Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1252 (26.7.1922)
- Date
- 1922-07-26
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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»t. 1*52 Tors Wien, Mittwoch Fortdauernde antijiidische Exzesse im polyischenOberschlesien. s Lsttrschau, 26. Juli. (I. E. B.) Nach vielfachen Mel- Vnngen ans verschiedenen Städten in. Polnisch,-Oberschlesien dauern dort die Treibereien gegen die jüdischen Einwohnerschaft ohne Unterbrechung an. Die polnische Polizei-und die G'e amt e n sch a st nehmen an dieser Bewegung tätigen Anteil. Jüdische Reisende ^werden' in den Eisenbahnen belästigt, - geschlagen, und oft-sogar aus den Coupees hinansgeworfen. Dre. einheimischen Juden in Kattowitz wagen esnicht, in später Abendstunde die Straßen. zu passieren. Diese antijüdischeBeWegung zielt besonders aus die ö k ofxoMrsche >- Schä diguNg. .dev Juden, in Oberschlesien hin. Ungarn. Nationalversammlung. Budapests 25. Juli. (1t. T. K. B.) In Fortsetzung der Budgetdebatte erklärte Abgeordneter Ludwig Szilagv (parteloser Oppositioneller) unter Protest des Präsidenten, daß die Nationalversammlung auf Grundlage' einer ungesetzlichen Verordnung zustandegekommem' sei und die meisten Mitglieder dieser Versammlung n i ch t H erreniyresWille n s. seien, greift im tveiteren Verlause seiner Rode den Ackerbastminister Stephan Szabo-Nagyatad heftig an und fordert "schließlich einen Gesetzentwurf für das allgemeine und geheime Wahlrecht. Redner sieht in der Wi e d e r h e r st e l l n n g d e s K o'n i g t u nt § den Jdealzustand, wünscht jedoch, da dies gegenwärtig unmöglich sei/ die i n t e r i m i st i s ch e Wiederherstellung des Palatinats. Schließlich wünscht er, daß die in der westtlngari scheu Angelegenheit verhafteten Personen als Fa n äti k e r der nationalen Sache schlemrigst f r e i g e l a ss e n werden. Abg. Bnday i (Regierungspartei) ivünscht eine E i nengung des übertriebenen Börsenspiels, dem von seiten der Großbanken Vorschub geleistet werden Redner nimmt die Vorlage an. . Nachdem no chAbg. P i k l e r (Sozialdemokrat) erklärt hatte, daß die un^rrische Sozialdemokraüe trotz ihrer inter- 'nationalen Gesinnung von echtem Patriotismus erfüllt sei, wurde die Sitzung um 3 Uhr auf eine Stunde, unterbrochen. > . Budapest, 25. Juli. (Nationalversammlung. U. T. K. B.) In der Nachwittagssitzung wurde die Jndemnitätsdebatte fortgesetzt,'wobei unter anderem Abg. Letay die Aufmerksamkeit der Regierung auf die durch die kleine Entente gegen Ungarn betriebene Propaganda lenkte. Sodann unterbreitete Abg. Zsitvay (Regierungspartei) eine dringliche Interpellation über die letzten Vorfälle in Westunggrn und verlangte vom Ministerpräsidenten eine ErflqMng, daß hip Maßnahmen der Regierung das Maß der unbedingten Notwendigkeit' nicht "überschreiten * werden- und das Verfahren mit Beseitigung der Statarialbehörden an die vHkrtlichen Gerichte verwiesen wird.' , ' Ministerpräsident Graf B^ethlen erwiderte: Die Regierung müsse sich auf das energischeste dagegen verivühren, daß man sich in der Nationalversammlung an sie mit dem Ersuchen wende, unter den Staatsbürgern gewisse Unterschiehe zu machen. Er müsse auf das entschiedenste erklären, daß die Regierung dafür niemals zu haben sein werde. Die pcf111otischen Inten-, t i o n e n jener jungen Leute sind unzweifelhaft, und ich habe es bedauert, daß ich gezwungen war, jene Mittel zu ergreifen, deren Anwendung mir zur unausweichlichen Pflicht geworden ist. Man darf jedoch nicht vergessen, daß man "das Land nicht nur durch bösen Willen und durch Niederträchtigkeit, sondern auch durch K n r z s ich t i g k e i t und Undisz-iplimiertheit ins Unglück stürzt. Die