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Wiener Morgenzeitung · 1922-08-05 · Heft 1262 (5.8.1922) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1262 (5.8.1922)
Date
1922-08-05
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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' Kr. 128A ' - DM, ©ttütSTift! . -.—:>"■.; —•—-—;—1— -:—*-:— Körte „Volksbildung", „Wohltätigkeit" und „gegenseitige Hilfe". Dieser Antrag wrvtde mit ^6'Stimmen der christ- ' Ächen Dernokra-ten'^egen. dre sechs jüdischen Stimmen zum. Beschluß erhoben, stächdembiä Sozialdemokraten und Volks-!soKvalisten sich EdwMstnmnung/enthaLtm Wten. Noch deut- /licher zeigte sich die Entschlossenheit der christlichen Demokraten, die Rechhe/-der u-ationalen Minderheiten illusorisch 5N machen, Lei./der Behandlung des § 90, welcher in den ersten ztse'i Lefmlgen wie folgt durchgegag'en tvar: „Die Ansaugsbildung wird in der Muttersprache, gewährt." Bei-der dpitten Lesung brachten die christlichen Demokraten ein Amendement ein,, mit dAn Zlvecke, die Bestimmung, daß der Unterricht in der-Muttersprache zu erfolgen habe, aus diesem, Gesetzartikel /zu entfernen. Die jüdischen Abgeordneten mit Dr. Solo.lv ejts chik an der Spitze kämpften mit aller Energie gegen diese -sonderbare „Verbesserung", unterlagen jedoch, da' dieser Artikel mit dem vorgeschlagenen Amendement mit 44 Stimmen der christlichen Denrokraten gegen 26 Stimmen der jüdischen Fraktion, der Volkssozialisten rrnd Sozialdemokraten angerunnmen wurde. Der Artikel hat nunmehr folgenden merkwürdigen Wortlaut: „Die AnfaMbildung ist obligatorisch." Rundschau. Die Ratifizierung des Palästina- Mandates. Eine zionistische Kundgebung unter freiem Himmel. Aus Ko wno wird uns berichtet: Am.25. Juli fand auf dem hiesigen Paradeplatz in Anwesenheit von mehr als zehntausend Personen eine imposante Kundgebung anläßlich der Ratifizierung des Palästina-Mandats statt. Es wurden mehrere Reden gehalten. Nach Schluß der Feier auf dem Paradeplatz 'bewegte sich der Festzug durch die Straßen der Stadt vor das englische Konsulat, wo die Menge'begeisterte Ovationen für Großbritannien veranstaltete. Eine Abordnung der Volksversammlung begab sich zum Konsul und.überreichte ihn: die in der Versammlung angenommene Resolution. Das zionistische landwirtschaftliche Budget. 5 Jerusalem, 2. August. (I. C. B.) Die palästinensische Monistische Exekutive setzte die Summe von 116.000 Pfund für landwirtschaftliche Ausgaben in Palästina während des nächsten Jahres fest. Die voraussichtlichen Ausgaben sind auf folgerte Posten verteilte 1. Neue Kolonisationstätigkeit und Errichtung neuer Ansiedlüngsorte. 2. Landwirtschaftliche Arbeiten in den alten Kolonien, Verbesserung bestehender Farmen, Anleihen für Einzelkolonisten Und Anleihen für Jemeniten. 3. Landwirtschaftliche Schulen für Frauen und Mädchen, Frauenfarmen, Verwaltungsausgaben,. Instruktoren, landwirtschaftliche Müssen ufw. Das Budget soll der Jahreskonferenz zwecks Bestätigung vorgelegt werden. Wiener M^senLettüttg. __ Eine Botschaft der englischen Arheiterzarter. v - London, 2. August. (I. C. B.) Der Führer der brit'lscheu Arbeiterpartei James Rämsah Macdonald richtete au das 'I. C. B. aus Anlaß der Natifizierung des Palästina-Mandats nachstehende Botschaft: Die Bestätigung des Palästina-Mandats durch den Volkerbundsrat bedeutet in der Tat ein Ereignis von größter hist0rrscher Wichtigkeit für das ganze jüdische Volk. Die ganze Welt wird beobachten, wie die Juden auf praktischem Wege damit fertig werden, die auf ihre Schultern gelegte Verantwortung durch Zusammenarbeit mit der Regierung zu überwinden, eine friedliche Ansiedlung durchzuführen, ferner ein Konkordat ntit der arabischen Bevölkern n g zu schließen sowie die Ressourcen des alten jüdischen Heimlande.s zu entwickeln. Die englische Arbeiterpartei für die Revision der