Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1922-08-03 · Heft 1260 (3.8.1922) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1260 (3.8.1922)
Date
1922-08-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2979076-2980129-2980340--11895-2998383
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ttäte 4 Men. Donnerstag flüssig gewesen sei. Jedermann hatte ja im voraus gewußt, daß niemand die Rumänen nach Ungarn gerufen habe. Er Bitte sämtliche Abgeordneten, in Zukunft, tvenn ähnliche Fragen einer Bereinigung bedürften, diese nicht immer gleich dem Hause vorzulegen, sonst würde die Nationalversammlung niemals ernste Arbeit leisten können. Die Antwort des Ministerpräsidenten wurde mit überwiegender Mehrheit zur Kenntnis geno:nn:en. Nur eine kleine Gruppe von Sozialdemokraten stimmte dagegen. Die Sitzung wurde um 10 Uhr nachts geschlossen. Der Bund der Mörder. Budapest, 2. August. (U. T. K. B.) Ein Vertreter des teichsdeutschen Verbandes nationalgesinnter Soldaten hat gestern dem ehemaligen Oberleutnant d. R. Ivan Hejjas die Verbandsmedaille auf sch warz-weiß-rotem Bande mit den Schwertern überreicht. Die gleiche Auszeichnung wurde auch dem Vater und den Brüdern Hejjas' zuteil. Pole«. Wahlgesetz und Wahl-ermtn. Warschau, 1. August. (Tel. d. „Wr. MorgenzeiMmg".) In der letzten Sejmsitzung wurde das Wahlgesetz nach heftigem Kampfe durchgedrückt, was nur durch den Verrat der Witos-Gruppe möglich gemacht wurde. Die Vertreter der Arbeiterparteien sowie der nationalen Minderheitengaben Protesterklärungen ab, i-n denen sie gegen das auf die Uebervorteilung der Minderheiten obzielende Wahlgesetz Verwahrung einlegen. Namens der jüdischen Minderheit sprach Abg. G r ü n b a u m, indem er den Witos- Leuten vorwarf, sich in den Dienst der Rechten gestellt zu haben. Sie werden jedoch bald an ihren: eigenen Leibe zu spüren bekommen, daß das neue Wahlgesetz nur der Reaktion zugute kommen werde. Die Wahlen für den neuen Sejm wurden für den 5. November und die Wahlen m den Senat für den 12. November festgesetzt. Einheitsfrout der Juden? Warschau, 2. August. (I. C. B.) In den nächsten Tagen soll hier eine Konferenz von Vertretern aller jüdischen Parteien und Organisationen-stattfm-den, um über den Vorschlag fcx Gründung einer jüdischen Einheitsfront für die Zeit der Sejm Wahlen zu beraten. Vereinigung der Rechten. Warschau, 2. August. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) 'Die Verhandlungen der rechten Parteien haben zu dem Ergebnis geführt, daß die Vereinigung des rechten Blocks zu einem gemeinsamen Vorgehen bei den Sejmwahlen beschlossen wurde. Diesem Block gehören die National- Demokraten, christlichen Demokraten, die Skulski- Gruppe und die rechte bürgerliche Gruppe (Dubanowicz) an. Parteitag des uatisuMuMMs verbäudes i« Polen. . Lemberg, 2. August. (Teli d. „Wr. MrrAMiPstg^) Gestem fand hier der Parteitag des" NäiMäleü BoÜsberbanhes, einer allpolnischen Organisation, stM' an W'skch eine Reihe von Politikern, Abgeordneten und Journalisten aus allen Teilen Polens beteiligte. Man darf diese Konfeist dort die Losung ausgegeben worden: „Kein jüdisches Haus ohne Nationalfondsbüchse," und Smyrna wivd Villvicht die erste jüdische Großsiedlung sein, wo dieses Ideal verwirklicht wird. Eine andere Aktion führen die jüdischen Geschäftsleute durch: jede Geschäftsfaktura wird mit einer Nationalfondsmarke beklebt, dü 5 Piaster (etwa 250 K) kostet. Nal'onalfondskonrmtssü>ucn werden in jeder Schule eingesetzt und in jeder Klasse wählen die Kinder einen. Subkommissär, der für die Arbeit dort verantwortlich ist. Diese Kommissäre werden eine besondere Rolle in dem großzügigen Feldzug für die „JuMä-mnsaktiori" des Keren Kajemeth spielen, Lei der jeder Jude Smyrnas zwanzig Quadratmeter Land dem Nationalfonds schenken soll. Gelingt es den Smyrnisten, auch im Hinterland