Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1259 (2.8.1922)
- Date
- 1922-08-02
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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7 7 y*^* v-vs.—? r.' </- -'.; . - . -. . *,*(1*V4,V , . .,i \ <, s Nr. 1269 Wien, Mittwoch Wiener Morgenzeitung. 2. August 1922 Seite 5 Und GLMinge foeS christlichen Kindes in ihre durch jnhrzchnte. lange Arbeit «nchorgebnachten Geschäfte emMsetzen, -beloährt. Dagtäglich spicken sich auch setzt noch in Ungam solche Tragödien jüdischer ExisüenM ab. Tmes der jmvgsten Opfer der HorHh-^ustiz ist di« F-aanMe des Zeitungsverschleißerb Steiner in MiÄolcZ, welche der Jntewievung verfiel, wett sie „destruktive Zeitungm^ feilbot. Der Miskolczer „Reggeli Hir- >lap" schreibt hierzu: Wvr berichteten über den traurigen Fall der Zeitmigsverschleißerfamilie Steiner. Wer sich Mtttworw gegen- 7 Uhr auf der Hauptstraße aufhiett, hatte Gelegenheit^ zu sehen, wie die unglückliche Familie zmn Bahnhof gebracht' wurde, um in das Jmchernierungslager von Zalaegerszeg transportiert zu werden. Steiner, der 25 Jahre h'-^urch unter uns.magyarische Arbeit leistete, nahnr weinend Abschied von der Stadt, in der er wahrend -der Arbeit «in Bein verlor, zum Krüppel wurde uitd wö sein <m8 Möbeln und einigen Kleidungsstücken bestehendes ganzes Vermögen als Freibeule zurüMeiben mußte, wett die Polizei Gm nicht einmal so viel Zeit ließ, um seine klei-ne Habe zu Geld zu machen. Viele sahen den traurigen Zug, sehr viel« besprachen das nichts weniger als christliche Vorgehen der Polizei. Wir wollen hier nur folgendes festnageln: Steiner, den wir kannten, gehörte nicht Sir den Schiebern, sondern war ein von seiner ehrlichen Arbeit lebender Arbeiter wie alle übrigen, die bisher aus unserer Stadt in die Internierungslager abgeschove» wurden. Oejjas vor Gericht. Blumen und Ovationen. Budapest, 30. Aull. <#. E. B.) Vor dem Bezirksgerichte hatte sich, wie schon berichtet, gestern Qbcrleittnant Ivan H ejjas wegen Störung der öffentlichen Rühe zu verantworten, weil er vor einigen Tagen in > einer Rede, die er in einer Versammlung des Vereins 'der Erwachenden Ungarn hielt, erklärt hatte, sein Befehl zur Ermordung der Juden von Jzsak sei nicht sein letzter derartiger Befehl gewesen und er werde fiir Bildapest die Geißel Gottes sein. Das Gerichtsgebäude war von Polizeimannschaft dicht besetzt, um etwaige Kundgebungen zu verhindern. Vor dem Verhandlungssaal halte sich eine stattliche Zahl junger Männer und Mädchen.angesammelt, die Hejjas beim Betreten des Gebäudes mit einem Blumenregen überschütteten« Rach Eröffnung der Verhandlung legte der Sdaatsarttvalt dar, Hejjas habe durch diese seine Aeutzerung zum Mordt angesttftet. Hejjas verteidigte sich damit, seine Aeußerung habe sich gegen jene; gerichtet, die sich in die Landesvechältnisse nicht hineinfinden wollen. Für diese Elemente, welche die TodöSbszillen von Birdapest aus ins ungarische Land verschleppen, werde er wirklich und wahrhaftig nicht bloß tztz,WM Gottes, sondern noch unerbIttIi.cher sein. Der Staatsanwalt legte in der Anklage dar, daß beim Mlitärgericht der BeweH erbracht worden sei, daß auf Hejjas Befehl bereits Morde veMt worden seien. Die Mördev konnten, nicht Verurteilt werden, da sie den Mord ans Befehl Vertibt hatten, Hejjas sei in dieser Angelegenheit darum straflos ausgegangen, weil er A m- Jt estre erhalten habe. Hejjas habe mit der tnlrimi- 'nterten Aeußerung bei einem gewissen Teil der Buda- Pester Bevölkerung um so gerechtere Aengst und Besorgnis ^auSgelöst, als seine frühere