Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1262 (5.8.1922)
- Date
- 1922-08-05
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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WM ■Wf'T^r^TTTTTryiyi’S'H Wit^Wi tf»? “ 'V* >- 1 ii % f{t!*;j; Seite 6 Wien, SaniStag * Die Ueberwachung der Bahnhöfe. Da beim Kriegswuchvrmnte bekannt wurde, daß ländliche Produzenten und Händler nnt Lebensmitt-eln, insbesondere Butter und Eiern, gleich bei chrer Ankunft in Wien von besiegten und unbefugten;«an§Im abgefangen werden, die ihnen die nntgebrachten 'Lebensmittel mit Ueberbietung der auftdcn hieramtlichen Märkten üblichen Preise äbzuu-chmen versuchen, wurden vom Kriegsjwuchevamte in den vorhergehenden vier Tagen die hauptsächlich Hin Betracht kommenden Bahnhöfe, West-, Franz Josefs-, Nordiwest-, Ost-, Süd- und MatzlemZidorfer Bahnhof, überwacht. Bei - .diesem An-lasse wurden fünf Personell angehalten mrd wegen Ernschräirkung 'der Marktbeschickung mit Strafen von je 50.000 Kronen, eventuell drei Wochen Arrest, belegt. ' * Die -ritte Lebensrettung. Am Donnerstag ist bei der Novdwestbahlrbrücke der Schüler Karl Hofer beim Spiele ■ ins Wasser gefallen. Des Schwimmens unkundig, > sank ■ der > Junge gl-eichunter. Er wäre sicherlich ertrunken, wenn Milcht ein junger Mann ihm sofort nachgesprungen wäre. Trotz des ziemlich starken Strudels gelang es dem Retter, den Jungen, der schon bewußtlos geworden war, zu fassen nud mit großer Ali'che ans Land zu bringen. Der Retter ist der Beamte Hubert - Sauer, ein Sohn des verstorbenen Direktors der städtischen Elektrizitätswerke Sauer. Er hat im Jahre 1918 bei der StMauer Brücke zwei Jungen, die ebenfalls beim Spiele ins Wasser gefallen sind, und denen er nachgespvungen war, unter ebenso schwierigen Verhältnissen gerettet. * Geistesgestört. Gestern abends erregte ans denr Pratrrstern eine Stratzeilszene großes Aufsehen. Eine Frau in mittleren .Jahren entledigte sich auf offener Straße plötzlich ihres. kostbaren Schmuckes, wand sich ein Tuch um den Hals und versuchte sich zu erdrosseln. Als sie daran gehindert wurde, schrie und wointe sie. Sie wurde schließlich zum Kommissariat LeopÄdstadl gebracht, und dort als die 40jährige Private. Elsa B., zu Breslau geboren, erkannt. Sie wurde der psychiatrischen Klinik überstellt, da sie geistesgestört zu sein scheint. * Eine unaufgeklärt^ Leuchtgasvergiftung. Gestern abends fand die Gastwirtin Barbara Hofmeister in der Küche ihres versperrten Lokales ihren Sohn, den 17jährigen Otto Hofmeister, ach einer Bank angezoaen liegend, tot auf. Der Raum war mit Leuchtgas erfüllt, der Gashahn stand offen. Der Kopf der Leiche war durch einen untergelegten Sack erhöht. Der von der Wand zum Gaskocher führende Gasschlauch wai abgerwmmen. Der Tote hatte das untere Ende unter dem Arm mit der Richtimg gegen das Gesicht. Ter Lokalaugenschein schien für einen Selbstmord zu sprechen. Die Mutter schildert ihren Sohn als brav urch arbeitswillig und teilte mit, daß er nie Lebensüberdruß oder SelbstmoviMdanken geäußert habe, daß für einen Selbstmord keine Anhaltspunkte vorliegen. zumal feine Auszeichnungen von der