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Wiener Morgenzeitung · 1922-08-05 · Heft 1262 (5.8.1922) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1262 (5.8.1922)
Date
1922-08-05
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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VK. 1262 y Mim. Vamstäg f$te Autonomir der j»«Uchen Insel«.! Paris, 4. August. Nach einer Havasmeldnn-g ans Smyrna ist die Autonomie Joniens noch nicht offiziell vetkündet Morden. Die griechische Regierung habe nur ihren Oberkommissar.ermächtigt, eine neue Antojnomieverivaltung einzurichten. 32prozenLige Teuerungssteigerung in Deutschland. Berlin, 4. August. (Wolfs.) Die Reichs Indexziffer für die Leben shaltungsko ften Meist im Durchschnitt des Monats Juli gegenüber dom Vormonat eine Steigerung von 32 Prozertt gegen 9,2 Prozent vom Mai auf Juni aus, die Reichsindexziffer für die Ernährungskosten. eine Steigerung von 33,5* Prozent gegenüber dem Vormonat. Ä»sgelöste Grhelmverba«de i« Deutschland. Dresden, 4. August. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Die sächsische Regierung hat auf Grund des Gesetzes zum' .Schutze der Republik die folgenden Vereinigungen mit ihren Ortsgruppen verboten und aufgelöst: 1. Eos in Dresden, 2. Deutscher Orden, oder auch Jungdeutscher Orden genannt, in Dresden, 3. Bund der Getreuen, auch Treubund für aufsteigendGZ Leben genannt, in Dresden, 4. Verein ehemaliger B a ltikumer in Dresden, 6. Jungsturm, 6. Turnverein Th eodor KLrner ^Dresden, 7. Allgemeiner Deutschvölkischer Turnverein. — Wegen der Waffenfunde bei Mavkneukirchen wurden auf Veranlassung der Plamner Staatsanwaltschaft Oberleutnant Bnmo S ch a tz, Kaufmann Kruse und der Prokurist .Ernst Fehlmann verhaftet. Heber den obenerwähnten „Jungdeutschen Orden" berichtet ein gestriges Wiener Antisemiienblatt, daß er nach dem Muster der Frennaurerorden organisiert und in „Logen" gegliedert ist, um die Juden mit ihren ei g e n e n K a m p f m e t h o d e n zu bekriegen. Dieser originellen Idee ist eine gewisse Zweckmäßigkeit nicht abzufpvechen und so dürfte sie wohl bald allerorten Nachahmung finden. Vor allem dürfte in Wien der Klebt n d e r s ch e Hochschulunterstützungsverein endlich eine rein arische Konkurrenz finden. Nachrufe für Rathens«. Berlin, 4. August. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Der deutsche Physiker Hvof, N e r n st. hielt gestern bei einer Feier der Berliner Universität eine Rede, in der er dem ermordeten Rathen au einvn sehr warmen Nachruf hielt. Ein zweiter deutscher Golchrter, der Naturforscher Pwf. Reinte, der früher im preußischen Herrenhaus zu den Rechtsparteien gehörte, veröffenÄicht im „Tag" einen Aufsatz, in dom er den A n t i s e m i t i s m u s, der zu den jüngsten Mordtaten führte, als eine Schande für das Deutschtum bezeichnet. Die Antisemiten seien auf dem Wege, $u!ht Fluche Deutschlands zu werden. Deutschland Msse den Antisemitismus abschütteln. Bayer« ««d die deutsche Nepabttk. Berlin, 4. Adst. (Set, d. ,Mr. MorMnzeitmitz") Gestern wuvde m.Berlin die Antwort des bayrischen Mimstsvpräsidenten L e r ch e n f e l d an den Reichspräsidenten Ebert veröffentlicht. Die >bayrifche Regierung erklärt sich zjr Vochandlungen bereit, verlangt aber die Wahrung der HoheitsveHte Bayerns. Die Koalitio« in Bayern. Berlin, 4. August. Die „Vossische Zeiürng" erfährt Ars München, daß die Koalitronsvechandlungen