Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1255 (29.7.1922)
- Date
- 1922-07-29
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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, Nr. 1255 Men. SamStag Verschwundene Valuten. AuS einem Briefe, den die BerdayS Bank Limited in Beverley in England an den in Kitzbrihel zmn Sonrmeranfenthalte weilenden englischen Obersten Harald Robinson Pensa sandte, sind zwischen dem 12. und 17. d. 40 Pfund Sterling, und zwar sechs zu fünf Pfund mit Bezeichnung 7—79 und den fortlaufenden Nummern 72.726 bis 72.791, und die übrigen nrit unbekannten Nummern gestohlen worden. — Ein Brief, der einen Scheck auf 20.000 deutsche Mark enthielt und von der Svensla Handelsbank in Stockholm an die Arztensgattin Elisabeth Beckh-Widmannstetten, Schönburggasse 48, gesandt worden ist. hätte innerhalb vier Wochen ankommen sollen, ist aber nicht eingetroffen. St« au$®e3pQ&etter NirMKürlturKZub. Im fünften Stocke des Hauses Neubaugasse 86 ist ein photographisches A'.clicr für Architektur und Kunst. Dieses Atelier hat ein angeblicher Professor für Körperkultur namens Albert Heinrich Hieb er zu gewissen Stunden für sogenannte „kulturelle" Zwecke gemietet. Diese bestanden darin, das; er Mädchen in beit Lebensaltern vom Wülsten bis zum zwanzigsten Jahre rncift in splitternacktem Zustande Posen niachen ließ, die zum Toll sogar den hartgesottensten Sündern die Schamröte in die Wangen treiben müssen. Die Anlockung dieser Mädchen erfolgte durch ein harmloses erscheinendes Inserat, das den Schülerinnen des Professors vorteilhafte Engagements als „Schleiertänzermnen" in Aussicht stellte. Der Professor Hieber bestärkte in dieem Glauben auch ihre Mütter, die, nie ist Frauen des Mittel- und Arbeiterstandes, ganz ahnungslos ihre Kinder in die „Lektion" begleiteten, ins Allcrheiligste durften sie allerdings nicht. Sie mußten im „Wartesaas" 'das Ende der Lektionen erwarten. Der Professor ließ sich für diesen Unterricht gut bezahlen. Außerdem hatte er noch eine zweite Klientel, nämlich männ- ■ liche Freunde solcher Schaustellungen, die als Mitglieder des „Körperkulturklubs" eingeführt wurden. Während die Mütter der Mädchen im Borzimmer sich die Wartezeit mit Plaudern vertrieben, bewunderten diese Kunstsünger, die m Wirklichkeit reiche Wüstlinge waren, mit Monokel und Augenglas, die vor: dem nur mit einer Schwimmhose bekleideten Professor geleiteben Vorstellungen, und immer warteten einige AutoS in der Nähe auf diese Klientel. Die meist unverdorbenen Mädchen legten ihre anfängliche Scham auf die Versicherung ab, daß die Herren Maler und Bildhauer seien, die Modellstudien machten. In Wahrheit gehörten die Zuscher — mehr als Zusehen taten sie nicht — den verschiedensten Berufsstäuden cm. Am 26. d. stellten sich aber Vertreter eines Berufes ein, mit denen der Professor schon lange auf dem Kriegsfüße lebte, nämlich — Kriminalbeamte. Sie markierten Sekretäre des „Professors", so daß sich die anderen Besucher in -ihrem Treiben nicht stören ließen. In kürzester Zeit waren die Namen von etwa zwanzig Freguentantinnen der „Kurse" festgestellt. Auch diesmal waren vielfach die Mütter gekommen;. sie fanden ganz naiv nichts dran, daß ihre Töchter nackt Posen stellten und meinten, daß sie sich dadurch , eine Karriere eng weltberühmte Tänzerinnen oder der vielbegehrten Malermodelle sichern und vielleicht beim Film ihr Glück machen könnten. Auch im Haufe Piaristengasse 28 fanden drei Abende in dar Woche solche Unterrichtsstunden in Gegenwart junger Männer statt. Hieben hielt sich einen Sekretär, den 