Hand des Toterl zurückblieben. Sie glaubt, daß der Tod auf einen unglücklichen Zufall zurückzu führen ist. Auf dem Gaskocher standen ein Beuschel und e>in Topf nlit Kaffee und der eine Brenner war offen. Hofmeister dürfte die Ansicht gehabt haben, sich eine Speise zu Wärmen; er hat sich wahrscheinlich, da er gerne lag,'mittlerweile ans der Bank ausgestreckt, dürfte emgeschlafe-n sein und unwillkürlich, um Wegen übzuwehren, den Arm erhoben haben. Dabei dürfte ■ der Schlauch abgermfchi sein. * Die Alhambra bedroht! Nach einem Bericht ans Madrid ist die Alhambra, das berühmte Bauwerk in Granada, von dem völligen Zusammenbruch bedroht. Die Regierung hat, obwohl sie feit Jahren darauf aufmerksam gemacht wurde, nicht die nötigen Mittel für die Wiederherstellung aufgebracht. * Apollotheater. Unter Ben Tiebers künstlerischer Leitung hat das Apollotheater die neue Saison mit einem das Turchschmttsniveau weit überrageniden internationalen Variete- Programm eröffnet. Aus -der Fülle des reichhaltigen Repertoirs seien einige Darbietungen besonders erwähnt: das russische Tänzerpaar P i o n i k o w und Pionik § wa, der tollkühne Amerikaner M. Kmith, die ans reizenden Damen bestehende Radfahrtruhge Nick Kaufmann, der Meister der Silhouette Jose Garcia u. a. Das ausverkaufte .Haus spendete den Künstlern stürmischen Beifall. * Amerikanische Studenten in Wien. Bei dom Empfang der 45 amerikanischen Stndenten-MitMeder des American stndsnt reli-ef Work im Bundesministeriuan des Jnnem begrüßte der Vizekanzler den amerikanischen Gesandten Washburn rntd die amerikanischen Gäste im Namen der Regiewug und dankte ihnen für die großherzige Absicht, die sie nach Wen geführt hat. Minister für Aeußeres Dr. Grünberger hielt an die Gäste eine Begrüßungsrede in englischer Sprache, worin er den Wunsch ausdrückte, daß sich die amerikanischen Gäste in Wien recht wohl fühlen mögen. Der amerikanische Gesandte erwiderte in einer längeren Ansprache, worin er auf die Bedeutung Mens als Kulturzentrum hinwies und die Wechselbeziehungen zwischen den Bereinigten Staaten und Oesterreich sowohl geschichtlich beleuchtete, als auch für die Zukunft deren weitere bedeutende Förderung und Entwicklung voraussagte. Er forderte die jungen Studenten auf, auch nach -ihrer Rückkehr in die Vereinigten Staaten für ihre Kommilitonen in Oesterreich mit Wort und Werk einzutreten. * Die Lage der jüdischen Studenten in der Ukraine. Der Vertreter der jüdischen Welthiliskonferenz in der Ukraine, Doktor Viktor Adler, berichtet dem Pariser Zentralbnrean der Welthilfskouftrenz über die schlechte Lage der jüdischen Studenten in Odessa. Schon seit Jahren, erklärt dieser, stehe die höhere ZüusbiWung -der Studenten still.