Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1922-07-30 · Heft 1256 (30.7.1922) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1256 (30.7.1922)
Date
1922-07-30
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/2979076-2980129-2980336--11856-2998340
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

>.'^-! r \r, :<p iS. 1*56/ Wik», Zoimiag - 89{<«Ä fOJot'ifcitaeliuns. Sie Kouferender englischen Zionisten. London 27. IM. (I. C. B.> Auf der Jahreskouferenz -der englischen Zionisten ftnÖ> Dr. Weitz nt.a n « und Doikolo w für stärkere futatrzielle Förderung der R ni he nberg-Kouze ssio n durch die englischen Zionisten envgetreten. R u t h e n b e r g selbst. errklärte in einer Anfprache an die Konfeveuz, daß er sich mit bloßen Erwägungen mtd Versprechturgen rächt zufriederr geben könne. Die /englischen Zimnsten müssen einen fixen Betrag über- Mhinen. Hätte nran in den letzter; zwei Jahren einige Millionen Pfund in Palästina investiert und einige Hunderttwnsercke Inden angesiodelt, so wären die Bedingungen m Pvilästina gegenwärtig viel besser. Er appelliert daher an die Inden der -ganzen Welt, das erforderliche Kapital für die Ausführung feines Projekts aufzubringen, da. Palästina nicht eine Angelegenheit für Debatten und Diskussionen fei. Die Mordverschwörung in Deutschland. Das Statut der „rächenden Hand." Altona, 29. Juli. (Wolfs.) Wie der Polizeipräsident Witteilt, ist der Altonaer Polizei vor etwa vierzehn Tagen die Aufdeckung einer n a 1 i o n a l i st i f ch e n G e Heimorganisation gelungen. Bis jetzt wurden zwei Personen verhaftet. Den Beamten der Altonaer Fremdenpolizei war es ausgefallen, daß außerordentlich viele ehemalige russische Offiziere nach Altona kamen, um im Hafen Arbeit zu nehmen. Sie gaben an, auf Veranlassung eines Rittmeisters Raben nach Altona gekommen zu sein. Die Russen sind inzwischen ansgewiesen worden. , Raben war im Baltikum Adjutant des Fürsten?l w a l o w - B e r m o n t i, mit dem er freundschaftliche Beziehungen unterhielt. Mit der Unterbringung der Rusien in hiesigen Arbeitsstellen entsprach er einem Wunsche des Fürsten. Raben unterhielt und leitete eine Geheimorganisation, „Die rächende Hand", die aus früheren Angehörigen seines Freikorps besteht. Der.Polizeibericht veröffentlicht die Statuten dieses Vereines, worin es unter anderem heißt, es sei die Hauptaufgabe des Vereines, die deutsche Republik zu stürzen und eine Monarchie zu errichten. Raben war am Kapp-Putsch aktiv beteiligt und gehörte dann der Brigade Erhardt an. Spater flüchtete er nach Ungarn und kehrte nach der Amnestierung zurück. Hieraus war er Mitglied der Orgesch und dann im oberschlesischen Grenzschutz tätig. * ' A Dem Organisationsstatut dieser Rabenvereinrgung seien folgende Proben entnormyen: „Unter dem Namen „Die, rächende Hand" , wird heute hier dieser Verein gegründet. Er ist ein in allen Teilen fein organisierter wirtschaftlicher und politischer Geheirybund. Sr. hat den Zweck, alle Unrechte auf Erden zu verhindern, die Verbrechen zu verhüten oder zu bestrafen, den Armen und Schwachen beizustrhen und jede Willkürherrfchaft mit allen Mitteln zu bekämpfen. Zeichnet « I I 30, 3»ti 1«J2 Seile 3 Jährlich 2 Haupttreffer von je X12. . Jedes Los gewinnt , Sämtliche Gewinste vollkommen abzugs- und einkommensteuerfrei Kein Legitimationszwang Zeichnungspreis: s;2J für jedes 'Los Ferner hat der Verein die Pflicht, allem Schiebertum den unrechtmäßigen Verdienst mit > geeigneten Mitteln zu entreißen und dieses zu bestrafen. Als Hauptaufgabe hat er die Pflicht, die deutsche Republik zu st ü r z e n und cm ihrer Stelle die Monarchie zn errichten und einen reinen deutschen Fürsten, frei von fremd er Blu tntis chu ng, einzusetzen, die Verbrecherregierung unschädlich zu machen, d a s I u d e ntu nt 