Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1265 (8.8.1922)
- Date
- 1922-08-08
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Win,» Dienstak, _ÄZleyer Mor^enzeUun;>. gelte 4 Nach einer längeren Rede des Obmannes Koller (Salzburg) während welcher es gegen das Judentum zu erregten Aeußernngen seitens der massenhaft erschienenen'Bevölkerung kämm und zu m Schlüsse dermächtigen Kundgebung ein Demonsirationszug gegeneme Gastwirtschaft, woselbst Juden Unterlunft gefunden hatten, veranstaltet. Vor dem Gasthause kam. es zu erregten Aeußernngen und überbrachte eine Abordnung dem Gastgeber die Wunsche der Bevölkerung die J ude n r a s ch e st e n s z u e n t f e r n e n, da es sonst leicht zu unliebsamen Ereignissen kommen könnte. Die Seekirchner Bevölkerung steht auf dem Standpunkte 'daß das Judentum tausendfältig das.ihm gewährte Gaftrecht in deutschen Landen mißbraucht habe, die traurige Lage, in der sich das ganze deutsche Volk befindet, verursachte und daher ein weiteres Recht unter Deutschen zu wohnen verwirkt habe. Die Jüdischen Sommerfrischler, welche sich Sonntags entfernten reihten am nächsten Tage entgültig ab und ist somit Seekirchen der Judenplage enthoben. Möge dieses Beispiel überall Nachahmung finden, der jüdisch händlerische Geist wieder aus unserem Volke verschwinden und mit seinen Urhebern aus-getrieben werden. Im Salzkammergut und anderen Sommerfrischen würde eine ähnliche Reinigungsarbeit sicherlich nicht schaden und wende man sich nötigenfalls an die Hauptleitung des Aiüisemiten'bulrdes Wien 8. Bez., Josefsgasse 4—6 oder an die Gauleitung Salzburg 2 Postfach woselbst alle Ratschläge und Anleitungen gerne erteilt werden. (Von der Unterschrift ist nur die erste Silbe leserlich): Kalb . . .. Obmann. Die man sicht, enrpfichlt hier eine Gesellschaft böswilliger Gschaftelhuber, die sich nach der Seite des geringsten Widerstandes „politisch" austoben will, gegen die Juden dieselben Sanktionen, wie sie zufällig gerade in diesen Tagen Herr Poincave gegen die Deutschen plant, vielleicht als unbewußter Exekutor der christlichen Botschaft: „Mt welchem Maße ihr messet, mit dem werdet ihr wieder gemessen werden:"' PrÄleichtfkiden-W Misere Minister, die ja in ihrer Eigenschaft als deütschbcwußte Parteimänner die Schmach der französischen Retorsionen gewiß brennend ' empfinden, in Hrer Eigenschaft als Regierungsmitglieder zum Einschreiten gegen das böse Beispiel, das die Deutschen gerade zur Unzeit ihren Feinden bieten, veranlaßt. Sie würden damit gewiß auch unserem schwerringenden Staate, der die Einbürgerung des Faustrechtcs sicher nicht ohne Schaden überwinden könnte, einen guten Dienst erweisen und somit sine beschworene Pflicht erfüllen. Der Herr Bundeskanzler hat gerade gestern einer ländlichen Gewerbebundabordnung, die*zur Abtvehr verschiedener gegen die LebensmsttelhäMer im Umlauf b^findichen Anschudigungen vor chm erschienen lvar, versprochen, ihre Verteidigung zu publizieren, uw dadurch mancherlei Mißverständnisse zu beseitigen. Wir gestatten uns die Frage, was 'der Herr Bundeskanzer zu tun gedenkt, nur die auf dem Lande Erholung suchenden Juden vor der böswilligen Hetze, die wir hiermit entlarven, zu schützen, zumal die solcherart hervorgerufenen „Mißverständnisse" schon vielfach zu unverhüllten Androhungen von'^Gewalttaten gediehen sind. Ermäßigte Visumgebühre« für Kurgäste der Tschecho-Slowakei. Die tschecho-flowakischen Vertretungen wurden ermächtigt, Angehörigen fremder Staaten, die auf Grund eines ärztlichen Zeugnisses beweisen können, daß sie in die tschecho-slowatische Republik zum Zwecke des Aufenthaltes in irgendeinem tschecho-flowakischen Badeort reifem das Visum gegen die Hälfte der Gebühr auszüstellen. Das Visum Wird mit einer besonderen Klausel versehen, daß es nur zum Zwecke des Besuches eines Bades ausgestellt worden ist. Diese Herabsetzung der Visumgebühr gilt vorläufig nur für das Jahr 1922. Da» Berliner Institut skr «nswärttge Politik. Das Institut für auswärtige Politik soll der Berliner ..