Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1259 (2.8.1922)
- Date
- 1922-08-02
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Geile 4 Wen. Mttkwoch vere tun: sonst hat er haS Recht verwirkt, sich ßn bcjj tjfertf, sengen zu zahlen. Heute gibt es nur.eine. Parole:- ' '' Der Keren Hajessod Sagen Sie, schließt der Redner, daß Sie zu uns. gehören. Opfern Sic! So antworten auf die Ratifizierung bei Palästina-Mandats die jüdischen Massen, die zionistischen Massen in Wien. (Stürmischer Beifast.) Als nächster Redner sprach Rabbiner F r i e d m a n u, der eingangs seiner Ausführungen dem jüdischen und arabischen Volke seine Glückwünsche überbringt. In diesem Augenblick, fährt Redner fort, dürfen wir der zwei Männer nicht vergessen, die das Programm Theodor Hetzls zur. Tat tverden ließen. Trotz vieler Angriffe haben Chaim Weitzman und Nachum Sokolow treue LLacht.im jüdischen Lager gehalten. Ihre Namen tü-crtou nicht vergessen werden. Es sind jetzt 1852 Jahre her, seitdem jener letzte heldenmütige Kampf unserer Ahnen in den Straßen Jerusalems zur Erhaltung des Judentums gest'ihrt wurde. Ein furchtbares Blutmeer kennzeichnet den Weg, den tos jüdische Volk seit damals gegangen ist. Im Laufe der Jahrhunderte durchjuiften die ewige, schwarze Golusnacht hofstnurgSvolle Strahlen. Das zu Tode gemarterte Volk erhob sich mit allen Kräften, fand aber eine Welt von Feinen gegen sich und unterlag. Jetzt ist uns die Möglichkeit gegeben, ein jüdisches Heim zu errichten, und wehe und, wenn wir uns diesem Moment nicht gewachsen zeigen. Zm Kriege haben wir Gold gegeben für den Tod. Die Geister der Gefallenen erstehen vor uns und rufen: „Gebt Gold für das Leben — für „Erez Jsrael". (Stürmischer Beifall.) Oberbcmrat Robert Stricker schloß hieraus die Versanuulung mit folgender Ansprache: Bevor ich die heutige Versammlung schließe, halte ich es für nottveudig, auf einen Umstand zu verweisen, der bei allen unseren Unternehmungen deutlich in Erscheinung tritt. In die Freude über den errungenen Sieg mischt sich bei uns ein Gefühl der Bangigkeit, ob das üdische Volk uunnrehr die vor ihn: liegende Aufgabe wird erfüllen kötvnen. Man hört es durchklingen, das jüdische Volk sei gleichgültig und zu wenig aufgewühlt von dem Gedanken deö Wiederaufbaues Palästinas. Es ist ganz gut, solche Reflexionen cmzustellen, ivenn sie dazu dienen, uns in unserer Arbeit anzuspornen. Es ist aber sehr schlecht, wenn wir in diesen Reflexionen so weit gehen, daß sie uns den Mut nehmen und wir an der Möglichkeit der Arbeit verzweifeln. Es muß daher klar hermrsgesagt werden: Der Zionismus ist heute nicht eine Sache dos ganzen jüdischen Volkes. Ueber diese Feststellung kommen wir nicht hinweg. Man muß die Phrasen von der Wirklichkeit trennen. Es war in unserer Bewegung vielfach die Meinung verbreitet: Was können wirk ausrichlen, wenn nicht alle' ckit uns gehen.' ' ' - - -»' Aber wir können nicht. warben,.-.ör's $U|J zu uns kommen. Wenn tyir^Hdann wird Erez Israel nicht , wir gswartet und es immer billige uÄ billiger g^'ehen . hätten, bis der Zionismus ' allen eine sehr angenehme Sache geworden wäre, wäre das Palästina-Mandat u i e ratifizier! worden. Es muß auch weiterhin möglich sein, daß eine geschlossene üöerzeugungstreue Gruppe, auch wenn sie in der Minorität ist, das Land aufbaut. Warten, bis alle mittun, heißt: Ter Ausbau wird nie dgrchgesührt werden. Wir werden hierzu imstande sein, wenn wir es wollen, und zur Tat übergehen und mit der Tat bei uns selbst beginnen. Damm, ob die anderen ihre Pflicht tu« oder nicht, hat sich der einzelne nicht zu kümmern. Er hat sie unbedingt -zu tun. Unsere Ziele haben wir errungen, g e g e n die Majorität. Aber wir dürfen nicht in eine lässige Ruhe- und