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Wiener Morgenzeitung · 1922-08-05 · Heft 1262 (5.8.1922) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1262 (5.8.1922)
Date
1922-08-05
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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$ttte 4 _Wien. SamStag Die englischen Schulde« an AweriKu. London, 8. Mgust. Der Washingtoner Korrespondent deS Routevschen Bureaus erfährt, daß Schatzkanzler M e U Ion den Standpunkt einnehme,^ die ame rikanische S chuldenkommissio n müsse die Verhandlungen zwecks Fundierung der Schtüden an Amerika fortsetzeu ohne Rücksicht auf die Neigung, die Großbritannien bezüglich seiner Kriegsschulden zeige, Die Verhandlungen mit der britischen Mission im September würden einen glatten Verlauf nehmen. Das Schatzamt sei der Meinung, daß ebne amtliche Kenntnisnahme der Note BalfourS nicht zu evfolgert bmuche, da sie nicht an die Bereinigten Staaten gerichtet sei. Das Schatzamt habe-die Note, die allgemein als Anregung zur Annullierung der interalliierten Schulden ausgelegt werde, -nicht als einen an die Vereinigten Staaten gerichteten Vorschlag aufgefaßt. Washington, 4. August. (Reuter.) Schatzsekretär Mellon erklärt über die Annullierung der Kriegsschulden, die europäischen Staaten könnten sämtlich auf die ihnen zustHenden Forderungen verzichten; die Vereinigten Staaten aber, -re keine Schulden haben, würden für ihre Forderungen, falls sie darauf verzichteten, keinerlei Kompensationen erhalten. In Kreisen des Schatzamtes ist man der Ansicht, -daß eure .Herabsetzung der von Deutschland Frankreich geschrrldeten Wiedergutinachungen unvermeidlich sei, deren Ziffer viel zu hoch angesetzt sei, als daß sie bezahlt werden könnte. . Lord Cnrzon genesen. London, 3. August. Eine amtliche Meldung des Reuterschen Bureaus besagt, Lord Curzon werde am Samstag aus Frankreich in London eintreffen und am Montag seine Amtsgeschäfte wieder aufnehmen. Italie« nach dem Streik. Rom, 4. August.'Heute früh wurde die Arbeit wieder ausgenommen. Am gestrigen Tage sind außer ' den bisher gemeldeten Zwischenfällen noch zahlreiche andere Repressalien der F a s z i st e n in der Provinz zu verzeichnen. In Ancona besetzten Faszisterrabteilungen unter der Führung -der saszistischen Abgeordneten Gai und R o s s i die Stadt, in der cs zu einem Feuerkamps mit d e n K o m'm unisten kam, der den ganzen Tag anhielt. Hierbei wurden sechs kommunistische Veremslokale sowie das Arbeiterherm eingeäschert. Vier Personen wurden getötet und viele verletzt. Genua wurde von 5000 Faszfften besetzt. Bei einem Zusammenstoß mit Hafenarbeitern wurden zwei Personen getötet. Polizei besetzte das Versammlungslokal der Kommunisten. In Ä st i, P a v i a 'und Padua wurden die Arbeiterheime in Brand gesteckt. In Siena konnte ein Attentat aus einen Eisenbahnzug verhindert werden. Der „Tempo" hat sein Erscheinen eingestellt. Die Redaktion kündigt für den 10. August das Erscheinen einer neuen Zeitung an, die den Namen ,,Giornale di Roma" führen wird. Mailand, 4. August. (Tel.-Komp.) Nach der Besetzung des Rathauses erklärten die Faszisten, dieses nicht räumen zu wollen, bevor die Regierung sich nicht verpflichte, an Stelle der Sozialdemokraten einen außerordentlichen Kommissär für die Leitung der städtischen Angelegenheiten zu ernennen. Die Faszisten wurden bei ihrem Vorgehen von einer großen Volksmenge unterstützt, die' es Lhnen möglich machte, auch die crusgebotene Polizei rrud das zum Schutze des Rathauses konünandierte Militär an Gegenaktionen zu hindern. Auf dem Balkon des Rathauses wurde dir Tricolore gehißt. Kcktushecken (Opuntia) eingefaßt; Palmen, Orangen» Zitronen, Wein, Marillen, Feigen und viel Gemüsearten sind die hauptsächlichsten Pflanzen der Küste. Viehzucht wird wenig getrieben, mehr