Friedensverträge. . London, 4. August. (Reuter.)' Die Note Lord Balfours betreffend die interalliierten Schulden wird in Kreisen der englischen Arbeiterpartei. mit Genugtuung zur Kenntnis genommen. Henderson äußerte sich heute in einer in Hey- Wood gehaltenen Rede, daß die englische Arbeiterpartei sich beständig jeder Regelung d^s europäischen Problems widerfetzt habe,, die geeignet tvare, neue Konflikte heraufzubeschwören. Der B,e r s a i l l e r Vertrag sei gescheitert. Es hätte eines Friedens bedurft, der, statt sich auf die Liquidierung des Krieges zu beschränken, allen Böllern Europas die Möglichkeit gewährt hätte, an der Riefenaufgabe der Reorganisierung und des Wiederaufbaues der Welt mitznwirken. Politische Einsicht und poliitsche Ehre, erklärte Henderson, erheischen die s 0 f 0 r t i g e R e v i s i 0 n d e r. V e rt r ä g e. Die englische Arbeiterpartei hat stets anerkannt, daß Deutschland Wiedergntmachilngen. schulde, aber die Forderungen der Alliierten dürfen nicht die Bedingungen des Waffenstillstandes überschreiten. Der Betrag der Wiedergutmachungen hängt von der Zahlungsfähigkeit Deutschlands sowie davon ab, bis "zu welchem Punkte die Verbündeten einen Vorteil davon hätten, diese Zahlung aufzuerlegen. Eine Friedevskundgebnng in Paris. Paris, 4. August. Unter Vorsitz des chenraligen Ministerpräsidenten Paiuleve fand gestern abends im Saale der Socretes Savautes. eine zahlreich besuchte Friedenskuird-. gebung des Kartells der pazasistischen und demokratischen Verbände statt. Irl der Eröfstnmgsausprache erklärte Paiuleve, der Zweck der Kundgebung sei, alle pazifistischen Elemente, ,in welcher Richtung immer ihre Sonderinteressen laufen, zn einerkräftigen ÄNnwtzegen den Krieg -und für die Fostig-ung 'des Friedens zu sammeln. Diesen Gedanken entwickelte eine Reihe von Rednern, darunter Edmond Besnard, als Vertreter der Liga für Menschenrechte, und Dumoulm vom Allgemeinen OZeloerkschaftsverband. Schließlich wurde eine Tagesordnung augenonlmen, die sich 5. rluzust . 1952 ' Seite 3 für die Unterdrück!mg des Militarismus und der Geheim» Verträge ansspricht und die Demokratie und die Arbeiter» schüft auffordert, die Aufrechterhaltung des Friedens in der ^Welt zu sichern,/. ' ' \ .. :) ' Die Konferenz des Obersten Rates. Berlin, 4. 2(11311)1. (Tel. d. „Wr. Morgenze-itung".) Die . „B. Z." am Mittag meldet ans London: Alle Vorbereitungen für die am Morrtag beginnende Konferenz zwischen L l 0 yd G e o r g e und P 0 i n c ar e sind bereits getWffeu. Lloyd George wird bei den Beratungcri den Vorsitz führen, entgegen der bisherigen Annahme werden /außer AußenminifteL Balfonr auch Schatzminister Sir Robert H 0 r n c und aller Voraussicht nach auch Kriegsnlmlster Sir Worthington Evans an den VerhaMungerr tellnehmen. Die erste Sitzung wird Morrtag vormittags stattfmden. In englischen politischere Krisen nimmt man allgemei-rr an, daß die ZusannuenkurifL in der nächsten Woche den Weg. zrr einer u m f a s s e n d c n Konferenz geben ivird, an der auch A m erita teillrehmen wird, um die allgemeinen Fragen der verbündeten Schulden und die R e p a r a t i 0 rr s f r a g e zu diskrttieren, die B alfou r in feiner Note arrgeregt hat. Soweit auf dieser Tagung in. Londorr Entscheidungen gefällt tverderr sollten, werden sie sich wahrscheinlich auf das von Teutsch'laud erbetene M vratoriu'm und die GarantiemaßnahmenHeschränken, die von Delttschland verlangtwerden - sollen, sowie auf die Prüfung der Frage, ob es angängig ist, das Bankierkomitee sofort wieder eingubevnsen, um neuerdings die Arlssichten für eine interuatio-nale Anleihe^ z-u studiereil. Es ist noch imgewiß, ob der amerikanische Botschafter der Konferenz beiwohnen wird. Es Uürd sich diesmal in London nicht die gewohnte große Versanunlung von Politischerl und, wirtschaftlichen Sachverständigen emfinderl. Im Verlaufe der