gestern abends : beendet worden sind. Die Mittelpartei wivd das Justizministerimn besetzen und die bayrische Volkspartei das HandelSnckiiiftevmm. Me der „Bayrische 'Kurier" hört, hat das bayrische oberste Landesgericht anläßlich' einer 'Beschwerde in einem Mrnberger .Falle die Verfassuingsmäßigkert und Rechtsgültigkeit der bayrischen Verordnung jttittt Schutze der Republik vom 24. Juli bestätigt. Die bayrische« Sozialdemokraten gege» das Budget. München, L August. (Wolfs.) Der bayrische. Landtag hat dem Entwurf des Finanzgesetzes für das Haushaltsjahr 1921—22 mit Mehrheit zugestimmt. Im Verlaufe dev Sitzung gab Abg. Timm (Sozialdemokmt) narnens seiner Partei die Erklärung ab, daß sie gegen das Finanz ge setz' ststnme, .um. das schärfste Mißtrauen. gegen die Regierung zum Ausdruck zu bringen, da diese in einer Zeit der. höchsten politischen und wirtschaftlichen Not eine die Reichs ein heit bedrohende, die Ziele Frankreichs fördernde,. jeden kulturellen Fortschritt verneinende Politik betreibe, Abg. Timm wurde zur Ordnung geruftn, ebenso Mg. Nemnarm (U. S. P. D.), dev sich der Erklärung des Mg. Timm vollinhMlch an- Woß. ' Wiener Morgenzektung. Mitteilungen aus dein Pnblilnm. Metallwarenfabrik X*, Ettenreichgasse 8 offeriert zu de« kulantesten Bedingungen 69 Haustmd Küchengeräte aller Art, besonders Spezialerzcugung von elektrischen Koch-, Heiztmd Bügel Apparaten Verlangen Sie Prospekt.' r-TALES-FABRIK I Telephon 15-1-35 Telephon 15-5-35 I Knisbacher & Windschauer, Wien. I., Seiforsassc 6 8 D'n'bwr’f uin -^«ri «*>| Export nach allen Staaten Tagesbericht. Eine Goldkrone --- 1V 57V Kronen. Die Geschäftsleituilg der österreichisch-ungarischen Bank teilt mit, daß die G o ld Parität (Umrechnungs- Verhältnis betreffend die Zollzahluugen in Gold) für die Periode vom 7. August bis 13. August 1922 mit 10.570 K. festgesetzt worden ist. GrabsteinsteNnng.fÄr Rabbiner Moritz Kramer. Wie uns mitgeteilt wird, findet. Sonntag den 13. d. vormittags 1.0 Uhr ans deni neuen jüdischen Friedhof (Zentralfriedhoß 8. Tor) die Grabsteinstellung des im Vorjahre verstorbenen Rabbiners Moritz Kramer statt. Der Verstorbene war der'.Begründer und langjährige Führer der Wiener misrachistischen Organisation nnd hat sowohl in dieser seiner Eigenschaft als auch wegen seiner, hervorragenden Vorzüge als Mensch in den weitesten Kreisen der jüdischen Bevölkerung sich grvßeu Ansehens erfreut. Die Grabsternstellung wird seine 'zahlreichen Freunde an seiner letzten Ruhestätte versammeln. Die Vergistungssällr in der Familie Stülpnagel. Militza Bukobrankovies im Landesgericht. Militza 'B u k o b r a n k o v i e s ist seit gestern Untersuchnngshäftling im Landesgericht. Während die. gerichtliche Unitersunchung gegen sie geführt wird, ist auch die Polizeibehörde bemüht,, durch weiteve Erhebungen das Dunkel zu lichten, das noch über eiuzelnen Phasen des grauenhaften Beginnens liegt. Durch die chemische Untersuchung ist festgestellt, daß zwei Säcke mit Zucker nnd ein Sack mit Semmelbröseln B l e i w e i ß enthalten haben, und zwar waren im Zucker größere nnd in den Semmelbröseln geringere.Mengen des schleichenden-Giftes, das.einen langsamen, qualvollen Tod zu bereiten imstande ist und auch vorzeitige Arterienverkalkung hevvorruft, wenn es iy genügend großer Menge genossen wird, ohne tödlich zn wirkemDie Leiden Zuckersäcke waren verschiedener Herkunft. Es galt nun