üversität angegliedert werden. Die Leitung des Instituts soll, wie die Blätter melden, dem bekannten Kenner des ausländischen Rechtes Älbrecht Mendels ohn-BartholVh, dem bisherigen ordentlichen Professor an der Universität Hamburg und Leiter des Archivs für Fragen der auswärtigen Politik und des Friedensvertrages, übertragen werden. Nicht davon spreche«. . Sonderbarerweise gilt es in der „guten" Diener Gesellschaft immer noch als Taktlosigkeit, das Wort „Jude" auszuspvechen oder gar in irgendeiner Weise der Tatsache zu ge- 'deilken, daß der eine oder andere Anwesende der dielgeschwahten Nation angehöre. Läßt sich das Wort durchaus nicht umgehen, dann spricht Wir wohlerzogene Wiener von »Israeliten^ denn „Jude" ist für ihn eben von Vorneherein ein Schimpfname, den zu gebrauchen er um jeden Preis vermeidet. Er ist oft überaus erheiternd zu beobachten, welche Drehungen und Wendungen gemacht werden, um daS fatale Vokabel zu umgehen. Ueberaus heiter — wenn nur nicht der Hintergrund, auf dem sich diese komischen kleinen Zwischenfälle abspieleih so düster und dunkel wäre. Aber selbst in Kreisen, in denen man über die Schwierigkeiten des Ausdruckes schon hinaus ist, herrscht immer noch An die geehrten Abonnenten der „Wiener Morgenzeitung"! Die Vereinigung dw österreichischen Tageszeitungen hat in ihrer Plenarsitzung vom 6. d. unter dem Zwange der fortschreitenden Geldentwertung den einstimmigen Beschluß gefaßt, um die Aufrechirrhaltung der Zeitungsbetriebe zu ermöglichen, die Bezugs- und Einzelverschleißreise der österreichischen Tageszeitungen mit den so enorm gestiegenen Gestehungskosten zumindest teilweise in ' Einklang zu bringen und sie ab Mitte August entsprechend zu erhöhen. Wir geben der Erwartung Ausdruck, daß trotz der unvermeidlichen, jedoch weit unter dem Durchschnitt der sonstigen Abgabepreise verbleibenden Erhöhung der Bezugs- und Verschleißpreise die P. T. Abonnenten und Leser uns trotz der geänderten Verhältnisse Treue bewahren werden. * * * - Demzufolge beträgt ab Sonntag de« 13. August 1922 Mt Eiuzelverka u f s p rets der „Wiener Wvrgenzeirnna" an Sonn- und Wochentagen . K. 28« an Montage» ...... K. 20» Der Ll b.o n n e m e rr l s p r e i s beträgt ab 18. Augnft 1922 für Wien und O s st e r r e t ch monatlich «. 7806. <Für da« Snsland bleiben die Bezugspreise unverändert.) W" ertauben uns daher «ater Äinwets anf den an b r Spitze nuferes Blattes vermerkten Vorbehalt der Nachzahlung bei Pr.'lserhShuttgen an «nfere P. T. Abonnenten das höstr^be Ersuchen z» richten, die sich ans de» letzten und d m nunmehr sixierte» Bezugspreise ergebende Differenz osn £•100» für die Zeit vom 16. bis Sl. August gefSMgst »achznzahleu. Unsere Lrafikbezieher wollen diesen Betrag in ihrer Trafik entrichten, «nfere P o ftabvnnententhn mittels ü r l a gfchs in e s» der ihnen in den nächsten Tage» sugehea wird» an uns Überwerfen. Die Verwaltung der „Wiener MorgenzeitunZ." eine gewisse Befangenheit allen Problemen gegenüber, die mit dem, Judentum verknüpft sind. Sehr viele erachten es als Kennzeichen ihrer 'freiheitlichen Gesinnung über den Umstand, daß Judentum ein eigenes, Schicksal, eine Sonderstellung -be* deutet, in vornehmer Gelassenheit htuwegzusehen. Man ist ein aufgeklärter Geist, man verachtet den Greißler-Standpunkt und schaltet das Problem Judentum aus Gesprächen über soziale, nationale, ökonomische und psychologische Fragen