Tätigkeit genügend Anlaß Hierzu bot. HejM führte in seiner Verteidigungsrede ans, die Feinde des Ungartmns befänden sich nicht bloß außerhalb, sondern auch innerhalb der Landesgrenzen. Mit Biesen dem Üngarmm ftindlich gesinnten Elementen sei er Mst unerbittlichste verfahren und werde dies auch künftig hin tun. Seine .inkriminierte Erklärung habe er ist diesem Zusammenhänge dahin verstanden, daß seiner jUÄevMMnach auchinZnkunft ähnliche Befehle wie der zur EtmoMng der Juden von Jzfak notwendig istin würden. . Der Gerichtshof füllte den Beschluß, daß HejjaS nicht > wetzen Mrnnader öffentlichen Ruhe, sondern wegen AufreiMNtz zum Mord M Vevantworinng gezogen werden 'müsse, weil er in feimr Erklärung, in Aussicht gestellt -Ham, baß er in Zukunft eigenmächtig gegen die bestehen- Iden Gesetze handeln werde. Ein Urieilüber ein derartiges Verbrechen faüe jedoch nicht in die Kompetenz des Bezirksgerichtes.! Gegen diesen Gerlchtsbeschlußerhob Hejjas den Re- -k n r s« M eie 8aS GmchGgebäM verließ, würde' er von Witter Schar junger Leuts und Mädchen mir Eljenl Rufen begrüßt und etzm junge Dam überreichte ihm eimn Roftzüstrauß. Die rumattische Skkupatiott. .Budapest 1. August. (Lel.-Komp.) In der nrorgigen Atzung dev MtönoXversammlung wird MinisMMst-- dem Gras Bechlen auf die Anfrage, wer stinerM die Rumänen nach Budapest geruseu Ws, Auskunft erMen. Svdam Wörden die Mitglieder des stinerzMgM Kabinetts Friedrich zu. der AnMMheit Stellung nehmen, schließlich bürste noch der' Führer der SoMdemormtm MdL die in stimm Besitz Ländlichen DokumeM über bk rumänische Okkupation dem Hauseunterbrettsn. Mitteilungen aus dein Publikum. Bruno Rabinowitz und Frau zeigen die glückliche Geburt eines Sohnes an Wien, im Ab 5668 VÜ74 Zionistische Bezirkssektion »L a n d s 1r a s s e« Jüdische Tischgesellschaft »Landstrasse« Donnerstag den 3. August 1922 (9. Ab 5688) um 8 Uhr abends findet Im Cafd Gartenbau, Parkring, Souterrain, eine Ratifizierung1 statt, anllssllch der fies Palaotina-Mandates "» Gäste willkommen! 65T5 PMftina. Das SLaLat der Mischen Gemeinden genehmigt. Jerusalem, 30. Juli. (I. C. B.) Sir Herbert Samuel verständigte den Wkäd Leumi von der durch ihn erfolgten Genehmigung des Statutes der jüdischen Gemeinden int Lande und der Konstitution des Waad Leumr als Repräsentanz dieser Gemeinden. Beide Statuten wurden gemäß deren Formulierung durch die Assafath Haniwcharim unverändert genehmigt. Die Promulgterung beider Verordnungen wird sogleich nach der Sanktionierung durch das britische KolonialaMi erfolgen, worauf sie auch in Kraft treten werden. Rundschau. uMttiT'l attmam amUum Nie wieder? Krre<si l Paris, 1. August. (Wolfs.) Eine Reihe pazifistischer und demokratischer Vereinigungen hat bereits gestern abends zum Jahrestag des Kriegsausbruches eine Kundgebung veranstaltet, zu der unter anderem die Sozialistische radikale Partei, die ftanzosischen Freimaurerlogen, die ständige Delegation im Friedensgesellschasten, die Liga für die Republik, di« Liga fiir Menschenrechte und der Allgemeine Gewerkschaftsverband (C. G. T.) Vertreter entsendet hatten. Den Vorsitz, führte P a i n l e ve. In einer nach Schluß der Versammlung angenommenen Tagesordnung schließen sich die Teilnehnckr all den Kundgebungen an, die in anderen Ländern von den pazifistischen und demokrattscheü Bereinigungen und Verbänden veranstaltet worden sind. Weiter heißt es in der Entschließung: Angesichts der Gefahrendie fünf Jahre nach dem Kriege noch den Frieden bedrohen, und im Hinblick auf die Hartnäckigkeit der mtteinanisrr rivalisierenden I m p e