Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1922-08-22 · Heft 1279 (22.8.1922) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1279 (22.8.1922)
Date
1922-08-22
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2979076-2980129-2980359--12079-2998586
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Rr. 1L79 . . Me«ep MörykÄzeMM_'22?Must LW , Seile 's"'' ^vufene von der Teilnahme an dem Arbeitslosenmeeting cchzuhalten. Von beLen Rampenseiten des Rathauses hielten Redner kurze Ansprachen, in welchen sie die Versacki melten auffovderten, die Disziplin zu'bewahren. Mach- Schluß der Versammlung wolle man einen stuck men Demonstra t i onszug zum Mmisterium für soziale Verwaltung veranstalten. Man möge sich zu keinen unbedachten Handlungen hckrsißen lassen und wie bisher die Di^'iplin böwahren. Der Regierung werde ein Ultickatum bis Dienstag, 6 Uhr abends, gestellt werden. Sollte sie bis zu dieser Zeit die Forderungen der Arbeitslosen nicht erfüllen, dann allerdings müsse jede Vera>ntwortung abge lehnt werden.^ Andere Redner wieder forderten die Arbeitslosen auf, sich an die - Arbeiterschaft in den Betrieben zu wenden, damit sich auch diese hinter die Forderungen stelle. Am kommenden Mittwoch sollen sich dann alle Arbeitslosen in den Dienstvermittlungsstellen eckfrnden, um die Antwort der Regierung zu erfahren. Es gelangte hierauf einstimmig eine Resolution zur Annahme, in welcher es unter anderem heißt: Kort Monaten werden die Arbeitslosen Von seiten der Negierung mit Versprechungen vertröstet, die Durchführung der Beschlüsse des Naiiomlvates bezüglich des Jnvestitionsprogmmms, von dessen Durchführung die Arbeitslosen ihre Wiedereinstellung in die Betriebe erhofften, steht bis, jetzt aus. Die Untätigkeit der Regierung urkd die Teuerung treibt 40.000 Avbeitslose der Verzweiflung, der Prostitution und dem Massenbettel zu, um sich vor dem Verhungern zu retten. Wir wollen nicht, betteln und nicht stehlen, wir haben auch nicht die Absicht, ruhig zu verhungern. Werter wird verlangt die Ausdehnung der A r b e i t s l o s e n u n t e r st ü tz u n g auf die ganze Zeit der Aebeitsl-osigkeit und die Anpassung der Arbeitslosenunterstützung an' .den jeweiligen Index, die sofortige Bewährung von der Teuerung angemessenen Notsckndsaushilsen an arbeitslose Familienerhalter und sonstige rückstchtswürdige Arbeitslose, schließlich billiges Brot, Mehl und Fett für alle Arbeitslose. ' ' ■ Das Arbitskosenmeeting ivar nach kaum halbstündiger Dauer zu Ende, worauf sich die Versammlungsteilnehmer in Vrererveihen ordneten und in geschlossenem Zuge zum Mmisterium für soziale Fürsorge zogen, wo ecke M-' vchnung die Forderungen überreichte. Teuerung und Arbeitslosigkeit. r ’ Bekanntlich hatte der Nationalrat' in Erwartung eines Ansteigens der Teuerung gesetzgeberische Maßnahmen, getroffen, Welche die. Regierung verpflichteten, eine gewisse Erhöhung den Kranken- und Arbeitslosenu n t e r st ü tz « n gdurchzuführen.' Inzwischen ' hat die Steigertmg der Teuerung alle Erwartungen und Befürchtungen um ein Vielfaches übertroffen. Die Vorkehrungen des' Nütionälrates ertveisen sich angesichts dieser Preisentwicklung als nicht nrehr z;ir eichend. Daher wird die Regrevmrg dem Pationalrat sofort nach dessen Zusammentritt die nötigen Gesctzentwürfe vorlegen. Bis jedoch' diese. Mgieruugsvorlageu parlamentarisch behandelt und erledigt sein können, ist es unerläßlich, Vorsorgen zu treffen. Viele tausende Fanülion, deren Ernährer ohne Verschulden oft schob seit Monaten infolge der wirtschaftlichen Krise arbeitslos sind, bedürfen einer raschen Hilfe. 