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Wiener Morgenzeitung · 1922-08-01 · Heft 1258 (1.8.1922) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1258 (1.8.1922)
Date
1922-08-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Wiener Morgenzeitung._1. August 1922 Sei Der amerikanische Oberst und ie ungarischen pogromWen. Ernst Garamis DenkVLrdrgkeiten> Ernst Garaminder Führer der ungarischen Sozialisten, der seit den Tagen der Schreckensherrschaft Bela Kuns .in Men lebt, peröfftnttichte vor kur'zem seine Denk? Würdigkeiten. (Pegasusverlag, Wien, 1922.) Ohne literarische Effekte, ohne Pathos , und Schwung erzählt er sachlich in scharfen Umrissen die Geschichte der schicksalsschweren Tage seit-dem großen Umstürze in Ungarn. Ernst Garanri will Material für den zukünftigen Geschichtsschreiber liefern, der einmal diese kritischeste Epoche des magyarischen Schicksals wissenschaftlich darstellen wird. Er . streift daher auch den Partermann ab und beurteilt mit gleicher Objektivität all die Männer — gleichviel, ob sie ihm nah oder fern stehen —, denen das Schicksal Ungarn anvertraut hatte. Da er seit den'ersten Tagen der Revolution bis zu seinem fteiwilligen Exil als einer der leitenden Staatsmänner tätig tvar, kann er über alles aus eigener Erfahrung berichten. Sein Buch ist aber dennoch^ keine trockene Sammlung geschichtlicher Ereignisse. Es wird unter seiner Feder zu einem lebendig bewegten Bilde der jüngsten magyarischen Vergangenheit. Auch an packenden Details mangelt es dem trefflichen Werke nicht. Es ist ergötzlich, in Garamis Büch nachzulesen, wie s Stephan Friedrich, * der Vater des weißen Terrors und der offiziellen Pogromhetzen in Ungarn, zur Zeit der Oktoberrevolution um die Gunst der jüdischen Bürger der Ungarischen Hauptstadt buhlte. Als Staatssekretär des ersten revolutionären Kabinetts brachte er int Mmisterrctt allen^ Ernstes einen.Vorschlag ein, in dem er die Organisierung z i o n i st i s ch e r G a r dem Mn -Schutze der Republik empfahl. Derselbe Friedrich, der wegen dieses Vorschlages gestürzt tvrtrde, hatte ein Jahr später mit seinen Hetzreden die Wut der ungarischen Pogromisten gegen das zionistische Judentum entfesselt. Auch das Kapitel, in dem die erste Zusaurrmrikunst Nikolaus Horthys, deS Befehlshabers der Nationalarmee, mit den Führern der liberalen Parteien erzählt tvird. ist reich an dramatischen Moinenten. Die historische. Zusammenkunft fand auf Wunsch Sir George Clerks, des High Commisstoner der Entente, statt, den der Oberste Rat mit dem Aufträge nach Ungarn gesandt hatte, dem weißen Terror ein Ende zu bereiten, und eme Meral-denrokvrtWe Regierung einzusetzen. Man tvutzte danrals noch nicht sicher, was diesem Mglücklichen Lande in der Person des Admirals Horthy droht. Wilhelm Bazsonhi wurde von seinen Kollegen tz^mn Redner bestimmt. Er geißelte mit scharfen Worten die Ausstattungen der Pogrombande, die sich den Natuen „Nationale Armee" beigelegt hatte, wies auf die Judenmetzeleien hin, die sich in der Umgebung des Plattensees immer häufiger ereigneten," und betonte, daß die Veerantwortnng , den Admiral Horthy treffe. Die Ausführungen Bazsouyis machtet: den. Mmirol iurßerst nervös, dem in Anwesenheit des Vertreters'- der Entente diese Szene doppelt peinlich gewesen sein dürfte. „Ich verstehe, Herr Bazsonyi — sagte Horthy —, das will, eine Lektion sein." Vazsonyi ließ sich aber nicht einschuchtevn ,md Horthy mußte sich schließlich die Namen der Offiziere notieren, die sich bei den Pogromen besonders ausgezeichnet hatten. Er versprach, Exempel zu statuieren. Wie der Gentleman in der Adrniralsittüsorm sein 