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Wiener Morgenzeitung · 1922-08-09 · Heft 1266 (9.8.1922) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1266 (9.8.1922)
Date
1922-08-09
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Wie verlautet, ist gestern aus Rom die Nachricht eingetroffen, daß die Regierung de Facta den jugoslawischen Gesandten Antonievic aufgefordert habe, mit dem italienischen Delegierten O st i noch einmal den Text des adriatischen Abkommens zu revidieren. Die Meldung habe in politffchen Kreisen große Erreg u n g ^.rvorgevufen. » Der Kommandant der Pocchs di Cattaro. - Belgrad, 8. August. Das Kriegsministerimn hat dem König euren Ukas zur Unterschrift vorge-lcgt, wonach Admiral Brica zum Kommandanten ^der Bocche di Cattaro ernannt wird. ■p rk p-vA^Z Angar». Präsident Gal ans der ALglernnZS- Partei aüsZeLeetettft Budapest, 8. Augivst. (Ung. Tel.-K.-B.)'Der Präsident her Nationalversammlung Gaston. G, a l. richtete an den -Präsidenten der Reglerun-gsparftei JtHann Maher einen Brief, worin er seinen Au.stxi 11 aus be t Pa tie r anmeldet, den er miftMeinungsverschiede-nhsiten hinsichtlich/ der , Von der Partei .arrgenommenell Steuergefetzenttvürfe begründet. .. .. TagesbeAcht. , An die Inden Oesterreichs. >r Palästina-Mandat ist Losiätrgt. Der große .po litisch« Traum Herzls ist Wirklichkeit,unser Re cht auf Erez Israel anerkannt worden. . -; , Es ist nun endlich an der Zeit^ unsere Pflichten gegenüber dem Lande zu betachig-en.'" . Der Keren Kaiemeth L'Jsrael, die S deWWrWWMEMMM^^ inWn MüdMider rüdMeL.MaillMü als ( sonst Mage tritt, ha \ - MMEM^KLKML» dein IahreMs> zWWrgjührtgew. die K o m p l e.t t i e r u n g jüdischen Nationalsonds, Iaar Austria. . , h; Der Iaar Austria ist boi.Kineveth angelegt und mutz. 100.000 Bäume umfassen, Von denen bereits 37.000 gestiftet und gepflanzt sind. ■ In diesem Jahre soll j-e'd e r I u d e f ü r sich und jedes Familienmitglied ein Vielfaches von Bäumen im Iaar Anstria stiften. Dann wird sich am wundervollen Krnerethsee als ein Wahrzeichen jüdischer Treue und Zionsliebe E der Wald der österreichischen Jude« ^erheben. ' . . ' Und wenn-ihr wollt, wird auch die Moschaiba Austria kein Traum sein, sondern der Iaar Austria der erste Schritt hierzu. : , Für den Keren KajemeH L'Jsrael in Oesterreich: Dr. Chaim Tartakower. Adolf Bochm. Bedient euch der dieser Auflage beiliegenden Erlagscheine. 'Wer nicht im Besitze solcher ist, verlange sie mittels Postkarte von U-nsereisiBureau 2. Bez., Ta-borstraße 59. -.Der Preis eines Baumes beträgt 1000 Kronen. t Die Rot jüdischer Studente«. - Aus Prag -berichtet das I. C. B.: Im 'verflossenen Schul« /chre haben an den Prager Hochschuleu 40 russische, 160 > oWdisch«, 180 magyarische, 40 rumänische und 2d ällgärische Mische,Studenten in höchster Not studiert. Sie äste waren von ihren Eltern abgeschnitten, Russen und Ukrainer wegen der Sowjetherrschaft, Ungarn M Emigranten und Polen, die. als Deserteure betrachtet wurden. Auch diejenigen, denen es möglich gewesen wäre, in Betbindung mit ihren Mtenr zu kommen, wären nicht besser daran gewesen', da 10.060 polnische Mark bloß 70 tschechische Kronen und 58.500 Rubel bloß ein« tschechische Krone repräsentierten. Bei bescheidener Lebensführung braucht aber ein Student mindestens 600 tschechische Kronen monatlich. De« 'Meisten war eS nicht.Möstbich, an eine andere Un-ivevsitat zu.gcheu, da sie, größtenieilsaus flawjschenLän« dem kommend, in Prag loyal