'Daher hat die Regierung verfügt, daß die Arbeitslosen n' n t e r st ü tzung, die derzeit in der höchsten Lohnklasse für den Ledigen 2520 K., ' für den Famrlienerhalter 8360 K. pro Tag beträgt, nunmehr von nächster Woche angefangen auf 3360 K. siir den Ledigen und 4480 Kronen Möglich fiir den Familienerhalter erhöht 'werde. Dazu kommt für den Arbeitslosen wie für jeden feiner An- ■ gehörigen noch der Brotzuschuß in der Höhe von 165 K. pro Kopf nnd Tag. . mm lÄi’intf MtchiM-Aktte« I Pnoritäksaktien . ä K 260.— I StammUtnn.. . ä ll 340.-— 8 Ende der Zeichnungsfrist: 9. Seplembrr 1822 . » Zeichnlmgsstkllen: ' 8 Sämtliche' W-ener Banken und deren Zweigstkllen » rung mit dem ehenialigen Staatssekretär des Tisza- Kabinetts Baron Wilhelm L e r s, Mitglied der regierungsfreundlichen Bürgerpartei, bereits Verhandlungen gepflogen, damit dieser in her nächsten Session der ungarischen Nationalversammlung den Antrag auf Erhöhung der zulässigen Zahl der jüdischen Hochschüler stellen solle. Wenn auch kerne große Wahrscheinlichkeit für die Annahme dieses Antrages besteht, ist ein Kompromiß jedenfalls.zu erwarten., wie aus den Aeußerungen des Kultusministers. Grafen . Klebelsberg hervorgeht,' wonach der Numerus clausus die bereits erworbenen Rechte nicht verkürzest könne und dem zufolge alle jüdischen Hörer, die ihre Hochschulstudien 'vor Schaffung des Numerus clausus begonnen haben, zur' Fortsetzung ihrer Sckdien zuzulassen seien.' Rumänien. ftepniriietttttf der Sieberrbjrrger PylrttscherrMMchkli«ge. Aus Klausenbmrg wird uns berichtet: Die Gewiffenlosigkeit magyarischer Llgenten verleitete zahlreiche Familien, aus Siebenbürgen auszuwandern und über die Grenze nach Ungarn zu flüchten. Diese Leute, die der Behauptung der Horthy-Agenten, daß der Trianoner Vertrag bald geändert und Siebenbürgen an Ungarn zuvücksallen. Iverde, Glauben schenkten, befinden sich jetzt in Ungarn in großer Not, da die ungarische Regierung diese Patrioten völlig im Stiche läßt. Der größte Teil dieser Flüchtlinge, die in Siebenbürgen ihre Vertvandten und vielfach auch noch Immobilien haben, möchte' nun, enttäuscht durch ihre Budapester Erfahrungen, wieder nach Siebenbürgen zurückkehren. Ern Mitarbeiter des „Rador", der vor einigen Tagen eine Unterredung mit dem rumänischen Minister des Innern Vaitoianu hatte, befragte ihn auch um den Standpunkt der Regierung in dieser Frage. Der Minister 'erklärte; es, bestehe gar keim Schwierigkeit, daß loyale Bürger wieder.in ihre Heimat zurückkehren. Die Regierung legt solchen Bürgern, die ernstlich und endgültig rumänische Staatsbürger werden wolteir, bet ihrer Repatriierung keinerlei Hindernis in den Weg. Auch bei der Schaffung einer Existenz soll ihnen. gHHst-weHG,. jedpch..rmr.iyiter der VoMrssetzung, daß sie äÜM Umswrzplänen ferne stehen und treue rumänische Staatsbürger werden und bleiben wollen. Der Jourrmlist verwies auch «ms die ckrrch die Sprachenverordnung geschaffenefast unhaltbare Situation, in welche insbesondere die Juden geraten seien. Die jüdischen Kinder .seien durch die Verordnung fast vom Schulbesuch ausgeschlossen, da die Unterrichtssprache in den jüdischen Schulen nur die hebräische oder die rumänische, in keinem Falle jedoch die ungarische sein könne. Der Minister beruhigten den Fragesteller damit, daß diese Angelegenheit unausgesetzt den Gegenstand eingehender Beratungen ick Ministerrat und im Unterrichtsministerium bilde und baß alles geschehen werde, um ecken gerechten Ausweg zu finden, Palüstina. Bedninrneinfall. Gesellschaft, gezogen sind. Es ist jedoch zweifelhaft, ob bU C-Banken für diesen Plan zu haben sein werden. 