-Me Kräfte müssen für die physische Existenz ausgewandt werden. Es fehle jede Mögilichkeit zu lernen und m lehren, und die Schulen sind leer. Die Lehrer arbeiten in allerlei nichtakademischen Berufen und die Studenten suchen ihr Brot in den Gassen. Die jüdische Weiltbilfskonferenz hat bereits -eine Anzahl von Lebensmittelpakeben für -die jüdischen Studenten nach Odessa geschickt und bemüht sich, die Hilfe für die jüdischen Studenten bedeutend zu vergrößern. * Die jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen in Budapest. Die Herren Dr. Lee Frankel und Mr. DaÄL Brown, die als Delegierte des American Jewish Relief Committee zum Studium der Lage der durch den Krieg ms Elend geratenen J-udmschaft Europas Polen, Litauen, die Ukraine und Rumänien bereisten, sind Sontag in Budapest emgetroffen und besichtigten sämtliche WJ/VVU.WV, 'VMM'vvnk*»<j*vfc*vvv^ ■wv»n| v.Hywwjvv; vv^wv-h und sonstige M-ohlfcrhrtseinvichtungen. Montan vormittags hatten sie eine Besprechung mit den leitenden Persönlichkeiten der ungarischen Judechchaft, wobei sie feststellten, daß diese Institutionen von dem Ziuscumnenburch vedricht seien, falls keine Hilfe von außen komme. Sie verfprachen deshaM», bei der amerikanischen Zentrale in dem Sinne KU wirken und eMärten, . die Hilfe erstrecke sich in vier Richtungen: Kriegs-Witwen und -Walsen, Sr-nitätS- und Flüchtlingswesen und Rekonstrultionsavbeiten. Die Delegierten setzten gestern ihre Reife nach Wien fort. (I. C. B.) ' * Weierbericht: Das Wetter ist in Oesterreich wechselnd bewölkt bei steigender Temperatur. Ueber Mitteleuropa ist das Druckgefälle sehr' gering, die Luftbewegung schwach. Boraussage: Starr vewölkt, Neigung zu leichten Niederschlägen Md lokale Aewitterbildmm. schwül, geringe Lustbowegmrg. Wiener Morgenzeitung. GRAF WÜRFEL Erslkl Fabrikat unter flut tcht Sr. Ehra. Habt S. First Oeneralrepräsentanz: Max Mlrschenhauser, Wien, II., Grosse Schiffgasse 13 // Tel. 43-1-27 Vereine, Vorträge' und Versammlungen. 2 ü d i! ck e V o l k 3 b i b l i o t h e k Z ion.. Keule. 5 Uhr, im Vereinslokal, li., Gwckengasse 30. gemütliche Zu-' sommerkunfi. — Zionistische IugendgruPpe (K u l t u r s e k t i o n) XX, Karl Meitzlstraß» 5. Keule, 3 Uhr. Dorlestmg: Kerr Samuel Schwager. Nachher Milglleöerversamm'ung. V-8Ubr. Massenmeeting tn der Toynbeehalle. XX., Der isgasse 33. aril ßlich der Raiisiz'erung des Palästina- Mandats. Referenten: Kerr Löbl Taubes und Kerr Dr. Lothar Kafmami. — VukoroinaerZentralverband In W t e n. Geschuftsfiette in der Oesterrenjich-rumanischen Kammer in W-en, M.. M.nxergasse 2, ladet alle Verbandsmilglieder zu der am Sonntag den 6. d. Punkt 9 Uhr vormittags, im Lass Edison, I.. Franz 2ote''S-Kai 13, 1. Stock, stattfindeuden Außerordenttjchen Verbaudsdiskussivn bdslichst ein. Tagesordnung 1. BeriLt vom rumömscken Deputierten aus Ezernomih betreffs Kejmkehrerdodumente rc. re; 2. Keimkehrer-, Lwdes- und Siaudesfragen. wir''chastliche Vvrlräre. Neuausnahmen von MitgUsderu doriielbfi. .Lternowitzer Tagesd,älter ltegea auf. Von Mitgliedern eingesüfrte Güfe oeftatlet. Urania. Keule. '/-6 Uhr (Großer Saal): Du-ch den West-Sudan. 8 Ubr (Großer SaatF:, Skocktelons Südpol- Eppediiou. — Morgen, '/,6 Uhr (Großer.Saal): Wild-Afrika. 8 Uhr (Eroßer Eaal): Durch den Wef.-Sudan. Ernährung. Die -ueruttg auf de>m Lehensmittelmarkt. Spekulation mit Kartoffeln. dab.