aufgonoimmn wurden, und die Sprache eher verstehen, wogegen tynm in den ändetdn Ländern große Schwierigkeiten bereitet werden. Für die verflossenen zwei Semester, vom 1.. Sephynber 1921 bis 15. Juli 1922 wurde daher durch Jüdische FürsorgeMtraie in Prag an diese notleidendm Studenten 347.000 tichechiiche Krorren. die von den llchecho-LloMkischeu, Luden zur Vatikan sich befand, weil er >^n mN hWssisEKeD ^s^KWscheN Volkes den Kampf aufnahm. Sie suchen für ,den AuWng dieses Kampfes >■; . - eilten getansten Judender angeblich der' diplomatische'Unterhändler dos Vätikaus in' der Mandatsfrektze gewesen sei, verantwortlich zu machen. „L.'J ta li t", 4>ö| Hn Rom erscheinende Blatt der katholischen Aristokratie aller Muper, daß di^sihrung in der a nti-: zionist.ick)en Hetzern sich Wissen Haft macht jetzt dem Vatikan in scharfen Worten die bittersten Vorwürfe darüber,- daß der Papst -bisse wichtige - katholisch«AngelegeÜhe-it einem juntzeü' jüdischen Täufling anvertraüt habe. Den ^EntlMuugru? der „V'Jttzliie" entnehmen wir: - „Ery MMr Jude, namens Kovolnj'ck-Y, ^goborerr in B obr n.i sk iw Weißrußland, - ist vor nicht? langet- Zeit in W,a rs ch a u zum katholischeil Glauben? übergetreten. Mt. Unterstützung des polnischen Klerus/ begabsichi der Prosolgt.. gleichi nach.ftiner T-aufe nach Rom, wo er Mit.Mchreren Prä-> latM,.bekannt w«rde. Dieser Kovolnickv ist ohne- Zweifel-'ein: sehr, begab ich: Mensch und tve iß schr ,pivl, wodurch > er - die Sympathien der Kirchenfürsten für-sich »gcwannft Dhe:-Mtft stliedsr, -des.höheren Kl-erns in Rom, führten ihn dqnn auch schon,nach kurzen^ Auseitlhalt in; Rom in drin Vatikan vini! v - ' Der PSpst ernannt.-:-ihn-zü; seinem B kb l i o th i!Wr; Bost dieftr Stünde' an gchörte Kovoluicky zum intimsten KEl's'des^ Pbpste^r-Der- Papst liest sehr viel nird in -der letzten Zeit liest er gewissermaßen MWE jSHMei^KK MG sEl'E -pude zur Lektüv: vorlcgt.'- MMzM- Der Dienst als^Bibliotheka/örachta ihn mit dem heiligen V^ter in hKufiHe Berührmrg, wodurch dieser in die Sage kam, das grbße Gisien KovolNi^S -zu Äwnndsrri.' Der Pacht hat NlrNmöhr ’W, ihn nrteresiierendeN ' Wissenschaftlichen Probleme nur mit Hovotntejh diskuti-erft ü;w da er dabei auch dessey 'Ähar.fsjn^Hpye^.)«»ie,.--. <fuch , seine si'o l i t i s che n AusLinanhersestzungen./^ gerne - an- ' ©itr getaufter Jude äls UnterhLnVler des VaLikavs. . Die, gesanche kaIholische Presse gibt Hren Unmut über die Natifizherüng des Pälästina-MandatL durch, den VölLerbundvat AuSdnrch Sie bringt jedoch nicht die Objekt-ivi« tat auf, festzilstellen,' daß der in einem Kamps Hineingesehte von vorneherchn in einer schwachen Position A-usM^i'ngen fort ^-7war. der erste, Heft, unter..den >e w ist i's $’z n Agitatoren ÄttWrÄjeitS^ Irtt ' Jdoe 'der -- -■ '/ - Vereinigung der katholischen und her orthodoxen Kirche« propagierte.-Die Bolschewiken dachten natürlich auch an die Interessen-der Religion, - sie gingen in die' Verhandlungen nur deshalb «in, weil sie sich aus einer gemeinsamen K a.yr p s« front mit dem Papst großen Nutze« für ihre eigene' Politik ^^o^^ftWü^chi^M^WÄrisii^raWdMest £$& -Mhl nicht gerne, daß in dieser diekganz^ÄLLlWetv-e.gende Aktion des , Christentums der Llatikan durch ainen . .J ud eft vertreten wurde/ wagten es jedoch nicht, sich dein Willen -des PäpstoS. - zu widersetzen.; Die/- orthodoxe Akt-ioü ist an b-ym Ernst der Bolschewiken gescheitert. Und nun kommt der letzte.Hieb des kathy-lischlen AristokvatLnblattes gegenden Vatikan?