r i a I i st e n setzen die Verbände ihre Hoffnung aus eine internatlönale Organisation mit Einschluß sämtlicher Völker, die nicht vön den Regierungen, sondern von den Völkern ansgehen, die Geheimverträge und den Mkitarismüs abschaffen und durch geeignete Sirasmaßnahmm jede widerspenstige Nation entwaffnen sollte. Ueber den Kopf der Regierungen Hinweg appellieren die Verbände an die ganze Kraft der Demokratie und der Arbeit in den Völkern. TrotzLy über die Konferenzen in Genna nnd Haag. Moskau, 80. Juli. (Rosta, Wien.) Im Verlaust einer Unterredung mit einem italienischen Jouvttaliften. erklärte Trotzt y, daß die. Konferenzen von G'enua und Haag den Be-iveiS erbracht hatten, daß die bisherige Gewaltpolitik fortgesetzt wird. Dis derzeitigen RsgievungeN der europäischen Staate:: denken gar nicht ernstlick' an die Wiederherstelltmg ndrrnaler tv^rtschaftlichtt Beziehungen zwischen den einzelnen Ländern. Eine Folge der Ergebnislosigkeit dev Konferenzen von Genua und Haag werde eine chronische Wirtschaftskrise tot den Ländern Europas A«» der E«tr«te>tzS»»Uchkrit. London, 1. August. (Lel.-Komp.) „Morning Post" Mt mit, baß die englische Regierung nach längeren Be* natWgen beschlossen habe, an ihre Vevbündetsrt eine Kollektivnote zu senden, in der die Verantwortung dafür, daß England die Schulden seiner Verbündeten nicht annnMeren könne, den Mreinigtsn Staaten zugeschoben wird. . . London, 1. August. (Tel.-Komp.) Poinea^eS unabhängiges Vorgehen in der Frage der monatlichen Zahlungen Deutschlands für die Privatschulden wird in englischen Kreisen heftig kritisiert. IO Gegensatz zur allgemeinen. Anstahms wird diese Angelegenheit nicht von der Retzarationßkvmmisston, sondern von vier HandelsstchverMMgen erledigt. -DaS Resultat des Vorgehens Frankreichs sei ein weiterer schwerer Marksturz gerade in ver 'Mt, ÄS Dv. Wirth hie Frage erwögen hätte, ob Deutschland iu dissem Jahre überhaupt noch um Wsnahme in den Völkerbund nüchsuchen solle. In BeÄtn wisse.Man wchlj daß England ein weiteres Hinausschieben drtz Aufnahmsgtsnches Deutschlands nicht wünsche. Die Londsuer Konferenz. Paris, 1, August. (Tel. d, „Wr. Morgenzeiümg".) Del Vorschlag Lloyd Georges,, den .Beginn der Londoner Ver^ Handlungen auf beit 7. August festzusetzen, ist dem frauzösi^ scheu Mlnisterium des Amßern durch den Botschafter in London übermittelt werden. Am Quai d'Qrsay wurde gestern abends den ' fmnzösischelr Pressevertretern erklärt, Pointare werde das vmt Lloyd George genannte Datum aller Voraussicht nach aunehmen. Nach dem „Petit Journal" dürste die Zusaimnenknnft mehr dem Charakter eines persönlichen Meiunngsaus-- tMtsches haben, und nicht zu endgültigen Beschlüssen führen. Lloyd George wünscht, nach den Eingaben des von Loucheur inspirierten Blattes, daß die Mächte int SepterNbev zrt einer Konferenz des Obersten Rates zusammen^ treten, nur die Repamtionssrage sowie die anderen Probleme zu besprechen. In Erwartung der endgültigen Lösung der Reparationssrage soll Deutschland nach denr Vorschlag Lloyd Georges ein provisorisches Moratorium fiir die nächsten Barzahlungen bewilligt werden. Die Note Deutschlands an Frankreich. Ablehnung der Zahlungen. Berlin, 1. August. (Wolff.) Die Antwortnote der deutschen - Negierung auf die französische Note vom 26. Juli 1922 hat folgenden! Wortlaut: Das Abkonvmen über die Ausgleichszahlungen vom 10. Jnrti 1921 ist von Deutschland nicht mit einzelnen Mächten, sondern mit der Gesamtheit der bsteiligten alliierten Regierungen abgeschlossen worden. Demgemäß ist die Note der deutschen Negierung vom 14. Juli