Siegesstrmmung kommen. Vkw uns sieht die harte Arbeit, an uns selbst und aus unS selbst heraus das größte Opfer zu dringen. Wenn dieser Grundsatz bei uns zum dollen Durchbruch kommt, dann können ivir hoffen, daß eine kleine aber entschlossene Majorität Erez Israel aufbauen' wird. (Stürmischer Beifall.) Durch eine an Ort und Stelle vorgenommene Aktion wurde ein bedeutender Betrag für den Keren Hajessod aufgebracht. Große zionistische Manifestation. Aus Lemberg wird uns berichtet: In imposanter Weise hat die Lemberger Judenschaft in em-rr Massenversammlung am 29. Juli ihrer Freude über die so lang erwartete Bestätigung ^des. Palästina-Mandats Ausdruck gegeben. Es war eine Kundgebung, wie wir ihrer hier seit vielen Jahren nicht Zeuge waren. Schon geraume Zeit vor der angefetzten Stunde staute sich eine vieltausendköpfige Menge, in der alle Kreise der jüdischen Bevölkerung, Orthodoxe im<b Fortschrittler, Intelligenz und Proletariat, vertraten waren, vor dam „Dom Navodny". Ein großer Teil der Anwesenden fand keinen Einlaß mehr und blieb wahrend der Bersannnlung auf der Straße. Ls fanden gleichzeitig zwei Versammlungen, eine im Saal, die zweite im Hofe statt. Es sprachen, zum Teile hier und dort, der Präses des zionistischen Lokalkomitees Dr. Ringel, der Vizepräses der Landesexekutive Dr. Schreiber, Redakteur F r o st i g, Dr. G e y e r, der Sekretär der Keren- Hajessod- Zentrale Rösenzweig, Direktor Kölker, Ingenieur Feuerstein und andere. Alle Reden, die der Größe deS großen AtrgeMicks vollauf gerecht wurden, fanden stürmischen Beifall. Die an 'die Adresse der englischen Regierung und der zionistischen Leitung in London gerichteten Dank- und Glückwunschvesolutionen gelangten einstimmig zur. Annahme. t __, ■ - dLtmMUM tölückwiknscho Herbert SamucH. Äftirf de^Paad ■ ■*' ■{'*'■■■'*■ ■' Lemni. ' ' " " ", A , Jerusalem, 30. Juli. (I. C. B.) Der High Comnnssi-mer, Sit Herbert Samuel, soudete anläßlich der Ratifizierung des Palästina-Mandats ein (Mckwunschtelegramn: au ,die zionistische Exekutive kr Palästina. , Der Waad Leumll, sandte Gratulationen und Danksagungen an Lloyd, George, an Lord Balfour, Churchill, all den Völkerbund, an-Baron Edmund Rothschild sowie an Moitzmanu Und Sokölow. Die Juden an-ie Araber. Jerusalem, 30, Juli. (J. C. B.) Das Nationalkomitee, der paläst'menstschgN Juden (Waad Lewmi) erließ vme besonder e Manidatsproklamation an die arabische Bevölkerung Palästinas, rn wacher .'sie zur Zusammenarbeit mit der jüdischen Bevölkerung für das genreinsame Wohl des Landes eingeladen wird. Die Exekritide:des arabischen Kongresses für Palästina, teilt ihren weiteren Widerstand gegen die gegenwärtige Form des ratifizierten Palästina-Dtauda ts mit uyd kündigt die Einberufung eines Kongresses zur Abwehr der zionistischen Gefahr an, sobald die ^arabische Delegation aus London zurückgekahrt sein wich. FLnarnMlrrLster Grqur in Praq. Prag, 1. August. (Tschecho-flowakisches Preßbureckü.) Die am 31. Juli begonnenen Verhandlungen' zwischen dem Fmanzrnmister Novak und dem österreichischen Bundesfinanzminister Segur wurden heute beendet. Ueber die in der letzten Session der Nationalversammlung bewilligte Freimachung des restlichen Teiles des Kredits wurde eine Einigung et^ielt. Außerdem wurde über die Durchführung der am 31. August 1920 mit Oesterreich getroffenen Vereinbarung über die Nostrifizierung der Produktions- und Verkehrsunternehnrungen, weiter über Fragen, die Mit der Liquidierung der Oesterreichischnnaarischsn Bank und der Eröffnung einer neuen Notenbank Zusammenhängen sowie auch über einige lausende, beide Finanzressorts betreffende Angelegenheiten verhandelt. Der österreichische Bundesfirraiiztmutster reist morgen mittags nach Wien zurück. Das, Notr^haRkftatut. Scharst Stellungnahme der Deutschen Bauernpartei. . Ä)ie die Korrespondenz Herwei ans Salzburg berichtet, fand dort gestern eine Beratung des Gesamtvorstandes des Landbnndes für Oesterreich und der Deutschen P.