Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1273 (16.8.1922)
- Date
- 1922-08-16
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Jtr. 1173 Wien, Mittwoch . /-——:---;—"—~—~ :-- Kwer finden würden, Geld f3t; Oesterreich aufzubringen. ' §8 sei vhne Nutzen, Pläne, zu.schmieden, wo keine weiteren Kredite zu erlangen feien. Der Völkerbund müsse die bestmöglichen Empfehlungen machen. Alle Delegierten stimmten dem zu. London, 14. Arbgust. (Rentier.) Die verbündeten Minister haben die Lage Oesterreichs erörtert und die Frage in den B o l k e r b u n d zur Prüfung verwiesen, der den Alliierten ein Programm unterbreiten wird. Der internationale Landarbeiter« Kongreß. Gestern nachmittags wurde im niederösterreichischen Landtagssitzungssaal der zweite Kongreß der International en Landarbesterf.o.der ation, welche sor zwei Jahren in Amsterdam gegründet wurd^ eröffnet. Aus fast allen der Föderation angeschlossenen vierzehn Ländern hatten sich zahlreiche Delegierte eingefunden. §8 waren vertreten: Holland, Deutschland, Polen, Tschecho- Nswaker, Dänemark, England, Schweiz, Ungarn, Italien^ Frankreich, Schweden und Oesterreich. Der Vorsitzende der Föderation R. W. Smith 'England) eröffnete den Kongreß, worauf der. Führer der österreichischen Landarbeiter, der burgenländische Narionalrat Morawih, an den Kongreß eine Begrüßungsrede richtete, in der er sagte, der Landarbciterkongreß werde wesentlich dazu beitragen, daß die Verbbindungen der Nationen, hie der Krieg zerrissen, wieder, zusammengeschlossen werden. . Abg. Fritz. A d l e r begrüßte den Kongreß namens des .sozialdemokratischen Parteivorstandes und des Klubs der sozialdemokratischen Abgeordneten. Er erinnerte,. daß von vem Saale, in dem der Kongreß tage, dre Revolution 1848 ihren Ausgang genommen habe. Bon hier ging ihr Sieg aus, -er die Bauern befreite. < Hieraus wurden die Berichte des Vorstandes mW des Sekretariats erstattet und sodann nach einer kurzen Debatte der Kongreß zur Erledigung des sachlichen Teiles auf heute vertagt.'Die Verhandlungen sind auf drei Tage klnberrmmt. Einen der wichtigsten Punkte der Tagesordnung bildet die Frage -er Gleichstellung der Landarbeiter, mit den Industriearbeitern in bezug ans die soziale Schutzgesetzgebung. Der Kongreß wird sich ferner mit der Gildenbewegung beschäftigen. In einem Anträge des österreichischen Verbandes wird der Zusammenschluß der Kleinbauern, Häusler und Kleinpächter angeregt. Die A«szahlLUg der BeamterrgehLlter. Anläßlich der Erörterung über die durch die letzte Indexziffer'besonders deutlich gewordene ungeheure Teuerung und ihre Rückwirkung auf. die Gehälter der Bundesangestellten taucht verschiedentlich eine Darstellung auf, als ob die in mehreren Raten erfolgende Auszahlung der Gehälter in den finanziellen Schwierigkeiten des Staates begründet wäre. Gelegentlich wirdsogar vom Standpunkte 8er Beamten aus über die ratenweise Auszahlung Klage geführt. Demgegenüber -wird amtlich festgestellt, daß die Verteilung der Monatsbezüge auf mehrere Auszahlungstermine durchaus auf das Begehren der Angestelltenorganisationen zurückzufnhven ist. Der Oberste Rechnungshof und die Erspar ungs komm iss io n machten von: Standpunkte her Oekönomie der Staatsverwaltung wiederholt gegen das System der ratenweisen Auszahlung Vorstellungen,' weil es naturgemäß eine sehr große Mehrarbeit für die Rechunngsbehörden bedeutet. Bei der Beratung des Besoldungsnachtragsgesetzes (Jrrdexgesetz) vertrat auch die Regierung .diesen Standpunkt, den sie aber gegenüber den Wünschen der Angestellten nicht