^asirophale Stand der Krone kam gestern auf allen Märkteic zum Ausdruck :md bewirkte Steigerungen der bereits so hohen Preise. Rindfleisch, bas sich in den letzten Tagen rückgängig gezeigt hatte, erhöhte sich wieder um etwa 200 bis 500 K. pro Kilogramm, KalbsiAkh w.n 800 bis 1000 K., Schweinestelsch um 2000 K. pro Kllogramm. Schmalz stieg auf 19.060 bis 20.000 K. pro Kilogranml. In der Fifchhalle stiegen Seefische um 300 K. pro Kilogramm^,.Kahljau, Seelachs, Gold-, barsch wurden unt 3000 K. pro Kilogramm, Arrgler um 3600 K. pro Kilogramm gehandelt. Charakler-istis.ch für die Marktlage ist die Teuerung des Juckers; Wm-frlzucker ist trotz des hohen Preises überhaupt. nur schwer aufzutreiben, eine Erscheinung der Spekulation. T-ie' Gvünwrretuuärkte wiesen wenig Kartoffeln auf, nach denen begvchslicherweise dir lebhafteste Nachfrage herrschte. Ter Unlstand, daß Liuftrbrkartoffeln zu valutarifch kalkulierten Preisen in den Verkehr gebracht werderr mußten, hat die Spekulation der i n l ä n di s ch c »1 Produzenten angereizt. Es wurden für inländische Kartoffeln ganz nngevechtsertigt hohe Preise verlangt, um dir Angloichung an drn Preis der italirnifchen Küriosfeln zu erreichen. Das Marktamt mußte einschreiten und bewirkte, daß der Unterschied zwischen inländischen und eingeführten Kartoffeln sich doch noch im Preise gelteud machte, wenn auch der Preis für die Jnlandwäre ganz enorm.erscheint. Inländische Kartoffeln wurden im Klsrnhandell zu 1680 bis 1700 K. pro. Kilogramm berechnet, während die italiemschen Kartoffeln zum Preiife von 2000 dis 2106 K, pro Kilogramm abgegeiben wurden. Auch die übrigen Gemüsesortsn zeigen Steigerungen. Kohl stieg bis auf 400 K. das. Stück, .Häuptelfalat auf 280 bis 29o K. Pro Stück, Kohlrüben ans 280 K. Weißkraut kostete 300 bis 800 K., Rotkraut 600 bis IOoO K., Gurken 800 bis 1200 K. pro Stück. Obst blieb in der Preislage ziemlich unverändert. Marillen kosteten 2600 bis 2200 K., Birnen 800 bis 1600 . K., Melonen 600 bis. 650 K-, Aepfe-l 800 bis. 1800 K., Heidelbeeren sind etwas billiger geworden und notierten. 600 bis 1000 K. pro Kilogramm. Eier sind bedeutend gestvegen und kosteten 486 bis 500 K. das Stück. Butter notierte 22.090 bis 26.000 St. pro Kilogramm. American Relief Administration — Mittelstandshilfe. Wir werden um Veröffentlichung folgender Verlautbarung evsucht: Alle jene Personen, welche seitensder A. R. A Mittelstairvs- Hilfe zur Abholung eines LebensmittÄpaketes ianfaefordert wnrden, und es noch nicht behoben hoben, wollen ihr Paket ehestens beleihen. Verbärrde, welche die Paketevidsnzblätter noch nicht zurückgefaudt haben, werden ersucht,' dies ehestens zu dun. Alle;em.notleidenden geistigen Arbeiter und deren Nachkommen. welche bisher noch mst keiner Begünstigung seUeas der A. R. A. Mitt-elstcmdshilfe bedacht wurden, wollen dämm schriftlich einveichen an die M>resse, 1. Bez., Elifabechstraße 9; Anmeldeiblätter hierfür können auch beim Hauswart, 1. Bez., Elifaibethstraße 9, iu Empfana genommen werden. sDie Anmeldeblätter wollen durch die. Angaben ergänzt werden, welche Schule der Bit-tsteller (oder dessen seinerzertiAer Fannlie-nerhalter) besucht hat und wann der Bittsteller m seiner Wohnung <mzütr essen ist. __ Bühne nnd Kunst. Nn» de« Theater«. n der V o l morgen halb 8 -wyi., «vw^.vuvui. */“w u Boheme"; Mittwoch, 7 Uhr, „AM"; Donnerstag, Halo 8 Uhr, „Cavalleria rusticaua" — „Der Bajazzo"; Freitag, HM 8 Uyr, „Madame Butterfly"; Samstag, halb 8 Uhr, „Äa Traviata", 5. August 1922 Nr. 1262' Jur Wiener K o m ö d i e n h a n § werden PassionSspiele im Stile der- Oberammergcmer Festspiele Vorbeveidst. Im Ra imundth eater bleibt die Operette „Die> Liebe geht um" auch in der kommenden Woche auf dem SpiÄl» plan. . -. 