-^rnpariei, " i onAM } MrMtziMtzeHWnWlän erörtert. Bei Be jprrchuntz-W. Rötere tohMstuMHMe sich -ein Myaster Unwille gesteM^rnh ,xs. AaMe "fbkgöW Entschließung zur 'emstimmiMn' M,ähnlet ' ‘ rcchtiKcn Forderungen' der Deutschen,Ba-ller>iparsti nach ve^ hältnismäßiger Vertretung der Landwirtschaft in Generalrate der Bank, sowie Sicherstellung eines hinreichenden Recrlkrvdites in keiner Weise Rechnung getragen wurde/' Die Vertreter voÄ HaRdeL, Industrie rrnd Gewevbe beLnr Bundeskanzler. Wien, 1. August. Heute erschien unter Führung des Präsidenten Krause beim Bundeskanzler eine größere Abordnung, bestehend aus Vertretern des Ni ederösterreichischen Gewerbevereines, der Kammer für Handel und Gewerbe und des. H a u p t v e r b a n d e s d e r I n d u st 11 e, die die Auswirkung der neuen Devisenverordnung, namentlich aber der Verfügung, daß die Exportvaluta an die Devisenzentrale abzusühren ist, darligte. Der Besprechung wohnte in Vertretung des Finanzministeriums Ministerialrat Doktor Bartsch bei. Der Bundeskanzler kündigte M die nächsten Tage die Fortsetzung derartiger Besprechungen an, die aus den ganzen Komplex der wirtschaftlichen Tagessragen ausgedehnt werden sollen. Ei«e Gaglandrer^e Dr. No-enbev-ls. Der Generaltat der Anglobank Dr. Rosenberg beabsichtigt, demnächst ach London zu reisen, um die Frage der Verpfändung der österreichischen Aktiven für eine Anleihe zu klären. Alkshülverbot in Graz. Graz, 1. August. Die Obmämrkonfcrenz deS Gemeind?- rates hat beschlossen, >der Sandesvegierung vorzuschlageu, von Samstag, 2 Uhr nachmittags, bis Montag, 6 Uhr früh, den Ausschank von alkohlisch«n Getränken im ganzen Laüd, zmnmdest jedoch i n G r a z und den UmgeibunggEinden, zu u n i -e r f a g e n. Der Dürgermeisber hat bereits einen solchen Antrag an die LandeSregiernng gestellt mit tont Ersuchen, ihn insbesondere dann durchzufühven, wenn die Wern verlaut« barten, Verfügungen gegen die Trunksucht nicht den gcwüns hten Erfolg haben sollten. -der Umbau de? Faasbratker Sübbahn» hofe». Innsbruck, 1. August. Wie das „Alpenland" meldet, fand Samstag mit Rücksicht auf den notwendigen Umbau die kommissionelle Begehung des hiesigen Südbuhnhofes statt, -n der Verkehrsminister.Dr, Odehnal mit Fachrefereuten. Vertreter der Südbahn, des Landes und' der 2. August tv88 Rr. 1S6S Stadtgenkeinde sowie eine Anzahl von Nakionalräten teilnahmen. Die Vertreter aller drei Parteien sprachen sich für die rasche Lösung der Umbaufrage aus Und erklärten es als ausgeschlossen, ton Bahnhof zu einem italienischen 61 emeinschaftsbähnhof uMztrgestalten. Der Minister sowie die Fachreferenten gaben die Notwendigkeit eines raschen Umbaues zu und versicherten den Kommissionsteilnehmern, daß sie das Werk mit allen Mitteln fördern wollen. , BrrrHrsMndtscheö Lan^tsg. Cisenstadt, 1. Äugusti In der henttgen Sitzung des Landtages kündvte Landesrat Dr. Hoffenreich bei Einbringung frei Gcmei'ndewahlordnung die Vorlage eines demokratischen ^ezirksverwaltungsgesetzes an. , Äbg. Vas (Unabhängige Bauernpartei) brachte einen Dringlichkeilsantrag ein, worin auf die Agitation des Grafen Sigrah hin gewiesen Wird, der ineiner Versammlung erklärt habe, daß das Burgenland vont o st e rreichischen Joch befreit werden müsse, Zugleich verlangt der Antrag die A u s w eis u n g der ungarisch gesinnten ehemaligen ungarischen Beamten. Abg. Wolfs (Großdeutsch) fragte an, wieso es komme, daß die ungarische Bandenführerin Gräfin E rdödy dieser Tage in Wien gewesen,sei, ohne daß,sie