Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1274 (17.8.1922)
- Date
- 1922-08-17
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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‘ Nr. - Wen, Donnerstag Me«er Mov-enzettung. _17, Lttgust 1SSS Güte S Tschecho - Slowakei. Berhaftrmg zweier Orgeschbanditen. Prag» 16. August. „Slovenski Wychod" meldet: A->n 11. d. wunden von der Grenzwache ln Hidas-Nemeti zwei verdächtige. Leüte verhaftet, die die Grenze ohne Rersodokument« überschreiten Wollten. Auf der Kaschaüer PvliKeidirektion be- Läynten ÄieWevhästeten, Leo Fischer und Bankbeamter Hans SH «ist, beide' 19! Fahre alt, daß sie Mitglieder der Orgcmiifation-' E, Ortsgruppe Hamburg, seien, und daß sie von der H>ambürger Polizei verfolgt werden, weshalb sie nach Ungarn flüchten wollten/Schuft gab zu, daß er von dem Anschläge Ms/Rathenan Kenntnis gehabt habe. Die beiden wurden bis'zur Entscheidung des Ministeriums für auswärtige ÄngeKgsnhÄKn in/Hast belasset. Angar«. Die Ber«öge«sab1ösu»g. vndäpM 16/ August. (Tel.-Komp/) Der FinanMiniste« berichtete der Nativnalversammlung über das bisherige Ergebnis der Vermögensablösung. Danach wurden von dem beweglichen Vermögen.-in ' Ungarn sechseinhalb Milliarden Krönen eingenommen, wovon?3 Milliarden zur Begleichung verschiedener ReparationszahlMgeu, der Rest zur Einleitung der staatlichen Bauaktioiy' zur Deckung der Kosten der Heimbefördeimng -der Kriegsgefangenen äüs Rußland und zur Aufnahme des Ziusendienstes det Staat'ch'chulden verwendet wurde.' Pole«. Das KsrfaRty-Negime. Breslau, 11. August. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Äie Oeffentlichkeit hat nichts von den Ereignissen erfahren, dse sich vor sechs Wochen, denn Uebergang Oberschlesiens in die Hände der polnischen Verwaltung abspielten. Oberschlesifche deutsche Blätter tvagten nur von „Schlägereien" zu sprechen und auswärtige Zeitungen zeigten kmun eine schüchterne Andeutung der Vorgänge. In Wahrheit haben ernste Judenpogrome, ganz besonders in Kattow i tz, stattgefuudew Eine nach Hunderten zählende bezahlte Horde nahin auf Befehl der der K o r f a n t Y-R i ch t u n g nahestehenden Schieberclique an drei anfemanderfolgeudeu Dogen vor dem Bahnhof und auf den angrenzenden Straßen Äkufftfllung, um den Inden ausznsnuern, die von Kongreßpolen nach Kattowitz kamen. Wer von den Inden den Banditen in-die Hände kam, Ivurde mit Stöcken geschlagen, barbarisch' mißhandelt, durch die Straßen geschleppt, seines Geldes beraubt. Soweit die Polizei sich nicht beteiligte, sch sie zu.. In der polnischen Presse erschienen täglich aufntnnternde' Hetzartrkel) die „Grenzzeitung" forderte sogar auf, mm chch mit den j ü d i s ch e n F r a u e n E r n st z n m o ch e n.?lls' große Teile der christlichen Bevölkerung offen ihrer Entri'lstnng Ansdntck gaben, entschuldigte die' polnische, auch die kongreßpolnische Presse die Vorgänge nicht nur, sondern hieß sie gut mit der Begründung, die Juden hätten die vorhandenen Waren. aufgekauft. Man vergaß nur, daß die > künunerlichen Päckchen der armen Inden eine Bagatelle waren gegenüber den riesigen, ans Äa>gen und Ant.os nach Alt-Polen abtransportierten Warenmengen durch die christlich-polnischen MU MW U ' " . Prioritätsaktien . ä K 260.— StapnnältlJU. , a K 340.