durchsetzen konnte. Im Gegenteil fügte der National rat den int Reg ierungsentwurfe enthaltenen, zwei Auszahlungsternnnen für die Zeit des steifenden Index noch einen dritten Termin hinzu. Ungar«. Horthy regrett. Budapest, 15. August. (U. T., K. B.) Heute vormittags Kühn: auf der Margartemnsel Reichsverweser Horthy im Beisein des Erzherzogs Josef sowie mehrerer Mitglieder der Regierung den feierlichen Ritterschlag von 329 Offizieren und 360 Angehöriger: des Mannschgstsstcmdes vor, die sich während des Weltkrieges durch Heldentaten ausgezeichnet haberr. Der Reichsverweser hielt bei der Feierlichkeit eine Ansprache, worin er den neuen Mitgliedern des Ordeirskäpitel für die sem Vaterland geleisteten Dienste drnkte und sie aufsorderte. auch in Zukunst irr patriotischer Tugend 'zu leben und nach , chr zu wirken. Pole«. T)ölüerb«nd und Hstqalizie«. Warschaü, 13. August. (Tel. d. „Wr. Movgenzerüwg".) -ölach hier eingelangtcn Nachrichten soll auf der bevorstehenden Tagung des Bölkerbnndrates am 30. -. das Memo-' '.audum der Ukrainer bezüglich Ostgaliziens in Beratung gezogen werden. ' Wiener Morgenzeitung, Die SowjetalL Beschützer der Rechtgläubigen. Warschau, 13. August. („Tel. d. Wr. Morgenzeitung".) Die Sowjetregierun-g hat an die polnische Regierung eine Note gerichtete, in welcher gegen die Verfolgltng der orthodoxen Kirche in Polen Vorstellungen erhoben lverden. . Minsk von AnfftLndischen erobert? Lemberg, 13. August.' (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Wie gemeldet wird, soll Minsk nach harten: Kampf zwischen Anfständischrn. und So-wjettruppen, der sich aus der Linie Minsk—Polozk abspielte, in die Hände der Ausständrschcu gefallen sein. - . Laut hier eingelangten Nachrichten ans Woloczysk haben ukrainische aufständische Banden einen sowjetrussischen Eisenbahnzug bei S z-e p e t.o w k a durch Anfreißen der Schienen zum Entgleisen gebrav)i. T-sabi der Opfer übersteige 300 Personen. Die neutrale Zone »wischen Polen und Litauen. Warschau, 13. August. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitnug".) Gegen Ende August wird hier eine Kommission des Völkerbundes eintreffen, welche die Abgrenzung der neutralen Zone zwischen Polen und Litauen durchführen soll. Palästina. Sir Herbert Sawnel in Tel-Äwiw. Jerusalem, 13. August. (I. C. B.) Am Dienstag den 8. d. besuchte Sir Herbert Samuel das neue jüdische Gemeindehaus in Tel-Awiw und besichtigte auch die -Viertel mit den neu errichteten Wohngebäuden und Geschäftshäusern. Der Oberkommissär drückte seine Zufriedenheit und Bewunderung über die Fortschritte aris, die seit der Zeit seines letzten Besuches gemacht worden seien. . De» tschrcho-slowakische Jtonfnl in Palästina. Jerusalem, 13. August. (I. C. B.) Der erste tschecho-slowakische Konsul in Palästina, Herr WWam Donat, ist vor.kurzem in Jerusalem eingetroffen und hat seine, konsularische Tätigkeit begonnen. Herr Donat, der Jude ist, erzählte dem Vertreter des I. C. B., daß er vor seiner. Abreise aus Prag vom Präsidenten Mas a r yk in Audienz empfangen, wurde, der ihm gegenüber. seine Sympathie mit der Idee der jüdischnationalen Heimstätte in Palästina ansdrückte. Rmrdscha«. Bayern »rr's die -errtsche Republik. Die Völkischen drohen. Berlin, 15. August. Die Blätter melden: In der Besprechung des bahr i s ch e n M i n i sterrates, die am Samstag mit-den Führern der Koalitiousparteien.stattgefuuden hat, ist festgestellt worden, daß diq Fraktionsführer nicht für sich allein ihre Zustimmung zu dem geben kömren, ivas m Berlin abgemacht worden sei. Ta der Landtag zurzeit nicht