einfach aus. Das„erfordert der gesellschaftliche Takt. Man stellt es vor . sich und den anderen so dar, als ob man die Rassenunterschiede überhaupt noch nicht bemerkt hätte. So verlangt es das Zervmomell der Aufgeklärten — nicht davon zu sprechen. Und das in Wien, wp. die. erste gesprochene oder ungesprochene Frage bei Nennung eines -neuen Namens, ganz" Keichgiillig, ob cs der Name eines genialen Forschers oder der Name eines Raubmordes ist, doch immer noch lalltet: „Ist er ein Jud?" Wenn nun die deutschen „Arier" in gut gemeinter, mißverftäM-lcher Schonung so Vorgehen, so ist das aus allgemeiner Verständnislosigkeit zu erklären. Das Erstaunliche, aber ist, von wie viclenJuden dieser-Fehlgriff gewissermaßen bestätigt wird, wie vielen Juden der törichten Einbildung sich hin-geben, wenn sie sich nur sein still verhielten, würde kein Mensch auf den Gedanken kommen, daß sie vielleicht andere Erlebnisse zu berichten hätten als die anderen, Sie ducken sich, sie machen sich klein und stellen sich im Grunde genommen genau so an, wie die Kinder, die die Augen schließen, damit man sie nicht sieht. Das alles geht unter dem Titel der Menschheüsgemeinschaft, des Jenseits-der- Mitteilungen ans dem PMiknm. Zur Verlobung des Fräulein Erna Gretsch mit Herrn M. U. C. Jakob Rosenblatt gratuliert herzlichst - 8. August 192? Nr.I'L65 —-—;----—:-:—-—;—i--—-- Rassen-Stchens, der Ueberlegenheit übet ls nationale Treu, mmgswände vor sich., Wie sehr sie durch dieses Nebergehen> wesentlicher Tatsachen sich selbst beleidigen, ahnen diese Jud!!^' nicht einmal. Hat man etwa schon beobachtet, daß die Züge-' Hörigkeit eines Anwesenden zur italienischen, englischen oder französischen Nation rücksichtsvoll mit Stillschweigen über, gangen wurde? Nicht einmal in den Tagen des wildesten Patriotismus ist das geschehen. Denn die Zugehörigkeit zu'diesen Völkern war zwar eine Zeit lang nicht ganz so ruhmreich wie sonst, aber sie war doch auch keine Schande. Diese primitive Auffassung der Stellung des Juden dürfen wir niemandem übel nehmen, so lange ein großer Teil der Gebildeten in unseren eigenen Reihen ihr stillschweigend betpslichtet. Die Verrenkungen und Verdrehungen von Tatsachen, das vorsichtige Umschleichen ganzer Erlebniskomplexe, das alles, possierlich und traurig zugleich, muß die Außenstehenden zu der lieber. zeugung führen, daß das Judentum ein heikler Punkt ist, so etwas wie ein moralischer, verkürzter Fnß oder ein sonstiges Gebrechen, das jeder zartfühlend nicht bemerkt. Denn nach wie vor gilt die Devise: nicht davon sprechen ... * BSueMcke „Schieber". Aus Linz wird berich'et r Belm sonntäglgem Kegelschieben in St. Grorq-n a. ö. Matt'g wurden Millionen umgeseht. Die Kegler waren Baun'-söhne. 6'in Außenseiter, ein Postamtsdiener, gewann 1", M'llionen Kronen. Diese Meldung zeigt wieder einmal, wer hierzulande d:e wahren Schieber sind — nicht bloß m>t Kegeln...... * Rauvatifalk beim Haustor. Der 51 löchrige Skont-ist Hrig» Be u t l stand am 4. d. um halb 12 Uhr nachts bei seinem Haustor, 17. Bez., Pezzlgasse 72, und wollte aufsperren. Plötzlich sprangen zwei Burschen auf ihn zu, schlugen ihn mit Fäusten, und dabei kam - ihmseine Brieftasche mitetwa 280.000 K. aus der inneren Rocktasche abhanden. Die Burschen liefen dann davon und Bentl verfolgte den einen, einen starken, untersetzten Burschen mit lichtblondem, ausgestellten Haar, ohne Kopfbedeckung, gegen den Rosensteinpark. Dort verlor er ihn ans den Augen. Beutl ist durch die Faustschläge im Gesichte, an den Armen und Beinen leicht verletzt. Die Erhebungen nach den Tätern sind eingeleitet. * Verschwundene Kostbarkeiten. Der Mireille-(Touret, im Grand Hotel wohnhaft, ist gestern e-ine Brosche in Stangenform