^ . . - >,Dftses beschämende-Fiasko, hatte.den.,Patifan.ernüchtern sollen. Der,-PUvürdM Einfluß, Lhgvolnlckys..--wnche^ .usicht. nur nicht gebrochen, es gvschah vielmehr' das Ung-ehellerliche, haß . Kvvolnicky -Zri noch höheren Ehren gelangte: Man vcrtra'.ue ihm die heikelste Augelenh-ei^.ddch^Mentun:^. Dqs VoLsie^en; an. .Un^.cß'^oM , . ..; nur mit Hcübert 'S a in u e l und W e i z m a n n, sonderik' H.ch ' mit. B also uv und Churchill namens des' Bat-ika ns .die , BeWn-dftm-gen führt«. Ist e s d a e i n, W n nd'. rs da ß Palsistina den' J uden zü.g'efallen ist?"' ' - Sb - die.. Eü'thülllmgen des' klerikalen BlaE ' aus ^ar« fachen beruhen,' bezweifeln wir üüs guiPt GriMeni Die-Ab« ' sicht/ die.'mit Mser Erzählung'verfolgt wi-rbft den Haß gegen die Jüdeft zu schnreü/VlL Araber noch mehr gegendie-JEn ' qufzuhetzen, als dies schon bisher geschehen ist — diese Absicht verrät der Schlußpass^s, her.HntWuyGn. . Das Blatt besiagt "es,' Wftgetaust-e Huden so rasch srarrierr'.,machen und daß 'jetzt sogar'elwgetaufter'JE'der G-esan-dle - des Heiligen Vaters -werden -konnte, imdschlwO: ' „Äen-n ^' ' v die heWrn TEten in PaRstina in Gefahr kommen worden, so wisset, dgß -Prr^''Aude^,K ü v:. ß i c k y sie d e n Juden a l s B c u t e h i n w är f, und wenn heute das Mo ha MW ftUH verblüfft vor den Puinen des päpstlichen. wir dies gleich« .ihm zift'perdanken. ' Schon verkünden dt-e valä^tiVensWen raber: Wr sollen Palästina.verlieren, wK wir .Uns nfit. pew atisän. Verbündeten und dieser hat uns schnöbe Veftr-a-ten; . Wie abgr-üMich Ät doch antisemitische GemebnhÄ, wr« Vatikan einerseits urtS uftiet deir in Ronft besing-, s^häri-t mit aristokraflschesi Jesuitismüs KlL wupdep,MKbezgW WMeGMWß; MG. ZweU. auihMit 4Ö0d D-llM<SW.W»ffOyv W WigestErt.-Wör: allem wurve^ jedoch ^davonifri größtenteils' mit manuelkd Arbe^^n'Mwachit, ^Mchv'jchöch zuftol^e der herrsche'u-den Krise schwor zu -beschaffen war. Fünfzehn Studenten waren als Kellner in -der Mens-a sprelin der jn-d:- fchen,' 12'in der'M M. C. O.), Ms Schuster in 6er Y. M. C. A./ 6 als'Schneöder, 20 in Fabriken, 4-als E7ektrotcchni'kerft4 in der Lasidwirtshifft' 5 als Kmomüfik'^^n, 10 'als.'Geschäftsdiener angestellt. Im erste« Jahrgang wurde niemand üMrstützt, bloß Hörer der höheveir Jtchrgärge. Die R'ftstu, Ukrainer und alle, die ^rn ihren Eltern a''--'sh'uitten sind, Erhielten Wohnung, Mttagessen und Abenbmahlz'eift diejenigen, die von jit-r-v-*' *•"1x9 tschechische —m bekommen, Mitt-'Ii?- un-d Mandessen. ^s ist " .haß in dc n nächsten Schuljahr chu-: ausländische Hiffe die' aus'.än-di'jchrn Mischen SAldepten P^'g nicht mehr studicrc« können. Z-u erwähnen wäre noch, daß icenfa j-uda-ica irrt verflossenen Schuljal - zirka 150.000. ANtta-gessen und 50-000 Nachtmahle au die j". isch n Stühtznten derab'veicht hat. Eine, ziemlich große Hilfe wurde Studentenheim chi der P. M. C. L>. «n-d. der Europäischer^ Stn« deftten-HilfsaEtiön geleistet. Die nationaljü-drsche Gruppe sin StüdLntenheim^hlt übep 4g0 Mitglieder, hat zwei Vertreter, fit ,v der. Vevwä'ltüng des Stphenbenheims und einen Pertr-eteft-ht dem europäischen Hilfswmitee, In Brünü haben 200 aus-, käwbische notleidende jüdische ^Studenten ftudieht,^^ von demy 48 Kost und Logis in.dem dortigen jüdischen Studentmheim erhielten.'Ist Preßbu^'g ha-bert ^0 notleidende jüdische äaS«. tj8Mschd,'"StudeEn die'HochslhÄe.besuchft er eine vesorroere Mst^ )lgi David FrtschEM geftür?hen, * ■; Me bereits gestern AriHtt/ ist in