beisammen sei, wevden die Fraktionen der K§alitionsparteie.it am Mittwoch mvd die Landesausschüsse der Parteien am Donnerstag ihre Entschließungen fassen. Soweit sich bisher zeigt, herrscht keine große Zufrieden- ' heit mit den Abmachungen. Der „Völkische Beobachter", das Organ der national-sozialistischen Arbeiterpartei in München, schreibt, daß es mm im Kampfe gegen die bayrische 'Regierung a t l t persö n I i ch e n un d f a in i l i ä x c n R ü ck s i ch t e n fallen lassen werde. Deutlicher wird der „Miesbacher Anzeiger", der von Enthüllungen über Vorgänge im Hause des Mi ni st er P rä siden te n spricht, die den Grafen Le rche n f e 1 d schließlich zmn Rücktritt zwingen würden. Nach einer Münchner Meldung des „Lokalanzeiger" soll' der bayrische Kultusminister die Richtlinien des - Reichs:::misters des Innern für den republikanischen Schutz in den bayrischen Schulen nur mit Bor b e b a l t i und E i n s ch r ö n k n n g e n a« nehmen. j - - - i Eine OrientkorrfereLz. ' Konstantinopel, 16. August. (Havas.) Die alliierten Oberkommissäre erörterten in einer gemeinsmucu Sitzung die baldige Einberufung einer Vorkonferenz über! die Frage des Nahen Ostens.'Als-Sitz der Konferenz [ wurde Venedig in Vorschlag gebracht. Die BeriinrrTagnng der„Hitai! - -r'lj". ««N«, 14. August. (I. C. B.) Am 10. d. wurde unter dem Borsitz' des Herrn A. Lebe n s ohn (Lodz) die Konferenz der Hitachduth (Bereinigung der Organisationen tzäpoel Hazair und Zeire Zion) eröffnet.' Anwesend waren 36 Delegierte aus fünszchn Ländern, darunter aus Amerika, Polen, Lettland, Rumänien und Palästina. Die pälostmensische Abordnung besteht aus fünf Personen und wird von dem Mitglied der Zionistischen Exekutive, Herrn «» lautetr Kerenreieder 8omm-nr Ia Refeomlntel in grpssei' Auswahl ' Lj»' rtkMvnä billigen Preisen nur L ei ___ 16. August 1922 Seite 3 S p r i u z a k,' geführt. Der lettische:: Abordnung gehört unter anderen das jüdische Mitglied des lettischen Sejm Dr. H e l l m a n u au./Der erste -Tag der Konferenz würde hauptsächlich mit den Berichten des Zentralbureaus der Hitachduth ausgefüllt. Die Konferenz dauerte bis Sonntag den 18. d., worauf sie von der Kulturkonfcreuz der Hilachduth abgelöst wurde. Die Derfolgrmg der jüdischen Religio» in Rußland. Warschau, 14. Augustl (I. C. B.) Auf Grund des seinerzeitigen telegraphischen Protestes der „Agndah" an die Genua-Konferenz betreffend die Verfolgungen der jüdischen Religio>: in Rußland erhielt die Leitung der „Agndah"' seitens des Völkerbundes die Aufforderung, das betreffende Material dem Völkerbund zur Verfi'lgüng zu stellen. Tagesbericht. „Erez IifroelfSr Urael. (Wie ein englischer Vizekonsul von Kais« vor siebzig Jahren über diese Frage dachte.) Vor nahez.- sieben Icchrzehuieu . trat. Dr..L. A. .Frankl im Aufträge der Frau Elise Her; geb. Edle'von Läme-l eme Reise noch Palästina an, um den pietätvollen. Wunsch der edlen Fpan. zur Erinnerilng an ihren Vater .in J-erusasem eine jüdische KinderbeivahranstaÜ ins Leben zu rufen, zur Verwirklichung $u bringen. Frankl war ausgerüstet mit Empsehlungsschveiben des kaiserlichen Mini-steriums '.des Amßern, vom Fi,ncmzmmister Bruck, dem Präsidenten der obersten Justiz Anton R. v. Schmerling und noch 170 anderen bedeutenden Persöu-lichkeiten, 'abgereist und. löste die ihm gestellte Aufgabe m der befriedigendsten Weise. Der. Schriftsteller Frankl, dessen Ruf als Dichter ihm vorau.gegaugen war, betttttzte seinen längeren Aufenthalt in Palästina auch dazu, ein reiches Material über Land und Leute,.