33er* sprechen hielt, ist hinlänglich bekannt. Garanri bemerk,. daß Kur Zeit dieser Zusammenkunft Horthy ungarisch mit stark deutschem Akzent sprach und ständig grammatikalische Fehler beging. Derselbe Horthy richtete dann int Namen des magyarischen Nationalismus die Schreckensherrschaft der Pogromoffiziere auf. Bekanntlich hatte die Entente auf Druck der jüdischen Bürger Amerikas . den jüdischen Obersten Nathan Horowitz nach Ungarn geschickt, um'Informationen über die netto» nale Armee füer den Obersten Rat'einzuholen. Die nngarischsn Juden atmeten-erleichtert auf, denn sie glaubten in Nathan Horowitz ihren Retter geftmdm zu haben. Ein Sturm der Empörung ging durch ganz Europa, als der edle Oberst zu einer Zeit, wo täglich Hunderte von Juden den Horthysch-en PogroruhelÄen zu-nr Opfer fielen, 'dem Obersten Rat meldete, daß der Weiße Terror in Ungarn eine Legende sei. Garant: weiß darüber folgendes zu berichten: „Damals kam Nathan Horowitz, der amerikanischs Oberst, nach Budapest, von dem es alsbald bekannt -wurde, daß er den Auftrag habe, die Schreckenstaten der Nationalarmee und insbesondere die JUdeuverfolgttugen zu untersuchen. Einige Tage später hatte ich Gelegenheit, mit ihn: zu sprechen. Ich eröffnte ihm mein« Besorgnisse und stellte ihm meine Informationen zur Verfügung. Die Reserve, die sich. Horowitz Wahrend dieser Besprechung auserlegte, überraschte mich. Ich war aber recht eindringlich und so mußte er erklären, daß er T r a n s d a n u b i e u bereist und sich persönlich überzeugt habe, daß diese Gerüchte unwahr oder tvemgftens übertrieben sind. Er 'habe Gelegettheit gehabt, in.it dem Vorstand mehrerer jüdischer Gemeinden zu sprechen. Die Ironie deS Schicksals wollte es, daß in diesem Augenblick ein junger Ma-nm angemeldet wurde, der sich persönlich über die Gewaltakten, die ihm in Liofot von den Offizieren Horthys zugesilgt worden waren, bei dem Obersten -beschweren wollte. Horowitz gewährte, ihm in Einer Anwesenheit Gehör. Der junge Näum sprach fließend englisch und ließ sich keineswegs eiuschüchtern,. als Horowitz ihn anschrie: .. . . . Me ha be n nur über solche Dinge, zu: sprechen, die Sie selbst erfahren und nicht von anderen gehört haben." „Ja, ich werde nur meine etgeuen Erfahrungen erzählen", erwiderte der junge Marm mit bitterem Lächelt:. Er erzählte dann, wie rhu die Soldaten der nationalen Armee nachts mit sich schleppten und ihn blutig verprügelten, nur einzig und allein, weil er ein Jude ist. Horowitz gab den .Kamps noch immer nicht auf. „Entkleiden Sie sich," herrschte er den jungen Mann an, „zeigen Sie mir die Spuren der Mißhandlung!" Der junge Mann ließ-sich das nicht zweimal sagen und zeigte seilten geschändeten Körper. Es war ein entsetzlicher Anblick. Horowitz murmelte verlegen vor sich hin. Er schämte sich unendlich vor mir; er schämte sich aber nicht, den nächsten Tag m sämtlichen Blättern eme Aeußerung abzugeben, daß es in Ungarn keinen weißen Terror gebe. Statt seiner schämten sich aber die Amerikaner, die dann nach kurzen Wochen den edlen Obersten eiligst znrückriefen!" M a r d o ch e u s. 'ZKH128F ' Wien, Dienstag Öct 5Rc9««iU&. Berlin, 31. Juli. (Wolfs.) Die erste Verhandlung des ichtaaiSgerichtShoses .Ml Schutze der Republik findet unter dem iPorsitz des Ssnaispräsiidenten Dr.. Schmidt,, des Leiters des iKrregsbeschuMgten-Proresses, am 10. August statt. Als Richter nehmen die. Reichsgerichtsräte . Niedder und Dr. Bätungarlen, 'außerdem der frühere Reichskanzler Fehrenbach und die Reichschigsmstgliader Hermann Jaeckel und Erkelenz teil. Verhandelt wird zunächst gegen Archivar Karl Zaun (Füssen) und Ge« . 