Regierun'g ist verpflichtet, dafür zu sorgen, daß sich solche Fälle nicht mehr' > wiederholen, selbst wenn Patriotische Motive in Frage kommen. Diese dürften seinerzeit als m i l d e r nd e U in stci n d e durch die' Gerichte in Erwägung Mögen werden, und, wenn die gesetzlichen Vorbedingungen dafür vorhanden sind, werden jene Vorfälle dürch die ordentlichen Gerichte entschieden werden.' Die Regierung will aber die Beschlüsse der Gerichte in keiner Weise beeinflussen. (Sehr lebhafte allgenreine Zustimmung.) Die Antwort des Ministerpräsidenten wurde zur Kenntnis genommen und die Sitzung um 3 Uhr geschlossen. Ein GrenzLonflikt mit Jugoslawien. Belgrad, 25. Juli. Die Arbeiten der jugolawischen und der ungarischen Abgrenzüngskommission sind heüte unerlvartet abgebrochen worden, da die' Ungarn Verlangten, daß einige Dörfer, die Jugoslawien Zufällen sollen, sofort an Ungarn abgetreten werden. ' - Ein neuer Numerus clausus. Budapest, 24. Juli. (I. C. B.) Die W olff - Partei wird dom hauptstädtischen'Magistrat einen Entwurf, über .die Einschränkung mrr Niederlassungen in der .Hauptstadt zur Annahme unterbreiten. Der. Entwurf sieht es hauptsächlich ans Ino e n» namentlich aber auf neuangesiodelte Juden ab. Jeder Bürger der Hauptstadt, heb kerne Zuständigkeit besitzt, soll zur Zahlung einer K.o p fst e«c iy als. sogenannter „Niederlossungsgebühr"' verpftichtet werden. Diese Gebühr beträgt fjir ungarische Staatsbürger 200, für Ausländer 2000 Kronen.' Dem Bürgermeister soll aber noch das jeweilige Recht zustehen, tzie Bewilligungen-.zu Niederlassungen aus „politischen oder Sicherhortsgrun'den" zu verweigern'oder bereits/ erteilte Bewilligungen' zyrsickzuziehen.'v / Mleuev Mflrgenzettung. .. j-. Die in der letzten Zeit neuerlich eingetrelene enorme. Verteuerung aller zur Lerstellung der Tageszeitungen notwendigen Nkhmateriollen, insbesondere die dorrende Erhöhung der Papier» preise sowie die fortgesetzte Steigerung der Gehalte, Löhne und der 3 n d r x i i f f e r n zwingen die Wiener Tageszeitungen, die Abonnements- und Verschleißpreise abermals zu erhöhen, um den Fortbestand derselben noch zu ermöglichen. Die gefertigte Vereinigung hofft, daß die geehrten Leser der Wiener' Tageszeitungen die zwingenden - und unabweisbaren Gründe für die Erhöhung der Abonnements»' und Verschleiß» preise würdigen werden, und.gibt der Erwartung Ausdruck, daß die geehrten Abonnenten und Leser ihrer' g e w o h n t e n Tagesleßtüre Wvtz . der geänderten' Verhältnisse, ihre Anhänglichkeit bewahren werden. Äochachtungsvoll M Bttnnlmz der UrmWe« WszcitiiilM. . Demzufolge betragen unsere-Preise ob 1. AugUst 1922: Abonnement für Wien (zumAbholsrr im Expe-Lt ober in öen VsrschlslWellen) monatlich . . ... I . A. 5003 — Das 2lbonncmkr( rrrlle ge'ialligst recht'eilig in der nächikliegenden Verlch!eißslkl?e erneuert 'und die/Vezugsgedühr gleichfalls dortielbst erlegt me', den. Oesterreich monaMch . .... . .5Ü0S— Tschechü-SlvMaKe! monstitch . . . .. tfchech. K. 2lh— Polen monattich. . . . . . . . poln. Mark 829'- Iugostawien monatlich . . . . . . . . . Dinar 25*— Denlfchland monalttch . . . . ..... . Mark 60*— Aumilnien monatlich ......... . . Lei 48.*— SoNanb monallich. . . . . . . . . . . holl. st. 1*50 glatten monalttch . . ... . . .ßlre 6*-, Schweiz mvnallich . . . ... fchweiz. Franken 3.— Frankreich monalttch ........ . Francs «*— Belgien monalttch .... . . . . belg. Francs 6*— England monalttch. . . . . . ... Schilling 3*— Amerika monatlich . . . . . .. .... Dollar —*50 Zahlstellen: Oesterreichifches Postsparkassen konlo 159.893. Lschechv-flowakisches Postspkrkastenkontv (Prag) »9.SS1. PolnischesPostfparKafse«Konto(Warschau) 190.227 Ltülsches Pöstfchechkonfv (Berlin Vi 7) 108.722. BnmWer» (Ezern-witz)r Aügemeine Depositenbank Szernowitz. Schweiz r Schweizer Dvlksbank in St. Salle«. Ängystawienr Postsparkafsenkonlo (Zagreb) 40.985. Italien : Soziela bi Crodilo Eommereiale Triefte, Dia Mazzini 80. Die Derwalfnng -er „Wiener Morgenzeitnng" Wie«, tt., Taborstratze 1—3. Telephon 44.038, 43.319. - - - i- . Die Tenernag in Dndapest. Budap-st, 28. MI. (Tck. ». „Wr. Drorgenzeituug".) Der heutige'Tag'bewirtete einen neuerlichen Fortschritt in der erschreckenden Teuerung. Die Lebensmittel;unt>. Bwtpvei-se tvuvden iw einem bisher noch nicht -dageweseneu Maße gesteigert, .so daß ein Kilogramm Schwarzbrot 70 K., Weißbrot 9V K. unb eine Semmel 5.50 K. kosten. Die übrigen'Le'bensmittel halten mit ihren Preisen begreiflicherweise Schritt. So kostet ein Kilogvanrm Fett 600 K., ein Kilogramm Butter 600 bis 700 K. Im Zusammenhang mit diesen Preissteigerungen verlautet, daß das für Oesterreich bestimmte KMtiugent von 2000 Stück Vieh von ts che ch i s ch e n H ä n dlern angekauft wurde, um daun, über O e si e rrei ch nach der Tschechv-Slolvakei auSgesuhrt zu werden. Die Be- ' diensteten. per städtischen ^traßenba'hlwn 'errtsandten eine , Deplüation zur Direktion, um ihr.ein Memoranduin mitder Bitte um eine 50pwzentk>ge >Lohnerh öhung z»r übeveichen. Die Direktion erklärte die Forderung /für gerechtfertigt und erfMungswurdig, doch umtzte die Frage einer eillgehendeir/lieberlegüng unterzogen werden, da. die Lohnechöhilng eine Erhöhung der Straßbahntarife' gut Folge herben müßte. Betrcideausfuhrverbot aus Uugar»? Budapest, 25.. Juki. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) In der heutigen Sitzung des Teuerungsausschusses der Nationalversammlung stellte Abg. Karl Peher den Antrag, die Regierung möge die Getreidepreise maxi malisieren und die Aussuhr von Get r e i d e u n d Mehl bis zur Musgestaltung normaler Preisverhältnisse >verbieten. Der Ernöhrungsminjster versprach, den Antrag dem Ministerrat vorzulegen. , 26. Juli 1922 Seite 3 - -'XT'— -,— ---— ■ ' Die Ermordung Lapdaüs. / Budapest, 26. Juli? (Ung. Tel.-Korr.-Bur.)' Vor dein Bndapester S'taatsgerichtshofe hat heüte die Häupt- ' verhattdlung gegen deu Advokaten - Franz Ruzits und Genossen begonnen. Die Beschuldigten haben im Herbst 1920 den Kaufmann Adolf Landau im 'Laufe verschiedener 'Erpressungsmanöver' verhaftet lmd zu Tode gefoltert. Der-Hauptaugeklagte Ruzits gibt an, daß er, sowie'sein Klient Ferdinand Dobe in einem langen und' verwickelten Prozeß mit Landau gestanden hätten, der den Dobe noch Ivährend der Proletarierdiktatur/um fein Vermögen gebracht habe. Er habe den Landau nicht angezeigt. Das Verfahren gegen Landau sei aüf-Änzeige eines. Gutsbesitzers wegen Beleidiglmg des Staatsoberhauptes eingeleitet worden. Die Verhandlung wird morgen fortgesetzt/ Eine Kritik des christlicherr Kurses. <; Budapest,; (I. C. B.) In ' der letzten 'Sitzung del NationÄversammlung ergriff ein hervorragender Vertreter dar mlgarischen Literainr, Josef P a k o t s idas Wort, der jetzt gmil ersten Male als Politiker.eine Rolle spielt.- Er habe, sagte - er, sich deshalb 'auf die politische Laufbahn begeben,.'weil er-sehe, das; - man feisten heiligen christlichen Glaubenzum "Symbol von Gresteltaten gemacht habe,' daß man die - politischen Fragen vom konfessionellen Standpunkte aus behandle und den Scheiter-- Hausen des konfessionellen Hasses in' Brand'stecke, um sich darandas Hühnchen des eigenen kleinen Interesses zu braten. Wenn, man die Gründei sucht, /die eine solche EMartutzg der. Politik hervyrgerusen/ haben,-, wejse er zunächst auf -je«^,ProPag«nde hin, die mit Flugschriften den gesundeni nüchternen Volkssinn zu vergiften