eine tüchtige Nationolfondsorganisation durchzusühren — in den Nachbarstädten und auf der Insel ChioZ leben etwa 9000 bis 10.000 ■ Juden, die bisher überhaupt noch nichts vom Zionismus wissen — dann ist bestimmt zu erwarten, daß Smyrna' die beste Sammelstelle für unseren Volksschatz werden wrrd. Schr viel Bedeutung legt man der Erziehung der Schuljugend im hebräischen Geiste bei. Die größte Schule SMyrnaS ist die der „Alliance Jfraeilite Universelle", die zusammen mit dem Kindergarten 1100 Schüler zählt; dann kommt die Talmud Thora mit etwa 450 Schülern, größtenteils Waisenkinder, und zwei Schulen der Bnai-Brvch mit etwa 400 Schülern. Ich wohnte dom Unterricht in all diesen Schulen bei und besuchte fast alle .Klassen. Selbst in der Alliance-Schule, die allerdings seit einem Jahre der Gemeinde unterstellt ist, wivd das Hebräische als lebend- Sprache unterrichtet, die Kinder singen hebrälswe Lieder und find auffallend gut Wer die Lage des Zionismus unterrichtet. Ich hatte überall Gelegenheit, mit und zu den Kindern zu sprechen und fand überall eine tiefe/ ehr-' liche Begeisterung Hin die Sache Palästinas. * Schweren Herzens trennte ich mich von der gastlichen Stadt am Golf von Smyrna. Zwei Tage hätte ich dort bleiben sollen und zehn Tage war ich geblieben. Als ich Abschied nahm, schien es mir, als wäre ich schon m Smyrna zu Hause. Eift noch weit von dort bis Erez Israel, aber die Lust Evez Israels weht doch schon bis in die Gassen der Judenstadt Smyrnas, der Dorstadt Palältüms. Tripolis, 9. Juni 1922, " ggtcttcy Mpr-enzettnirq. renz, die einen klerikalen chauvinistischen Charakter trrrg, als ersten Auftakt zur Wahlaktion der Allpolen betrachten. Die.Begrüßungsrode hielt der ehemalige österreichische Minister und Sejmdeputierte Dr. G l o m Ü i n s k i, der auf die Bedeutung der Tagung zwecks Konsolidierung aller echt^natwnalen Elemente des Reiches hinwies. In seinem späteren Referat, über die innenpolitische Situation in BerbindMg der Regierungskrise kam Dr. Glombinski auch auf die Judenfrage zu sprechet:. Er bezeichnete den soeben zun: Beschluß erhobene:? Wahlresormentwurf als überaus gerecht und die in dieser Hinsicht von jüdischer Seite erhobenen Anwürfe als haltlos. Die Beratungen hatten einen streng vertraulichen Charakter. Abgeordnete^ Reizes und der polnische Sejm Warschau, 2. August. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Abg. Reizes richtete an den Land marschall T r o n: Pezynski nachstehenden Brief: Sehr geehrter Herr Marschall! Im Oktober 1919 meldete ich mich bei Euer Hochwöhlgeboren mit der Mitteilung, daß ich an die Ausübung meines Abgeördnetenmandäts heran trete. Aus mir unbegreiflichen Gründen halben Sie, Herr Marschall, diese Angelegenheit dem Verfassungsausschnsst übergeben, der den Abg. Pater Lutoslavski znm Referenten bestellte. Der Sejm hält vor seiner Auflösung die letzten Sitzungen ab und die Angelegenheit wurde N: cht erledigt. Gagen diese in der Geschichte des Parlamentarismus unerhörte Behandlung einer so wichtigen Fratze lege ich feierlichen Protest ein und bemerke, daß ich' nur deswegen nicht energischer eingeschritten'bin, weil ich in das bestehende Chaos nicht noch weitere Beunruhigungen hineintragen wollte. Die Einschränkungen des jüdischen Schulwesens i« Wilna Wilna, 2. August. (Tel. d.