Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1265 (8.8.1922)
- Date
- 1922-08-08
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2979076-2980129-2980345--11943-2998436- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
. v» w •> *" ' v '' ", ^- ' •■'^ *> »v ' ’ ' t " "1'"' ' '■< < ■ < ’' i' *. ■ ' . . Der deutsche ReichskanZrrr über die Latze. "■. London, 7. August? (Wolff.) Der Berliner Korrespondent d?r „Tally Chronicle" hatte mit dein Reichskanzler ein Interview, worin diesep über die Frage, der Ausgleichszahlungen Kister anderen: sagte: Deutschland wünsche nicht, die Zahlungen z,:. umgehen. Man habe nur erklärt, das; Deutschland nicht mch fr.v,n Plan vom vorige), Jahr zahlen könne und daß die Zah-' lungen auf einen längeren Zeitraum verteilt wevden müßten. Außerdem könne diese ntinderwichtige Frage nicht von der Neparatiansfrage getrennt behandelt werden. Die Methode der Gewaltantvendung mvd der Drohungen, die Frankreich bevorzuge, werde zur Lösung des Problems nicht führen. Wann werde Frankreich dies einscher:'? Noch einige Noten von Herrn Poincare in diesem Tone und der Znsamenbruch der deutschen Währung werde vollständig sein. lieber die Londoner Konferenz sagte Dr. Wirth, dort werde sich das Schicksal Europas entscheiden. Ein Fehlschlag in London würde den vollkomn:cnen Zusanunenbruch der deutschen Währung mit all feinen Folgen bedeuten. lieber einen eventuellen Eintritt in den Völkerbund befragt, sagte der Kanzler: Erst wollen wir sehen, ob' wir am Leben bleiben. Solange uns das Wasser bis ans Kinn reicht und so lang die Möglichkeit vorhanden ist, daß wir darin versinken, kantf die Frage des Völkerbundes sehr gut bis zu einen: Weiteren Zeitpuuktd,zurückgeswllt werden. Bayev« und die deutsche Republik. Berlin, 7. August. (Tel. d. „Wr. Morgenzeiiung".) «ln: Mittwoch ahends erfolgt aus München die Abreise des bayrischen Ministerpräsidenten Lerchenfeld mit den ihn begleitenden Herren der Regierungskommission. Donnerstag früh wird Graf Lerchenfeld vom Reichspräsidenten empfange:: und an: Rachmittag die Verhandlungen mit der Reichsregiernng aufnehmen, die voraussichtlich mehrere Tage dauern werden. . Morgen treffen die Minister Fehr und Gehler in Berlin ein und wevden dem Kabinett über ihre Münchner Verhcmdlungen Bericht erstatten. Iahreskopferenz der englischen Sozialdemokratie. London, 7. August. (Tel.-Kon:p.) Gestern wurde hier der Jahreskongreß des sozialdemokratischen Verbandes von'England eröffnet. Der Vorsitzende Leo erklärte, die englischen Sozialdemokraten seien keine Anhänger des Kabinetts Poincare. Die militärische Besetzung deutscher Gebiete fest kein Mittel zur Lösung der Reparationsfrage. Der Redner drückte die Vermutung aus, daß die in England gegenwärtig geführte franzosenfeindliche Propaganda die Absicht verfolge, die Hohenzollern wieder, auf den Thron zu.bringen. (??) Der Abgeordnete Kennedy erklärte, daß die Reparationsfrage mit den bisherigen Mitteln nicht gelöst werden könne, und daß im Jntereffe der englischen Arbeiterklaffe die d e n t s ch e n Schulden annulliert werden sollten. Die Persanunlung nahn: schließlich eine Resolution au, in der gefordert wird, daß die deutsche Reparationsschuld nicht einen Betrag übersteige, den Deutschland innerhalb 20 Jahren zahlen könne. Nie Einbürgerung 1« der freie« Stadt Danzig. Infolge eines im Jahre 1921 vom Danziger Senat anS-- Nearbelleten Gesetzentwurfes, welcher die Rechte der Jaden dieser Stadt schwer benachteiligte, hat das Komitee der jüdischen D e l e g a t i o n in einer Reihe vor: an den Völkerbund gerichteten Memoranden