21jährigen Goldschmiedgehilfen Hans Schmer, der die Aufgabe hatte, von den Habitues das Honorar,' das mitunter bis zu 20.000 K. monatlich betrug, einzukassieren. Die Polier war auf sein Tve'Äen dadurch aufmerksam geworden, daß er sich für seine Schule um keine Konzession bewarb. Sie entlarvte den merkwürdigen Professor als ein wegen Verfehlungen gegen die Sittlichkeit wiederholt vorbestrafetes Subjekt. In einem Prozesse bezeichnete das damalige Fakultätsgutachten Hiober als leichteren Grades schwachsinnig, erblich belastet und infolge homosexuellen Mißbrauches in frühester Jugend pervers. Das Gutachten fand seine Großsprechereien charakteristisch, führte seine Phantasien von Gründungen und Protektionen an, sprach davon, daß er. sich als Schriftsteller und Mitarbeiter von Blättern bezeichnete, die nicht existierten. Hieb er wurde dem Landesgerichte eingeliefert. * DaS Neueste ist . .. Das Neueste ist nämlich das Theaterstück von sechzehn Jcchveu aufwärts. Autoren, die an Ideen, wenn auch vielleicht nicht just literarischer Art reich sind und die wirksame Noklamemittel aus dem Aermel beuteln wie die Dramatiker von anno dazumal wirksame Szenen, sind auf den Einfall gekommen, den Besuch von Üestimmbcn Stücken Jugendlichen unter sechzehn Jahren in strenger Sittlichkeit untersagen zu lassen. Die Wiener dramatische Literatur, die in letzter Zeit in Stücke zerfiel, die im Bett und'solche, die tugendhaft im Schlafzimmer-Alkoven spielten, erfahrt dadurch eine Neueinteilung: in unter und über sechzehnjährige Cochonuerien, für die feine Sprachkenner sogar einen ganz zutreffenden dmtschen Ausdruck gefunden haben. Da der Mensch bekanntlich mit sechzehn Jahren die geistige Neife und sittliche Festigkeit erlangt hat, die ihn gegen alle Verlockungen und Verführungen hieib-- nnd stichfest macht, kann die im Verbot gelegene Einladung an die 17- bis 20jährigen nur gebilligt werden. Mit siebzehn Jahren hat der Jüngling jene Kühle und Ausgeglichenheit erlaßt, die ihn an dem entkloidetesten Entkleidungsszenen gelassen vorüber sehen lassen und wenn man sich daran erinnert, wie oft man Achtjährige, die im unglückseligen Besitz eines Freikarten- Onkels standen, bei den frechen Witzen eiur:? Paris oder llntgcibung (Strecke Lundenburg—Wien) stammelnden Posse süß entschlummert fand, kann man die Verfügung der Polizei, bk dieser Gefährdung der Sittlichkeit ein Ende bereitet«, nur freudig begrüße:,. Für den Dramatiker ist damit allerdings noch Wiener Morgenzeitungi. Mitteilungen aus dem PnbMinn. TALES-FABRIK Telephon 15-5-35 Telephon 18- -Ä» p*»^KÖ Knisbacher L Windschawer, Mn. I.. «MM 6 TM* "^811 Export noch olEen Stenten O Wollen Sie Ihre Filsse schonen? 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Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde beabsichtigt für dm gegenwärtigen Bedarf an temporären Bethäusern durch eigene Maßnahmen vorzusorgen und wird demgemäß nur im Falle tatsächlichen Bedürfnisses die Genehmigung für ein temporäres BethauS an Private erteilen. Hierzu ist die Bewilligung des Kultusvorstandes vor Erlangung der behördlichen Genehmigung ernznholen. Die besuche um Bewilligung sind bis längstes 20. August d. I. im Einreichungsprotokolle der israelitischen Kultus gemeinde, 1. Bez., SeitLnstettengasse 4, 2. Stock, zu überreichen. Später sinkmgende Gesuche werden zurückgewiesen. Ans nicht entsprechend belegte Gesuche wird keine Rücksicht genommen. Die Gesuchsteller haben für sich und zwar für die zu verwendeten Vorbeter (die Namen derselben sind im Gesuch anzugeben) genaue Ausweise über