'nassen. >. Berlin, 31. Juli. (Wolfs.). Der attgebbiche Stttdsnt Bernhard Flesch, «der semerzrit verhaftet worden war, tveil er nnmittelibar nach dein Bekailittwerdm: der Evnwrdung Dr. Ratheuaus im Reichstag dem Abg. Dr. Helfferich einen Blirmenstvauß mit einer'fchwarz-weiß-roten Schleife Werbrecht hatte, dann aber wieder freigelasfen wurde, ist Samstag, neuerlich verhaftet worden, und zwar wegen Teilnahme an dem Attentat auf Harden. ' Iavrtzs-^erer r« Paris. Paris, 30.'Juli. (Wolff.) Dieftanzösische^ozialistenpartei hat..gestern abends, am Jahrestge der Ermordung I a u r e s, eine Gedächtnisfeier veranstaltet, an der^ der Berliner Reichsta'gsabgeordnete Dr. Breitscheid für die Deutschen, und der ehehmaligr belgische Minister Ansele für die belgischen Sozialisten teilncchmen. Breitscheid sprach französisch. Die große Rolle Frankreichs in der Welt, so führte er aus, müsse eine demokratische sein. So habe es Jaures gewollt. Sie brauche daher auch einen Franzosen, der Franzose vom. ganzen Herzen sei. Und doch Deutschland verstehe. Nachdem Brettscheid Von den Gefahren gesprochen hatte, die seitens der deutschen Gegner der Republik drohen, erklärte er, diese Gefahr wäre um so größer, je weniger man im Auslande einsehen wolle, daß die Alldeutschen ebensowenig Deutschland seien/ wie Leon Daudet Frankreich. Die Gefahr höre zu bestehen, aus,- wenn das andere Deutschland unterstüzt tverdp, Irures habeerkannt, daß der , beste Verbündete des deutschen Nattomlismus »der französische Nationalismus sei. Der deutschen Republik dürfe das Heben, nicht schwer gemacht werden. Die Leistungsfähigkeit Deutschlands werde um so größer sein, je mehr es ermutigt iperde. Eine HatzreSe P-ineares. Paris, 31. Juli. (.Havas.) Ministe rpräsidettt Poiueär«: wohnte der. Enthüllung des auf Kote 285 Lei den Ruinen von Ba-uguörs durch ein französisches, ein italienisches sind em amerikanisches Komitee zur Erinnevung an Äi« Kampfe m den Argon neu errichteten Denkmals bei. Der Mmrsterpräsident sagte unter anderem: Aus diesem mit. Fvanzosenblut gedüngten Boden lasten Sie uns . einen - Augenhljck muehalten und die beklagenswerten Spuren des- HxstM. De: MiKchW^.W^7Hei«achten,. die " Omx Grund aus zerstört worden fÄ.' Ermneru wir uns an so vielt Trcnrer, an so viel Minen und cm so viel Elend und wir wetzden kerne Mühe haben, unsere Pflicht zu erkerrwen. Deüts'chland, das für den Krieg verantwortlich ist, muß^das Unheil, das es angerichtet hat, wieder grtt -machen. Frsiwill^ oder, mit Gewalt, es wird die Üebel -wieder gut machen. Die Streiks in Amerika. Washington, 31. Juli. (Wolff.) Die Regierung hat den Schiffahrtsgesellschaften nahegelegt, sich mit Bunkerkohle in solcher Menge zn versehen, daß die Schiffe die nächste Köhlenstatton erreichen können. Nach dem j: August wird sie sämtliche fremde Schiffe ersuchen, sich für Rundreisen in-fremde Häfen mit Kohle-zu versehen. Die italieaische Kabinettskrise. Rom, 31. Juli. (Tol.-Komp.) In seiner Uitterrewmg drit -dem König lchte T u r a t i die Gründe stür die veränderte Haltung seiner Partei dar. die jetzt geneigt ist, in die Negienrng emzutveten, doch müßten Faszisten und Kam m u n i st e n a us g e s ch l o s s e n bleiben, während eine BeteilMng der Rechten die Sozialisten zwingen würde, sich in die Opposition zu begeben. Die Gvtrppe der Sozialdenwkraten' billigte die Hal- ' iitiiß der gemäßigten Sozialisten und sagte einer Lösung der Krise durch Orlando oder de Nicola ihre Unterstützung zu. Im sozialistischen Lager hat dieser Beschluß und das Zusammentreffen T u r a t i s mit dem König die bestehende jSpalttvng noch verschärft und die Bildung enter, neuen sozialistischen.Partei rmter Führung Bellas bewirkt. Die führende Preste bleibt gegenüber 'der Möglichkeit einer Regierungsbeteiligung der Sozialisten unter Ausschluß der Rechten s'keptisch. Rom, 31. Juli. (Tel.