Berlin äm ^eittzst der bedeutende hebräische Und. DdisHe Dichtet und Vnft blW David FvischtttanirWorben. ,, David Frischmann wurde im Jahr« 1864 in Zgierz bei'Lodz.,geboren.. Den. Grund zu seiner umsaffenden europäischen Bildung legte >Frrschnmnn an der Universität BveSla-ncho er Pilpsophie, Geschichte und Kunstgeschichte studierte.,'Schon yn Alter von hrpizch^IsghM-.tzeMmt-, Achte per., frühreife Knabe seine ersten Gedichte in den. hehMschen. Journalen. ,^aboker"z >Haor" und iur ^Haschuche^ft In jungen Jahren noch übersetzte er auf Anforderung Won B e r ri st e i n s dessen naturwissenschaftliche Volksbücher ins Hebräische. .Besonderes Auffehen in . , der. literarischen Welt - rief-sein im Jahre 1883erschienenes Schrrftchen „Tohuwabohu" hervor. Frischmann Mrch.te. sich bM. der Ueberlevertätiakeit m. auf welchem tarntet MMHWßSund« DSWEWilW^ DgUbetzWO Frffchmämr mlv einer Rerye eigener Atvemn Merärifchör und publizistischer Art^Äk^^bWisM^und^jüdischer Sprache hervor. Er war einev' dev'vesten jüdischerk Feuittetonisten und ein seiner Aesthet!und. Literaturkenner. Seine hervorragende formale und stilistische Begabung sowie sein feiner Sarkasmus machten die Lektüre seiner Feuilletons zu einem wirklichem Genuß. Auch in det gebundenen Rede hat sich Frischmann erfolgreich versucht.. Der Ausbruch des Krieges überraschte Frischmann in Rußland, wo er alle Schrecknisse und Pogrome der Kriegswirren miterebte. Besonders hatte Frischmann / unter der bolschewikischen ' Ordnung zu leiden. Im.Jahre 1918 verließ er Rußland und kam. physisch und seelisch medergebeugt, nach Polen. Seine damaligen publizistischem Arbeiten über die Ver-. hältniffe in Rußland spiegelten Frischmanns Erlebniffe mit besonderer Deutlichkeit wieder, sie Wurden ins Polnische übersetzt, und erregten' das größte Interesse auch in nichtjüdischen Kreisen^ Seine letzten Lebensjahre verbrachte Frffchmgnn in Berlin. . Zu ^avÄ Frft.schmanns Weben wird dem Jft<§. B..püs Berlin geschrieben, daß sich Frischmainn in den hetzten zwei Jahren seines. Gehens, , Vre er. in Berlin verbracht hat, , hauptsächlich.' der weiteten UebertraMg h ak e.s.p'e ä,J is ch e r/We r,k§ . gewidmet hat. Unter anderein hat er in dev letzten Zeit die Üebersetzrmgves „Co- ^iolan" vollendet. Eine Aebersetzung von Goethes,,Mntst" fft Fragment geblieben. Erst in 'den letzten vier Monatrn hat seine Schaffenskraft infolge^ eines sich, komplizierenden Leibensftwelches W Aerzte als ein.Gallenstoinleiden. be- 'handelwn^ nachgelaffen. Dennoch. aber hat er trotz der schmerzhaften Krankheit bis m hie' letzteN Tage seine, Arbeit nicht ruhen lassen, und erst der Tod hat ihm die Feder aus her Hand genommen Am^Dvnnerstag den Z. di-entschlossen sich die Mrzte, die Profefforen Rosenheim und G o.lds ch e i d e r, zu einer Operation! Es stellte sich heraus/-daß der-Kranke an einem schweren Krebsleiden lichorierw. Gleich Nach der Operation^ verschlimmerte-, sich sein-Zustand dermaMj daß die Aerzte die Angchövigen.Frischrnamls auf, das Schlimmste vorbereiten mußten. Am Freitag vormittags trat der Tod ein..Am Krankenbett weiltzn die Gattin Fvischmanns und seine beiden Kinder, die erst m der letzten.Zeit nach Berlin gekommen waren. Ferner -waren, zugegen der hekaMte jüdische Bildhauer Professor P a st e r. « a tr dann Sch. B e.n Z i o n und. Salntqn G ch ys 0 r. Bia l j k, der sich auf einer Sommer reise befindet, wurde tÄegvavbckck üerbeigeruser^ '

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