— Ende der Zeichnungsfrist: 9. September 1922 Zeichnüngsstellrn: Sämtliche Wiener Bänken und deren Zweigstellen Part eie n, die tatsächlich OLerschlesien aller Warenbestände entblößten und die Preise ins Riesenhaste trieben. Immerhin: das Ableitungsmanöver war gelungen, und der Jude zahlte die Zeche'. Auch sonst hat der polnische Nationalismus allen Grund, über den durchschlagende,, Erfolg zu triumphieren. Die eingesessenen oberschlesifchen Juden verlassen f l u ch t a r t i g das polnische Gebiet. Angesehene, seit Jahrhunderten hier beheimatete Familien ziehen nach Deutschland, wer noch übrig geblieben ist, wird folgen. Die Gemeinde. Rybuik mit 97 Familien zählt heute nur noch 22, ähnlich ist das Verhältnis in Dar n owitz. Ple'ß ist fast judenrein und auch in den übrigen Orten, namentlich in K a t t o w i tz und Königshütte, ist der Abzug besonders der bedeutendsten Geschäftsleute so stark, daß ein Gebiet mit ungewöhnlich großer jüdischer Bevölkerung in einigen Wochen oder Monaten keine jüdischen Einwohner mehr zählen wird. Bald wird die polnische Behörde über prachtvolle freigewovdene Mische Synagogen verfugen. Was liegt ihr an dem täglich hörbaren Verlagen der Bergarbeiter nach den verlorenen Mischen reellen Kaufhäusern, an deren Stelle Schiebergeschäste getreten sind? Der Bolksbefreier K o rfanty wich es schon verstehen, die Rebellion in. Blute zu ersticken. AntiiSdlsche Exzrffe i» Ml«w«. Warschau, 15. August. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Nach telephonischen Mitteilungen des Rabbiners aus Mlawa an den jüdischen Sejmabgeordneten Farbstein (Misrachi) weilt , in Mlawa seit längerer Zeit ein antisemitischer Rückwanderer aus Amerika, der die dortige Bevölkerung gegen die Juden aushetzt und öffentlich zu Exzessen auffordert. Diese« Sonntag fand dort ein sozialistisches Meeting statt, im Verlause dessen eine Bande von Aufwieglern eindrang, die den Redner und die Anwesenden bedrohten und schlugen. Unter Führung des erwähnten „Amerikaners" stürmten die Angreifer, sodann auf die Gasse und. griffen die Nächstliegenden. jüdischen Häuser an. Es entstand eine große Panik. Abgeordneter Farbslein interpelliert heute in dieser Angelegenheit den Jnnenminffter und fordert die sofortige Bestrafung der Schuldigen. ' > - Die Jude« t« de» politische» Grenz» gediete«. Warschau, 1.5. August. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Die Sejm-Delegation der Jüdffchen Bolkspartei enffendete die Herren P r i l ü e k i und Abgeordneten R a ß n e r zum Premierminister, die irber die Frage der Staatszugehörigkeit der Juden in den Randgebieten, über die Verfolgung des neuen jüdischen Schulwesens in Polen und über die jüdische Handwerkerorganisation in Polen referierten. Premicniümster Nowak versprach, \t diesen Fällen mit den zuständigen Ministern zu ver handeln. Et«r «ilitürische KvAfererrz der Rand, ftaare». Dünaburg, 14. August. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Mch Meldungen der lettischen Presse soll ir kurzer Zeit eine/militärische Konferenz,in. Riga oder ir Reval'stattfinden, welche von den Regierungen Lettlands, F rn.n'l «n.d.s und Polens veranstaltet wird Der Agrsrstreik beredet. Warschau, 15. August. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitnug".) Den Bemühungen des' Minister Darolvski ist es gelungen, den Streik der Agrararbeiter,-der infolge seiner langen Dauer so viel Schaden in Polen verursacht hat, zu beenden. Di.e ysLgL!rzL?che Feage. Warschau, 15. August/ (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Der Redakteur des „Journal de Pologne" erschien beinr. Premierminister Nowak, um Informationen über die ostgalizische Frage einzuholeu. Unter anderem ertlärtc Minister Nowak: Die ostgalizische Frage bedeutet für Polen eine Lebensfrage. Was jedoch die Ruthenen anlängt, so wollen wir diesen, eine liberale Autonomie in dem Maße, daß dadurch der polnische Staat-nicht geschädigt wird, einräumen. Wir wollen über die -Frage jedoch in Uebereinstmmrung mit, der Entente, hauptsächlich mit Frankreich,, entscheiden. Ich habe iit meinem Expose im Sejm erklärt, daß nach meiner Meinung die Minoritäten Polens alle ihnen von der Konstitution eingerämnten Rechte genießen sollen. Was die deutsche