Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1279 (22.8.1922)
- Date
- 1922-08-22
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Beite m Sie», DieuStay Tagesbericht. •ec «rierparagrsph i« österreichische« Sperr. Der Atterseer Zweigverein des. Union- Fach tklubs beschloß in seiner letzten Genevalversammlung nüi einer Mehrheit von 113 gegen 15 Stimmen, künftighin nur Personen arischer Abkunft als Mitglieder auszunchmen. Die Einwendungen des Hofrates Professor Schien! und anderer gegen diesen Antrag, da ein Sporwerem nicht das geeignete Forum zur Entscheidung, der Judensoige bilde, blieben ergebnis' lo8. Der Arier-Paragraph erhielt auf Vorschlag deS ProkefiorS. W u n d t heim folgenden, Zusatz: Der Anfnahmsbewerber erklärt, daß s ch o n s e i n e G r o tz e l t e r n vor ihrer Verheiratung getauft waren. Die DerrtschvölLische« in Bad Hall. Die Wiener Parlamentskorrespondenz meldet aus Bad Hall: Für letzten Dienstag nachmittags kündeten Plakate ein Schauturnen des.jüd is che n Turn Vereines Li nzan,da8 auf 'dem Haller Tennisplätze stattfinden sollte. Gegen die Abhaltung des Turnens protestiert«, die deutschvölkische Turnerschaft von Bad Hall, deren Vertreter im Falle des Stattfindens des jüdischen Schauturnens ernste Demonstrationen ankündigten. Stach einem Vorhalte «der Situation durch den Bürgermeister, beschloß die Vorsehung des jüdischen Turnvereines, das Schauturnen im Theater abzuhalten. Die deutschnationalen Turner hatten inzwischen Verstärkung aus Kremsmünster erhalten. Vor Beginn des jüdischen Schauturnens zogen sie — ungefähr'70 an der Zahl — unter Absingung völkischer Lieder beim Theater vorbei. ,- Diese antisenntische Demonstration entöchrt nicht einer gewissen Pikanterie: Di« Fremden die zur Zeit in Bad Hall wohnen, sind zu neun Zehnteilen Juden. Als Zahler sind sie den biederen Wohnungswucherern sehr sympathisch. DaS jüdische Schauturnen aber stößt den völkischen Charakter, insoweit ein solcher vorhanden ist. Auf derselben Seite aber, aus der die Parlamentskorrespondenz von dieser teutonischen Heldentat berichtet, erzählt sie von einem Faszistenübersall in Bozen. Was doch dies« Italiener für Chauvinisten sind! Sie Prei»rrhöh«»ge« des ,estrige« Tage». Der gestrige Tag bedeutet für unseren Lebensstandard einen Elendsrekord. Obwohl wir uns an die entsetzliche Teuerung schon gewöhnt haben, das heißt, obwohl Uns die fast tägliche sprunghafte Teuerung als etwas Selbstverständliches erschien, ist doch der gestrige Tag geeignet, uns aus der Apathie auszurütteln, denn die unmäßige, oft weit über 100 Prozent. betragende Verteuerung der wichtigsten Lebens- und Verbrauchsartikel, ist geradezu nervenaufpeitschend. Das Brot, unser wichtigstes Nahrungsmittel, kostet seit gestern pro Laib 4100 K. — ist seit der letzten Woche , also um mehr Äs 1000 K. gestiegen —, die Semmel 3i0 K., das ist um. 100 K. mehr. Da die Rohmaterialien, wie Kaffee, Zucker, Tee, sehr gestiegen sind, sind natürlich die Preise in den Kaffeehäusern, wie wir es gewohnt sind, unverhältnismäßig höher gestiegen. In einem Kasfeehause mit geringem Betrieb kostet der g ew ö h n l i ch e Schwarze bereits 700 K., ein Mokka 1500 Kronen, ein Weißer 1600 K. In den Gasthäusern kann ein normal lebender Mensch' gar nicht mehr der-' kehren. Denn ein Gulasch zum Preise von 4500 biL 50 0 0 K. und darüber ist jetzt eine gewöhnliche Sache geworden. Man male sich nun aus, was ein sogenannter Braten „ohne" Beilage kostet. In einem mittleren Restaurant ist ein solcher unter 8000 K. nicht zu haben. Dazu kommt aber noch die plötzliche unmäßige Verteuerung des Bieres — vom Wem gar nicht zu roden — das seit gestern um mehr als das Doppelte im Preise gestiegen ist, weil die armen Brauherren angeblich d-ie Gestehungskosten bei den gegenwärtigen Preisen nicht' mehr hereinbrrngen können. Um