Aenderungen im Einbürgerungsgosetz vorgeschlagen,. welche die jüdischen Rechte zu beschützen geeignet waren. Aus dem neuen am 15. Juni 1922 im Gesctzbnlletin der freien Stadt Danzig veröffentlsichten Text des neuen Einbürgernnggesetzes folgt nun, daß die gerechten Forderungen .des Komitees der jüdischer: Delegation beim Danziger Senat zmn Teil Anklang gefunden haben. Kraft des neuen Gesetzes können diejenigen Personen Danziger Staatsbürger werden, welche einen fiinfjührigen ununterbrochenen Aufenthalt vorweisen können (wogegen der vorherige Gesetzentwurf einen zehnjährigen Aufenthalt als Bedingung stelltet Außerdem bevollmächtigt dieses Gesetz diejenigen Antragsteller, denen der Senat die Einbürgerung verweigert hat, binnen vier Wochen an das Obergericht der freien Stadt Danzig Klage zu richten. Kirr Oberradbrner Washingtoner Vertreter der Angora-Regiernng. Konstantinopel, 5. August. (I. C. B.) In hiesigen kreisen verlautet, der frühere türkische Chacham Baschi, Ehaiin Nachum, werde in allernächster Zeit zimr Vertreter der Angora-Regierung für Wgj'hmgton ernannt tverden. Chaim Nachun: kehrte erst vor kurzen: nach Konstantiuopel zurück, nachdem er längere Zeit in Europa und. in den Vereinigten Staate!: geweilt hat. Dtr Antisemit Henry Ford — Präsidentschaftskandidat der Dentsch- > ameriköttct. München, 5. Mgust. (I. C. B.) Dia „Münchner Post" veröffeutlicht einen Brief, den ein Delutschainerikaner an einen autifemitifefjen Redakteur in München geschrieben hat des Inhalts, daß der Automobilfabrikant Ford von den Deutschamerikanern und den Antisemiten als Präsidentschaftskandidat ausgestellt werden soll. Aus den: Brief geht ferner hervor, daß die deutsche antisemitische Bewegung mit amerikanischen Geldern finanziert ist, und zwar besonders von Ford. Die französischen Kriegsverluste. Paris, 7. August. (Havas.) Wie der „Maiin" meldet, belaufen sich die Kriegsvevluste der französischen Marine an Toten und Vermißten auf 11.337 Mann. Die bulgarischen Reparationsschulden. Sofia, 6. Artgust. (Bulgarische Tel.-Ag.) Die Interalliierte Kmymission hat gestern an die bulgarische Regierung als Antwort auf die Note der letzteren vom 27. Juli eine Zuschrift gerichtet, worin sie die Gegenvorschläge der bulgarischen Regierung, die aus Grund der schon ir: zwei Roten erhobenen Einwendungen die Suspendierung des von der Kommission vorgeschlagene:: Abkommens über die Verteilung der Reparativ ns schulden auf drei Jahre sowie die Herabsetzung der Reparationsfchulden verlangen, nicht als solche betrachten zu können erklärt, obzwar zugegeben werden müsse, daß die bulgarische Regierung durch das Sobransi zwei Gesetzesvorlagen übet den BanknoteMerkehr und die E:nlondn:enstc::er' für Zwecke der Reparationszahlungen armehmen ließ.'-Die Kommission teilt mit, daß Umstände sie dazu zwingen, die Regelung der Reparationsfrage in die Hände der Regierungen che r drei Hau Pt machte zu legen. Die Zuschrift schließt mit dem Ausdrucks des Bedauerns, daß es der Kornmission trotz ihrer'Bemühungen nicht gelungen sei, die Regierung ans einer solchen Grundlage zu Verhandlungen zu bewegen, d'e die Prüfung der letzthin geäußerten Wünsche der Regierung und eventuell ner:e konkrete Gegenvorschläge möglich machen würde. Das Esde des italienischen Generalstreiks. Mailand, 7. August. (Tel^KonrP.) Heute ^morgens wurde die Arbeit in allen Betrieben wieder ausgenommen. Auch in Genua erfolgte heute die Wiederaufnahme der Hafenavbeit. Während der Streiktage wurden in Mailand über 600 Verhaftungen vorgenommen. Rom, 7. August. (Tel. der „Wiener Morgenzeilung".) Sämtliche