trachtete, was. ihr'auch teilweise gelungen fei; de man schreckliche Methoden in Anlvendmrg brachte. Pakots verlas Teile -sclchcr Flugschriften, in denen'erklärt wird, jeder jüdische Kaufmann sei ein Betrüger, jeder jüdische-Advokat , ein Panamist und jeher jüdische Arzt , ein Kirrderabkrerbert' Diese Politik widerspreche ganz und. gar den- Grundsätzender christlichen Lehre, von der Nächstenliebe. ' -- RMdscharr. Das PalästiNa-Marrdat. London, 25. Juli. (Reuter.) Der Völkerbundrat hat feine Tagung.beendot mrd. die Mandate in Palästina und Syrien endgültig ratifiziert. - , •;../• Der Wirksamkeitsbeginn der Mandate. .London, 26. Juli. (Tel/ d.„Wr. MörMMüüg"t)/ Gemäß dem Be-chlusie des'Rafts des Völkerbundes werden' die Mandate' Englan-ds in Palästina .und Fvankveichs' in Syrien automaitifch in Kraft treten, sobalÄ mne Ueberiem-- stimmung .zwischen der. italienischen, und französischen Regdevuug - erzielt sein-wird, und zwar über ^geAisse.. nebe?' - sächliche Pmckft-- Wr -je augenblicklich.Uutevhandlnügert in Paris geführt, werden/ Drese EiniWng^ dürfte zu Beginn der n.ächsten Woche erzielt werdest. Italien verlangt die Versichert^, dgß es in S y.r ie n ökonomische Privilegien erhalten werde, gleich denen, dft Amerika - mit Bezug auf Palästina von England erlangt habe. V i v i a n i erblickt darin keine Schwftrigkärftn und erstnltiatc 'best. Rat, beide Entwürfe mMlstehmen. ' - ' Mt Ausnahme vdn Mesopotannelr hat der Rat nunmehr alle M a n d a t s P r o b l e m e gelöst. Die Delegierten erklären, daß der Völkerbund nunmehr die. wichtigsten Arbeiten vollendet habe, >Me ihm der Versailler Vertrag übertrug. Es hlieberr lodiglich noch andere mehr nebensächliche Fragen offen, -wie z. B. die Op.iumfrag e, die FvaHe der Mißhand l'st-ng von -Frauen stnd K'ind c r n und die Frage des S a a r g e b i e t e 's. / ' Das RuLhenherg-ProjeLt - gesichert. London, 25. Juli. (Tel. der „Wiener Morgen» zeitung".) „Evening Standard" teilt mit, daß es gelungen sei, die für die E l e k t r i f i z i e r u n g P a l 8 st in a s notwendigen zwei Millionen Pfund zusammenzubringen. Der größte Teil dieser Summe wurde v'on englischen «nd amerikanischen Kapitalisten gezeichnet. Die LderLzeug-KaMMgye für Palästirra. New-Nork, 22.! Juli. (I. C. B.).Die/r Tage, ist-ein neuer Darnpse^ mit Werkzeugen und Maschinen' für die jnd ischen Arbeiterin. Palästina abgegangen. Die . Ladung . enthält diesmal, .'nebst 40 MasclMeu, Ackeroisen und Kultivators auch, einen großen Saatguttransport für dir Kooperativen ,der Mischen Landarbeiter. Die ÄeAtsche Nelpublik.««d Bayerrr. Berlin, 25. Juli. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Das Reichskabinett trat heute vormittags , zusammen, um die gestern begonnene Verhandlung über die erforderlichen Schritte des Reiches g e g e n ü b c r B a y e r n sörtzusetzen. Die Reichsminister Dr. Radvruch und Dt. Köster sind von ihrem Erholungsurlaub zurückberusen worden, da namentlich aufdie- Anwesenheit des Reichsjnstizm i n i st e r 8 größtes Gewicht gelegt wird. Das Kabinett wird zunächst dfe rechtliche Grundlage der bayrischen Verordnung prüfen und dann von sich aus ein ausführliches juristisches Gutachten abgeben, das die Unhaltbarkeit des bayrischen Vorgehens darlegen soll. Die Beratungen nahmen den ganzen hestttgen Tag in Anspruch ustd werden auch morgen fortgesetzt werden, da die Regierung eine Entscheldüng vön so großer Tragweite nicht treffen kann, ohne alle Möglichkeiten und staatsrechtlichen' Grundlagerr erim Kampf gegen die Teuerung. Beachten S!c un Wre Preise für engl. Stoffe, Regenmäntel, Leib- und Bettwäsche etc. II., Taborstraße 48 . Telephon 47-1-7# L 8t8! 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