3 u st ü r z e n und die deutschen Lande wieder frei zu machen. . Es ist unbedingte Pflicht eines jeden Mitgliedes, die jetzigen Vertreter der Berbrecherregierung. festzuuehmen un in sicheren Gewahrsam zu bringen. Bei Widersetzung oder dem geringsten Fluchtversuch werden dieselben sofort unschädlich gemacht Hierbei ist jedes Mitglied verpflichtet, seine Person ohne Rücksicht ans Angehörige voll und ganz einzusetzen. Auch diejenigen,, die seit der Revolution im Dienst dieser Verbrecherregierung gewesen waren, werden festgenommen. Bei der Indens r a g e werdet: diese nicht s o s o r t u n s ch ab I i ch gern a ch t, sie sind zuerst f i n a n z i e ll bis a u f s Blut anszu n u tz e n, d., h. Vermögen it it b Banknoten sind . z u s i ch e r n, alsdann verschwinde n die Betreffenden. Der Verein als Geheimbund erstreckt sich über die g a n z.e Erd e und bildet ein einheitliches Ganzes mit dem Sitze in Deuts ch l an h. Unter- und Zweigvereine haben die Pflicht auch' darauf zn achten, daß für die Mitglieder des Berelü^-Wch^gMÜgend Waffen und Mtlnition vorhanden sind. Es dürfen nur gut fanatische Deutsche ausgenommen werden. D <: r Z w e ck h eilig t die M r 11 el, d. h., jedes Mittel zu diesem Zweck: unser Ziel zu erreichen, ■, ist erlaubt und wird von jedem Mitglied gefordert. Mitglieder linksstehender Parteien sind in jeder Hinsicht s i n a n z i e l l und m a t c r i e l l z u s ch ä d ig e n, daß sie allnrählich zur Eirtsichr'kommen.^Sämtliche Waren von Linksparteien, demokratischen Fabriksbesttzern, sind dem Verein dienstbar zu machen. Sollte ein Mitglied in Gefangenschaft geraten oder durch deutsche Richter Gefängnis oder Zuchthaus erhalten ober gar zum Tode verurteilt werden, so ist es . Pflicht des Vereins, sowie eines jeden Mitgliedes, denselben m i t a l l e n M i t t e l n entweder durch List ober Gewalt frei zu machen. B e u t e g e l d e r w e r den zur Hälfte unter die Mitglieder verteilt, zur Hälfte fließen sie. der Hanptkasse zu. Der Verein hat in genügender Menge zu beschaffen: Geräte, Werkzeuge, Drogen, W a f.f e n i n a l l e n Gat Lungen, S p r e n g stoffe, Autos, Flugzeuge, Schiffe, Druckereimaschinen usw. Ferner will er alle Monarch yt e n d e r W e l t in.' dieserr Bund hineinbringen und erst in Deutschland, dann in Irland, dann in Rußland usw. die Monä r ch i e m i t a n t i s e m i t i s ch e r Negierung ans Ruder bringen. Jedes Mtglied ist verpflichtet, nach neuen Mitgliedern Umschau zu halten." Das Kyrnplott gegkn Porneare. Die Organisation „Consul". Paris, 29. Juli. (Tel.-Komp.) Das „Jorrrnäl" teilt mit, daß die Meldung, wonach deutsche Monarchisten ein Attentat gegen Po in care planen, der französischen Regierung von der belgische^ Regiertmg mitgeteilt worden sei.. Die belgische Regierung sei in dem Besitz vor; Komplottdokumenten der Organisation . „C o nsul" gelangt. . Völkische Kinofilms. Seit einer Reihe von Monaten besteht in Leipzig die „Nationale Fi lms chans p ict -G esells chcift L a m p a d iu 3 und Co", deren Geldgeber Agrarier und Offsziere sind, letztere sind in der Gesellschaft auch als Darsteller tätig. Dieses Nrlternehmen hat es sich, zum Ziele gesetzt, beit „nationalen Interessen" durch die Herstellung von Filnten zu dienen, in denen aus die übelste Weise wüste Hetzpropaganda betrreb'en werden soll. Eines der Werte der Filmgesellschaft führte den Titel „Dü sie'aus dem Osten", wurde der Prüftmgsstelle vorgelegt, verboten, erhielt dann den neuen Titel „Schieber" und wurde abermals mit drei änderen Filmeti des nämlichen -Antern-chMens, untersagt. lehrreich ist dir Begründung des Verbotes; darin heißt es: - „Der Bildstreifen zeigt in Trickbildform, wie O stju.de n die deutsche Grenze überschreitenDvährend'die . W o l g a deur s ch e n trotz der Hungersnot in Rußland nicht