-Komp.) Dem „Parse" zufolge Plauen dir Sozialisten, falls nicht eine Regiermlg zustande kommt, die die Staatsarrtorität wieber herzustellen weiß, alle Provinzial-und Genceiudovevwaltnngen mit sozialsttischer Mohvhsit zurück treten zu lasten, wie dies bereits in ,44. SWteu der Provinz' E r e m'o n a geschah. Ebenso würden-Oe sozialisttschen Deputierten znrücktreten. Djir griechische» Dlane. Paris, 31.I. JM. (DÄ.-Komp.) Nach einer Meldung aus Athen ist das neue Regime Von Smyrna eine administrative und Ivirstchastliche Autonomie, die aber kein Svnberparlanrent ernschLießt. Die griechische Armee wird an Drc und Stelle ble-ibm, um das Land gegen eventuelle Feinde zu schützen. London, 30. Juli. (Reuter.) Der griechische Gesandte in London erklärte gestern einem Zeittmgsberichterstatier, seiner Ansicht nach beziehe sich die letzte griechische Note aus Snyrna. Die Gerüchte von einem geplanten Angriff auf Konstantinopel seien unsinnig. Die Griechen würden nichts tun, was sie in einen Konflikt mit den Alliierten bringen könnte. London, 31. Juli. (Reuter.). Man ersährk aus . halbamtlicher Quelle, daß zwffchen Großbritannien und Frankreich bezüglich der einzunehmenden Haltung fih den Fall, der übrigens nicht für wahrscheinlich gehalten tvird, daß eine Akttou der Alliierten zum Schutze der Neutralität Konstanttnopels notwendig toevden könnte, vollkommenes Einverständnis bestehe.' Dieses Einverständnis zwischen Frankreich und England soll nach einem d i p l o m a t i s ch e n M e i n u n g s a u s t a u s ch über die in Betracht kommendeen- Fragen zustande gekommen sein. Die durch den . türkisch-griechischen Konflikt aufgeworfenen Fragen werden in. ihrer Gesamtheit. Gegenstand wichtiger Besprechungen zwischen den Mmstterprasidenten Frankreichs und Englands bilden, sobald Poincare nach London kommt. Konstantinopel, 31. Juli. (Tel.-Komp.) Gerüchtweise verlautet, daß die Griechen Vorbereitungen für einen Vormarsch in Thrazien durch starke Truppen- Zufämmenziehüngen getroffen haben. Der kommandierende General der Besetzungsarmeen, Ha ring ton, hat sich rrach Tschadaldscha begeben mid dort eine Proklamation an die Bevölkerung gerichtet, in der der Oberlommandierende erklärt, daß er unter Berücksichtigung der Gerüchte, die von der Möglichkeit der Verletzung der besetzten Gebiete-sprechen, sich für verpflichtet halte, der Bevölkerung mitzuteilen, daß die Alliierten keine Verletzung der neutralen Zone dulden würden und daß Gewalt in Anwelcdung gebracht wiirde, iwt einen Versuch tu dieser Richtung abzrttvehren. Konstantinopel, 31. Juli. (Havas.) Rach bcu letztet: Nachrichten hat General To w ns Hand gestert: Atrgora verlassen, um sich über Alexandrette nach London zu begeben. Der Getteral ist überzeugt, daß ein rascher Friede rrwglich sei, wenn die griechischen Streitkräfte unverzüglich^ die in Kleinasicn besetztet: Gehiete. räumen und wenn diese' Gebiete der Türckei wieder zürückgegeben werden. Alle anderen Punkte, sagte der General, können leicht geregelt werden. Das „Pettt Journal" spricht von einer Konrplizievuttg des, ärientproblems und ercklärt, daß die Griechen eine WWW Infolge gQrtstiger Abschlüsse verkaufen wir zu alten Preisen la Regen m&ntel, engl,Stoff§, Leib» u. Bgttwä3Che> Stricku.Wirkwaren, etc.' Schiffmann IU Taborstraße 48 Te!ep»io»,47*t»7n 8n gros Rn «kswri WWWWWWMWVWWM«

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