2. Andere Kreditoperationen, die auf dem Grundsatz der Geldaufnahme ans besondere deutsche PLerke bemhen, - würden die Lage möglichertveise zeitweilig bessern, ob-. Wohl Bradbury selbst immer erklärt hat, alle derartigen Operationen bedeuteten in Wirklichkeit, daß den Krediten der Alliierten gegenüber den Krediten' Deutschlands. die Augen heransgenommen würden. 3. Die 'Goldreserve d c s R e i ch e s muß von der Reichsbank nach dem besetzten Gebiet gebracht und von den Alliierten als Pfand angesehen werden. 4. Ecke . Art K ontrol l e v a n B e r g w e r k e n - n n d W ä l d e r n, die Frankreich auf der. Londoner Konferenz vorgeschlagen hat, wird vielleicht von der Reparationskommission immer noch zugestanden werden, vorausgesetzt, daß der Pomcaresche Plan genügend abgeändert wird, um ihn für die deutsche Regierung annehmbar zu machen. 5. Eine unffassendere Regelung wird, wenn sich die . Gelegenheit dazu bietet, von Bradbury mit der deutschen Regierung erörtert werden. Dies würde, sofern diese Re-, gelung für durchführbar erachtet wird, den augenblicklich gestellten Forderungen nach Produktiden Pfändern untergeordnete Bedeutung verleihen. Ein Plan beftttbe sich im britischen Schatzamt und befürworte die Zahlung der deutschen Schuld in zwei Abschnitten mit einer Jahreszahlung von beispielsweise - zwei Milliarden Goldmark, zahlbar während 30 Jahren (auchj von einer 20jährigen Basis sei gesprochen worden). Der andere Plan schlage eine nach 30 Jahren zahlbare Grundsumme vorc 100, möglicherweise 110. Milliarden Goldmark vor. Die OrieAtkoKferesz irr Berredig. London, 21. August. (Wolff.) „Mornckg Po^ . richtet, daß die Regierrl-ngen Großbritanniens, Frankreichs und -Italiens die Vorschläge der alliierten Oberkommissäre in Konstantinopel betreffend die Abhaltung ecker Konferenz über den nahen Osten in Venedig annehn^n werden und die Einladung an die Regierungen von Athen, Konstantinovll und Angcrai' vorbereiten.' Die deutschen WeizeNkiiNfe. Berlin, 21. August. (Wolff^ Gegenüber der von dev „Morgenposi" , wiedergegeben'en Meldung .des „Svenssa Dagbladet", wonach Deutschland' 'durch - den k a t a st r ophalen Mark stürz genötigt sei, seine Weizenkäufe in Nord- und Südamerika zu annullieren, da die Valuten zur Zahlung der Reparationen benötigt würden, erfährt die ,,Deutsche Allgemeine Zeitung" von zuständiger Stelle, daß die Weizenkäufe des Deutschen Reiches sänrtlich >b e z a h l t sirch urch furchen;«mv 15. .DezMiber Hlligen' Bitvag Deckung vörharrden ist. Die RegieMng stehe nach wie vor auf deck Standpunkt, daß die für lebensnotwendige. Getveideemkäuse nötigen; Mittel durch die Reparationszahlungen nicht beeinträchtigt werden dürfen. Faszisterr gege« weibliche Hilfskräfte. . London, 21. August. (Reuter.) „Daily, Ack.il" meldet aus Florenz: lieber 2000 ehemalige Frontkämpfer versamnlelten sich letzten Sa.ulstag, um gegen die Belastung w eiblichen An ge stellter in den staatlichere Burearrs zu protestieren. Sie.zögen vor das .Hanptpostgebäude,. wo sie unter den Rufen „Nieder mit den Frauen!" den Militärkordon durchbrachen nnd die rveiblichen Angestellten zü -verckeiben versuchten. Diese flüchteten, -von Panik ergriffen. . Die Dernonftranten wurden schließlich zerstreut. Sie beschlosten, falls bis zum September nicht alle weiblichen Angestellten entlasserr wären, ihre Angriffe wieder zrr begcknerr. Tschecho - Slowakei. Die Marie«badrr K»«ferenz. Laibach, 21. August. Nach hier eckgelangten Meldungen werden auf der Konferenz der kleinen Entente in Prag folgende Probleme zur Sprache kommen: Festigung und Erweiterung des bisherigen Staatsvertrages auf zehn oder zwanzig, Jahre; Abschluß eines ähnlichen