die Bauherren und die von ihnen angeblich abhängigen Wirte also nicht zu Schaden kommen zu lassen, kostet seit gestern das Krügel — ein halber Liter — Lagerbier 1400 K. und daS Seidel 1100 K. Gleichzeitig mit den Erhöhungen des Brotes, des Kaffees und des Bieres sind seit gestern die Tabakstchrikate und die Postgebühren erhöht worden. Katastrophal für die Raucher gestaltet sich der jetzige Preis der Virginier in der Höhe von 1000 K. Leider ist nicht anzunehmen, daß der Fiskus bei Erhöhung der Rauchmaterialienpreis« sich von erzieherischen Motiven hat leiten lassen. Aber 1000 K. für eine Virginierzigarre dürsten doch etwas lähmend auf die Kauflraft der überwiegenden Zahl der Raucher wirken. Bezeichnend für die enorme Verteuerung der P o stg e b ü h r e n ist, daß seit gestern der gewöhnliche Brief im Inland (und nach Deutschland) 100 K.. die Postkarte 60 K. kostet. Die Erhöhung der Tabak-, Zigarren- ' und Zigarettenpreise beträgt-140 bis 160 Prozent, die der Postgebühren 800 Prozent. Es ist nur natürlich, daß mit den gestrigen Erhöhungen eine neue Teuerungswelle über uttS hereiubrrchen wird, mtb die nächsten Sage schon werden uns eine abermalige, wahrscheinlich hundertprozentig« Erhöhung r des StraßenbayntarifeS bringen. geteiltt Vrorgerrreiturig. Mitteilungen aus dem Pnblikiini. 1(5(11 empfehlen sich als Verlobte-: Arrtwerpen-Wien, Im August 1922 0033 Kirn : {Bestes B e 11 der W e l't l liwllW'. Wi0n,l„ Scfiottenrnp 12 Telipktm BI-207 331 •'S 1« ^>4 6 | * § M 8 * f « 8 m.! O ft. Sr* I* | Stimmbegabte Knaben j | '.werden für den Wiener Stadttcmpel aufi i genommen. Prüfungen täglich von *5 bis | | 6 Uhr I., Seitenstettengasse 4 (Chorschule) I GrSBtes User I» Htislog-, HMrind RlddeMn Buoulcn .gidillsd' / Hr Paliilloa itelsendi Ulla Der NevolDer.anl dem Klasier. . . Di« Erfahrungen der Tochter Mark Twains. Das „Neue Wiener Journal" veröffenüicht ein Gespräch mit Fron Klara K l e m c n s, der Tochter des großen amerikam«. scheu Humoristen Mark Twain. Frau Klemens, die' jetzt Gcvbrilowitch heißt, ist eine Liedevsängerin von' internationalem Rufe. Sie war jetzt in München und der Interviewerschildert ihre. Erlebnisse mit folgenden - Worten: Imponierend ist vor allem das streng inbernatioml«! Empfinden, der Sängerin, dir nicht nur an Wiedergabe, sondern auch an geistigem Urteil jedem Komponisten, sei iw aus welchem Lande immer, den ihm gebührenden Teil an Anerkennung voll und ganz zuzuspvechen bemüht ist. ,-Scheu Sie/ sagte sie, ,-das haben wir (Amerikaner) von den Völkern Europas voraus: Wir schätzen in der Kunst wohl die nationale Eigenart, nehmen sie aber: immer.nur als solche und niemals als Politikum, und daß ich.: gerade in Deutschland, bei dem größten Mustkvvll der Welt, bittere Enttäuschungen erlVbm mußte, hat mich tief verstimmt." Ich horche auf: ,Mieso? Wann^ Wo?" „Mn eben gelegentlich meines Zyklus in München. Trotzdem das deutsche Lied im Vordergrund mvints Programms stand, mußte ich eS erleben, daß bei jedem französischen und englischen Liebe gepfiffen und gejohlt wurde, daß ich täglich eilte Flut anonymer Schmäihbriefe >bestrm, daß man mich und meine Begleiterin — Frau Hedwig Rosenchal — ‘ allen Ernstes fitr Poincare verantwortlich-machte, daß uns die füd-dieutsche Konzertdir-ektion bat, den sechsten Abend auszulassen, da die deutschnationalen Studenten mit Knüppeln aus uns loSgehen wollen — worauf ich den Auftrag gab, den Saal mit Poligsi zu besetzen und den Salonathletenklub vollzählig erscheinen zu lassen. Dank dieser Alaßregel würde wohl bei Saint-Saens und Fauve hostig gemischt, aber vor den Fäusten des AchletenklubS, der sich — wir hatten uns den Applaus desselben verbeten — ganz schweigsam-verhielt, -wurde den.Studenten doch ein wenig bange und der angesagte Putsch entfiel. Wie hielten! auch den An-- griffen einer