1 Im Wiener Stadttheater geht, heute inr Rahmen des Volksstückzyklus, der unter Leitung des Regisseurs Karl- Kneidinger stattfindet, zum ersten Male Schörcherrs „Kinder-' tragödic" in, Szene. Regie Hans Keinz. In den Haupt-i rollen sind beschäftigt: Frau Chritl, Hermann Storm und'bie' Herren Hans Keinz und Karl Rammger. Als zweite Vovst-eillnng im Zyklus gelangt morgen Slnzengvubers „Pfarrer von Kirchfeld" zur Zlufführung. Regie Karl Kneidinger. In den Hauptwlleir sind beschäftigt: die Damen Wally Brennsis, Lilly Fröhlich, Lotte Walten, die Herren Hvirmch Jenseu, Hans Kurt, Karl Rammger, Hans Keinz, Karl Kneidinger. Als dritte Vorstellung kommt. Montag Karl Schönherrs „Weibsteu fel" zur Auffi'chrunig. Regie Hans Keinz. In von Hauptrollen: Wally Brennois, Hans Kurt und Hans Ksinz. Der Vorverkauf zu diesen Vorstellnngen hat 'bereits an beiden Tageskassen des Neuen Wiener Stadttheaters begonnen. Organisationen und Vereine können-zu den Vorstellungen im Zyklus Anweifnngen für Ermäßigungskarten in der DivckktiortSkanzlei des Stadttheaters in Empfang nehmen. Ein Ehrengrab der Gemeinde Men für Prof. Julius Blaß. Bürgermeister Reumann hat verfügt, daß für die Beerdigung des am 1. d. in Bad Hall Vevstorlbsnen Wiener Malers Prof. Jiulms Blaß in Wüvdignng seiner Bedeutung als heimischer Künstler ein eigenes Gväb am Zerckralfriedhof beigestellt werde. — Blaß ist als Porträtist hösischer Personen nnd al^pfertdemaler bekannt gewesen. Die Wilnaer jüdischen Schauspieler in Lemberg. Wie uns aus Lemberg berichtet wird, hat die gefeierte Wilnaer Truppe, deren Darbietungen beim jüdischen PlMikum begeisterte Aneickennung gefunden haben, ihr Gastspiel über die früher in Aussicht genommene Zeit hinaus verlängert. Unter den zuletzt aufgeführten Stücken müssen, was das vollendete Spiel anbelcrnot, in erster Reihe Anskis „Tag und Nacht" und Hirschbeins „Piste Kretschme" hervorgehoben werden. Ganz hervorragend waren die Leistrmgen des Herrn Stein. Exekution im Theaterarchiv. Eine seltene gerichtliche Exekution wurde, wie aus E s s e a berichtet wird, an der dortigen staatlichen Nationalbühne 'durchgeführt. Bor einigen Tagen er-, schien im Theatergebäuide ein Gerichtsrat in Begleitung eines. Advokaten, um eine Forderung siHerzustellen. Es handelte sich um einen Betrag von 180.000 Jugokronen, die von der Direktion für Auffü!hrungs.honorare und Tantiemen seit anderthalb Jahren nicht bezahlt wurden. Auf Grund eines rechtskräftigen Urteils des Zlgramer Gerichtshofes wurden das ganze Noteitmaterial. und die Bühnenwerke beschlagnahmi und versiegelt. Bis zur Bezahlung der Schuld ist dem Theater verboten, fvlaende Werke zu benützen: An Opern: „Tote Augen" von' D'Albert, „Pique Dame" von Dschwi^kowsky, „Pagliacci" von Leoncavallo, „Cavalleria rusticana" von Mascagni, „Eugen Onegin" von Tschaikowsky, „Eavmen" von Mzet> an Operetten: „Dreimäderlhaus", .