-„Wr. Morgenzeitung^.) Die jüdische Gemeinde und alle jüdischen kulturellen Institutionen haben dem polnischen Delegierten von Wilna ein Memorandum überreicht, in welchem die Einschränkungen im jüdischen Schulwesen, beleuchtet werden. Die jüdischen Schulen waren bis zur Uebernahme de- Gewalt durch Polen den übrigen Schicken gleichgestellt, gegenwärtig jedoch sind sie zu privaten Schulen herabgedrückt worden. Die jüdisch-amerikanische Erniyrantenhilfsgesellschast „Hias" und die Behörden. / Aus Warschau wird/Uns gemeldet: Seit einiger Zeit macht sich in Polen eine scharfe Hetze gegen,die Tätigkeit der amerikanisch-jüdischen . Emigvanterchilssgesellschaft „H r a s" geltend, welchechrsher. sthv vieles, für die Wischen Austvcmderer geleistet hat. Diese Hetze,.welche auch von gewissen Schiffahrtsgesellschaften unterstützt wird, wird hauptsächlich von antisemitischem: Seite betrieben, welche die ,^> i a s" des Emigrantenschmuggels aus Sowjetrußland MchAldM- DWftrPrMWMW - M ßuntz der;,Hias"-Abteilung in Rowno geführt, wodurch den.jüdffi^w Auswanderern der größte Schaden zugefügt wurdtz. Nunmehr wird diese antisemitische Propaganda OMlt MMclWaüer Md - ÄWberM richtet. Bon Regievumgsserte nnrßte die Haltlosigkeit de/ Beschuldigungen zugegeben werden, nachdem in Rowno ciu-e ■ Spezialuntersuchung eingeleitet wurde. Die Untersuchung hat ein völlig negatives Resultat ergeben, doch wird nunmehr die Frage aufgeworfen, ob^die Erhaltung von Enligvationsstellen an den Grenzen überhaupt zulässig sei. Von jüdischer Seite wird mit aller Entschiedenheit gefordert, -daß die Erschwerung, der segensreichen Tätigkeit der „H i a s" durch die Behörden eingestellt lverde, weil durch, sie -den jüdischen. Emigrantenmassen der empfindlichste Schaden erüvächst. Rundschau. Das Palästina-Mandat. Weizmann und Sokolow an die Zionisten Polens. -Das Zentralorgan der Zionistischen Organisation in Polen teilte der Londoner Exekutive m einem Begrühungstelegramm anläßlich der Ratifizierung des Palästina-Mandats mit, daß 'die Zionisten Polens sich freiwillig verpflichte n, innerhalb eines Monats der Exkutive zehntausend Pfund Sterling zur Verfügung zu stellen und daß mit der Sammlung dieses Betrages bereits begonnen worden sei. In. Beantwortung dieses Telegramms erhielt das Präsidium des zionistischen Zentralkomitees in Warschau eine von den Präsidenten Dr. Weitzmann und Sokolow gezeichnete Depesche folgenden Inhalts: •> „Wir sind Ihnen für Ihre OpfevwMgkeit in ernster Stunde dankbar. Wir vertrauen mit Zuversicht, daß Ihre Verpflichtung auch in Erfüllung gehen wird. Gerade im gegenwärtigen Augenblick erfordert die Lage in Palästina unmittelbar bedeutende Geldmittel. Wir proklamieren über die ganze Wckt. eine Mandatsaktion zugunsten des Keren Hajessod. Ihr Beispiel ivird den Beweis liefern, , was das jüdische Volk für Palästina zu widmen gewillt ist." Rattstiterunzsfeier tu de« Warschauer Synagoge«. Bon unsttem Warschauer Korrespondenten. Der Sabbath vor dem 9. d.,;der sonst dev Trauer um die Zerstörung des Tempels präludiert, war diesmal der 8. Anguss '1988_ " Nr. 1260 Freude über die Ratifizierung des Mandats für Palästina golveiht. In sämtlichen Synagogen wurden Festreden gehalten und die Zionpsalnten vorgetragen. Historische Bedeutung für das innere-Leben der Warschauer JMn hat auch die Tatsache, daß in der alten Hochburg der Assimk» lation, in der großen Synagoge die Feier besonders imposaut war, und daß diese Feier diesmal nicht erst erzwungen werden mußte, sondern ohne jeden. Druck, von der Synagogenleitung angeördnet wurde. Es war auch das erste Mal, daß die „Tikwah" vom Synagogenchor als Abschluß ' des Gottesdienstes gesungen und von den Anjoesenden stehend angehört wurde. In sämtlichen Synagogen.Warschaus wurden an diesem Sabbath große Spenden, für den Keren Hajessod gewidmet. Ein Artikel der „Now.a Reformer". Unter.dem Titel „Der Iudenstaat" bringt dis Krakauer „Nowa Reform«" einen ausführlichen Auffatz zur Geschichte des Palästina-Mandats und seiner endlichen Ratifizierung. Der Autor zollt den: Idealismus, der Zionisten die vollste Anerkennung, weist hierbei auf persönlichen Opfermut, besonders der zionistischen intelligenten Jugend, beim Aufbau des Landes hin und faßt seine Meinung über die Bedeiltung der Ratifizievrmg des Palästina-Mandats wie folgt zusammen: Wiewohl die Schaffung eines jüdischen Staates in