deutschnationalen-chauvinistischen (mir etwas Unbegveifliches) Presse stand, setzten ruhig das künstlerische Werk fort, ließen uns durch nichts beirren oder ein schüchtern, nur nahm ich immer auf alle Fälle meinen Revolver mit, den ich, in meinem Täschchen versteckt, aufs Klavier legte.". Beim SchLangeKdönig. Im Städtchen Brownsville in Texas, nahe der mexikanischen Grenze, lebt ein Mann, der ein Pensionatvon etwa fünf- > zigtausend Klapperschlangen und anderen giftigen Kriechtieren unterhält. Außerdem pflegt er eine große Zahl von Riesenschlangen, PythonS und BoaS. Er heißt eigentlich Kmg, aber kein Dlensch nennt ihn anders als 'den Schlangenkönig, und er ist unter diesem Namen so bekannt, daß sich zoologische Gärten nur' unter diesem Namen an ihn wmden, um -hren Bedarf #u decken. Der Schlangenkönig hat sein sonderbares Gewerbe aus einem angeborenen Interesse für alle Arten von Reptilien gewählt. Jetzt hat er seine originelle Farm schon zivanzig Jahre, und in dieser Zeit hat er mehr als eine Halbs Million Pensionäre gehabt. Die meisten kommen aus den dichten Dschungel!» am Rio Gtänlde an der mexikanischen Grenze. Durch >den Fang solcher Reptilien verschaffen sich die Bauern der Gegend ein'recht nettes WbeneMommen. Det Schlüiigenkönig Wlt'MMtz' Mo - LeLenpgewcht einen halben Dollar. Gin großer Exemplar Wiegt, zwischen vier und neun Kilo, I'nd wenn ein Mexikaner Huf.ein gut bchtztcS Nest 'stößt, fj> häi er schon fast' W Mick aemachb Der Mexikaner ist über a>lch ein geschickter Schlängest-' 28. August IsSS Nr. 1279 fänger. Trifft er auf eine Schlange, so sucht er ihre Aufntert samkert auf sich zu ziehenindem er seine Mütze oder ein SM Zeug vor ihr schwenkt. Die Schlang« richtet ihr ganzes Augen merk auf den sich bewegenden Gegenstand, und indessen schleiche sich die Hand des Mexikaners von hinten ünmer näher a-n dev . Hals des Reptils, bis er es mit festem Griff gepackt hat. Wenn der Schlangenkörrig eine Bestellung auf lebend« Schlangen erhält — und die. bekommt er sogar von so weit entfernten Stellen, , wie aus Tokio—, so gilt es, sie so zu füncrn, daß sie während der langen Reise am Leben bleiben Das geschieht durch Zwangsfüttemng, und zwar mit Hilst etner gewöhlichen Fleischmühle, die diesem Zweck angepaßt ist. Die Schlange wird aus ihrem Käfig genommen, wo üc in fast völliger Dunkelheit/ gehalten wird, und in den „Speisesaast gebracht. Mit schnellem Griff faßt der Schlangenkönig dir Klapperschlange hinter dem Kopf und. hindert sie mit der anderen Hand daran, sich um Arm oder Körper zu ringeln. Natürhck ist das Tier wütend und klappert wie rasend mit seiner' Rassel. Mit einer Art Spatel wird das Maul der Schlange geöffnet und über das Ansatzrohr der Fleischmühle gezwängt^ Mit einigen raschen Kurbeldrchungen wird das Futter ein« geflößt. Gewöhnlich genügt eine Wurst von einem Fuß Länge als Kost auch für eine lange Reise. Die größte Klapperschlange, die der Schlangenkönig unter den Händen halte, war e.wa drei Meter lang und von der Dicke eines muskulösen Männeravms; aber dafür bekam sie auch zwei Fuß Wurst mit ans die Reise von Texas nach Manchester. Der Umgang mit Klapperschlangen ist einfach genug, sagt der Schlangenköirig. Wenn di« Schlange einem Menschen gegen nbcrsteht, so ist sie meist erschrockener als der Mensch. Jyr erster Trieb ist, sich in Sicherheit zu bringen. „Wir versuchen immer, die Schlange ungefähr m der Mitte des Körpers za fassen, so daß die Vorderhälfte durch ihr eigenes Gewicht herabhängt," sagt der Schlangenkönig. „Dann kann sie nicht beißen. Im übrigen denkt die Schlange nie daran, einen Gegenstand zu beißen, der sich nicht beioegt." Trotz aller Vorsicht ist King aber doch schon oft von Klapperschlangen gebissenworden. In einem solchen Fall schneidet er sofort ring» um die Wunde tief ins Fleisch und sucht das. Gift so schnell wie. möglich