„Auf Befehl der Kaiserin^ „Hannerl", „Boccaoio" und „Polenblut"; an Lust- und Schauspielen: „Lilliom", „Der Sperling" und „Fcnm". Gerichtssaal. Der Millionenbetrug «« Stabtrat Zatzba. Bedeutendes Aufsehen erregte seinerzeit die Verhaftung des Schriftstellers und Redakteurs Franz Hausbrunner, der im Verein mit dem BuchhäMer Oskar Fischer und den beiden Kommunisten Zoltan Mor und Iwan Perl den ehemaligen Stadtrat Ludwig Z a tz k a um Antiquitäten im Werte: von vielen Millionen betrogen haben sollte. Unter dem.Vorsitze; des Oberlandesgerichtsrates Dr. Uhlmann hattensich gestern Perl und Hausbru-nner wegen Vertmtreuung dieser Kunstgegenstände vor dem Lanldesgevicht 2 als Schöffengericht zu veranütvorten. Aus der Anklagsschrist geht, hervor, daß Franz Hausbmnner im August vorigen Jahres von dem Stadtrat Zatzka ans seiner stadtbekannten Kunstsammlung elne Anzahl hochwertiger Kunstgegenstände zum kommissionsweisen Verkaufe übernommen hatte. Hausbrunner, der schon seit, längerer Zeit mit dem Stadtratte Zatzka in geschästliicher Verbindung stand, konnte im Hinblick auf die ungünstige Konjunktur auf dem Kunstmarkt und wegen der damals von ihm Mforderten hohen Preise, in Wien das. Geschäft, nicht'zu i Ende bringen. Deshalb übergab er die Kunstgegenstände, darunter. hochwertige italienische nnd französische Bronzen, dem ihm schon seit längerer Zeit bekannten Buchhändler-Oskar Fischer,, der sie, im Einverständnis mit ihm, seinem Schwager Iwan, Perl übermittvlie, 'damit er sie inr' Auslande verkaufe. Iwan Perl reiste mit den Gegenständen nach Berlin nnd von Berlin nach Paris, woselbst er den größten Teil der Kunstgegenstände bei Antiquitätenhändlsrn veräußerte. Nach geraumer Zeit, als Iwan Perl nicht zuvückkeihrte, und sich immer mehr und 'niehr . der Verdacht verstärkte, daß er dre Kunstgegenstände nur um seiiines Vorteiles willen veräußert habe, erstattete Franz Hausbrunuer,.dem Stadtrat Zatzka Bericht von diöm Stand der Ängelegechsit. Stadtrat Zatzka, -der sich durch Hausbrunuer geschädigt wähnte, erstattete in dem Glauben, Hausbrunner sich in etwaigem sträflichen Einverständnis mit Perl und dessen Freund Zoltan Dior befinden könnte, im Dezemiber die Stvcvfanzeige. Infolgedessen wurde HauSbrunner verhaftet und dem. Landesgerichte eirrgeliefevt. .. Ebenso wurde Zoltan.Mor vechastet. Iwan Perl, der' sich unter dem falschen Namen „Biitner" in Berlin aufhM, wurde dortsÄbst ausgsforscht und den dortigen Gerichten übergeben. Die Äuslieferungsverhandlungen, die nur auf diplomatischem Wege bewerkstelligt werden konnten, zogen sich durch Monate hm, so daß' über, die Schuld oder Unschuld Hatts» h'runners und Mors kein endgültiges Bild gewonnen werden konnte, bis endlich nach sechs Monaten — so lauge währt der .Weg. von Berlm nach Wien Iwan Perl nach Wien gebracht! wurde. Durch die Aussage!» des Iwan Perl wurde einwmdfvei festgestellt, daß Hausbvünner in keiner Weise mit'dev' Veruntreuung der Zatzka^sen Kunstschätze zn tun gehabt haitztx A3/.9/$^B