nach Detttschland gelassen, werden, während im Gegensatz dazu'.die nach Deutschland hereingelaffenctl Ostflrden sich in Deutschland bereichern. Ter Film reißt in Wie lange noch wollen Sie warten? Kaufen Sie jetzt Ia Regenmftnteh engl. Stoffe, Leibtina Bettwäsche, Strickti. Wirkwaren noch zu alten Preisen bei II., Tsbörstraße 48 Teiäphon 47-1 >70 En grbs En dftfai I ■Kfim«tnxMvn Neues ans der jüdischen In der furckstbaren Kmourophe, die das Judentum deS Ostens durch den Krieg und das, was nach ihm kam, zu über-- stchen hatte, blieb — ein erfreuliches Zeichen die Schaffenskraft ungebrochen. Den Beweis liesert die rege literarische Produktion in jüdischer Sprache, welche gerade in den letztmt Jahren du.rch .Nenes und Wertvolles/das in Osteuropa und 1 Amerika ans fast allen Gebieten dkr Dichtung erscheint, neue Wege erschließt, neue Formen Lundtut und neue Ziele zeigt. Dem mitteleuropäischett jüdischen Bürgerhirn und seiner guantllativen Wertungsgewvhnheit. ncag sich vielleicht all dies nur als Papierflut darstellen, wer aber ernsthaft dieser starken Produktion folgt und sie wirklich etsaßt, der sieht die QtiÄitat und schaut das Bleibsttde. Es ist weit mehr als die Schöngeister, die noch bis heute ein jüdisches Mitteleuropa neuzutönen oder illerUvm aufzufangen sich berufen si'chlen, ahnen oder zngoben können. Es hat nämlich'mit. der literarischen Produktion in Mischer Sprache eine eigeire BelvcmdLnis: unheimlich schnell und geradezu schonungslos wird Spreu von Weizen geschieden; es ist geradezu eine Kontrolle vorhandett,' welche rasch das Wertvolle vom Belanglosen sondert-.und das Unechte, Leere, Betriebsame einer schnellen Bergesienheit atchomtgrbt. In seinem Volksidiom kann man keinem Inden literarisch ein £ für ein 11 vormnchew und kann ihm nicht Hohlheit für Fülle, Konstruktion für Phantasie, journalistische Einsällchen. für dichterische Gcsichle ausschwatzen. Daher sind die kleinen Epigonen der ersten großen Schaffenden in der jüdischen Litevatiur, jene P r iluzki, C i n h o r n, I nt b e r, U n o j ch i und wie sie hüc, heißen, nach kurzem Aufleuchten Werrachend schnell ver- 'snnk»n und heute halb vergessen, so sehr sich map che Betrieb» sam.e unter ihnen auch bemühen, das trübe Lichtlvin dann üitd wann zu putzen, ivahrend die wirklichen Schöpfer und Bahner dieser Liwvatur inmwr wieder frisch bleiben: Bon den Meisterwerken A! en.d e l e 8, S ch o l e m-A lejche m 8, D i n esohns, Perez' veranstaltet die „Kulturliga" Neamnsgaben für das Volk; dort ist auch B e r g e i s o h n s bester Roman „Aach alemett" neu erschienen.. Der Wiener Verlag „Der Kwall" hat — leider in schlechtem Geivande — Linetzfis über die Tenderiz hinaus Mstletisch bleibenden Roman „Dos pojlische Jingel" nert ediert, der ailsgeKeichnete Salomon E t t inger kontmt ^in Rnmusgybe wieder zu Ehren. Was aber dent neuen Schassen irr der jüdischen . Literatur immer wieder Jrnpuls gibt, das ist die Unverbrauchtheit, die Ursprünglichksit der Sprache. In engem Ztffammerchang mit dem Leben stehend, strotzt sie so von Vitalität, wie die, welche sie sprechen. Und so hat die jüdische Literatur leicht jene von der Umgebung angcilernte lveltschmerzliche oder Dekadentenper-iode überwinden können .Ivelche kurze Zeit mißbräuchlich umhergeistzerte. Auch die journaiistische Jntellektüalität, wo sie sich für wirtliches dichterisches Sckmfftu ansgab, wurde in der jüdischen Lllcratnr rasch überwunden; und so mutet, es einigermaßen anachronistisch-an, wenn dev Berliner ,Mal- Verlag" heute eine Sammeläusgabe von Nombergs Schriften erscheinen läßt; von ebensotvenvg Wert ist die Ausgü'be von Nombergs vieraktigeim Dranm „Di Mischpoche,^) welches in recht dilettantischer Weise und dazu übel klugschwätzerisch >das jüdische Generationenproblem abhandelt. ^Dagcgen hat