Minorität an-, langt, so erfordert die Regelung ihrer Frage, welche sich von anderen Minoritäten wesentlich unterscheidet,, sehr viel Ueberlegnng. RundschM. Das TsdesurteU zegen die rsMcherl Sozialrevsr«tis«are. Moskau, 15. August. (Tel. d. „Wr. AiorgLnzeitnng".') Ter kommunistische Führer 3t y t o w erhielt einen Brios von Gorki folgenden Inhalts: „Wenn.der Prozeß der Sozialrevolutiouäve mit einem Mord enden wird, so wird dies von mir als schändliches Verbrechen /bezeichnet /worden. Ich bitte Sie, Trotzky riud der; anderen n,eine Ansicht mitzuteilen. Ich hoffe, -daß Sie dies nicht zu sehr wundern wird, da ich die Sowjetregiernng während der ganzen Zeit der Revolution auf ihr unsinniges und ntörderisches Auch rotten der Intelligenz in nnseveru uukultivierien und Analphabetensande aufmerks-run gemacht lchbo. Jetzt bin ich überzeugt, daß für den Fall, .als die Sozicürevolutionären taffächlich ermordet werden, -dies die .moralische Blockade Rußlands seitens dos sozialistischen Euro- Pas hervor«,fen wird." ' Moskau, 15.'August. (Tel. d. „Wr. Morgeuzcitnilg".) Di« Sowjets haben au ch die F ra u e «'der verurteilten Dozvailrevolntiouäre verhaftet. />M!^V>>0MMr»P^aWff^>M>a«>WW>W»WWlSWWW Das Salzburger große Welttheater. Von Hugo-Hofma-nnsthal, Musik von Einar Nilson, Regie Ma^' Reinh ardt. llrauffuhrung in der Kollegien- ' - kirche zu Salzburg. Der Gedanke des Webtcheat'ers, das nunmehr in - Talz'brrrst sejne,'Wna>issLnc.e erlebt, reicht in seinen Au- . fangen weit übör'.Cä-ldevou' zurück. Menschen dieser Welt, die von einM höheren Wesen geleitet werden, gleich den Puppen des Atarivnettentheaters von, Drahtzieher, begegnen uns in anderer selischer Gestalt und in anderer Form bereits in den. Tänzen und Maskenspielen prmntiver Siäuuuc. In Än pantonnnrisch' 'dargestellte« Tierfabeln früherer .stulturschichten, wo Menschen mit Tierrnasken Tänze aufsührten, werden die Ähnelt «ub höhere. Wesen verkörpert, ..es' lvird mn ihre Gunst, geworben, ihre Mißgin,st wird'im Tanze gebannt. Allerlei Synrbole begeMen uns, so soll etwa durch Ilnrbindeu eines Phalllls Fruchtbarteit -in. der Natur gezeitigt werden, durch Nachbildung von Regenwolke« „nd anderen Wettersymbolen wird die Gottheit gezwungen, Regen oder Sonnenschein zu schicken, auch lehrhafte Gleichnisse komme,, vor. So wirken Sprache und Munk, Tanz nud Maskenspiel frühzeitig-zu einem Primitiven Gesamtkilnstiverk zusainrnren. In dem indffchen Sorygopfer,- in' dein der Priester de« Saft.einer Art Wo'lfSmilchpfläüze trinkt, und sich dadurch dell Leib der Gottheit aueignet/f begegnen wir 2000 Jahve vor der christlichen Zeitrechnung einer sakranlentalen .Handlmg und vom diesen, Meilenstein führt der Weg zu iveitereu religiösen Spielen, zmn Mrmus und Mysterimn. So gelangen die Griechen vom Thespiskarren zu den Spielen, m deren Mittelpunkt der Altar Hht. Es >ivaren Festspiel« zu Ehren der Gottheit,, sie Ivandken sich gleich der Salzburger Idee an die ganze gebildete Welt, die von fern . und nah herbeiströmte'. So hatte auch das. Mttelalter seine Spiels in denen Geistliches: und Weltliches zusanMenfloß und di« komische Figur für Heiterkeit sorgte. Da gab es neben Mumnrenscherzen und Fast-nachtsspüllen allerlei ernste , Betrachtungen, und selbst das musikalische.Ovatorrum.' verdankt ähnlichen Spielen, ivelche im Betsaale des Klosters unter' Musikbegleitung mit verteilte« Rollen aufgMhrt wurden, seinen Anfang. Wie die griechischen Spiele mittelbar. mit dem Gottesdrellst zusalmnenhingen, so gingen auch i,n allerchristlichsten Spanien Theater und Kirche Hand in Hand. Bis . ins fi'nff- Kehnw Jahrhundert wurde dort zu festlichen Anlässen in der Kirche Theater gespielt, dann erst Nmrde das Theater' aus der Kirche verdrängt und entwickelte sich ans den