sestzustellen, woher sie stammen. Die Herkunft des einen Sackes ist einivaudfrei festgestellt. Er ist.in einem Geschäfte im 7. Bezirk gekauft. In diesem Geschäfte erscheint eine zufällige Beimischung von Bleiweiß zrmr Staubzucker ausgeschlossen. Der Geschäftsinhaber hat den Sack daran erkannt, daß er in Abkürzung das Wort ,/Staubzkr" trägt, das von feiner Hand geschrieben ist. An wen er diesen Sack verkauft hat, kann er begreiflicherweise nicht.mehr sagen. Nun handelt es sich bloß um die Herkunft des zweiten Sackes mit Zucker. Dieser Sack ist braun, aus dünnem Papier, und hat eine Breite von 24,5 Zentimeter, eine Höhe von 34 Zentimeter. Er trug.keine Bezeichnung. Obwohl eine Agnoszierung schwer erscheint, wäre es nicht unmöglich, daß doch ein Geschäftsmann, der Staubzucker führt, anzugeben vermag, daß er Säcke dieser Farbe und Beschaffenheit und dieses Größenverhältnisses führt. Der Geschäftsmann wird im Interesse der Aufklärung des Falles dringendst ersucht, sich im Sichechöitsbureau, Roßauetlände Nr. 7, bei Regierungsvat Dr. Barber, zu melden. Dadurch, daß erwiesen ist, daß der eine Sack in dem Geschäfte am Neubau gekauft ist, währeM der . andere Zuckersack und der Sack mit den Semmelbröseln anderswoher stanrmt, ist unwiderleglich erwiesen, daß die nämliche Hand nach dem Kauf das schleichende Gift in die dwi Säcke getan hat, eine Tatsache, die bei Beurterlüng. der Frage der Uchsberschaft von Bedeutung ist. ÜeLvigens ist gestern bekannt geworden, daß der Gistairschlag doch ein Todesopfer gefordert haben dürste. Die Familie Stülpnagel besaß ein Kätzchen, das-am 29. Juli auf bisher unaufgeklärte Weise eingegangen ist. Der Kadaver 'des Tieres< wird gerichtlich geöffnet nnd nach Spuren von Bleiwviß untersucht werden. ( 5. August 1922 . Seite ( Die Krüppel«mfiker. Eine Organisation der Dreyorgelspieler. Die Korrespondenz Wilhelm berichtet: In einem Lokal in der Lwdengasse fand kürzlich eine Versammlung der K r ü p p e l statt, denen die Polizei die Spielerlaubnis gegeben hat und die durch das Täfelchen an der Brust mit Nrtmmer und Inschrift „Verband der Musiklizenzinhaber Wien 16" gegenüber den unbefugt herumziehenden Musikern kenntlich sind. Der Obmann Heinrich Neinthaler führte aus, daß genau vor einem Jahre die krüppelhasten Musiker mit einer Denkschrift an die Regierung herangetreten sind, in der sie um Aufhebung einer noch aus dem Jahre 1830 stammenden Veroäinung bitten. Obwohl ein Jahr vergangen, sei die Petition noch unerledigt. Größenwahnsinniger Bureaukratismus der Habsburger habe sie erfunden, um di« Allerärmsten, die Krüppel, lebenslänglich zu peinigen. Hunger und Arrest waren die Devise der Krüppel unter den Habsburgern. Heute sei es wohl bester, weil die meisten Wachleute ein Auge zudrücken, obwohl die Verordnung noch besteht.- Der Prater sei am Sonntag das Dorado der.Berufsbettler und Simulant e n. Die Mustklizenzinhaber vergönnen den Krregsinvalrden, ihren Leidensgefährten, jede .Gabe; sie wollen aber nicht schlechter behandelt werden,.als jeder Musiker. Obmannstellvertreter Franz Prokesch führte aus, daß die Krüppel ein volles Jahr gewartet haben und nun die maßgebenden Stellen der Regierung an ihre Pflicht mahnen wollen. Es wurde der ^-Beschluß gefaßt, am Jahrestage der Errichtung des Verbandes eine Demonstrationsversammlung abznhalten und nach der Versammlung eine Abordnung zum Minister des Innern zu entsenden, um die eMiche