Palästina noch keine Lösung der Judenfrage in ihrer ganzen Ai:sdehmn:g beinhaltet, ist dieft solvohl für die Juden selbst als auch für die Zivrlisaton im allgemeinen ohne Zweifel eine Errungenschaft von größter Tragweite. Der Bau eines eigenen Staatswese:^ wird eine lange Zeit die . Energie des stärksten und physisch wertvollsten Teiles der jüdischen Bevölkerung aller Länder binden und festhalten. '®ie ideellen, aber auch die nmteriellen Aspirationen der Judeuheit halben endlich eine klare, reale und praktische, wenn auch nicht leicht zu bÄvältigende Richtlinie erhalten. Die Kommisfione« des VStkerburrdes. Genf, 2. August. (Schweizerische Depeschenagentur.) Die Konrmissio::' zum Studium der Frage der internationalen Zusammenarbeit der geistigen Arbeiter hielt Dienst tag eine Sitzung ab. Zun: Präsidenten wurde Dergson (Frankreich), zum Vizepräsidenten Mlrrah (England) gewählt. Der Vorsitzende verlas hierauf ein Schreiben Professor E: n st e i n s, worin dieser bedmteri, der Tagung infolge seiner Abreise zu einer wissenschaftlichen Mission stach Japan nicht beiwohnen zu können. Genf, 2. August. (Schweizerische Depeschenagentur.) Unter dem Vorsitze von Theodol: (Italien) trat Dienstag die ständige Mandatskommission des Völkerbundes zu einer Sitzung zusammen.. Die Kommission bestätigte als Vorsitzenden T h e o b o t i und als Vizepräsidenten. van Rees (Holland). Das SerbstbeftiMMUNgsrecht. Lvndon, 2. August. (Westukr. Pvesseag.) Der internationale FritzdenskongMß, der, wie gemeldet, vom 25. bis . |a .IM in^LMMMter deyt Vovsitz W HMWTMk. '"'uUöt'S'"Z'dQöNk>a:ne tagte,, hat in devfMEiWitW poM L6,.Iust Wende Msokütion HWWommeMHH'G .in-- ternotiostale Friedenskongreß beschließt Mit/ MÄMt auf Kextvetevn -A e g y M e u s: Md -O st ga..l i-. z-i e u's^^ vorgebvachte' Ersuchen,^^ daß sowsh! in dieseu^Ländern als auch in-allen anderen Länder::, deren politische Stellung noch nicht präzisiert ist oder umstritten wird, das Selbstbestimmungsrecht baldmöglichst rercüisievt werde." Italien vor dem Staatsstreich. Das FaszkstenuMmatum gegen den Streik. Rom, 2. August. Die Lage im Ausstand hat sich nicht geändert. Der Siraßenbahnverkehr nimmt zu. Die „Patria", das Organ der Faszisten, hat eine Sonderausgabe veranstaltet, in der sie hie Industriellen auffordert, die Ausstöndigen zu entlassen, da genug Arbeitswillige vorhanden seien. Alle Faszisten werden aufgerusen, Mittwoch Mitternacht bereitznstehen, da nach Ablauf des 48 ständigen Ultimatums, an die Regierung mit den schärfstenRePrefsalien gegen den Ansstand werde ' begonnen werden. Der italie«tsche Generalstretk. Mailand, 2. August. (Tel.-Komp.) Der Generalstreik ist in ganz Italien im Abflauen begriffe^ die Beteiligung wivd immer geringer. In Marland haben die Faszrsten den Siraßenbahnverkehr wieder hergestellt und mehrere faszistische Abgeordnete machen Motorführerdienst Einige der von den Abgeordneten geführten Stvaßenbahnivagen wurden von Kommunisten beschossen und mit Steinen bonchardiert. » Die Faszisten erhalten noch immer VevstäMvngen und drohen mit verschärften Maßnahmenfalls der Streik nicht ^baldigst ganz abgebrochen werde. In der Provinz kam es mehrfach zu Zusammenstößen zwischen' Faszisten üud Kommunisten, wobei es mehrere Tote und Verwundete gab. Die Sitvatton de Faetas. Rom, 2. August. (Tel.-Komp.) Die Aufgabe do FactaS zur Neubildung des Kabinetts sst durch den Plötzlich ausgebvochenett Streik, der die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit Menkt und dem Ministerpräsidenten größere HaMungsfreiheit gewährt, wesentlich, e r l e i ch t e 11 worden. Keine der Mehvheitsparteien will nUmnehr die Verantwortung emer weiteren Verlängerung der Regier-ungskrsse auf sich nehmen und auch die bisher unversöhnlichen iKammergrüPPen haben vielfach 'ihren Wider-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.