mit Schlangenwtndnngen ans Platin und einem Schlangenkopf mit eineln Brillanten, und zwei Rubinen im Werte von 500 Franken abhanden gekommen. — Gestern ist der Auguste Menser, Hanben'bie-glgasse 8, eine Platinbrosche mit gezacktem Band, je einem Brillanten auf ssder Zacke und einem Sv-"' litär, umgeben von sechs bis acht Brillanten in der Mitte, , zehn Millionen Kronen WeM abhanden'! gekommen. ' - ' * Der Streik in der Kvnsektionsindttstrie beschlossen. In einer gestern im Hernalset Brauhauszarten stattgesundemn Massenversammlung der Stückmeister wurde einstimmig der Beschluß Maßt, von heute ab die Arbeit m der gesamten Konfektionsindustrie einzustellen. Zu bemerken ist aber, daß im Lcrufe des heutigen Tages sechs Konfektionsfirmen, darunter die Firma Noshberget, die Forderungen der Stückmeister be-. willigt haben, und daß daher bei diesen Firmen die Arbeit nicht eingestellt wivd. . * Die Prsiserhöhvng anf b-n fttötifche» Verbehrsmltteln. Die Köhe der neuen Fahrpreise ist noch nicht ge pau bestimmt. Der Vorschlag üer Direktion lautet aw 500 Kronen.., •. Der Preis dürfte mindestens 450 Kronen belwoen^ Währschemlirh' wird d»r neue Preis schon in der zweiten Kälste der näci'flen Woche in Kraft irrten. Auch eine Erhöhung der K r a s t st e l iw agenta r l f e mstd vorbereitet. Die entscheidenden Delhandiungen mit den DediMeten finden morgen statt. * Ueberfiedlnng bes Verkehrsminlfterlnms. Gestern ist dos Verkehrsmmtstrrium aus seinem bisherigen Amisaebäude üm Schillerhos in da» Gebäude des ehemaligen Knegsministerlums am Ring überfiedelt. Aus diesem Anlaß fand ein Empfang der Bepmten beim Verkehrsmtv ister O d e h n a l statt. * Die Telephonnnmmer der ßentfchen Gesandt, schaff. Infolge Anschlusses ihres Telephons an das Automaten. Fernsprechamt hat die deutsche Gesandtschaft in Wien an Stelle der bisherigen T«lephonnum>y-r die neue Nummer 43-0-65 Sei te. * Siellenvermtlllung für Äbgebaate. Zur Erleichterung des Abbaues der Bündes(Bundtsverkehrs)anges!elllcn wurde beim Ersparungskvmmissär der Bundesregierung, Wien. I.. Uraniaslratz« 4, eine Siellenvermiitiung geschaffen, an die sich Bundesangesiellte. die eine Stellung im bürgerlichen Clwerb-- leben anstreben. sowie DienslgSber. die Eiellen zu vergeben haben, wenden wollen. * Derufsberalnns- Die zweite Lieferung (Selbstkostenpreis 500 K.) der pvm Bundesministerium für Male Verwgllung herausgegedenen „BerufMnde" von Kosrat Ing. Karl Äauck (EonderabdruÄ für Gewerbrhygiene und Unfallverhütung) für Zwecke der Berufsberatung gelangt demnächst zur Ausgabe. Dezugsanwekdungen Übernimmt daS Bunderministerium für soziale Verwaltung» Sektion 1» Abteilung 4, in Wien, I., Hvsgartengaffe 3. 6580 Arid Birnbaum JEWISH COLONIAL TEUST (Jüdische Monialbank Ltd.) Es wird hierdurch bekanntgegeben, dass die ■ 24. ordentliche Generalversammlung der Aktionäre Donnerstag den 31. August 1922 um*balb 11 Uhr vormittags im Kurhaus Karlsbad zu folgenden Zweck äbgehalten wird: 1. um den Rechnungsabschluss für das Jahr 1921 und I 2. um eine Dividende zu erklären; den Bericht hierüber entgegenzurtehmeu; i 3. um die Direktoren und Buchsachverständigen zu wählen, Inhaber auf Aktien (Zertifikaten) auf Ueherbringer laufend, welche der Oeneralversammlung beiwohnen wollen, müssen ihre Aktien Im Kurhaus Karlsbad bis einschliesslich den 27. August 1922 hinterlegen. 8116 Im Aufträge des Direktoriums! 8. COSTA, Sekretär 1(M2 Walbrook, London E. C. 4. ■Ml m\mi m mm impr. jflr Herren uni ' Dameh heim Spezialorzeuger HI.,Rl>os1elo.24 III.Kalsers(r.T6 Neu eröffnet! Ofro a* e* 8 fiten eröffnet! ■ 4im Mm!«<■) II I I» .Kmi-;• - i -i 9JMJWlf 7IJIIf*■ Hf: *n" 'y - n*. riuaLd. X^amonotoffeaa. *billifir en ^röffttaixiirdiazeiaöix 1