Aufhebung der Verordnung von 1830 zu erbitten. Kohlen und WafferLeaft für Wien. Ein Stück wirklicher Wiederaufbauarbeit. Wie wir erfahren, ist es dem städtischen Elektrik zitätswerk der Gemeinde Wien in einem hohen Maße gelungen, sich von der Einfuhr ausländischer Kohle unabhängig zu wachen. Das bedeuteifür den Gemeindehaushalt eine ganz außerordentliche Ersparnis, da sich die Inanspruchnahme fremder, insbesondere tschechischer Valuta bedeutend verringert. Der Weg, den das städtische El^kriMtswerk gegangen ist, ist ein zweifacher.- Einerseits wurden die inländischen Kohlenvorkommen, die vor dem Kriege gänzlich vernachlässigt worden waren, in immer.stärkerem Maße heran- -gezogen. Die Förderung der Zillingdörfer Braunkohlenlager wurde von 14.825 Tonnen trn Jahve 1914—15 auf 169.140 Tonnen im ersten Halbjahr 1922 gesteigert. Der Qualität der Kohle entsprechend bedeutet dies eine Ersparnis von 60.500 Tonnen hochwertiger ausländischer Kohle. Die Mbstaler Kohlenvorkommen lieferten im ersten Halbjahr 1922 5609 Toimen Kohle besterer Qualität und ersparten dadurch 2800 Tonmn ausläMscher Zufuhren. Auf der anderen Seite schreitet die Gemeinde planmäßig an die Ausnützung der Wasserkräfte. Auf diese Werse wurden im ersten Halbjahr 1922, in Kohlen^ ausgedrückt, 7900 Tonnen gewonnen. Insgesamt betrug im Jahre 1914 der Anteil der inländischen Kohlen- und Wasterkmfimrlagen an dem Gesamtverbrauch des Elektrizitätswerkes dreieinhalb Prozent. Im ersten Friedensjahr 1918—19 war er bereits auf 22 Prozent gestiegen, und heute, im ersten Halbjahr 1922, nracht er nun schon ein volles Drittel aus. In Tonnen berechnet, bedeutet das in diesem Halbjahr eine Menge von 71.200 Tonnen oder eine Ersparnis von rund 20 Mil lion e n t s ch e ch i s ch e r K r o n e n, die ohne diese inländische Produktion hätten ms Ausland, geschickt werden müssen. .Gegeü de« ÄlLohsl. Die steirisch« Landesregierung hat angeordnet, daß die bereits für Graz geltende Sperrstunde der Gasthäuser um 11 Uhr nachts ab heute auch für Gasthäuser in ganz Steiermark ausnahmslos in Geltung zu treten habe. Die Sperrstunde für Kafssehäuiser ivurde ab hmie für Graz und das ganze Land auf 12 Ulhr nachts festgesetzt. Die Landesregierung behält sich vor, iveitere einschränkende Verfügungen zu treffen, >ivenn die nunmehr festgesetzte Sperrstunde den von der Bevölkerung gewünschten Erfolg nicht haben sollte. * Wohltätigkeitskonzerte in Gleichenberg. Am 24. und 30. IM fanden in Gleichenberg zwei WohltätigkeitZkonzerte statt, das erste zugunsten der Mensa aoademica judaica, das ztreite ' zugunsten der unter der Leitung des Kapellaueisters Wutschka (Graz) st-chenden Kmkapelle. Beide hatten einen vollen st-wanziellen mrd künstlerischen Erfolg auszaweiseu. Das zweite Fest fand einen, würdigen Mschluß, als. D&ettoitior Baffer (Wien) die Tstwah fang, die vom Pnbliknm stchond angchört wurde. ' . * Milliouenunterfchlaguny zum Schaden der Kriegsopfer. Aus K'lagenfurt wird berichtet: Eine vom Landesverband der Kriegsbeschädigten, Mtwen und Waisen eingeleitete Untersuchung über die Gebarung der Zweigstelle in Villach hat ergeben, daß ein Millionenabgang zu verzeichnen ist, der dem Leiter der Filiale Georg Nagele zur Last fällt. Die Bücher wurden mit Beschlag belegt und die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet. lief unter l'aLesyreiaett D

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