Vertrages zwischen Rumänien einerseits .und Jugoslawien und' der Tschecho-Slowakei andererseits; die Frage der Stellung Bulgariens zur kleinen Entente; Stellungnahme der kleinen Entente zu allen Fragen, die beim Völkerbund in Genf erörtert werden sollen; schließlich die österreichische Frage. (Von uns bereits im gestrigen Mittagblatt berichtet.) Ungarn. Der Ka«pf gege« de« R««eru» Budapest, 21! August. (I. C. B.) Die ungarische Regierung konnte dem Drängen der s o z i a lde m o k r a t ischen und der liberalen Opposition, eine Revision des Numerus clausus, ernstlich zu erwägen, nicht mehr answeichen, um so eher, da die Sozialdemokraten sich auf..einen neuen Ansckrm gegen die Regierung in dieser Frage vorbereiten. Obwohl die G ö m b ö s- Grnppe sich jeder Revision verschließt, hat die Regiem Jerusalem, 19. August. (I. C. B.) Südlich vom Toten Meer zeigte sich ein großer Trupp beduckischer Reiterei aus Transjordanien, die in die Distrikte von Gas.a.nnd Ber-Scheba eingefallen sind. Die neuformierte britische Gendarmerie hat die^Verfolgung der Beduinen ausgenommen und wechselte bereits die ersten Schüsse mit ihnen. RvnWha«. Die RePar»tionsks«mMo« i« Berlin. Die deutsche Goldreserve als Pfand. London, 21. August. (Wolff.) „Times" melden aus Paris: Der Mittelpunkt des allgemecken Jnterestes ist gegenwärtig Berlin, wo die Delegierten der Repa r a t i o n s k o m m i s s i o n ecken Mittelweg zu finden versuchen. Es ist jedoch wahrscheinlich, daß während der Abwesenheit Bradburys und Maueleres in Paris eine rege diplomatische Tätigkeit enffaltet wird. Wie der Berichterstatter des Blattes rneldet, werden ck Berlin folgende Ideen entwickelt werden: 1. In Wirklichkeit wird Deutschland kein Moratorium gewährt lverden, aber Belgien, das Vertragsmäßig ans die Reparationen eine Priorität zu fordern hat, wird statt Bargeld. sechsmonatige Wechsel nehmen, die von Deuffchland auf die sogenannten C-Banken,' die Dresdener Bank, die- Darnrstädter Bank und die Diskonto- Die Sowjet» befürchten einen sriechijch» türkischen Friede«. Konstatttitt0pel, 21- August. (Tel. der „Wr.; Morgenzeitung".) In politischen Kreisttr. erklärt man, daß die Sowjetregierrmg die Möglichkeit eines Friedensschlusses zwischen der A n g o r.a t ü r k e i und G r i e ch e n l a n d mit Besorgnis 'beurteile,' da durch einen, solchen Friedensschluß Rußland -den alliierten Mächten als e i n z i g e r Feind gegemiberstehen würde. Rußland befürchtet das Ende seiner Mianz mit der Türkei, wenn diese mit Griechenlarrd Frieden schließt. Die Sowjetregierung hat deshalb den Botschafter M u st a P h a K e nt a l; P a j ch a *> in Moskau nach Angora entsendet, um der kemalistischen Rcgievmvg neue Vorschläge für den finan ziel len - und militärischen Beistand der Sowjets zu machen. In Samsun wttrden 32 russische Flugzeuge siir die Kemalfften ansgeschisft. . - . t . De Bnlera unanffindbsr. ' London, 21. August. (Tel. der „Wr. Ackrgertzeitung".) Die Regierrl-ug des irischen Freistaates veröffentlichte gestern eine Mitteilung, wonach die'RepubMuerin der Nacht vom Samstag auf Sonntag enten neuen Harrdstreich auf Dublin unternehmen wollten, der aber rechtzeitig vereitelt wrrrde. Das Gerücht, daß de Balera im Verlauf der letzten Kämpfe getötet worden sei, ist nicht bestätigt. De Valeva ist seit seiner Fckcht aus Dublin s P u rlos verschwunden. Wie lange noch wirten Sie? Englische Stoffe, Leib- und Bettwische, Regenmäntel, la Strickwaren etc. etc. kaufen Sie nirgends so gut und billig wie bei i II., TaborstraSe 4t toloph*» 47-1-7W Sa frei Sa dtSal mmmarnmmmmmm,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.