sozialistische. Provinzialen und Gemeindevertreter im ganzen Land beabsichtigen, von ihren Aemtern zuriickzutreten, da im gegenwärtigen Augenblick nicht genügend Rechtssicherheit zur ungestörten Ausübung ihrer Funktionen im Staat besiehe. Nach einer faszistischen Statistik sind im Verlause des Streiks gegen 100 kommunistische und sozialistische Ver- . einshäuser gestürmt und zerstört worden. Der griechisch-türkische Konflikt. Athen, 7. August. (Reuter.) Die militärischen Vertreter von Griechenland, Großbritannien, Frankreich und Italien habeir San:stag ein Protokoll unterzeichnet, durch das eine neutrale Zone von dreiviertel Meilen Breite zwischen den griechischen und den alliierten Streitkräften an der Tschcttaldscha-Lmie errichtet wird. London, 7. August. (Tel.-Komp.) „Times" melden ans Konstantinopel den Fortgang griechischer Truppenlandungen ist Rodosto. Es haben sich keine neuen Zwischenfälle ereignet. Eine gemischte Kommiffion von alliierten und griechischen Offizieren arbeitet an der Schafstmg einer neutralen Zone an der Tschadaltscha-Linie. Das italienische Kriegsschiff „Giulio Casare" ist aus Brindisi nach Konstantinopel abgegangen. Türkische Lebensmittel für die Krim. Simferopol, 7. August. (Havas.) Eine türkische Mission ist mit Lebensmitteln für die hungernden Bewohner der Krim hier eingetroffen. Eine zweite Mission des Roten Halbmondes wird hier erwartet. Der Prozeß gegen die russische« SozialreVolntionären. Moskau, 7. E August. (Wolff.) In: Prozesse gegen die angeklagten Sozialrevolutionäre replizierte an: 3. d. der Ankläger aus die Ausführungen der zweiten Gruppe der Angeklagten. Zun: Schluß warf er die Frage der Strafbemessung auf und sagte, vom Standpukt der Nützlichkeit oder Gefährlichkeit der Angeklagten sei diese Frage bereits durch die Ausführungen von Gotz, Hondelnrann und Timofejew gelöst, die erklärt hätten, daß sie, solange sie leben, so handeln würden wie früher und daß von ihnen weder ein Widerruf noch Gnade zu erwarten sei. Krrrierdienst Moskau-London. Betlin, 7. August. (Tel.-Konrp.) Die schlechte Verbindung zwischen Moskau und London, die den Verkehr zwischen den beiden Städten stark behindert, führte nunmehr zur Errichtung eines Kurierdienstes zwischen der eng- > lischen Missim: in Atoskair uub der Londoner Regierung. Internationaler Bergarbeiterkougreß. Frankfml»' 7. August. Der internationale Bergarbeiter- Kongreß ist ' heule mit. einer Ärmverungsjeier. für den verpediiaBSeptott Preisen In Rtionmliitel, •ngl« Stoffe, Wfische, Leinen* u. Striekwaren etc« Hr. 18i35: _ Wien, Dienstag_ Mrwgenzertnng. RundschLU __8. August 192S_ Seite S storbenen Abgeordneten Koe und einer Protestkunb gebung gegen den Versailler Vertrag er» öfsnel worden. Der Volsihende wies in stinsr Ansprache auf die m i tz. liche Lage Deutschlands hin. Der Obmann des Deulschen Bergarbeiterverbandes, Kill, mann, ßab den Sympaihien für die streikenden amerikanijch.'n Bergarbeiler sowie dem Wunsche Ausdruck, daß der Kongreß einen Marltflein bilden möge aus dem Wege zum Siege der Arbeiterinternationole. Der Engländer Kode sprach namens der brilischsn Arbeilerjchaft die Meinung aus, daß der Versailler Vertrag von Grund aus geändert werdn: müsse, und zwar nicht, wie es jetzt gelchege. stückweise und langsam» sondern in k ü r z e st e r F r i st, weil sonst auf den naiioualen und iniernationalen Aufbau die Kvffnung schwinden müßte. Frankfurt a. M., 7. August. (Wolff.) In der heutigen Sitzung des Internationale:: Bergarbriterkongresses ftmtV Hodge wieder zum Generalsekretär der Bergarbeiter-Internationale