die vom selben Berlag iu gesälbiger Änftnaihtmg hercmsgegebvne „Klal-Bibliothek", 'deren kleine Bändchen, an weiteste volkstümliche Verbreitung denken, durch das, üms, sie bisher geboten hat, Anprnch auf dieses Ziel. - Das erste Bäudcheu dieser Ausgabe bringt B i a l i! § gewaltige Dichtmtgen „Ftln zaar nn zorn", „Irr Sch'chi-testudt" und „Dos letzte Wort",*>*) dann folgen zwei Erzählungen des jung verstorbenen hebräischen Dichters A.. N. Gncssin, von M. SMnrg ins Jüdische übertragen. Die erste „Maaße Othello" ist ein wenig senffmantal. die zlveite „Sam?tel Scanuelowlisch" ein ausgezeichnetes, leicht, aber kräftig hingeworfenes Bildchen. Störend dve manchmal leidlerne, manchmal hilflose Sprache; ob sie dem StA des. Dichters oder der Usbersetznug Ptztrschreiben ist, kann der Schreiber dieser-Zeilen nmngels Kenntnis des hebräischen Originals nicht entschsilden. Nach einer der besseren Erzählungen No tnibergs,... „In a pojlMer Jeschiwe" (Bd. 6 der. Klal-Bibliothek), welche nach ausgezeichneter Schilderung in einen zn kurzen Schluß Versällt, folgt' (Bd. 6) eim. prächtige. Erzählung von Zwi H ir s ch- *) Im Klal-Bertag. Berlin, 1921. - **) Nebenbei: Hirgo Znckermcnns ansgebreitete dmtsche Nachdichtung von Bialiks „Dos letzte Wort", aus der heißer Atom weht, ruht noch immer in einer längst verschollenen Zeitschrift l kann, einem „Neuen". Die Geschichte, hinter a plojt" betitelt, faßt ruhig und imsentimental die Romantik des jüdischen Städtchens zusamnwn, sie ist ein kleines Kunstwerk und macht auf Anderes, Größeres gespannt. Neben klmr-m poMärwisseuchaftlichen Schriften (u. a. einer Uobersetznng von Ernst Alachs. „Wozu hat der Äiei.sch zwei Augen?" werden gute jüdische Uebertragnngen von Werken der Weltliteratur geboten, so- Flauberts „Herodias", „Das Indengrab der Ricarda Hnch" u. a. Aehnliche volkstümliche Kleinbüchereim werdet! von den. größeren Verlagen in Osteuropa heransgeWben, unter anderen gibt die „Kltltnrliga" gute Schnlansgaben dort klassischen Meisterwerken der jüdischetr Literatur heraus. Die Zahl der Neuerscheimmgert in der letzten Zeit ist cmf allen Gebieten der jüdischen LiteraMr schr groß nnd es erscheint tmmöglich, alles auch nur auzuzählen. Einige Hinweise müssen genügen. Die Lyrik hat gerade in 'der"jüngsten Zeit neue Formet! und Blüten gelrisbetl. Das.Wertvolle hat sich rasch dttrchgesetzt und die leeren. lyrischmt Künsteleien bald verdrängt. Ausgetüstelte posierte Allerwellsklügeleien, wie «tiva R a w i t s ch' „Nacke-te lieber"*) oder desselben Schriftstellers oberflächlich / leerer lyrischer Zyklus „Spinoza"^), sind wohl als erledigt zn betrachten. Das ursprünglich Lebendige fordert sein Recht, auch wo es in die Vergattgeuhrit hinabtattcht. Trotz aller Fornralistik, die oft überwuchert, .ist in den Dichtungelt Brode r-- sons Echtes n spüren. Seine fo§sngewandten, aber leeren Gedichte dürften bald verweht 'sein; eine in der von'^Doktor Michael Weichert attsgezeichnet vodigierten lntereisänten Wavschaner literarischen Zeitschrift „Ringen" erschienene biblische Idylle mit dem etwas skurrilen Titel „Mandragora" dagegen weist die. Bahn, auf welcher dieser hochbegabte spvachbcherrschende Dichter Bldlbendes schassen wird. In den Gedichten von Perez Märkisch weht trotz mancher Belanglosigkeiten echtes revolutionäres Empfinden (in feinem Gedichtbnche „Radio" ist Wertvolles zu finden).und die „Kinder- .lieber" de.8 ftmgsn K w i t ko lassen aus eine große, ans bwu Vollen schöpfetrde Begabung schließen. Dankbar erwähnt sei die kräftige, nur das Nnfelltimentale manchnrail ins Rüde übertreibende Konzontriertheit von M. L i w s ch i tz.**) ' *) Beides i>m Klvall-Verlag, Wien. **) „A Bär tanzt" von' Mojfchc LÄvfchitz. Riga,. löüS. Dvtrck von AI. Lewm,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.