über Geschichte und Sage, die sich an das Land der Väter knüpfen, zu sammeln .und in einem zweibändigen, sehr interessanten Werke, das jetzt im Buchhandel kcntm nrehr zu finden ist,.zu verarbeiten. Frankl berichtet in sehr fesselnder, anschaulicher'Weise auch über die Hervorragenden Persönlichkeiten, die er kennen zu lernen GelegenlMt hatte. Zn diesen gehörte auch der englische Vizekonsnl vor: Karfa, R.oggers, dessen Ansichten -über die Znkunft Palästinas wohl auch heute um so bemerkenswerter sind, als sie "von einem Engländer herrühreu, der-die Psyche seiner Landsleute wohl kannte -und der den: skeptischen.Juden gegenüber mit Geist und Mut den Standpunkt des. gläubigen, christlichen — „Zionisten" vertrat. L. A. Frankl hatte , in Gesellschaft des englischen Bizekon-jnls Roggers,. dem er empfohlen war, einen Ausflug nach den Grabhöhlen in Hakeldarna gemacht. Auf dem Rückwege unterhielt sich Dr. Frankl — wie er in seinem Rsisewerke nach Schilderung der Eindrücke, die er -gswonnen, berichtet —- mit den: Vizekonsul über allgemeine politische Verhältnisse,' die sich zunächst auf die durch den -letzten Frisdensverirag geschaffene Lage im Orient bezogen und die Möglichkeit , großer Umwälzungen und Neugesta'.tungeu erösfneten. Ali-t einer plötzlichen Wendung k-a:n Herr Roggers ans die Lage der Inden in Palästina zu sprechen und richtne schließlich an Dr. -Frankl die Frage, ob er glaube, daß die Juden wieder in das gelvbie Land zu-rückkchren und hier herrschen wevdchr? Dr. Frankl. — mau vergesse nicht, daß dieses Gespräch vor nahezu 70 Jahren gepflogen wurde — verneinte diese Frage mit aller Entschiesbenheit. Der bibelfeste Vtzekonsul entgegnen' dem jüdischen Schriftsteller mit >dem Hinweis auf die Prophezeiungen der Propheten, die >dieses Ereignis cmküudigen. -Das konnte Frankl allerdings nicht bestreiten. Er meinte nur, daß der patviotische Feldherr auch den Besitz J-sraiels größer verkündet hübe, als er dann geworden. Darauf antwortete der englische Bizekonsul: Das sm ein Grund mehr, daß die Juden wwder in das Land ihrer Väter zurnckkehren, um das Wort der heiligen Schrift zu erfüllen. L. A. Frankl glaubte >den christlichen Zionisten mit den: Hintvois auf das'Wort eines Propheten widerlegen zu können, der in der Zerstrermng der J::den über die ganze Welt ihre eigentliche. wahne Mission: die Verbreitung der reinen Gottesidee, erkannte. Die morgeuländische Phantasie sei eine glühende und es besinträchtrge nicht die Ehrwürdigkeit und den hohen Wert ihver Verkündigungen, wenn die Propheten unter den: Einfluß momentaner Stim'nmngen auch erugegengestzten von'den Bevhästnisscn bedingten Anschanimgen Ausdruck verliehen. Man könne von dem Propheten, die in glühender Begeisterung, in Bildern und Gleichnissen sprachen, - nicht die kalte Konsequenz verlangen, die man von einem englischen Parlmnentsredner erwartet, der. sich in seinen politischen .Nus-einan'dersetznngen von den realen Tatsachen und nicht-von mystischen Vorstellungen leiten läßt. -. Herr Roggers ließ sich von dein Vergleich der. Propheten mit Realpolitikern und englischen Parlainentsredncvn nicht erschüttern und er trat seinem jüdischen Gegner^ mit einem .klsinett historischen Exkurs entgegen, der wohl dafiir zeugt, das» die kühnste Phantasie nicht Ncngestaltnngei: ün politischer Leben a::s;tMü-len vermag, die nicht von der historischen Wicllichkeü erreicht wenden könnten. Der englische Vizekonsnk -sägte.es Dr. Frankl ans dem Kopf zu, daß die Möglichkeit .Palästina wieder dem Volke Israels zurück zugeben, nicht nm II., Taborstraße 48 Telephon 47-1-7« Engros Kn dolaü