Geflügelwirtschaft; viel Fischfang. Also nahezu dicsel'ben Verhältnisse wie in Palästina. jfe David Trietsch hat schon vor vielen Jahren die Möglichkeit erwähnt, Rhodus in das sogenannte „Nachbarländerprogramiw' einznbezrchen, das eine zionistische Siedlung auch in den „Nachbarländern" Palästinas Vorsicht. Es ist kein Zweifel, daß bei der nationalen Kraswerteilüng der Rhodoser Bevölkerung — 25.00V Griechen, 90ü0‘ Türken, 5000 Juden, 2000 Franken — sehr rasch eine jüdische Majorität in Rhodus erreicht werden könnte. Ich denke aber nicht so weit; ich denke an eine andere Möglichkeit. In Konstantinopol, in Wien und noch in vielen anderen Städten leben monatelang Chaluzim, die aus verschiedenen Gründen nicht nach Palästina befördert werden können und daher in diesen Städten schlecht und recht beschäftigt werden müssen. Man hat überall. „Lehrfarmen" für Chalu« zim, die aus Einreiseerlaubnis nach Palästina warten müssen. In Deutschland und der Slowakei bildet man sie für Palästina aus. > Auf Rhodus, 'vier Tage von Palästina entfernt, in einem orientalischen Milieu, in einem konservativen jüdischen Milieu, könnte man nicht nur die Chaluzim besser und wahrscheinlich sogar billiger landwirtschaftlich.für Palästina vorbereiten, man könnte sie auch geistig für Palästina erziehen, ihnen die Menschen zeigen, mit denen sie zusammenleben müssen, tmlb. sie lehren, auf deren Anschauungen Rücksicht zu nehmen. Boden für solche Farmen ist in Rhopus zu HMn und die Rhcdejer Gemeinde wird jubelnd Chaluzim empfangen. * * * * Ein Beispiel für die Gesinnung der Juden von Rhodus: Es wurde in Rhodus während meiner Anwesenheit eine zlouistesche Ortsgruppe und «eine Landeskommission des Jüdischen Nationalsorids konstituiert. Da bisher noch keine zionistische Organisation auf der Insel bestünden hatte, entstand die Frage« an welche Föderation sich Rhodus anschließen solle. Die Wiener Mor<jenKeMt«g. 6. August 1828 Kr. 1862 T< RegirrsnzserklSrurkge» Ih einer Pressekonferenz. Eine gestern vormittags abgehaltene Pressekonferenz, die sich mit focn Vorarbeiten für die unmittelbar bevorstehende Emission der neuen Bankaktien beschäftigte, gab dem Bundeskanzler Dr. Seipel, dem Fiuanzminister S e g u r und den Vertretern des zur Gründung der neuen.Notenbank eingesetzten Konsortiums Gelegenheit zu beachtenswerten Erklärmmgen für die gegenwärtige nnd zukünftige finanzielle Lage. Bundeskanzler Dr. Seipel eröfsnete die Korrfereirz mit einer Ansprache, in der er betonte, daß die Regierung in der jetzigen Situation der Mitarbeit der gesamten Presse dringend bedürfe. In kürzester Frist Ipfyfyn;i>ie Prospekte, die zur Subskription auf die neuen Bankaktien einlaideihina-usgehen. In dieser Zeit muß die Presse Mithelsen, daß diese S u b s k r i p t i o n den für die Fortführung der Staatsgsschäfte notwendigen Erfolg hat. Wir sind, sagte der Bundeskanzler, jetzt in einer schwierigen Lage nnd müssen harte und saure Wochen durchmacheniverl wir unmittelbar vor einer mehrfachen Ueberganszeit stehen. Die erste Etappe dieser Uebergangszeit bis zur Errichtung der Notenbank ist so weit vorgeschritten, daß mit der positiven Arbeit begonnen werden kann, -deren Erfolg sicher ist, wenn uns die Presse mit allen Kräften unterstützt. Finanz minister Segnr sagte: Es ist notwendig, daß die Presse in einer ungewöhnlichen Art' nnd Form-die Aktion der Notenbank unterstützt. Es muß der Bevölkerung klar gemacht werden, daß nunmehr die erste Säule zm Gründung der Bank ausgerichtet wird. Es muß ihr die Ueberzeugrmg beigebracht werden, die ich noch immer habe, daß trotz des Tiefstandes der Krone dieser Staat zu retten fft, wenn es gelingt, den F i n a n z p l a n der Regierung durchzuführen. Als wir Mit dem Finanzplan vor die Oeffentlichkeit traten, haben die Leute aacfgeatrnet. Aber die gute Stimmung ist verloren