Marktplätzen znnr echten Bolksschauspiel: Ein pr'nnitives H)erüst wird gezimmert, von ihrem Karren aus betreten die SchauspNer die Ivrltbvdeutenden Bretter und nun beginnt die symbolisch allegorische Hcrudlnug, die stets 'z,t - emer höheren.Welt. Bezschungen unterhält, vielfach biblische Grundlage hat und in den, der „GedanEe" gleich dem 'beliebten Hofnarren die heitere Rolle spielt. Kamn ein ztveiter Künstler hat Glück und Ende, Wandlmrg und Vergänglichkeit alles Irdischen gründlicher kenlden gelernt als der. größte spanische Dichter Calde-. r o n, der alle Höhen und Tiefen des Menschenlebens durchnmß, als Schauspieler ivi-e als Geistlicher wirkte und bei seinem Tode on 300 Theaterstücke zurücktieß. Davnnier bestnden sich neben tragischen, hiostrische«, romantischen. Konversations- und mythologischeu Stücken auch gegen 100 Wvihessstspie'le („Anio saeranrental"). So fnßden ivir etiva im „Gasttnahl des Belsazar" auf biblischer GrnMage moralisierende Betrachtungen der „Eitelkeit",, der „Abgötterei" und des „Todes", «Ud der „Gedanke" schreitet in bunter d!arre,rtvacht einher. Mit Calderons Welttheater" hängt unser Salzburger WMHeater nur Ätherlich zusammen. H o f m a n n sthal selbst hat in wenigen Jahren fast die gleiche Entwicklung wie das Welttheater bnxchgemacht: Ueber die Bearbeitung der griechischen Dvanren fiir die moderne Arena gelangte er zum mittelalterlichen „Iederrnann", in den: stärker als in Ealderons „Auto" die'Keime des „Welt- ' theoters" erkennbar sind. Auch dort scheint ein höherer Meister -bei der Regie am Werke zu sein, wir fühlen die der feudalen Welt Ealderons. durchaus freindcn, sozialen Ge^ Ansätze, von reich und ann, wir selten nebenden, '„Tod" de« „Glauben", die „Liebe", die „guten Werke" und e,nps'inden das GMiMnsein an Gott durch das Band der Frönnnigkeit. — Dies alles schien uns im „Jeder,naun" nen, die Tafelrunde des' „reichen Mannes" sorgte für kontrastierende Festesfreude und in der geheimnisvollelr Nachbarschaft des weißschlMlnerriden Don,Platzes und des dnsteren Kirche,mmevn spürte, man magische Beziehungen zwischen Welt und Gott.'. Im WeltWter ist die Handiung straffer und strenger gesMn-nt, der weltliche Frohsinn ist völlig zurückgedänunt, der Schöpfer selbst baut seine Theater und Frau „Welt" führt die Regie: Engel und nuverkörpette Seelen wanhei-n nnt faustischer' Feierlichkeit über die We'ltbühm. König und. Bauer, Reicher, und Bettler, Weisheit und Schönheit ergehen sich in. tiefsinnigen Betrachtungen voll. Weisluit und Schönheit, die in dem hohen, hallenden Raume der -barocken Kollegienkir.che nicht immer verständlich find und den Zuhörer mfolgie.ihrer Länge erschöpfen.- Wohl ist die Anklage des Bettlers (M o.i-.s's i) gegen die Welt, von er schlitternder Wirkilng, die dekorativen Einzel Herten sind von -wundervoller Abtöittncg/ wie ntan dies ja bdt'R e i u« Hardt geivöhnt ist, und der Toteirtanz hinterläßt in seiner schouerlicheu > Dämonie einen unvergeßLichen - Eindruck. Anderevsests empfindet n,an gnälerifch die feierliche Starrheit der Masken und ihr geinessenes Pathos., der große prachtvolle Raum.der KollLgienkirche. die es Herrn Rein- Hardt angetan und wohl den ersten Anlaß zum „Welttheater" gegeben hat, war von der Regie nicht-entsprechend ausgenützt,mvd so.Hot das Spiel lauge nicht solch eine darnwnische Gesamtwirkllng wie ans dem-Domplatz, bei „Jedermann". — Die Schalffpieler kämpften init wechselnden! Geschick gegen die Akustik des.Ranures: „Ätzo i ssis melodisches. Organ deklarnierte. mitunter allzu ekstatisch, voll' Dis Banken gehen 6 Prozent Zinsen. Viel bessere Käpitfclsantftge ist der Ankauf ron »ngHschen Stoffen, Herren* und . t pamenyr&aclte ehe.» billigst bei / . ■IM II., Taborstrafte 48 Telephon 47-1-79 Jtn Sffos in dnfail