zu entfernen. Einmal biß ihn eine fürchterliche Bestie ins Gesicht. Im nächsten Augenblick hatte er sein rasier-- kl lngenscharfes Messer hervorgezogen und sich kreuz und quer in die Wange geschnitten. Obgleich Bisse im Gesicht besondergefährlich sind, heilte die Wunde recht schnell, - und, abgeschen vcn em gen Tagen Fieber und Schwäche wegen des Blutverlustes, war der Schlangenkönig bald wieiderhergestelst. Schlangengift ist für wissenschaftliche Versuche und für di« Herstellung von Serum gegen Schlangenbisi« sehr stark gesucht. Man erhält daS Gift, indem man die Schlangen reizt und sie in ein Stück Zucker oder in einen BaumwoWausch beißen läßt. Tann ist rS leicht, daS Gift hevauszuziehen, und die i Wände im Comptoir deS Echlangenckönigs zeigen ganze .Flaschen voll des gefährlichen Stoffes^ * Der BunvssprRstd«»r i« Linz, «u» Llnz wird gemeldet: Bunderpräsident Dr. L a i n t sch ist Samstag nachmtlkag» auf der Rückfahrt vdn der Grundsteinlegung des yesispleftauses ln Salzburg hier elngetroffen. Gin offizleSer Emplüng - fand hier nickt stall. Gestern besuchte der Präsident die tm Bau begriffenen Gorhüraftwerke Parlensietn. * Derkans v»« Tadallsadrikalerr in Vast- «nd «affevhdnler«. Der Verkauf von Tabaksabrlkaten tn Gaü- und Kaffeehäusern, der während der Kriegs- und Nachkriegszeit verboten war, wurde bereits im Mai b. 3. wieder freigegebni. Ln Erweiterung dieser Maßnahme wurde nunmehr den Angestellten dieser Betriebe auch der direkte Bezug der von der Regie tn Vertrieb gesetzten ausländischen Zigaretten rugestarrden. Die Tobadregie wird an die Gast- und Aaffeehausgngestellten im Wege ihrer Organisation Sorten» und Preisverzeichnisse ausgeben. an deren Kand die Käufer sich über Echtheit und Preis der abgegebenen Sorten unterrichten können. Vor dem Ankauf -von nicht in diesen Prrirperjeichntssen enthaltenen ausländischen Tabakfabrikaten müssen Wteververkäuser und Publikum g ew a r n t werden, da es sich hierbei oft um gestohlenes, Übrigens minderwertiges zu übermäßigen Preise« angebotenes Material handelt. - Das Schatz Haus ist -«» Sattevtt» In der „Vstrauer Morgenzeilung" lesen wir di« folgende Erzishlung Erich W. C zech s: E» ist ein« irrige Aufastung, daß man in Oesterreich als Tschecho-Slowake sehr freundlich angesehen wird Im Gegenteil. In jedem Wiener Auge lesen wir die Anklage, daß wir das Schnitzel, das uns 2 lschech. Ä, (höchstens) kostet, eigentlich dem Oestemicher wegellen. der sich durch den Genuß eines billigen Menüs dar Gefühl des Satlseinr vortäuscht. Schließlich. steht es ober auch nicht jedem auf der Nase geschrieben, ob er Sudel. Leöek oder sonstwie heißt. Peinlicher wird es, wenn das Fremdenbuch ausgeschlagen und uns die Feder gereicht wird.. Sintemalen, wenn man, wie ich, beispielscreise Czech heißt. Dos Hotelzimmer kostet plötzlich dos doppelte. D:z Suppe wird, noch- «he ich den letzten Löffel herunlergeschluckl habe, um Vier fünszig (he-ßl-480) hinausnumertert. Und vom Nibenttsch klingt er nicht eben freundlich herüber: „Glauben S'. t hin a so a Bbhm, daß i jedenwernrckten Preis zahl'?" Ich habe mir's da geschworen, ich werde tm Fremd; nbuch eine» anderen Namen' annehme».. And hab's auch gehalten. Als ich am Fuße der bloubltnkenden Ferner im D- Schuhhaus tn den Tauern {hundsmüde um eine Bettstelle bitte, trage ich in das Fremdenbuch ein: Erich Deutsch. .. .Pardon", die. Sand de» Schützhautwülen legt sich mir auf »em «rm. ^aber Juden müssen wir prinzipiell das N a ch t h u a r r e r v e r w e i g e r n--/ *-Sct Sprachschatz der Bolschewiken. Die russische Revolution, prägt sich in sprachlichen Neuschöps-mrgen sinnfällig ans' löv, bexöffentllcht! ein junger Forscher, der mit der 'Sowjet- Mission' nach Prag gekommen fft, aber aus deren Diensten l alSbM austtat^'-in tschechischen Blättern einige Proben.dafür, 893961 D$C