gegangen, man spricht nur vom Jammer des Tages und von per Teuevrzng. Wir müssen auf die Bevölkerung einwirken, daß sie das Vertrauen wieder gewinnt, daß sie überzeugt ist: Jetzt geschieht etlvas zur Rettung des Staates. Der Tiefstand der Krott« ist deshalb nicht begründet. Die Werte, die der österreichische Staat besitzt, die Werte, die sich im Besitz der Staatsbürger befinden, rechtfertigen diesen Tiefstand nicht. Dieser Tiefstand ist bedingt durch die ka'tasbroPch'aIe Läge Deutschlands und durch das Vollständige Sichgehenlassen und das Volk» ständige Fallenlassen des Vertrauens in der Bevölkerung.; Hierauf erklärte Direktor Ha mrnerschlag, daß tnit der Errichtung der Notenbank das Vertrauen zur österreichischen Krone sich heben müsse, insbesondere schon deshalb, weil mit dem Inslebentveten der Bank die Incmspöurhnahrne der Notenpresse von seiten der Regierung ein Ende erreicht. Wenn das Ausland sehen wird, daß wir zur Selbsthilfe schreiten, wird es die moralische Verpstichtrmg erfüllen, die sie durch den Friadensvertrag und durch die Gründung dieses Staates auf sich genommen hat, und ihm die Kredite gern ähre n, die es ihm ermöglichen, seine Existenz aufrecht zu erhalten. Direktor Kraßny sagte, daß das Ausland über die durch die bevorstehenden Aktionen der Regierung zur Rettung des. Staates aufgeklärt werden, müsse. Biel wichtiger sei es, der Bevölkerung klar zu machen, daß unsere Krone deshalb unter wertet ist, weil sie kein Vertrauen zur Krone Hai. Es ist ausgefchü)sftN,daß beispielsweise eine Bankaktie, zu der das Ausland das "größte Vertrauen hat, den Wert von 1,5 Franken besitzt oder daß eine gut fundierte Industrieaktie einen Wert von 5 Franken repräsentiert. (Finanzminister Segur ruft: Das ist ein Wahns i n n!) Das beweist, daß in Oesterreich selbst kein Vertrauen zur Krone besteht und infolgedessen sinkt die Krone. Wir müssen dieses Vertrauen heben, denn sonst kommen wir dahin, daß die Krone gang wertlos wird, und die weitere Konsequenz ist, daß wir uns entgütern und daß das Ausland Misere guten Werte um Spottpreise in sich aufnimmt. Es wird immer davon gesprochen, daß wir in r u s f i* sch e Zustände geraten. Bei uns sind doch, Gott sei Dank, die Dinge anders. Ir: Rußland wird nicht gearbeitet, in Rußland bestellt der Bauer sein Feld nicht, in-Rußland ist alles zerstört. Bei uns arbeitet man und bei uns ist der Bauer tätig, unsere Geldwirtschaft ist itt . der ganzen Welt anerkannt. Bundeskanzler Seipel verweist darauf, daß er soeben eine Deputation steirischer Arbeiter , empfangen habe; im Verlaufe der Unterredung' r'.cs cluct der Arbeiter dem Bundeskanzler zu: ,Jgut Bundeskanzler, wir find nicht so dp mm wie in Ruß la nd, wir Oester^icher wollen "arbeiten/ ' - WlW'MIlWMMWWMMBBIBHBMWMMMMBMBMWUwn WirtmWWMWU MWHMB& Die sozialistischen Stad träte protestierten gegen den Eingriff, mußten sich jedoch dazu verstehen, unter dem Schutze einer Abteilung Faszisten das Rathaus zu räumen .und abzuzi-chen, Per r»us seinem Hotel herbeigehoste d'A n-. nunzio hielt hierauf eine Ansprache. Der „Sorviere della Sera" glaubt, daß der für die Dauer des Streiks zum Verweser der Stadt ernannte Graf Solli dauernd-mit der-Mvwaljmrg'r^ worden sei. Der Palazzo Marino wurde' vom Hauptnmmr - Form besetzt. Wahl l-ag zwischen Griechenland, Italien und der Federation Sioniste -'Orient. Die M-chrheit der Versammlung.aber erklärte: „Rhodus ist schon heute ein Bestandteil von C«ez Israel. Wir sind hier nicht in der Goluth, wir sind hier eine Kolonie Pclästmas und wir wollen uns direkt der zionistischen Landesorganisation von Erez Israel und Syrien unterstellen." Schweren Herzens nur trug man schließlich doch der polüischen Lage Rechnung und beschloß den Anschluß an die zionistische Föderation Italiens. «- m # Bis jetzt war noch leine zionistische Organisation