von der Sicherheitsbehörde belangt worden wäre. Seitens der Unabhängigen Bauernpartei würde ein Antrag vorgelpgt, wonach die Schulen im Burgenland nach öfter re ich is chem ' fett st er ümgewandelt werdet! sollen. Der Landtag nahm einen Gesetzentwurf betreffend die dienstrechtliche Stellung einzelner. Beamtenkategorren an, ferner Gesetzentwürfe betreffend die Schaffung eines Ländeswappens und di<t LaüdesfctrM. Als ÄtndeSfarben wurden r o t und g o I b festgesetzt. pU Maredni-AKgelegeMert. Wie aus Kreisen der Technischen Union bekanntgegeberl wird, wird ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuß in der Marconi-Angelegenheit unter ByHtz...M^MyisterS^... Odehnal eingesetzt tverden, der Ende dieses Monats mit der Untersuchung beginnt. ' . , . Angarn. ' Kei«e Zeit»ng»m»tzre>el»««e»! . i Budapest, 1. August. In fochg-esetzter- Ver^m!^n^1>er Budgetprovisoriums wurde, in dtti -die oingc-brachten Befchürhanträge ab^t.immf . - , , > fJ, , Zn dem Befchlußäntvage tos Mg. E ckh.ä rbt,Honä^ 'Gr': Tagesblätter „Bilag", „Az 'Vst"' N<^plo" irW „Magyarorszag" einzustellen ssi'M, , äußert« sich tor, Mkrilsteopttffidetzt BoxtoraiAng. Hr AevoMiön ^Wgenom 'vorwie^JchAHM GMzeff ' tür' — die MnsteMtg ' ' PlaHUW^MenS'i'ftsi. die^ 'EUMHH Hon "MKA 'GtzsMEchövvM.'M'efstL ndME-WeKHMfl., ... die dieses Recht niit menmud teilen Mrto. Sine derartige Weisung seitens Mnmischaudg in die Tätigkeit der Regierung. Der drS Recht der Einstellung Von-Hlitungen in westherMter Msie zu handhabcu. Der Ministerpräsident ersucht ton Äntvagsteller,, sÄnen Be-schlußa-ntrag -ürückzustOen. .; - - Wg. Eckhardt zieht seinen Antrag rnÄ de«. Bemerkung zurück, daß er Bertvanen zum Patriotismus und zur Energie der Regierung habe. Das Haus geht svd'lmn in die Spezialdebatte des Budgetprovtsortums ein. : Der NuMerag o1a.usus bleibt arrsrecht. Budapest, 1. August. (Tel. der „Wiener MoramtzeMng''.) Unter ton Deschstlßanträgett, welche in der letzten Sitzung der NatioMversammlung jut Abstimmung gelangten, befanden sich aitch einige die Jutonfräge betraffento Anträge. Der Atttrag D'rozdys auf Abschaffung des Numerus elaiffus wuvde abgelehnt, wobsi die sogenannten liberalen'' MiWeder der Einheitspartei vor der Mstiminntig feige die Fltlcht ergriffen. Es sind dies-jene Altstberälen, die sich Um ton Äbg. He i nr i ch gruppierten iurb von dem gewesenen Kultuspräsidenten Franz Szekely anläßlich der Wahlen moralisch und finauzkell unterstützt wurden. Graf Bet hlen lehnte ton Antrag mit der jesuitischen Begründung ab, daß diese Frage nicht so nsbettbei erledigt werden könne. Andererseits wurde auch der Antrag G ö m» b ö 8', das Statistisch« Amt aufzufordern, den Anteil der Juden am ungarischen Bodenbesitz festzustellen und ton Bericht tont Hause vorzulegen, ab ge lehn t. Die Ablehnung ' dieses Antrages dürch den Ministerpräsidcnten erfolgte in auffallend schroffer Meise, indem er Gömbös einfach empfchl, sein« Ne»" gierde durch Einsichtnahme in di« eiüschlagigen Tabellen des Statistischen Amtes zu Men. Man will ans dieser' Haltung BethMs'-iveniger auf fsiuen EnffckM', ton Juden eine Konzession zu machen, als vielmehr ans seine Absicht, von Gömbös allmählich abzurückeu, schließen. Auch die übrigen liberalen Anträge, auf Aushebung der In ter n i e r n n g Slager nsw. erfuhren von der Majorität bas Schicksal der Ablehnung. Die I«ter«irriingsschande. .Budapest, 1. Augusts (Tel. der „Weiter Mörgenzettung"., Graf B et h len und' feine Ministerkollegen tos Jnnertt und tor Justiz strärtben sich mit, Händen und FüßeN (\y\\ die Fortovung der Opposition..di« Internierungen in Ungarn i einzustellen. Das ist begreiffich. Di« JnterniwUng htt sich als ' ausgezeichnetes Mittel, jüdische Ka-ufleute zu beseitigen t