Beratungen kann sich jedoch die Möglichkeit ergeben, daß die Reparatiorlskomnilssion oder das Garäntietonttiee - für' 'besondere NnterhaMungen nach London berufen wird, falls der Versuch nrlterrwmmm würde, konkrete Entscheidungen 51t erzielen. Lloyd George über die Reparatsoneo. London, 4. Angllst. Im Unterhaus wurde Heute .die Debatte über bcu Reparationskonflikt durch Erklärimgen des Schatzkanzlers Hör ne eingeleitet, der für Deutschland eine Atempause verlarigte. A § q ü i t h hält den Bankrott Deutschlarws für iMverrneidlich, w'emr keine Reditzierurrg der Zahlungen auf der Basis des Möglichen erfolgt. Llohd George erklärte, man werde von Deutschland nichts erreichen, wenn man es bedrücke, es gebe dann nur Unruhen, aber keine- Zahlungen, nnd e-i n e R e v 0lution iit Deiltschland tväre für die ganze Welt eine schwere. Gefahr. Es wäre aber auch gefährlich, Deutschlands Zahlnngsfähiakeit z u u nter f ch ätz e n. Am Montag müsse man sich beide 'Erwägungen vor Aügeu halten. England dürfe an der Konfereuz nicht teitUehmen, wenn die Frage auf K oste n E n g l a n d s gelöst-werden sollte. Wir muffen, betonte Lloyd George, gegen Deutschland f ai r sei-n und gegen Frankreich und gegen unser eigenes Volk gerecht. Die Banken geben 6 Prozent Zinsen. Viel bessere Kapitalsanlage ist der Ankauf von englischen Stoffen, Herren'» und Damenwäsche etc., billigst bei [Schiff mann II., TaborstraBe 48 Telephon 47-1-79 En grds En deial Steifebriefe Wien—Palästina. von Wolfgang Weist. Rhodus. Wo sich die Fluten des Aegäischett mit denen des Levmtinischen Meeres vermengen — an der Scheide des griechischen und türkischen Asiens —, taucht aus den tiefblauen Wogen der der Jkarischen Se-e eine Insel auf, die aller Zauber des Orients umkleidet: Rhodus! Sechsunddreißig Stunden lang fährt der kleine französische Dainpser von Smhrna über Chios nach Rhodus -7sechsunddreißig Stunden laug gleitet er durch die spiegelglatte See an den zahllosen Jnselll und Jnstlchen der Sporaden vorbei. Silbern schimnt-ernd ist -das zarte Graublau der tvaldlosen. Höhe, die ans dem Wasser anfragen; siGeru schimmemd sind .die gewältigen Felsengebirge der klemasiatifchen Küste, silbern schiiuniert der Gischt des Meeres, das schäumend vom Bug des Schisses zerrissen wird, und sMrrn schimmert die endlose Bläue der Aegäis fern anr Horizont, wo Luft und Wasser verschmelzen. . Abend wird es./ - Langsam verliert die Sonne ihre sengende Kraft. Feinste Dnnstschichten schweben in der Luft nnd brechen ihre Strahlen. Der glitzernide Silibechauch, der die Welt in Glut vertvandeln wollte, verMvindet; tiefe violette und ultramarmblaueSchatten -reißen in «das grauweiße Gestein der Steilküsten tiefe Klippen und dunkle Grotten. Noch steht die Sonne hoch am Himmel und schon fallen die Schatten der nahen Nacht mrs die Westhänge der Jnst-l Kos, die hinter uns veifinkt. Rote und goldene Lichter zittern auf den Wellen des Meeres, die der Abcndtvmd mit schwachem Schaume krönt, und ans dem roten -Meer rdgt auf einmal weiß und glänzend eine zinnengeirörttic Festung auf: das Kleinod der Aegäis liegt vor mit': Rhodus. ‘ '!! » -I- Getvaliige Mauern. Bier, fünf, sechs Meter dick. Zwei, Rrci, vier Aläuern hintereinander, in mächtigen Basteien vorspringend, an Rhuen Winkeln durch Quepmäuern gestützt und unterbrochen. - Zwischen den Festungswällen tiefe - und -breite Gräben mit prachtvoll üppigen Blmnen, die schattiges Buschw.er! am Boden der trocken aeleaten Wassergräben beleben. Ueber den Mauern von zwanzig zu zwanzig Meter am Hafen, spärlicher, so scheint mir, auf der Landseite, Türme. Das äußerste Bollwerk von schönen, hohen Rundbogenfenstern durchbrochen, deren Zierat das R-hodeferkreuz zeigt. Weiß oder gelb beuchten die Mauern, die fnushundert Jahre überdauerten, als wären sie ein Tag gewesen. Ueber den regelmäßigen, schön gestalteten Zinnen der Mauerkrone