Charakter, Moralität und Befähigung zu erbringen, Di« als Beblokale einzurichtenden Räume müsien sich für diesen Zweck vollkommen eignen und ist die schriftliche Zustimmung deS Vermieters sowie des Hauseigentümers zur diesfälligen Verwendung be-iznbringen. Wohnungen und andere Lokale dürfen nur dann zur Abhaltung des Gottesdienstes verwendet werden, wenn sie vollkommen ausgeräumt sind und an den Festtagen ausschließlich für den erwähnten Zweck benützt werden. Die Bewilligung wird den Betlokal-Inhabern mir unter der Bedingung erteilt, das dieselben der Kultusgemeinde für unbemittelte Personen (Männer und Frauen) zusammen den z e h n t e n T e t l der von der Behörde genehmigten numerierten Sitzplätze unentgeltlich bis längstens 10. September 1928 _29. Juli 1922_Seite 5 zur Verfügung stellen. Zur Sicherung der Einhaltung dieser Verpflichtung, sowie alle für die Erteilung der Bewilligung zur Errichtung eines temporären Bethauses gestellten Bedingungen ist eine Kaution zu erlegen, welche bei Nichteinhaltung auch nur einer dieser Verpflichtungen 'für wohltätige Zwecke der Kultusgemeinde verfällt. Die zu leistende Kaution wird auf Grundlage der seitens der Behörde bewilligten Anzahl von Sitzplätzen mit je 200 K. für den Sitzplatzbemessen. - * Aktion „Lehrlinge aufs Land". Bei dieser Aktion haben sich im heurigen Jahre bis Ende Juni 4110 Lehrlinge, davon 3054 aus Wien und 1381 Lehrmädchen, davon 1131 aus Wien, angemeldet. Zuschriften um Aufnahme sind zu richten, an die Lehrlingsfürsorge-Aktion beim Bundcsministerium' für soziale Verwaltung, Wien, 1. Bez., Hofgartengasse 3. * 100.000.Dollar für die jüdischen landwirtschaftlichen Kolonien in Südmßland. Der Joint bewilligte 100.000 Dollar für Saatgetreide und Ackerbanwerkzeuge für die jüdischen Kolonien in Südrußland. (I. C. B.) * Jolnt-Subventionen für die Tarbuth-Schulen in Polen. Während seiner Anwesenheit in Warschau hat sich Dr. M a gnes aus New-Aork das.Budget der von der Tarbuth-Organisation gegründeten hebräischen Arbeiterschule und Chadarinr zur Prüfung vorlegen lassen. Dr. Magnes erklärte, daß die t Joint-Organisation die Tarbuth-Schulen subventio- ' nieren will. (I. C. Bl) * Jüdische Ackerbausiedlungen um Wilna. Die im Kriegs zerstörten jüdischen Siedlungen in der Umgebung von Wilna sind bereits wieder aufgerichtet worden. Die Mische Bevölkerung widmet sich der Landwirtschaft in noch größerem Umfange als vor dem Kriege. In einigen Felcken lebt bereits nahezu die Hälft« der jüdischen Bevölkerung von Ackerbau und Mantagenwirtschaft. Heuer wurden einige Hunderte Deßjatimn Boden kön« ,ch erworben ober von Großgrundbesitzern in Pacht genommen. (I. C. B-) * Errichtung eines Mische« Kindergarten«. Für d-n Monat September wird von der zionistischen Sektion X>l—-XV die Errichtung eines iillEen Kindergartens unter Leitung einer geeigneten Kindergärtnerin geplant. Die Eltern aller vvrswulpslichtigrn Kinder wollen schon j etzt mif t e i len, mtt welcher Teilnehmerzahl zu rechnen ist Die näheren Bedlnaunqen werden noch bekanntgegeben. Schriftliche Anmeldungen erbeten an Paul Stein. XIV., Mariahiiferftrasze 18g,'Ul. * Bergwerksunglück. Aus Dortmund wird gemeldet: Ans der Zeche Neu-Iserlohn wurden durch einen Sturz aus dem Fövderkorb fünf Bergleute getötet, sieben Bergleute und drei Beamte verletzt. * Das „vertauschte" Gepäck. Ein sehr gewandter Gaune* führt jetzt eine neue Abart des CoupediebstMs durch. Er stcht plötzlich auf, nimmt sein Gepäck und verläßt sein Coupe, um schembar ein anderes aufzusuckren. Dabei. passiert Hm regelmäßig daS „Unglück", daß er statt