,'ZäWdnienä Pölitika" schreibt zu der be.vorstehenöen Untersertigung,-es youeN t s.che'ch o-s lo'ivak'-ischkii B nNp rt ii vc r t r M«s'.'chi t J.'n.g'ps l chw. i eM ..-tu Marienbab: Gegenwärtig sei die Situation osfenümdig reis geworden,'bWeiikL lÄmäE Grundlaae. bis.'.Bundes, der die