in der übrigens ausgezeichnet organisierten Gemeinde RhoduS. Alle Klassen der Bevölkerung tvetteiferten cpber, dieses Versäumnis wieder gntzumacheft. Die „Bne Brith" stellten mir für die ganze Dauer meiner Anwesenheit ihr LogenhanS zur Verfügung, vier oder fünf Lehrer der Volksschule, der ,.A'lliancc Jsr,aelite" traten sofort in die provisorische Kommission ein, und einer von ihnen, Professor Jsra-il, übernahm die Leitung der Landeskommission des Jüdischen Nationalfonds. Der Großrabbiner nnd der Präsident heS „Conseil general" fertigten di« Einladungen zu den Sitzungen, die der Gründung der Ortsgruppe vochergingen, und für den •n-ften Tag Schewuoth berief der „Conseil kommunal" — zu deutsch: KultnSvorstan-d — durch die „Schamoßim" die Gemeinde in den größten Tempel der Stadt, nur eine zionistische Organisation für Rhodus zu schaffen. Bor 600 bis 700 Personen sprach ich dort, von denen die meisten noch wie etwas von Zionismus erfahren hatten. Als di« Guneinde von den furchtbaren Leiden unserer Brüder in der Ukraine hört«, da weinten die Männer und die Frauen, und in ihren Tranen vereinten st« sich mit dvm großen jüdischen Vals, von dem sie bisher getvennt gelebt hatten — aus ihren Tränen würde die Bereitschaft zur Hi-lft geboren, die nicht geschehenes Unglück lindern, sondern kommendes Unglück verhüten soll: zu der einzigen Hilfe, di« für immer Rettung bringt: die Arbeit für das jüdische Palästina, für den ZioniSMs. Jerusalem, 20. Juni 1920. Rom, 4. August. Die Besetzung, des Mailänder Rathauses durch die Faszisten hat im politischen Kreisen den tiefsten Eindruck hervorgevusen. Der Innenminister gab dem Prirfekteit von Mailand, strengste Weffumg, für die unverzügliche R ückg a be der St adtv e r wa lt üng an ihre rechtmäßigen Vertreter Sorge zu tragen. Der Präfekt versicherte, alles tum zu wollen, um' die Ochnmrg wieder herzustellen und das Rathaus räunwn zu lassen. Rom, 4. August. (Havas.) Wie die „Tribmm" meldet, ist der Sozialistenkongveß, der am 6. Augnst eröffnet werden sollte, aus Ende des Monats verschoben worden. Di« HaLL««g ILalLerrs. Paris, 4. August. We „Petit Journal" nreldet, hattS' P o i n e a r e gestern mit denr italienischen Botschafter Grasen Sforza eine längere Unterredung über die Haltung, die die italienische Regierung bei der Londoner Konferenz cinzunchmen gedenke. Wie das Blatt erfährt, sei Italien gegen jede^ Maßnahme, die einen weiteren Sturz der Mar k hevbeiführen könnte. In der Frage des Moratoviums teile die italienische Regierung im großen und ganzen den Standpunkt des britischen Kabinetts. U-öber den Streitfall zwischen Griechenland und der Türkei denke man in Rom ziemlich pessimistisch; man befürchte weitere Komplikationen, die durch die Haltung der griechischen Regierung verursacht werden, konnten. Die Orrentfrage. Loudon, 4. August. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Der italienffche Außenminister Schanzer hat Lloyd George mitgeteilt, daß er an der Montagsitzung nicht teilnehmen könne, daß er aber der Sitzung, in der die Orientfrage zur Besprechung gelangen soll, bestimmt beiwohnen werde. Bei dieser Gelegenheit erwenerte er den Vorschlag zur..Einberufung der Orientkonseren^ in eine italienische Stadt. Der griechrsch-LLrkische KsnstikL. Smyrna, 4. August. (Havas.) - Die ANtonomieerklä» rung Smyrnas hat in der mohcünManischen Bevölkemug Bestürzung hervorgerufen. In verschiedenen Städten haben die Türken Protestkundgebungen organisiert, die aber drmch Militär unterdrückt wurden. Es wurden mehrere Verhafi-mkgen voyg'enommen. - Konstantinopel, 4. August. (Havas.) Nach Vtitteilungen von aüS Tschataldscha hier eingetvoffenen Flüchtlingen I dauern die Scharmützel zwischen der türkischen Gendarmerie Md den grwMchen Irregulären fort

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