d. I., die der französischen Negierung bekannt ist, gleichzeitig an die anderen hauptbetoiligten Mächte gerichtet tvorden. Die deutsche Negierüng kann sich Wer ihre wettere Stellungnahrne aus diesem Gmrrde erst schlüssig machen, wenn sich alle beteiligten Regierungen geäußert -haben. Eine andere Haltung ist hier auch angesichts der in ultimativer Form ange- - drohten, nicht näher bezeichneten Maßnahmen Frankreichs nicht möglich. Indem sich die deutsche Regierung ein weiteres Eingcheu auf die Sache selbst Vorbchält, bemerkt sie schon jetzt: Die Zahlungen, die Deutschland im Ausgleichsverfahren und aus Artikel 297 E leisten muß, können letzten Endes nur aus derselben Quelle geschöpft werden wie die ReparatlonKzahlungen, gleichviel ob eS sich um Schulden des Reiches oder mn Privatschülden handelt. In beiden Fälleir bleibt die Notwendigkeit der Herausnahme von Devisen aus der gesamten deutschen Volkswirtschaft die gleiche und für die Wirkmtgen dieser Operation auf den Markkurs, ist es ohne Bedeutung, an' welcher Stelle und auf Grmtd welches Paragraphen die Zahlung erfolgt. Wenn die ibeut*; sche Volkswirtschaft die GnHiehung von monatlich 50 Mil-; Ihnen Goldmark für Reparationsgahl'UNgen nicht tragen kann, so wär es eine Illusion, zu glauben, daß die Aus-- zahlungen von fast 40 Millionen GoldmarE monatlich' weiterhin aufgebracht werden können. Alle diese LetsttM'gsn können nur als ein einhsMches Ganzes betrachtet und m . einem einheitlichen Plane behandelt werden. Der deutsche Antrag, der nicht eine Kürzung .der AuKgleichSzaihlMtgen, sondern lediglich ihre Verteilung auf einen langen Zettmum bezweckt, bemht auf denselben Gründen, die für die deutsche Regierung bei ihrem Antrag auf Gewährung eines Momtoriuncs für die Repavationszahlungen maßgMnd gewesen sind, nämlich der derzeitigen Erschöpfung der Fähigkeit Deutschlands .zu Zahlungen in ausländischer Wahrung die k dem katastrophalen Niedergang der Mark dsuMch zum Ausdruck -kommt. Inzwischen ist nach fom Eingang der Note ein neuer Sturz der deutschen Wähmng eingetreten und die Mark bis auf ein Hundertstel ihres Friedenswems ge- Deutschland uiacht alle AnstrengMgen, um seine aus dem Krieg entstattdenen VerMchtmgett zu erfüllen. Hierzu ist Mer vor allem die Gesundung einer Volkswirtschaft notwendig. Diese wirtschaftliche Wiederherstellung wie die ganz Europas hm jedoch nirr erfolgen durch M alsbaldige solidarische Zusammenarbeit aller beteiligten Mächte. Eine Politik der Drohungen wirkt nicht wiederausbau>end, sondern zerstörend. Die Fi«a«zKontrolle. Paris, 3Ü. M. (WM.) „PM Portfim" l«!t miii Das GavantiekoMtee hat dm ersten Teil des Berichtes der Repamtionskommiffton übwgedeit. Gr enchUt ein Exposee über die Finanzkontrolle Deutschlands, fügt jedoch den: bereits veröffenttichten Schriftstücken wenig Neues hinzu. ' Das KkRtsche WüratveiuM Paris, 1. August. Der Londoner Korrespondent des „Petit Paristm" meldet, Lloyd George wünsche vor allem, bür Frage des Mw x n i ö 11« nt 3 zu lösen und am Bedingungen, und Dauer gemeinsam mit Poincare jusetzen. Lloyd George glaube den Zeitprmlt noch nicht gekommen, um die gesantte ReParattynSfrage snzuschneidtn, die mit den Mteralltterten Schulden in engem Zusammenhang stehe. Zum Gchutz -«« deutschen Republik. Berlin, 1. August. <Wolft.) Der Minister des Jnnerrr ^lt auf Gmnd des Gesetzezum Schutz der . Republik den Berliner „Lokalanzeiger" aus die Dauer von drei Wochen verboten. As» eröffnet! f iiimtp iiifwuHiuui&y16 Neu eröffnet! •^ön orlefiiial ertfi'liaob.ea LLsrrsrimx teilliMaa. JÖtöfitia.uixfiröMeiaeo. I