gewählt. Ein Antrag des vnssichei: Bergarbeitervevbandes ans Znlanng zur Bergarbeiter-Internationale lmivde voMustg' abgelchnt, bis die genauen Ziele der russischen Organffat-ion festgestellt seien. Schließlich tvuvde mit 86 gegen 13 Stimmen folgende Entschließung angenommen: Ter Vorstand des Internationalen Berganbeiterverban. des wird beauftvagt, ein ei n h e i t l i ch e s Programm der in: Bergban aller Länder durchzuführenden Ziele und Forderungen zn entwerfen, und zwar möglichst auf GruMage der im Lause der Zeit von den Kongressen des Internationalen Bergarbeiterverbandes gffaßteh Beschlüsse. . Bei dem Kongreß sind 119 Delegierte aus Dmischla:^ö, Belgien. Frankreich, England, Ainerika, Holland, Luxemburg, Ungarn, Jugoslawien, Oesterreich und der Dschecho-Slowalei anwesend. Sie vertreten 2/108.800 Bergarbeiter. Tagesbericht. Zionisten! Don dem Endtermin der Schekelaklion keilen uns nur mehr siebe» Tage. Diese letzte Woche mnß noch mit aller Energie» mit Absatz einer möglichst grotzen Anzahl von ScheKalim verwendet werben. Tut eure Pflicht! Zionistisches LnndesKomitee für Oesterreich. Montag den 14. August, 6 Uhr abends, findet im Sitz ings^ faale de» Zionistischen Lanbeskomitees. H. Bezirk, Taborftroße 20 ^. eine gemeinsame Sitzung der MWeder des Parteirates. Landes«, der Lokal- und Provinzkomilees sowie der Keren Kajessod-Kommissivn stall. Tagesordnung: 1. Mandat. 2. Keren Kajrstod. ^_ Ei« strategisches HsnpLquarLLer für J«-enpogro«e in de« österreichische« SomMerfrische«. Die Exzesse gegen jüdische Gäste in österreichischen Sommerfrischen, nehmen immer größeren Umfang an. Jnnner häufiger ereignet sich der Fall, daß ganze Ortschaften von den Inden, nachdem rnan diesen die höchsten Preise für Kost und Quartier abgeüröpft hat, evakuiert werden, so daß die Bauem in die für sie höchst erfreuliche Lage kommen, ihre Son:merwoh:mngen sofort weitervermieten zu können. Die antisemitische Presse^fucht diese neueste praktische Betätigung christlich-gerrnanischer Politik natürlich nach Kräften zu verteidigen. Immer wieder wird dem naiven Leser dieser Blätter eingeredet, daß die Jftrden durch ihre Manieren :md Preistreibereien aus die Bauern provozierend wirken und so ihre Vertreibung verschulden. Gibt es denn einen berufeneren Hüter feiner Sitten als den Bauer? Urrd bann mansich berechtigtere Kärnpfer gegen Preistwibere: und Volksausbeuttmg denken als speziell die biederen Bauern Oesterreichs? Mußte schon diese Darstellung durch ihre aufreizende Lächerlichkeit argwöhnisch machen, so nimmt ein Flugblatt des Antisemitenbundes, das uns zufällig in die Hände gefallen ist, endgültig jeden Zweifel darüber, daß die Exzesse von einer Zentralstelle aus mit jenem teutonischen Heldenmute, der gern in: Verborgenen wirkt, arrangiert werden. Wir geben das Flugblatt wörtlich wieder, weil es mit 'den schauderhaften grammatikalischen Fehlern dieser merkwürdigen Hüter des Deutschtums und mit der jesuitischen Verdrehung der Da Stellung, daß die Bauern, die ihre vermieteten Objekte s mit Gewalt wieder für sich verfügbar machen, über den — jüdischen Händlergeist empört seien, ein charakteristisches Kulttrrdoküment bildet: In der Marktgemeinde Seekirchen (Salzburg) kam es schon vor einigen Wochen zu Austritten, welche durch die Anwesenheit mehrerer JudenfamÄien verursacht wurden. Der Schutzvevein Antisemitenbund veranstaltete am Sm:ntag den 30. Juli eine große öffentliche Versammlung, wo die Judenfrage in allgemeinen und die Seekirchner Angelegenheit in besonderen behandelt wurde. II., TaborstraBe 4B Telephon 47*1-7» En gros En Unfall