seines^ Koffers einen andern erwischt, der wertvollen Jnihrlr verspricht, und seinen, der, gewöhnlich mit 'wertlosem Z«-:^ gefüllt ist, Mrückläßt. Geht die Sache gut aus, so hat der Gauner eben einen glänzenden Tausch gemacht', endigt die Sache schief dadurch, daß der Eigentümer. des verwechselten Koffers auf den Streich kommt, dann hat der Gauner noch immer die glanbhcFte Ausrede, daß >vr sich einfach geirrt und die--ähnlichen Gepäckstücke vertauscht hat; dann stellt er unter Entschuldigungen, den, Koffer zurück. Allein das kommt selten vor; denn der Dieb hat gewöhnlich schon in der nächsten Station den Zug verlassen' und ist. wenn der Diebstcchl entdeckt ist. längst über alle Berge und hat noch das - Gute voraus, daß sich kaum ein Neis-ender an das Aussehen seines Coupegenossen erinnern kann. * Ein ehemaliger Oberst als Hochschullehrer. Ms Privatdozent für semitische Philologi-e wurde cm der Ulnverfiltät Graz der Oberst a. D. Dr. Phil. Emil Gamber, Lehrer für Literatur und Pädagogik an der Offiziersschule in Enns, zu ge- . lassen. Seine Habilitationsschrift trägt den Titel „Studien zur vorkönialichan Geschichte Israels". Dr. Gamber. tzer aus Himberg (Niederösterveich) gebürtig ist, war lange Jahre als Offizver und Fachlehrer an Militärerziehnngs- und Blldungsanstalren tätig. 1918 ertvarb er in Graz den Doktorgrad mit einer Arbeit „Das Kriegswesen Israels". * Ameriksnisede GemefnSerSfe in Wien. Sonntag abends treffen dreizehn Mitglieder des ^kadiparlaments von Chicago auf ihrer europäischen Studi^resie in Wien ein. * Die argentinische Gesandtschaft ersucht uns um Aufnahme folgender Mitteilung: Die Kanzlei der Gesandtschaft wird mit 1. August d. I. nach dem 3. Bezirk, Marokkanergasse 11, verlegt. Amtsstunden von halb 11 bis 12 Uhr. * Keine Wohn«ngs«««eld««sen im Nugufk. 3ttt Auauit werden neue Anmeldungen von Wohnvngswerbern im städtischen Wohnungsamt nicht entaegenaenommen; auch schrist-, sich tinlaufende Ansuchen können nicht in Behandlung amommen werden. D ese Anordnung wurde getroffen, um die in tetzier Zeit beionders zahlreich eingelaufenen Ansuchen oufarbeiten zu können. Die Bestimmung gilt nicht tn besonderen NMllen (plötzliche Obdach osigkeit). * Der Wx»ir;uttgsmartt im Juni. Der statistische Monatsbericht des W rhnun g? am l e s der Stadt Wien für den Monat Juni verzeichnet folgend'. Daten über die Tätigkeit des Wohnungsamtes: An gefordert wurden nach dem allgemeinen Anforderungsrechte 107 Wohnungen; nach dem besonderen Anforderüngsrechte wurden 968 Ansorderungsbescheide erlassen. Z u g e w i es e n wurden insgesamt 775- Wohnungen, und zwar 323 durch die Hauptkommission und 462 durch die Bezirkskommissionen. Hierbei wurden in 258 Fällen die bisherigen Untermieter belassen; in 21 Fällen erfolgte die Zuweisung über Vorschlag der Hausinhabcr. Wohnungstauschgesuche wrzrden 676 bewilligt und 11 abgewiefen. 78 Wohnungen mußten amtlich geräumt werden. Gegenüber dem Vormonat hat sich die Zahl der Anforderungen um rund 800, die der Zuweisungen um 333 vermindert. * Erhöhung de8 PretzhefePrekfeS. Nach einer Meldung der „Oesterreichifchen Bäckerzeitung" haben die Preßhefefabriken mit Wirksamkeit vom 1. AuMst den Preis der Preßhefe von 2700 K. auf 8200 K. pro Kilogramm erhöht. Vorbehaltlich der Genehmigung dllrch dieZentralpreisPrüfungsstelle wird die Hefe beim dekaweisen Verkauf 66 K. pro Dekagramm kosten. Neu eröffnet! Tuchhaus Mina Halpern, Wien, II., Schmelzgasse 6 Neu eröffnet! Ghrosser!R/©!klax3ae,v’©r!kaiif von original englisolten TnEerren- und X>aznensto£fen zu billigen Eröffinnngspreisen