leuchtet hellblauer Himmel. Durch die Bogen der -Fensteröffnungen — mannshoch sind sie — flutet das tiefe Dunkelblau des. Meeres. Einzelne. nmttgrüue Palmenwipftl neigen und biegen sich im leichten Wind über dein weißen Gemäuer. sfc Noch heute könnte die alte Feste, die selbst S 0 l i m a n -nur durch Verrat einnehmen konnte, selbst schwerer Artillerie erbitterten Widerstand leisten. Die Italiener allerdings, die im Tripoliskrieg die Insel besetzten, hatten leichtes Spiel. Eine ganze Flotte italienischer' Kriegssahrzenge fuhr vor der Reede auf, eine Jufanterietruppendivrsion wurde ansgebotet, um Stadt und Festung zn besetzen. Die Türken hatten — so erzählte mir ein italienischer Offizier in Rhodus — ein Bataillon und vier leichte Geschütze und räumten die Stadt kampflos. K H * Au dem Osttor der Umwallung leuchtet eine weiße Marmvrtafel: Durch dieses Tor zogen am soundsovielten des Jahres 1912 die italienischen Truppen unter . Führung Ameglws, den Spuren ihrer glorreichen Vorfahren folgend, ein. ist- -!: Seit dieser „Eroberung" blieb die Insel italienisch, obwohl sie zlveimäl, 1913 undwenn ich mich nicht irre — 1919, den Türken zugesprochen wunde. Offiziell ist Rhodus mit seinen 11 Nachbarinseln nur okkupiert, die formelle Annexion dünste aber nicht lange warten lassen, vorläufig HLmühen . sich die Italiener. — - mit viel Erfolg — die Sympathien der Bevölkeruug ftir sich zu geiviunen. Sie tun diel für das Land: gute (italienische) Schulen wurden. eröffnet, die kostenlos sind; Spitäler mit tüchtigen italienischen Regierungsärzten machen den einheimischen i Aerzten gefährliche Konkurrenz; dir in der Türkenzeit ver- - jallenen Balwenkmäler rubinreicher Vergangenheit wurden von Pioniertrnppen restauriert: Brunnen wurden gebaut — und bis heute zahlt der glückliche Rhodestr Biirger keinen Heller Stenern! Kein Wunder, daß er mit der Herrschaft Savoyens zufrieden isr, weder danach Verlangen -trägt, Unter den blau-weißen Kreuz Hellas oder unter dem roten Banner Kemal Paschas seine Haut zu Markt zu tragen. Die Insel ist etwa-1200 Onadrallilmueter groß und hak 4O.O0O Einwohner, also eine Bevölkerungsdichte, die noch kleiner ist als die Palästinas! J-m'Altertum war Rhodus von zirka 300.000 NLenschen bewohnt und könnte auch heute mit Leichtigkeit wieder so viel ernähren, wenn — die -verfallene Garten- -und Terrassenknliur wieder ausleben würde. Das 1240 Meter hohe Gebirge des Atairos ist ganz waldlos: -wie in Palästina hat auch bi-er jahrhundertelange Mißwirtschaft ein Paradies zur Wüste ge-nracht.. Die einst hochberühmte Hmrptstadt der Insel hat heute etwa 20.000 Einwohner, die fast alle in kleinsten Verhältnissen .wohnen:- 10.000 Griechen, 5,000 I nd e n, 0000 Türken;inb ein paar hundert Europäer. Keine Mittelschule, kein Theater, keiir europäischer Kaffee —> ja, nicht einmal ein K-ino! Unter diesen Verhältnissen leidet hauptsächlich die Jugend, und so war trotz der so geringen Bevölkerung, trotz der wunderbaren Schönheit der.Insel nn-d der nicht uugünstigelt Wirtschaftslage bisher eine ziemlich starke Answanderung zu beobachten. In den letzten 3T, Jahren wcmderten etwa 2000 Juden nach Amerika aus, während die Griechen hauptsächlich nach Aegypten (Suezkanal) abwandern. In der letzten Zeit ist die Emigrativnsbewegnng viel schtvächer gewopden, aber noch immer ist verhältyistusäßi.g leicht Boden auf Rhodus zn kaufen. Ein mittelgroßes Bauerngut mit lebendem und totem' Inventar wüvde dort auf zirka 300 bis 400 Pfund Sterling kommen, das ist ein Drittel des Preises, den man in Palästina bezahlen muß. Es gibt auch viel nnbewirtschäftetes Land, das noch billiger käme. :-! Rhodus hat ein -sehr gesundes Klima: Malaria und Trachom existieren kaum, die Hitze wind durch die Moerlu st gemildert. Die Straßen im Innern sind von mannsboben 7

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